Archive for Februar 2010

15. Reisebericht: Thailand – Bangkok, Ayutthaya, Khao Yai Nationalpark

Februar 16, 2010

von Anita 

Land des Lächelns, Paradies auf Erden, Asien-Ferienziel Nr. 1 – SAWASDEE. Massagen, Traumstrände, Sonne und Meer, relaxen und das alles zu erschwinglichen Preisen. Man hört – abgesehen vom Sextourismus – nur Gutes von diesem grossen Königreich in Südostasien. Thailand, unsere nächste Destination, die wir voller Spannung und Vorfreude bereisen. 

Bangkok, Suvarnabhumi Airport, 16.00 Uhr. Es ist schwül-heiss, noch schlimmer als in HCMC. Unser Gepäck ist da, jetzt brauchen wir einen Geldautomaten, um die neue Währung BAHT in den Händen halten zu können und um unsere Expedition Thailand starten zu können! Wie üblich erhalten wir vom ATM nur grosse Scheine, welche wir überdies bloss auf einer Seite entziffern können: 1000 Baht, das ist zu viel für den Bus! Damit wir zu kleinem Geld kommen, kauft sich Thomas beim Flughafenkiosk eine ersehnte Coca-Cola Zero. Dass er dafür so viel bezahlt wie noch nie auf unserer Reise (und wie in der Folge auch nicht mehr), finden wir erst beim Einsteigen in den Bus heraus. Tja, neue Währungen und Umrechnungsfaktoren haben so ihre Tücken! 

Wir haben bereits ein Hotel gebucht und sind beim Aussteigen sehr froh darüber. Wie auch schon in Vietnam erlebt, wird man regelrecht bombardiert mit Angeboten – Tuk-Tuk, Motorbike-Taxi und Gästehaus-Angebote zu sagenhaften Preisen werden einem beim Entgegennehmen des Gepäckes zugerufen. Leicht misstrauisch erklären wir immer wieder, dass wir bereits eine Unterkunft gebucht haben und versuchen, diese auf eigene Faust zu finden. Ein besonders hartnäckiger Motorbike-Fahrer will uns unbedingt auf seinem Töff zu unserem Hotel führen (wie er sich das mit 2 Erwachsenen und 2 grossen Rucksäcken à je ca. 17 kg vorgestellt hat, bleibt mir ein Rätsel). Selbstsicher bahnen wir uns einen Weg durch den bietenden Haufen und laufen in eine Richtung, von der wir denken, es sei die richtige. Leider erweist sich die Suche als ziemlich kompliziert, denn alle Strassennamen tönen für uns gleich und jede Seitenstrasse trägt den Namen der grossen Hauptstrasse auch noch mit. Wir laufen also der Ratcha Damnoen Klang und suchen Ratcha Damnoen Klang Soi. Irgendwann kommen wir wieder an den Platz, an dem wir vorhin ausgestiegen sind und stossen zu allem Übel auch noch auf denselben Motorbike-Fahrer. „I told you! I told you to come with me!“ ruft er triumphierend in unsere Richtung, wobei sein Atem unverkennbar verrät, womit er sich die Zeit vertrieben hat und damit seine Chancen, ihn doch als Taxifahrer zu wählen, definitiv verspielt hat (auch in Thailand sollten Taxifahrer jeder Art nicht alkoholisiert arbeiten). Schliesslich finden wir mit Hilfe eines Touristenbüros den richtigen Weg zum Hotel, wo wir ein spartanisch eingerichtetes aber sauberes Zimmer beziehen dürfen. 

Die Khao San Road in Bangkok - 24 h lang Betrieb

Wir stürzen uns gleich mitten ins Backpacker-Zentrum von Bangkok, die Khao San Road! Im Thai-Restaurant kriegen wir gleich mit dem Essen eine Kostprobe des thailändischen Stolzes: nichts ist schlimmer, als das Gesicht zu verlieren bzw. eine Frage nicht beantworten zu können. Bei Fragen, insbesondere bei Unklarheiten zur Menukarte, wird lieber mit breitem Lächeln und überzeugend genug mit No oder Yes geantwortet als zugegeben, es nicht zu wissen. Fazit: nur bestellen, was man zu kennen glaubt oder im Lonely Planet steht – gerade als Vegetarier! Wir lernen unsere Tischnachbarn, Monika und Kurt aus Bern/Emmental kennen und kriegen von ihnen zahlreiche Tipps zu Thailand, wo sie einige Wochen bereits am Reisen sind. Wir verbringen einen tollen ersten Abend in der geschäftigen Khao San Road und freuen uns bei den Erzählungen der beiden schon sehr auf die kommenden Wochen! 

Nach dieser etwas längeren Nacht beginnt der 1. Tag in Bangkok etwas verspätet aber nicht minder erwartungsvoll. Wir spazieren die bereits kennengelernte Khao San Road entlang und staunen erneut  über den herrschenden ungeheuren Betrieb in diesem Teil Bangkoks! Der Hitze zum Trotz werden auch tagsüber zahllose T-Shirts, Studentenkarten, Parfums, Uhren, Ledergurte, DVDs, Handtaschen und Markenklamotten angeboten. Alles echt, versteht sich. Ich kaufe mir ein „Same same – but different“-T-Shirt, denn das kann mir am Zoll keiner wegnehmen. Daneben gibt es natürlich massenweise Verpflegungsmöglichkeiten. Bei 35°C kann man schon mal ein reduziertes Hungergefühl haben, doch diese Gegebenheit scheint man hier geradezu als Herausforderung zu verstehen! Überall wird gegrillt, gebrutzelt, frittiert, gebacken, gedämpft, gepresst und am wichtigsten: stir-fried im Wok. Frische Fruchtsäfte à la Starbucks aber zu tollen Preisen und sogar Glace gibt es hier. Taxis, Tuk-Tuks, Massagen, Maniküren und Facial Treatments werden einem offeriert ohne Ende, darüber hinaus gibt es Restaurants aus aller Welt die sich gegenseitig die Kunden auszuspannen versuchen. Es vergeht keine Sekunde, ohne dass es irgendwo etwas zu beobachten gäbe – bei dieser Reizüberflutung also kein Wunder, dass wir am Vorabend etwas länger bleiben mussten! 

Da ich schon zu lange nicht mehr zum Joggen kam, lässt sich Thomas – wenn auch skeptisch – überreden, mit mir auf „Parksuche in Bangkok“ zu gehen. Nach geraumer Zeit und einigen Kilometern zu Fuss, muss ich enttäuscht und entmutigt resignieren und erkläre Bangkok zur läuferunfreundlichsten Stadt der Welt. Es gibt hier nur Strassen, Verkehrslärm, Staub, Ampeln, viele geschäftige Menschen und schwüle Hitze… Und da die auf der Karte eingezeichneten Grünflächen in der Regel irgendeinem gut besuchten Tempel angehören, kann man auch da selten der Grossstadthektik entfliehen. Als wir selbst den Pier zu einer erfrischenden Bootsfahrt auf dem Chao Phraya Fluss nicht finden, sind wir doch etwas enttäuscht von Bangkok und kehren zurück in unser Zimmer. 

Wir versuchen die Bootsfahrt am nächsten Tag erneut, diesmal erfolgreich! Wir fahren ins Einkaufs- und Vergnügungszentrum Bangkoks, zur Siam Square. Hier erinnert Bangkok eher an eine westliche Grossstadt oder an Singapur, als an das was wir bisher gesehen haben. Die Strassen werden gesäumt von riesigen Einkaufszentren, Fastfood-Restaurants und Designermodegeschäften. Bei den Kühlschranktemperaturen in den Malls können wir uns zwar in Rekordtempo runter kühlen (oder auch  schockgefrieren), doch allzu viel Neues gibt es hier auch nicht. Sind wir etwa schon zu viel gereist?? Wir schauen uns auf dem Rückweg die Sehenswürdigkeit „Sao Ching Cha“, die grosse Schaukel, an und zählen es nicht zu unseren Top-Attraktionen Bangkoks, selbst wenn wir bisher kaum was gesehen haben… Für die nächsten Tage hoffen wir auf eine Steigerung. 

Sao Ching Cha, die grosse Schaukel mit Umgebung - eine Sehenswürdigkeit

Am Donnerstag, 7.1.2010 kriegen wir Besuch aus der Schweiz! Renate begleitet uns für knappe 3 Wochen auf unserer Reise in Südostasien. Wir wechseln in ein grösseres Hotel mitten im Khao San Viertel, so kann Renate auch gleich eine volle Portion Thailand abkriegen, sie hat ja etwas weniger Zeit als wir. Sie kommt am späten Nachmittag aus Zürich an und wirkt nach dem langen Flug sehr erholt und entspannt. Kein Wunder, denn die Swiss-Upgrade-Fee pickte Renates Ticket raus! Von den Annehmlichkeiten eines Swiss-Business-Class Fluges werden wir in den nächsten Tagen aufgrund ihrer Erzählungen klar überzeugt und bedauern es sehr, dass bei Air Asia weder vergleichbare Business Class Plätze, noch Feen fliegen. 

Angekommen in Bangkok, nehmen wir einen ersten Begrüssungsdrink und essen anschliessend typisch Thai mit Spicy Papaya Salad, Red und Green Curry. Thailändisch ist im Restaurant allerdings nicht nur das Essen, sondern auch die Lautstärke der nebenan singenden Live-Band, was selbst der ausgeruhten und auf Neues gespannten Renate etwas zu viel ist… 

Welcome: Renate, Thomas und das typische thailändische Chang

 Am ersten Leider ist es in Bangkok 24 Stunden am Tag lang Reisebegleitungstag von Renate wollen wir uns das kulturelle Highlight von Bangkok anschauen: Ko Ratanakosin, die Vatikanstadt des thailändischen Buddhismus, mit zahlreichen Tempeln und anderen Bauwerken, sowie der ehemaligen königlichen Residenz, Grand Palace. schwül und hitzig, so dass es auch keine Morgenfrische gibt und wir bereits auf der kurzen Strecke zu Fuss zum Gelände ins Schwitzen kommen. Dafür werden wir, nach dem Renate aufgrund ihrer offenen Schuhe einen tadelnden Blick von der scharfen Kontrolle am Eingang kassiert hat, aber belohnt, denn es ist wirklich eine beeindruckende Sehenswürdigkeit. 

The Grand Palace: ehemalige offizielle Residenz der Könige von Siam bis Mitte 20. Jh

Einige der meistverehrtesten Tempel Thailands befinden sich hier (deshalb sollte man sich auch konservativ kleiden, einschließlich Schuhwerk), daneben und darin können wir unzählige Buddhas und andere Figuren, Chedis und goldene Schüsseln bestaunen. In der sehr gepflegten Anlage trifft man überall auf andächtig betende Thai-Buddhisten, die den verschiedenen Buddhas und Tempel ihre Verehrung kundtun. Wir beobachten die Rituale teils etwas erstaunt, z.B. den Verkauf von goldenen Mini-Klebern, die offenbar willkürlich an irgendwelche Buddhas geklebt werden. Auch werden zahlreiche Räucherstäbchen an Kiosken verkauft, die in die goldenen Töpfe gesteckt werden und einige Minuten später von Angestellten wieder entfernt werden, um Platz für neue zu machen. Die Tempel und Figuren haben fast alle ihre eigene Geschichte und man ist sehr schnell überfordert, wenn man im recht detaillierten Prospekt zu jeder Errichtung genaueres nachlesen möchte. Wir sind froh, nicht an einer Tour teilgenommen zu haben, denn die Hitze ist unerträglich und die Geschichten und Sagen äusserst vielfältig. 

Goldene Wächter vor einem Tempel in Ko Ratanakosin, Bangkok

Voller Impressionen kühlen wir uns sodann in einem klimatisierten Café ab und gehen zurück in unser Back-Packer Quartier, wo wir Reiseplanung betreiben und Renate in unsere Leidenschaft der indischen Küche einführen – mit Erfolg! Die Nacht wird heute aufgrund der sehr dünnen Wände im Hotel und der Tatsache, dass es hier wirklich sehr wild zu und her geht, leicht gestört von weiblichen hemmungslosen Leidenschaftsschreien – wahrscheinlich Khao San Alltag bzw. „Allnacht“ (kein Wunder bei den vielen Touristenkontakten mit Alkohol im Spiel).Am nächsten Tag stehen wir trotzallem früh auf, denn auf dem Programm steht ein Ausflug nach Ayutthaya, eine historische Stadt ca. 70 km von Bangkok entfernt, die einst Hauptstadt Thailands war und heute auf der Liste des Unesco-Welterbes steht. Wir fahren mit dem Taxi zum Busbahnhof und stellen fest, dass wie so vieles in Thailand auch die grossen auffälligen Balken auf dem Autodach mit der Aufschrift „Taxometer“ eher eine Fälschung sind. Taxometer werden gewöhnlich nicht eingeschaltet, es sei denn, man besteht insistierend darauf, was jeder Tourist zuerst selber erfahren muss.

Angetroffen unterwegs in Thailand: vielfältig verwendbares Tuk-Tuk

Der Bus bringt uns anschliessend schnell und gut nach Ayutthaya, wo wir von der Weitläufigkeit der architektonischen Sehenswürdigkeiten überrascht sind. Die einzelnen Tempel und was davon nach etlichen Kämpfen, Plünderungen und Verwüstungen vor über 200 Jahren übrig geblieben ist sind in der ganzen Stadt verteilt, weshalb wir uns für eine Tuk-Tuk Tour entscheiden. Der Fahrer fährt uns zu den sechs wichtigsten Sehenswürdigkeiten, darunter nicht nur Ruinen sondern auch neuere Tempel mit Buddhas und Mönchen. 

Beeindruckende Ruinen in Ayutthaya

Auch hier ist es beeindruckend, wie gross die Verehrung dieser heiligen Städte bei den Einheimischen ist. Man kommt sich als Tourist zuweilen deplatziert vor, weil man „ehrfurchtlos“ und nur fürs Fotografieren vorbeikommt -manchmal traut man sich gar nicht mehr, diese Absicht auch auszuführen…

Buddha Statue im Baum, doch der Kopf bleibt frei - Wunder oder Ehrfurcht der Natur?

Zurück in Bangkok wollen wir die Fahrt vom Busbahnhof diesmal mit einem lokalen Bangkok-Bus wagen. Nach langer Suche können wir schliesslich einsteigen und fahren 40 min. lang in der Stadt herum, ehe wir in unserem Quartier sind – wohl die günstigste Variante, die aber auch die meiste Zeit beansprucht… Auch diese Nacht wird gestört, diesmal nicht durch Ausdruck von Leidenschaft, sondern durch eine Meinungsverschiedenheit eines Paares, deren Austragung sowohl von Renate, drei Stockwerke über uns, also auch von Thomas und mir sehr deutlich verfolgt werden kann.

Am nächsten Morgen sind wir froh, Bangkok zu verlassen, denn so interessant die Stadt auch ist, man hat schnell wieder genug von Lärm, Hektik, Hitze und Schmutz. Mit dem Bus fahren wir nach Pakchong, ein Ort in der Nähe des Khao Yai Nationalpark im Nordosten Thailands. Wir versprechen uns gemässigtere Temperaturen, Natur und Trekking-Ausflüge in den Nationalpark. Eine besonders clevere Frau fängt die aus Bangkok Ankommenden direkt bei der Bushaltestelle ab und vermittelt Zimmer mitsamt Zubringerdienst zum Guesthouse. Keiner hat Lust auf eine beschwerliche Hotelsuche und so gehen auch praktisch alle Ankommenden auf das Angebot ein, welches ganz in Ordnung ist. Zwar etwas höher im Preis als die umliegenden Gästehäuser, doch dafür buchen wir die Touren dann beim Nachbarn. Etwas enttäuscht sind wir allerdings von der Tatsache, dass man ohne Tour-Guide kaum im Park herum kommt also auch keine Wanderwege finden kann, falls es die überhaupt geben würde. Doch wir geniessen die Stille und die gute Luft hier total. Es gibt zwar eine grosse Strasse, an der alle Gästehäuser und sogar ein 7-11 liegen, doch sonst hat es nur Natur, Wald, Felder und einige Häuser von einheimischen. Wir verbringen die erste Nacht seit langem mit keinen störenden sondern zahlreichen erholsamen Geräuschen von der Natur, toll!

Wir freuen uns auf Trekking-Touren im Dschungel!

Wir nehmen am nächsten Tag also an einer Tour in den Khao Yai Nationalpark teil. Morgens geht es los und wir freuen uns besonders auf den Teil „Dschungeltrekking“.

Eindrücke aus dem Dschungel

Obwohl wir alle etwas mehr Trekking gemacht hätten, ist die Tour sehr interessant und die Guides erspähen mit ihren Teleskopen zahlreiche Vögel, spüren Insekten auf und informieren über spezielle Pflanzen.

Hornbill oder Nashornvogel erspäht im Khao Yai NP

Fotogener und menschenfreundlicher Skorpion im Khao Yai NP

Lädt zum Verweilen ein - Wasserfall im Khao Yai NP

 Den nächsten Tag nehmen gemütlich in Angriff und machen eigentlich gar nichts. Um 15 Uhr geht es dann auf eine zweite Tour, die eine Höhlenbesichtigung mit allen „Schätzen“ darin, und die spektakuläre Beiwohnung des „Fledermaus-Ausflugs“ beinhaltet.  In der Höhle zeigt uns der Guide allerhand Bewohner, die mir nicht immer sympathisch sind. Es gibt einen riesigen 1000-Füssler, fette Spinnen, eine Baby- Skorpion-Spinne (d.h. noch nicht giftig) und sogar eine Tarantel… brrr! In einer Meditationshalle für Mönche, ebenfalls eine Höhle, gibt es keinen einzigen Lichtstrahl, es ist stockdunkel. Da beim Meditieren die Augen geschlossen werden, ist Licht nicht nötig. Trotzdem wär es mir sehr unwohl, regelmässig nächtelang hier zu sitzen, wie die Mönche es tun.  Schliesslich kommt das eigentliche Highlight: Um 17.20h fliegen die ersten Fledermäuse aus ihrer Höhle heraus. Zuerst erscheint es nicht so eindrucksvoll, doch innerhalb von einer Minute werden es Tausende, Millionen von Fledermäusen, die als mehr oder weniger definierter Schlauch in die gleiche Richtung zur Insektenjagd losfliegen. Es sieht aus, als ob jemand ein Band in den Himmel gelegt hätte oder eine Rauchschwade, die sich im Himmel in die Länge zieht. Wirklich sehr imposant und einmal mehr etwas, was man mit Fotos niemals ähnlich wiedergeben könnte! Auch dieser Ausflug hat sich absolut gelohnt!

Beutezug der Fledermäuse - keine Fotomontage!

Am nächsten Tag heisst es dann leider auch schon wieder, Sachen zusammenpacken und eine Station weitergehen. Wir fahren diesmal mit dem Zug nach Bangkok zurück und dann weiter südlich nach Cha-am, eine kleine Ortschaft in der Nähe von Hua Hin. Die Reise mit dem thailändischen Zug entpuppt sich als unerträglich langwierig – auch wenn sie fast nichts gekostet hat. Der Zug fährt nicht nur äusserst langsam, nein, er hält auch überall an. Insbesondere um Bangkok herum, da gibt es Haltestellen, wo es gar nichts anderes ausser 2 Gleise hat! Darüber hinaus sind die Sitze nicht bequem, es ist laut und sehr stickig. Da wir von Bangkok den gleichen Weg wieder aus der Stadt heraus nehmen müssen, tun wir uns den anstrengendsten Teil also als 2 Mal an und sind schon sehr froh, abends um 22:00 Uhr endlich am Ziel Cha-am anzukommen.

Bahnhof Vor-Bangkok Nr. 47... bis zum nächsten Stopp!

Advertisements

14. Reisebericht: Von Hong Kong und Macau ins neue Jahrzehnt!

Februar 8, 2010

von Thomas

Saigon und Hong Kong unterscheiden sich nicht nur in Bezug auf Ordnung und Organisation, sondern auch in Bezug auf die Temperaturen. Wir müssen unsere wärmsten Kleider hervorholen auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel, denn Hong Kong empfängt uns mit eiskalten 15 Grad, was unsere kälteempfindlichen Körper sofort ins Schlottern bringt (Anita kriegt übrigens Gänsehaut, sobald die Temperatur unter 28 Grad fällt. Zu fluchen beginnt sie bei Temperaturen unter 26 und über 32 Grad und beim Fehlen von Jogging-Möglichkeiten, was leider relativ häufig der Fall ist.).

Im chinesisch geprägten Kowloon-Viertel

Wir wohnen im Kowloon-Viertel und finden unsere Bus-Haltestelle absolut problemlos. Schlimmer gestaltet sich aber die Suche nach unserem Hotel, denn weder die Strassennummer noch das Hotel sind angeschrieben. Wir wagen uns in einen Innenhof und sind selbst erstaunt darüber, dass wir hier tatsächlich richtig sind. Wir werden ausserordentlich herzlich von unserem schwulen Rezeptionisten empfangen, der uns sogleich unser Zimmer im Nebengebäude zeigt und uns verrät, dass er seine schlanke Figur dem vielen Treppensteigen zu verdanken hat. Soso, 45kg vom Treppensteigen… Als wir ins Zimmer kommen fragen wir uns, ob man diese Kammer wirklich als Hotelzimmer bezeichnen darf. Es fehlt wirklich nur noch das Laufrad, um als Hamsterkäfig durchzugehen. Wir wollen uns aber nicht beschweren, denn immerhin ist die Kammer sauber und Bad, WC, Bett und Ausgangstür sind alle nur ein bis zwei Schritte entfernt!

Wir erkunden noch ein wenig unser Quartier und stellen fest, dass es hier sehr chinesisch ist, was aber eigentlich nicht erstaunen sollte, zumal Hong Kong ja zu China gehört. Trotzdem hätten wir es uns westlicher vorgestellt. Abends gehen wir in ein chinesisch-vegetarisches Restaurant gleich um die Ecke und setzen uns an einen der grossen runden Tische, an welchen sonst nur chinesische Grossfamilien sitzen. Ein romantisches Abendessen wird es definitiv nicht, denn die chinesischen Grossfamilien sind sehr laut und die Neonröhren töten jegliche Stimmung. Das Essen ist aber mehr als lecker und obschon wir die Zutaten nicht im Detail erkennen können, essen wir alles artig auf und kehren zufrieden in unsere Kammer zurück.    

Kowloon bei Nacht

Den nächsten Tag verbringen wir mit viel Sightseeing. Mit der modernen U-Bahn fahren wir nach Hong Kong Island, dem eigentlichen Zentrum der Stadt. Hier steigen wir gleich auf die längste überdachte Rolltreppe der Welt, den „Central-Mid-Levels Escalator“, und kommen nach etwa 20-30 Minuten Fahrzeit irgendwo oben auf dem Hügel an. Von da geht es zu Fuss bergab, wobei wir vor allem viel Zeit im lebedigen Soho verbringen. Im Anschluss wandern wir durch die halbe Stadt zum Wiedervereinigungs-Monument mit der relativ bescheidenen „Forever Blooming Bauhinia“-Skulptur. Manchmal entpuppt sich ein vermeintlich einfacher Weg von A nach B zu einem ziemlich komplizierten Unterfangen, denn völlig unerwartet kann einem durch grosse Auffahrtsrampen oder sonstige Hindernisse der Weg abgeschnitten werden oder man gelangt ungewollt ins Innere von Gebäuden, wo man gar nicht hin möchte oder muss plötzlich ganze Strassenabschnitte lang durch Shopping-Passagen wandeln, die einfach nicht enden wollen. Gegen Abend stärken wir uns im Ausgeh-Viertel Lan Kwai Fong mit einem Bier und beschliessen, den nächsten Tag im Disney-Land zu verbringen, da bisher noch keiner von uns eine Disney-Erfahrung gemacht hat. Wir besorgen uns schon mal die Tickets und gehen im Anschluss im Soho überteuert libanesisch Abendessen.

Im Soho in Hong Kong

In der Nacht werden wir durch die laute Alarmglocke aus dem Schlaf gerissen! Ist das wahr? Ist das wirklich ein Alarm? Feueralarm? Ich wage einen Blick aus unserer Kammer in den Gang und sehe den hektisch umher schwirrenden indischen Hotelangestellten, der überall an die Türen klopft. Ich frage ihn, ob es echt sei und er bestätigt, dass es sich um Feueralarm handelt. Alle raus! Wir sind leicht schockiert, wollen es aber immer noch nicht wahrhaben. Erst wollen wir nur das Notwendigste mitnehmen, dann beginnen wir immer mehr Sachen einzupacken. Innert kürzester Zeit stehen wir mit unserem ganzen Gepäck draussen vor dem Gebäude. Von Feuer ist weit und breit keine Spur. Erst nach mehreren Minuten gelingt es, das schreckliche, ohrenbetäubende Gebimmel auszuschalten. Irgendwann wird Entwarnung gegeben. Als wir in unsere Kammer zurückkehren, kriegen wir mit, wie sich der Inder an den Übeltäter, eine Asiatin, die sich im Zimmer eine Zigarette angesteckt hat, wendet und sie bittet, nicht mehr im Zimmer zu rauchen. Die junge Dame lächelt einsichtig und verlegen und meint nur: „Oooh, sorry!“. Na prima, dann wäre das also geklärt.

Asiaten lieben Disneyland

Disneyland, wir kommen! An der Sunny Bay Metro-Station steigen wir um in die Mickey Mouse-Linie ins Disneyland Resort und stellen uns vor, wie aufgeregt wir wären, wenn wir heute 25 Jahre jünger wären. Wir spazieren im Park herum, sehen A- und B-Hörnchen und andere Gestalten und merken sehr schnell, dass das Disneyland in Hong Kong maximal 10% von dem zu bieten hat, was wir aus dem Europa-Park kennen (zudem handelt es sich wahrscheinlich um die schlechtesten 10% des Europa-Parks…). Wir lassen uns aber die Laune nicht verderben, sondern machen das Beste daraus. Wir gehen fast auf jede Bahn, egal wie schlecht sie ist, besuchen Shows und Kinos, essen da und dort einen Happen und lassen uns gar mit Goofy ablichten. Am Tagesende ziehen wir sogar eine positive Bilanz und sind ziemlich zufrieden, bis auf Anitas Magen, der uns heute schon den ganzen Tag etwas Sorgen bereitet.

Gaudi mit Goofy

Der Hauptgrund für unseren Hong Kong-Besuch ist nicht etwa das Treffen mit Mickey, Donald und den sieben Zwergen, sondern mit Mischa, der, temporär in Südkorea lebend und die Kultur und Sprache studierend, seine wenigen Tage unterrichtsfreie Zeit opfert um sich mit uns in Hong Kong zu treffen und Silvester zu feiern. Schon am Abend zuvor habe ich versucht, mich mit Mischa zu treffen, doch leider konnte ich seine Antworten auf meine SMS nicht empfangen. Da ich wusste, dass er mit seiner Hong Konger Verwandtschaft zu Abend ass, machte ich mir erst mal nichts aus den ausbleibenden Antworten. Ich wollte ihm zumindest aber eine Nachricht in seinem Hotel hinterlassen, doch auch das ist mir nicht gelungen. Erst nach mehreren „Anläufen“ habe ich das Hotel überhaupt gefunden und von der strengen, ausschliesslich chinesisch sprechenden, älteren Hauswartsdame Zugang zum schummrigen Gebäude erhalten, das im 6. Stock ein Hotel versteckte. Dort angekommen, wurde mir der Zutritt verweigert (bzw. die Türe nicht geöffnet), so dass ich mich zügig auf meinen Rückweg machte, denn das Gebäude strahlte die Geborgenheit eines Wohnsilos in der Pariser Banlieue aus.

Endlich geglückt! Das Treffen mit Mischa in Hong Kong

Am nächsten Tag funktioniert der Austausch zwischen unseren Mobiltelefonen besser. Ich schlage vor, dass wir uns im Starbucks, das etwa auf halber Strecke zwischen unseren Hotels liegt, treffen. Erst jetzt, auf dem Weg zum Starbucks, realisiere ich aber, dass es weit mehr als nur ein Starbucks zwischen unseren Hotels gibt, weshalb ich mich mit Mischa telefonisch in Verbindung setze, der zu meiner Überraschung noch ein weiteres Starbucks gefunden hat, in welchem er bereits wartet. Wir vereinbaren, dass wir uns auf der Nathan Road entgegen kommen. Beim Auflegen halte ich dies doch auch wieder für eine blöde Idee, denn hier in Hong Kong wimmelt es doch von Asiaten und Mischa fällt in der Masse nicht mehr so gut auf wie in Basel; ausserdem soll er eine neue Frisur haben… Aber meine Befürchtungen sind unbegründet. Er hat zwar etwas abgespeckt, doch wir erkennen uns bereits von Weitem und freuen uns über das Wiedersehen mitten auf der Strasse in Kowloon! Wir setzen uns erst mal in ein Starbucks und trinken noch einen Kaffee bis Anita kommt!

Mischa geht es gut! Seit mehr als einem halben Jahr lebt er in Südkorea und er steckt voller Erlebnisse und Erfahrungen. Er hat grosse Teile seiner leiblichen Familie gefunden und sich auf ein völlig anderes Leben, eine völlig andere Kultur eingelassen. Er macht einen sehr zufriedenen Eindruck. Zurzeit sei sein Alltag aber eher langweilig, denn er verbringt sehr viel Zeit mit dem Erlernen der Sprache, was eine grosse Herausforderung darstellt. Vermutlich strengt sich Mischa gerade zum ersten Mal im Leben wirklich an, etwas zu lernen. Für seine Abschlüsse musste er sich ja bisher nicht allzu sehr bemühen…

Sightseeing mit Mischa und Anita - gut informiert und doch nichts gefunden...

Wir machen uns auf eine gemeinsame Sightseeing-Tour auf, doch es klappt eigentlich gar nichts an diesem Tag. Wir finden weder den Hopp-on-Hopp-off-Bus, noch das Tourismus-Büro (der Bau wurde wahrscheinlich abgerissen) und selbst auf der Pferderennbahn ist heute nichts los, obschon doch eigentlich Mittwoch ist und somit Renntag! Es gelingt uns einzig und allein den Peak zu besichtigen, von wo aus man eine herrliche Aussicht über die ganze Stadt geniesst, und das genau zu dem Zeitpunkt, als die alltägliche Skyline-Lichtshow, die „Symphony of Lights“, beginnt.

Aussicht vom Peak in Hong Kong

Anita verabschiedet sich schon bald von uns, denn ihr Wohlbefinden lässt zu wünschen übrig. Mischa und ich verbringen erstaunlich viel Zeit im Ausgehviertel Lan Kwai Fong und machen uns erst zu sehr später Stunde auf die Suche nach einem koreanischen Restaurant. Der Kellner in unserer Bar gibt uns einen Tipp und wir unternehmen eine lange Taxifahrt um an den empfohlenen Ort zu gelangen. Leider finden wir weit und breit kein koreanisches Restaurant und so halten wir unzählige weitere Taxis an um uns nach koreanischen Verpflegungsmöglichkeiten zu erkunden. Leider spricht kaum ein Taxifahrer Englisch und es dauert eine ganze Weile bis wir jemanden finden, der uns versteht und erst noch glaubwürdige Auskunft geben kann. Es handelt sich um jemanden, der die im asiatischen Raum sehr beliebten koreanischen Soaps verehrt und vielleicht auch deshalb koreanische Speiselokale kennt. Als wir ankommen, sind wir die einzigen Gäste und ich vermute, dass das Lokal wohl bald zugehen wird, schliesslich ist Mitternacht schon lange vorbei. Wir bestellen trotzdem gleich koreanisches BBQ und ich staune, dass dies zu dieser Stunde noch möglich ist, und dass so viele zusätzliche Speisen, wie z.B. Kimchi, der scharfe Chinakohl, Suppe, Gemüse, etc. mit serviert werden. Für Mischa ist das unterdessen alles altbekannt und selbst die Speisezeit ist für ihn nicht ungewöhnlich. In Korea isst man nämlich ununterbrochen, wenn es sein muss auch um 5 Uhr morgens! Mischa bestellt sich Schweinebauchspeck und berichtet von der zierlichen Koreanerin, die ihm mal gesagt haben soll, dass der Schweinebauchspeck schon zum Leckersten gehört, was man essen kann. Ich finde die Vorstellung, dass eine schlanke, sehr auf Äusserlichkeiten achtende junge Dame (in Korea sind Äusserlichkeiten sehr wichtig und Schönheitsoperationen sind extrem verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert) vom leckeren Schweinebauchspeck schwärmt etwas fremd, doch insgesamt passt die Geschichte sehr gut zu den weiteren Korea-Berichten, die mir Mischa bei einem Soju, dem koreanischen Schnaps, erzählt. Mit der Zeit füllt sich das Restaurant mehr und mehr und ich stelle fest, dass sich Mischa vor meinen Augen zum Koreaner wandelt. Sein Koreanisch scheint durchaus schon für Konversationen auszureichen und irgendwie habe ich das Gefühl, einen neuen Menschen vor mir zu haben bzw. eine neue Seite von Mischa kennen zu lernen. Mischa, den echten Koreaner!

Lange Nächte im Lan Kwai Fong

Verständlicherweise wird am nächsten Tag ausgeschlafen! Am frühen Nachmittag spazieren wir zum Clock Tower und unternehmen im Anschluss eine Bootstour mit der „Star Ferry“. Hong Kongs Skyline mit den steilen Bergen im Hintergrund ist sehr beeindruckend! Wenn ich mich richtig erinnere, zählt der Bootsausflug zu den 50 Must Do’s auf der Welt. Überhaupt wimmelt es in Hong Kong von Rekorden, denn man findet immer eine Formulierung, die etwas zu einem Rekord macht. Später schauen wir uns noch den Blumen- und Vogelmarkt an, dann machen wir uns bereit für den Abend, schliesslich steht der Übergang ins neue Jahrzehnt kurz bevor! Silvester in Hong Kong – wir sind schon ganz aufgeregt!

Die Bootsfahrt in Hong Kong - ein MUST DO!

Wir treffen uns zum gemeinsamen Abendessen, doch wir wissen nicht genau wohin es gehen soll. Wir lassen uns von ein paar Indern, die uns auf der Strasse anhauen, ihre versteckten Restaurants zeigen, doch schon der Weg zu den Lokalen durch die düsteren und stark renovierungsbedürftigen Betonbauten, vorbei an einer grossen Anzahl lichtscheuer Gestalten, schreckt uns etwas ab. Uns rennt aber langsam die Zeit davon, denn die Menschenmassen auf den abgesperrten Strassen werden grösser und grösser und wir haben noch nicht mal gegessen! Wir erinnern uns an einen exotischen Herrn, der uns bereits am Nachmittag sein Restaurant schmackhaft machen wollte, und eilen schnurstracks zum Eingang seines Lokals. Auch hier handelt es sich wieder um einen grossen Betonblock und das Restaurant steckt irgendwo da drin! Zum Glück weist uns ein Angestellter des Restaurants den Weg. Die Frage, ob das Restaurant „licensed“ sei, also Alkohol ausschenken darf, beantwortet er mit: „Yes, we have rice.“. Als wir im Lokal ankommen, das in Landessprache vermutlich „Zum versteckten Taliban“ heisst, fühlen wir uns nicht gerade pudelwohl, doch der Zeitdruck, die mangelnde Kenntnis über Alternativen, die reiche Auswahl vegetarischer Speisen für Anita und die Tatsache, dass wir mit einer Frau am selben Tisch sitzen dürfen führen dazu, dass wir trotzdem bleiben. Natürlich gibt es keinen Alkohol und so können wir nicht mal gebührend anstossen in der Silvesternacht…

Uns bleibt noch etwas mehr als eine Stunde als wir das Lokal verlassen und wir machen uns gleich auf Richtung Flussufer. Etwa eine Million Menschen hat die gleiche Idee wie wir! Die Menschenmassen sind gewaltig. Einige Strassen sind bereits komplett gesperrt, so dass wir grössere Umwege in Kauf nehmen müssen. Irgendwann bleiben wir in einer überdachten Strasse stecken. Wenn wir da nicht weiterkommen, wird es das langweiligste Feuerwerk in unserem Leben. Geduldig harren wir aber aus und nehmen in Kauf, dass man nur alle paar Minuten ein paar Schrittchen vorwärts kommt. Kurz vor Mitternacht sind wir aber an einem Punkt angekommen, mit dem man zufrieden sein kann. Wir sehen grosse Teile der Skyline von Hong Kong Island und besitzen gegenüber den Asiaten gewisse Grössenvorteile. Zumindest ich komme mir heute richtig gross vor. Gemeinsam mit einer Million Menschen zählen wir den riesig eingeblendeten Countdown ab, dann werden aus 9‘000 Düsen, die an den Wolkenkratzern befestigt sind, Raketen abgefeuert. Obschon dies sehr spektakulär klingt, bleibt die recht kurze Show aber leider unter unseren Erwartungen. Als es vorbei ist, bewegt sich die Masse brav Richtung Metro. In der ganzen Umgebung sehen wir nur ein Lokal, ein irisches Pub, in welchem wir unter Umständen kurz aufs neue Jahr anstossen könnten, doch wir schätzen unsere Chancen als gering ein überhaupt Einlass zu erhalten. Wir staunen nicht schlecht, als wir dort dann aber sogar noch einen Sitzplatz ergattern können und bleiben teils aus Dankbarkeit, teils aus Bequemlichkeit den ganzen Abend dort…

Hochspannung auf der Pferderennbahn! Wer macht das Rennen? 'Joy and Fun', 'Sunny King' oder 'Always Something'?

Am 1.1.2010 findet definitiv ein Pferderennen statt und dieses wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen, denn schliesslich gehört das Pferderennen genauso zu Hong Kong wie das Wasserpuppentheater zu Hanoi! Mischa ist schon lange vor uns da, denn er wohnt neuerdings bei seinen Verwandten unweit der Pferderennbahn und wir haben schlichtweg Pech mit der Anreise, denn was schief gehen kann geht schief. Während Anita sich mehr für die Pferde interessiert, studieren Mischa und ich erst mal die Wettregeln. Der Anlass ist beeindruckend. Pro Rennen werden mehrere Millionen Franken verwettet und die Spannung ist gross, was vor allem beim Schlussspurt spürbar wird, wenn die eher zurückhaltenden Chinesen plötzlich lautstark ihre Pferde anfeuern. Bei unseren Wetten halten wir uns an die Empfehlungen von Anita, die die Pferde jeweils im Voraus mustert, und die zur Verfügung gestellte Pferdestatistik, die Hinweise gibt zur Form der Pferde etc. Insgesamt fahren wir recht gut mit diesem Vorgehen, denn wir holen beide zumindest unsere Einsätze mehr oder weniger wieder heraus. Es bleibt zu gestehen, dass wir unsere Gewinne erst am Ende des Anlasses mit Hilfe der Gewinnanalyse-Maschine realisieren, doch das gehört wohl einfach zum Anfängerglück!

Abendessen mit Leo, James, Thomas und Mischa

Nach so viel Sport und Aufregung treffen wir uns im Anschluss mit Mischas Neffen Leo und dessen Kinder James und Thomas zum Abendessen. James und Thomas nennen Mischa „Grossvater“, was uns zwar nicht ganz einleuchtet, in Korea aber offenbar normal ist. Es scheint, als würden sich Mischa und seine Verwandten schon lange kennen… Der Abend ist sehr nett und Leo möchte gerne abends mit uns ausgehen, schliesslich ist es Mischas letzter Abend in Hong Kong. Es folgt ein langer und heiterer Abend im Lang Kwai Fong mit viel philippinischer Live-Musik und Tanz, denn Leo entpuppt sich als grosser Tänzer, der uns alle gerne auf der Tanzfläche sieht. Die Zeit geht schnell vorbei und leider müssen wir schon bald von Mischa und Leo Abschied nehmen. Alles Gute, Mischa!

Am nächsten Tag endet auch unsere Zeit in Hong Kong. Mit dem Katamaran geht es weiter nach Macau, dieser kleinen Insel unweit von Hong Kong. Ich kann mich erinnern, dass eines meiner Matchbox-Spielzeugautos in Macau hergestellt wurde. Macau ist aber viel mehr: Die ehemalige portugiesische Kolonie gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und tatsächlich steckt die Stadt voller Charme und portugiesischer Einflüsse. Daneben ist Macau aber auch ein Paradies für Spieler, denn es wimmelt von Gross-Kasinos ganz nach dem Vorbild von Las Vegas. Unser Hotel ist in Taipa, einer kleineren Insel, die ebenfalls zu Macau gehört. Wir bleiben erst mal dort und machen uns auf eine Erkundungstour, bei der wir uns mit den Spezialitäten von Macau, Keksen und Trockenfleisch, eindecken. Den Abend beenden wir bei einem fettigen, portugiesischen Essen.

Auf Stadtrundgang in Macau - hier vor den Ruinas de S. Paulo

Altstadtgasse mit seriöser Apotheke

Der nächste Tag steht wiederum ganz im Zeichen des Sightseeings. Da wir das Geld für die Bustickets nicht auf den Cent bzw. den macauischen Pataca genau aufbringen können (was hier leider notwendig ist), erklärt sich der Chauffeur des öffentlichen Busses bereit, uns gratis mitzunehmen, was wir sehr schätzen. Im Gegenzug verzeihen wir ihm seinen kriminellen Fahrstil. In Macau besichtigen wir so ziemlich alles, was besichtigt werden kann und können am Abend der Kasino-Versuchung nicht widerstehen. Sogar die Kasino-kritische Anita wagt ein, zwei Spielchen, doch da sie ihren gesamten Einsatz von umgerechnet etwa sechs Franken relativ schnell verspielt, sieht sie sich in ihrer Haltung bestätigt und zieht sich ins Hotelzimmer zurück. Ich habe mein Limit aber noch nicht verspielt und so bleibe ich noch ein wenig und versuche mein Glück beim Roulette und dem chinesischen Würfelspiel. Am Ende des Abends schaut ein Gewinn von etwa 200 Franken heraus, was meine Reisekasse durchaus freut! Mit so viel Geld im Sack können wir getrost unsere Weiterreise antreten, die uns schon am nächsten Tag nach Bangkok führt!

Das Casino 'Gran Lisboa' in Macau - hier lässt sich prima Geld verdienen!