17. Reisebericht: Fortsetzung der Suche nach dem Paradies in Thailand

März 13, 2010

Nachdem wir uns mit Bedauern von Renate verabschiedet haben, steigen wir ins Taxi und fahren Richtung Krabi Jetty. Wir nehmen diese Reise voller Erwartung in Angriff, denn wir fahren auf eine kleine Insel, die uns in Bangkok von Monika und Kurt aus dem Emmental so herzlich empfohlen wurde. Auf halbem Weg kriegt der Fahrer aber einen Anruf und macht darauf hin eine Kehrtwende zurück nach Ao Nang, wo wir Renate nochmals winken können (leider ohne Reaktion ihrerseits). Ein weiteres Päärli steigt zu uns – na ja, es gibt immer Kurzentschlossene und wir wissen jetzt auch, wozu so viel Zeit eingeplant wird, für den Katzensprung zum Anlegesteg der Fähre. Wir schaffen es schliesslich bis zur Fähre und sind beruhigt, dass es sich hier nicht um eine High-Speed-Ferry handelt, womit wir schlechte (im wahrsten Sinne des Wortes) Erfahrungen gemacht haben, sondern um ein eher langsames, solides Schiff. Mitten in der Andamanensee werden wir von einem kleinen Boot, beschriftet mit dem Namen unserer Unterkunft, abgeholt und müssen unser schweres Gepäck von SCHIFF A auf boot b hieven.

Umsteigen auf dem Wasser: Von der Fähre über zwei Boote bis zum richtigen Taxi

Was wir dann vor uns sehen, ist unbeschreiblich schön! Die malerische Insel Ko Jum ist heute noch so, wie wohl Ko Lanta und Ko Samui vor 20 Jahren waren: wirklich ursprünglich und unberührt, praktisch ohne Asphalt-Strasse und viele der grösstenteils einfachen Resorts und Unterkünfte sind nur per Boot zugänglich – so wie unser Ko Jum Resort.

Idyllisch in der Andamanensee gelegen: die wunderschöne Insel Ko Jum

Wir werden in ein anspruchsloses Bungalow aus Rattan mit „privatem“ Meerblickvorbau geführt, wo wir uns der bezaubernden Aussicht erfreuen. Wir haben es gefunden – unser Paradies in Thailand! Das Meer ist wunderschön und sehr warm, der Strand einsam und malerisch und unser kleines Häuschen passt zu den verlassenen Stränden und dem kaum befahrbaren einzigen Weg hinter dem Resort. Wir fühlen uns wohl uns sind froh, einen wirklich schönen Ort in Thailand beschreiben zu können! Elektrischen Strom gibt es auf Ko Jum erst seit ein paar Monaten, was uns eher bekümmert als erfreut, denn damit steht den Riesenresorts nach dem Vorbild von Ko Samui nichts mehr im Wege…

Unsere Terasse mit Meerblick ist zum Relaxen gemacht!

Diese Stühle haben wir oft besetzt. Schlafzimmer im Hintergrund.

Es zieht uns an den schönen Strand, wo wir feststellen, dass es auch in Österreich Ladyboys gibt die bunte Zehennägel mögen (oder liegt es nur daran, dass Mann in Thailand damit nicht auffällt?). Unsere Nachbarn aus Österreich haben sogar das Zelt dabei, obwohl dies nicht ganz ladyboy-like ist (aber sympathisch, ned?).

Am nächsten frühen Morgen mach ich mich auf eine Jogging-Erkundungstour – es fühlt sich toll an, ohne Motorenlärm und streunende Hunde sondern im angenehmen Schatten der Bäume auf Schotterstrassen zu rennen! Nach der Tour kann ich Thomas berichten, dass sich der erste Minimarkt nur 1.5 km von unserem Resort befindet und dass es ein kleines idyllisches Dorf mit Inselbewohnern gibt. Nach dieser tollen Berichterstattung und dem gesunden Frühstück will Thomas natürlich auch auf Inselerkundungstour. Bei mindestens 35°C marschieren wir in der Folge 3 Stunden dem Weg entlang (ich nenne ihn „der Weg“, weil es keinen anderen gibt), der leider nicht immer von Bäumen gesäumt ist. So komisch und unverständlich es klingen mag, doch wir sehnen uns tatsächlich nach ein paar Wolken.

Das kleine Dörfchen ist entzückend. Kleine, auf Stelzen stehende einfache Häuser aus Rattan oder Bambus reihen sich entlang des einzigen Teersträsschens der Insel und die Einwohner haben aller ihr eigenes kleines Unternehmen, sei es der Verkauf von Benzin in Flaschen oder von gekochtem Reis in Bananenblättern.

Friedliches Inselleben im Dörfchen von Ko Jum

Eigentlich würden wir auf unserer Tour gerne einen etwas weniger kleinen Minimarkt finden, als den zuerst gesichteten. Wir finden aber heraus, dass dies bereits der grösste Minimarkt ist und enden am Schluss doch wieder da, um Wasser und (lange abgelaufenes) Cola Zero zu erstatten.

Ein Taxi der anderen Art vor der Schule Ko Jum

Abends essen wir bei einem französisch-thailändischen Paar im Resort nebenan, das sie vor etwa 5 Jahren eröffnet haben und uns selber auf Ideen bringt J Warum eigentlich nicht? Wir geniessen die Insel Romantik mit Sternenhimmel, Meeresrauschen und Hochsommer-Temperaturen in vollen Zügen und sind froh, ein solch schönes Plätzchen gefunden zu haben.

Auch die nächsten zwei Tage verbringen wir vor allem mit Genuss und Erholung, wandern oder rennen auf der Insel rum und erfreuen uns des Lebens! Es sind diese Momente, wo man sich des Glücks bewusst wird, das wir haben – 6 Monate Reisen ist ein so tolles Erlebnis, dass man es sich immer vor Augen halten sollte!

Abendstimmung und Inselromantik auf Ko Jum

Der Tag der Abreise war gut geplant, denn aller Genüsse der Insel zum Trotz, wir wollen einen Schritt weiter auf unserer Erlebnisreise. Um 9 holt uns die Fähre (natürlich wieder mit Boot-Taxi bis zum „grossen“ Schiff) ab und bringt uns nach Krabi zurück. Da unsere weitere Reise nach Laos führt, haben wir ab Phuket einen Flug in den Nordosten von Thailand an die Grenze zu Laos gebucht. Obwohl wir Phuket meiden wollten, verbringen wir doch zwei Tage auf der renommierten Insel. Damit wir nicht voll im Mekka der Altlüstlinge sind, bleiben wir in der Stadt Phuket, wo es keine Strände gibt. Mit dem Bus gelangen wir rasch dorthin und finden eine tolle moderne Unterkunft, wo wir Platz zum Verschwenden haben – insbesondere, da wir uns in den vergangenen Tagen an 15 m2 gewöhnen mussten. Es gibt sogar einen funktionierenden Fitnessraum, wo ich mich voll austoben kann, während Thomas sich um wichtigeres kümmert (CV, Job-Angebote und Bewerbungsunterlagen…). Wir geniessen die verfügbare Steigerung vom Minimarkt zum Supermarkt und kaufen alles ein, was uns gefehlt hat auf der einsamen Insel. Abends probier ich das typische Gericht „Tom Yum“ und ahne noch nichts von den Folgen, die ich in der kommenden Nacht mehrmals zu spüren bekommen werde…

Am nächsten Tag machen wir per Tuk-Tuk einen Ausflug zum „Phuket-Strand“ Hat Nai Harn, der laut Reiseführer etwas weniger überlaufen sein soll. Am Ziel angekommen, möchten wir nicht wissen, wie die „überlaufenen“ Strände von Phuket aussehen, denn hier reiht sich Sonnenschirm an Sonnenschirm und ausschliesslich schöne Menschen liegen darunter. Es ist zudem zu heiss um sich ausserhalb des Schattens aufzuhalten, weshalb wir auch bald wieder per Abzocker-Tuk-Tuk zurück in unser Städtchen kehren, wo wir ein köstliches abschliessendes indisches Mahl einnehmen.

Hat Nai Harn, einer der Strände auf Phuket - man fühlt sich hier nie alleine

Der nächste Tag bringt uns per Air-Asia-Flug günstig in den Nordwesten von Thailand, nach Udon Thani und von da per Bus nach Nong Khai, einem gemütlichen Grenzstädtchen zu Laos. Wir finden einen Platz im bekanntesten Guesthouse der Region, Mut Mee, deren Besitzer selbst mit Lonely Planet ein Abkommen zu haben scheinen (weshalb praktisch immer jedes Zimmer besetzt ist). Die Backpacker-Anlage ist wirklich behaglich, es gibt hübsche einfache Zimmer und einen riesigen Garten. Jegliche Konsumation beruht auf Vertrauensbasis – verrechnet wird am Ende nur, was im zimmereigenen Gästebüchlein von den Gästen eingetragen wurde und dies scheint einwandfrei zu funktionieren. Wir lernen während der Reise Sandra aus Zürich kennen und verbringen einen heiteren Abend im Mut Mee Garten.

Das kleine Städtchen möchten wir uns am folgenden Tag etwas näher ansehen. So schlendern wir über den grossen Markt wo man wirklich alles findet – irgendwo. Der Tag verläuft sehr gemütlich, wie alles in Nong Khai und wir sitzen anschliessend im erfrischenden Garten und betreiben Reiseplanung bzw. Berichtschreiben.

Big Brother is watching you - über den Dächern von Nong Khai

Nach einer schönen Sunset-Tour auf dem Mekong River, der hier die Grenze zwischen Thailand und Laos bildet, entspannen wir uns bei einer richtigen Thai Massage (autsch!) und essen anschliessend als einzige Gäste in einem am Mekong gelegenen Restaurant thailändische Spezialitäten wie Morning Glory und Fischsauce (für Kommentare diesbezüglich ist Thomas zuständig).

Wir freuen uns auf den nächsten Tag, denn dann beginnt das nächste Abenteuer: LAOS!

16. Reisebericht: Unterwegs im südlichen Thailand von Cha-An bis Ao Nang

März 2, 2010

von Thomas

Die Zugfahrt von Pak Chang nach Cha-An ist ermüdend und anstrengend. Ja, es gibt schon auch positive Aspekte: Die Landschaft, die langsam an einem vorbei zieht (die Maximalgeschwindigkeit überschreitet ja kaum 50km/h), die freundlichen Mitreisenden, die einen herzlich grüssen und ein freundliches Lächeln schenken (einige Fahrgäste sind allerdings auch am helllichten Tag schon so verladen, dass man sich nie ganz sicher ist, ob die Freude über die Begegnung mit einem „Farang“ nicht auch plötzlich in Aggression überschwappt) oder auch das reichhaltige Angebot an Nahrungsmitteln und Getränken während der Fahrt (in der Tat vergeht kaum eine Minute, ohne dass irgendein Händler einem irgendeine Köstlichkeit andrehen möchte). Grundsätzlich ist die Fahrt wirklich ein schönes Erlebnis, wäre da nicht die Fahrt durch Bangkok. Von Norden kommend müssen wir durch die halbe Stadt (und in der Stadt gibt es schätzungsweise 57 Haltestellen) zum Hauptbahnhof und von dort, nach Süden reisend, durch die andere Hälfte der Stadt. Es ist schier unendlich.

Fröhliche Farangs auf ihrer unvergesslichen Zugfahrt

In Cha-An haben wir im Voraus eine Unterkunft reserviert, das Happy Inn. Der Pick-up-Service vom Bahnhof klappt nicht so ganz, und so setzen wir uns telefonisch mit Miss Aree in Verbindung, der freundlichen Besitzerin des Happy Inn und stellen fest, dass alles doch kein Problem ist. Miss Aree ist ganz in der Nähe, sie musste lediglich noch schnell einen Kühlschrank am Markt besorgen, der mit uns auf das Taxi muss. Miss Aree ist richtig süss und punktet mit ihrer Freundlichkeit, weshalb wir die Qualitätsmankos der Unterkunft grosszügig übersehen. Die Unterkunft ist irgendwie mit Miss Arees Alphabet zu vergleichen – gewisse Teile müssen noch ein- oder ausgebaut werden. Bei ihr fehlen z.B. diverse Konsonanten, weshalb wir uns im Gespräch mit ihr ans Glücksrad erinnert fühlen.

Cha-An ist unserer Ansicht nach nicht unbedingt ein Ort, den man gesehen haben muss. Auch der Strand zählt nicht zu den schönsten der Welt. Dennoch haben sich hier zahlreiche Westler angesiedelt, die in ihre Irish Pubs und Schnitzelhäuser einladen. Selbst das Restaurant „Röstigraben“ fehlt hier nicht. Wir verbringen einen Tag am Meer und erholen uns von der anstrengenden Zugfahrt. Unser Vorabendprogramm findet in einer der zahlreichen Bars statt, in welchen überdurchschnittlich viele junge Damen arbeiten. Trotz personeller Überbelegung fehlt dann aber doch die Hauptperson der Cocktail-Bar, die Cocktail-Mixerin, so dass Anita gezwungen ist, sich ihren so geliebten Bloody Mary selbst zu mixen, denn die anderen Damen haben keinen Schimmer, was das überhaupt ist. Nachdem wir später dann all unsere Restaurant-Optionen durchgehen, verankert sich in meinen Gedanken bei der Nennung des „Schnitzelhauses“ ein saftiges Cordon Bleu, so dass ich alles daran setze, meine Begleiterinnen von diesem interessanten Lokal zu überzeugen, was mir Gott sei Dank dann tatsächlich auch gelingt!

Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Chumphon, das häufig auch Chumporn genannt wird (Ich entscheide mich hier für die zweite Variante, denn mit „Porn“ lässt sich immer etwas die Leserzahl erhöhen). Überhaupt nehmen es die Thais nicht so streng, was die Rechtschreibung anbelangt. Man lebt nach dem Motto, dass alles, was irgendwie ähnlich klingt, korrekt ist und diskussionslos aufgeschrieben werden darf. Es ist ein wenig wie beim Schweizerdeutsch-Schreiben, da ist ja auch alles erlaubt. Übrigens ist man in anderen asiatischen Ländern ebenso kulant wie in Thailand… Egal, die Fahrt nach Chumporn, von wo aus wir weiter nach Koh Tao wollen, gestaltet sich schwieriger als erwartet und wir haben es einmal mehr dem Goldschatz aus dem Happy Inn, Miss Aree, zu verdanken, dass wir den Bus, der leider nur in der nächst grösseren Stadt fährt, doch noch rechtzeitig erwischen. Die Fahrt dauert mehrere Stunden und zu unserem Erstaunen befindet sich der Busbahnhof von Chumporn nicht etwa bei der Fährstation oder der Stadtmitte, sondern etwa 15 km ausserhalb. Hier sieht es ziemlich verlassen, ja leicht unheimlich, aus und so bleibt uns nichts anderes übrig, als auf das Angebot des einzigen „Transportunternehmens“ einzugehen und uns in die Stadt fahren zu lassen. Dort finden wir heraus, dass sämtliche Fähren bereits abgefahren sind, so dass wir gezwungen sind, eine Nacht in Chumporn zu verbringen. Die Freude darüber hält sich in Grenzen, denn zur Stadt Chumporn lässt sich nur sagen, dass sie Gäste nicht nur mit ihrem Erscheinungsbild, sondern auch mit ihren Unterkünften abschreckt.

Wir verlassen Chumporn gerne und nehmen auch in Kauf, dass wir uns bereits um 5 Uhr in unserem Reisebüro einzufinden haben. Von dort bringt uns der Minibus zum grossen Bus, mit welchem es etwa 20 Minuten stadtauswärts geht bis wir endlich auf unsere Fähre nach Koh Tao steigen können. Dort erlebt die arme Renate wohl die schrecklichsten Stunden ihres Thailand-Besuchs, denn die See ist unruhig und die Fahrt dauert über drei Stunden. Sie hält sich aber wacker, denn ausser Humorlosigkeit, wortkargem Verhalten und grünlicher Verfärbung der Gesichtsfarbe geschieht nichts. Trotzdem freuen wir uns aber endlich Koh Tao zu erreichen und unbeschwertes Inselleben geniessen zu können.

Unversehrter Strandabschnitt in Sairee Beach - eine Seltenheit!

Koh Tao, die „Schildkröteninsel“, galt immer als die ruhigste und einsamste Insel des Inseltrios Koh Samui, Koh Phangan und Koh Tao. Ob dies heute noch so ist? Wir wohnen in einer sehr angenehmen Unterkunft im Hauptort Sairee Beach (Nur der permanent vor den Gästeveranden herumhängende Putzmann, der sehr laut und ekelhaft in regelmässigen Abständen den in den hintersten Ritzen sitzenden Schleim und Speichel aus sich heraussaugt, stört etwas.). Sairee Beach hat sich in den letzten Jahren massiv entwickelt und dabei sind leider diverse Bausünden begangen worden. So ist es z.B. nicht mehr möglich, dem Strand entlang zu spazieren, da hier mal jemand die Idee hatte, die Restaurants und Unterkünfte direkt am Meer zu bauen, was fast von allen anderen kopiert wurde. Man findet also wunderbares, türkisfarbenes Meerwasser, doch weite Teile des Strandes sind einfach verschwunden. Unsere Unterkunft baut beim Strand vorne ebenfalls aus, so dass es da nicht richtig gemütlich ist zum Entspannen. Wir spazieren etwas im Ort herum und realisieren, wie vollgepackt es hier ist mit Restaurants, Unterkünften, Tauchschulen und Reisebüros. Die Zeiten ohne Stromversorgung sind definitiv vorbei. Zudem wimmelt es von Rollern. Der Verkehr steht in keiner Relation zur Grösse der Insel, die sechs Kilometer lang und drei Kilometer breit ist. Wir müssen feststellen, dass Koh Tao nicht mehr das Paradies ist, was es wahrscheinlich noch vor wenigen Jahren war. Trotzdem ist es immer noch eine sehr schöne Insel und wir machen uns eine tolle Zeit. Am ersten Abend essen wir in einem der Strandrestaurants lecker Thai und schauen auf Renates Wunsch gleich noch „Twilight“ im Restaurant-Kino. Im Anschluss kosten wir noch unsere Veranda aus und diskutieren bis spät in die Nacht!

Sonnenuntergang auf Koh Tao

Den nächsten Tag gehen wir ruhig an. Wir regeln die Weiterfahrt, entspannen am Meer, essen beim Mexikaner unser Abendessen und verwöhnen uns mit einer Fuss- bzw. Thaimassage. Am dritten Tag ziehen wir die Wanderschuhe an und machen uns auf die Suche nach weniger bevölkerten Stränden auf der Insel. Als wir die viel befahrene Hauptstrasse endlich verlassen und auch das Elektrizitätswerk und die Mülldeponie hinter uns lassen, werden wir langsam zuversichtlich, ein Stück Paradies zu finden. Die Begeisterung für unsere erste Entdeckung, Ao Leuk, hält sich aber in Grenzen, so dass wir unsere Wanderung fortsetzen mit dem Ziel „June Juea Beach“. Als wir unser Ziel nach mehreren Anläufen endlich finden, sind wir begeistert! Hier im Süden der Insel ist es noch richtig gemütlich und die Unterkünfte wunderhübsch! Wir hoffen, dass dies noch ein Weilchen so bleibt!

Auf der Wanderung auf Koh Tao. Werden wir das verlassene Paradies finden?

Am 19. Januar, dem Tag an dem ich praktisch zum Nichtraucher wurde (seltene Ausnahmen sind erlaubt), fahren wir mit dem Turbo-Katamaran zurück aufs Festland. Wellentechnisch ist ganz schön was los, doch mit Reisetabletten und dem starren Blick zum Horizont überleben wir die Überfahrt nach Chumporn unversehrt. Von dort geht es mit dem Bus weiter an die Westküste, genauer gesagt nach Ao Nang bei Krabi. Hier werden wir die nächsten Tage bleiben!

Aussicht aus dem Hotelzimmer in Ao Nang

Bei der Hotelbuchung hiess es, wir seien etwas ausserhalb des Zentrums. Wir haben uns vorgestellt, wir müssten durch den Dschungel wandern bis wir ins Herz des gemütlichen Ferienörtchens vorstossen, doch dem ist nicht ganz so. Unser Hotel liegt an der Hauptstrasse und der Weg zum Meer führt an unzähligen Shops und Restaurants vorbei. Es ist aber trotzdem ganz nett hier und das Hotel bietet angenehmen Komfort und Englisch sprechendes Personal. Ausserdem lassen sich viele Ausflüge von hier aus unternehmen. Dafür ist es am ersten Tag aber zu spät, denn wir kommen erst am Abend an und so reicht es nur für ein ausgezeichnetes thailändisches Abendessen im kleinen Familienbetrieb gleich gegenüber unseres Hotels.

In Ao Nang fehlt selbst Mc Donalds nicht!

Am nächsten Tag verbringen wir erstaunlich viel Zeit mit Shopping und die Zeit vergeht unglaublich schnell, gerade wenn man da ein Käffchen und dort ein Käffchen zu sich nimmt. Erst am späten Nachmittag brechen wir auf Richtung Norden zu einem Strand, der vor allem von Einheimischen aufgesucht wird. Es ist definitiv kein Badestrand, dafür ein toller Ort um stundenlang spazieren zu gehen. Es ist Ebbe und wahrscheinlich könnte man jetzt bis zur nächsten Insel wandern. Wir verzichten aber darauf und waten lediglich ein wenig durchs seichte Wasser, umgeben von unzähligen Muscheln und Krebsen. In einem Strandlokal wollen wir noch den Sonnenuntergang geniessen, doch da das Lokal so schmuddelig und gleichzeitig masslos überteuert ist, ändern wir den Plan und machen uns auf den Nach-Hause-Weg. Zur Abwechslung speisen wir am Abend dann man wieder Indisch!

Am "Thai-Strand" nördlich von Ao Nang lässt es sich stundenlang spazieren - insbesondere bei Ebbe

Hat Rai Leh heisst unser Ziel am nächsten Tag. Es handelt sich um einen märchenhaften Strandabschnitt, der türkisfarbenes Meer, weissen Sand und faszinierende Felsformationen miteinander verbindet. Den Strand erreichen wir mit kleinen, schmalen Boot-Taxis, den sogenannten Longtailboats oder eben Langschwanzbooten. Schon die Fahrt entlang der Küste ist unglaublich reizvoll. Die Sonne brennt und wir benötigen dringend Abkühlung. Das Meer taugt dazu kaum, denn die Wassertemperatur dürfte irgendwo im Bereich von 30 Grad liegen. Wir landen also erst im Strandcafé und schauen uns später noch ein wenig die Gegend an, wobei wir nicht nur weitere Felsen, sondern auch noch Affen und eine Reggae-Bar entdecken! Wir sind sehr glücklich darüber, dass uns die Reggae-Bar einigermassen mit Reggae verschont und so bleiben wir hier, umgeben von Felsen und Wäldern, noch ein wenig liegen bevor wir uns auf den Rückweg machen!

Unterwegs mit dem Longtailboat - Küstenabschnitt zwischen Ao Nang und Hat Rai Leh

Unweit von Krabi gibt es einen Nationalpark, den wir am nächsten Tag besuchen wollen. Dazu mieten wir erst mal zwei Motorräder und dann geht es los! Auf den unbefahrenen Strassenabschnitten macht die Fahrt Spass, auf den stärker befahrenen Strecken ist sie recht unangenehm. Wir haben es aber geschafft und schon beim Eingang empfängt uns zur Belohnung ein stolzer Pfau! Wir machen uns gleich auf die Wanderung und schmunzeln noch ein wenig, als wir erfahren, dass unsere Tour nur wenige Kilometer dauert. Was aber folgt, werden wir so schnell nicht vergessen, denn die Strecke ist unglaublich anstrengend. Irgendjemand hat ein Schild mit der Aufschrift „Trail of Death“ angefertigt und an einen Baum genagelt. Die Person hatte Recht! Obschon wir uns, mitten im Dschungel, meist durch schattiges Gebiet bewegen, sind die Hitze und die Wegsteigung massiv. Wir erreichen stöhnend den Aussichtspunkt, verlieren aber später den Weg, so dass wir umkehren und Richtung Wasserfall marschieren. Ein steiler Weg bergab führt uns leider nur zu einem eher bescheidenen Bächlein, so dass sämtliche Bade- und Abkühlungsträume platzen. Wir schlagen der Rückweg ein und erreichen nach einiger Zeit wieder den Ausgangspunkt, wobei Renate mit ihrem Schlussspurt überrascht, denn noch vor etwa einer halben Stunden gab sie an, am Ende ihrer Kräfte zu sein. Am Ziel sehen wir aus als würden wir gleich an einem Wet-T-Shirt-Contest teilnehmen, allerdings zeigen wir starke Ermüdungserscheinungen, weshalb man uns von der Teilnahme wohl ausschliessen würde. Nachdem wir endlich zusätzliches Wasser kaufen können, entschliessen wir uns, auch noch den zweiten Wasserfall anzuschauen und werden diesmal ganz und gar nicht enttäuscht! Zufrieden, müde und immer noch nass treten wir gegen Abend die Rückfahrt an. Wir verfahren uns zwar leicht, finden aber doch zurück nach Ao Nang, wo wir dann am Abend bei einem reichhaltigen Buffet die verlorenen Kalorien wieder zu uns nehmen!

Hart erkämpfte Aussicht im Khao Phanom Bencha Nationalpark

Und dann folgt Renates letzter Tag in Thailand und wir entscheiden uns einfach gar nichts zu machen! Wir machen uns einen gemütlichen Tag in Ao Nang, geben Renates letztes Geld aus und geniessen Sonne, Meer und das Dolce Far Niente! Am nächsten Tag fliegt Renate via Bangkok nach Zürich und wir setzten unsere Reise fort nach Koh Jum, einer kleinen Insel in der Adamanensee!

Noch einmal alles gegeben - auf finaler Shoppingtour in Ao Nang

15. Reisebericht: Thailand – Bangkok, Ayutthaya, Khao Yai Nationalpark

Februar 16, 2010

von Anita 

Land des Lächelns, Paradies auf Erden, Asien-Ferienziel Nr. 1 – SAWASDEE. Massagen, Traumstrände, Sonne und Meer, relaxen und das alles zu erschwinglichen Preisen. Man hört – abgesehen vom Sextourismus – nur Gutes von diesem grossen Königreich in Südostasien. Thailand, unsere nächste Destination, die wir voller Spannung und Vorfreude bereisen. 

Bangkok, Suvarnabhumi Airport, 16.00 Uhr. Es ist schwül-heiss, noch schlimmer als in HCMC. Unser Gepäck ist da, jetzt brauchen wir einen Geldautomaten, um die neue Währung BAHT in den Händen halten zu können und um unsere Expedition Thailand starten zu können! Wie üblich erhalten wir vom ATM nur grosse Scheine, welche wir überdies bloss auf einer Seite entziffern können: 1000 Baht, das ist zu viel für den Bus! Damit wir zu kleinem Geld kommen, kauft sich Thomas beim Flughafenkiosk eine ersehnte Coca-Cola Zero. Dass er dafür so viel bezahlt wie noch nie auf unserer Reise (und wie in der Folge auch nicht mehr), finden wir erst beim Einsteigen in den Bus heraus. Tja, neue Währungen und Umrechnungsfaktoren haben so ihre Tücken! 

Wir haben bereits ein Hotel gebucht und sind beim Aussteigen sehr froh darüber. Wie auch schon in Vietnam erlebt, wird man regelrecht bombardiert mit Angeboten – Tuk-Tuk, Motorbike-Taxi und Gästehaus-Angebote zu sagenhaften Preisen werden einem beim Entgegennehmen des Gepäckes zugerufen. Leicht misstrauisch erklären wir immer wieder, dass wir bereits eine Unterkunft gebucht haben und versuchen, diese auf eigene Faust zu finden. Ein besonders hartnäckiger Motorbike-Fahrer will uns unbedingt auf seinem Töff zu unserem Hotel führen (wie er sich das mit 2 Erwachsenen und 2 grossen Rucksäcken à je ca. 17 kg vorgestellt hat, bleibt mir ein Rätsel). Selbstsicher bahnen wir uns einen Weg durch den bietenden Haufen und laufen in eine Richtung, von der wir denken, es sei die richtige. Leider erweist sich die Suche als ziemlich kompliziert, denn alle Strassennamen tönen für uns gleich und jede Seitenstrasse trägt den Namen der grossen Hauptstrasse auch noch mit. Wir laufen also der Ratcha Damnoen Klang und suchen Ratcha Damnoen Klang Soi. Irgendwann kommen wir wieder an den Platz, an dem wir vorhin ausgestiegen sind und stossen zu allem Übel auch noch auf denselben Motorbike-Fahrer. „I told you! I told you to come with me!“ ruft er triumphierend in unsere Richtung, wobei sein Atem unverkennbar verrät, womit er sich die Zeit vertrieben hat und damit seine Chancen, ihn doch als Taxifahrer zu wählen, definitiv verspielt hat (auch in Thailand sollten Taxifahrer jeder Art nicht alkoholisiert arbeiten). Schliesslich finden wir mit Hilfe eines Touristenbüros den richtigen Weg zum Hotel, wo wir ein spartanisch eingerichtetes aber sauberes Zimmer beziehen dürfen. 

Die Khao San Road in Bangkok - 24 h lang Betrieb

Wir stürzen uns gleich mitten ins Backpacker-Zentrum von Bangkok, die Khao San Road! Im Thai-Restaurant kriegen wir gleich mit dem Essen eine Kostprobe des thailändischen Stolzes: nichts ist schlimmer, als das Gesicht zu verlieren bzw. eine Frage nicht beantworten zu können. Bei Fragen, insbesondere bei Unklarheiten zur Menukarte, wird lieber mit breitem Lächeln und überzeugend genug mit No oder Yes geantwortet als zugegeben, es nicht zu wissen. Fazit: nur bestellen, was man zu kennen glaubt oder im Lonely Planet steht – gerade als Vegetarier! Wir lernen unsere Tischnachbarn, Monika und Kurt aus Bern/Emmental kennen und kriegen von ihnen zahlreiche Tipps zu Thailand, wo sie einige Wochen bereits am Reisen sind. Wir verbringen einen tollen ersten Abend in der geschäftigen Khao San Road und freuen uns bei den Erzählungen der beiden schon sehr auf die kommenden Wochen! 

Nach dieser etwas längeren Nacht beginnt der 1. Tag in Bangkok etwas verspätet aber nicht minder erwartungsvoll. Wir spazieren die bereits kennengelernte Khao San Road entlang und staunen erneut  über den herrschenden ungeheuren Betrieb in diesem Teil Bangkoks! Der Hitze zum Trotz werden auch tagsüber zahllose T-Shirts, Studentenkarten, Parfums, Uhren, Ledergurte, DVDs, Handtaschen und Markenklamotten angeboten. Alles echt, versteht sich. Ich kaufe mir ein „Same same – but different“-T-Shirt, denn das kann mir am Zoll keiner wegnehmen. Daneben gibt es natürlich massenweise Verpflegungsmöglichkeiten. Bei 35°C kann man schon mal ein reduziertes Hungergefühl haben, doch diese Gegebenheit scheint man hier geradezu als Herausforderung zu verstehen! Überall wird gegrillt, gebrutzelt, frittiert, gebacken, gedämpft, gepresst und am wichtigsten: stir-fried im Wok. Frische Fruchtsäfte à la Starbucks aber zu tollen Preisen und sogar Glace gibt es hier. Taxis, Tuk-Tuks, Massagen, Maniküren und Facial Treatments werden einem offeriert ohne Ende, darüber hinaus gibt es Restaurants aus aller Welt die sich gegenseitig die Kunden auszuspannen versuchen. Es vergeht keine Sekunde, ohne dass es irgendwo etwas zu beobachten gäbe – bei dieser Reizüberflutung also kein Wunder, dass wir am Vorabend etwas länger bleiben mussten! 

Da ich schon zu lange nicht mehr zum Joggen kam, lässt sich Thomas – wenn auch skeptisch – überreden, mit mir auf „Parksuche in Bangkok“ zu gehen. Nach geraumer Zeit und einigen Kilometern zu Fuss, muss ich enttäuscht und entmutigt resignieren und erkläre Bangkok zur läuferunfreundlichsten Stadt der Welt. Es gibt hier nur Strassen, Verkehrslärm, Staub, Ampeln, viele geschäftige Menschen und schwüle Hitze… Und da die auf der Karte eingezeichneten Grünflächen in der Regel irgendeinem gut besuchten Tempel angehören, kann man auch da selten der Grossstadthektik entfliehen. Als wir selbst den Pier zu einer erfrischenden Bootsfahrt auf dem Chao Phraya Fluss nicht finden, sind wir doch etwas enttäuscht von Bangkok und kehren zurück in unser Zimmer. 

Wir versuchen die Bootsfahrt am nächsten Tag erneut, diesmal erfolgreich! Wir fahren ins Einkaufs- und Vergnügungszentrum Bangkoks, zur Siam Square. Hier erinnert Bangkok eher an eine westliche Grossstadt oder an Singapur, als an das was wir bisher gesehen haben. Die Strassen werden gesäumt von riesigen Einkaufszentren, Fastfood-Restaurants und Designermodegeschäften. Bei den Kühlschranktemperaturen in den Malls können wir uns zwar in Rekordtempo runter kühlen (oder auch  schockgefrieren), doch allzu viel Neues gibt es hier auch nicht. Sind wir etwa schon zu viel gereist?? Wir schauen uns auf dem Rückweg die Sehenswürdigkeit „Sao Ching Cha“, die grosse Schaukel, an und zählen es nicht zu unseren Top-Attraktionen Bangkoks, selbst wenn wir bisher kaum was gesehen haben… Für die nächsten Tage hoffen wir auf eine Steigerung. 

Sao Ching Cha, die grosse Schaukel mit Umgebung - eine Sehenswürdigkeit

Am Donnerstag, 7.1.2010 kriegen wir Besuch aus der Schweiz! Renate begleitet uns für knappe 3 Wochen auf unserer Reise in Südostasien. Wir wechseln in ein grösseres Hotel mitten im Khao San Viertel, so kann Renate auch gleich eine volle Portion Thailand abkriegen, sie hat ja etwas weniger Zeit als wir. Sie kommt am späten Nachmittag aus Zürich an und wirkt nach dem langen Flug sehr erholt und entspannt. Kein Wunder, denn die Swiss-Upgrade-Fee pickte Renates Ticket raus! Von den Annehmlichkeiten eines Swiss-Business-Class Fluges werden wir in den nächsten Tagen aufgrund ihrer Erzählungen klar überzeugt und bedauern es sehr, dass bei Air Asia weder vergleichbare Business Class Plätze, noch Feen fliegen. 

Angekommen in Bangkok, nehmen wir einen ersten Begrüssungsdrink und essen anschliessend typisch Thai mit Spicy Papaya Salad, Red und Green Curry. Thailändisch ist im Restaurant allerdings nicht nur das Essen, sondern auch die Lautstärke der nebenan singenden Live-Band, was selbst der ausgeruhten und auf Neues gespannten Renate etwas zu viel ist… 

Welcome: Renate, Thomas und das typische thailändische Chang

 Am ersten Leider ist es in Bangkok 24 Stunden am Tag lang Reisebegleitungstag von Renate wollen wir uns das kulturelle Highlight von Bangkok anschauen: Ko Ratanakosin, die Vatikanstadt des thailändischen Buddhismus, mit zahlreichen Tempeln und anderen Bauwerken, sowie der ehemaligen königlichen Residenz, Grand Palace. schwül und hitzig, so dass es auch keine Morgenfrische gibt und wir bereits auf der kurzen Strecke zu Fuss zum Gelände ins Schwitzen kommen. Dafür werden wir, nach dem Renate aufgrund ihrer offenen Schuhe einen tadelnden Blick von der scharfen Kontrolle am Eingang kassiert hat, aber belohnt, denn es ist wirklich eine beeindruckende Sehenswürdigkeit. 

The Grand Palace: ehemalige offizielle Residenz der Könige von Siam bis Mitte 20. Jh

Einige der meistverehrtesten Tempel Thailands befinden sich hier (deshalb sollte man sich auch konservativ kleiden, einschließlich Schuhwerk), daneben und darin können wir unzählige Buddhas und andere Figuren, Chedis und goldene Schüsseln bestaunen. In der sehr gepflegten Anlage trifft man überall auf andächtig betende Thai-Buddhisten, die den verschiedenen Buddhas und Tempel ihre Verehrung kundtun. Wir beobachten die Rituale teils etwas erstaunt, z.B. den Verkauf von goldenen Mini-Klebern, die offenbar willkürlich an irgendwelche Buddhas geklebt werden. Auch werden zahlreiche Räucherstäbchen an Kiosken verkauft, die in die goldenen Töpfe gesteckt werden und einige Minuten später von Angestellten wieder entfernt werden, um Platz für neue zu machen. Die Tempel und Figuren haben fast alle ihre eigene Geschichte und man ist sehr schnell überfordert, wenn man im recht detaillierten Prospekt zu jeder Errichtung genaueres nachlesen möchte. Wir sind froh, nicht an einer Tour teilgenommen zu haben, denn die Hitze ist unerträglich und die Geschichten und Sagen äusserst vielfältig. 

Goldene Wächter vor einem Tempel in Ko Ratanakosin, Bangkok

Voller Impressionen kühlen wir uns sodann in einem klimatisierten Café ab und gehen zurück in unser Back-Packer Quartier, wo wir Reiseplanung betreiben und Renate in unsere Leidenschaft der indischen Küche einführen – mit Erfolg! Die Nacht wird heute aufgrund der sehr dünnen Wände im Hotel und der Tatsache, dass es hier wirklich sehr wild zu und her geht, leicht gestört von weiblichen hemmungslosen Leidenschaftsschreien – wahrscheinlich Khao San Alltag bzw. „Allnacht“ (kein Wunder bei den vielen Touristenkontakten mit Alkohol im Spiel).Am nächsten Tag stehen wir trotzallem früh auf, denn auf dem Programm steht ein Ausflug nach Ayutthaya, eine historische Stadt ca. 70 km von Bangkok entfernt, die einst Hauptstadt Thailands war und heute auf der Liste des Unesco-Welterbes steht. Wir fahren mit dem Taxi zum Busbahnhof und stellen fest, dass wie so vieles in Thailand auch die grossen auffälligen Balken auf dem Autodach mit der Aufschrift „Taxometer“ eher eine Fälschung sind. Taxometer werden gewöhnlich nicht eingeschaltet, es sei denn, man besteht insistierend darauf, was jeder Tourist zuerst selber erfahren muss.

Angetroffen unterwegs in Thailand: vielfältig verwendbares Tuk-Tuk

Der Bus bringt uns anschliessend schnell und gut nach Ayutthaya, wo wir von der Weitläufigkeit der architektonischen Sehenswürdigkeiten überrascht sind. Die einzelnen Tempel und was davon nach etlichen Kämpfen, Plünderungen und Verwüstungen vor über 200 Jahren übrig geblieben ist sind in der ganzen Stadt verteilt, weshalb wir uns für eine Tuk-Tuk Tour entscheiden. Der Fahrer fährt uns zu den sechs wichtigsten Sehenswürdigkeiten, darunter nicht nur Ruinen sondern auch neuere Tempel mit Buddhas und Mönchen. 

Beeindruckende Ruinen in Ayutthaya

Auch hier ist es beeindruckend, wie gross die Verehrung dieser heiligen Städte bei den Einheimischen ist. Man kommt sich als Tourist zuweilen deplatziert vor, weil man „ehrfurchtlos“ und nur fürs Fotografieren vorbeikommt -manchmal traut man sich gar nicht mehr, diese Absicht auch auszuführen…

Buddha Statue im Baum, doch der Kopf bleibt frei - Wunder oder Ehrfurcht der Natur?

Zurück in Bangkok wollen wir die Fahrt vom Busbahnhof diesmal mit einem lokalen Bangkok-Bus wagen. Nach langer Suche können wir schliesslich einsteigen und fahren 40 min. lang in der Stadt herum, ehe wir in unserem Quartier sind – wohl die günstigste Variante, die aber auch die meiste Zeit beansprucht… Auch diese Nacht wird gestört, diesmal nicht durch Ausdruck von Leidenschaft, sondern durch eine Meinungsverschiedenheit eines Paares, deren Austragung sowohl von Renate, drei Stockwerke über uns, also auch von Thomas und mir sehr deutlich verfolgt werden kann.

Am nächsten Morgen sind wir froh, Bangkok zu verlassen, denn so interessant die Stadt auch ist, man hat schnell wieder genug von Lärm, Hektik, Hitze und Schmutz. Mit dem Bus fahren wir nach Pakchong, ein Ort in der Nähe des Khao Yai Nationalpark im Nordosten Thailands. Wir versprechen uns gemässigtere Temperaturen, Natur und Trekking-Ausflüge in den Nationalpark. Eine besonders clevere Frau fängt die aus Bangkok Ankommenden direkt bei der Bushaltestelle ab und vermittelt Zimmer mitsamt Zubringerdienst zum Guesthouse. Keiner hat Lust auf eine beschwerliche Hotelsuche und so gehen auch praktisch alle Ankommenden auf das Angebot ein, welches ganz in Ordnung ist. Zwar etwas höher im Preis als die umliegenden Gästehäuser, doch dafür buchen wir die Touren dann beim Nachbarn. Etwas enttäuscht sind wir allerdings von der Tatsache, dass man ohne Tour-Guide kaum im Park herum kommt also auch keine Wanderwege finden kann, falls es die überhaupt geben würde. Doch wir geniessen die Stille und die gute Luft hier total. Es gibt zwar eine grosse Strasse, an der alle Gästehäuser und sogar ein 7-11 liegen, doch sonst hat es nur Natur, Wald, Felder und einige Häuser von einheimischen. Wir verbringen die erste Nacht seit langem mit keinen störenden sondern zahlreichen erholsamen Geräuschen von der Natur, toll!

Wir freuen uns auf Trekking-Touren im Dschungel!

Wir nehmen am nächsten Tag also an einer Tour in den Khao Yai Nationalpark teil. Morgens geht es los und wir freuen uns besonders auf den Teil „Dschungeltrekking“.

Eindrücke aus dem Dschungel

Obwohl wir alle etwas mehr Trekking gemacht hätten, ist die Tour sehr interessant und die Guides erspähen mit ihren Teleskopen zahlreiche Vögel, spüren Insekten auf und informieren über spezielle Pflanzen.

Hornbill oder Nashornvogel erspäht im Khao Yai NP

Fotogener und menschenfreundlicher Skorpion im Khao Yai NP

Lädt zum Verweilen ein - Wasserfall im Khao Yai NP

 Den nächsten Tag nehmen gemütlich in Angriff und machen eigentlich gar nichts. Um 15 Uhr geht es dann auf eine zweite Tour, die eine Höhlenbesichtigung mit allen „Schätzen“ darin, und die spektakuläre Beiwohnung des „Fledermaus-Ausflugs“ beinhaltet.  In der Höhle zeigt uns der Guide allerhand Bewohner, die mir nicht immer sympathisch sind. Es gibt einen riesigen 1000-Füssler, fette Spinnen, eine Baby- Skorpion-Spinne (d.h. noch nicht giftig) und sogar eine Tarantel… brrr! In einer Meditationshalle für Mönche, ebenfalls eine Höhle, gibt es keinen einzigen Lichtstrahl, es ist stockdunkel. Da beim Meditieren die Augen geschlossen werden, ist Licht nicht nötig. Trotzdem wär es mir sehr unwohl, regelmässig nächtelang hier zu sitzen, wie die Mönche es tun.  Schliesslich kommt das eigentliche Highlight: Um 17.20h fliegen die ersten Fledermäuse aus ihrer Höhle heraus. Zuerst erscheint es nicht so eindrucksvoll, doch innerhalb von einer Minute werden es Tausende, Millionen von Fledermäusen, die als mehr oder weniger definierter Schlauch in die gleiche Richtung zur Insektenjagd losfliegen. Es sieht aus, als ob jemand ein Band in den Himmel gelegt hätte oder eine Rauchschwade, die sich im Himmel in die Länge zieht. Wirklich sehr imposant und einmal mehr etwas, was man mit Fotos niemals ähnlich wiedergeben könnte! Auch dieser Ausflug hat sich absolut gelohnt!

Beutezug der Fledermäuse - keine Fotomontage!

Am nächsten Tag heisst es dann leider auch schon wieder, Sachen zusammenpacken und eine Station weitergehen. Wir fahren diesmal mit dem Zug nach Bangkok zurück und dann weiter südlich nach Cha-am, eine kleine Ortschaft in der Nähe von Hua Hin. Die Reise mit dem thailändischen Zug entpuppt sich als unerträglich langwierig – auch wenn sie fast nichts gekostet hat. Der Zug fährt nicht nur äusserst langsam, nein, er hält auch überall an. Insbesondere um Bangkok herum, da gibt es Haltestellen, wo es gar nichts anderes ausser 2 Gleise hat! Darüber hinaus sind die Sitze nicht bequem, es ist laut und sehr stickig. Da wir von Bangkok den gleichen Weg wieder aus der Stadt heraus nehmen müssen, tun wir uns den anstrengendsten Teil also als 2 Mal an und sind schon sehr froh, abends um 22:00 Uhr endlich am Ziel Cha-am anzukommen.

Bahnhof Vor-Bangkok Nr. 47... bis zum nächsten Stopp!

14. Reisebericht: Von Hong Kong und Macau ins neue Jahrzehnt!

Februar 8, 2010

von Thomas

Saigon und Hong Kong unterscheiden sich nicht nur in Bezug auf Ordnung und Organisation, sondern auch in Bezug auf die Temperaturen. Wir müssen unsere wärmsten Kleider hervorholen auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel, denn Hong Kong empfängt uns mit eiskalten 15 Grad, was unsere kälteempfindlichen Körper sofort ins Schlottern bringt (Anita kriegt übrigens Gänsehaut, sobald die Temperatur unter 28 Grad fällt. Zu fluchen beginnt sie bei Temperaturen unter 26 und über 32 Grad und beim Fehlen von Jogging-Möglichkeiten, was leider relativ häufig der Fall ist.).

Im chinesisch geprägten Kowloon-Viertel

Wir wohnen im Kowloon-Viertel und finden unsere Bus-Haltestelle absolut problemlos. Schlimmer gestaltet sich aber die Suche nach unserem Hotel, denn weder die Strassennummer noch das Hotel sind angeschrieben. Wir wagen uns in einen Innenhof und sind selbst erstaunt darüber, dass wir hier tatsächlich richtig sind. Wir werden ausserordentlich herzlich von unserem schwulen Rezeptionisten empfangen, der uns sogleich unser Zimmer im Nebengebäude zeigt und uns verrät, dass er seine schlanke Figur dem vielen Treppensteigen zu verdanken hat. Soso, 45kg vom Treppensteigen… Als wir ins Zimmer kommen fragen wir uns, ob man diese Kammer wirklich als Hotelzimmer bezeichnen darf. Es fehlt wirklich nur noch das Laufrad, um als Hamsterkäfig durchzugehen. Wir wollen uns aber nicht beschweren, denn immerhin ist die Kammer sauber und Bad, WC, Bett und Ausgangstür sind alle nur ein bis zwei Schritte entfernt!

Wir erkunden noch ein wenig unser Quartier und stellen fest, dass es hier sehr chinesisch ist, was aber eigentlich nicht erstaunen sollte, zumal Hong Kong ja zu China gehört. Trotzdem hätten wir es uns westlicher vorgestellt. Abends gehen wir in ein chinesisch-vegetarisches Restaurant gleich um die Ecke und setzen uns an einen der grossen runden Tische, an welchen sonst nur chinesische Grossfamilien sitzen. Ein romantisches Abendessen wird es definitiv nicht, denn die chinesischen Grossfamilien sind sehr laut und die Neonröhren töten jegliche Stimmung. Das Essen ist aber mehr als lecker und obschon wir die Zutaten nicht im Detail erkennen können, essen wir alles artig auf und kehren zufrieden in unsere Kammer zurück.    

Kowloon bei Nacht

Den nächsten Tag verbringen wir mit viel Sightseeing. Mit der modernen U-Bahn fahren wir nach Hong Kong Island, dem eigentlichen Zentrum der Stadt. Hier steigen wir gleich auf die längste überdachte Rolltreppe der Welt, den „Central-Mid-Levels Escalator“, und kommen nach etwa 20-30 Minuten Fahrzeit irgendwo oben auf dem Hügel an. Von da geht es zu Fuss bergab, wobei wir vor allem viel Zeit im lebedigen Soho verbringen. Im Anschluss wandern wir durch die halbe Stadt zum Wiedervereinigungs-Monument mit der relativ bescheidenen „Forever Blooming Bauhinia“-Skulptur. Manchmal entpuppt sich ein vermeintlich einfacher Weg von A nach B zu einem ziemlich komplizierten Unterfangen, denn völlig unerwartet kann einem durch grosse Auffahrtsrampen oder sonstige Hindernisse der Weg abgeschnitten werden oder man gelangt ungewollt ins Innere von Gebäuden, wo man gar nicht hin möchte oder muss plötzlich ganze Strassenabschnitte lang durch Shopping-Passagen wandeln, die einfach nicht enden wollen. Gegen Abend stärken wir uns im Ausgeh-Viertel Lan Kwai Fong mit einem Bier und beschliessen, den nächsten Tag im Disney-Land zu verbringen, da bisher noch keiner von uns eine Disney-Erfahrung gemacht hat. Wir besorgen uns schon mal die Tickets und gehen im Anschluss im Soho überteuert libanesisch Abendessen.

Im Soho in Hong Kong

In der Nacht werden wir durch die laute Alarmglocke aus dem Schlaf gerissen! Ist das wahr? Ist das wirklich ein Alarm? Feueralarm? Ich wage einen Blick aus unserer Kammer in den Gang und sehe den hektisch umher schwirrenden indischen Hotelangestellten, der überall an die Türen klopft. Ich frage ihn, ob es echt sei und er bestätigt, dass es sich um Feueralarm handelt. Alle raus! Wir sind leicht schockiert, wollen es aber immer noch nicht wahrhaben. Erst wollen wir nur das Notwendigste mitnehmen, dann beginnen wir immer mehr Sachen einzupacken. Innert kürzester Zeit stehen wir mit unserem ganzen Gepäck draussen vor dem Gebäude. Von Feuer ist weit und breit keine Spur. Erst nach mehreren Minuten gelingt es, das schreckliche, ohrenbetäubende Gebimmel auszuschalten. Irgendwann wird Entwarnung gegeben. Als wir in unsere Kammer zurückkehren, kriegen wir mit, wie sich der Inder an den Übeltäter, eine Asiatin, die sich im Zimmer eine Zigarette angesteckt hat, wendet und sie bittet, nicht mehr im Zimmer zu rauchen. Die junge Dame lächelt einsichtig und verlegen und meint nur: „Oooh, sorry!“. Na prima, dann wäre das also geklärt.

Asiaten lieben Disneyland

Disneyland, wir kommen! An der Sunny Bay Metro-Station steigen wir um in die Mickey Mouse-Linie ins Disneyland Resort und stellen uns vor, wie aufgeregt wir wären, wenn wir heute 25 Jahre jünger wären. Wir spazieren im Park herum, sehen A- und B-Hörnchen und andere Gestalten und merken sehr schnell, dass das Disneyland in Hong Kong maximal 10% von dem zu bieten hat, was wir aus dem Europa-Park kennen (zudem handelt es sich wahrscheinlich um die schlechtesten 10% des Europa-Parks…). Wir lassen uns aber die Laune nicht verderben, sondern machen das Beste daraus. Wir gehen fast auf jede Bahn, egal wie schlecht sie ist, besuchen Shows und Kinos, essen da und dort einen Happen und lassen uns gar mit Goofy ablichten. Am Tagesende ziehen wir sogar eine positive Bilanz und sind ziemlich zufrieden, bis auf Anitas Magen, der uns heute schon den ganzen Tag etwas Sorgen bereitet.

Gaudi mit Goofy

Der Hauptgrund für unseren Hong Kong-Besuch ist nicht etwa das Treffen mit Mickey, Donald und den sieben Zwergen, sondern mit Mischa, der, temporär in Südkorea lebend und die Kultur und Sprache studierend, seine wenigen Tage unterrichtsfreie Zeit opfert um sich mit uns in Hong Kong zu treffen und Silvester zu feiern. Schon am Abend zuvor habe ich versucht, mich mit Mischa zu treffen, doch leider konnte ich seine Antworten auf meine SMS nicht empfangen. Da ich wusste, dass er mit seiner Hong Konger Verwandtschaft zu Abend ass, machte ich mir erst mal nichts aus den ausbleibenden Antworten. Ich wollte ihm zumindest aber eine Nachricht in seinem Hotel hinterlassen, doch auch das ist mir nicht gelungen. Erst nach mehreren „Anläufen“ habe ich das Hotel überhaupt gefunden und von der strengen, ausschliesslich chinesisch sprechenden, älteren Hauswartsdame Zugang zum schummrigen Gebäude erhalten, das im 6. Stock ein Hotel versteckte. Dort angekommen, wurde mir der Zutritt verweigert (bzw. die Türe nicht geöffnet), so dass ich mich zügig auf meinen Rückweg machte, denn das Gebäude strahlte die Geborgenheit eines Wohnsilos in der Pariser Banlieue aus.

Endlich geglückt! Das Treffen mit Mischa in Hong Kong

Am nächsten Tag funktioniert der Austausch zwischen unseren Mobiltelefonen besser. Ich schlage vor, dass wir uns im Starbucks, das etwa auf halber Strecke zwischen unseren Hotels liegt, treffen. Erst jetzt, auf dem Weg zum Starbucks, realisiere ich aber, dass es weit mehr als nur ein Starbucks zwischen unseren Hotels gibt, weshalb ich mich mit Mischa telefonisch in Verbindung setze, der zu meiner Überraschung noch ein weiteres Starbucks gefunden hat, in welchem er bereits wartet. Wir vereinbaren, dass wir uns auf der Nathan Road entgegen kommen. Beim Auflegen halte ich dies doch auch wieder für eine blöde Idee, denn hier in Hong Kong wimmelt es doch von Asiaten und Mischa fällt in der Masse nicht mehr so gut auf wie in Basel; ausserdem soll er eine neue Frisur haben… Aber meine Befürchtungen sind unbegründet. Er hat zwar etwas abgespeckt, doch wir erkennen uns bereits von Weitem und freuen uns über das Wiedersehen mitten auf der Strasse in Kowloon! Wir setzen uns erst mal in ein Starbucks und trinken noch einen Kaffee bis Anita kommt!

Mischa geht es gut! Seit mehr als einem halben Jahr lebt er in Südkorea und er steckt voller Erlebnisse und Erfahrungen. Er hat grosse Teile seiner leiblichen Familie gefunden und sich auf ein völlig anderes Leben, eine völlig andere Kultur eingelassen. Er macht einen sehr zufriedenen Eindruck. Zurzeit sei sein Alltag aber eher langweilig, denn er verbringt sehr viel Zeit mit dem Erlernen der Sprache, was eine grosse Herausforderung darstellt. Vermutlich strengt sich Mischa gerade zum ersten Mal im Leben wirklich an, etwas zu lernen. Für seine Abschlüsse musste er sich ja bisher nicht allzu sehr bemühen…

Sightseeing mit Mischa und Anita - gut informiert und doch nichts gefunden...

Wir machen uns auf eine gemeinsame Sightseeing-Tour auf, doch es klappt eigentlich gar nichts an diesem Tag. Wir finden weder den Hopp-on-Hopp-off-Bus, noch das Tourismus-Büro (der Bau wurde wahrscheinlich abgerissen) und selbst auf der Pferderennbahn ist heute nichts los, obschon doch eigentlich Mittwoch ist und somit Renntag! Es gelingt uns einzig und allein den Peak zu besichtigen, von wo aus man eine herrliche Aussicht über die ganze Stadt geniesst, und das genau zu dem Zeitpunkt, als die alltägliche Skyline-Lichtshow, die „Symphony of Lights“, beginnt.

Aussicht vom Peak in Hong Kong

Anita verabschiedet sich schon bald von uns, denn ihr Wohlbefinden lässt zu wünschen übrig. Mischa und ich verbringen erstaunlich viel Zeit im Ausgehviertel Lan Kwai Fong und machen uns erst zu sehr später Stunde auf die Suche nach einem koreanischen Restaurant. Der Kellner in unserer Bar gibt uns einen Tipp und wir unternehmen eine lange Taxifahrt um an den empfohlenen Ort zu gelangen. Leider finden wir weit und breit kein koreanisches Restaurant und so halten wir unzählige weitere Taxis an um uns nach koreanischen Verpflegungsmöglichkeiten zu erkunden. Leider spricht kaum ein Taxifahrer Englisch und es dauert eine ganze Weile bis wir jemanden finden, der uns versteht und erst noch glaubwürdige Auskunft geben kann. Es handelt sich um jemanden, der die im asiatischen Raum sehr beliebten koreanischen Soaps verehrt und vielleicht auch deshalb koreanische Speiselokale kennt. Als wir ankommen, sind wir die einzigen Gäste und ich vermute, dass das Lokal wohl bald zugehen wird, schliesslich ist Mitternacht schon lange vorbei. Wir bestellen trotzdem gleich koreanisches BBQ und ich staune, dass dies zu dieser Stunde noch möglich ist, und dass so viele zusätzliche Speisen, wie z.B. Kimchi, der scharfe Chinakohl, Suppe, Gemüse, etc. mit serviert werden. Für Mischa ist das unterdessen alles altbekannt und selbst die Speisezeit ist für ihn nicht ungewöhnlich. In Korea isst man nämlich ununterbrochen, wenn es sein muss auch um 5 Uhr morgens! Mischa bestellt sich Schweinebauchspeck und berichtet von der zierlichen Koreanerin, die ihm mal gesagt haben soll, dass der Schweinebauchspeck schon zum Leckersten gehört, was man essen kann. Ich finde die Vorstellung, dass eine schlanke, sehr auf Äusserlichkeiten achtende junge Dame (in Korea sind Äusserlichkeiten sehr wichtig und Schönheitsoperationen sind extrem verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert) vom leckeren Schweinebauchspeck schwärmt etwas fremd, doch insgesamt passt die Geschichte sehr gut zu den weiteren Korea-Berichten, die mir Mischa bei einem Soju, dem koreanischen Schnaps, erzählt. Mit der Zeit füllt sich das Restaurant mehr und mehr und ich stelle fest, dass sich Mischa vor meinen Augen zum Koreaner wandelt. Sein Koreanisch scheint durchaus schon für Konversationen auszureichen und irgendwie habe ich das Gefühl, einen neuen Menschen vor mir zu haben bzw. eine neue Seite von Mischa kennen zu lernen. Mischa, den echten Koreaner!

Lange Nächte im Lan Kwai Fong

Verständlicherweise wird am nächsten Tag ausgeschlafen! Am frühen Nachmittag spazieren wir zum Clock Tower und unternehmen im Anschluss eine Bootstour mit der „Star Ferry“. Hong Kongs Skyline mit den steilen Bergen im Hintergrund ist sehr beeindruckend! Wenn ich mich richtig erinnere, zählt der Bootsausflug zu den 50 Must Do’s auf der Welt. Überhaupt wimmelt es in Hong Kong von Rekorden, denn man findet immer eine Formulierung, die etwas zu einem Rekord macht. Später schauen wir uns noch den Blumen- und Vogelmarkt an, dann machen wir uns bereit für den Abend, schliesslich steht der Übergang ins neue Jahrzehnt kurz bevor! Silvester in Hong Kong – wir sind schon ganz aufgeregt!

Die Bootsfahrt in Hong Kong - ein MUST DO!

Wir treffen uns zum gemeinsamen Abendessen, doch wir wissen nicht genau wohin es gehen soll. Wir lassen uns von ein paar Indern, die uns auf der Strasse anhauen, ihre versteckten Restaurants zeigen, doch schon der Weg zu den Lokalen durch die düsteren und stark renovierungsbedürftigen Betonbauten, vorbei an einer grossen Anzahl lichtscheuer Gestalten, schreckt uns etwas ab. Uns rennt aber langsam die Zeit davon, denn die Menschenmassen auf den abgesperrten Strassen werden grösser und grösser und wir haben noch nicht mal gegessen! Wir erinnern uns an einen exotischen Herrn, der uns bereits am Nachmittag sein Restaurant schmackhaft machen wollte, und eilen schnurstracks zum Eingang seines Lokals. Auch hier handelt es sich wieder um einen grossen Betonblock und das Restaurant steckt irgendwo da drin! Zum Glück weist uns ein Angestellter des Restaurants den Weg. Die Frage, ob das Restaurant „licensed“ sei, also Alkohol ausschenken darf, beantwortet er mit: „Yes, we have rice.“. Als wir im Lokal ankommen, das in Landessprache vermutlich „Zum versteckten Taliban“ heisst, fühlen wir uns nicht gerade pudelwohl, doch der Zeitdruck, die mangelnde Kenntnis über Alternativen, die reiche Auswahl vegetarischer Speisen für Anita und die Tatsache, dass wir mit einer Frau am selben Tisch sitzen dürfen führen dazu, dass wir trotzdem bleiben. Natürlich gibt es keinen Alkohol und so können wir nicht mal gebührend anstossen in der Silvesternacht…

Uns bleibt noch etwas mehr als eine Stunde als wir das Lokal verlassen und wir machen uns gleich auf Richtung Flussufer. Etwa eine Million Menschen hat die gleiche Idee wie wir! Die Menschenmassen sind gewaltig. Einige Strassen sind bereits komplett gesperrt, so dass wir grössere Umwege in Kauf nehmen müssen. Irgendwann bleiben wir in einer überdachten Strasse stecken. Wenn wir da nicht weiterkommen, wird es das langweiligste Feuerwerk in unserem Leben. Geduldig harren wir aber aus und nehmen in Kauf, dass man nur alle paar Minuten ein paar Schrittchen vorwärts kommt. Kurz vor Mitternacht sind wir aber an einem Punkt angekommen, mit dem man zufrieden sein kann. Wir sehen grosse Teile der Skyline von Hong Kong Island und besitzen gegenüber den Asiaten gewisse Grössenvorteile. Zumindest ich komme mir heute richtig gross vor. Gemeinsam mit einer Million Menschen zählen wir den riesig eingeblendeten Countdown ab, dann werden aus 9‘000 Düsen, die an den Wolkenkratzern befestigt sind, Raketen abgefeuert. Obschon dies sehr spektakulär klingt, bleibt die recht kurze Show aber leider unter unseren Erwartungen. Als es vorbei ist, bewegt sich die Masse brav Richtung Metro. In der ganzen Umgebung sehen wir nur ein Lokal, ein irisches Pub, in welchem wir unter Umständen kurz aufs neue Jahr anstossen könnten, doch wir schätzen unsere Chancen als gering ein überhaupt Einlass zu erhalten. Wir staunen nicht schlecht, als wir dort dann aber sogar noch einen Sitzplatz ergattern können und bleiben teils aus Dankbarkeit, teils aus Bequemlichkeit den ganzen Abend dort…

Hochspannung auf der Pferderennbahn! Wer macht das Rennen? 'Joy and Fun', 'Sunny King' oder 'Always Something'?

Am 1.1.2010 findet definitiv ein Pferderennen statt und dieses wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen, denn schliesslich gehört das Pferderennen genauso zu Hong Kong wie das Wasserpuppentheater zu Hanoi! Mischa ist schon lange vor uns da, denn er wohnt neuerdings bei seinen Verwandten unweit der Pferderennbahn und wir haben schlichtweg Pech mit der Anreise, denn was schief gehen kann geht schief. Während Anita sich mehr für die Pferde interessiert, studieren Mischa und ich erst mal die Wettregeln. Der Anlass ist beeindruckend. Pro Rennen werden mehrere Millionen Franken verwettet und die Spannung ist gross, was vor allem beim Schlussspurt spürbar wird, wenn die eher zurückhaltenden Chinesen plötzlich lautstark ihre Pferde anfeuern. Bei unseren Wetten halten wir uns an die Empfehlungen von Anita, die die Pferde jeweils im Voraus mustert, und die zur Verfügung gestellte Pferdestatistik, die Hinweise gibt zur Form der Pferde etc. Insgesamt fahren wir recht gut mit diesem Vorgehen, denn wir holen beide zumindest unsere Einsätze mehr oder weniger wieder heraus. Es bleibt zu gestehen, dass wir unsere Gewinne erst am Ende des Anlasses mit Hilfe der Gewinnanalyse-Maschine realisieren, doch das gehört wohl einfach zum Anfängerglück!

Abendessen mit Leo, James, Thomas und Mischa

Nach so viel Sport und Aufregung treffen wir uns im Anschluss mit Mischas Neffen Leo und dessen Kinder James und Thomas zum Abendessen. James und Thomas nennen Mischa „Grossvater“, was uns zwar nicht ganz einleuchtet, in Korea aber offenbar normal ist. Es scheint, als würden sich Mischa und seine Verwandten schon lange kennen… Der Abend ist sehr nett und Leo möchte gerne abends mit uns ausgehen, schliesslich ist es Mischas letzter Abend in Hong Kong. Es folgt ein langer und heiterer Abend im Lang Kwai Fong mit viel philippinischer Live-Musik und Tanz, denn Leo entpuppt sich als grosser Tänzer, der uns alle gerne auf der Tanzfläche sieht. Die Zeit geht schnell vorbei und leider müssen wir schon bald von Mischa und Leo Abschied nehmen. Alles Gute, Mischa!

Am nächsten Tag endet auch unsere Zeit in Hong Kong. Mit dem Katamaran geht es weiter nach Macau, dieser kleinen Insel unweit von Hong Kong. Ich kann mich erinnern, dass eines meiner Matchbox-Spielzeugautos in Macau hergestellt wurde. Macau ist aber viel mehr: Die ehemalige portugiesische Kolonie gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und tatsächlich steckt die Stadt voller Charme und portugiesischer Einflüsse. Daneben ist Macau aber auch ein Paradies für Spieler, denn es wimmelt von Gross-Kasinos ganz nach dem Vorbild von Las Vegas. Unser Hotel ist in Taipa, einer kleineren Insel, die ebenfalls zu Macau gehört. Wir bleiben erst mal dort und machen uns auf eine Erkundungstour, bei der wir uns mit den Spezialitäten von Macau, Keksen und Trockenfleisch, eindecken. Den Abend beenden wir bei einem fettigen, portugiesischen Essen.

Auf Stadtrundgang in Macau - hier vor den Ruinas de S. Paulo

Altstadtgasse mit seriöser Apotheke

Der nächste Tag steht wiederum ganz im Zeichen des Sightseeings. Da wir das Geld für die Bustickets nicht auf den Cent bzw. den macauischen Pataca genau aufbringen können (was hier leider notwendig ist), erklärt sich der Chauffeur des öffentlichen Busses bereit, uns gratis mitzunehmen, was wir sehr schätzen. Im Gegenzug verzeihen wir ihm seinen kriminellen Fahrstil. In Macau besichtigen wir so ziemlich alles, was besichtigt werden kann und können am Abend der Kasino-Versuchung nicht widerstehen. Sogar die Kasino-kritische Anita wagt ein, zwei Spielchen, doch da sie ihren gesamten Einsatz von umgerechnet etwa sechs Franken relativ schnell verspielt, sieht sie sich in ihrer Haltung bestätigt und zieht sich ins Hotelzimmer zurück. Ich habe mein Limit aber noch nicht verspielt und so bleibe ich noch ein wenig und versuche mein Glück beim Roulette und dem chinesischen Würfelspiel. Am Ende des Abends schaut ein Gewinn von etwa 200 Franken heraus, was meine Reisekasse durchaus freut! Mit so viel Geld im Sack können wir getrost unsere Weiterreise antreten, die uns schon am nächsten Tag nach Bangkok führt!

Das Casino 'Gran Lisboa' in Macau - hier lässt sich prima Geld verdienen!

13. Reisebericht: Vietnam – von Hoi An nach Ho-Chi-Minh-City

Januar 20, 2010

In einem „Sleeper“ Reisebus treten wir am Abend des 15. Dezember den Weg nach Nha Trang an, ein Ort an der südlichen Zentralküste Vietnams. Sleeper Busse sind in Vietnam sehr verbreitet, da die Strecke von einem Ziel zum nächsten oft eine gute Nacht in Anspruch nimmt. Zwar haben diese Busse keine Massagesessel, doch lässt es sich darin halbwegs, also mit angewinkelten Beinen, liegen. Die Passagiere sind auf 2 Stöcke verteilt, in 3 Reihen hintereinander liegend, sodass die Beine in einem Schaft unter dem Oberkörper des Vordermanns platziert werden. Irgendwie kann man tatsächlich auch schlafen, doch sind wir froh, als wir um 6.30 Uhr früh bei einem herrlichen Sonnenaufgang in Nha Trang ankommen.

Mobiles Hotel von Hoi An nach Nha Trang - Gemütlichkeit pur!

Die Stadt ist grösser als wir es uns vorgestellt und gewünscht haben. Es gibt reichlich Hotels und Restaurants, viele Strassen, Ampeln, entsprechend Verkehr und natürlich Touristen und „davon Verdienende“. Kaum aus dem Bus raus, werden sämtliche Fahrgenossen Null Komma plötzlich von einem Gewirr von Menschen belagert und bestürmt. Man kriegt unwillentlich Sonderangebote für Hotels, Taxis, Motorbike-Rides (bzw. „Easy-Rider“), Massagen und Tours. Wir schaffen es irgendwie, den aufdringlichen Touristenjägern zu entkommen und finden unser Hotel ohne Fremdhilfe. Die folgenden paar Stunden ruhen wir uns am schönen Strand von Nha Trang aus. Störend ist einzig die viel befahrene Strasse direkt hinter dem Strand (Thomas hat ja bereits beschrieben, wie man sich den Strassenlärm in Vietnam vorstellen sollte… Motorengeräusche sind bei weitem nicht das Lästigste!), die an Cannes oder Nizza erinnert. Natürlich gibt es auch hier zahlreiche Strandverkäufer und Massage-Dienst Anbieter, die man teilweise nur mit Mühe „freundlich“ abwimmeln kann.

Der Strand von Nha Trang lädt zum Ausspannen ein

Am Abend verköstigen wir uns in einem netten kleinen Lokal, wo es exzellente frische Frühlingsrollen und 2 Flaschen San Miguel Bier für weniger als 1 CHF gibt, was doch auch hier ein erstaunliches Angebot ist. In Nha Trang sollten labile Touristen eh aufpassen: in der Bar kriegen wir später gleich die gesamte Bestellung im Doppelpack, da die „Happy Hour“ hier überraschenderweise praktisch bis Ladenschluss dauert… Auch am nächsten Tag wollen wir den Strand geniessen, leider kommt der Wind aber wie nicht selten nachmittags auf, sodass wir ins Zimmer flüchten und Berichte schreiben (lange her..). Abends haben wir Lust auf mexikanisches Essen und suchen ein von Lonely Planet empfohlenes Restaurant auf. Der Inhaber, ein Cheyenne-Indianer mit französischem, vietnamesischem und laotischem Blut, fällt uns sofort auf: er sitzt mit einer johlenden Gruppe von ca. 10 Bleich- oder Rotgesichtern asiatischer Herkunft an einem langen Tisch, worauf sich Speisen, Biere und Teller stapeln. Wir finden es zuerst halbwegs amüsant der – abgesehen vom Inhaber – sehr betrunkenen Meute bei ihrer Orgie zuzuschauen, bis es plötzlich laut wird und ein Mitglied sich massiv ärgert und nicht nur laut schreit, sonder n auch um sich schlägt, Gläser am Boden zerbrechen lässt und Töffhelme an die Wand schmettert (den Grund dafür haben wir nie herausgefunden). Wir bestellen, trotz Entschuldigungen von Indianer, Service-Angestellten und Tätern selber, die Rechnung, schlingen unser Essen so schnell es geht runter und sind doch nicht schnell genug, um der zweiten, ähnlichen Szene zu entgehen. Diesmal spüren wir die Scherben sogar an den Beinen! Wir denken an eine Mafia-Geschichte, die wir in Malaysia von Inhabern eines neu-eröffneten Cafés gehört haben und stellen fest, dass die Beschreibung wahnsinnig gut zu diesen Szenen passt… Es scheint, als ob der Erfolg eines Restaurants mancherorts nicht nur von der Besucherfrequenz und Beliebtheit bei Touristen abhängig ist. Am schlimmsten finde ich das Ganze für die armen Angestellten, die nicht aufhören, aufzuräumen und sich bei uns zu entschuldigen, obwohl sie am wenigsten dafür verantwortlich sind. Und wie das wohl noch weiterging?? Eine solch schreckliche Bande kann ganz schön übel werden.

Am nächsten Tag fahren wir eine Station weiter nach Mui Ne, wo wir ein Zimmer in einem sehr schönen Guesthouse gebucht haben. Mui Ne ist wirklich malerisch schön klein und gemütlich am Meer gelegen, auch das Guesthouse liegt unmittelbar am Strand.

Schnappschuss auf der Fahrt nach Mui Ne: eine Strandkuh sucht vergeblich nach Schatten

Der Strand ist wunderschön und es hat viele Wellen und Wind. Mui Ne gilt deshalb auch als Kite und Surf Mekka und es gibt Kite- und Surfschulen ohne Ende. Kiten sieht echt gefährlich aus. Die Draufgänger stehen auf einem Brett, das einem Snowboard nahe kommt und halten ein recht grosses Segel an Leinen in der Hand. Sie werden extrem schnell damit und machen immer wieder übermütige Luftsprünge, sodass sie bestimmt 3 m über dem Wasser fliegen. Gerade bei den so kleinen und zierlichen Asiaten meint man manchmal, die kommen gar nicht mehr runter und würden gleich davon fliegen.

Strand von Mui Ne bei Abendstimmung - am Horizont keine Vögel sondern Kite-Segel

Der bezaubernde Ort Mui Ne bietet neben dem wunderbaren Strand auch noch zahlreiche günstige Restaurants und einige Bars. Wir verwöhnen uns also am Abend unter einer aufwendigen Weihnachtsdekoration mit Seafood und geniessen den Strand mit dem Rauschen des Meeres in den Ohren.

Weihnachtsdekoration ohne Grenzen! Ob's dem Samichlaus nicht etwas zu warm ist hier?

Da es uns so gefällt in Mui Ne verlängern wir unseren Aufenthalt kurzerhand auf Kosten der nächsten Station Ho-Chi-Minh-City (HCMC). Die grösste Stadt Vietnams soll noch hektischer sein als Hanoi, was auf mich eher eine abschreckende Wirkung hat…

Abends geniesst Thomas in einem Strandrestaurant einen ganzen Hummer, den er sich vorher auslesen kann – 1.1 kg (inkl. allen Schalen, Füssen und Krusten)! Den Preis nenn ich hier nicht, es könnte sonst zu Neid kommen. Er hat es jedenfalls genossen und zu viel war es auch nicht – ein fantastischer Abschluss eines wunderbaren Aufenthaltes!

Es ist angerichtet! Aber, wo fängt man hier denn an?

Nächsten Tags geht’s per Bus weiter nach HCMC oder Saigon, wie es bis 1975 hiess und wie es die Einheimischen eigentlich noch immer liebevoll nennen. Es ist extrem schwül und die frische Meeresbrise fehlt uns sofort. Unser Zimmer liegt im 7ten Stock in einem klitzekleinen aber hohen Hotel, wo es für einen Lift keinen Platz hat. Der Aufstieg erweist sich mit dem 60l Rucksack als besonders schweisstreibend, zumal der oberste Stock – unser Stock – eigentlich ein Estrich ist und nur über eine entsprechende „Leitertreppe“ zugänglich ist. Uff, ich merke, wie schnell Ausdauer schwindet wenn man das Training vernachlässigt… Es ist Nachmittag und es reicht uns gerade noch zu einem Besuch im Kriegsrestemuseum oder War remnants Museum. Früher hiess das Museum noch „Museum der chinesischen und amerikanischen Kriegsverbrechen“, was ein Hinweis auf eine vielleicht etwas einseitige Betrachtung ist… Es handelt sich auch um eines der beliebtesten Museen in HCMC. Im Museum sieht man schreckliche Fotos von Kriegsgräuel an Menschen und Zerstörung von Lebensräumen und Natur, die einen bitteren Eindruck hinterlassen. Fotographien von Kindern und Erwachsenen mit grauenhaften körperlichen Behinderungen, die auf den Einsatz von Chemie-Waffen der Amerikaner zurückzuführen sind, lösen ein Gefühl des Mitleids und der Verabscheuung aus. Es ist schrecklich, welches Leid und welche Schmerzen ein Krieg verursacht und dies allzu oft an Zivilisten und unbeteiligten Personen. Das schlimmste ist, dass all diese Bilder noch gar nicht so alt sind.

Für die letzten zwei Tage in Saigon haben wir uns für eine Tour ins Mekong Delta zu den „schwimmenden Märkten“ entschieden. Das Mekong Delta (der südwestliche Zipfel von Vietnam) wird auch Reiskammer Vietnams genannt und besteht aus Landschaften, die von Wasser geprägt sind und die durchlaufen werden von unzähligen, aus dem Mekong kommenden Flüsschen und Bächen. Überall hat es Reisfelder und verschlafene Dörfer, man sieht die Bauern mit den Wasserbüffel auf den Feldern arbeiten – ein wunderbares Fotosujet! Bei der Reisanpflanzung wird noch immer der grössere Teil der ganzen Arbeit von Hand bzw. mit dem Büffel gemacht. Pünktlich sind wir früh morgens vor dem Reisebüro, wo wir unsere Zweitagestour starten wollen. Es beginnt gleich sehr hektisch und wir werden zu einer Strasse geführt, wo es bereits hunderte von Touristen und nicht viel weniger Busse hat. Wir sind überzeugt, dass wir nicht in den richtigen Bus gewiesen werden und erwarten eine eher dürftige Tour à la My Son Ruinen. Man muss sich die Situation folgendermassen vorstellen: in Saigon gibt es über 100 Reisebüros, jedes hat über 50 tägliche Touren anzubieten. Nun treffen sich wahrscheinlich sämtliche Touristen die irgendwo eine Tour gebucht haben um 8 Uhr in dieser Strasse. Das erhaltene Zetteli kann niemand entziffern und kein Bus trägt ein Schild, jegliche Hinweise fehlen – wie soll da noch einer wissen, welche Tour wohin und mit welchem Bus geht??? Wir werden aber dann positiv überrascht! Unser Tour-Guide Tanh spricht so gut englisch, dass man fast jedes Wort versteht. Er ist zudem ein echter Witzlimacher und Casanova. Jeden Satz beginnt er mit „Yes, … okay, … yes“, weshalb man ihn auch Mr. Yes-okay nennt. So fahren wir also mit Unterhaltung und ca. 20 anderen Reisenden nach Cai Be, wo wir das Fahrzeug wechseln und auf ein Schiff steigen um im Mekong herumzufahren. Der Mekong ist mit seinen 4500 km einer der längsten Ströme der Welt und entspringt in Tibet, fliesst durch China, bildet die Grenze zwischen Myanmar und Laos bzw. zwischen Laos und Thailand, bevor er durch Kambodscha und Vietnam verläuft und im Mekong-Delta hier in Vietnam ins Südchinesische Meer mündet.

Eindrücke von der Bootsfahrt auf dem Mekong

Mit dem Boot werden wir in Cai Be zwischen den typischen Marktbooten hindurch gerudert. Die Marktboote haben alle einen langen Pfahl, an dem sie ein Exempel  der Ware präsentieren, welche sie verkaufen. Da hängen Ananas, Mangos, Bananen, Zwiebeln, Kartoffeln, Kohl und vieles mehr. Wir machen schliesslich einen Zwischenstopp in einer „Kokos-Bonbon-Manufaktur“ wo wir sehen können, wie die zuckersüssen Bonbons aus Kokosmilch herstellt werden. Natürlich gibt es auch eine Degustation und dazu gehörende Verkaufstische, wo wir Touris eigentlich fast alle zuschlagen. Nach einem kurzen Aufenthalt mit Velotour auf einem kleinen Mekong-Inselchen, geht es dann für eine längere Fahrt auf dem Mekong bis nach Can Tho, wo wir erst bei Dunkelheit ankommen.

Zwischenstopp während Mekong-Fahrt: Reisfelder wohin das Auge reicht!

Wir sind erleichtert, als wir im Hotel sind, denn angesichts des sehr niedrigen Preises für die gesamte Tour, rechnen wir mit einer Absteige… Kein Paradies aber durchaus genügend und angenehmer als einige andere Zimmer ist unsere Schlafstätte im Mekong-Delta.

Am nächsten Tag geht es wiederum in frühen Morgenstunden weiter, denn auf dem Programm steht der Besuch des schönsten Floating Markets im Mekong Delta, der Schwimmende Markt Cai Rang. Diese Märkte sind jeweils früh morgens am spannendsten, nachmittags ist es heiss und es herrscht schwüle Flaute. Im kleinen Ruderboot werden wir auch diesmal um die Boote herum gerudert, kommen in den Genuss von frischesten und kunstvoll geschälten essfertigen Ananas, Bananen, Mangos und können sogar Kaffee (den typisch vietnamesischen mit viel Kondensmilch…) von einer „Bootsbar“ kaufen. Wie wir von Tanh unserem Guide erfahren, haben die Bootsbesitzer oft nirgendwo auf dem Festland ein Haus oder eine Bleibe, sondern ihr Marktboot ist auch ihr Haus wo sich ihr Leben hauptsächlich abspielt. Wir können die Menschen beim Kochen, Waschen, Verkaufen, Zuschneiden und Ruhen beobachten, meistens wird die Tätigkeit in einer kauernden Position durchgeführt, in der wir Westler wohl keine 5 Minuten verharren könnten… Natürlich fehlt auch der schwimmende Supermarkt nicht und es wird sogar eine uns Globetrottern bereits bekannte Masche angewendet: Die Supermarkt-Schiffsfrau fragt mit herzzerreissendem Blick „Ein Getränk für die fleissige, ermüdete Rudererin des Touristenbootes??“ – das allfällig geschenkte Getränk für die geleisteten Dienste wird im Normalfall beim nächsten Treffen der beiden umgehend und unangetastet zum halben Preis wieder zurück verkauft.

Der lebendige Schwimmende Markt Cai Rang bei Can Tho

Beim Floating Market haben die Frauen das Ruder in der Hand - hier ein Gemüse-Supermarkt

Als weitere Attraktion können wir einen Rundgang durch den erstaunlichsten (ich versuch hier ganz neutral zu sein) Landmarkt zu machen, den ich je gesehen hab – und wir haben auf dieser Reise schon einiges gesehen!! Wir wurden in diesem Fall angestarrt von zum Verkauf stehenden Rinderaugen und Schweineäugelchen mitsamt Kopfhaut, Zähnen und Ohren. Wir konnten lebende Fische sehen, die gerade gehäutet wurden, Geflügelherzen, Därme, Mägen (oder Kutteln), Beine, Hufe – ekelhaft!! Das Highlight war aber die Ratte, die sich clever zwischen Töpfen von getrockneten Meerestieren  versteckte und immer wieder mal ein paar Crevetteli stibitzte, ohne dass sie vom Standinhaber je gesehen wurde (nur Passanten konnten sie wunderbar beobachten). Ganz schön schlau, diese widerlichen Kerle!

Schau mal wer da guckt! Nur für Hartgesottene, der Markt am Mekong

Gerade für Vegetarier nicht nur ein angenehmer Markt

Experimentierfreudiger Thomas beim Verspeisen einer gebratenen Raupe

Zurück in Saigon machen wir uns bereit für einige Tage Strand und Meer und freuen uns auf die kommenden entspannenden Tage auf der Insel Phu Quoc, wo wir am nächsten Morgen hinfliegen.

…und es ist wirklich ein Traum!!

Ankunft im Paradies bzw. auf Phu Quoc

Das Resort, wo wir ein Zimmer gebucht haben, schlägt zwar etwas stärker zu Buche als üblich, doch wir werden in ein riesiges Traum-Zimmer mit Balkon und Lounge-Area geführt! Wir haben auch einen grossen Flachbild-TV mit DVD (man stellt uns selbstgebrannte DVDs mit Filmen, die soeben im Kino laufen, zur Verfügung), zwei Klimaanlagen und ein riesiges schönes Bad mit Dusche und Jacuzzi-Badewanne. Schliesslich wollen wir Weihnachten mal anders aber nicht weniger schön feiern! Das Resort bietet darüber hinaus einen wunderschönen Sandstrand mit Liegen & Sonnenschirmen für die Gäste und stellt Unterhaltungsobjekte wie einen Wassertraktor, Kanus und rosarote Pedalos zur Verfügung – es soll sich niemand langweilen auf der Insel! Am Strand bestellen wir später beim Bar-Keeper auf den Liegen liegend rechtzeitig zum Sonnenuntergang und während der Happy Hour „Buy 2 get 1“ zwei Getränke und kriegen zum Glück doch drei, und geniessen den bisher schönsten Sonnenuntergang der Reise! Wir befinden uns im Westen der Insel, was dieses romantisch-fantastische Erlebnis erlaubt.

Ohne Kommentar...

Donnerstag, Tag des Heiligen Abend. An diesem Tag denken wir überdurchschnittlich viel an zu Hause, an Familie und Weihnachtsdekorationen, an Brunsli und Zimtsterne und an Geschenke-Stress – und sind mal froh und mal bitzeli wehmütig auf der Insel Phu Quoc bei über 30 Grad, Sonne und Strand. Morgens bin ich glücklich, dass es hier einigermassen läuferfreundliche Wege gibt (natürlich sind Roller auch hier unterwegs) und entdecke neben zahlreichen kleinen Läden direkt neben unserem Resort auch ein indisches Restaurant. Dass wir uns in der Folge keine Gedanken mehr über unser Weihnachtsmenu machen mussten, ist dem regelmässigen Leser klar. Mit den Hotelvelos fahren wir ins ca. 4 km entfernte Fischsaucen-Städtchen Doung Dong. Die Insel Phu Quoc ist landesweit bekannt für seine vorzüglichen Fischsaucen, deren markant-penetranten Geruch man nicht so schnell vergisst… Zum Glück gibt es in der Nähe unseres Resorts keine Fischsaucenfabrik oder vielleicht  versprüht man auch genügend Moskitospray, jedenfalls liegt keine Fischsauce in der Luft, was wir nun zu schätzen wissen J Der Sonnenuntergang, den der Heilige Abend mit sich bringt ist noch schöner und wir können uns kaum satt sehen an der glühend roten Sonne!! Wer Weihnachten schon mal an einem Strandort verbracht hat, der weiss, wie schwer es ist, in richtige Weihnachtstimmung zu kommen… wir skypen, telefonieren mit zu Hause und fühlen uns schon viel mehr in Feststimmung – und das Weihnachtsmenu, welches wir auf unserem Balkon inmitten von Palmen geniessen, mit Naan, Rajta und Palak Paneer passt hervorragend zum gemeinsamen sinnlichen Abend – ich kann es sehr empfehlen!

Auch der Weihnachtstag ist wunderschön. Wir nehmen einmal die Rolle ein von den sonst immer nervigen Töff-Fahrern und mieten uns einen Honda! Thomas, zwar eher ein ungeübter Töff-Fahrer, passt sich blitzschnell an und hupt mal da mal dort den Fussgängern und andern Verkehrsteilnehmern zu, wie es sich hier gehört. Wir fahren zu einem Strand, Sao Bai, der sich im Süden der Insel befindet und sind überwältigt vom Anblick! Weisser Sand, fein wie Mehl und kaum Menschen! In einem hübschen kleinen Strohdach-Strand-Café mit ein paar Sonnenschirm Tischchen geniessen die Idylle – wirklich ein fast perfekter Strand (ein Paar Streuner-Köter hat es leider doch…).

Wunderschöner Relax-Strand an Weihnachten in Sao Bai

Eine kleine Anekdote zum Abendessen bleibt mir noch zu erwähnen, einfach weil es zu Vietnam passt: Oft ist die Karte in noch so kleinen Restaurants riesig und es gibt ca. 50 Seiten voller Gerichte aus aller Welt. Pizza, Spaghetti, Burger, Kürbissuppe, Japanische Sushis, Salate und viel Vegetarisches sind fast üblicher als vietnamesisches Essen. Hat man sich dann endlich für ein Gericht entscheiden können, so muss man  mit einem „oh sorry, this no have“ rechnen. An diesem Abend waren nach dem eigentlichen Wunsch auch die beiden als Alternative in weiser Voraussicht bereits ausgesuchten Gerichte nicht zu haben, sodass wir ein weiteres Mal zum Inder mussten J

Am nächsten Tag heisst es für uns leider schon wieder zurück nach Ho-Chi-Minh-City, wo wir einen letzten kurzen Abend verbringen und uns schweren Herzens von Vietnam verabschieden – der Flieger bringt uns Tags darauf nach Hongkong.

Zu spät für "Happy New Year", obwohl wir uns dies bei der Aufnahme dieses Fotos gedacht hatten. Bis bald!

12. Reisebericht: Vietnam – von Hanoi nach Hoi An

Januar 7, 2010
 von Thomas
Unser Flug nach Vietnam führt von Kuala Lumpur über Ho Chi Minh City nach Hanoi. Schon im Vorfeld unserer Reise hörten wir immer wieder, Vietnam solle „anders“ sein. Auch die Geschichten in unseren Reiseführern über „Gefahren und Ärgernisse“ klingen teilweise etwas beängstigend. Wir sitzen aber bereits schon im Airbus der Vietnam Airlines und so gibt es eh kein Entkommen. Wir hoffen mal, dass alles gut kommt!

Bei Ankunft in Ho Chi Minh City erschlägt uns zwar die Hitze, doch ansonsten sind wir sehr überrascht, wie modern sich der internationale Flughafen präsentiert. Die Zollbeamten in ihren militärgrün-roten sozialistischen Uniformen sind zwar nicht sehr freundlich, doch zumindest können wir problemlos einreisen. Der Transfer zum Inlandsflughafen klappt tadellos und wir können es kaum erwarten, weiter zu fliegen und dieses Land zu entdecken, zumal der Inlandsflughafen nur wenig zu bieten hat.

Im Sturzflug steuern wir Hanoi an (vermutlich sitzt ein ehemaliger Militärpilot am Steuer), doch wir landen sicher und abgesehen vom enormen Druck in den Ohren geht es uns ganz gut. Am Bankomat heben wir schnell zwei Millionen Dong ab, denn schliesslich wollen wir es uns gut gehen lassen in Vietnam! Ziemlich schnell finden wir ein Sammeltaxi, das uns ins Zentrum fährt. Im Minibus treffen wir einen Vietnamesen, der perfekt Deutsch spricht und uns mit einem freundlichen „Chuchichästli“ begrüsst. Es handelt sich um einen Reiseleiter, der zwischendurch auch für Imholz oder Kuoni unterwegs ist und sich sehr freundlich um uns sorgt und kümmert. Er weist den Fahrer zudem an, uns direkt im Hotel abzusetzen, was wir sehr schätzen, denn draussen ist es schon dunkel und wir haben keine Ahnung wo wir uns befinden. Unser „Reiseleiter“ und auch alle anderen Fahrgäste stiegen auf dem Weg ins Zentrum aus, so dass wir zum Schluss nur noch mit dem Fahrer und einer weiteren Person im Büschen sitzen. Man ist sich nie hundert Prozent sicher, ob man am Schluss doch noch irgendwie übers Ohr gehauen wird, doch wir scheinen heute Glück zu haben, denn auch der verbleibende vietnamesische Mitreisende spricht uns freundlich auf Deutsch an. Anita hält es zwar für Englisch und auch ich errate nur etwa die Hälfte der gesprochenen Worte, doch der Herr gibt an, Deutscher zu sein! Der Herr fragt nach unserer Herkunft und wir antworten: „Aus der Schweiz“, worauf dieser nickt und meint: „Ah, Braunschweig“. Wir wenden korrigierend ein: „Nein, aus der Schweiz“, doch der Herr bestätigt uns: „Ja, ja, Braunschweig“. Wir lassen es dabei bleiben und setzen ein freundliches Lächeln auf. Die weitere Konversation verläuft in ähnlichem Stil, doch wir erreichen bald unser Hotel und müssen leider schon Abschied nehmen.

Erste Eindrücke von Hanoi bei Tageslicht

Was für ein Zimmer! Wir sind hellbegeistert, denn obschon die Einrichtung nicht unserem Geschmack entspricht, ist es hier richtig gemütlich. Wir haben auch einen Balkon und wenn man da draussen steht und sich umsieht, fühlt man sich irgendwie an ein hübsches Quartier in Paris erinnert mit den engen, lebhaften Gassen und den alten, etwas heruntergekommenen Häusern, die aber durchaus reizvoll sind. Natürlich ziehen wir noch kurz durch unser Quartier und finden zahlreiche Cafés und Restaurants, die alle sehr einladend aussehen. Vietnamesen legen grossen Wert auf Feng Shui und wählen häufig eine ansprechende Beleuchtung – in der Regel reicht das, um beim Publikum gut anzukommen! Wir landen bei Spaghetti und Drinks im „Golden Drum“ und wären gerne länger geblieben, doch in Hanoi schliessen viele Lokale früh, weshalb wir uns Richtung Bett aufmachen.

So reizend und charmant Hanoi auch ist, so schrecklich kann es auch sein! Dies erfahren wir am nächsten Morgen, als wir uns auf unsere Stadttour begeben. Nirgendwo auf der Welt haben wir bisher mehr Roller gesehen als hier in Hanoi! Sie sind überall und kommen aus allen Richtungen. Sie sind beladen mit ganzen Familien, mit Anhängern, mit Tieren, Bambusstangen, Bierkisten, Koffern, Gemüse und Touristen. Alles, was man für unmöglich gehalten hat, ist hier möglich! Alles, was gemäss unserer Strassenverkehrsordnung verboten, ja kriminell ist, ist hier kein Problem. Nur die 2007 eingeführte Helmpflicht erzürnt viele Vietnamesen. Wie gut, dass die Chinesen Helme für 50 Cents liefern! Es wird gehupt bis zum Geht-nicht-mehr –tagsüber wird man es selbst in einer kleinen Gasse nicht schaffen, fünf hup-freie Sekunden zu erleben. Es ist auch kaum möglich, ein Foto zu schiessen ohne einen Moto-Fahrer auf dem Bild zu haben! Sie sind wie eine Plage, sie sind überall. Die Abgase sind massiv und es ist richtig anstrengend und ermüdend, sich in der Stadt zu bewegen, da man ständig auf der Hut sein muss. Die grösste Herausforderung ist das Überqueren der Strasse. Dieses erste Mal, dem sich jeder Tourist stellen muss. Es ist fürchterlich, doch man fühlt sich wie ein Held, wenn man es geschafft hat. Und es funktioniert! Die Regel: Einfach gehen! Langsam, aber bestimmt! Der Motorrad-Ameisenhaufen scheint nämlich trotzdem irgendwelchen (ungeschriebenen) Regeln zu folgen und man weicht sich irgendwie aus und versucht, sich gegenseitig nicht zu überfahren! Und das funktioniert in der Regel.

Roller ohne Ende!

Hanoi bietet nebst der charmanten Altstadt und den vielen Rollern aber noch mehr. Hanoi ist für mich sogar definitiv die Stadt der Reizüberflutung! Es wimmelt von Händlern und solchen, die es gerne mal werden möchten. An jeder Ecke wird einem etwas angeboten und im Zentrum reiht sich ein Geschäft ans andere. Daneben gibt es Märkte, Markthallen, fliegende Händler und Gauner. Gehandelt wird grundsätzlich überall und mit allem, doch es gibt Gassen, die praktisch nur für eine Handelsware reserviert sind, was auch am Strassennamen zu erkennen ist, sofern man Vietnamesisch spricht. Man findet z.B. eine Gasse mit Körben, eine Gasse mit Schmieden, eine Gasse mit Werkstätten für Motobikes, eine Gasse mit Lederwaren oder etwa die „Gasse der Fälschungen“, die aber bei unserem Besuch voll auf Weihnachtsartikel spezialisiert war. Was hier alles gefälscht wird, ist schon beeindruckend. Klar, es gibt Rucksäcke, Koffer, T-Shirts, Uhren, Brillen, Parfums; doch es gibt auch DVD’s mit Filmen, die noch gar nicht im Kino gezeigt worden sind, es gibt sogar kopierte Lonely Planets und sonstige Bücher oder gefälschte Geldscheine, wobei letztere i.d.R. für die Ahnen verbrannt werden. Interessant ist auch, dass es selbst Fälschungen von Restaurants oder Reisebüros gibt. Wird in einem Reiseführer beispielsweise ein Reisebüro positiv erwähnt, so wird der Name des Reisebüros einfach von einem Dritten übernommen. Das kann für Touristen wahnsinnig verwirrend sein.

Altstadtgasse mit Gemüseverkäuferinnen

Hinzu kommt, dass man permanent von Taxi- und Cyclofahrern (Cyclofahrer bieten Transporte auf Velos mit einem oder zwei Gästesitzplätzen an) umringt wird. Es gibt sie zu Tausenden und keiner wird jemals die Gelegenheit auslassen, einen vorbeigehenden Touristen zu fragen: „Cyclo? Where are you going?“. Auf ein „No, thank you!“ folgt in der Regel der Gegenvorschlag „One hour!“, was wohl als besonderes Lokangebot zu verstehen ist!? Jeder Taxifahrer hupt einem nach oder fährt schleichend an einem vorbei und vergisst dabei nicht, einen hoffnungsvoll anzublicken. Die fröhlichen Obstverkäuferinnen mit ihren traditionellen Kegelhütchen und den frischen Früchten auf ihren Tragvorrichtungen sind eine weitere Plage. Hier in Hanoi sind sie leider sehr aufdringlich und setzen einem spätestens dann, wann man mitgeteilt hat, dass man nichts kaufen möchte, unaufgefordert ihr Hütchen auf, gefolgt von der Tragvorrichtung, die einem auf die Schulter gehängt wird. Bis zu diesem Zeitpunkt sind sie extrem freundlich, doch sobald man mitteilt, dass man immer noch nichts will, wandeln sich das zuckersüsse Lächeln und die funkelnden Augen schlagartig in einen Ausdruck massiver Verachtung und des Hasses. Solche Verwandlungen kennt man sonst nur aus Horrorfilmen!

Ungewollte Begegnungen in Hanoi

Wir schlagen uns durch in Hanoi. Wir besuchen den „ruhigen“ Hoam Kiem See mit dem Ngoc-Son-Tempel und die Altstadt mit all den kleinen Gassen und den lebhaften Märkten und legen immer wieder eine kleine Kaffeepause ein. Vietnamesischer Kaffe kann übrigens hervorragend oder ganz übel schmecken, je nachdem, ob man es schafft, der Bedienung mitzuteilen, dass man bitte keinen Zucker und normale Milch möchte. Verpasst man diese Meldung, wird der Löffel fast schon im Kaffee stecken bleiben, denn in der dunklen, dickflüssigen Flüssigkeit steckt nebst einer gewaltigen Zuckerladung auch noch ein guter Schluck zuckersüsser Kondensmilch.

Am Hoam Kiem See

Gegen Abend steht ein weiteres Geschmackserlebnis auf dem Programm! Es ist Zeit für Bia-Hoi! Bia-Hoi bezeichnet selbstgebrautes Bier, das in Hanoi äusserst populär ist und in unzähligen Bia-Hoi-Lokalen angeboten wird. Das Bier ist sehr günstig und schmeckt gar nicht so übel, manche finden es gar ausgezeichnet. Die Gäste sitzen dicht gedrängt auf kleinen Plastikstühlen und trinken fröhlich ein Bier nach dem anderen. Wir gesellen uns hinzu und Anita fällt nicht nur als Westlerin, sondern auch noch als einzige Frau auf! Nach dieser herrlich-erfrischenden Erfahrung im Vorabendprogramm erleben wir eine ziemliche Enttäuschung beim Abendessen, denn statt im echten, empfohlenen „Little Hanoi“ landen wir in einer Kopie davon, die nebst völlig überteuerten Preisen nur eine absolute Fehlbesetzung beim Personal zu bieten hat. Kein Wunder, dass wir uns im Anschluss doch wieder im „Golden Drum“ satt essen.

Am nächsten Tag gehen wir es ruhiger an, denn Anita ist stark erkältet und fühlt sich gar nicht wohl. Wir verbringen viel Zeit mit der weiteren Reiseplanung und suchen uns ein Reisebüro aus um eine Tour in die Halong-Bucht zu buchen. Im Anschluss schwitzen wir uns in der Hotel-Sauna gesund und besuchen am Abend das Wasserpuppentheater von Hanoi. Ich muss schon sagen, dass es sich um das beste Wasserpuppentheater handelt, das ich je in meinem Leben gesehen habe. Zu Beginn gibt es erst eine Kostprobe traditioneller Musik, dann geht die Show los! Gezeigt werden meist einfache Szenen aus dem Alltag auf dem Lande, die bei der Touristin hinter uns jeweils starke Lachanfälle auslösen, insbesondere wenn z.B. der Fisch den Fischer schnappt statt umgekehrt! Zwei Sängerinnen singen und kommentieren die Szenen mit lustigen Quietsch-Stimmen, die Kapelle sorgt für musikalische Begleitung. Wasserpuppenspieler absolvieren eine dreijährige Ausbildung, bevor sie auftreten dürfen, was sich unmittelbar in der Qualität der Darbietung niederschlägt. Tatsächlich verläuft die Vorführung pannenfrei und erfolgreich und wir hoffen, dass alle Wasserpuppenspieler ihre Gummistiefel an hatten, denn sonst könnte es durchs Wasser zur Übertragung von gefährlichen Krankheiten kommen.

Der grosse Ho Chi Minh steht am nächsten Tag auf dem Programm und wir marschieren nach einem ausgezeichneten Frühstück im Hotel, vorbei an der Lenin-Statue, direkt zum Mausoleum. Grundsätzlich sollte „Onkel Ho“, wie er liebevoll von der vietnamesischen Bevölkerung genannt wird, ja da sein (einmal jährlich wird er nach Moskau verfrachtet, wo er etwas aufgefrischt wird), doch da wir uns kaum vom Frühstücksbuffet trennen konnten, verpassen wir nun den letzten Einlass um 10.15 Uhr. Nicht mal mehr fürs Ho Chi Minh Museum reicht es uns, doch wer hätte schon mit solchen Öffnungszeiten gerechnet? Und wer möchte sich um 8 Uhr früh eine Leiche anschauen?

Das einladende Ho Chi Minh Mausoleum

Immerhin reicht es uns an diesem Tag noch für den friedlichen Literaturtempel und, es könnte gegensätzlicher sein, das Hoa-Lo-Gefängnis. Die französischen Kolonialherren haben in diesem Gefängnis über Jahrzehnte schrecklich gefoltert und gemordet und die Gefangenen schlimmer als Tiere gehalten. Die Ausstellung ist sehr eindrücklich und vermag durchaus etwas von der Stimmung zu vermitteln, die hier geherrscht haben musste. Natürlich wird auch gezeigt, dass das Gefängnis während des Vietnam-Krieges auch von den Vietnamesen genutzt wurde, wobei die Vietnamesen hier offenbar für ausgezeichnete Haftbedingungen gesorgt haben. Auch Senator McCain war hier in Gefangenschaft und hat sich zwei Mal versucht das Leben zu nehmen. Darauf wird allerdings nicht eingegangen.

Es ist Zeit für ein wenig Abwechslung und für etwas mehr Ruhe und wir sind nicht unglücklich, dass wir uns am nächsten Tag auf unsere Zwei-Tages-Tour in die Halong-Bucht machen. Unser Führer heisst Duc, ist sehr aufgestellt, spricht verständliches Englisch und weiss erst noch, wann der FCB gegen wen gespielt hat und wie das Ergebnis ausgefallen ist. Damit weiss er schon mal deutlich mehr als ich. Wir fahren durch kleine Städte und Dörfer und bemerken, dass bei sehr vielen Restaurants ein Schild mit der Aufschrift „Thit cho“ steht. Hier gibt es also endlich Hund! Aus den touristischen Restaurants in Hanoi ist er nämlich längst verschwunden!

Unterwegs in der Halong-Bucht

Die Fahrt mit dem Bus zieht sich etwas in die Länge und wir merken spätestens auf dem Rastplatz, dass sehr viele Menschen in die Halong-Bucht unterwegs sind, denn es hält ein Touristenbus nach dem anderen. Das Reisebüro hält aber was es uns versprochen hat und wir kommen doch noch zu einer einigermassen individuellen Halong-Bucht-Erfahrung.
Gegen Mittag besteigen wir eine chinesische Dschunke und tuckern gemütlich an Hunderten von Inseln vorbei und geniessen dabei einen „Fünfgänger“, der zwar vorzüglich schmeckt, doch leider auch etwas zu stark sättigt. Wohlgenährt besteigen wir im Anschluss einen Zweier-Kajak um die Inseln und Höhlen aus nächster Nähe zu betrachten. Erst graut mir davor, denn mein letztes Zweier-Kajak-Erlebnis vor zehn Jahren endete mit ziemlich muffer Stimmung, doch mit Anita klappt es ausgezeichnet (Moni, falls du diese Zeilen liest, vielleicht müssen wir es einfach wieder mal probieren…). Im Anschluss teilt sich die Gruppe, wobei ein Teil auf dem Schiff bleibt um dort zu übernachten, und der andere zu einer einsamen Insel weiterfährt. Wir haben die einsame Insel gebucht und was wir antreffen, ist wieder einmal umwerfend schön. Zwar ist es schon dunkel als wir ankommen, doch die kleine Bungalow-Anlage direkt am Meer ist bezaubernd. Einzig die Privatsphäre muss etwas leiden, denn die drei Zimmer pro Bungalow sind nur durch eine dünne Wand aus Palmenblättern getrennt.

Die Bungalow-Anlange auf unserer einsamen Insel vor Cat Ba

Ich zwinge mich am nächsten Morgen um 5.30 Uhr aus dem Bett um noch ein wenig diese einzigartige Stimmung auf der Veranda zu geniessen. Um 8 Uhr fährt leider schon unser Boot und wir müssen bei ziemlich kühlen Temperaturen und recht hohem Wellengang die Rückreise antreten. Bei Ankunft organisiert uns Duc ein Taxi zum Busbahnhof und wir schaffen es gerade noch auf unseren Bus nach Ninh Binh, unserer nächsten Destination.

Ninh Binh wird in Reiseführern durchaus positiv erwähnt, was in unseren Augen aber völlig zu Unrecht geschieht. Der Ort ist maximal ein guter Ausgangpunkt für Ausflüge, denn er bietet weder besonders gute Restaurants, noch irgendwelche Spezialitäten oder bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten. Wir organisieren unsere Weiterreise am Bahnhof und sehen uns enttäuscht etwas um, dann mieten wir Velos um nach Tam Coc, der „Halong-Bucht in den Reisfeldern“, zu radeln. Auf Fahrrädern von sehr schlechter Qualität im dichten vietnamesischen Verkehr unterwegs zu sein, ist schon sehr speziell und kann durchaus als Abenteuer bezeichnet werden. Die vom Hotel zur Verfügung gestellte Velokarte entpuppt sich als völlig unbrauchbar, doch auch hier gelingt es uns auf unerklärliche Weise wieder an unser Ziel zu gelangen.

Auf Velotour irgendwo zwischen Ninh Binh und Tam Coc

In Tam Coc ist touristisch alles durchorganisiert und wir ahnen schon was auf uns zukommt, als wir eines der Ruderboote, die hier fast im Sekundentakt loslegen, besteigen, denn wir haben im Reiseführer darüber gelesen. Im schmalen Ruderbötchen sitzen ein Ruderer und ein Führer, die einem auf der Flussfahrt durch die Höhlen und entlang der Reisfelder und Felsen begleiten. Unser Führer spricht Französisch, doch es ist äusserst mühsam ihm zuzuhören, denn man versteht nur sehr wenig. Landschaftlich ist Tam Coc zwar eine Augenweide, doch man kann es kaum geniessen, da der ganze Bootsausflug einer bezahlten Kaffeefahrt gleichkommt, der man nicht entkommen kann. Erst wird man von fahrenden Getränkehändlern umzingelt, die darum bitten, dass man doch mindestens dem armen Ruderer und dem Führer ein Getränk kauft, wenig später packt der Führer seine Tischtücher aus und startet seine Verkaufsshow und am Schluss streckt er auch noch die Hand aus und verlangt Trinkgeld!

In der "Halong-Bucht in den Reisfeldern"

Am nächsten Abend nehmen wir Abschied von Ninh Binh und steigen in den Nachtzug, der uns nach Hue bringt. Wir reisen in einem Vierer-Abteil und müssen leider feststellen, dass die beiden anderen Liegeplätze bereits von einem älteren vietnamesischen Paar besetzt sind, das bereits am Schlafen ist. Es bleibt uns nicht viel anderes übrig, als uns ebenfalls hinzulegen. Da die Dame jedes Mal aufschreit wenn wir die Türe zuschieben wollen, sehen wir uns gezwungen, die Nacht mit halb-offener Tür verbringen zu müssen. Nachdem wir einiges über Diebstähle in Nachtzügen gelesen haben, vermute ich natürlich sofort, dass das alte Paar mit Dieben unter einer Decke steckt, die uns in der Nacht ausrauben kommen. Dem ist natürlich nicht so. Friedlich und leise steigt das Paar mitten in der Nacht im Nirgendwo aus und wir kommen einige Stunden später einigermassen ausgeruht und unversehrt in Hue an.

Bahnhof in Ninh Binh

Hue gilt als eine der schönsten Städte Vietnams und auch uns gefällt es hier wieder deutlich besser. Die Kaiserstadt mit all ihren Tempeln und Palästen der Nguyen-Kaiser gehört sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist dementsprechend wieder ziemlich touristisch, was viele aufdringliche Cyclo-Fahrer hervorbringt. Kurz nach Zimmerbezug und einer kleinen Brunch-Pause machen wir uns auf, um das touristische Pflichtprogramm zu absolvieren, wobei wir uns grösste Mühe geben, die „freundlichen“ Droschkenfahrer einfach zu ignorieren. Wir stellen fest, dass wir eine gewisse Arroganz entwickelt haben, die wir zwar nicht mögen, die uns aber das Leben etwas erleichtert.

Eindrücke aus Hue

Da wir zwei Nächte in Hue gebucht haben und die Stadt relativ schnell besichtigt ist, entscheiden wir uns am nächsten Tag für einen Ausflug in die entmilitarisierte Zone. Die entmilitarisierte Zone bezeichnet den zehn Kilometer breiten Grenzstreifen, der, durchquert vom Ben-Hai-Fluss, Nord- und Südvietnam über 21 Jahren getrennt hat. Heute stehen hier zahlreiche kommunistische Denkmäler, ansonsten scheint, abgesehen von den unzähligen Granaten und Minen, die hier, aber auch im restlichen Land immer noch herumliegen, einigermassen Normalität eingekehrt zu sein. Der Höhepunkt des Ausflugs ist aber der Besuch des Vinh-Moc-Tunnels, etwas nördlich der entmilitarisierten Zone. Während des Krieges hielten sich die Vietnamesen über Jahre in Tunnels versteckt, die sie eigenhändig gebaut haben. Es handelt sich um ein gewaltiges Tunnelsystem, das auf mehreren Etagen über 30 Meter in die Tiefe reicht. Wenn man sich geduckt durch die engen Gänge bewegt, die Hitze grösser wird und die Luft kaum mehr zu atmen ist, ist es kaum vorstellbar, dass viele Menschen, insbesondere Alte, Kranke und Schwangere diese Tunnels über Jahre nicht verlassen konnten! Es ist ein schreckliches Stück Geschichte, das man hier hautnah zu sehen und spüren bekommt und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Denkmal in der entmilitarisierten Zone

Da wir nur eine Halbtagestour gebucht haben und der Rest der Gruppe weitere militärische Schauplätze besichtigt, organisiert uns die miserabel Englisch sprechende Führerin einen lokalen Minibus, der uns zurück nach Hue bringt. Was wir hier erleben, erinnert uns sehr stark an Mosambik, denn der Minibus für zehn Personen wird mit viel Gepäck und bis zu 17 Personen vollgestopft. Selbst dem Vögelchen, das im Kofferraum mit uns reist, vergeht das fröhliche Piepsen sehr bald, wobei dieses froh sein kann, das es nicht mitbekommt, zu welchen Überholmanövern der Fahrer fähig ist!

Es ist verständlich, dass wir uns im Anschluss in Hue etwas gönnen müssen! Anita entscheidet sich für Mani- und Pediküre, ich lasse mich zu einer Gesicht-, Kopf- und Schultermassage überreden, wobei ich mehrfach darum bitte, dass bitte der Gesichtsteil ausgelassen wird, was aber mehrfach ignoriert wird. Schlimmer ist dann unter dem Strich aber doch der Schulterteil, da mir hierbei die Masseuse, die wohl reichlich Fischsosse und Knoblauch verzehrt hatte, sehr nahe kommt mir dabei vor all der Anstrengung heftig und gezielt ins Gesicht pustet. Immerhin ist das anschliessende Abendessen ein Erfolg für mich, denn ich kann endlich mal wieder Pizza bestellen – Diavola mit reichlich Aglio!

Kurzer Halt zwischen Hue und Hoi an

Per Bus geht unsere Reise am nächsten Tag weiter nach Hoi An. Für geschätzte 200km benötigen wir über vier Stunden, was in Vietnam nicht unüblich ist. Bei strahlendem Sonnenschein ziehen wir aber vorbei an wunderschönen Landschaften, so dass einem die Fahrt gar nicht so lange vorkommt. Es scheint einfach ein Glückstag zu sein! Oder etwa nicht? Wie aus heiterem Himmel bremst unser Bus abrupt ab unser bleibt auf der Fahrbahn stehen. Wir sind überzeugt, dass wir mal wieder einen Rollerfahrer gerammt haben, denn der Chauffeur eilt heraus und taucht einige Zeit nicht auf! Plötzlich kommt er aber wieder herein und hält seine Beute in der Hand: eine Schlange! Wir haben tatsächlich eine Schlange überfahren und das bedeutet für den Chauffeur nichts anderes als ein leckeres Abendessen! Das Beste daran ist, dass die Schlange erst noch am Leben ist, und dass sich ein asiatischer Mitreisender bereit erklärt, die Schlange bis Hoi An zu halten. Wie gut, dass es sich doch um einen Glückstag handelt!

Leckeres Abendessen, das wir auf der Strasse gefunden haben!

Und dann sind wir in Hoi An und sind uns sehr schnell einig, dass es sich um ein absolutes Muss auf jeder Vietnam-Reise handelt! Auch diese Stadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und zwar verdientermassen! Die Altstadt ist, da sie in Kriegszeiten einigermassen verschont worden ist, gut erhalten und es ist ein richtiger Genuss durch die Gassen zu spazieren. Zudem gibt es hier Zonen, die Auto- und vor allem Motorradfrei sind, was in Vietnam wohl einzigartig ist und wir sehr zu schätzen wissen. Daneben ist Hoi An aber auch das Zentrum für Schneidereien und es gibt wohl Hunderte von Anbietern. Es wäre definitiv ein Fehler, hier zu widerstehen, denn die Angebote sind phänomenal. Schon am ersten Tag lassen wir uns in einem renommierten Geschäft jeweils ein Probehemd schneidern um die Qualität zu prüfen. Da wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden sind, platzieren wir gleich am nächsten Tag einen Grossauftrag. Anita kann dann auch beim Schuhmacher nicht widerstehen und bestellt gleich noch zwei Paar Massschuhe. Schliesslich finden wir noch einen weiteren Schneider, der uns überzeugt, so dass wir auch hier nochmals eine grössere Bestellung aufgeben. Was Shopping anbelangt, haben wir uns bisher ja einigermassen zurück gehalten, doch diese Investitionen mussten einfach sein!

Altstadt von Hoi An

Laden in Hoi An

Am dritten Tag leihen wir uns im Hotel klapprige Fahrräder und fahren an den Strand, der wenige Kilometer vom Ortszentrum entfernt ist. Auch vom Strand sind wir beeindruckt und Hoi An klettert in unserer Beliebtheitsskala höher und höher! Es gibt zwar mühsame Strandverkäufer, doch dafür kaum Hunde und so ist es durchaus auszuhalten. Allzu lange können wir aber leider nicht bleiben, denn am Nachmittag und Abend müssen wir erneut zur Kleiderprobe! Das Meiste passt, ab und zu mal eine kleine Korrektur, doch insgesamt sind wir sehr zufrieden und schicken unsere Kleider und Schuhe gleich mal Richtung Heimat!

Vorsicht Kinder in Hoi An

Nebst einer wunderschönen Altstadt, ausgezeichneten Shopping-Bedingungen und einem herrlichen Strand hat Hoi An aber auch eine grosse Auswahl an verlockenden Restaurants, Bars und Cafés. Wir probieren einfach alles, egal ob lokale Spezialitäten, Indisch oder Western Kitchen! Eine typische Szene erleben wir auch in einem kleinen, familiären Restaurant, das eine Karte mit Riesenauswahl bietet. Erst bestelle ich Gericht A, nach 5 Minuten erfahre ich, dass es Gericht A nicht mehr gibt, worauf ich Gericht B bestelle. Plötzlich entschuldigt sich der Kellner kurz und verschwindet mit seinem Roller. Er kommt zurück und teilt mir mit, dass auch Gericht B nicht serviert werden kann (da er auf dem Markt mein Fleisch nicht gefunden hat), worauf ich mich für Gericht C entscheide. Dieser Ablauf ist zwar nicht die Regel, doch erlebt haben wir es mehr als einmal. In Ninh Binh hat Anita z.B. erst nachdem ich schon fertig gegessen habe erfahren, dass ihr Gericht gar nicht zubereitet werden kann!

Strand in Hoi An

Wir beenden unseren Aufenthalt in Hoi An mit einem Ausflug zu den My Son Ruinen, die von den Cham-Königen teilweise bereits schon im 4. Jahrhundert errichtet worden sind. Der Ausflug ist lohnenswert, da insbesondere auch die Lage – mitten im Urwald – sehr ansprechend ist. Wieder einmal müssen wir aber Kritik am Tourguide üben, denn dieser ist in der ersten halben Stunde nur damit beschäftigt, den Leuten eine Rückreise auf dem Schiff anzudrehen, damit er eine Kommission einstecken kann. Uns frägt er sage und schreibe vier Mal! Als er dann mit seinen Erklärungen beginnt, erhält er nur wenig Aufmerksamkeit, was allerdings einzig auf sein sehr schwer verständliches Englisch zurückzuführen ist. Daraufhin wird er so sauer und wütend, dass er die ganze Reisegruppe anbrüllt, man solle ihm gefälligst zuhören, denn sonst könne er die Verantwortung nicht übernehmen und uns einfach in My Son lassen! Mäuschenstill wird es im Bus, doch das Trinkgeld und den Titel „Tourguide der Herzen“ hat der Herr nun definitiv verspielt!

Die Wächter in My Son waren tausend Mal freundlicher als unser Guide!

Ja, Vietnam ist voller Abenteuer und Erlebnisse und gehört sicher zu unseren Lieblingsdestinationen auf unserer Reise! Wer es geschafft hat bis hierher zu lesen, dem sei gratuliert! Wer noch mehr über Vietnam erfahren möchte, der muss sich noch ein paar Tage gedulden, denn dann folgt schon der zweite Teil!

Die Reise geht weiter! Auf Wiedersehen und bis bald!

11. Reisebericht: Malaysia – Westküste und Cameron Highlands

Dezember 17, 2009

geschreiben von Anita

Am Nachmittag des 18. November, ein gewöhnlicher Mittwoch, kommen wir auf äusserst komfortable Art und Weise in Melaka oder Malacca an. Ungerne verlassen wir den angenehmen Massagesessel des Reisebusses, freuen uns aber auf das legale Kaugummikauen, wie andere Mitreisende sich aufs ungeahndete öffentliche Spucken freuen. Unsere per Internet gebuchte Unterkunft überrascht uns positiv und liegt mitten im Zentrum des charmanten kleinen Städtchens. An der Westküste Malaysias liegend, genoss Melaka als Handels- und Hafenstadt besonders in den vergangenen Jahrhunderten hohe Beliebtheit und Bedeutung. Einmal beherrscht von Chinesen, dann von Portugiesen, von Holländern und schliesslich von Briten, haben all diese Völker ihre Spuren hinterlassen, welche man heute bei abwechslungsreichen Spaziergängen durch die Altstadt bewundern kann. Es gibt indische und chinesische Tempel, Moscheen, katholische Kirchen, ein holländisches Stadthuys, ein portugiesisches Fort inklusive Kanonen, jede Menge Museen, Hotels und – quasi ein Muss – Shopping Centers. Chinatown und Little India machen die Liste der Sehenswürdigkeiten in Melaka komplett.

Strassen von Melaka


Am nächsten Tag entdecken wir die verwinkelten Strässchen von Melakas Chinatown, wo es neben den üblichen typischen Chinatown-(Ramsch)Artikeln erstaunlicherweise auch ganz praktische Dinge zu kaufen gibt! T-Shirts, die man sich auch anzuziehen traut und schöner, chinesischer Weihnachtsbaumschmuck (ungeachtet der Tatsache, dass es in China gar kein offizielles Weihnachtsfest gibt) und viele günstige Kimonos. Wir besuchen im Anschluss das Musée de la Beauté éternelle, wo wir vieles über grausame Verschönerungstechniken aus verschiedenen Kulturen und Völkern sehen und lesen können. Das Sprichwort „Schönheit muss leiden“ hat offenbar schon immer und überall gegolten! Am brutalsten empfand ich das Foot-binding oder anders gesagt das Verstümmeln der Füsse, das über Jahrhunderte weit verbreitet in China, aber auch in anderen asiatischen Ländern praktiziert wurde. Das stramme Einbinden der Füsse bei jungen Mädchen führt zu besonders kleinen Füssen bzw. Missbildungen, was als schön galt: je kleiner die Füsse, desto schöner und begehrenswerter die Frau. Schwachsinn hin oder her, mit dem Sprichwort „auf grossem Fuss leben“ scheint diese Schönheitskur jedenfalls nichts zu tun zu haben. Aber auch die zahlreichen höchst kreativen Methoden der dokumentierten „Zahnverschönerungen“ stehen dem Foot-binding in Sache Brutalität in nichts nach… Von Abfeilen, über Herausschlagen bis zum Einfärben – unglaublich, wozu Menschen fähig sind. Dabei hat uns die Erklärung, dass Zähne bei gewissen Stämmen dreieckig abgefeilt wurden, um sich klar von Tieren zu unterscheiden, sehr erstaunt, zumal die Ähnlichkeit mit einem Tier nach der Prozedur viel grösser war. Im Gegensatz dazu wurde den heutigen grenzenlosen chirurgischen Verschönerungseingriffen kein einziges Poster gewidmet, was ich auf die Tatsache zurück führe, dass es gerade in Asien von solchen Schnäppchen-Angeboten wimmelt…
Eine bisher nicht genannte Sensation in Melaka stellt die Baba-Nonya Kultur dar. Diese Kultur ist das Ergebnis aus chinesischen Siedlern, Malaysierinnen und Indern, gewürzt mit etwas Portugiesen und bezieht sich vor allem auf die spezielle Küche. Am Abend versuchen wir diese typische Küche in einem sehr einfachen Beizli. Zwar verstehen wir weder die Namen der Gerichte, noch erkennen wir die Zusammensetzung beim Essen selbst, aber vielleicht ist das gar nicht so schlecht, Hauptsache es hat geschmeckt!

Ein besonders schön geschmücktes typisches Transportmittel in Melaka - schade gibts keinen Ton, Michael Jackson hat uns durch die Stadt begleitet


Den Abend schliessen wir mit einem längeren Besuch in einer Karaoke-Bar ab, wo Thomas und ich als einzige Gäste stundenlang mittels der technisch hervorragenden (lauten) Karaoke-Anlage um die Wette singen. Mit dem letzten, gut gemeinten Applaus der restlichen Angestellten verabschieden wir uns und fallen heiser und ausgesungen ins Bett…

Der nächste, eher ruhigere Tag führt uns nach Port Dickson, wo wir zwei Tage am Strand ausspannen möchten. Leider entpuppt sich der Hotelstrand aber als nicht allzu gepflegt, weshalb wir den Pool bevorzugen. Das Hotel ist schön und bietet alles was man braucht, aber liegt doch klar ausserhalb des Ortes Port Dickson selber. Wir bleiben somit auf dem Hotelareal und profitieren vom guten Dienstleistungsangebot: während Thomas am Ping-Pong Turnier der Hotelmitarbeiter erfolgreich teilnimmt, surf ich im Zimmer per Wireless Internet und verpass den Vize-Meistertitel von Thomas (die Mitstreiter waren allesamt Asiaten, also Pingpong-Experten) – Kompliment!

Pool Landschaft im komfortablen Hotel lädt zum Entspannen ein


Das Hotel bietet ein äusserst reichhaltiges Frühstücksbuffet spezieller bzw. asiatischer Art: In zahllosen „Brotkästen“ aus Metall verstecken sich Nasi Goreng, Bami Goreng, verschiedene Würste, Gemüse Eintopf und gebratene Nudeln mit Fisch und Meeresfrüchten. Daneben ein Salatbuffet, welches selbst für mich frühmorgens etwas zu heftig ist. Das Ganze wird mit Porridge, einer faden Reisgrütze, abgerundet. So abwechslungsreich wie das Frühstück entwickelt sich auch das Wetter und auf anfänglichen Sonnenschein folgt bald ein heftiges Gewitter, welches uns ins Zimmer verbannt.
Unsere weiteren mittelfristigen Reisepläne zwingen uns zu einem Stop-over in Kuala Lumpur (KL für den Kenner), wo wir für ein Visum für Vietnam kandidieren müssen. Wir fahren deshalb am Sonntagnachmittag wieder in die Hauptstadt und bedauern da zum ersten Mal wirklich, die Unterkunft bereits übers Internet gebucht zu haben. Unser Zimmer ist eine wahre Besenkammer ohne Fenster, dazu feucht, muffig, klitzeklein und einfach eklig! Wir merken, wie unentbehrlich ein Seidenschlafsack auf so einer Reise ist und finden später, mit viel Parfum, auch da Schlaf!
Unseren Besuch auf dem vietnamesischen Konsulat nehmen wir früh in Angriff, schliesslich haben wir keine Ahnung, wie lange die Warteschlange sein wird. Am Ziel angekommen, treffen wir einen hektischen Ameisenhaufen von kleinen, dünnen schwarzhaarigen Menschen an, alle in einer sehr speziellen Sprache miteinander diskutierend (Vietnamesisch tönt immer, als ob man schimpfen würde: Satzendungen sind jeweils sehr insistierend wenn nicht schon anschuldigend und in höherer Stimmlage als der Rest). Zuerst sind wir froh, dass es ein Nummernsystem wie bei uns auf der Post gibt, bemerken aber schnell, dass sich keiner dran hält. Wild wird auf die armen zwei Damen hinter dem Schalter eingeredet, Pässe werden hin und hergereicht, Formulare ausgefüllt und gedrängt, was das Zeug hält. Wir tun irgendeinmal dasselbe, kriegen ähnliche Formulare die wir ausfüllen, bei den Damen bezahlen und schliesslich unsere Pässe mit einer Quittung wieder zurück kriegen. Wir sollen in ein paar Tagen wieder kommen. Im Hintergrund des geschäftigen Büros sehen wir tausende von Pässen, aufgetürmt in Kartonschachteln, zusammengehalten mit Gummiband oder einfach nur lose aber auf jeden Fall systemlos, weshalb wir total erleichtert sind, unsere „Identität“ nicht da lassen zu müssen…
Unsere nächste Destination liegt nördlich von KL, Lumut, und ist der Ausgangsort um auf die Insel Pulau Pangkor zu kommen. Im Swiss Garden Hotel (abgesehen vom Namen hat es nichts mit der Schweiz zu tun) werden wir sehr angenehm empfangen. Wir kriegen ein tolles Zimmer mit Balkon und Meerblick, genau das was wir nach einem so hektischen Tag brauchen!

Romantischer Sonnenuntergang im Swiss Garden Hotel - was braucht man mehr?


Nach einem ähnlich vielfältigen Frühstücksangebot machen wir uns gestärkt auf den Weg zur Insel Pangkor, der eigentliche Grund unserer Reise nach Lumut. Mit einer modernen Fähre fahren wir auf die kleine grüne Insel und chartern ein rosarotes Minibustaxi für eine Rundfahrt um die Insel. Der lustige Fahrer führt uns zu den Sehenswürdigkeiten, die auf seiner Liste stehen, kann uns aber nicht allzu viele Infos dazu geben. Erste Haltestelle war „Sacred Rock“, ein riesiger Stein, ohne Beschriftung und Tafel, weshalb wir nachfragen, was denn so heilig daran sei. „Ooh, I don’t know“ meint der Fahrer darauf mit breitem Grinsen und ermahnte uns, ins Büssli zu steigen. Die charmante, ursprüngliche Insel hat uns aber auch ohne viel Hintergrundinformation sehr gut gefallen mit den Tempeln, Stränden und Fischerdörfern und wir bereuen fast, abends wieder zurück zu unserem riesigen Hotelkomplex fahren zu müssen.

Pulau Pangkor - kleines grünes Paradies nahe der Westküste Malaysias


Der Zufall will es, dass meine Kollegin Madlaina mit Ihrem Partner 10 Tage Ferien in Malaysia macht! Mit Freuden haben wir uns in den Cameron Highlands verabredet, wo wir am nächsten Tag hinfahren. Ratternd kommen wir in Tanah Rata, Ausgangsort für Wanderungen in die Cameron Highlands, an und treffen uns am Abend mit Madlaina und Andy zum Essen im deutsch-schweizerischen Schwarbing House Inn („The only german restaurant in Cameron Highlands“). Abgesehen vom Namen erinnert wenig an Deutschland und noch weniger an die Schweiz, aber wir werden herzlich von einem Jungen mit den Worten „Mama! Customers!! Mama, Customers, hurry!!“ begrüsst.

Seltene Gäste im typischen Deutsch-Schweizerstübli Schwarbing House Inn


Wir schliessen den schönen Abend in der einzigen Bar des Ortes ab und sind glücklich über ein so spontanes Treffen – DANKE fürs „Vorbei schauen“ 🙂
Am nächsten Tag treffen wir uns um in den Cameron Highlands zu wandern. Die auf ca. 1500 m gelegenen Berge (für uns eher Hügel…) bieten tolle Dschungelwege bei angenehmen Temperaturen. Es ist zwar auch hier schwül und Transpiration findet durchaus statt, aber immerhin steigt das Thermometer in der Regel nicht über 25 Grad an. Nun buchen die meisten Touristen für ihre Wanderungen einen Führer – tollkühn wollen wir es auf eigene Faust wagen, denn wir haben uns ja im Hotel eine Karte gekauft. Diese enthält zwar mehr Werbung als Wege, doch als vier versierte Wandervögel erreichen wir den Gipfel des Gunung Jasar und des Gunung Perdah, durchwandern anschliessend auch noch ein authentisches Bergdorf, welches auf der Karte als aborigin village angegeben ist – eine herrliche Wanderung!

Gipfelstürmer auf Gunung Perdah - Geschafft!!

Dank Madlaina und Andy bzw. ihrem Mietauto kommen wir in den Genuss der Teeplantagen-Besichtigung des Boh Tea Estates und erkunden den höchsten Berg in der Umgebung (2110 m). Die Aussicht ist absolut genial, wir können Bilderbuchfotos schiessen und uns kaum satt sehen, an den weiten grünen Feldern mit den so malerisch zwischen den Sträuchern verlaufenden Wegen für die Teepflücker. Den „Boa-Tee“, den wir anschliessend im Teerestaurant schlürfen, schmeckt wunderbar!

Postkartensujet: Teeplantagen im Boh Tea Estate


In Tanah Rata gibt es zahlreiche kleine Restaurants, bei denen man quasi auf der Strasse/Trottoir oder im kleinen, meist sehr stickigen und lauten Raum isst, wo auch gekocht wird und zwar so, dass man zu sehen kann. In anderen Worten werden mit sehr einfachen Mitteln leckere Speisen zubereitet (für sehr heikle Westler nicht vorbehaltslos zu empfehlen, da man es mit der Hygiene hier nicht ganz so eng sieht). Wir essen abends „auf der Strasse“ bei einem Inder mit aussergewöhnlich grosser Auswahl. Umso erstaunlicher ist es, dass die Fluktuation an den Tischen höher ist, als bei MacDonalds, denn bei uns nimmt nur schon die Entscheidung, welches Naan man probieren möchte, viel Zeit in Anspruch. Das Essen war hervorragend! Leider müssen wir uns bereits wieder von unseren Freunden Madlaina und Andy verabschieden, denn deren etwas kürzere Reise geht bereits wieder dem Ende zu.
Den nächsten Tag starte ich mit einer ekligen Erfahrung… neugierig probier ich was Neues aus: Porridge mit würzigen Brot-Croutons! Leider entpuppen die sich aber als getrocknete Fischstücke, sodass die stärkende Speise ihren Zweck verfehlt und umgehend im „Restentopf“ landet… Fazit: auch die Fisch-Variante des Biltong hier in Asien ist sehr speziell und definitiv nicht für jeden geeignet.
Die Reise führt uns nächsten Tags weiter auf eine grössere Insel im Norden von Malaysia, Pulau Penang. Mit Bus, Fähre und Taxi fahren wir zum Hotel, die Temperatur ist wieder sehr hoch und düppig. Unterwegs bestellen wir heissen Kaffee, den wir im Plastikbeutel mit Röhrli erhalten – eine Verpackung, der wir zuerst etwas skeptisch gegenüber stehen, die sich aber als äusserst praktisch entpuppt!

Kaffee Pause der anderen Art - durchaus praktisch auf Reisen!


Thomas hat sich eine starke Erkältung zugezogen, weshalb wir am Pool relaxen und abends in einem selbstverständlich indischen, ähnlich hektischen Restaurant essen, wie wir es gewohnt sind. Der dynamische Ober bzw. die dynamischen Ober (man wir immer von einer grösseren Anzahl Menschen bedient) vergessen am Ende die Getränke auf der Rechnung, ungeachtet der Tatsache, dass die leeren Flaschen noch auf dem Tisch stehen (selbstverständlich haben wir ehrlichen Schweizer auf den Irrtum hingewiesen).
Am nächsten Tag erkunden wir die kleine feine Stadt Georgetown, Hauptstadt der Insel Penang. Es gibt einiges zu sehen, neben Tempel, Moscheen und Kirchen gibt es auch hier ein Fort, Little India und Chinatown. So despektierlich es tönt, es überkommt einem schon mal ein Déja-Vu-Gefühl… Vor einem chinesischen Tempel treffen wir einen alten Mann an, der uns ganz genau zeigt, wie wir fürs Foto posieren müssen und welche Statuen wir wie anfassen müssen – grandios, mit so einem Kenner kann es nur Meisterfotos geben!

Ein fotographisches Meisterwerk - kein Wunder unter dieser fachkundigen Regie


Im und vor dem Tempel werden tausende von duftenden Räucherstäbchen in die dafür vorgesehenen Töpfe und Schalen gesteckt, was den ganzen Tempel in eine eigenartige Duftwolke hüllt. Genug vom betörenden Rauch und der brennend heissen Sonne abgekriegt, kehren wir bald zurück zum kühlenden Hotelpool und geniessen den Rest des Tages ohne grossen indochinesischmalaiischen Trubel.

Chinesischer Tempel in Georgetown


Auch Buddha lacht mit!


Der nächste Tag ist weder Freitag, noch der 13., aber irgendwie hat uns das Glück an diesem Montag verlassen. Am Busbahnhof sind die Busse nach KL bereits voll und wir müssen >1h in der brütenden Hitze, mit 2 riesigen Backpacker und Plastiksäcken warten. Es geht hektisch zu und her und wir sind froh, als es endlich heisst „This one, come on please!“ – der erste Bus wo es offenbar noch 2 freie Plätze gibt. Eigentlich ganz bequem, aber von einem aufdringlich frechen und sehr überholungswilligen Chauffeur gefahren, merken wir bald, dass er es ausserordentlich pressant hat. Auf den vordersten zwei Plätzen sitzend, werden wir dann auch Zeugen von einem Auffahrunfall. Unglücklicherweise handelt es sich beim Opfer um einen Rollerfahrer, der beim Crash so schnell weggespickt wird, dass wir erst gar nicht wahrnehmen, was passiert ist. Es war einfach nur schrecklich! Ein dumpfes Geräusch beim Aufprall, dann ein massives rechts – links – rechts schwenken des Busses, wobei wir jeden Moment damit rechneten, umzukippen. Schreckenssekunden, die einem wie Stunden vorkommen, ohne dass man fähig ist, etwas zu machen! Der Töfffahrer ist zum Glück bei Bewusstsein und kann einigermassen auf eigenen Beinen gehen, obwohl ich diese Fähigkeit einzig und alleine seinem Schock-Zustand zurechne. Zu unserem grossen Erstaunen wird aber zunächst weder Polizei noch Ambulanz alarmiert, sondern „ein Freund“ des Fahrers. Einem genug insistierenden mitreisenden Einheimischen ist es zu verdanken, dass schlussendlich doch beide hier sind, und der arme Typ, noch immer unter Tiefschock, im Blaulichtwagen abtransportiert wird. Die Weiterreise nach KL findet mit dem gleichen Busfahrer statt aber zum Glück unfallfrei. Wir kommen zum Hotel, wo wir diesmal positiv überrascht werden und gehen bald zu Bett um am nächsten Tag unsere Visa für die Vietnam Reise abzuholen. Diese kriegen wir diesmal sehr viel schneller und ohne Umstände ausgehändigt, auch die gezogene Nummer wurde diesmal respektiert! Wir geniessen den vorerst letzten KL-Tag und bereiten uns voller Vorfreude auf das nächste Abenteuer vor!

Auf geht's zum nächsten Abenteuer, bis bald!

10. Reisebericht: Singapur – die schöne Stadt der 1‘000 Verbote

Dezember 5, 2009

von Thomas

Vielleicht ist die Bezeichnung „Express“ für unseren Zug von Kuala Lumpur nach Singapur leicht verfehlt, doch insgesamt reisen wir recht komfortabel und auf jeden Fall sehr günstig. Draussen sehen wir die Palmen an uns vorbeiziehen, drinnen fühlen wir uns an Norwegen erinnert, denn die Klimaanlage hat fast mehr Power als die Diesellok. Es ist aber die erste Zugreise seit langem und wir bereuen es keinesfalls, dass wir uns für den Zug entschieden haben.

Den Bahnhof in Singapur hätten wir uns ehrlich gesagt grösser vorgestellt. Erst waren wir gar nicht sicher, ob wir schon am Hauptbahnhof sind, doch die Tatsache, dass die Schienen nicht mehr weiterführen und dass alle Leute aussteigen hat uns doch einigermassen überzeugt. Zwei Bahnsteige erscheinen einfach irgendwie mickrig für solch eine Millionenstadt!

Das Taxi führt uns direkt ins Rotlicht-Viertel, denn hier haben wir unser Hotel gebucht. Eigentlich ist das Viertel „Geylang“ eine Art Chinatown mit der Ausnahme, dass eben zwischen all den Essständen zwischendurch mal eine Prostituierte steht. Und ja, es gibt doch sehr schummrig-schmuddelige Hotels in der Gegend und da stehen auch oft junge Damen davor. Unser Hotel ist aber prima, denn es ist zwar klein, dafür sauber und ganz neu eingerichtet. An der lebhaften Hauptstrasse gibt es noch ein leckeres, chinesisches Abendessen und Willkommensbier für uns, dann geht’s schon wieder in die Heia!

Skyline vom Singapore River aus gesehen

Die nächsten zwei Tage sind für Sightseeing reserviert. Am ersten Tag steigen wir natürlich ins obligate Touristenbüschen um den erforderlichen Gesamtüberblick zu erhalten. Etwas enttäuscht sind wir aber schon, denn die einzige Information, die man in diesem Bus erhält, ist welche Shopping-Zentren beim nächsten Halt zu finden sind. Wir gehen gleich aufs Ganze und steigen in der Orchard-Road aus, das Shopping-Mekka schlechthin! Die Weihnachtsdekorationen sind pompös und für uns irgendwie surreal in dieser feuchten Hitze! Warum muss der Weihnachtsmann auch hier diese schmusig-warme Winterkleidung tragen? Aufs Shoppen lassen wir uns nicht gross ein, denn wir wollen weiter ins Viertel der Inder, Little India. Trotz verschiedener Versuche der zahlreichen Händler kaufen wir auch hier nichts, sondern ziehen noch ein wenig weiter durch die Stadt. In der Stadt hat es sehr viel Polizei, denn der Zufall will es, dass wir schon wieder Barack Obama auf den Fersen sind. Wir haben ihn schon auf seiner ersten Europa-Reise begleitet, nun wollen wir auch auf seiner ersten Asien-Tour bei ihm sein. Leider lässt er sich hier aber in der Öffentlichkeit nicht blicken und so verbringen wir den Abend in trauter Zweisamkeit am Ufer des Singapore Rivers und später im Lau Pa Sat, einem wunderschönen viktorianischen Gebäude, das voll ist von kleinen Essensständen. Es handelt sich um ein sogenanntes Hawker Center. Hier geht es äusserst hektisch zu und her, denn die einzelnen „Restaurant“-Besitzer umringen, umzingeln und verfolgen einen unermüdlich, so dass man kaum Gelegenheit hat, das reichhaltige Angebot genauer unter die Lupe zu nehmen. Erst wenn man sich an einem Ort hinsetzt, kehrt einigermassen Ruhe ein. Etwas verwirrt bestelle ich dann aber doch bei zwei unterschiedlichen Anbietern. Als das als Beilage gedachte indische „Roti“ bei halb aufgegessener Hauptspeise immer noch nicht kommt, frage ich beim indischen Kellner nach, welcher mir halb ernst, halb im Spass zu verstehen gibt: „You think all Indian are same, all Indian have mustache; you did not order with me!“. Er zeigt auf einen Stand gegenüber und ich erblicke einen Herrn mit Oberlippenbart, der “meinem” Kellner erschreckend ähnlich sieht. Obschon ich gerne auf die Einzigartigkeit aller Menschen eingegangen wäre, kommt mir nur in den Sinn: „This must be your brother.“, was allerdings nur halbwegs gut ankommt, denn ich befürchte, dass sich die beiden gar nicht so gut verstehen. Egal, ich kriege irgendwann mein Roti und stelle fest, dass es sich um eine weitere Hauptspeise handelt, die leider schon wieder so lecker ist und folglich auch aufgegessen wird.

Hawker Center - Innenansicht

Nach Hause geht es mit der blitzblanken Metro ohne genau Ahnung zu haben, wo wir hin müssen. Adlerauge Anita erblickt schon aus dem Zug heraus ein benachbartes Hotel, doch wir schlagen beim Metro-Ausgang leider eine falsche Richtung ein, wollen dies aber lange nicht wahrhaben. Plötzlich befinden wir uns inmitten von grossen Wohnblocks, obschon wir am liebsten bei unseren Prostituierten wären. Der Umweg hat aber auch etwas Gutes, denn wir verdauen so wenigstens einen Teil der zu viel eingenommenen Kalorien, was fürs Einschlafen hilfreich ist.

Im Buddha Tooth Relic Tempel In Chinatown

Am nächsten Tag organisieren wir erst unsere Weiterreise und stürzen uns danach nochmals voll ins Sightseeing, wobei uns der Regen immer wieder mal zwingt, eine kleine Pause einzulegen. Ich verzichte hier mal darauf, auf jeden Tempel und jedes Gebäude einzugehen, sondern möchte allgemein festhalten: Singapur ist eine tolle, lebendige, abwechslungsreiche, freundliche und sehr saubere Stadt! Ja, etwas verrückt ist sie schon, wenn man an all die Verbote denkt, aber eigentlich sind viele gar nicht so schlimm. Dass man seinen Müll nicht auf die Strasse wirft, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Dass man an gewissen Orten nicht rauchen darf, ist auch bei uns normal. Im Gegensatz aber etwa zu den USA, wo Raucher in den Blicken, aber auch Aussagen, vieler Passanten erkennen können, dass man sie zur Kategorie einer asozialen, verantwortungslosen Schicht zählt, scheint man es hier deutlich gelassener zu nehmen. Es gibt ja auch ziemlich viele Raucher; und selbst Zigarettenstummel auf dem Boden sind nicht allzu selten – zumindest in unserem Rotlichtviertel… Es wird leider auch viel gespuckt, obschon dies ja auch verboten wäre. Kaugummis aber findet man nirgendwo auf dem Boden, denn schliesslich sind Einfuhr und Verkauf untersagt! Einem einigermassen vernünftigen Menschen sollte es aber möglich sein, die horrend hohen Geldstrafen zu vermeiden. Wenn einem z.B. fürs Fahrradfahren auf dem Trottoir CHF 4’000.- Busse drohen, dann steigt man eben ab… Hohe Geldstrafen sind aber das Eine, doch Singapur kennt auch die Prügel- und Todesstrafe, die wohl noch etwas umstrittener sein dürften. Es gibt offenbar auch eine ganze Reihe weiterer Bestimmungen, die uns etwas fremd sind: Autos dürfen nicht älter als zehn Jahre alt sein, pro Familie darf man nur ein Auto besitzen und überhaupt ist Auto fahren nur gestattet, wenn mindestens drei Personen im Auto sitzen. Ob diese Angaben aber wirklich stimmen, wissen wir nicht mit 100%-iger Sicherheit, denn wir haben diese Informationen, die uns ein Taxifahrer in Malaysia gegeben hat, nicht überprüft.

Kaugummi gibt es nicht, dafuer endlich mal eine vernuenftige Packung Fisherman's Frieds: plastifiziert und wiederverschliessbar!

Am Abend treffen wir eine Schulkameradin von Anita, Susanne, die seit einiger Zeit in Singapur lebt und verbringen einen gemütlichen Abend in einem gut gewählten Lokal, in welchem ausgezeichnete Lasagne serviert wird! Es ist schon erstaunlich, wie viele Bekannte wir auf unserer Reise antreffen. Man kriegt das Gefühl, dass die Welt zusammen gewachsen ist und London, Kapstadt oder Singapur gar nicht mehr so weit weg sind wie noch vor 20 Jahren!

Palau Ubin

Am nächsten Tag wollen wir etwas Abwechslung. Da zum Stadtstaat Singapur noch einige Inseln gehören, bieten sich diese für einen Ausflug geradezu an. Wir entscheiden uns für Palau Ubin, denn es heisst, hier sei die Zeit etwas stehen geblieben und es gäbe viel Natur und kleine, ursprüngliche Dörfchen. Das ist in der Tat wahr. Wir mieten gleich bei Ankunft ein Fahrrad, denn die Insel lässt sich so am besten erkunden. Verschwiegen wurde uns, dass die Insel offenbar auch ein Militär- oder Polizeiausbildungs-Stützpunkt ist, denn auf unserer Fahrradtour passieren wir gleich mehrere Kontrollposten mit uniformierten, bewaffneten Soldaten. Natürlich schwebt permanent die Angst mit, dass wir in eine Kontrolle geraten, bei welcher vielleicht doch irgend ein Kaugummi versteckt in der Hosentasche auftaucht, doch die Soldaten schenken uns Gott sei Dank wenig Beachtung und wir können die schweisstreibende Tour (schweisstreibend insbesondere wegen der Hitze!) ohne mühsame Stopps absolvieren. Die Insel bietet einige Naturschönheiten, die man sehr einfach erkunden kann, und ist durchaus lohnenswert, wenn man der Stadt mal etwas entfliehen möchte.

Magroven auf Palau Ubin

Als wir am Abend zurück ins Hotel kommen, bringt ein starkes Gewitter unsere Pläne etwas durcheinander. Sehr gerne hätte ich eine Runde auf dem 165m hohen Riesenrad gedreht, doch die Umstände machen dies zeitlich leider nicht mehr möglich. Das Wetter beruhigt sich nach etwa ein, zwei Stunden und wir gehen immerhin noch gut (mexikanisch) essen und vergnügen uns noch ein wenig im Ausgangsviertel „Clarke Quay“, das zwar extrem künstlich und teilweise hässlich ist, doch immerhin auch die eine oder andere interessante und gut durchgestylte Bar zu bieten hat.

Schon am nächsten Tag nehmen wir Abschied von Singapur. Die Stadt wird uns in guter Erinnerung bleiben, denn sie ist freundlich, sauber, modern und dennoch auch lebendig und asiatisch. Singapur ist eine sichere Ruhe-Oase für jeden Reisenden, denn hier funktioniert alles und man braucht sich um nichts Sorgen zu machen. Wir freuen uns aber trotzdem, dass unsere Reise weiter geht und vielleicht noch etwas holperiger wird! Vorerst ist mit holprig aber gar nichts zu wollen, denn wir reisen in einem extravaganten Bus mit Massagesesseln erst mal wieder zurück nach Malaysia und freuen uns auf die nächste Erkundungstour!

9. Reisebericht: Kuala Lumpur – erste Destination in Südostasien

November 27, 2009

von Thomas

Mit tosendem Applaus landen wir am Abend des 10.09.2009 in Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias. Trotz später Stunde fühlen wir die feuchte Hitze, die uns auch in den kommenden vier Monaten begleiten wird. Ein Teksi, wie man hier sagt, bringt uns zu unserem Hotel im Bankenviertel und wir staunen wie lange die Fahrt ins Zentrum dauert, zumal Kuala Lumpur (KL) mit 1,5 Millionen Einwohnern eher zu den kleineren Grossstädten zählt. Das Hotel und Zimmer sind ganz ok; wir wohnen im neunten Stock und geniessen einen phantastischen Ausblick auf den KL Fernsehturm und sehen, leicht versteckt, sogar die Petronas Towers! Leider scheint aber die Kanalisation direkt durch unser Badezimmer zu fliessen, was uns zwar stört, doch da wir uns auf eine kurze Nachterkundungstour machen wollen, ist der Geruch erst mal vergessen. Nach ein paar Runden in unserem Quartier landen wir in einem dunklen, aber sehr lauten Club mit Live-Gesang. Erneut zählen wir kaum andere Gäste und so können wir die Darbietungen der chinesischen Sängerinnen und Sänger ganz exklusiv geniessen. Ich weiss nicht ob es an uns liegt, dass die Band vermehrt englische Titel auswählt, doch da sich das Englisch der Künstler kaum vom Chinesischen unterscheiden lässt, spielt es für uns eigentlich keine Rolle. Obschon wir die Show recht amüsant finden, verabschieden wir uns schon bald, denn nach zwei Nächten im Flugzeug sehnen wir uns endlich nach einem Bett.

Aussicht aus dem Hotelzimmer auf den Kuala Lumpur Fernsehturm

Ausgeruht und voller Tatendrang ziehen wir am nächsten Tag durch die Stadt. In Little India ist noch nicht so viel los, doch Chinatown ist schon deutlich belebter. Es ist immer wieder interessant zu sehen, was an diesen Märkten angeboten und schliesslich auch verkauft wird. Chinatowns bieten einfach immer die grösste Ansammlung an völlig unbrauchbaren Dingen. Kaufen tut man sie aber trotzdem! Gekocht wird hier wohl auch ohne Unterbruch und der Duft-Mix, der in der Luft liegt, ist nicht immer angenehm. Fischkopfsuppen, Räucherstäbchen, Parfümimitationen, Kanalgerüche, Stinkfrüchte (Durian) und kleine Müllansammlungen sind, insbesondere in Kombination, für jede Nase eine echte Herausforderung. Trotzdem machen die Chinatowns Spass, denn sie sind lebendig, farbenfroh und man verlässt sie voller Eindrücke!

Am Merdeka Square im kolonialen Viertel
Im kolonialen Viertel, das wir im Anschluss besuchen, geht es deutlich ruhiger zu und her. Das Zentrum dieses Viertels ist der Merdeka Square, an welchem auch an die 1957 ausgerufene Unabhängigkeit des Landes erinnert wird. Gleich nebenan steht die Moschee „Masjid Janek“, die wir leider nicht von innen besichtigen können, da wir gerade zur Gebetszeit kommen. Wir machen einen Abstecher zum Central Market und entscheiden uns hier nach einigem Abwägen für eine Fisch-Fuss-Massage: In einem kleinen Becken schwimmen Hunderte von Fischen, die es kaum erwarten können, dass jemand seine Füsse baden geht. Sofort schwimmen sie herbei und saugen einem alle Unreinheiten von den Füssen. Für mich ist es eine schreckliche Qual, denn ich platze fast vor Lachen und schaffe es erst nach einigen Minuten, einigermassen ruhig dazusitzen.

Unvergessliche Fisch-Fuss-Massage

Am späteren Nachmittag geht es zu den Petronas Towers. Die Zwillingstürme sind mit ihren 452 Metern wirklich gewaltig und wirken viel robuster als etwa der Burj Dubai. Kuala Lumpur ist eine beeindruckende und sehr abwechslungsreiche Stadt. Hochmodern mit vorbildlicher Infrastruktur auf der einen, doch trotzdem auch sehr lebendig und ursprünglich auf der anderen Seite. Chinesische und indische Tempel stehen neben Moscheen und Kirchen und irgendwie scheint es hier einfach möglich zu sein, dass verschiedene Kulturen friedlich und harmonisch mit- und nebeneinander leben können. Die Menschen sind zudem unglaublich freundlich und zuvorkommend und man fühlt sich als Besucher richtig willkommen. Nicht nur im Hotel, sondern auch von Taxifahrern, Sicherheitsbeamten oder gar Passanten auf der Strasse kriegt man schnell einmal zu hören: Welcome to Malaysia!

Golden Triangle - zentrales Geschäfts-, Einkaufs- und Unterhaltungsviertel

Um zusätzliche Inputs für die Weiterreise zu sammeln, besuchen wir am nächsten Tag die Tourismus-Zentrale, die ausgezeichnet ausgestattet ist. Wir beschliessen, erst nach Singapur und dann der Westküste Malaysias entlang nach Norden zu reisen. Die Traumdestinationen an der Ostküste müssen wir vorerst streichen, da dort der Monsun zurzeit zu stark wütet. Doch auch in Kuala Lumpur sind wir nicht vor dem Regen gefeit. Blitzartig kann er einsetzen und die Tagespläne durcheinander bringen. Das tut er auch heute, weshalb wir uns erst mal in ein Restaurant setzen, essen und abwarten. Hier werden wir auf Bildschirmen darüber informiert, dass der Mensch einen Liter Speichelflüssigkeit pro Tag produziert. Uns hätte vielmehr interessiert, wie es möglich ist, dass insbesondere Chinesen etwa zwei Liter täglich herausspucken, und zwar immer und überall und teilweise erst noch in beachtlichen Mengen. Mit vielen Fragezeichen im Kopf verlassen wir das Lokal und fahren zum Bahnhof um uns Tickets nach Singapur zu kaufen. Wir beschliessen den angebrochenen Tag mit Organisieren zu verbringen, da erneut starker Regen einsetzt und wir noch einiges zu klären haben. Am Abend gehen wir indisch essen und gönnen uns zum Abschluss eine chinesische Massage, welche zum Zeitpunkt der Behandlung durchaus auch mit Schmerzen, am Ende aber doch mit einem sehr entspannt-wohligen Gefühl verbunden ist!

Ganz anders als bei den Fischen geht es im chinesischen Massage-Studio zu und her...

Am nächsten Tag steht zuerst der Kuala Lumpur Tower auf dem Programm. Der viertgrösste Telekommunikationsturm der Welt bietet in der Regel eine phantastische Aussicht, doch heute ist es leider etwas bewölkt und dunstig. Insgesamt sind wir aber zufrieden und wir besuchen gleich noch den Mini-Zoo, der neben dem Turm steht. Hier sind zumeist schreckliche Tiere ausgestellt, die zumeist unter schrecklichen Bedingungen leben müssen. Die Schlangen, Spinnen und Skorpione gehören wohl zu den furchterregendsten Exponaten. Die hübscheren Papageien werden einem unaufgefordert auf die Schulter gesetzt, was nicht im Sinne jedes Besuchers ist. Die Affen leiden unter epileptischen Anfällen, da trotz Blitzverbots alle Besucher eifrig gutbelichtete Fotos schiessen. Andere Tiere, etwa die Schildkröten und Riesenechsen, benehmen sich teilweise auch etwas merkwürdig und so verlassen wir den Zoo ziemlich bald und zwar mit gemischten Gefühlen.
Mittelmässige Aussicht vom KL Fernsehturm – für die Petronas Towers reicht es aber gerade noch!

Grosse Echse in kleinem Käfig

Als nächstes fahren wir nach Putrajaya, einer künstlich geschaffenen Stadt am Rande Kuala Lumpurs, wo sich die gesamte Administration des Staates befindet. Sie trägt offiziell den Kosenamen „Intelligent Garden City“, doch spontan würde man als Besucher sicherlich andere Kosenamen treffender finden, wie etwa „Scary ghost city of officials in the middle of nowhere“. Der Ort ist sehr sonderbar. An der schnurgeraden Hauptstrasse, die von Nordkoreanern sicherlich sehr bewundert würde, reiht sich ein Ministerium ans nächste. Man findet aber auch eine Riesenmoschee oder diverse Hightech-Gebäude, die aber alle menschenleer aussehen. Von der Metrostation, die ein paar Kilometer ausserhalb des Ortes liegt, gehen wir zu Fuss ins Zentrum, doch wir finden schnell heraus, dass nur mehrspurige Schnellstrassen über die hochmodernen Brücken ins „Zentrum“ zu führen. Auf unserem Weg begegnen wir lediglich Strassen-Unterhaltsarbeitern, die uns alle etwas sonderbar ansehen. Im leblosen Stadtzentrum steigen wir irgendwann in einen Bus und lassen uns einfach etwas herum chauffieren. Erst zurück zur Metro, dann nochmals querfeldein um einen vollständigeren Eindruck zu erhalten, denn Putrajaya ist riesengross. Es gibt aber gar nicht so viel mehr zu sehen. Am Rande des Ortes stehen die Unterkünfte der Beamten; je nach Status des Beamten wohnt man entweder in einem der unzähligen Wohnblocks oder in einem schmucken Einfamilienhaus. Es gibt hier alles: Schulen, Krankenhäuser, Feuerwehr, Polizei, Moscheen, Einkaufszentren und einen künstlichen See. Zudem ist alles sauber. Was will man mehr? Gemeinsam arbeiten, gemeinsam wohnen! Da wächst man doch als Gemeinschaft näher zusammen und hat sicherlich auch selten Ruhestörungen zu beklagen!

Beamtenstadt Putrajaya - hier herrscht noch Ordnung

Erschöpft kommen wir am späten Abend zurück nach Kuala Lumpur, wo wir nach kurzer Fastfood-Verpflegung ziemlich früh ins Bett gehen, denn am nächsten Tag schon steht die Reise nach Singapur an!

Liebe Leserinnen und Leser

November 21, 2009

Wir haben den ersten Teil unserer Reise leider schon hinter uns. Viele haben uns als Blog-Besucher auf unserer Reise begleitet. Jeden Tag zählen wir im Durchschnitt etwa 15 Besucher, was uns natürlich freut!

Um auf die Bedürfnisse unserer Leser besser eingehen zu können, haben wir eine kurze Umfrage vorbereitet und wir danken jetzt schon für Deine Teilnahme!

Liebe Grüsse

Anita & Thomas