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16. Reisebericht: Unterwegs im südlichen Thailand von Cha-An bis Ao Nang

März 2, 2010

von Thomas

Die Zugfahrt von Pak Chang nach Cha-An ist ermüdend und anstrengend. Ja, es gibt schon auch positive Aspekte: Die Landschaft, die langsam an einem vorbei zieht (die Maximalgeschwindigkeit überschreitet ja kaum 50km/h), die freundlichen Mitreisenden, die einen herzlich grüssen und ein freundliches Lächeln schenken (einige Fahrgäste sind allerdings auch am helllichten Tag schon so verladen, dass man sich nie ganz sicher ist, ob die Freude über die Begegnung mit einem „Farang“ nicht auch plötzlich in Aggression überschwappt) oder auch das reichhaltige Angebot an Nahrungsmitteln und Getränken während der Fahrt (in der Tat vergeht kaum eine Minute, ohne dass irgendein Händler einem irgendeine Köstlichkeit andrehen möchte). Grundsätzlich ist die Fahrt wirklich ein schönes Erlebnis, wäre da nicht die Fahrt durch Bangkok. Von Norden kommend müssen wir durch die halbe Stadt (und in der Stadt gibt es schätzungsweise 57 Haltestellen) zum Hauptbahnhof und von dort, nach Süden reisend, durch die andere Hälfte der Stadt. Es ist schier unendlich.

Fröhliche Farangs auf ihrer unvergesslichen Zugfahrt

In Cha-An haben wir im Voraus eine Unterkunft reserviert, das Happy Inn. Der Pick-up-Service vom Bahnhof klappt nicht so ganz, und so setzen wir uns telefonisch mit Miss Aree in Verbindung, der freundlichen Besitzerin des Happy Inn und stellen fest, dass alles doch kein Problem ist. Miss Aree ist ganz in der Nähe, sie musste lediglich noch schnell einen Kühlschrank am Markt besorgen, der mit uns auf das Taxi muss. Miss Aree ist richtig süss und punktet mit ihrer Freundlichkeit, weshalb wir die Qualitätsmankos der Unterkunft grosszügig übersehen. Die Unterkunft ist irgendwie mit Miss Arees Alphabet zu vergleichen – gewisse Teile müssen noch ein- oder ausgebaut werden. Bei ihr fehlen z.B. diverse Konsonanten, weshalb wir uns im Gespräch mit ihr ans Glücksrad erinnert fühlen.

Cha-An ist unserer Ansicht nach nicht unbedingt ein Ort, den man gesehen haben muss. Auch der Strand zählt nicht zu den schönsten der Welt. Dennoch haben sich hier zahlreiche Westler angesiedelt, die in ihre Irish Pubs und Schnitzelhäuser einladen. Selbst das Restaurant „Röstigraben“ fehlt hier nicht. Wir verbringen einen Tag am Meer und erholen uns von der anstrengenden Zugfahrt. Unser Vorabendprogramm findet in einer der zahlreichen Bars statt, in welchen überdurchschnittlich viele junge Damen arbeiten. Trotz personeller Überbelegung fehlt dann aber doch die Hauptperson der Cocktail-Bar, die Cocktail-Mixerin, so dass Anita gezwungen ist, sich ihren so geliebten Bloody Mary selbst zu mixen, denn die anderen Damen haben keinen Schimmer, was das überhaupt ist. Nachdem wir später dann all unsere Restaurant-Optionen durchgehen, verankert sich in meinen Gedanken bei der Nennung des „Schnitzelhauses“ ein saftiges Cordon Bleu, so dass ich alles daran setze, meine Begleiterinnen von diesem interessanten Lokal zu überzeugen, was mir Gott sei Dank dann tatsächlich auch gelingt!

Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Chumphon, das häufig auch Chumporn genannt wird (Ich entscheide mich hier für die zweite Variante, denn mit „Porn“ lässt sich immer etwas die Leserzahl erhöhen). Überhaupt nehmen es die Thais nicht so streng, was die Rechtschreibung anbelangt. Man lebt nach dem Motto, dass alles, was irgendwie ähnlich klingt, korrekt ist und diskussionslos aufgeschrieben werden darf. Es ist ein wenig wie beim Schweizerdeutsch-Schreiben, da ist ja auch alles erlaubt. Übrigens ist man in anderen asiatischen Ländern ebenso kulant wie in Thailand… Egal, die Fahrt nach Chumporn, von wo aus wir weiter nach Koh Tao wollen, gestaltet sich schwieriger als erwartet und wir haben es einmal mehr dem Goldschatz aus dem Happy Inn, Miss Aree, zu verdanken, dass wir den Bus, der leider nur in der nächst grösseren Stadt fährt, doch noch rechtzeitig erwischen. Die Fahrt dauert mehrere Stunden und zu unserem Erstaunen befindet sich der Busbahnhof von Chumporn nicht etwa bei der Fährstation oder der Stadtmitte, sondern etwa 15 km ausserhalb. Hier sieht es ziemlich verlassen, ja leicht unheimlich, aus und so bleibt uns nichts anderes übrig, als auf das Angebot des einzigen „Transportunternehmens“ einzugehen und uns in die Stadt fahren zu lassen. Dort finden wir heraus, dass sämtliche Fähren bereits abgefahren sind, so dass wir gezwungen sind, eine Nacht in Chumporn zu verbringen. Die Freude darüber hält sich in Grenzen, denn zur Stadt Chumporn lässt sich nur sagen, dass sie Gäste nicht nur mit ihrem Erscheinungsbild, sondern auch mit ihren Unterkünften abschreckt.

Wir verlassen Chumporn gerne und nehmen auch in Kauf, dass wir uns bereits um 5 Uhr in unserem Reisebüro einzufinden haben. Von dort bringt uns der Minibus zum grossen Bus, mit welchem es etwa 20 Minuten stadtauswärts geht bis wir endlich auf unsere Fähre nach Koh Tao steigen können. Dort erlebt die arme Renate wohl die schrecklichsten Stunden ihres Thailand-Besuchs, denn die See ist unruhig und die Fahrt dauert über drei Stunden. Sie hält sich aber wacker, denn ausser Humorlosigkeit, wortkargem Verhalten und grünlicher Verfärbung der Gesichtsfarbe geschieht nichts. Trotzdem freuen wir uns aber endlich Koh Tao zu erreichen und unbeschwertes Inselleben geniessen zu können.

Unversehrter Strandabschnitt in Sairee Beach - eine Seltenheit!

Koh Tao, die „Schildkröteninsel“, galt immer als die ruhigste und einsamste Insel des Inseltrios Koh Samui, Koh Phangan und Koh Tao. Ob dies heute noch so ist? Wir wohnen in einer sehr angenehmen Unterkunft im Hauptort Sairee Beach (Nur der permanent vor den Gästeveranden herumhängende Putzmann, der sehr laut und ekelhaft in regelmässigen Abständen den in den hintersten Ritzen sitzenden Schleim und Speichel aus sich heraussaugt, stört etwas.). Sairee Beach hat sich in den letzten Jahren massiv entwickelt und dabei sind leider diverse Bausünden begangen worden. So ist es z.B. nicht mehr möglich, dem Strand entlang zu spazieren, da hier mal jemand die Idee hatte, die Restaurants und Unterkünfte direkt am Meer zu bauen, was fast von allen anderen kopiert wurde. Man findet also wunderbares, türkisfarbenes Meerwasser, doch weite Teile des Strandes sind einfach verschwunden. Unsere Unterkunft baut beim Strand vorne ebenfalls aus, so dass es da nicht richtig gemütlich ist zum Entspannen. Wir spazieren etwas im Ort herum und realisieren, wie vollgepackt es hier ist mit Restaurants, Unterkünften, Tauchschulen und Reisebüros. Die Zeiten ohne Stromversorgung sind definitiv vorbei. Zudem wimmelt es von Rollern. Der Verkehr steht in keiner Relation zur Grösse der Insel, die sechs Kilometer lang und drei Kilometer breit ist. Wir müssen feststellen, dass Koh Tao nicht mehr das Paradies ist, was es wahrscheinlich noch vor wenigen Jahren war. Trotzdem ist es immer noch eine sehr schöne Insel und wir machen uns eine tolle Zeit. Am ersten Abend essen wir in einem der Strandrestaurants lecker Thai und schauen auf Renates Wunsch gleich noch „Twilight“ im Restaurant-Kino. Im Anschluss kosten wir noch unsere Veranda aus und diskutieren bis spät in die Nacht!

Sonnenuntergang auf Koh Tao

Den nächsten Tag gehen wir ruhig an. Wir regeln die Weiterfahrt, entspannen am Meer, essen beim Mexikaner unser Abendessen und verwöhnen uns mit einer Fuss- bzw. Thaimassage. Am dritten Tag ziehen wir die Wanderschuhe an und machen uns auf die Suche nach weniger bevölkerten Stränden auf der Insel. Als wir die viel befahrene Hauptstrasse endlich verlassen und auch das Elektrizitätswerk und die Mülldeponie hinter uns lassen, werden wir langsam zuversichtlich, ein Stück Paradies zu finden. Die Begeisterung für unsere erste Entdeckung, Ao Leuk, hält sich aber in Grenzen, so dass wir unsere Wanderung fortsetzen mit dem Ziel „June Juea Beach“. Als wir unser Ziel nach mehreren Anläufen endlich finden, sind wir begeistert! Hier im Süden der Insel ist es noch richtig gemütlich und die Unterkünfte wunderhübsch! Wir hoffen, dass dies noch ein Weilchen so bleibt!

Auf der Wanderung auf Koh Tao. Werden wir das verlassene Paradies finden?

Am 19. Januar, dem Tag an dem ich praktisch zum Nichtraucher wurde (seltene Ausnahmen sind erlaubt), fahren wir mit dem Turbo-Katamaran zurück aufs Festland. Wellentechnisch ist ganz schön was los, doch mit Reisetabletten und dem starren Blick zum Horizont überleben wir die Überfahrt nach Chumporn unversehrt. Von dort geht es mit dem Bus weiter an die Westküste, genauer gesagt nach Ao Nang bei Krabi. Hier werden wir die nächsten Tage bleiben!

Aussicht aus dem Hotelzimmer in Ao Nang

Bei der Hotelbuchung hiess es, wir seien etwas ausserhalb des Zentrums. Wir haben uns vorgestellt, wir müssten durch den Dschungel wandern bis wir ins Herz des gemütlichen Ferienörtchens vorstossen, doch dem ist nicht ganz so. Unser Hotel liegt an der Hauptstrasse und der Weg zum Meer führt an unzähligen Shops und Restaurants vorbei. Es ist aber trotzdem ganz nett hier und das Hotel bietet angenehmen Komfort und Englisch sprechendes Personal. Ausserdem lassen sich viele Ausflüge von hier aus unternehmen. Dafür ist es am ersten Tag aber zu spät, denn wir kommen erst am Abend an und so reicht es nur für ein ausgezeichnetes thailändisches Abendessen im kleinen Familienbetrieb gleich gegenüber unseres Hotels.

In Ao Nang fehlt selbst Mc Donalds nicht!

Am nächsten Tag verbringen wir erstaunlich viel Zeit mit Shopping und die Zeit vergeht unglaublich schnell, gerade wenn man da ein Käffchen und dort ein Käffchen zu sich nimmt. Erst am späten Nachmittag brechen wir auf Richtung Norden zu einem Strand, der vor allem von Einheimischen aufgesucht wird. Es ist definitiv kein Badestrand, dafür ein toller Ort um stundenlang spazieren zu gehen. Es ist Ebbe und wahrscheinlich könnte man jetzt bis zur nächsten Insel wandern. Wir verzichten aber darauf und waten lediglich ein wenig durchs seichte Wasser, umgeben von unzähligen Muscheln und Krebsen. In einem Strandlokal wollen wir noch den Sonnenuntergang geniessen, doch da das Lokal so schmuddelig und gleichzeitig masslos überteuert ist, ändern wir den Plan und machen uns auf den Nach-Hause-Weg. Zur Abwechslung speisen wir am Abend dann man wieder Indisch!

Am "Thai-Strand" nördlich von Ao Nang lässt es sich stundenlang spazieren - insbesondere bei Ebbe

Hat Rai Leh heisst unser Ziel am nächsten Tag. Es handelt sich um einen märchenhaften Strandabschnitt, der türkisfarbenes Meer, weissen Sand und faszinierende Felsformationen miteinander verbindet. Den Strand erreichen wir mit kleinen, schmalen Boot-Taxis, den sogenannten Longtailboats oder eben Langschwanzbooten. Schon die Fahrt entlang der Küste ist unglaublich reizvoll. Die Sonne brennt und wir benötigen dringend Abkühlung. Das Meer taugt dazu kaum, denn die Wassertemperatur dürfte irgendwo im Bereich von 30 Grad liegen. Wir landen also erst im Strandcafé und schauen uns später noch ein wenig die Gegend an, wobei wir nicht nur weitere Felsen, sondern auch noch Affen und eine Reggae-Bar entdecken! Wir sind sehr glücklich darüber, dass uns die Reggae-Bar einigermassen mit Reggae verschont und so bleiben wir hier, umgeben von Felsen und Wäldern, noch ein wenig liegen bevor wir uns auf den Rückweg machen!

Unterwegs mit dem Longtailboat - Küstenabschnitt zwischen Ao Nang und Hat Rai Leh

Unweit von Krabi gibt es einen Nationalpark, den wir am nächsten Tag besuchen wollen. Dazu mieten wir erst mal zwei Motorräder und dann geht es los! Auf den unbefahrenen Strassenabschnitten macht die Fahrt Spass, auf den stärker befahrenen Strecken ist sie recht unangenehm. Wir haben es aber geschafft und schon beim Eingang empfängt uns zur Belohnung ein stolzer Pfau! Wir machen uns gleich auf die Wanderung und schmunzeln noch ein wenig, als wir erfahren, dass unsere Tour nur wenige Kilometer dauert. Was aber folgt, werden wir so schnell nicht vergessen, denn die Strecke ist unglaublich anstrengend. Irgendjemand hat ein Schild mit der Aufschrift „Trail of Death“ angefertigt und an einen Baum genagelt. Die Person hatte Recht! Obschon wir uns, mitten im Dschungel, meist durch schattiges Gebiet bewegen, sind die Hitze und die Wegsteigung massiv. Wir erreichen stöhnend den Aussichtspunkt, verlieren aber später den Weg, so dass wir umkehren und Richtung Wasserfall marschieren. Ein steiler Weg bergab führt uns leider nur zu einem eher bescheidenen Bächlein, so dass sämtliche Bade- und Abkühlungsträume platzen. Wir schlagen der Rückweg ein und erreichen nach einiger Zeit wieder den Ausgangspunkt, wobei Renate mit ihrem Schlussspurt überrascht, denn noch vor etwa einer halben Stunden gab sie an, am Ende ihrer Kräfte zu sein. Am Ziel sehen wir aus als würden wir gleich an einem Wet-T-Shirt-Contest teilnehmen, allerdings zeigen wir starke Ermüdungserscheinungen, weshalb man uns von der Teilnahme wohl ausschliessen würde. Nachdem wir endlich zusätzliches Wasser kaufen können, entschliessen wir uns, auch noch den zweiten Wasserfall anzuschauen und werden diesmal ganz und gar nicht enttäuscht! Zufrieden, müde und immer noch nass treten wir gegen Abend die Rückfahrt an. Wir verfahren uns zwar leicht, finden aber doch zurück nach Ao Nang, wo wir dann am Abend bei einem reichhaltigen Buffet die verlorenen Kalorien wieder zu uns nehmen!

Hart erkämpfte Aussicht im Khao Phanom Bencha Nationalpark

Und dann folgt Renates letzter Tag in Thailand und wir entscheiden uns einfach gar nichts zu machen! Wir machen uns einen gemütlichen Tag in Ao Nang, geben Renates letztes Geld aus und geniessen Sonne, Meer und das Dolce Far Niente! Am nächsten Tag fliegt Renate via Bangkok nach Zürich und wir setzten unsere Reise fort nach Koh Jum, einer kleinen Insel in der Adamanensee!

Noch einmal alles gegeben - auf finaler Shoppingtour in Ao Nang

14. Reisebericht: Von Hong Kong und Macau ins neue Jahrzehnt!

Februar 8, 2010

von Thomas

Saigon und Hong Kong unterscheiden sich nicht nur in Bezug auf Ordnung und Organisation, sondern auch in Bezug auf die Temperaturen. Wir müssen unsere wärmsten Kleider hervorholen auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel, denn Hong Kong empfängt uns mit eiskalten 15 Grad, was unsere kälteempfindlichen Körper sofort ins Schlottern bringt (Anita kriegt übrigens Gänsehaut, sobald die Temperatur unter 28 Grad fällt. Zu fluchen beginnt sie bei Temperaturen unter 26 und über 32 Grad und beim Fehlen von Jogging-Möglichkeiten, was leider relativ häufig der Fall ist.).

Im chinesisch geprägten Kowloon-Viertel

Wir wohnen im Kowloon-Viertel und finden unsere Bus-Haltestelle absolut problemlos. Schlimmer gestaltet sich aber die Suche nach unserem Hotel, denn weder die Strassennummer noch das Hotel sind angeschrieben. Wir wagen uns in einen Innenhof und sind selbst erstaunt darüber, dass wir hier tatsächlich richtig sind. Wir werden ausserordentlich herzlich von unserem schwulen Rezeptionisten empfangen, der uns sogleich unser Zimmer im Nebengebäude zeigt und uns verrät, dass er seine schlanke Figur dem vielen Treppensteigen zu verdanken hat. Soso, 45kg vom Treppensteigen… Als wir ins Zimmer kommen fragen wir uns, ob man diese Kammer wirklich als Hotelzimmer bezeichnen darf. Es fehlt wirklich nur noch das Laufrad, um als Hamsterkäfig durchzugehen. Wir wollen uns aber nicht beschweren, denn immerhin ist die Kammer sauber und Bad, WC, Bett und Ausgangstür sind alle nur ein bis zwei Schritte entfernt!

Wir erkunden noch ein wenig unser Quartier und stellen fest, dass es hier sehr chinesisch ist, was aber eigentlich nicht erstaunen sollte, zumal Hong Kong ja zu China gehört. Trotzdem hätten wir es uns westlicher vorgestellt. Abends gehen wir in ein chinesisch-vegetarisches Restaurant gleich um die Ecke und setzen uns an einen der grossen runden Tische, an welchen sonst nur chinesische Grossfamilien sitzen. Ein romantisches Abendessen wird es definitiv nicht, denn die chinesischen Grossfamilien sind sehr laut und die Neonröhren töten jegliche Stimmung. Das Essen ist aber mehr als lecker und obschon wir die Zutaten nicht im Detail erkennen können, essen wir alles artig auf und kehren zufrieden in unsere Kammer zurück.    

Kowloon bei Nacht

Den nächsten Tag verbringen wir mit viel Sightseeing. Mit der modernen U-Bahn fahren wir nach Hong Kong Island, dem eigentlichen Zentrum der Stadt. Hier steigen wir gleich auf die längste überdachte Rolltreppe der Welt, den „Central-Mid-Levels Escalator“, und kommen nach etwa 20-30 Minuten Fahrzeit irgendwo oben auf dem Hügel an. Von da geht es zu Fuss bergab, wobei wir vor allem viel Zeit im lebedigen Soho verbringen. Im Anschluss wandern wir durch die halbe Stadt zum Wiedervereinigungs-Monument mit der relativ bescheidenen „Forever Blooming Bauhinia“-Skulptur. Manchmal entpuppt sich ein vermeintlich einfacher Weg von A nach B zu einem ziemlich komplizierten Unterfangen, denn völlig unerwartet kann einem durch grosse Auffahrtsrampen oder sonstige Hindernisse der Weg abgeschnitten werden oder man gelangt ungewollt ins Innere von Gebäuden, wo man gar nicht hin möchte oder muss plötzlich ganze Strassenabschnitte lang durch Shopping-Passagen wandeln, die einfach nicht enden wollen. Gegen Abend stärken wir uns im Ausgeh-Viertel Lan Kwai Fong mit einem Bier und beschliessen, den nächsten Tag im Disney-Land zu verbringen, da bisher noch keiner von uns eine Disney-Erfahrung gemacht hat. Wir besorgen uns schon mal die Tickets und gehen im Anschluss im Soho überteuert libanesisch Abendessen.

Im Soho in Hong Kong

In der Nacht werden wir durch die laute Alarmglocke aus dem Schlaf gerissen! Ist das wahr? Ist das wirklich ein Alarm? Feueralarm? Ich wage einen Blick aus unserer Kammer in den Gang und sehe den hektisch umher schwirrenden indischen Hotelangestellten, der überall an die Türen klopft. Ich frage ihn, ob es echt sei und er bestätigt, dass es sich um Feueralarm handelt. Alle raus! Wir sind leicht schockiert, wollen es aber immer noch nicht wahrhaben. Erst wollen wir nur das Notwendigste mitnehmen, dann beginnen wir immer mehr Sachen einzupacken. Innert kürzester Zeit stehen wir mit unserem ganzen Gepäck draussen vor dem Gebäude. Von Feuer ist weit und breit keine Spur. Erst nach mehreren Minuten gelingt es, das schreckliche, ohrenbetäubende Gebimmel auszuschalten. Irgendwann wird Entwarnung gegeben. Als wir in unsere Kammer zurückkehren, kriegen wir mit, wie sich der Inder an den Übeltäter, eine Asiatin, die sich im Zimmer eine Zigarette angesteckt hat, wendet und sie bittet, nicht mehr im Zimmer zu rauchen. Die junge Dame lächelt einsichtig und verlegen und meint nur: „Oooh, sorry!“. Na prima, dann wäre das also geklärt.

Asiaten lieben Disneyland

Disneyland, wir kommen! An der Sunny Bay Metro-Station steigen wir um in die Mickey Mouse-Linie ins Disneyland Resort und stellen uns vor, wie aufgeregt wir wären, wenn wir heute 25 Jahre jünger wären. Wir spazieren im Park herum, sehen A- und B-Hörnchen und andere Gestalten und merken sehr schnell, dass das Disneyland in Hong Kong maximal 10% von dem zu bieten hat, was wir aus dem Europa-Park kennen (zudem handelt es sich wahrscheinlich um die schlechtesten 10% des Europa-Parks…). Wir lassen uns aber die Laune nicht verderben, sondern machen das Beste daraus. Wir gehen fast auf jede Bahn, egal wie schlecht sie ist, besuchen Shows und Kinos, essen da und dort einen Happen und lassen uns gar mit Goofy ablichten. Am Tagesende ziehen wir sogar eine positive Bilanz und sind ziemlich zufrieden, bis auf Anitas Magen, der uns heute schon den ganzen Tag etwas Sorgen bereitet.

Gaudi mit Goofy

Der Hauptgrund für unseren Hong Kong-Besuch ist nicht etwa das Treffen mit Mickey, Donald und den sieben Zwergen, sondern mit Mischa, der, temporär in Südkorea lebend und die Kultur und Sprache studierend, seine wenigen Tage unterrichtsfreie Zeit opfert um sich mit uns in Hong Kong zu treffen und Silvester zu feiern. Schon am Abend zuvor habe ich versucht, mich mit Mischa zu treffen, doch leider konnte ich seine Antworten auf meine SMS nicht empfangen. Da ich wusste, dass er mit seiner Hong Konger Verwandtschaft zu Abend ass, machte ich mir erst mal nichts aus den ausbleibenden Antworten. Ich wollte ihm zumindest aber eine Nachricht in seinem Hotel hinterlassen, doch auch das ist mir nicht gelungen. Erst nach mehreren „Anläufen“ habe ich das Hotel überhaupt gefunden und von der strengen, ausschliesslich chinesisch sprechenden, älteren Hauswartsdame Zugang zum schummrigen Gebäude erhalten, das im 6. Stock ein Hotel versteckte. Dort angekommen, wurde mir der Zutritt verweigert (bzw. die Türe nicht geöffnet), so dass ich mich zügig auf meinen Rückweg machte, denn das Gebäude strahlte die Geborgenheit eines Wohnsilos in der Pariser Banlieue aus.

Endlich geglückt! Das Treffen mit Mischa in Hong Kong

Am nächsten Tag funktioniert der Austausch zwischen unseren Mobiltelefonen besser. Ich schlage vor, dass wir uns im Starbucks, das etwa auf halber Strecke zwischen unseren Hotels liegt, treffen. Erst jetzt, auf dem Weg zum Starbucks, realisiere ich aber, dass es weit mehr als nur ein Starbucks zwischen unseren Hotels gibt, weshalb ich mich mit Mischa telefonisch in Verbindung setze, der zu meiner Überraschung noch ein weiteres Starbucks gefunden hat, in welchem er bereits wartet. Wir vereinbaren, dass wir uns auf der Nathan Road entgegen kommen. Beim Auflegen halte ich dies doch auch wieder für eine blöde Idee, denn hier in Hong Kong wimmelt es doch von Asiaten und Mischa fällt in der Masse nicht mehr so gut auf wie in Basel; ausserdem soll er eine neue Frisur haben… Aber meine Befürchtungen sind unbegründet. Er hat zwar etwas abgespeckt, doch wir erkennen uns bereits von Weitem und freuen uns über das Wiedersehen mitten auf der Strasse in Kowloon! Wir setzen uns erst mal in ein Starbucks und trinken noch einen Kaffee bis Anita kommt!

Mischa geht es gut! Seit mehr als einem halben Jahr lebt er in Südkorea und er steckt voller Erlebnisse und Erfahrungen. Er hat grosse Teile seiner leiblichen Familie gefunden und sich auf ein völlig anderes Leben, eine völlig andere Kultur eingelassen. Er macht einen sehr zufriedenen Eindruck. Zurzeit sei sein Alltag aber eher langweilig, denn er verbringt sehr viel Zeit mit dem Erlernen der Sprache, was eine grosse Herausforderung darstellt. Vermutlich strengt sich Mischa gerade zum ersten Mal im Leben wirklich an, etwas zu lernen. Für seine Abschlüsse musste er sich ja bisher nicht allzu sehr bemühen…

Sightseeing mit Mischa und Anita - gut informiert und doch nichts gefunden...

Wir machen uns auf eine gemeinsame Sightseeing-Tour auf, doch es klappt eigentlich gar nichts an diesem Tag. Wir finden weder den Hopp-on-Hopp-off-Bus, noch das Tourismus-Büro (der Bau wurde wahrscheinlich abgerissen) und selbst auf der Pferderennbahn ist heute nichts los, obschon doch eigentlich Mittwoch ist und somit Renntag! Es gelingt uns einzig und allein den Peak zu besichtigen, von wo aus man eine herrliche Aussicht über die ganze Stadt geniesst, und das genau zu dem Zeitpunkt, als die alltägliche Skyline-Lichtshow, die „Symphony of Lights“, beginnt.

Aussicht vom Peak in Hong Kong

Anita verabschiedet sich schon bald von uns, denn ihr Wohlbefinden lässt zu wünschen übrig. Mischa und ich verbringen erstaunlich viel Zeit im Ausgehviertel Lan Kwai Fong und machen uns erst zu sehr später Stunde auf die Suche nach einem koreanischen Restaurant. Der Kellner in unserer Bar gibt uns einen Tipp und wir unternehmen eine lange Taxifahrt um an den empfohlenen Ort zu gelangen. Leider finden wir weit und breit kein koreanisches Restaurant und so halten wir unzählige weitere Taxis an um uns nach koreanischen Verpflegungsmöglichkeiten zu erkunden. Leider spricht kaum ein Taxifahrer Englisch und es dauert eine ganze Weile bis wir jemanden finden, der uns versteht und erst noch glaubwürdige Auskunft geben kann. Es handelt sich um jemanden, der die im asiatischen Raum sehr beliebten koreanischen Soaps verehrt und vielleicht auch deshalb koreanische Speiselokale kennt. Als wir ankommen, sind wir die einzigen Gäste und ich vermute, dass das Lokal wohl bald zugehen wird, schliesslich ist Mitternacht schon lange vorbei. Wir bestellen trotzdem gleich koreanisches BBQ und ich staune, dass dies zu dieser Stunde noch möglich ist, und dass so viele zusätzliche Speisen, wie z.B. Kimchi, der scharfe Chinakohl, Suppe, Gemüse, etc. mit serviert werden. Für Mischa ist das unterdessen alles altbekannt und selbst die Speisezeit ist für ihn nicht ungewöhnlich. In Korea isst man nämlich ununterbrochen, wenn es sein muss auch um 5 Uhr morgens! Mischa bestellt sich Schweinebauchspeck und berichtet von der zierlichen Koreanerin, die ihm mal gesagt haben soll, dass der Schweinebauchspeck schon zum Leckersten gehört, was man essen kann. Ich finde die Vorstellung, dass eine schlanke, sehr auf Äusserlichkeiten achtende junge Dame (in Korea sind Äusserlichkeiten sehr wichtig und Schönheitsoperationen sind extrem verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert) vom leckeren Schweinebauchspeck schwärmt etwas fremd, doch insgesamt passt die Geschichte sehr gut zu den weiteren Korea-Berichten, die mir Mischa bei einem Soju, dem koreanischen Schnaps, erzählt. Mit der Zeit füllt sich das Restaurant mehr und mehr und ich stelle fest, dass sich Mischa vor meinen Augen zum Koreaner wandelt. Sein Koreanisch scheint durchaus schon für Konversationen auszureichen und irgendwie habe ich das Gefühl, einen neuen Menschen vor mir zu haben bzw. eine neue Seite von Mischa kennen zu lernen. Mischa, den echten Koreaner!

Lange Nächte im Lan Kwai Fong

Verständlicherweise wird am nächsten Tag ausgeschlafen! Am frühen Nachmittag spazieren wir zum Clock Tower und unternehmen im Anschluss eine Bootstour mit der „Star Ferry“. Hong Kongs Skyline mit den steilen Bergen im Hintergrund ist sehr beeindruckend! Wenn ich mich richtig erinnere, zählt der Bootsausflug zu den 50 Must Do’s auf der Welt. Überhaupt wimmelt es in Hong Kong von Rekorden, denn man findet immer eine Formulierung, die etwas zu einem Rekord macht. Später schauen wir uns noch den Blumen- und Vogelmarkt an, dann machen wir uns bereit für den Abend, schliesslich steht der Übergang ins neue Jahrzehnt kurz bevor! Silvester in Hong Kong – wir sind schon ganz aufgeregt!

Die Bootsfahrt in Hong Kong - ein MUST DO!

Wir treffen uns zum gemeinsamen Abendessen, doch wir wissen nicht genau wohin es gehen soll. Wir lassen uns von ein paar Indern, die uns auf der Strasse anhauen, ihre versteckten Restaurants zeigen, doch schon der Weg zu den Lokalen durch die düsteren und stark renovierungsbedürftigen Betonbauten, vorbei an einer grossen Anzahl lichtscheuer Gestalten, schreckt uns etwas ab. Uns rennt aber langsam die Zeit davon, denn die Menschenmassen auf den abgesperrten Strassen werden grösser und grösser und wir haben noch nicht mal gegessen! Wir erinnern uns an einen exotischen Herrn, der uns bereits am Nachmittag sein Restaurant schmackhaft machen wollte, und eilen schnurstracks zum Eingang seines Lokals. Auch hier handelt es sich wieder um einen grossen Betonblock und das Restaurant steckt irgendwo da drin! Zum Glück weist uns ein Angestellter des Restaurants den Weg. Die Frage, ob das Restaurant „licensed“ sei, also Alkohol ausschenken darf, beantwortet er mit: „Yes, we have rice.“. Als wir im Lokal ankommen, das in Landessprache vermutlich „Zum versteckten Taliban“ heisst, fühlen wir uns nicht gerade pudelwohl, doch der Zeitdruck, die mangelnde Kenntnis über Alternativen, die reiche Auswahl vegetarischer Speisen für Anita und die Tatsache, dass wir mit einer Frau am selben Tisch sitzen dürfen führen dazu, dass wir trotzdem bleiben. Natürlich gibt es keinen Alkohol und so können wir nicht mal gebührend anstossen in der Silvesternacht…

Uns bleibt noch etwas mehr als eine Stunde als wir das Lokal verlassen und wir machen uns gleich auf Richtung Flussufer. Etwa eine Million Menschen hat die gleiche Idee wie wir! Die Menschenmassen sind gewaltig. Einige Strassen sind bereits komplett gesperrt, so dass wir grössere Umwege in Kauf nehmen müssen. Irgendwann bleiben wir in einer überdachten Strasse stecken. Wenn wir da nicht weiterkommen, wird es das langweiligste Feuerwerk in unserem Leben. Geduldig harren wir aber aus und nehmen in Kauf, dass man nur alle paar Minuten ein paar Schrittchen vorwärts kommt. Kurz vor Mitternacht sind wir aber an einem Punkt angekommen, mit dem man zufrieden sein kann. Wir sehen grosse Teile der Skyline von Hong Kong Island und besitzen gegenüber den Asiaten gewisse Grössenvorteile. Zumindest ich komme mir heute richtig gross vor. Gemeinsam mit einer Million Menschen zählen wir den riesig eingeblendeten Countdown ab, dann werden aus 9‘000 Düsen, die an den Wolkenkratzern befestigt sind, Raketen abgefeuert. Obschon dies sehr spektakulär klingt, bleibt die recht kurze Show aber leider unter unseren Erwartungen. Als es vorbei ist, bewegt sich die Masse brav Richtung Metro. In der ganzen Umgebung sehen wir nur ein Lokal, ein irisches Pub, in welchem wir unter Umständen kurz aufs neue Jahr anstossen könnten, doch wir schätzen unsere Chancen als gering ein überhaupt Einlass zu erhalten. Wir staunen nicht schlecht, als wir dort dann aber sogar noch einen Sitzplatz ergattern können und bleiben teils aus Dankbarkeit, teils aus Bequemlichkeit den ganzen Abend dort…

Hochspannung auf der Pferderennbahn! Wer macht das Rennen? 'Joy and Fun', 'Sunny King' oder 'Always Something'?

Am 1.1.2010 findet definitiv ein Pferderennen statt und dieses wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen, denn schliesslich gehört das Pferderennen genauso zu Hong Kong wie das Wasserpuppentheater zu Hanoi! Mischa ist schon lange vor uns da, denn er wohnt neuerdings bei seinen Verwandten unweit der Pferderennbahn und wir haben schlichtweg Pech mit der Anreise, denn was schief gehen kann geht schief. Während Anita sich mehr für die Pferde interessiert, studieren Mischa und ich erst mal die Wettregeln. Der Anlass ist beeindruckend. Pro Rennen werden mehrere Millionen Franken verwettet und die Spannung ist gross, was vor allem beim Schlussspurt spürbar wird, wenn die eher zurückhaltenden Chinesen plötzlich lautstark ihre Pferde anfeuern. Bei unseren Wetten halten wir uns an die Empfehlungen von Anita, die die Pferde jeweils im Voraus mustert, und die zur Verfügung gestellte Pferdestatistik, die Hinweise gibt zur Form der Pferde etc. Insgesamt fahren wir recht gut mit diesem Vorgehen, denn wir holen beide zumindest unsere Einsätze mehr oder weniger wieder heraus. Es bleibt zu gestehen, dass wir unsere Gewinne erst am Ende des Anlasses mit Hilfe der Gewinnanalyse-Maschine realisieren, doch das gehört wohl einfach zum Anfängerglück!

Abendessen mit Leo, James, Thomas und Mischa

Nach so viel Sport und Aufregung treffen wir uns im Anschluss mit Mischas Neffen Leo und dessen Kinder James und Thomas zum Abendessen. James und Thomas nennen Mischa „Grossvater“, was uns zwar nicht ganz einleuchtet, in Korea aber offenbar normal ist. Es scheint, als würden sich Mischa und seine Verwandten schon lange kennen… Der Abend ist sehr nett und Leo möchte gerne abends mit uns ausgehen, schliesslich ist es Mischas letzter Abend in Hong Kong. Es folgt ein langer und heiterer Abend im Lang Kwai Fong mit viel philippinischer Live-Musik und Tanz, denn Leo entpuppt sich als grosser Tänzer, der uns alle gerne auf der Tanzfläche sieht. Die Zeit geht schnell vorbei und leider müssen wir schon bald von Mischa und Leo Abschied nehmen. Alles Gute, Mischa!

Am nächsten Tag endet auch unsere Zeit in Hong Kong. Mit dem Katamaran geht es weiter nach Macau, dieser kleinen Insel unweit von Hong Kong. Ich kann mich erinnern, dass eines meiner Matchbox-Spielzeugautos in Macau hergestellt wurde. Macau ist aber viel mehr: Die ehemalige portugiesische Kolonie gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und tatsächlich steckt die Stadt voller Charme und portugiesischer Einflüsse. Daneben ist Macau aber auch ein Paradies für Spieler, denn es wimmelt von Gross-Kasinos ganz nach dem Vorbild von Las Vegas. Unser Hotel ist in Taipa, einer kleineren Insel, die ebenfalls zu Macau gehört. Wir bleiben erst mal dort und machen uns auf eine Erkundungstour, bei der wir uns mit den Spezialitäten von Macau, Keksen und Trockenfleisch, eindecken. Den Abend beenden wir bei einem fettigen, portugiesischen Essen.

Auf Stadtrundgang in Macau - hier vor den Ruinas de S. Paulo

Altstadtgasse mit seriöser Apotheke

Der nächste Tag steht wiederum ganz im Zeichen des Sightseeings. Da wir das Geld für die Bustickets nicht auf den Cent bzw. den macauischen Pataca genau aufbringen können (was hier leider notwendig ist), erklärt sich der Chauffeur des öffentlichen Busses bereit, uns gratis mitzunehmen, was wir sehr schätzen. Im Gegenzug verzeihen wir ihm seinen kriminellen Fahrstil. In Macau besichtigen wir so ziemlich alles, was besichtigt werden kann und können am Abend der Kasino-Versuchung nicht widerstehen. Sogar die Kasino-kritische Anita wagt ein, zwei Spielchen, doch da sie ihren gesamten Einsatz von umgerechnet etwa sechs Franken relativ schnell verspielt, sieht sie sich in ihrer Haltung bestätigt und zieht sich ins Hotelzimmer zurück. Ich habe mein Limit aber noch nicht verspielt und so bleibe ich noch ein wenig und versuche mein Glück beim Roulette und dem chinesischen Würfelspiel. Am Ende des Abends schaut ein Gewinn von etwa 200 Franken heraus, was meine Reisekasse durchaus freut! Mit so viel Geld im Sack können wir getrost unsere Weiterreise antreten, die uns schon am nächsten Tag nach Bangkok führt!

Das Casino 'Gran Lisboa' in Macau - hier lässt sich prima Geld verdienen!

12. Reisebericht: Vietnam – von Hanoi nach Hoi An

Januar 7, 2010
 von Thomas
Unser Flug nach Vietnam führt von Kuala Lumpur über Ho Chi Minh City nach Hanoi. Schon im Vorfeld unserer Reise hörten wir immer wieder, Vietnam solle „anders“ sein. Auch die Geschichten in unseren Reiseführern über „Gefahren und Ärgernisse“ klingen teilweise etwas beängstigend. Wir sitzen aber bereits schon im Airbus der Vietnam Airlines und so gibt es eh kein Entkommen. Wir hoffen mal, dass alles gut kommt!

Bei Ankunft in Ho Chi Minh City erschlägt uns zwar die Hitze, doch ansonsten sind wir sehr überrascht, wie modern sich der internationale Flughafen präsentiert. Die Zollbeamten in ihren militärgrün-roten sozialistischen Uniformen sind zwar nicht sehr freundlich, doch zumindest können wir problemlos einreisen. Der Transfer zum Inlandsflughafen klappt tadellos und wir können es kaum erwarten, weiter zu fliegen und dieses Land zu entdecken, zumal der Inlandsflughafen nur wenig zu bieten hat.

Im Sturzflug steuern wir Hanoi an (vermutlich sitzt ein ehemaliger Militärpilot am Steuer), doch wir landen sicher und abgesehen vom enormen Druck in den Ohren geht es uns ganz gut. Am Bankomat heben wir schnell zwei Millionen Dong ab, denn schliesslich wollen wir es uns gut gehen lassen in Vietnam! Ziemlich schnell finden wir ein Sammeltaxi, das uns ins Zentrum fährt. Im Minibus treffen wir einen Vietnamesen, der perfekt Deutsch spricht und uns mit einem freundlichen „Chuchichästli“ begrüsst. Es handelt sich um einen Reiseleiter, der zwischendurch auch für Imholz oder Kuoni unterwegs ist und sich sehr freundlich um uns sorgt und kümmert. Er weist den Fahrer zudem an, uns direkt im Hotel abzusetzen, was wir sehr schätzen, denn draussen ist es schon dunkel und wir haben keine Ahnung wo wir uns befinden. Unser „Reiseleiter“ und auch alle anderen Fahrgäste stiegen auf dem Weg ins Zentrum aus, so dass wir zum Schluss nur noch mit dem Fahrer und einer weiteren Person im Büschen sitzen. Man ist sich nie hundert Prozent sicher, ob man am Schluss doch noch irgendwie übers Ohr gehauen wird, doch wir scheinen heute Glück zu haben, denn auch der verbleibende vietnamesische Mitreisende spricht uns freundlich auf Deutsch an. Anita hält es zwar für Englisch und auch ich errate nur etwa die Hälfte der gesprochenen Worte, doch der Herr gibt an, Deutscher zu sein! Der Herr fragt nach unserer Herkunft und wir antworten: „Aus der Schweiz“, worauf dieser nickt und meint: „Ah, Braunschweig“. Wir wenden korrigierend ein: „Nein, aus der Schweiz“, doch der Herr bestätigt uns: „Ja, ja, Braunschweig“. Wir lassen es dabei bleiben und setzen ein freundliches Lächeln auf. Die weitere Konversation verläuft in ähnlichem Stil, doch wir erreichen bald unser Hotel und müssen leider schon Abschied nehmen.

Erste Eindrücke von Hanoi bei Tageslicht

Was für ein Zimmer! Wir sind hellbegeistert, denn obschon die Einrichtung nicht unserem Geschmack entspricht, ist es hier richtig gemütlich. Wir haben auch einen Balkon und wenn man da draussen steht und sich umsieht, fühlt man sich irgendwie an ein hübsches Quartier in Paris erinnert mit den engen, lebhaften Gassen und den alten, etwas heruntergekommenen Häusern, die aber durchaus reizvoll sind. Natürlich ziehen wir noch kurz durch unser Quartier und finden zahlreiche Cafés und Restaurants, die alle sehr einladend aussehen. Vietnamesen legen grossen Wert auf Feng Shui und wählen häufig eine ansprechende Beleuchtung – in der Regel reicht das, um beim Publikum gut anzukommen! Wir landen bei Spaghetti und Drinks im „Golden Drum“ und wären gerne länger geblieben, doch in Hanoi schliessen viele Lokale früh, weshalb wir uns Richtung Bett aufmachen.

So reizend und charmant Hanoi auch ist, so schrecklich kann es auch sein! Dies erfahren wir am nächsten Morgen, als wir uns auf unsere Stadttour begeben. Nirgendwo auf der Welt haben wir bisher mehr Roller gesehen als hier in Hanoi! Sie sind überall und kommen aus allen Richtungen. Sie sind beladen mit ganzen Familien, mit Anhängern, mit Tieren, Bambusstangen, Bierkisten, Koffern, Gemüse und Touristen. Alles, was man für unmöglich gehalten hat, ist hier möglich! Alles, was gemäss unserer Strassenverkehrsordnung verboten, ja kriminell ist, ist hier kein Problem. Nur die 2007 eingeführte Helmpflicht erzürnt viele Vietnamesen. Wie gut, dass die Chinesen Helme für 50 Cents liefern! Es wird gehupt bis zum Geht-nicht-mehr –tagsüber wird man es selbst in einer kleinen Gasse nicht schaffen, fünf hup-freie Sekunden zu erleben. Es ist auch kaum möglich, ein Foto zu schiessen ohne einen Moto-Fahrer auf dem Bild zu haben! Sie sind wie eine Plage, sie sind überall. Die Abgase sind massiv und es ist richtig anstrengend und ermüdend, sich in der Stadt zu bewegen, da man ständig auf der Hut sein muss. Die grösste Herausforderung ist das Überqueren der Strasse. Dieses erste Mal, dem sich jeder Tourist stellen muss. Es ist fürchterlich, doch man fühlt sich wie ein Held, wenn man es geschafft hat. Und es funktioniert! Die Regel: Einfach gehen! Langsam, aber bestimmt! Der Motorrad-Ameisenhaufen scheint nämlich trotzdem irgendwelchen (ungeschriebenen) Regeln zu folgen und man weicht sich irgendwie aus und versucht, sich gegenseitig nicht zu überfahren! Und das funktioniert in der Regel.

Roller ohne Ende!

Hanoi bietet nebst der charmanten Altstadt und den vielen Rollern aber noch mehr. Hanoi ist für mich sogar definitiv die Stadt der Reizüberflutung! Es wimmelt von Händlern und solchen, die es gerne mal werden möchten. An jeder Ecke wird einem etwas angeboten und im Zentrum reiht sich ein Geschäft ans andere. Daneben gibt es Märkte, Markthallen, fliegende Händler und Gauner. Gehandelt wird grundsätzlich überall und mit allem, doch es gibt Gassen, die praktisch nur für eine Handelsware reserviert sind, was auch am Strassennamen zu erkennen ist, sofern man Vietnamesisch spricht. Man findet z.B. eine Gasse mit Körben, eine Gasse mit Schmieden, eine Gasse mit Werkstätten für Motobikes, eine Gasse mit Lederwaren oder etwa die „Gasse der Fälschungen“, die aber bei unserem Besuch voll auf Weihnachtsartikel spezialisiert war. Was hier alles gefälscht wird, ist schon beeindruckend. Klar, es gibt Rucksäcke, Koffer, T-Shirts, Uhren, Brillen, Parfums; doch es gibt auch DVD’s mit Filmen, die noch gar nicht im Kino gezeigt worden sind, es gibt sogar kopierte Lonely Planets und sonstige Bücher oder gefälschte Geldscheine, wobei letztere i.d.R. für die Ahnen verbrannt werden. Interessant ist auch, dass es selbst Fälschungen von Restaurants oder Reisebüros gibt. Wird in einem Reiseführer beispielsweise ein Reisebüro positiv erwähnt, so wird der Name des Reisebüros einfach von einem Dritten übernommen. Das kann für Touristen wahnsinnig verwirrend sein.

Altstadtgasse mit Gemüseverkäuferinnen

Hinzu kommt, dass man permanent von Taxi- und Cyclofahrern (Cyclofahrer bieten Transporte auf Velos mit einem oder zwei Gästesitzplätzen an) umringt wird. Es gibt sie zu Tausenden und keiner wird jemals die Gelegenheit auslassen, einen vorbeigehenden Touristen zu fragen: „Cyclo? Where are you going?“. Auf ein „No, thank you!“ folgt in der Regel der Gegenvorschlag „One hour!“, was wohl als besonderes Lokangebot zu verstehen ist!? Jeder Taxifahrer hupt einem nach oder fährt schleichend an einem vorbei und vergisst dabei nicht, einen hoffnungsvoll anzublicken. Die fröhlichen Obstverkäuferinnen mit ihren traditionellen Kegelhütchen und den frischen Früchten auf ihren Tragvorrichtungen sind eine weitere Plage. Hier in Hanoi sind sie leider sehr aufdringlich und setzen einem spätestens dann, wann man mitgeteilt hat, dass man nichts kaufen möchte, unaufgefordert ihr Hütchen auf, gefolgt von der Tragvorrichtung, die einem auf die Schulter gehängt wird. Bis zu diesem Zeitpunkt sind sie extrem freundlich, doch sobald man mitteilt, dass man immer noch nichts will, wandeln sich das zuckersüsse Lächeln und die funkelnden Augen schlagartig in einen Ausdruck massiver Verachtung und des Hasses. Solche Verwandlungen kennt man sonst nur aus Horrorfilmen!

Ungewollte Begegnungen in Hanoi

Wir schlagen uns durch in Hanoi. Wir besuchen den „ruhigen“ Hoam Kiem See mit dem Ngoc-Son-Tempel und die Altstadt mit all den kleinen Gassen und den lebhaften Märkten und legen immer wieder eine kleine Kaffeepause ein. Vietnamesischer Kaffe kann übrigens hervorragend oder ganz übel schmecken, je nachdem, ob man es schafft, der Bedienung mitzuteilen, dass man bitte keinen Zucker und normale Milch möchte. Verpasst man diese Meldung, wird der Löffel fast schon im Kaffee stecken bleiben, denn in der dunklen, dickflüssigen Flüssigkeit steckt nebst einer gewaltigen Zuckerladung auch noch ein guter Schluck zuckersüsser Kondensmilch.

Am Hoam Kiem See

Gegen Abend steht ein weiteres Geschmackserlebnis auf dem Programm! Es ist Zeit für Bia-Hoi! Bia-Hoi bezeichnet selbstgebrautes Bier, das in Hanoi äusserst populär ist und in unzähligen Bia-Hoi-Lokalen angeboten wird. Das Bier ist sehr günstig und schmeckt gar nicht so übel, manche finden es gar ausgezeichnet. Die Gäste sitzen dicht gedrängt auf kleinen Plastikstühlen und trinken fröhlich ein Bier nach dem anderen. Wir gesellen uns hinzu und Anita fällt nicht nur als Westlerin, sondern auch noch als einzige Frau auf! Nach dieser herrlich-erfrischenden Erfahrung im Vorabendprogramm erleben wir eine ziemliche Enttäuschung beim Abendessen, denn statt im echten, empfohlenen „Little Hanoi“ landen wir in einer Kopie davon, die nebst völlig überteuerten Preisen nur eine absolute Fehlbesetzung beim Personal zu bieten hat. Kein Wunder, dass wir uns im Anschluss doch wieder im „Golden Drum“ satt essen.

Am nächsten Tag gehen wir es ruhiger an, denn Anita ist stark erkältet und fühlt sich gar nicht wohl. Wir verbringen viel Zeit mit der weiteren Reiseplanung und suchen uns ein Reisebüro aus um eine Tour in die Halong-Bucht zu buchen. Im Anschluss schwitzen wir uns in der Hotel-Sauna gesund und besuchen am Abend das Wasserpuppentheater von Hanoi. Ich muss schon sagen, dass es sich um das beste Wasserpuppentheater handelt, das ich je in meinem Leben gesehen habe. Zu Beginn gibt es erst eine Kostprobe traditioneller Musik, dann geht die Show los! Gezeigt werden meist einfache Szenen aus dem Alltag auf dem Lande, die bei der Touristin hinter uns jeweils starke Lachanfälle auslösen, insbesondere wenn z.B. der Fisch den Fischer schnappt statt umgekehrt! Zwei Sängerinnen singen und kommentieren die Szenen mit lustigen Quietsch-Stimmen, die Kapelle sorgt für musikalische Begleitung. Wasserpuppenspieler absolvieren eine dreijährige Ausbildung, bevor sie auftreten dürfen, was sich unmittelbar in der Qualität der Darbietung niederschlägt. Tatsächlich verläuft die Vorführung pannenfrei und erfolgreich und wir hoffen, dass alle Wasserpuppenspieler ihre Gummistiefel an hatten, denn sonst könnte es durchs Wasser zur Übertragung von gefährlichen Krankheiten kommen.

Der grosse Ho Chi Minh steht am nächsten Tag auf dem Programm und wir marschieren nach einem ausgezeichneten Frühstück im Hotel, vorbei an der Lenin-Statue, direkt zum Mausoleum. Grundsätzlich sollte „Onkel Ho“, wie er liebevoll von der vietnamesischen Bevölkerung genannt wird, ja da sein (einmal jährlich wird er nach Moskau verfrachtet, wo er etwas aufgefrischt wird), doch da wir uns kaum vom Frühstücksbuffet trennen konnten, verpassen wir nun den letzten Einlass um 10.15 Uhr. Nicht mal mehr fürs Ho Chi Minh Museum reicht es uns, doch wer hätte schon mit solchen Öffnungszeiten gerechnet? Und wer möchte sich um 8 Uhr früh eine Leiche anschauen?

Das einladende Ho Chi Minh Mausoleum

Immerhin reicht es uns an diesem Tag noch für den friedlichen Literaturtempel und, es könnte gegensätzlicher sein, das Hoa-Lo-Gefängnis. Die französischen Kolonialherren haben in diesem Gefängnis über Jahrzehnte schrecklich gefoltert und gemordet und die Gefangenen schlimmer als Tiere gehalten. Die Ausstellung ist sehr eindrücklich und vermag durchaus etwas von der Stimmung zu vermitteln, die hier geherrscht haben musste. Natürlich wird auch gezeigt, dass das Gefängnis während des Vietnam-Krieges auch von den Vietnamesen genutzt wurde, wobei die Vietnamesen hier offenbar für ausgezeichnete Haftbedingungen gesorgt haben. Auch Senator McCain war hier in Gefangenschaft und hat sich zwei Mal versucht das Leben zu nehmen. Darauf wird allerdings nicht eingegangen.

Es ist Zeit für ein wenig Abwechslung und für etwas mehr Ruhe und wir sind nicht unglücklich, dass wir uns am nächsten Tag auf unsere Zwei-Tages-Tour in die Halong-Bucht machen. Unser Führer heisst Duc, ist sehr aufgestellt, spricht verständliches Englisch und weiss erst noch, wann der FCB gegen wen gespielt hat und wie das Ergebnis ausgefallen ist. Damit weiss er schon mal deutlich mehr als ich. Wir fahren durch kleine Städte und Dörfer und bemerken, dass bei sehr vielen Restaurants ein Schild mit der Aufschrift „Thit cho“ steht. Hier gibt es also endlich Hund! Aus den touristischen Restaurants in Hanoi ist er nämlich längst verschwunden!

Unterwegs in der Halong-Bucht

Die Fahrt mit dem Bus zieht sich etwas in die Länge und wir merken spätestens auf dem Rastplatz, dass sehr viele Menschen in die Halong-Bucht unterwegs sind, denn es hält ein Touristenbus nach dem anderen. Das Reisebüro hält aber was es uns versprochen hat und wir kommen doch noch zu einer einigermassen individuellen Halong-Bucht-Erfahrung.
Gegen Mittag besteigen wir eine chinesische Dschunke und tuckern gemütlich an Hunderten von Inseln vorbei und geniessen dabei einen „Fünfgänger“, der zwar vorzüglich schmeckt, doch leider auch etwas zu stark sättigt. Wohlgenährt besteigen wir im Anschluss einen Zweier-Kajak um die Inseln und Höhlen aus nächster Nähe zu betrachten. Erst graut mir davor, denn mein letztes Zweier-Kajak-Erlebnis vor zehn Jahren endete mit ziemlich muffer Stimmung, doch mit Anita klappt es ausgezeichnet (Moni, falls du diese Zeilen liest, vielleicht müssen wir es einfach wieder mal probieren…). Im Anschluss teilt sich die Gruppe, wobei ein Teil auf dem Schiff bleibt um dort zu übernachten, und der andere zu einer einsamen Insel weiterfährt. Wir haben die einsame Insel gebucht und was wir antreffen, ist wieder einmal umwerfend schön. Zwar ist es schon dunkel als wir ankommen, doch die kleine Bungalow-Anlage direkt am Meer ist bezaubernd. Einzig die Privatsphäre muss etwas leiden, denn die drei Zimmer pro Bungalow sind nur durch eine dünne Wand aus Palmenblättern getrennt.

Die Bungalow-Anlange auf unserer einsamen Insel vor Cat Ba

Ich zwinge mich am nächsten Morgen um 5.30 Uhr aus dem Bett um noch ein wenig diese einzigartige Stimmung auf der Veranda zu geniessen. Um 8 Uhr fährt leider schon unser Boot und wir müssen bei ziemlich kühlen Temperaturen und recht hohem Wellengang die Rückreise antreten. Bei Ankunft organisiert uns Duc ein Taxi zum Busbahnhof und wir schaffen es gerade noch auf unseren Bus nach Ninh Binh, unserer nächsten Destination.

Ninh Binh wird in Reiseführern durchaus positiv erwähnt, was in unseren Augen aber völlig zu Unrecht geschieht. Der Ort ist maximal ein guter Ausgangpunkt für Ausflüge, denn er bietet weder besonders gute Restaurants, noch irgendwelche Spezialitäten oder bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten. Wir organisieren unsere Weiterreise am Bahnhof und sehen uns enttäuscht etwas um, dann mieten wir Velos um nach Tam Coc, der „Halong-Bucht in den Reisfeldern“, zu radeln. Auf Fahrrädern von sehr schlechter Qualität im dichten vietnamesischen Verkehr unterwegs zu sein, ist schon sehr speziell und kann durchaus als Abenteuer bezeichnet werden. Die vom Hotel zur Verfügung gestellte Velokarte entpuppt sich als völlig unbrauchbar, doch auch hier gelingt es uns auf unerklärliche Weise wieder an unser Ziel zu gelangen.

Auf Velotour irgendwo zwischen Ninh Binh und Tam Coc

In Tam Coc ist touristisch alles durchorganisiert und wir ahnen schon was auf uns zukommt, als wir eines der Ruderboote, die hier fast im Sekundentakt loslegen, besteigen, denn wir haben im Reiseführer darüber gelesen. Im schmalen Ruderbötchen sitzen ein Ruderer und ein Führer, die einem auf der Flussfahrt durch die Höhlen und entlang der Reisfelder und Felsen begleiten. Unser Führer spricht Französisch, doch es ist äusserst mühsam ihm zuzuhören, denn man versteht nur sehr wenig. Landschaftlich ist Tam Coc zwar eine Augenweide, doch man kann es kaum geniessen, da der ganze Bootsausflug einer bezahlten Kaffeefahrt gleichkommt, der man nicht entkommen kann. Erst wird man von fahrenden Getränkehändlern umzingelt, die darum bitten, dass man doch mindestens dem armen Ruderer und dem Führer ein Getränk kauft, wenig später packt der Führer seine Tischtücher aus und startet seine Verkaufsshow und am Schluss streckt er auch noch die Hand aus und verlangt Trinkgeld!

In der "Halong-Bucht in den Reisfeldern"

Am nächsten Abend nehmen wir Abschied von Ninh Binh und steigen in den Nachtzug, der uns nach Hue bringt. Wir reisen in einem Vierer-Abteil und müssen leider feststellen, dass die beiden anderen Liegeplätze bereits von einem älteren vietnamesischen Paar besetzt sind, das bereits am Schlafen ist. Es bleibt uns nicht viel anderes übrig, als uns ebenfalls hinzulegen. Da die Dame jedes Mal aufschreit wenn wir die Türe zuschieben wollen, sehen wir uns gezwungen, die Nacht mit halb-offener Tür verbringen zu müssen. Nachdem wir einiges über Diebstähle in Nachtzügen gelesen haben, vermute ich natürlich sofort, dass das alte Paar mit Dieben unter einer Decke steckt, die uns in der Nacht ausrauben kommen. Dem ist natürlich nicht so. Friedlich und leise steigt das Paar mitten in der Nacht im Nirgendwo aus und wir kommen einige Stunden später einigermassen ausgeruht und unversehrt in Hue an.

Bahnhof in Ninh Binh

Hue gilt als eine der schönsten Städte Vietnams und auch uns gefällt es hier wieder deutlich besser. Die Kaiserstadt mit all ihren Tempeln und Palästen der Nguyen-Kaiser gehört sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist dementsprechend wieder ziemlich touristisch, was viele aufdringliche Cyclo-Fahrer hervorbringt. Kurz nach Zimmerbezug und einer kleinen Brunch-Pause machen wir uns auf, um das touristische Pflichtprogramm zu absolvieren, wobei wir uns grösste Mühe geben, die „freundlichen“ Droschkenfahrer einfach zu ignorieren. Wir stellen fest, dass wir eine gewisse Arroganz entwickelt haben, die wir zwar nicht mögen, die uns aber das Leben etwas erleichtert.

Eindrücke aus Hue

Da wir zwei Nächte in Hue gebucht haben und die Stadt relativ schnell besichtigt ist, entscheiden wir uns am nächsten Tag für einen Ausflug in die entmilitarisierte Zone. Die entmilitarisierte Zone bezeichnet den zehn Kilometer breiten Grenzstreifen, der, durchquert vom Ben-Hai-Fluss, Nord- und Südvietnam über 21 Jahren getrennt hat. Heute stehen hier zahlreiche kommunistische Denkmäler, ansonsten scheint, abgesehen von den unzähligen Granaten und Minen, die hier, aber auch im restlichen Land immer noch herumliegen, einigermassen Normalität eingekehrt zu sein. Der Höhepunkt des Ausflugs ist aber der Besuch des Vinh-Moc-Tunnels, etwas nördlich der entmilitarisierten Zone. Während des Krieges hielten sich die Vietnamesen über Jahre in Tunnels versteckt, die sie eigenhändig gebaut haben. Es handelt sich um ein gewaltiges Tunnelsystem, das auf mehreren Etagen über 30 Meter in die Tiefe reicht. Wenn man sich geduckt durch die engen Gänge bewegt, die Hitze grösser wird und die Luft kaum mehr zu atmen ist, ist es kaum vorstellbar, dass viele Menschen, insbesondere Alte, Kranke und Schwangere diese Tunnels über Jahre nicht verlassen konnten! Es ist ein schreckliches Stück Geschichte, das man hier hautnah zu sehen und spüren bekommt und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Denkmal in der entmilitarisierten Zone

Da wir nur eine Halbtagestour gebucht haben und der Rest der Gruppe weitere militärische Schauplätze besichtigt, organisiert uns die miserabel Englisch sprechende Führerin einen lokalen Minibus, der uns zurück nach Hue bringt. Was wir hier erleben, erinnert uns sehr stark an Mosambik, denn der Minibus für zehn Personen wird mit viel Gepäck und bis zu 17 Personen vollgestopft. Selbst dem Vögelchen, das im Kofferraum mit uns reist, vergeht das fröhliche Piepsen sehr bald, wobei dieses froh sein kann, das es nicht mitbekommt, zu welchen Überholmanövern der Fahrer fähig ist!

Es ist verständlich, dass wir uns im Anschluss in Hue etwas gönnen müssen! Anita entscheidet sich für Mani- und Pediküre, ich lasse mich zu einer Gesicht-, Kopf- und Schultermassage überreden, wobei ich mehrfach darum bitte, dass bitte der Gesichtsteil ausgelassen wird, was aber mehrfach ignoriert wird. Schlimmer ist dann unter dem Strich aber doch der Schulterteil, da mir hierbei die Masseuse, die wohl reichlich Fischsosse und Knoblauch verzehrt hatte, sehr nahe kommt mir dabei vor all der Anstrengung heftig und gezielt ins Gesicht pustet. Immerhin ist das anschliessende Abendessen ein Erfolg für mich, denn ich kann endlich mal wieder Pizza bestellen – Diavola mit reichlich Aglio!

Kurzer Halt zwischen Hue und Hoi an

Per Bus geht unsere Reise am nächsten Tag weiter nach Hoi An. Für geschätzte 200km benötigen wir über vier Stunden, was in Vietnam nicht unüblich ist. Bei strahlendem Sonnenschein ziehen wir aber vorbei an wunderschönen Landschaften, so dass einem die Fahrt gar nicht so lange vorkommt. Es scheint einfach ein Glückstag zu sein! Oder etwa nicht? Wie aus heiterem Himmel bremst unser Bus abrupt ab unser bleibt auf der Fahrbahn stehen. Wir sind überzeugt, dass wir mal wieder einen Rollerfahrer gerammt haben, denn der Chauffeur eilt heraus und taucht einige Zeit nicht auf! Plötzlich kommt er aber wieder herein und hält seine Beute in der Hand: eine Schlange! Wir haben tatsächlich eine Schlange überfahren und das bedeutet für den Chauffeur nichts anderes als ein leckeres Abendessen! Das Beste daran ist, dass die Schlange erst noch am Leben ist, und dass sich ein asiatischer Mitreisender bereit erklärt, die Schlange bis Hoi An zu halten. Wie gut, dass es sich doch um einen Glückstag handelt!

Leckeres Abendessen, das wir auf der Strasse gefunden haben!

Und dann sind wir in Hoi An und sind uns sehr schnell einig, dass es sich um ein absolutes Muss auf jeder Vietnam-Reise handelt! Auch diese Stadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und zwar verdientermassen! Die Altstadt ist, da sie in Kriegszeiten einigermassen verschont worden ist, gut erhalten und es ist ein richtiger Genuss durch die Gassen zu spazieren. Zudem gibt es hier Zonen, die Auto- und vor allem Motorradfrei sind, was in Vietnam wohl einzigartig ist und wir sehr zu schätzen wissen. Daneben ist Hoi An aber auch das Zentrum für Schneidereien und es gibt wohl Hunderte von Anbietern. Es wäre definitiv ein Fehler, hier zu widerstehen, denn die Angebote sind phänomenal. Schon am ersten Tag lassen wir uns in einem renommierten Geschäft jeweils ein Probehemd schneidern um die Qualität zu prüfen. Da wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden sind, platzieren wir gleich am nächsten Tag einen Grossauftrag. Anita kann dann auch beim Schuhmacher nicht widerstehen und bestellt gleich noch zwei Paar Massschuhe. Schliesslich finden wir noch einen weiteren Schneider, der uns überzeugt, so dass wir auch hier nochmals eine grössere Bestellung aufgeben. Was Shopping anbelangt, haben wir uns bisher ja einigermassen zurück gehalten, doch diese Investitionen mussten einfach sein!

Altstadt von Hoi An

Laden in Hoi An

Am dritten Tag leihen wir uns im Hotel klapprige Fahrräder und fahren an den Strand, der wenige Kilometer vom Ortszentrum entfernt ist. Auch vom Strand sind wir beeindruckt und Hoi An klettert in unserer Beliebtheitsskala höher und höher! Es gibt zwar mühsame Strandverkäufer, doch dafür kaum Hunde und so ist es durchaus auszuhalten. Allzu lange können wir aber leider nicht bleiben, denn am Nachmittag und Abend müssen wir erneut zur Kleiderprobe! Das Meiste passt, ab und zu mal eine kleine Korrektur, doch insgesamt sind wir sehr zufrieden und schicken unsere Kleider und Schuhe gleich mal Richtung Heimat!

Vorsicht Kinder in Hoi An

Nebst einer wunderschönen Altstadt, ausgezeichneten Shopping-Bedingungen und einem herrlichen Strand hat Hoi An aber auch eine grosse Auswahl an verlockenden Restaurants, Bars und Cafés. Wir probieren einfach alles, egal ob lokale Spezialitäten, Indisch oder Western Kitchen! Eine typische Szene erleben wir auch in einem kleinen, familiären Restaurant, das eine Karte mit Riesenauswahl bietet. Erst bestelle ich Gericht A, nach 5 Minuten erfahre ich, dass es Gericht A nicht mehr gibt, worauf ich Gericht B bestelle. Plötzlich entschuldigt sich der Kellner kurz und verschwindet mit seinem Roller. Er kommt zurück und teilt mir mit, dass auch Gericht B nicht serviert werden kann (da er auf dem Markt mein Fleisch nicht gefunden hat), worauf ich mich für Gericht C entscheide. Dieser Ablauf ist zwar nicht die Regel, doch erlebt haben wir es mehr als einmal. In Ninh Binh hat Anita z.B. erst nachdem ich schon fertig gegessen habe erfahren, dass ihr Gericht gar nicht zubereitet werden kann!

Strand in Hoi An

Wir beenden unseren Aufenthalt in Hoi An mit einem Ausflug zu den My Son Ruinen, die von den Cham-Königen teilweise bereits schon im 4. Jahrhundert errichtet worden sind. Der Ausflug ist lohnenswert, da insbesondere auch die Lage – mitten im Urwald – sehr ansprechend ist. Wieder einmal müssen wir aber Kritik am Tourguide üben, denn dieser ist in der ersten halben Stunde nur damit beschäftigt, den Leuten eine Rückreise auf dem Schiff anzudrehen, damit er eine Kommission einstecken kann. Uns frägt er sage und schreibe vier Mal! Als er dann mit seinen Erklärungen beginnt, erhält er nur wenig Aufmerksamkeit, was allerdings einzig auf sein sehr schwer verständliches Englisch zurückzuführen ist. Daraufhin wird er so sauer und wütend, dass er die ganze Reisegruppe anbrüllt, man solle ihm gefälligst zuhören, denn sonst könne er die Verantwortung nicht übernehmen und uns einfach in My Son lassen! Mäuschenstill wird es im Bus, doch das Trinkgeld und den Titel „Tourguide der Herzen“ hat der Herr nun definitiv verspielt!

Die Wächter in My Son waren tausend Mal freundlicher als unser Guide!

Ja, Vietnam ist voller Abenteuer und Erlebnisse und gehört sicher zu unseren Lieblingsdestinationen auf unserer Reise! Wer es geschafft hat bis hierher zu lesen, dem sei gratuliert! Wer noch mehr über Vietnam erfahren möchte, der muss sich noch ein paar Tage gedulden, denn dann folgt schon der zweite Teil!

Die Reise geht weiter! Auf Wiedersehen und bis bald!

10. Reisebericht: Singapur – die schöne Stadt der 1‘000 Verbote

Dezember 5, 2009

von Thomas

Vielleicht ist die Bezeichnung „Express“ für unseren Zug von Kuala Lumpur nach Singapur leicht verfehlt, doch insgesamt reisen wir recht komfortabel und auf jeden Fall sehr günstig. Draussen sehen wir die Palmen an uns vorbeiziehen, drinnen fühlen wir uns an Norwegen erinnert, denn die Klimaanlage hat fast mehr Power als die Diesellok. Es ist aber die erste Zugreise seit langem und wir bereuen es keinesfalls, dass wir uns für den Zug entschieden haben.

Den Bahnhof in Singapur hätten wir uns ehrlich gesagt grösser vorgestellt. Erst waren wir gar nicht sicher, ob wir schon am Hauptbahnhof sind, doch die Tatsache, dass die Schienen nicht mehr weiterführen und dass alle Leute aussteigen hat uns doch einigermassen überzeugt. Zwei Bahnsteige erscheinen einfach irgendwie mickrig für solch eine Millionenstadt!

Das Taxi führt uns direkt ins Rotlicht-Viertel, denn hier haben wir unser Hotel gebucht. Eigentlich ist das Viertel „Geylang“ eine Art Chinatown mit der Ausnahme, dass eben zwischen all den Essständen zwischendurch mal eine Prostituierte steht. Und ja, es gibt doch sehr schummrig-schmuddelige Hotels in der Gegend und da stehen auch oft junge Damen davor. Unser Hotel ist aber prima, denn es ist zwar klein, dafür sauber und ganz neu eingerichtet. An der lebhaften Hauptstrasse gibt es noch ein leckeres, chinesisches Abendessen und Willkommensbier für uns, dann geht’s schon wieder in die Heia!

Skyline vom Singapore River aus gesehen

Die nächsten zwei Tage sind für Sightseeing reserviert. Am ersten Tag steigen wir natürlich ins obligate Touristenbüschen um den erforderlichen Gesamtüberblick zu erhalten. Etwas enttäuscht sind wir aber schon, denn die einzige Information, die man in diesem Bus erhält, ist welche Shopping-Zentren beim nächsten Halt zu finden sind. Wir gehen gleich aufs Ganze und steigen in der Orchard-Road aus, das Shopping-Mekka schlechthin! Die Weihnachtsdekorationen sind pompös und für uns irgendwie surreal in dieser feuchten Hitze! Warum muss der Weihnachtsmann auch hier diese schmusig-warme Winterkleidung tragen? Aufs Shoppen lassen wir uns nicht gross ein, denn wir wollen weiter ins Viertel der Inder, Little India. Trotz verschiedener Versuche der zahlreichen Händler kaufen wir auch hier nichts, sondern ziehen noch ein wenig weiter durch die Stadt. In der Stadt hat es sehr viel Polizei, denn der Zufall will es, dass wir schon wieder Barack Obama auf den Fersen sind. Wir haben ihn schon auf seiner ersten Europa-Reise begleitet, nun wollen wir auch auf seiner ersten Asien-Tour bei ihm sein. Leider lässt er sich hier aber in der Öffentlichkeit nicht blicken und so verbringen wir den Abend in trauter Zweisamkeit am Ufer des Singapore Rivers und später im Lau Pa Sat, einem wunderschönen viktorianischen Gebäude, das voll ist von kleinen Essensständen. Es handelt sich um ein sogenanntes Hawker Center. Hier geht es äusserst hektisch zu und her, denn die einzelnen „Restaurant“-Besitzer umringen, umzingeln und verfolgen einen unermüdlich, so dass man kaum Gelegenheit hat, das reichhaltige Angebot genauer unter die Lupe zu nehmen. Erst wenn man sich an einem Ort hinsetzt, kehrt einigermassen Ruhe ein. Etwas verwirrt bestelle ich dann aber doch bei zwei unterschiedlichen Anbietern. Als das als Beilage gedachte indische „Roti“ bei halb aufgegessener Hauptspeise immer noch nicht kommt, frage ich beim indischen Kellner nach, welcher mir halb ernst, halb im Spass zu verstehen gibt: „You think all Indian are same, all Indian have mustache; you did not order with me!“. Er zeigt auf einen Stand gegenüber und ich erblicke einen Herrn mit Oberlippenbart, der “meinem” Kellner erschreckend ähnlich sieht. Obschon ich gerne auf die Einzigartigkeit aller Menschen eingegangen wäre, kommt mir nur in den Sinn: „This must be your brother.“, was allerdings nur halbwegs gut ankommt, denn ich befürchte, dass sich die beiden gar nicht so gut verstehen. Egal, ich kriege irgendwann mein Roti und stelle fest, dass es sich um eine weitere Hauptspeise handelt, die leider schon wieder so lecker ist und folglich auch aufgegessen wird.

Hawker Center - Innenansicht

Nach Hause geht es mit der blitzblanken Metro ohne genau Ahnung zu haben, wo wir hin müssen. Adlerauge Anita erblickt schon aus dem Zug heraus ein benachbartes Hotel, doch wir schlagen beim Metro-Ausgang leider eine falsche Richtung ein, wollen dies aber lange nicht wahrhaben. Plötzlich befinden wir uns inmitten von grossen Wohnblocks, obschon wir am liebsten bei unseren Prostituierten wären. Der Umweg hat aber auch etwas Gutes, denn wir verdauen so wenigstens einen Teil der zu viel eingenommenen Kalorien, was fürs Einschlafen hilfreich ist.

Im Buddha Tooth Relic Tempel In Chinatown

Am nächsten Tag organisieren wir erst unsere Weiterreise und stürzen uns danach nochmals voll ins Sightseeing, wobei uns der Regen immer wieder mal zwingt, eine kleine Pause einzulegen. Ich verzichte hier mal darauf, auf jeden Tempel und jedes Gebäude einzugehen, sondern möchte allgemein festhalten: Singapur ist eine tolle, lebendige, abwechslungsreiche, freundliche und sehr saubere Stadt! Ja, etwas verrückt ist sie schon, wenn man an all die Verbote denkt, aber eigentlich sind viele gar nicht so schlimm. Dass man seinen Müll nicht auf die Strasse wirft, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Dass man an gewissen Orten nicht rauchen darf, ist auch bei uns normal. Im Gegensatz aber etwa zu den USA, wo Raucher in den Blicken, aber auch Aussagen, vieler Passanten erkennen können, dass man sie zur Kategorie einer asozialen, verantwortungslosen Schicht zählt, scheint man es hier deutlich gelassener zu nehmen. Es gibt ja auch ziemlich viele Raucher; und selbst Zigarettenstummel auf dem Boden sind nicht allzu selten – zumindest in unserem Rotlichtviertel… Es wird leider auch viel gespuckt, obschon dies ja auch verboten wäre. Kaugummis aber findet man nirgendwo auf dem Boden, denn schliesslich sind Einfuhr und Verkauf untersagt! Einem einigermassen vernünftigen Menschen sollte es aber möglich sein, die horrend hohen Geldstrafen zu vermeiden. Wenn einem z.B. fürs Fahrradfahren auf dem Trottoir CHF 4’000.- Busse drohen, dann steigt man eben ab… Hohe Geldstrafen sind aber das Eine, doch Singapur kennt auch die Prügel- und Todesstrafe, die wohl noch etwas umstrittener sein dürften. Es gibt offenbar auch eine ganze Reihe weiterer Bestimmungen, die uns etwas fremd sind: Autos dürfen nicht älter als zehn Jahre alt sein, pro Familie darf man nur ein Auto besitzen und überhaupt ist Auto fahren nur gestattet, wenn mindestens drei Personen im Auto sitzen. Ob diese Angaben aber wirklich stimmen, wissen wir nicht mit 100%-iger Sicherheit, denn wir haben diese Informationen, die uns ein Taxifahrer in Malaysia gegeben hat, nicht überprüft.

Kaugummi gibt es nicht, dafuer endlich mal eine vernuenftige Packung Fisherman's Frieds: plastifiziert und wiederverschliessbar!

Am Abend treffen wir eine Schulkameradin von Anita, Susanne, die seit einiger Zeit in Singapur lebt und verbringen einen gemütlichen Abend in einem gut gewählten Lokal, in welchem ausgezeichnete Lasagne serviert wird! Es ist schon erstaunlich, wie viele Bekannte wir auf unserer Reise antreffen. Man kriegt das Gefühl, dass die Welt zusammen gewachsen ist und London, Kapstadt oder Singapur gar nicht mehr so weit weg sind wie noch vor 20 Jahren!

Palau Ubin

Am nächsten Tag wollen wir etwas Abwechslung. Da zum Stadtstaat Singapur noch einige Inseln gehören, bieten sich diese für einen Ausflug geradezu an. Wir entscheiden uns für Palau Ubin, denn es heisst, hier sei die Zeit etwas stehen geblieben und es gäbe viel Natur und kleine, ursprüngliche Dörfchen. Das ist in der Tat wahr. Wir mieten gleich bei Ankunft ein Fahrrad, denn die Insel lässt sich so am besten erkunden. Verschwiegen wurde uns, dass die Insel offenbar auch ein Militär- oder Polizeiausbildungs-Stützpunkt ist, denn auf unserer Fahrradtour passieren wir gleich mehrere Kontrollposten mit uniformierten, bewaffneten Soldaten. Natürlich schwebt permanent die Angst mit, dass wir in eine Kontrolle geraten, bei welcher vielleicht doch irgend ein Kaugummi versteckt in der Hosentasche auftaucht, doch die Soldaten schenken uns Gott sei Dank wenig Beachtung und wir können die schweisstreibende Tour (schweisstreibend insbesondere wegen der Hitze!) ohne mühsame Stopps absolvieren. Die Insel bietet einige Naturschönheiten, die man sehr einfach erkunden kann, und ist durchaus lohnenswert, wenn man der Stadt mal etwas entfliehen möchte.

Magroven auf Palau Ubin

Als wir am Abend zurück ins Hotel kommen, bringt ein starkes Gewitter unsere Pläne etwas durcheinander. Sehr gerne hätte ich eine Runde auf dem 165m hohen Riesenrad gedreht, doch die Umstände machen dies zeitlich leider nicht mehr möglich. Das Wetter beruhigt sich nach etwa ein, zwei Stunden und wir gehen immerhin noch gut (mexikanisch) essen und vergnügen uns noch ein wenig im Ausgangsviertel „Clarke Quay“, das zwar extrem künstlich und teilweise hässlich ist, doch immerhin auch die eine oder andere interessante und gut durchgestylte Bar zu bieten hat.

Schon am nächsten Tag nehmen wir Abschied von Singapur. Die Stadt wird uns in guter Erinnerung bleiben, denn sie ist freundlich, sauber, modern und dennoch auch lebendig und asiatisch. Singapur ist eine sichere Ruhe-Oase für jeden Reisenden, denn hier funktioniert alles und man braucht sich um nichts Sorgen zu machen. Wir freuen uns aber trotzdem, dass unsere Reise weiter geht und vielleicht noch etwas holperiger wird! Vorerst ist mit holprig aber gar nichts zu wollen, denn wir reisen in einem extravaganten Bus mit Massagesesseln erst mal wieder zurück nach Malaysia und freuen uns auf die nächste Erkundungstour!

9. Reisebericht: Kuala Lumpur – erste Destination in Südostasien

November 27, 2009

von Thomas

Mit tosendem Applaus landen wir am Abend des 10.09.2009 in Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias. Trotz später Stunde fühlen wir die feuchte Hitze, die uns auch in den kommenden vier Monaten begleiten wird. Ein Teksi, wie man hier sagt, bringt uns zu unserem Hotel im Bankenviertel und wir staunen wie lange die Fahrt ins Zentrum dauert, zumal Kuala Lumpur (KL) mit 1,5 Millionen Einwohnern eher zu den kleineren Grossstädten zählt. Das Hotel und Zimmer sind ganz ok; wir wohnen im neunten Stock und geniessen einen phantastischen Ausblick auf den KL Fernsehturm und sehen, leicht versteckt, sogar die Petronas Towers! Leider scheint aber die Kanalisation direkt durch unser Badezimmer zu fliessen, was uns zwar stört, doch da wir uns auf eine kurze Nachterkundungstour machen wollen, ist der Geruch erst mal vergessen. Nach ein paar Runden in unserem Quartier landen wir in einem dunklen, aber sehr lauten Club mit Live-Gesang. Erneut zählen wir kaum andere Gäste und so können wir die Darbietungen der chinesischen Sängerinnen und Sänger ganz exklusiv geniessen. Ich weiss nicht ob es an uns liegt, dass die Band vermehrt englische Titel auswählt, doch da sich das Englisch der Künstler kaum vom Chinesischen unterscheiden lässt, spielt es für uns eigentlich keine Rolle. Obschon wir die Show recht amüsant finden, verabschieden wir uns schon bald, denn nach zwei Nächten im Flugzeug sehnen wir uns endlich nach einem Bett.

Aussicht aus dem Hotelzimmer auf den Kuala Lumpur Fernsehturm

Ausgeruht und voller Tatendrang ziehen wir am nächsten Tag durch die Stadt. In Little India ist noch nicht so viel los, doch Chinatown ist schon deutlich belebter. Es ist immer wieder interessant zu sehen, was an diesen Märkten angeboten und schliesslich auch verkauft wird. Chinatowns bieten einfach immer die grösste Ansammlung an völlig unbrauchbaren Dingen. Kaufen tut man sie aber trotzdem! Gekocht wird hier wohl auch ohne Unterbruch und der Duft-Mix, der in der Luft liegt, ist nicht immer angenehm. Fischkopfsuppen, Räucherstäbchen, Parfümimitationen, Kanalgerüche, Stinkfrüchte (Durian) und kleine Müllansammlungen sind, insbesondere in Kombination, für jede Nase eine echte Herausforderung. Trotzdem machen die Chinatowns Spass, denn sie sind lebendig, farbenfroh und man verlässt sie voller Eindrücke!

Am Merdeka Square im kolonialen Viertel
Im kolonialen Viertel, das wir im Anschluss besuchen, geht es deutlich ruhiger zu und her. Das Zentrum dieses Viertels ist der Merdeka Square, an welchem auch an die 1957 ausgerufene Unabhängigkeit des Landes erinnert wird. Gleich nebenan steht die Moschee „Masjid Janek“, die wir leider nicht von innen besichtigen können, da wir gerade zur Gebetszeit kommen. Wir machen einen Abstecher zum Central Market und entscheiden uns hier nach einigem Abwägen für eine Fisch-Fuss-Massage: In einem kleinen Becken schwimmen Hunderte von Fischen, die es kaum erwarten können, dass jemand seine Füsse baden geht. Sofort schwimmen sie herbei und saugen einem alle Unreinheiten von den Füssen. Für mich ist es eine schreckliche Qual, denn ich platze fast vor Lachen und schaffe es erst nach einigen Minuten, einigermassen ruhig dazusitzen.

Unvergessliche Fisch-Fuss-Massage

Am späteren Nachmittag geht es zu den Petronas Towers. Die Zwillingstürme sind mit ihren 452 Metern wirklich gewaltig und wirken viel robuster als etwa der Burj Dubai. Kuala Lumpur ist eine beeindruckende und sehr abwechslungsreiche Stadt. Hochmodern mit vorbildlicher Infrastruktur auf der einen, doch trotzdem auch sehr lebendig und ursprünglich auf der anderen Seite. Chinesische und indische Tempel stehen neben Moscheen und Kirchen und irgendwie scheint es hier einfach möglich zu sein, dass verschiedene Kulturen friedlich und harmonisch mit- und nebeneinander leben können. Die Menschen sind zudem unglaublich freundlich und zuvorkommend und man fühlt sich als Besucher richtig willkommen. Nicht nur im Hotel, sondern auch von Taxifahrern, Sicherheitsbeamten oder gar Passanten auf der Strasse kriegt man schnell einmal zu hören: Welcome to Malaysia!

Golden Triangle - zentrales Geschäfts-, Einkaufs- und Unterhaltungsviertel

Um zusätzliche Inputs für die Weiterreise zu sammeln, besuchen wir am nächsten Tag die Tourismus-Zentrale, die ausgezeichnet ausgestattet ist. Wir beschliessen, erst nach Singapur und dann der Westküste Malaysias entlang nach Norden zu reisen. Die Traumdestinationen an der Ostküste müssen wir vorerst streichen, da dort der Monsun zurzeit zu stark wütet. Doch auch in Kuala Lumpur sind wir nicht vor dem Regen gefeit. Blitzartig kann er einsetzen und die Tagespläne durcheinander bringen. Das tut er auch heute, weshalb wir uns erst mal in ein Restaurant setzen, essen und abwarten. Hier werden wir auf Bildschirmen darüber informiert, dass der Mensch einen Liter Speichelflüssigkeit pro Tag produziert. Uns hätte vielmehr interessiert, wie es möglich ist, dass insbesondere Chinesen etwa zwei Liter täglich herausspucken, und zwar immer und überall und teilweise erst noch in beachtlichen Mengen. Mit vielen Fragezeichen im Kopf verlassen wir das Lokal und fahren zum Bahnhof um uns Tickets nach Singapur zu kaufen. Wir beschliessen den angebrochenen Tag mit Organisieren zu verbringen, da erneut starker Regen einsetzt und wir noch einiges zu klären haben. Am Abend gehen wir indisch essen und gönnen uns zum Abschluss eine chinesische Massage, welche zum Zeitpunkt der Behandlung durchaus auch mit Schmerzen, am Ende aber doch mit einem sehr entspannt-wohligen Gefühl verbunden ist!

Ganz anders als bei den Fischen geht es im chinesischen Massage-Studio zu und her...

Am nächsten Tag steht zuerst der Kuala Lumpur Tower auf dem Programm. Der viertgrösste Telekommunikationsturm der Welt bietet in der Regel eine phantastische Aussicht, doch heute ist es leider etwas bewölkt und dunstig. Insgesamt sind wir aber zufrieden und wir besuchen gleich noch den Mini-Zoo, der neben dem Turm steht. Hier sind zumeist schreckliche Tiere ausgestellt, die zumeist unter schrecklichen Bedingungen leben müssen. Die Schlangen, Spinnen und Skorpione gehören wohl zu den furchterregendsten Exponaten. Die hübscheren Papageien werden einem unaufgefordert auf die Schulter gesetzt, was nicht im Sinne jedes Besuchers ist. Die Affen leiden unter epileptischen Anfällen, da trotz Blitzverbots alle Besucher eifrig gutbelichtete Fotos schiessen. Andere Tiere, etwa die Schildkröten und Riesenechsen, benehmen sich teilweise auch etwas merkwürdig und so verlassen wir den Zoo ziemlich bald und zwar mit gemischten Gefühlen.
Mittelmässige Aussicht vom KL Fernsehturm – für die Petronas Towers reicht es aber gerade noch!

Grosse Echse in kleinem Käfig

Als nächstes fahren wir nach Putrajaya, einer künstlich geschaffenen Stadt am Rande Kuala Lumpurs, wo sich die gesamte Administration des Staates befindet. Sie trägt offiziell den Kosenamen „Intelligent Garden City“, doch spontan würde man als Besucher sicherlich andere Kosenamen treffender finden, wie etwa „Scary ghost city of officials in the middle of nowhere“. Der Ort ist sehr sonderbar. An der schnurgeraden Hauptstrasse, die von Nordkoreanern sicherlich sehr bewundert würde, reiht sich ein Ministerium ans nächste. Man findet aber auch eine Riesenmoschee oder diverse Hightech-Gebäude, die aber alle menschenleer aussehen. Von der Metrostation, die ein paar Kilometer ausserhalb des Ortes liegt, gehen wir zu Fuss ins Zentrum, doch wir finden schnell heraus, dass nur mehrspurige Schnellstrassen über die hochmodernen Brücken ins „Zentrum“ zu führen. Auf unserem Weg begegnen wir lediglich Strassen-Unterhaltsarbeitern, die uns alle etwas sonderbar ansehen. Im leblosen Stadtzentrum steigen wir irgendwann in einen Bus und lassen uns einfach etwas herum chauffieren. Erst zurück zur Metro, dann nochmals querfeldein um einen vollständigeren Eindruck zu erhalten, denn Putrajaya ist riesengross. Es gibt aber gar nicht so viel mehr zu sehen. Am Rande des Ortes stehen die Unterkünfte der Beamten; je nach Status des Beamten wohnt man entweder in einem der unzähligen Wohnblocks oder in einem schmucken Einfamilienhaus. Es gibt hier alles: Schulen, Krankenhäuser, Feuerwehr, Polizei, Moscheen, Einkaufszentren und einen künstlichen See. Zudem ist alles sauber. Was will man mehr? Gemeinsam arbeiten, gemeinsam wohnen! Da wächst man doch als Gemeinschaft näher zusammen und hat sicherlich auch selten Ruhestörungen zu beklagen!

Beamtenstadt Putrajaya - hier herrscht noch Ordnung

Erschöpft kommen wir am späten Abend zurück nach Kuala Lumpur, wo wir nach kurzer Fastfood-Verpflegung ziemlich früh ins Bett gehen, denn am nächsten Tag schon steht die Reise nach Singapur an!

8. Reisebericht: 09.11.09 – Der Tag in London

November 21, 2009

von Thomas

Am 09.11.09 machen wir einen Abstecher nach London. Man kann sich darüber streiten, ob es Sinn macht, von Dubai nach London zu fliegen, um dann von dort zurück nach Asien zu reisen, doch wir haben Einzelflüge gebucht und müssen diesen Umweg in Kauf nehmen.

Schon am frühen Morgen landen wir in London Gatwick und machen uns gleich schon auf nach London Stansted, wo wir den Rest des Tages verbringen müssen, da unser Flug nach Malaysia erst kurz vor Mitternacht ansteht. Der Bustransfer vom einen Flughafen zum anderen dauert etwa drei Stunden und ist nicht ganz billig. Dafür kriegen wir auch noch London Heathrow auf unserem Weg zu sehen!

Wir erwarten nicht viel von diesem Tag, doch wir kontaktieren ein befreundetes Paar, das seit einigen Monaten in London lebt und schlagen ein gemütliches Treffen in Stansted vor. Es gibt nur wenige Paare auf der Welt, die so spontan sind um auf diesen Vorschlag einzugehen. Roman und Caroline sind es aber und sie erscheinen am Nachmittag und nehmen uns gleich noch mit auf eine kleine Spritzfahrt durch die umliegenden Dörfer. Wir suchen aber so schnell wie möglich ein Pub auf, denn wir haben auch noch einiges zu feiern! 1. Romans Geburtstag, 2. 20 Jahre Mauerfall und schliesslich erhalte ich auch noch eine SMS, die mich darüber informiert, dass ich soeben zum fünften Mal Onkel geworden bin. Herzlich willkommen auf der Welt, David Daniel!

Mit Roman und Caroline vor dem Green Man Pub in einem Dorf bei Stansted

Wir erleben also einen kurzweiligen Tag, fliegen aber gerne weiter, denn die Temperaturen passen gar nicht in unser Ferienkonzept. Wir steigen in die AirAsia-Maschine und sind angenehm überrascht, denn der Low-Cost-Carrier, der London und Kuala Lumpur verbindet, bietet viel Beinfreiheit und angenehmen Sitzkomfort, dafür aber weder Essen noch Unterhaltung (bzw. nur gegen Aufpreis). Wir schlafen aber bald schon ein und erwachen erst kurz vor Kuala Lumpur, wo unsere Reise weitergeht…

7. Reisebericht: Oh! Ah! Wow! Wir sind in Dubai!

November 18, 2009

von Thomas

Kurz nach Mitternacht am 5.10.2009 landen wir in Dubai. Fast schade, dass der achtstündige Flug schon vorbei ist, denn bei den „Emirates“ fühlt man sich wirklich pudelwohl. Das Wohlgefühl dauert aber auch nach der Landung an, denn schon bald sind wir in unserem Hotel, welches so ziemlich alles bietet, was man sich für einen angenehmen Aufenthalt wünscht: grosse, komfortable Betten, eine komplett ausgestattete Küche mit Waschmaschine, ein grosszügiges Bad mit Personenwaage und all die kleinen, unverzichtbaren Details wie Bademäntel, Pantoffeln, Haarkämme und Duschhauben. Nach mehr als zwei Monaten „Sendepause“ können wir hier auch wieder einmal deutsches Fernsehen schauen: RTL2, ZDF und ARD. Da wollen wir uns mal nicht beklagen. Verlässt man das Zimmer, kommt man in den Genuss warmer Panflötenmusik (mir wären zwar Harfenklänge lieber gewesen), die uns in den Zustand völliger Entspannung und Zufriedenheit versetzt. Ich glaube, dass sich selbst ein Kind mit ernsthafter Aufmerksamkeitsstörung bei „I will always love you“ von Whitney Houston auf Panflöte zu einem ruhigen, braven und ausgeglichenen Sonnenschein verwandelt.

Wir wohnen zwar nicht im Burj Al Arab aber fast so schön...

Am nächsten Tag wollen wir die „Dubai City Tour“ buchen. Das hilfsbereite Hotelpersonal, das einem jederzeit ein freundliches Lächeln schenkt und alle Wünsche den Augen ablesen kann, organisiert eine Privattour für uns, da es uns für die „offizielle“ Tour nicht mehr reichen würde. Nur zwei Minuten später steht Rafeek vor uns, unser Privatführer für die nächsten vier Stunden. Rafeek ist gepflegt, hat einen sauberen Scheitel, fährt einen strahlend-weissen Lexus mit Ledersitzen, doch obschon alles so herrlich passen würde, taugt er als Chauffeur nicht wirklich viel. Noch weniger taugt er aber als Fremdenführer. Die einzige von sich aus eingebrachte Information in den ersten 30 Minuten war „This is creek“, beim Überqueren des Flusses. Die meisten unserer Fragen hat er entweder ungenügend oder unglaubwürdig beantwortet, manche schien er gar zu überhören, selbst bei mehrfacher Wiederholung. Wir halten beim Dubai Museum, wo wir Einblick erhalten in die Geschichte Dubais und die Traditionen des Landes. Weiter gehr es zur Dubai Shopping Mall, die grösste Mall der Welt, welche gleich neben dem höchsten Gebäude der Welt steht, dem Burj Dubai. Rafeek begleitet uns durch die Mall und wir ringen nach Atem, denn die Dimensionen und die Ausstattung der Mall sind atemberaubend und das von Rafeek vorgegebene Besichtigungstempo erschlagend. Die Fahrt geht weiter zur künstlichen Insel Palm Jumeirah. Rafeeks Qualität als Fremdenführer hat sich unterdessen etwas gebessert, was wahrscheinlich einerseits darauf zurückzuführen ist, dass wir uns gegenseitig an unserer Akzente in der englischen Sprache gewöhnt haben, andererseits haben wir aber auch unsere Erwartungen in Bezug auf die Tour nach unten korrigiert. Wir besuchen das Megahotel Atlantis in welchem Rafeek seine Beziehungen spielen lässt und uns Zugang gewährt zur Lounge, die sonst nur von Hotelgästen besucht werden darf. Er lässt uns dies mindestens drei Mal wissen und wir sind nicht nur von der Lounge, sondern auch von Rafeeks Beziehungsnetz sehr beeindruckt. Wir verlassen die Palmeninsel und Rafeek stoppt beim Burj Al Arab, dem mächtigen Segelschiffhotel, wo wir kurz ein paar Fotos schiessen können. Dann verlautet er: „Now, back hotel!“. Ich bitte ihn, uns wenigstens noch einen Strand zu zeigen und er zeigt sich von der unkomplizierten Seite und meint: „ Ok, beach, then back hotel!“.

Der Burj Dubai ist das höchste Gebäde der Welt!

Zurück in Deira, unserem Stadtteil, besuchen wir noch das nahegelegene Shoppingzentrum, um uns etwas abzukühlen. Wir lieben es, uns in fremden Ländern die Supermärkte anzuschauen. Im Carrefour kommen wir ins Schwärmen und ich summe leise den Werbeslogen vor mich hin: „Avec Carrefour, je positive!“. Hier finden wir alles, was man von zu Hause kennt, aber eben noch Etliches mehr: duftende Gewürze, frischen, exotischen Fisch, libanesischen Frischkäse, arabisches Brot und alkoholfreies Bier mit Fruchtaromen von der Feldschlösschen-Brauerei in Rheinfelden! In der Bücherabteilung finde ich gar den heiligen Koran, der zu meinem Erstaunen von Nicht-Muslimen gar nicht erst berührt werden darf! Wie soll man denn da neue Leserschaft gewinnen?

Am Abend steigen wir in die vor kurzem eröffnete Metro um einfach irgendwohin zu fahren und ein Restaurant zu finden. Wow, was für ein Fahrgefühl! Alles hochmodern, blitzblank, sicher und erst noch begleitet von angenehmem Hintergrundsound. Wir landen in einem indischen Restaurant, wo wir als einzige Gäste, trotz Rugby-Spiels (Indien gegen Australien), die volle Aufmerksamkeit der zahlreichen Kellner erhalten. Hier können wir (endlich) ein Bier bestellen und auf unsere Ankunft anstossen. Serviert wird es vom zweitfreundlichsten Kellner, den wir in unserem ganzen Leben getroffen haben (an erster Stelle rangiert immer noch der junge, knuddelige Mexikaner, der sich ständig verbeugt und lächelnd alles Aufgetischte mit den Worten „es para servirle“ kommentiert hat.). Das Restaurant heisst Bollywood Café und es dauert nicht lange bis wir in den Genuss einer Fast-Privat-Show kommen mit zwei Sängern und etwa 20 Tänzerinnen. Nicht schlecht für den Anfang!

Da wir gerne zu Fuss unterwegs sind, wagen wir es am nächten Tag einfach mal. Nichts schreckt uns ab: Weder die XXL-Strassen, noch die riesigen Baustellen, selbst die Hitze schafft es nicht! Wir wollen es einfach probieren. Doch wir wandern und wandern und kommen doch kaum voran. Wir schwitzen und stöhnen, gelangen aber irgendwann irgendwie doch an eines der anvisierten Ziele: einen Park am Fluss! Der Park ist zwar sehr gepflegt, doch richtig spassig ist es hier nicht. Wir stellen aber fest: Ob in der Schweiz, in Südafrika oder in Dubai, Grillen ist weltweit ein Hit und scheint wesentlich zur Entspannung der Menschen beizutragen. Wer sich also für den Weltfrieden einsetzen möchte (und das tun in der Regel die Schönsten dieser Welt), sollte am besten einfach eine weltweite Friedensgrillade organisieren. Nach dieser Erkenntnis treten wir den Heimweg an und entspannen uns noch ein wenig am Hotelpool.  Am späteren Abend gibt’s dann noch deutsches Fernsehen: „Wetten dass..?“ bis spät in die Nacht hinein!

Lustiges Bild mit lustigem Baum im Creek Side Park

Insgesamt sind wir etwas zwiegespalten in Bezug auf Dubai. Es ist einerseits wirklich die Stadt der Superlative und beeindruckt sicherlich jeden Besucher. Der Burj Dubai mit seinen 818 Metern kann keinen kalt lassen. Auch beim Anblick der Riesenaquarien, die z.B. im Hotel Atlantis oder in der Dubai Shopping Mall zu finden sind, ist man einfach nur überwältigt. Da gibt es Mantas, Haie, ja selbst kleine Wale zu sehen! Vergessen und verflogen ist der Zauber des Vivariums im Basler Zolli im Vergleich zu dieser Unterwasser-Kulisse, die einem hier geboten wird! Und wohlbemerkt: Das Aquarium hier soll lediglich etwas Entspannung vom anstrengenden Shopping bieten. Natürlich zieht es als Attraktion auch Leute an, die dann auch noch etwas einkaufen, doch egal in welche Richtung der Mechanismus spielt, in Dubai dreht sich alles ums Shopping. In Dubai stehen wohl mehr als 40 Shopping Malls und diese werden uns z.B. von unserem Hotelpersonal gar als „Stadtzentrum“ genannt. Alles in Dubai ist mega, alles ist luxuriös, alles ist sauber, doch alles ist auch künstlich. Dubai ist die Stadt der „Ahhs, Ohhs und Wows“, doch so beeindruckend diese Welt auch ist, man kriegt schnell genug davon, denn der Stadt mangelt es an wahrem Leben, an Geschichte und Charme. Wir empfehlen aber durchaus, sich hier mal eine Woche verwöhnen zu lassen, die Sonnenseiten des Lebens zu geniessen und schön einkaufen zu gehen!

Eine der vielen Skylines in Dubai; ständig entstehen aber neue!

Am nächten Tag will ich raus aus der Stadt! Ich habe eine Tour zu den Hatta Mountains gebucht um etwas von der Umgebung kennen zu lernen. Anita bevorzugt es in Dubai zu bleiben und den Fitness-Raum auszukosten (für mich ein weiterer Grund, Dubai zu verlassen). Ich hielt es für einen Scherz, als uns der Führer nach etwa einer Stunde Fahrt um die Pässe bittet. Ich habe nur meine Identitätskarte und eine vom mosambikanischen Notar beglaubigte Passkopie dabei. Wer hätte gedacht, dass wir das Land verlassen und via den Oman reisen würden? Der Führer will es einfach mal mit meiner ID versuchen. Glück gehabt, man winkt uns einfach mal durch. Nur wenige Minuten später folgt aber schon der nächste Halt! Schon wieder die Militärpolizei und die Soldaten mit ihren Maschinengewehren sehen so aus wie die „Bösen“ in amerikanischen Kriegs-Action-Filmen. Oh, nein, wir haben es mit einem ganz Genauen zu tun. Er blättert die Pässe der anderen Tour-Teilnehmer durch und gelangt schliesslich irgendwann zu meiner ID. Ich sehe es schon vor mir: Man wird mich festhalten, ausquetschen und in den Knast sperren bis sich ein Bundesrat für mein Verhalten entschuldigt! Es kommt aber anders. Der Beamte fragt zu meinem Erstaunen: „Is this bank card?“. Da es sich um die zweitdümmste Frage handelt, die mir jemals im Zusammenhang mit meiner ID gestellt wurde, will ich schon fast loslachen (führend ist übrigens immer noch die Angestellte in einem Hotelcasino in Las Vegas, die beim Durchlesen meiner ID fragte: „Are you Canadian?“), doch ich kann mich noch einen Moment lang beherrschen und erkläre ernst, sachlich und verständnisvoll (als würde man mir jedes Mal diese Frage stellen): “Oh, no, this is an identity card.“ Dem Beamten scheint diese Erklärung absolut zu genügen und er winkt uns durch. Auch an den vier weiteren Kontroll- bzw. Grenzposten, die wir bis zur Rückkehr passieren werden, erlebe ich keine Schwierigkeiten, weshalb ich zum Schluss komme, dass die „Bösen“ gar nicht so bös sind, sondern ganz ok!

Ausflug in die Hatta Mountains

 Die Tour-Gruppe besteht übrigens aus einem Deutschen und einem schwedischen Paar in den 60-ern. Es ist interessant, dass wir alle unterschiedliche Vorstellungen haben in Bezug auf Dauer und Preis der Tour, doch bei der Bewertung des Tour-Guides sind wir uns alle ziemlich einig: ziemlich schwach… Insgesamt hat es sich aber trotzdem gelohnt, denn allein schon das Vorbeifahren an den Dünen und den Kamelen ist ziemlich aussergewöhnlich. Bei den Hatta Mountains handelt es sich um ein karges, formschönes Gebirge, in welchem man auf den ersten Blick keine Bademöglichkeiten erwarten würde. Dies erweist sich aber als falsch, denn die Flüsse haben tiefe Gräben in das Gestein geschnitten, wo sich das Wasser auch bei gewaltiger Hitze noch lange halten kann. Trotz pinkelwarmen Wassers war das Schwimmen in den „Wadis“ wirklich märchenhaft!

Zurück in Dubai mache ich mich mit Anita nochmals auf in die Stadt. Am Creek winken wir ein Holzschiffchen herbei und lassen uns dem Fluss entlang herum chauffieren. Wir fahren vorbei an unzähligen spektakulären Riesenbauten und finden die Fahrt äusserst entspannend. Bei den Soaks, den Märkten, steigen wir aus und entdecken das, was uns in Dubai bisher gefehlt hat: Ein Stück „echtes“ Leben! Hier gibt es so etwas wie eine Altstadt mit kleinen Gassen, unzähligen Marktständen und Menschen auf der Strasse; sogar sehr vielen Menschen! Wir spazieren noch lange dem Fluss entlang und kühlen uns ab und zu in den klimatisierten Bushaltestellen ab; für die letzten paar Kilometer steigen wir aber doch noch in ein Taxi.

Flussfahrt auf dem Dubai Creek

Am nächsten Tag müssen wir bereits schon auschecken, doch unser Flug geht erst um Mitternacht. Wir entscheiden uns den Tag in Shopping Centern zu verbringen, da man hier nicht ins Schwitzen kommt und Anita noch Einiges einkaufen möchte. Es ist verrückt, Skihallen und Kunsteisbahnen in diesem Wüstenland anzutreffen, doch sie gehören genau so zu Dubai, wie die Galeries Lafayette zu Paris, wobei man die Galeries natürlich auch in Dubai findet. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnen schliesslich die Vorführungen der gewaltigen Wasserfontänen bei der Dubai Mall, doch wie in Show Nr. 2 dargeboten, heisst es auch für uns schon langsam „Time to say goodbye!“. Goodbye, Dubai!

Goodbye Dubai!

5. Reisebericht: Auf nach Mosambik!

Oktober 18, 2009

von Thomas

Am 3. Oktober verlassen wir Kapstadt um ein paar Tage in Mosambik zu verbringen. Wir treten eine knapp zweitägige Busreise an, die uns von Kapstadt via Johannesburg nach Maputo führt. Wir entscheiden uns wieder für den christlich geprägten Intercape-Bus. Das Transportunternehmen möchte all seine Stakeholders zufriedenstellen, wobei dazu auch Gott gehört, wie aus dem Unternehmensleitbild ersichtlich wird. Auf der Fahrt von Kapstadt nach Jo‘burg wurde ich als Kunde jedoch das erste Mal nicht zufrieden gestellt. Mein Sitz liess sich nicht nach hinten klappen und vor mir sass eine schwarze Mitreisende von der sehr würdevollen Sorte (wir haben gelesen, dass bei der schwarzen Bevölkerung gilt: je korpulenter die Frau, umso würdevoller ist sie). Ihre Sitzlehne funktionierte einwandfrei und sie genoss es, sich in den Sitz plumpsen zu lassen und immer wieder ihre Sitzposition zu ändern, wodurch sie dem Sitz eine der härtesten Materialproben lieferte und mich an den Rand einer Klaustrophobie-Attacke trieb. Zu meiner Linken, durch den schmalen Gang getrennt, sass ein etwas heruntergekommener Mann, der leider keinen Platz neben seinem etwas heruntergekommenen Kollegen gefunden hat. Nichts hat die beiden, etwa zwei bis drei Reihen entfernt sitzenden Kumpels daran gehindert, lauthals ihre Konversation weiterzuführen; auch die Nacht nicht wirklich. So schlimm war das aber auch nicht, denn die Nacht war sowieso unruhig. Südafrikaner telefonieren nämlich sehr viel und sehr gerne. Die Dame in der Reihe hinter uns hat sehr viele Anrufe erhalten und alle Anrufe waren extrem lustig – ihr hohes Quietsch-Lachen machte gut 50% der Anrufdauer aus. Irgendwann schlief sie dann aber doch ein, bis sie mitten in der Nacht die halbe Reisegesellschaft mit einem langen und sehr lauten Stöhnen geweckt, aber auch amüsiert hat. Niemand konnte definitiv beurteilen, ob ihr Traum besonders böse oder besonders schön war, doch zumindest hat sie schon am frühen Morgen mit dem ersten Telefonanruf ihr Lachen wieder zurück gefunden!

 
Endlich sind wir in Johannesburg angelangt. Hier müssen wir etwa sechs Stunden auf den Bus nach Maputo warten. Auf der Suche nach einer Gepäckaufbewahrung hetzen wir von einem Ende des Busterminals zum anderen und wollen, da wir erfolglos sind, schon das Gebäude verlassen, bis wir von der Security angehalten werden: „Was macht ihr? Wo wollt ihr hin?“, fragt uns die Dame. Sie macht uns deutlich, ja sie fleht uns an, bloss nicht das Gebäude zu verlassen. Zu gefährlich! Sie bietet uns sogar an, das Gepäck im Büroräumchen der Sicherheitsfirma zu lagern. Wir nehmen das Angebot an und schlagen die Zeit tot in Fastfood-Lokalen. Uns ist es nicht wohl und wir wollen weg. Es ist sehr hektisch und viele „Schleicher“ treiben sich herum. Wir wollen endlich nach Mosambik!

Nach einer ausgesprochen angenehmen Busfahrt und einem etwas ungewöhnlichen, aber unkompliziertem Grenzübergang erreichen wir endlich Maputo! Wir sind viel zu früh angekommen und so klappt es auch mit dem Pick-Up-Service unserer Unterkunft nicht. Gemeinsam mit zwei Amerikanern nehmen wir ein Klapper-Taxi zum „Fatimas Nest“ und legen uns nach einer wohltuenden Dusche nochmals kurz aufs Ohr.

Da sind wir also, in Mosambik! Was wissen wir überhaupt über Mosambik? Nicht viel! 20-mal so gross wie die Schweiz, 20 Millionen Einwohner, Portugiesisch sprechend, unabhängig seit 1975, eine Art Bürgerkrieg bis 1994, Jahreseinkommen pro Kopf bei etwa USD 300! In Kapstadt habe ich mir in einer deutschen Buchhandlung das Buch „Ach, Afrika“ von Bartholomäus Grill gekauft. Ein tolles Buch, das verschiedene Aspekte beleuchtet, die zumindest teilweise eine Erklärung für den Zustand des Kontinents liefern. In diesem Buch erfahre ich, dass es in Mosambik auch heute noch üblich ist, kleinen Kindern ein Auge auszustechen um es an Fischernetzen festzumachen, was positiven Einfluss auf die Fangquote haben soll. Ich staune über diese Erkenntnis und denke über weitere Einsatzmöglichkeiten nach.

Nach unserem zweistündigen Power-Nap machen wir uns auf in die Stadt. Da ist er wieder: Der Kultur-Schock! Es dauert immer ein Weilchen, bis man sich auf ein fremdes Land oder eine fremde Stadt einstellt. Hier finden wir endlich das echte Afrika. Die Leute sind arm, dafür sehr kontaktfreudig und freundlich. Die Gebäude wirken verfallen, doch trotzdem hat die Stadt ihren Charme. Ich stelle mir so die Karibik vor; am ehesten Kuba. Wir finden hier auch etwas, was aus Europas Ost-Städten seit 20 Jahren verschwunden ist: Die Strassenbezeichnungen, die die Namen der grossen kommunistischen Führer, Philosophen und sonstiger Tyrannen tragen: Lenin, Marx, Mao Tse Tung oder gar Kim Il Sung! Mit einer Fähre, die wohl noch nie gewartet worden ist, fahren wir auf die nahegelegene Insel Catembe. Der Strand ist voller Leute und wir sind, die ganze Zeit schon, als Bleichgesichter ziemliche Exoten. Wir sind erstaunt, dass man zwischen all dem Abfall doch noch Strandfussball spielen und in der braunen Brühe, die sich Meer nennt, baden kann. Insgesamt sind wir einerseits sehr schockiert, andererseits aber auch sehr fasziniert, denn die Welt um uns herum ist nochmals ganz anders, als diejenige, die wir in den ersten fünf Wochen erlebt haben.

Maputo von Catembe aus gesehen
Maputo von Catembe aus gesehen

Bevor wir uns am nächsten Tag auf einen weiteren Stadtspaziergang machen, lassen wir uns erst noch eine Passkopie beglaubigen, was uns 40 Rappen kostet und Einblick gewährt in das Funktionieren öffentlicher Ämter. Das Notariat ist eindeutig personell überbelegt, dafür spart man bei der Einrichtung. Auf den Strassen fallen uns dann die zahlreichen Händler auf. Überall kann man Obst, Gemüse, Getränke, Chips, Schuhe, Kunsthandwerk, Gürtel, Telefonkarten oder irgendetwas kaufen. Dem „Picasso“ von Mosambik, wie er sich uns vorstellt, begegnen wir auf unseren Erkundungstouren gleich dreimal. Wie klein doch die Welt ist! Trotzdem kaufen wir kein Bild, obschon er uns jeweils sehr hartnäckig bearbeitet. Auf dem lebhaften Markt (dem Offiziellen) decken wir uns mit einer Grosspackung Piri-Piri-Cashew-Nüssen ein (ein Exportschlager Mosambiks), in einem Restaurant kosten wir das weit verbreitete 2M (sprich: Doschem), ein leckeres, leicht schmeckendes Bier, das meistens in der 550ml-Flasche serviert wird. Es ist herrlich, dem Treiben auf der Strasse zuzusehen. Da schlängeln Frauen mit schwerer Last auf dem Kopf durch die Strassen, Kinder können den Blick nicht von uns wenden und permanent ruft man uns nach: „Hello Mista“, „Sista“, „Boss“ oder einfach nur „hungry“. Littering ist in Maputo kein Problem, denn jeder macht es. Es gibt leider auch kaum Abfallbehälter, weshalb man auch nicht grosse Vorwürfe machen kann. Manchmal wird der Abfall dann dafür direkt auf der Strasse verbrannt. Am Abend gehen wir lecker Essen, müssen aber früh ins Bett denn vor uns steht eine lange Weiterreise nach Tofo (wir stellen uebrigens fest, dass alle O-Endugen als „U“ ausgesprochen werden)!

Gebucht und erwartet haben wir eine einigermassen komfortable Busreise, direkt von der Unterkunft in Maputo nach Tofo. Realität waren etwa 15 Reisende, eine Unmenge von Gepäck und ein Transfer im Minibus zur Busstation am Rande von Maputo. Leider war auch der nächste Bus alles andere als komfortabel (wirklich weit davon entfernt), doch im Vergleich zu dem, was man sonst auf diesem Busbahnhof gesehen hat, waren wir dann doch einigermassen zufrieden. Mosambikaner sind Verpackungskünstler: Jede Nische wird gnadenlos ausgenutzt und die Busdächer werden meterhoch beladen, egal ob mit Koffern, Plastiktaschen, Ziegen oder Hühnern. Der Busbahnhof ist Tummelplatz für Hunderte von Händlern, es ist laut, staubig und für uns erstmal unendlich chaotisch.

Eindruecke vom Busbahnhof in Maputo
Eindruecke vom Busbahnhof in Maputo

Die „Freude“ über unseren „Komfortbus“ ist bald schon verflogen, denn unser Weg ist lange und wir sitzen eng aneinander gepfercht auf höchst unbequemen Sitzen. Die Teerstrasse ist anfänglich ganz gut, doch schon bald entpuppt sie sich als Schlaglochparadies. Die Fahrweise des Chauffeurs muss zudem als verantwortungslos und kriminell bezeichnet werden. Anstatt vom Gaspedal zu gehen wenn es enger wird auf der Strasse oder wenn zusätzlich ein Velo beim Überholmanöver auftaucht, betätigt dieser Idiot (und ich setze diese Bezeichnungen wirklich sparsam ein und nur dann, wenn sie 100% zutreffen) maximal die Hupe. Wir kassieren unzählige Schläge in den Rücken und gehen innerlich nochmals die Gebete aus dem Intercape-Bus durch. Landschaftlich ist die Strecke aber durchaus reizvoll. Wir ziehen vorbei an nicht enden wollenden Kokospalmen-Wäldern und ab und zu erblicken wir türkisfarbenes Meer im Hintergrund. Die Siedlungen bestehen aus einfachen Hütten und das Bild, das sich uns präsentiert, wirkt unglaublich friedlich und malerisch (ehrlich gesagt musste ich immer ein wenig an Schlumpfhausen denken, weil die Pilze, in denen die Schlümpfe wohnen, auch so beschaulich sind).

Transfer im Minibus zum Busbahnhof
Transfer im Minibus zum Busbahnhof

Nach vielen Stunden und etwa 500km erreichen wir dann unser Ziel: Tofo, ein kleines Örtchen an einem Traumstrand am indischen Ozean! Wir verbringen hier drei Nächte in einer gut ausgestatteten, herzigen Hütte, nur wenige Schritte vom Strand entfernt, an welchem wir erneut Wale beobachten und uns erholen können! Leider meldet sich aber schon nach der ersten Nacht mein Rücken um mir mitzuteilen, dass ich mich bitte möglichst nicht mehr bewegen soll. Jede Bewegung versetzt mir einen schmerzhaften Schlag und als dies auch am zweiten Tag nicht besser wird, werde ich langsam unruhig und setze mich mit meiner Unfallversicherung und der telefonischen Ärzteberatung in der Schweiz in Verbindung. Sie raten mir, die Beschwerden mit der vollen Dosis Schmerztabletten zu bekämpfen, was ich eifrig tue und etwas Linderung erfahre. Am dritten Abend geht es mir bereits besser und wir besuchen sogar ein Konzert an einer Strandbar. Es spielt eine Schweizerisch-Mosambikanische-Gruppe, die uns anfänglich langweilt, später aber sehr positiv überrascht! Besonders gut gefällt uns das Lied, das sowohl im Refrain, als auch in den Strophen nur aus dem Wort „Jetetetete“ besteht.

Am endlosen Strand von Tofo
Am endlosen Strand von Tofo

Unsere nächste Destination heisst Inhambane. Hier hätte es medizinische Versorgung und wir erhoffen uns bessere Einkaufmöglichkeiten und Infrastruktur als in Tofo (dort gab es nämlich nur einen Markt mit einem Angebot, das uns nur teilweise zufrieden stellen konnte). Da wir an einem Samstag ankommen, müssen wir zu unserer grossen Enttäuschung aber feststellen, dass unsere Möglichkeiten doch sehr limitiert sind. Wir schaffen es gerade noch in die Apotheke, in welcher ein kleiner, alter, langsamer Schlurfi arbeitet und noch drei, vier weitere Angestellte. Das ausgeklügelte System verlangt, dass man das Medikament erst bei Schlurfi oder der etwas spritzigeren, jedoch absolut nicht hilfsbereiten Kollegin bestellt und einen mühevoll von Hand ausgefüllten Zettel in Empfang nimmt, mit welchem man dann zwei Meter nebenan zur Kasse geht um anschliessend – nach Bezahlung – nochmals zu Schlurfi zurückzukehren und das Medikament zu beziehen. Die Zeit reicht noch für zwei, drei „Super“-Märkte, wobei diese meist aus einem dunklen, schummrig-stickigen Raum bestehen, in welchem eine Theke steht, hinter der sich jede Menge Ramsch befindet. Lustiger weise sind die Besitzer meistens Inder. Mit der Unterkunft sind wir spätestens in der Nacht auch nicht zufrieden. Vor der Pensão, die direkt an der Strandstrasse liegt, versammelt sich am Abend die Dorfjugend. Alle, die ein Auto haben kommen hierher und jeder dreht sein Autoradio voll auf. Einer hatte eine besonders gute Anlage, so dass jedes einzelne Körperhärchen wunderbar im Takt mitschwingen konnte. Mosambikaner lieben Musik! Dass man zehn Beats auf einmal konsumiert, scheint sie nicht im Geringsten zu stören. Hinzu kommen natürlich noch die Tropenhitze und die Tatsache, dass unser Ventilator mit einem südafrikanischen Stecker ausgerüstet ist, der einfach nicht in die mosambikanische Steckdose passt (das Kabel wäre eh zu kurz und der kaum verschiebbare Ventilator wiegt etwa 20 Kilo, da er zur ersten Ventilator-Generation zählt). Wir werden umschwirrt von zahlreichen Moskitos, befinden uns aber in einem gefährlicheren Malariagebiet. Die Matratze ist miserabel und die Bettwäsche stinkt. Ach, heute ist einfach kein guter Tag. Erst dachte ich: „Inhambane, dört muesch ane!“, doch heute wäre ich am liebsten zu Hause oder in einem Wellness-Hotel im Schwarzwald…

Erst am Abend verwandelt sich die Strandstrasse von Imhambane zum Treffpunkt der Dorfjugend
Erst am Abend verwandelt sich die Strandstrasse von Imhambane zum Treffpunkt der Dorfjugend

Der nächste Tag steckt aber wieder voller Erlebnisse! Dazu trägt vor allem unser Gastgeber, Denis, bei, ein Südafrikaner in den 60-ern, der wahnsinnig undeutlich, dafür aber sehr viel spricht (wir kennen seine ganze Lebensgeschichte und er sieht uns eigentlich bereits als Investoren in Mosambik, da es dort einfach haufenweise Geld zu machen gibt). Erst gehen wir auf Dhow-Tour, was nichts anderes ist, als eine kleine Rundfahrt entlang der Küste in einem hölzernen Fischer- oder Segelboot. Schon am Morgen erwartet uns Captain John (João) und er führt uns zu seinem Boot, das doch in einem ziemlich bedenklichen Zustand ist. Es empfängt uns auch der Schiffsjunge, dessen Aufgabe vor allem darin besteht, das einströmende Wasser wieder herauszuschütten. Er war eigentlich ganz nett, doch ich vermutete lange, dass er die Pest aufgeschnappt hatte, was mich etwas beunruhigte. Anita erklärte mir aber beruhigend, dass es sich vermutlich um einen Ganzkörper-Pilz oder eine virale Infektion handle. Mit an Bord waren auch gut 200 Kakerlaken, wobei uns die Grösse einiger Exemplare sehr beeindruckte. Wir konzentrieren uns also vor allem auf die herrliche Aussicht und versuchen alles andere zu ignorieren. Wir ziehen vorbei an unberührten Palmenstränden und sind umgeben von türkisfarbenem Meer.

Unvergesslicher Segelausflug mit Kapitaen John
Unvergesslicher Segelausflug mit Kapitaen John

Kaum zurück vom Trip, empfängt uns auch schon Denis, der uns den Vorschlag unterbreitet, ihn zu seinem zweiten Anwesen, einem Campingplatz in Barra, zu begleiten. Da in Inhambane auch an einem Sonntag nicht mehr los ist als am Samstag, lassen wir uns schnell überreden. Barra ist wohl noch kleiner als Tofo und es handelt sich erneut um ein kleines Paradies. Wir schliessen Bekanntschaft mit ein paar Südafrikanern und geniessen nach einem Strandspaziergang gemeinsam ein Abendessen mit ihnen. Uns werden erneut Prawns aufgetischt, die ja bekanntlich zu den Spezialitäten Mosambiks gehören! Denis bringt uns am Abend wieder zurück und wir verbringen diesmal eine etwas ruhigere Nacht in seiner Pensão!

Traumstrand in Barra
Traumstrand in Barra

Nächte Destination: Vilanculos! Es mag langsam etwas langweilig sein, doch ich muss mich einfach nochmals zur Busreise äussern. Dieser grosse, angeblich komfortable Bus ist einfach die Hölle! Man kann doch diese Transportmittel nicht so vollstopfen! Warum steigen alle Mosambikaner immer gleichzeitig ein und aus? Das Gedränge ist unerträglich! Alle Sitzplätze sind (mehrfach!) belegt und der Gang ist von hinten bis vorne einfach nur vollgestopft. Nach gut einer Stunde Fahrzeit und mehreren Stops bei grösseren Hüttenansammlungen entspannt sich die Lage etwas und wir erkämpfen uns doch noch einen Sitzplatz, den wir bis Vilanculos verteidigen können.

Weiterfahrt nach Vilanculos!
Weiterfahrt nach Vilanculos!

Vilanculos ist der Ausgangspunkt zum Bazaruto Archipel und dorthin machen wir uns am nächsten Tag gleich auf! Eigentlich wollten wir auf einer der Inseln auch übernachten, doch da sich die Übernachtungskosten in den Luxushotels auf USD 500-800 pro Person belaufen, schliessen wir diese Variante wieder aus und begnügen uns mit einem Tagestrip zur Schnorchel-Insel Magaruque. Mit auf der Tour ist auch die italienische katholische Mission, die in Vilanculos stationiert ist, bestehend aus ca. acht Personen im Alter von 30 bis 80, alle italienischen, spanischen oder portugiesischen Ursprungs. Bis auf das Gebet vor dem Mittagessen, der körperlichen Zuneigung des Padres zu seinen jungen Praktikanten und dem Bootspersonal (wobei das wohl eher auf die südländische Lebensart zurückzuführen ist als auf etwas anderes) und vielleicht noch dem gemeinsamen Gesang auf der Rückfahrt nach Vilanculos war aber wenig von einer allenfalls strengen, kirchlichen Stimmung zu spüren. Anita und ich hielten uns was körperliche Nähe anbelangt an die vom Padre gesetzten Grenzen und gaben uns höchstens heimlich einmal ein Schmützli (so viel muss Unverheirateten einfach zustehen!).

Die frischen Meeresmuscheln werden gleich an Bord verarbeitet
Die frischen Meeresmuscheln werden gleich an Bord verarbeitet

Der Ausflug war sehr lohnenswert! Schon auf der Hinfahrt springen die Tourguides ins paradiesisch-wirkende Meer und holen mit wenigen Tauchgängen ganze Kübel voll Muscheln aus dem Meer, die sie uns dann später zum Mittagessen zubereiten. Kaum auf der Insel angekommen, stürzen wir uns auch schon ins Wasser, denn es ist heiss und der Strand ist ein Traum! Leider müssen wir aber ziemlich schnell wieder an Land flüchten, denn ausgerechnet wir beide werden vermutlich von einer kleinen Qualle gestochen, was zu Beginn ziemlich stark brennt. Gott sei Dank helfen uns die Portugiesen mit einer entzündungshemmenden Crème, so dass wir nach einem Inselspaziergang, bei welchem wir unzählige Krebse beobachten, doch noch etwas schnorcheln gehen können. Nach dem Schnorcheln geht’s dann bald schon wieder zurück ans Festland und wir wandern durch Hüttendörfer zu unserer Unterkunft.

Paradiesische Insel im indischen Ozean
Paradiesische Insel im indischen Ozean

Da unser Bus nach Maputo um 4 Uhr in der früh loslegt, müssen wir noch eine Nacht bei unserem sehr stark fremdenfeindlichen Gastgeber verbringen. Ich frage mich schon, was einen dazu bringt, seine geliebte Heimat zu verlassen, wenn man dann im Ausland nur unzufrieden über die Einheimischen flucht. Gewisse Geschichten über die Angestellten wiederholen sich zwar bei sämtlichen Gastgebern und für viele Probleme hat man durchaus Verständnis, doch der Herr hier in Vilanculos überschreitet mit seinen Äusserungen wirklich jegliche Grenzen und wir trauern weder ihm noch der Unterkunft nach, als wir um drei Uhr in der früh zu Fuss zu der Busstation wandern.

In Vilanculos hat Anita endlich Bonbons gefunden und freut sich ueber die erfolgreiche Preisverhandlung (der Verkaeufer aber ebenso!)
In Vilanculos hat Anita endlich Bonbons gefunden und freut sich ueber die erfolgreiche Preisverhandlung (der Verkaeufer aber ebenso!)

Uns fällt auf, dass das Portugiesische abnimmt, je weiter man sich von der Hauptstadt Maputo entfernt. Das Xhosa, das in Südafrika weit verbreitet ist, hat uns vom Klang her sehr gut gefallen. Bei dieser Sprache waren es nicht nur die vielen, lustigen Klack-Laute, an denen wir uns erfreuen konnten, sondern auch an dem in die Wange geblasenen „Sch“. Dieser Laut ist mir wohlbekannt, da ich das „Sch“ als Kind ebenso ausgesprochen und erst nach logopädischer Behandlung aufgegeben habe. Hier in Mosambik gefällt uns die Sprache allerdings etwas weniger gut (der Gerechtigkeit halber müssen wir aber zugeben, dass es etwa 20 Sprachen gibt und wir nicht beurteilen können, welche uns hier etwas negativ aufgefallen ist), da das Ganze etwa so klingt: „Eeh…eehh…eeh…ng…eeh…psss..ng…ng…eeh…eeh…ng“.

Damit wären wir auch schon wieder beim Kommentar zur Busreise, die diesmal etwa zwölf Stunden dauert. Es ist zwar nicht sooo voll, doch es stinkt nach einem Gemisch aus Urin, Schweiss, Nahrungsmitteln und Abfall (obwohl der Abfall immer wieder mal entsorgt wird, d.h. aus dem fahrenden Bus geschmissen). Geruchsadaptation findet leider nicht statt – auch nach zwölf Stunden nicht! In der Dreierreihe neben uns teilen sich etwa drei Erwachsene und drei Kinder die Sitze. Spagetti werden mit der Hand gegessen. Pausen werden kaum eingelegt. Wir halten dreimal, wovon zwei Stops auf Reifenplatzer zurückzuführen sind. Der fahrende Komposthaufen erreicht dann doch noch Maputo und wir können es kaum erwarten, ein einigermassen gutes Hotel aufzusuchen, was uns auch recht schnell gelingt!

Wir sind froh, wieder in Maputo zu sein und fühlen uns hier extrem viel wohler als noch bei unserer Ankunft vor knapp zwei Wochen. Hier können wir unsere Rückreise organisieren und nochmals etwas durch die Stadt schlendern. Unangenehme Gefühle erleben wir eigentlich nur, als wir von der Polizei angehalten werden, die unsere Pässe kontrollieren will, denn es schwingt immer der Gedanke mit, dass man demnächst so lange schikaniert wird, bis man dann endlich Bakschisch hinüberschiebt. Der Polizist salutiert und verlangt den „Passaporto!“. Wir sind sehr glücklich, dass wir unsere notariell beglaubigten Passkopien dabei haben, die gründlich untersucht werden. Uff, der Polizist stellt fest: „Correcto!“ und wir können weiter! Auch bei der zweiten Polizeikontrolle am Abend kommen wir ungeschoren davon, wobei diesmal für die Dokumentprüfung viel weniger Zeit aufgewendet wird.

Nach zwei Übernachtungen in Maputo verlassen wir Mosambik um ein paar Tage im Krüger-Park in Südafrika zu verbringen. Mosambik war eine tolle Erfahrung für uns, denn wir konnten traumhafte Strände, herzliche Menschen und eine charmante Hauptstadt geniessen, mussten auf der anderen Seite aber auch ziemliche Strapazen auf uns nehmen und unsere Bedürfnisse etwas zurückstellen. In Südafrika angekommen, fühlen wir uns gleich wie zu Hause und geniessen erstmal mit Freude die Vorzüge der ersten Welt….

Wir sind erfreut, dass unser Blog so rege besucht wird und sind begeistert, dass wir es sogar zur Klolektüre (so wurde uns zumindest von einem Leser berichtet) geschafft haben. In diesem Sinne wünschen wir euch allen weiterhin eine gute Verdauung, denn unsere zeigt sich zurzeit leider eher etwas von der komplizierteren Seite!

3. Reisebericht: Südafrika – Start in Kapstadt

September 24, 2009

Von Thomas

Nach knapp drei Wochen Namibia (und etwa 4’500km Autofahrt) ziehen wir weiter nach Südafrika. Vor uns steht eine 18-stündige Busfahrt von Windhoek nach Kapstadt. Dass das Busunternehmen das Rauchen im Bus verbietet, ist für mich gut nachvollziehbar, dass es allerdings auf Aufklebern auch verlangt, dass im Umkreis von zehn Metern ausserhalb des Busses auf das Rauchen verzichtet wird, halte ich rein umsetzungs- und kontrolltechnisch für schwierig. Egal – wir machen es uns im „Intercape Sleepliner“ gemütlich und lauschen erst einmal den Sicherheitshinweisen, die uns in einem Film präsentiert werden. Die Sicherheitshinweise sind relativ knapp, umso länger dauert das gemeinsame Gebet, das im Anschluss gezeigt wird. Auch das etwas später folgende Entertainmentprogramm besteht lediglich aus einem Summary der zehn Gebote und einer Boygroup, welche ein christliches Lied zum Besten gibt. Bemerkenswert auch der SMS-Priester-Service, der von „Intercape Sleepliner“ angeboten wird. Sende „Prayer“ an die Nummer XXX und schon bist du mit einem Priester in Kontakt! Mit Gottes Hilfe finden wir aber relativ schnell ein paar Stunden Schlaf und treffen bald schon in Kapstadt ein, wo uns „Intercape Sleepliner“ gleich schon mit einem Gebet empfängt! Wir danken dem Herrn, dass er uns heil ans Ziel gebracht hat und so langsam beginne ich daran zu zweifeln, ob die Busse wirklich in solch einem einwandfreien Zustand sind, wie sie nach aussen scheinen.

Wir jauchzen und frohlocken, denn wir freuen uns darauf, ein neues Land und eine neue Stadt zu entdecken, doch spätestens beim dritten Halleluja wird uns bewusst, wie windig und kühl uns Kapstadt empfängt, was unsere anfängliche Euphorie doch etwas dämpft. Wie gut, dass wir unser Gepäck erstmals ein längeres Stück zu Fuss transportieren müssen, denn so geraten wir doch noch etwas ins Schwitzen. Trotzdem sind wir froh, endlich unseren Backpacker zu erreichen, da nicht nur die Last des Gepäcks anstrengt, sondern auch die zahlreich vertretenen Obdachlosen, welche zumindest in Bezug auf Kontaktfreudigkeit in der obersten Liga spielen. Wir freunden uns mit unserer Unterkunft an, verlassen diese dann – ohne erkennbaren Trennungsschmerz zu empfinden – relativ rasch, um uns vor dem Abendessen in einem äthiopischen Restaurant noch ein Willkommensbier in einem irischen Pub zu gönnen. Kapstadt ist voll von sehr netten Restaurants, Bars, Clubs und Cafés und ist uns in dieser Hinsicht sehr sympathisch! Umgeben von Bergen mit einer faszinierenden Pflanzenwelt und traumhaften Stränden ist sie auch optisch wunderschön anzusehen. Wie aber schon erwähnt, hat Kapstadt auch eine etwas düstere Seite, da man permanent mit einer gewaltigen Armut konfrontiert ist, bei der es einem ziemlich unwohl werden kann. Man kann sich selten richtig unbeschwert bewegen und muss immer ein wenig auf der Hut bleiben. Daran muss man sich erst gewöhnen…

September 2009 209
Tafelberg in Kapstadt – es ist kühl und windig

Bevor wir uns am nächsten Tag in den Sightseeing-Bus setzen (Wir gestehen hier öffentlich, dass wir das nicht zum ersten Mal machen, da wir dies für eine ausgezeichnete Möglichkeit halten, einen Überblick über die Stadt zu gewinnen. Gleichzeitig machen wir aber darauf aufmerksam, dass wir Sightseeing-Züglein meiden, da wir diese doof finden.), trinken wir noch einen „organic“ Kaffee in einem gesunden und trendigen Lokal. Da ich ungesunder weise noch meine Zigarette fertigrauchen möchte, lasse ich Anita schon mal vorgehen. Wer in Kapstadt orientierungslos wirkt oder einfach nur stehen bleibt auf der Strasse, wird in der Regel sehr rasch in Kontakt treten mit einem Obdachlosen. Bei mir taucht er auf wie aus dem Nichts. Es handelt sich um einen älteren Herrn mit schwerwiegenden Zahnproblemen und einer Gitarre in der Hand. Und er singt und schrumpelt die Gitarre. Er singt mir irgendwelche Liebeslieder und ich komme mir irgendwie blöd vor als einziger Zuhörer. Da ich der Situation nicht entkommen kann, muss ich sie einfach über mich ergehen lassen und das Beste daraus machen. So summe ich eben ein wenig mit, rauche die Zigarette fertig und bedanke mich mit ein paar Rand, bevor ich, ohne mich zu verlieben, wohl aber die musikalische Leistung anerkennend, in das Café flüchte.

Am Abend besuchen wir das Jazz-Konzert in unserem Backpacker. Wir haben das Glück, dass jeden Tag musikalische Veranstaltungen in unserer Unterkunft aufgeführt werden. Das Fehlen von isolierenden Wänden ermöglicht es uns, dass wir nichts verpassen, selbst wenn wir in unserem spartanischen Zimmer bleiben würden. Lange Zeit war ich der Überzeugung, dass sich die Band erst warm macht und sich etwas einspielt, bis ich am Applaus des spärlich vorhandenen Publikums erkennen konnte, dass das Konzert bereits in vollem Gange war. Dass ich nur mit Mühe zwei Stücke voneinander unterscheiden konnte, liegt lediglich an meinem Unvermögen, nicht an dem der Musiker. Diese haben ihren Auftritt prima hingekriegt und mit der Zeit konnte selbst ich mich ganz gut in die Musik einleben.

Da wir uns in einer der grössten Weinregionen der Welt befinden, haben wir für den nächsten Tag eine Wein-Tour gebucht. Auf dem Programm stehen vier Weingüter mit Besichtigung der Produktionsanlagen und anschliessender Degustation. Die Weinprobe hat es in sich, denn die Weine sind ausgezeichnet und die Weinproduzenten grosszügig. Mit roten „Bäckli“, grosser Zufriedenheit, aber auch einem Mangel an Vitalität kommen wir am Abend zurück nach Kapstadt, wo wir es gerade noch ins Restaurant schaffen, um den erlebnisreichen Tag bei einem saftigen Stück Kudu und etwas Vegetarischem gebührend zu beenden. Der Tag hat sich gelohnt und wir schlafen ausgezeichnet ein, ohne die leiseste Ahnung zu haben, welches Konzert an diesem Abend gespielt wird!

September 2009 211
Unterwegs im Weingebiet zwischen Stellenbosch und Franschhoek

Für den nächsten Tag haben wir eine Township-Tour gebucht. Es geht darum, dass einem das Leben in den zahlreichen Armenvierteln in der Vorstadt näher gebracht wird. Den Tag beginnen wir im District Six-Museum, wo eindrücklich aufgezeigt wird, wie zu Zeiten der Apartheid ein ganzes Viertel mit schwarzer und farbiger Bevölkerung niedergewalzt wurde. Dann bringt uns unser Führer nach Langa, einem der Elendsviertel am Rande der Stadt. Sehr schnell wird unsere Gruppe sprachlos, denn wie drastisch sich die Welt von einer Sekunde auf die nächste wandeln kann, hätten wir wohl kaum für möglich gehalten. Die Unterkünfte bestehen plötzlich nur aus Brettern und es reiht sich eine krumme Brett- und Wellblechhütte an die nächste. Wir sind eingeladen in ein lokales Pub um afrikanisches Bier zu kosten. Einen Moment lang wäre ich am liebsten gar nicht aus dem Bus gestiegen, denn mich überkommt plötzlich ein schreckliches Schamgefühl. Ich schäme mich für die unbeschreiblichen Lebensunterschiede, für unseren unermesslichen und kaum geschätzten Wohlstand und für die Tatsache, dass bei uns jede Hundehütte hundertmal besser aussieht als hier eine Behausung für eine ganze Familie. Das Pub ist einfach eine Hütte, die etwa doppelt so gross ist wie die anderen Hütten; im Lokal wird mit offenem Feuer geheizt. Im Pub hat es bereits Gäste und es wurde auch schon ein Kübel Bier gebraut. Wir trinken alle aus demselben Kübel, wobei es die Tradition verlangt, dass der Gastgeber als erster kostet um den Gästen die Sicherheit zu geben, dass das angebotene Nahrungsmittel in einwandfreiem Zustand ist. Trotzdem braucht es Überwindung auf die Einladung einzugehen, wenn einem plötzlich der Kübel an den Mund gehalten wird. Wir tun es aber dennoch und lassen die prekären hygienischen Verhältnisse und die Schweinegrippe erstmal ausser Acht.

September 2009 215
Beim afrikanischen Bier im Pub

Im Anschluss besichtigen wir unterschiedliche Wohnungen bzw. Behausungen und bleiben nach wie vor in unserem Schockzustand gefangen. Zwischen den Bewohnern gibt es klare soziale Unterschiede, wobei dies vor allem an den unterschiedlichen Unterkünften ersichtlich wird. Die Bewohner von Langa nennen das etwas anschaulichere Gebiet in ihrem Township „Beverly Hills“. Langa ist eine Stadt in der Stadt und es existieren eine gewisse Infrastruktur, eine Verwaltung und kommerzielle Aktivitäten. Es gibt z.B. Sportclubs, Geschäfte und einen Medizinmann. Diesen besuchen wir auf unserer Tour als nächstes. Seine Praxis ist eine ziemlich grosse Hütte, in der es sehr dunkel ist. Er braucht den Platz, denn die Hütte ist vollgestopft mit Tierfellen, -häuten und diversen Innereien, sowie Sträuchern, Pulvern und viel Ramsch. Wir erhalten die Gelegenheit, dem Medizinmann Fragen zu stellen, was wir zwar eifrig tun, doch wir verstehen leider nicht alles, was uns geantwortet wird, was teilweise sicherlich auch auf das Englisch des Medizinmannes zurückzuführen ist. Sein Wissen hat er von seinen Vorfahren erworben, welche ihn auch daran gehindert haben zur Schule zu gehen, damit er sich voll auf die Tätigkeit als Medizinmann konzentrieren kann. Offenbar hat er aber zuvor noch irgendwo gearbeitet. Unser Führer hat mir mitgeteilt, dass der Medizinmann auch hellseherische Fähigkeiten hat. Er konnte beispielsweise voraussehen, dass er am kommenden Tag seinen Job verlieren würde. Und siehe da! So ist es geschehen! Das war, wenn ich es richtig verstanden habe, der Tag, an welchem er dann tatsächlich auch als Medizinmann aktiv wurde. Die Zeit war quasi reif. Da der Mann ja eher in Anitas Metier tätig ist, haben sich die beiden noch über die Behandlung von spezifischen Beschwerden unterhalten, wobei ihn Anita nicht darüber aufgeklärt hat, dass auch sie in ihrer Laufbahn bereits Medikamente verschrieben hat. Das Gespräch war, soviel ich mitgekriegt habe, auch eher etwas oberflächlich, da er ihr höchstens irgendein Pulver gezeigt hat, nicht aber näher auf die Inhalts- und Wirkstoffe eingegangen ist. Offenbar gehen aber in Südafrika – zumindest teilweise – Schulmedizin und alternative Behandlungsmethoden gemeinsame Wege. Da die Medizinmänner bei einem sehr grossen Teil der Bevölkerung sehr geachtete Menschen sind, ist dieser gemeinsame Weg sicherlich nicht falsch, obschon ich mir nicht genau vorstellen kann, wie dieser Weg aussehen soll.

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Zu Besuch beim Medizinmann in Langa

Wir beenden die Tour mit der Besichtigung eines Hilfsprojekts, das Müttern die Gelegenheit gibt, ihr Kind in eine Krippe bzw. einen Kindergarten abzugeben und dabei einer Tätigkeit nachzugehen. Als wir in die Krippe kommen, üben die Kinder gerade eine Weihnachtsaufführung. Afrikanische Kinder schliesst man sofort ins Herz, denn sie sind Weltmeister im Strahlen und das grösste für sie ist es, auf einem Foto posieren zu können. Diese Gelegenheit geben wir ihnen im Anschluss sehr gerne und werden geradezu überrannt!

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Ansturm fürs Fotocasting

Den Nachmittag verbringen wir auf Robben Island, einer Gefängnisinsel vor Kapstadt, auf welcher vor allem politische Gefangene, darunter auch Nelson Mandela (27 Jahre lang), gefangen waren. Die Guides sind ehemalige Gefangene, die von ihrer Erfahrung und den Praktiken zu Zeiten der Apartheid berichten. Aus unserer Sicht ein sehr lohnenswerter Ausflug!

Am Abend sind wir eingeladen zu einem Braai in Stellenbosch bei einem alten Schulkameraden und –schatzi von Anita. Thomas heisst er und da er sechs Jahre in Stellenbosch studiert und doktoriert hat und mit einer Südafrikanerin zusammenlebt, kommt an diesem Abend ein kunterbunter Mix aus ganz schön vielen netten Leuten zusammen und wir geniessen einen unterhaltsamen Abend bei viel Fleisch und Bier! An dieser Stelle danken wir den beiden nochmals für den gelungenen Abend und die Einladung!

Den nächsten Tag verbringen wir mit Waschen und Organisieren der Weiterfahrt, spazieren aber auch noch ein wenig in der Stadt umher. An der Waterfront gehen wir noch etwas shoppen und finden schnell heraus, dass Reiseequipment in Südafrika deutlich günstiger ist als in der Schweiz! Anita kauft sich ein paar Trekkingschuhe, wobei ich nicht begreifen kann, dass der Hersteller das Schuhmodell „Masochist“ getauft hat. Noch weniger begreife ich aber, wie jemand dann ein solches Modell kaufen kann, doch darauf wir Anita sicherlich in einem späteren Bericht noch eingehen!

September 2009 280
 

 

 

 

 

 

 

Interessante Entdeckung im Supermarkt

Unsere Reise geht weiter entlang der südafrikanischen Küste nach Osten und wir nehmen uns das indische Sprichwort, das uns Renate mit auf den Weg gegeben hat, weiterhin zu Herzen: „Wenn dein Pferd tot ist, steig ab.“

1. Reisebericht: Namibia – der Sueden

September 10, 2009

von Thomas

Namibia, was für ein Land! Nambia ist so, wie Gott die Welt erschaffen hat. Unendlich gross und weit, unberührt, ursprünglich und unglaublich schön. Beim Anflug war es uns allerdings schon etwas mulmig. Da verbringt man so viele Stunden im Flugzeug und freut sich darauf, dass es endlich losgeht, doch beim Blick aus dem Fenster sieht man einfach nur ein unendliches Nichts, eine Steppe und ein paar Berge. Was machen wir hier eigentlich und wie soll man dieses nicht enden wollende Land überhaupt erkunden?

Der Flughafen von Windhoeck, immerhin Landeshauptstadt mit etwa 250‘000 Einwohnern, ist sehr übersichtlich. Unsere B-737 der Air Namibia ist das einzige grössere Flugzeug auf dem Flughafen und man geht bequem zu Fuss in das Flughafenhauptgebäude, wo man von der relativ unkomplizierten Zollbehörde empfangen wird. Wichtig ist, dass man auf alle Fragen auf dem Einreiseformular eine Antwort gibt. Ein holländisches Paar, das vor uns in der Reihe stand, wusste noch nicht, wo es die erste Nacht verbringen wird und hat daher keine Unterkunft im Formular angeben können, was die Dame vom Zoll dazu bewog, einen äusserst scharfen Ton anzusetzen. Die Lage hat sich aber ebenso schnell entspannt, als das Paar irgendeine Unterkunft angegeben hat, das sie aus unserem Reiseführer entnommen hat.

Wir werden von unseren im Voraus gebuchten Taxichauffeuren empfangen und fahren erst mal zu unserer Unterkunft in Windhoeck. Plötzlich ist man mittendrin in einer endlosen Landschaft, umgeben von hohen Bergen – und was vom Flugzeug aus irgendwie öde aussah, wirkt nun unglaublich faszinierend!

Endlich sind wir im B&B Kashima angekommen und werden von den sehr freundlichen Besitzern, Jeanette und Jacques, empfangen. Leider aber auch von einem grossen Rottweiler namens Rübe und einem weiteren Hund, der keiner Rasse eindeutig zuzuordnen ist. Trotz fehlenden Stammbaums erscheint uns der Name Ugly aber etwas unfair, zumal der Hund doch einen sehr hübschen Eindruck hinterlässt. Dass die hunde-scheue Anita Rübes Forderung nach Streicheleinheiten nur wenige Stunden später ohne mit der Wimper zu zucken nachkommen würde, hätte ich bei Ankunft nicht für möglich gehalten. In der Tat sind uns die Hunde aber richtig ans Herz gewachsen. Wir beenden den Abend bei einem Windhoeck- und Tafel-Bier und kommen auch schon zum ersten Mal in den Genuss eines Braais. Braai ist mehr als einfach nur Grillieren. Braai scheint mir ein fester Lebensbestandteil, ein Stück Kultur, eine echte Lebensart der Menschen hier zu sein. Wir werden später überall in unseren Unterkünften Braai-Plätze sehen, was bei der ausgezeichneten Fleischqualität, –vielfalt und –menge auch sehr gut nachzuvollziehen ist!

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Anita hat viel Spass mit Ruebe

Am nächsten Tag schauen wir uns ein wenig in Windhoeck um, erledigen Einkäufe und holen unser Auto ab. Es handelt sich um einen schneeweissen Golf der ersten Generation, der in Südafrika immer noch hergestellt wird. Der Einer nennt sich hier Chico, wir haben offenbar die Version TenaCiti. Wir sind ganz zufrieden und gewöhnen uns auf der Rückfahrt ins Kashima erst mal an den Linksverkehr. Jeanette und Jacques haben uns angeboten, mit uns einen Ausflug in die Berge zu unternehmen, was wir natürlich dankend annehmen. Die Fahrt mit dem 4×4 auf den holprigen Pfaden ist ein echtes Erlebnis! Die Hunde kommen mit, müssen aber die Berge, welche bis zu 2‘500 Meter über Meer liegen, hochrennen. Die Aussicht ist phantastisch und wir sind hellbegeistert! Auf der Rückfahrt dürfen auch wir uns hinter das Steuer setzen, was ein echtes Erlebnis ist. Jacques meinte, es störe ihn nicht, wenn die Büsche das Auto zerkratzen, Ziel sei es aber schon, den Büschen etwas auszuweichen. Ich nehme seinen Rat zur Kenntnis und lasse uns mehr oder weniger gemütlich hinunterrollen!

Mit Jeanette und Jacques hoch ueber Windhoeck

Mit Jeanette und Jacques hoch ueber Windhoeck

Am nächsten Morgen geht es dann auf eigene Faust richtig los – und zwar in Richtung Swakopmund an der Atlantikküste! Schon nach wenigen Kilometern fahren wir an einem dicken Affen vorbei, der völlig unberührt vom Verkehr am Strassenrand sitzt. Wenig später rasen flinkere Artgenossen über die Strasse. Wir fahren etwas vorsichtiger und erreichen nach wenigen Stunden unser Ziel, das B&B Veronica in Swakopmund! Swakopmund wird zwar als Tourismushochburg betitelt, doch was wir antreffen an diesem Wochenende ist in einem absoluten Tiefschlaf versunken. Die Stadt ist sehr sauber und sehr deutsch. Ausserdem ist es etwas neblig und sehr kalt. Da reist man um die halbe Welt um Neues zu entdecken und kehrt nach tausenden von Kilometern im Café Anton im Schweizerhof ein um einen Kaffee zu schlürfen und geht abends ins Brauhaus, wo Weisswurst, Eisbein und Schweinebraten serviert werden… Aber lecker war es ja schon und am nächsten Tag kriegen wir eine Portion Afrika serviert, da wir eine Tour in die Namib Wüste gebucht haben, um die „small five“ zu entdecken. Wir wollen uns mal die kleinen Bewohner der Wüste anschauen…

Unser Tourguide, Thommi, ist ein echter Wüsten-Guru. Bevor es losgeht, fahren wir aber noch in die Waschanlage um das Wüstenmobil zu reinigen. Schätzungsweise zehn Reinigungskräfte rennen mit ihren Putzlappen um das Fahrzeug, um dieses völlig unsystematisch und ineffizient sauber zu bekommen. Ich würde sagen, dass die Aufgabe dann aber doch noch nach ziemlich langem Warten zu gut 70% erfüllt wurde. Der Führer, ca. 50 Jahre alt, anfangs etwas wortkarg, entpuppt sich als sehr lustiger Mensch mit grossem Wissen und Erfahrung. Das Tempo der Wüstenfahrt richtet sich nach seinen Entdeckungen. Plötzlich hält Thommi den Wagen an, steigt aus, rennt wie verrückt im Kreis herum im Wüstensand und keiner weiss, ob Thommi nicht dringend medizinische Hilfe in Anspruch nehmen muss. Schliesslich kehrt er aber mit breitem Grinsen zum Wagen zurück und präsentiert, was er soeben gefangen hat. Wir finden so ziemlich alles, was wir finden wollten: Chamäleons, Geckos, Blindschleichen, Eidechsen, Käfer und auch Schlangen. Vieles darf man auch berühren und wir sind ganz gerührt! Anita lässt sich mindestens drei Würmchen vom Chamäleon auf ihrem Arm wegfressen! Zufrieden kehren wir zurück nach Swakopmund, wo uns der Wind wieder kräftig um die Ohren bläst!

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In der Wueste mit Thommi

Der nächste Tag kann als Beginn des echten Abenteuers angesehen werden. Vor uns steht die erste Strecke auf den Strassen der Kategorie „C“. Die Einstufung „C“ deutet darauf hin, dass sich diese Strassen in weniger gutem Zustand befinden. Noch bevor es losgeht, stellen wir fest, dass unser Golf bereits jetzt schon eine Reifenpanne hat – eine lange Schraube hat sich in den hinteren Reifen gebohrt, weshalb sich die Abreise verzögert. Mit dem Golf plötzlich mitten in der Wüste zu stecken, weit und breit nichts, mit nur einem Reserverad im Koffer, ist ein sehr besonderes Gefühl. Gefesselt von der Landschaft und der Einsamkeit kämpfen wir uns Kilometer für Kilometer Richtung Solitaire, wo es angeblich den besten Apfelkuchen in ganz Namibia geben soll. Auf den Strassen Namibias ist es Usanz, sich zu grüssen. Ich entscheide mich für das bei Chauffeuren öffentlicher Verkehrsbetriebe verbreitete „Zeigefinger-Mittelfinger-von-der-Faust-gestreckt“-Zeichen und stelle fest, dass die Grussfreudigkeit der Verkehrsteilnehmer massiv steigt, je verlassener die Gegend und je unwegsamer die Strasse ist. Das gilt insbesondere auch für uns, denn Zwei-Rad-Antrieb-Fahrzeuge sind auf dieser Strecke selten anzutreffen und je weiter man fährt, desto stärker wird einem bewusst, wie abhängig wir von möglichen „Helfern“ und von unserem Wagen, welchen wir später liebevoll “Golfi“ nennen werden, doch sind. Irgendwann erreichen wir Solitaire, einen kleinen Ort mitten im Nichts, bestehend aus einem Camping, einer Tankstelle und einer Bäckerei. Der Bäcker, der seiner Statur nach zu urteilen nach dem Motto „eins für dich und eins für mich“ lebt, leistet ausgezeichnete Arbeit (zumindest was die Apfelkuchen anbelangt) und wir brechen gestärkt auf, um die letzten 60 Kilometer zur Namib Desert Lodge anzugehen. Dort erwartet uns, leider schon etwas spät, ein kleines Paradies in einer ausgesprochen reizvollen Umgebung!

Mit Golfi in der Wueste

 

 

 

 

 

 

Mit Golfi in der Wueste

Schon um 4 Uhr stehen wir am nächsten Tag auf um möglichst früh beim Eingangstor in Sesriem zu sein, von wo aus man nach Sossousvlei weiterfährt um sich die faszinierende Dünenlandschaft anzusehen und Wanderungen zu unternehmen. In der Dunkelheit auf der Schotterstrasse zu fahren ist leicht unheimlich, doch schon bald begrüsst uns ein prächtiger Sonnenaufgang. Wir fahren vorbei an Springböcken, Oryx-Antilopen und Straussenvögel und wissen gar nicht so recht, was wir zuerst anschauen sollen: Die Landschaft, die Tierwelt oder vielleicht doch die Strasse? Mit einem Shuttle für Personen ohne 4×4-Wagen, fahren wir etwa vier Kilometer an den Fuss der Dünen. Wir begeben uns auf eine Wanderung auf den Big Daddy, eine etwa 375 Meter hohe Düne, die zu den höchsten der Welt zählt. Der Aufstieg zerrt an den Kräften, insbesondere ein relativ kleines, sehr steiles Stückchen, welches wir auf der eingeschlagenen „Abkürzung“ zwar im Voraus gesehen und in Kauf genommen, jedoch völlig unterschätzt haben. Verfolgt wurden wir von zwei Japanern, die, clever wie auch wir, ebenfalls die „Abkürzung“ gewählt haben. Dass der ältere des Japaner-Duos den Aufstieg überlebt hat, liess sein Gesichtsausdruck nicht gerade erkennen, wohl aber die Schweissspur, die er in den Dünen hinterlassen hat. Noch nie habe ich einen Japaner gesehen, der so erschöpft war, obschon ich zugeben muss, dass ich wahrscheinlich noch überhaupt nie in meinem Leben einen erschöpften Japaner gesehen habe. Als Belohnung winkte uns (auch den Japanern) der steile Abstieg durch den Wüstensand. Man kommt sich vor, als würde man den Big Daddy in Zeitlupe hinunterrennen, obschon man eigentlich Vollgas gibt. Knietief steckt man barfuss im Sand und kann so ziemlich jeden „Stunt“ hinlegen, den man möchte, denn man fällt auf jeden Fall federleicht! Nach drei, vier Stunden sind wir wieder erschöpft zurück beim Auto und merken uns für das nächste Mal, dass man sich durchaus auch zweimal vergewissern sollte, ob man auf die Wüstenwanderung genug Wasser mitgenommen hat. Ein halber Liter für zwei Personen ist jedenfalls zu knapp! Wir merken uns ebenfalls, dass das Tragen einer Wollmütze in der Wüste zu starken Schweisstreiben führt und daher eher ungeeignet ist. Das haben wir am Beispiel des älteren Japaners gesehen (übrigens der erste Japaner mit Wollmütze in der Wüste in meinem ganzen Leben).

Anita und Thomas auf dem Big Daddy

Anita und Thomas auf dem Big Daddy (fotografiert von einem Japaner)

 Da Namibia unendlich gross ist, können wir nicht direkt nach Aus weiterfahren, sondern müssen einen Zwischenstopp einlegen in Maltahöhe. Dies ist einer der Orte auf dieser Welt, den man nicht unbedingt gesehen haben muss. Überhaupt sind die Städte bzw. Dörfer bzw. Häuseransammlungen mit Menschenleben nicht sehr spektakulär in Namibia. Von Städtereisen würden wir dringend abraten. Wir staunen aber nicht schlecht, als uns der durchaus freundliche, leicht beschwipst wirkende Tankwart seine Sammlung von Unterschriften präsentiert. Er bittet jeweils alle Reisenden, die kurz Halt in Maltahöhe machen, sich auf den Wänden seines Tankshops zu verewigen. Und siehe da: Es scheint, als habe sich hier schon die halbe Welt blicken lassen! In unserer Unterkunft, dem Hotel „Maltahöhe“, werden wir nicht nur vom Wirt, sondern auch von einem Pittbull begrüsst, was bei uns nur begrenzte Begeisterung auslöst. Das Hotel hat Ostblock-Charme und einen netten Biergarten, wo wir uns mit einem älteren belgischen Paar unterhalten, das auch mit einem VW Chico unterwegs ist. Abends speisen wir im hoteleigenen Restaurant und lauschen den Skihütten-Gaudi-Halli-Galli-Klängen, die aus der Bar in den Speisesaal strömen. Anschliessend verabschieden wir uns von den Gästen an der Bar (u.a. der Tankwart und sein Doppelgänger) und dann flieg, flieg, fliegen wir wie ein Vogel ins Bett, denn wir sind nicht mehr so stark, stark, stark wie ein Tiger…

Am nächsten Tag fahren wir über eine gute Schotterstrasse nach Aus. Das „Klein-Aus-Vista“ ist eine tolle Unterkunft! Wir gehen am Nachmittag drei Stunden wandern und geniessen am Abend einen phantastischen „Sundowner“ und spielen noch ein wenig „Shithead“, ein intelligentes Kartenspiel, bei welchem wir uns einen knallharten Kampf liefern. Da Anita etwas im Rückstand ist, spricht sie bereits davon, dass wir wohl eher auf ein Würfelspiel ausweichen sollten. Kommt vorerst nicht in Frage!

Auf Wanderung bei Aus

Auf Wanderung bei Aus

Unsere nächste Destination heisst Ai-Ais, ein Wohlfühlort mit heissen Thermalquellen. Den Namen erhielt der Ort vermutlich von einem in der Schweiz lebenden italienischen Gastarbeiter, der hier vor vielen Jahren seinen Finger in das Thermalwasser gehalten hat und meinte „Ai-Ais“ (ich versuche gerade den Blog so richtig witzig zu gestalten, sorry). Auf dem Weg dorthin wurden wir leicht in die Irre geführt, denn direkt vor einer der wenigen Abzweigungen stand ein riesengrosses Schild mit der Aufschrift „Ai-Ais Lodge, Pfeil nach rechts, 25km“. Obschon das nicht unbedingt dem Weg gemäss Strassenatlas entsprach, wollten wir es doch wagen. Anita wies zudem darauf hin, dass „Ai-Ais“ ja nur „warme Quelle“ bedeutet, und dass es daher wohl verschiedene „Ai-Ais“ gibt. Natürlich führte der Weg nirgendwo hin, so dass wir uns entschlossen, eine Strasse der Kategorie „D“ einzuschlagen, um per Abkürzung wieder auf unsere ursprüngliche Route zurückzukehren. Wir sind dann irgendwo im Sand steckengeblieben und mussten unsere Muskeln und die mit sehr viel Staub in Kontakt getretenen Lungen sehr stark beanspruchen um uns da wieder rauszubringen. An dieser Stelle danke ich Anita nochmals für den tollen Einsatz! Nach über 600km Fahrt haben wir dann unser Ziel doch noch erreicht und konnten uns in den warmen Quellen prima erholen!

Am nächsten Morgen fuhren wir zum Fish River Canyon, dem zweitgrössten Canyon der Welt! Wir haben einen von drei Trampern mitgenommen, die beim Eingangstor auf Mitfahrgelegenheit warteten. Die drei sind per Autostopp in Namibia unterwegs und hatten soeben einen dreitätigen Fussmarsch durch den Canyon hinter sich. Der Geruch im Auto war auszuhalten und die Unterhaltung war ganz nett. Wir waren froh, dass wir nur Tim ins Auto quetschen konnten, denn sein Bruder war offenbar bereits in einem fortgeschrittenen Verwesungsstadium. Der Canyon ist überwältigend und wir können kaum aufhören, Fotos zu machen! Wir bitten euch jetzt schon, für unseren Dia-Abend zwei Übernachtungen zu buchen!

Fish River Canyon

Anita und Thomas auf dem Fish River Canyon

Auf dem Weg nach Keetmannshoop versuchen wir wieder unseren Lieblingssender zu empfangen. Der deutschsprachige Rundfunk „aus Windhoeck für ganz Namibia!“ ist das informative Radio mit der persönlichen Note. „Soeben berichtet uns ein Hörer, dass es etwa 42km nördlich von Otjiwarongo vermutlich zu einem Unfall gekommen ist. Bei der Besichtigung der Unfallstelle sind unserem Hörer zwei Bull Terrier, sogenannte „Schweinehunde“, aufgefallen, die sehr verschüchtert waren. Vielleicht besteht die Möglichkeit, dass sich das lokale Tierheim der Sache annimmt“. Diese Meldung ist mindestens dreimal durchgegeben worden, anschliessend folgte dies: „Soeben haben wir einen Anruf von Frau Niedermeyer erhalten. Sie hat die Frau Bauer vom lokalen Tierheim in Otjiwarongo angerufen und ihr vom Unfall berichtet. Frau Bauer ist so freundlich und wird die Unfallstelle besichtigen, wobei sie noch nach einem geeigneten Fahrzeug sucht, um die Tiere allenfalls abtransportieren zu können. Vermutlich wird sie aber schon in etwa 15-20 Minuten losfahren können.“. Interessant ist auch die Wettermeldung von der Praktikantin bei unserem Lieblingssender: „Ja, und am kommenden Montag erwarten wir eine Wetterverschlechterung, was ich natürlich nicht so toll finde, da ja dann mein Urlaub beginnt…“. Es kommt auch schnell mal vor, dass ein falsches „Knöpfchen“ gedrückt wird, so dass statt Roland Kaiser doch nur italienische Schnulze zu hören ist oder ein Beitrag einfach ein zweites Mal gesendet wird. Leider scheint es heute mit dem Empfang nicht so gut zu klappen…

In der Nähe von Keetmannshoop besichtigen wir eine Geparden-Farm (Geparden gehören übrigens in die Familie der Hunde und nicht etwa der Katzen), was uns ziemlich beeindruckt, denn wir sind mit den Tieren im Gehege und erhalten die Möglichkeit, eines der Tiere anzufassen, ja gar richtig zu streicheln. Dies ist nur möglich, solange die Tiere ihren Kudu verschlingen. Diese Gelegenheit hat Anita nicht ausgelassen, ich hingegen schon, da der Gepard, als ich dann an der Reihe war, plötzlich sein Fleisch nicht mehr gekaut, sondern nur blöd in der Gegend herumgeschaut hat. Später berichtete uns Jeanette, dass es gerade kürzlich zu einem schrecklichen Unfall auf einer dieser Farmen gekommen ist, bei welchem ein Freund eines Bekannten von ihr von solch einem Tier angegriffen worden ist. Ich sage nur: „Sicher isch sicher, he.“.

Anita mit Gepard

Anita mit Gepard

Im Anschluss sehen wir uns noch die „Kookerbooms“ an und verbringen den Abend dann im „Schützenhaus“ bei Wildspiess und einem Salatteller! Auf dem Weg zurück nach Windhoeck übernachten wir in Mariental, einem weiteren Ort, den man nicht gesehen haben muss. Unser Chalet ist zwar gemütlich, doch die Lage an der Strasse der Kategorie „B“ ist nicht gerade verlockend und weit und breit gibt es kaum etwas, was man besichtigen könnte. Wir faulenzen also etwas herum und bereiten uns auf die Nacht vor, da hier verschiedenes – nicht nur der Wächter der Anlage – darauf hinweist, dass es zu (zahlreichen?) Einbrüchen kommt. Bevor wir aber ins Bett gehen kämpfen wir noch mit einer Spinne, wobei der Kampf unentschieden ausfällt, denn beide Parteien leben immer noch! Auch die Nacht haben wir ohne Raubüberfall überlebt, vermutlich vor allem Dank meinem ausgeklügelten Sicherheitssystem, bei welchem sämtliche Möbel vor die Türen und Fenster gestellt wurden!

Tja, und nun sind wir wieder in Windhoeck angelangt, wo wir etwas entspannen, weiter organisieren und waschen werden! Im B&B Kashima angelangt, fühlen wir uns fast schon wie zu Hause! Bald geht es ab in den Norden, wo der Etosha Nationalpark auf uns wartet!