Archive for Oktober 2009

5. Reisebericht: Auf nach Mosambik!

Oktober 18, 2009

von Thomas

Am 3. Oktober verlassen wir Kapstadt um ein paar Tage in Mosambik zu verbringen. Wir treten eine knapp zweitägige Busreise an, die uns von Kapstadt via Johannesburg nach Maputo führt. Wir entscheiden uns wieder für den christlich geprägten Intercape-Bus. Das Transportunternehmen möchte all seine Stakeholders zufriedenstellen, wobei dazu auch Gott gehört, wie aus dem Unternehmensleitbild ersichtlich wird. Auf der Fahrt von Kapstadt nach Jo‘burg wurde ich als Kunde jedoch das erste Mal nicht zufrieden gestellt. Mein Sitz liess sich nicht nach hinten klappen und vor mir sass eine schwarze Mitreisende von der sehr würdevollen Sorte (wir haben gelesen, dass bei der schwarzen Bevölkerung gilt: je korpulenter die Frau, umso würdevoller ist sie). Ihre Sitzlehne funktionierte einwandfrei und sie genoss es, sich in den Sitz plumpsen zu lassen und immer wieder ihre Sitzposition zu ändern, wodurch sie dem Sitz eine der härtesten Materialproben lieferte und mich an den Rand einer Klaustrophobie-Attacke trieb. Zu meiner Linken, durch den schmalen Gang getrennt, sass ein etwas heruntergekommener Mann, der leider keinen Platz neben seinem etwas heruntergekommenen Kollegen gefunden hat. Nichts hat die beiden, etwa zwei bis drei Reihen entfernt sitzenden Kumpels daran gehindert, lauthals ihre Konversation weiterzuführen; auch die Nacht nicht wirklich. So schlimm war das aber auch nicht, denn die Nacht war sowieso unruhig. Südafrikaner telefonieren nämlich sehr viel und sehr gerne. Die Dame in der Reihe hinter uns hat sehr viele Anrufe erhalten und alle Anrufe waren extrem lustig – ihr hohes Quietsch-Lachen machte gut 50% der Anrufdauer aus. Irgendwann schlief sie dann aber doch ein, bis sie mitten in der Nacht die halbe Reisegesellschaft mit einem langen und sehr lauten Stöhnen geweckt, aber auch amüsiert hat. Niemand konnte definitiv beurteilen, ob ihr Traum besonders böse oder besonders schön war, doch zumindest hat sie schon am frühen Morgen mit dem ersten Telefonanruf ihr Lachen wieder zurück gefunden!

 
Endlich sind wir in Johannesburg angelangt. Hier müssen wir etwa sechs Stunden auf den Bus nach Maputo warten. Auf der Suche nach einer Gepäckaufbewahrung hetzen wir von einem Ende des Busterminals zum anderen und wollen, da wir erfolglos sind, schon das Gebäude verlassen, bis wir von der Security angehalten werden: „Was macht ihr? Wo wollt ihr hin?“, fragt uns die Dame. Sie macht uns deutlich, ja sie fleht uns an, bloss nicht das Gebäude zu verlassen. Zu gefährlich! Sie bietet uns sogar an, das Gepäck im Büroräumchen der Sicherheitsfirma zu lagern. Wir nehmen das Angebot an und schlagen die Zeit tot in Fastfood-Lokalen. Uns ist es nicht wohl und wir wollen weg. Es ist sehr hektisch und viele „Schleicher“ treiben sich herum. Wir wollen endlich nach Mosambik!

Nach einer ausgesprochen angenehmen Busfahrt und einem etwas ungewöhnlichen, aber unkompliziertem Grenzübergang erreichen wir endlich Maputo! Wir sind viel zu früh angekommen und so klappt es auch mit dem Pick-Up-Service unserer Unterkunft nicht. Gemeinsam mit zwei Amerikanern nehmen wir ein Klapper-Taxi zum „Fatimas Nest“ und legen uns nach einer wohltuenden Dusche nochmals kurz aufs Ohr.

Da sind wir also, in Mosambik! Was wissen wir überhaupt über Mosambik? Nicht viel! 20-mal so gross wie die Schweiz, 20 Millionen Einwohner, Portugiesisch sprechend, unabhängig seit 1975, eine Art Bürgerkrieg bis 1994, Jahreseinkommen pro Kopf bei etwa USD 300! In Kapstadt habe ich mir in einer deutschen Buchhandlung das Buch „Ach, Afrika“ von Bartholomäus Grill gekauft. Ein tolles Buch, das verschiedene Aspekte beleuchtet, die zumindest teilweise eine Erklärung für den Zustand des Kontinents liefern. In diesem Buch erfahre ich, dass es in Mosambik auch heute noch üblich ist, kleinen Kindern ein Auge auszustechen um es an Fischernetzen festzumachen, was positiven Einfluss auf die Fangquote haben soll. Ich staune über diese Erkenntnis und denke über weitere Einsatzmöglichkeiten nach.

Nach unserem zweistündigen Power-Nap machen wir uns auf in die Stadt. Da ist er wieder: Der Kultur-Schock! Es dauert immer ein Weilchen, bis man sich auf ein fremdes Land oder eine fremde Stadt einstellt. Hier finden wir endlich das echte Afrika. Die Leute sind arm, dafür sehr kontaktfreudig und freundlich. Die Gebäude wirken verfallen, doch trotzdem hat die Stadt ihren Charme. Ich stelle mir so die Karibik vor; am ehesten Kuba. Wir finden hier auch etwas, was aus Europas Ost-Städten seit 20 Jahren verschwunden ist: Die Strassenbezeichnungen, die die Namen der grossen kommunistischen Führer, Philosophen und sonstiger Tyrannen tragen: Lenin, Marx, Mao Tse Tung oder gar Kim Il Sung! Mit einer Fähre, die wohl noch nie gewartet worden ist, fahren wir auf die nahegelegene Insel Catembe. Der Strand ist voller Leute und wir sind, die ganze Zeit schon, als Bleichgesichter ziemliche Exoten. Wir sind erstaunt, dass man zwischen all dem Abfall doch noch Strandfussball spielen und in der braunen Brühe, die sich Meer nennt, baden kann. Insgesamt sind wir einerseits sehr schockiert, andererseits aber auch sehr fasziniert, denn die Welt um uns herum ist nochmals ganz anders, als diejenige, die wir in den ersten fünf Wochen erlebt haben.

Maputo von Catembe aus gesehen
Maputo von Catembe aus gesehen

Bevor wir uns am nächsten Tag auf einen weiteren Stadtspaziergang machen, lassen wir uns erst noch eine Passkopie beglaubigen, was uns 40 Rappen kostet und Einblick gewährt in das Funktionieren öffentlicher Ämter. Das Notariat ist eindeutig personell überbelegt, dafür spart man bei der Einrichtung. Auf den Strassen fallen uns dann die zahlreichen Händler auf. Überall kann man Obst, Gemüse, Getränke, Chips, Schuhe, Kunsthandwerk, Gürtel, Telefonkarten oder irgendetwas kaufen. Dem „Picasso“ von Mosambik, wie er sich uns vorstellt, begegnen wir auf unseren Erkundungstouren gleich dreimal. Wie klein doch die Welt ist! Trotzdem kaufen wir kein Bild, obschon er uns jeweils sehr hartnäckig bearbeitet. Auf dem lebhaften Markt (dem Offiziellen) decken wir uns mit einer Grosspackung Piri-Piri-Cashew-Nüssen ein (ein Exportschlager Mosambiks), in einem Restaurant kosten wir das weit verbreitete 2M (sprich: Doschem), ein leckeres, leicht schmeckendes Bier, das meistens in der 550ml-Flasche serviert wird. Es ist herrlich, dem Treiben auf der Strasse zuzusehen. Da schlängeln Frauen mit schwerer Last auf dem Kopf durch die Strassen, Kinder können den Blick nicht von uns wenden und permanent ruft man uns nach: „Hello Mista“, „Sista“, „Boss“ oder einfach nur „hungry“. Littering ist in Maputo kein Problem, denn jeder macht es. Es gibt leider auch kaum Abfallbehälter, weshalb man auch nicht grosse Vorwürfe machen kann. Manchmal wird der Abfall dann dafür direkt auf der Strasse verbrannt. Am Abend gehen wir lecker Essen, müssen aber früh ins Bett denn vor uns steht eine lange Weiterreise nach Tofo (wir stellen uebrigens fest, dass alle O-Endugen als „U“ ausgesprochen werden)!

Gebucht und erwartet haben wir eine einigermassen komfortable Busreise, direkt von der Unterkunft in Maputo nach Tofo. Realität waren etwa 15 Reisende, eine Unmenge von Gepäck und ein Transfer im Minibus zur Busstation am Rande von Maputo. Leider war auch der nächste Bus alles andere als komfortabel (wirklich weit davon entfernt), doch im Vergleich zu dem, was man sonst auf diesem Busbahnhof gesehen hat, waren wir dann doch einigermassen zufrieden. Mosambikaner sind Verpackungskünstler: Jede Nische wird gnadenlos ausgenutzt und die Busdächer werden meterhoch beladen, egal ob mit Koffern, Plastiktaschen, Ziegen oder Hühnern. Der Busbahnhof ist Tummelplatz für Hunderte von Händlern, es ist laut, staubig und für uns erstmal unendlich chaotisch.

Eindruecke vom Busbahnhof in Maputo
Eindruecke vom Busbahnhof in Maputo

Die „Freude“ über unseren „Komfortbus“ ist bald schon verflogen, denn unser Weg ist lange und wir sitzen eng aneinander gepfercht auf höchst unbequemen Sitzen. Die Teerstrasse ist anfänglich ganz gut, doch schon bald entpuppt sie sich als Schlaglochparadies. Die Fahrweise des Chauffeurs muss zudem als verantwortungslos und kriminell bezeichnet werden. Anstatt vom Gaspedal zu gehen wenn es enger wird auf der Strasse oder wenn zusätzlich ein Velo beim Überholmanöver auftaucht, betätigt dieser Idiot (und ich setze diese Bezeichnungen wirklich sparsam ein und nur dann, wenn sie 100% zutreffen) maximal die Hupe. Wir kassieren unzählige Schläge in den Rücken und gehen innerlich nochmals die Gebete aus dem Intercape-Bus durch. Landschaftlich ist die Strecke aber durchaus reizvoll. Wir ziehen vorbei an nicht enden wollenden Kokospalmen-Wäldern und ab und zu erblicken wir türkisfarbenes Meer im Hintergrund. Die Siedlungen bestehen aus einfachen Hütten und das Bild, das sich uns präsentiert, wirkt unglaublich friedlich und malerisch (ehrlich gesagt musste ich immer ein wenig an Schlumpfhausen denken, weil die Pilze, in denen die Schlümpfe wohnen, auch so beschaulich sind).

Transfer im Minibus zum Busbahnhof
Transfer im Minibus zum Busbahnhof

Nach vielen Stunden und etwa 500km erreichen wir dann unser Ziel: Tofo, ein kleines Örtchen an einem Traumstrand am indischen Ozean! Wir verbringen hier drei Nächte in einer gut ausgestatteten, herzigen Hütte, nur wenige Schritte vom Strand entfernt, an welchem wir erneut Wale beobachten und uns erholen können! Leider meldet sich aber schon nach der ersten Nacht mein Rücken um mir mitzuteilen, dass ich mich bitte möglichst nicht mehr bewegen soll. Jede Bewegung versetzt mir einen schmerzhaften Schlag und als dies auch am zweiten Tag nicht besser wird, werde ich langsam unruhig und setze mich mit meiner Unfallversicherung und der telefonischen Ärzteberatung in der Schweiz in Verbindung. Sie raten mir, die Beschwerden mit der vollen Dosis Schmerztabletten zu bekämpfen, was ich eifrig tue und etwas Linderung erfahre. Am dritten Abend geht es mir bereits besser und wir besuchen sogar ein Konzert an einer Strandbar. Es spielt eine Schweizerisch-Mosambikanische-Gruppe, die uns anfänglich langweilt, später aber sehr positiv überrascht! Besonders gut gefällt uns das Lied, das sowohl im Refrain, als auch in den Strophen nur aus dem Wort „Jetetetete“ besteht.

Am endlosen Strand von Tofo
Am endlosen Strand von Tofo

Unsere nächste Destination heisst Inhambane. Hier hätte es medizinische Versorgung und wir erhoffen uns bessere Einkaufmöglichkeiten und Infrastruktur als in Tofo (dort gab es nämlich nur einen Markt mit einem Angebot, das uns nur teilweise zufrieden stellen konnte). Da wir an einem Samstag ankommen, müssen wir zu unserer grossen Enttäuschung aber feststellen, dass unsere Möglichkeiten doch sehr limitiert sind. Wir schaffen es gerade noch in die Apotheke, in welcher ein kleiner, alter, langsamer Schlurfi arbeitet und noch drei, vier weitere Angestellte. Das ausgeklügelte System verlangt, dass man das Medikament erst bei Schlurfi oder der etwas spritzigeren, jedoch absolut nicht hilfsbereiten Kollegin bestellt und einen mühevoll von Hand ausgefüllten Zettel in Empfang nimmt, mit welchem man dann zwei Meter nebenan zur Kasse geht um anschliessend – nach Bezahlung – nochmals zu Schlurfi zurückzukehren und das Medikament zu beziehen. Die Zeit reicht noch für zwei, drei „Super“-Märkte, wobei diese meist aus einem dunklen, schummrig-stickigen Raum bestehen, in welchem eine Theke steht, hinter der sich jede Menge Ramsch befindet. Lustiger weise sind die Besitzer meistens Inder. Mit der Unterkunft sind wir spätestens in der Nacht auch nicht zufrieden. Vor der Pensão, die direkt an der Strandstrasse liegt, versammelt sich am Abend die Dorfjugend. Alle, die ein Auto haben kommen hierher und jeder dreht sein Autoradio voll auf. Einer hatte eine besonders gute Anlage, so dass jedes einzelne Körperhärchen wunderbar im Takt mitschwingen konnte. Mosambikaner lieben Musik! Dass man zehn Beats auf einmal konsumiert, scheint sie nicht im Geringsten zu stören. Hinzu kommen natürlich noch die Tropenhitze und die Tatsache, dass unser Ventilator mit einem südafrikanischen Stecker ausgerüstet ist, der einfach nicht in die mosambikanische Steckdose passt (das Kabel wäre eh zu kurz und der kaum verschiebbare Ventilator wiegt etwa 20 Kilo, da er zur ersten Ventilator-Generation zählt). Wir werden umschwirrt von zahlreichen Moskitos, befinden uns aber in einem gefährlicheren Malariagebiet. Die Matratze ist miserabel und die Bettwäsche stinkt. Ach, heute ist einfach kein guter Tag. Erst dachte ich: „Inhambane, dört muesch ane!“, doch heute wäre ich am liebsten zu Hause oder in einem Wellness-Hotel im Schwarzwald…

Erst am Abend verwandelt sich die Strandstrasse von Imhambane zum Treffpunkt der Dorfjugend
Erst am Abend verwandelt sich die Strandstrasse von Imhambane zum Treffpunkt der Dorfjugend

Der nächste Tag steckt aber wieder voller Erlebnisse! Dazu trägt vor allem unser Gastgeber, Denis, bei, ein Südafrikaner in den 60-ern, der wahnsinnig undeutlich, dafür aber sehr viel spricht (wir kennen seine ganze Lebensgeschichte und er sieht uns eigentlich bereits als Investoren in Mosambik, da es dort einfach haufenweise Geld zu machen gibt). Erst gehen wir auf Dhow-Tour, was nichts anderes ist, als eine kleine Rundfahrt entlang der Küste in einem hölzernen Fischer- oder Segelboot. Schon am Morgen erwartet uns Captain John (João) und er führt uns zu seinem Boot, das doch in einem ziemlich bedenklichen Zustand ist. Es empfängt uns auch der Schiffsjunge, dessen Aufgabe vor allem darin besteht, das einströmende Wasser wieder herauszuschütten. Er war eigentlich ganz nett, doch ich vermutete lange, dass er die Pest aufgeschnappt hatte, was mich etwas beunruhigte. Anita erklärte mir aber beruhigend, dass es sich vermutlich um einen Ganzkörper-Pilz oder eine virale Infektion handle. Mit an Bord waren auch gut 200 Kakerlaken, wobei uns die Grösse einiger Exemplare sehr beeindruckte. Wir konzentrieren uns also vor allem auf die herrliche Aussicht und versuchen alles andere zu ignorieren. Wir ziehen vorbei an unberührten Palmenstränden und sind umgeben von türkisfarbenem Meer.

Unvergesslicher Segelausflug mit Kapitaen John
Unvergesslicher Segelausflug mit Kapitaen John

Kaum zurück vom Trip, empfängt uns auch schon Denis, der uns den Vorschlag unterbreitet, ihn zu seinem zweiten Anwesen, einem Campingplatz in Barra, zu begleiten. Da in Inhambane auch an einem Sonntag nicht mehr los ist als am Samstag, lassen wir uns schnell überreden. Barra ist wohl noch kleiner als Tofo und es handelt sich erneut um ein kleines Paradies. Wir schliessen Bekanntschaft mit ein paar Südafrikanern und geniessen nach einem Strandspaziergang gemeinsam ein Abendessen mit ihnen. Uns werden erneut Prawns aufgetischt, die ja bekanntlich zu den Spezialitäten Mosambiks gehören! Denis bringt uns am Abend wieder zurück und wir verbringen diesmal eine etwas ruhigere Nacht in seiner Pensão!

Traumstrand in Barra
Traumstrand in Barra

Nächte Destination: Vilanculos! Es mag langsam etwas langweilig sein, doch ich muss mich einfach nochmals zur Busreise äussern. Dieser grosse, angeblich komfortable Bus ist einfach die Hölle! Man kann doch diese Transportmittel nicht so vollstopfen! Warum steigen alle Mosambikaner immer gleichzeitig ein und aus? Das Gedränge ist unerträglich! Alle Sitzplätze sind (mehrfach!) belegt und der Gang ist von hinten bis vorne einfach nur vollgestopft. Nach gut einer Stunde Fahrzeit und mehreren Stops bei grösseren Hüttenansammlungen entspannt sich die Lage etwas und wir erkämpfen uns doch noch einen Sitzplatz, den wir bis Vilanculos verteidigen können.

Weiterfahrt nach Vilanculos!
Weiterfahrt nach Vilanculos!

Vilanculos ist der Ausgangspunkt zum Bazaruto Archipel und dorthin machen wir uns am nächsten Tag gleich auf! Eigentlich wollten wir auf einer der Inseln auch übernachten, doch da sich die Übernachtungskosten in den Luxushotels auf USD 500-800 pro Person belaufen, schliessen wir diese Variante wieder aus und begnügen uns mit einem Tagestrip zur Schnorchel-Insel Magaruque. Mit auf der Tour ist auch die italienische katholische Mission, die in Vilanculos stationiert ist, bestehend aus ca. acht Personen im Alter von 30 bis 80, alle italienischen, spanischen oder portugiesischen Ursprungs. Bis auf das Gebet vor dem Mittagessen, der körperlichen Zuneigung des Padres zu seinen jungen Praktikanten und dem Bootspersonal (wobei das wohl eher auf die südländische Lebensart zurückzuführen ist als auf etwas anderes) und vielleicht noch dem gemeinsamen Gesang auf der Rückfahrt nach Vilanculos war aber wenig von einer allenfalls strengen, kirchlichen Stimmung zu spüren. Anita und ich hielten uns was körperliche Nähe anbelangt an die vom Padre gesetzten Grenzen und gaben uns höchstens heimlich einmal ein Schmützli (so viel muss Unverheirateten einfach zustehen!).

Die frischen Meeresmuscheln werden gleich an Bord verarbeitet
Die frischen Meeresmuscheln werden gleich an Bord verarbeitet

Der Ausflug war sehr lohnenswert! Schon auf der Hinfahrt springen die Tourguides ins paradiesisch-wirkende Meer und holen mit wenigen Tauchgängen ganze Kübel voll Muscheln aus dem Meer, die sie uns dann später zum Mittagessen zubereiten. Kaum auf der Insel angekommen, stürzen wir uns auch schon ins Wasser, denn es ist heiss und der Strand ist ein Traum! Leider müssen wir aber ziemlich schnell wieder an Land flüchten, denn ausgerechnet wir beide werden vermutlich von einer kleinen Qualle gestochen, was zu Beginn ziemlich stark brennt. Gott sei Dank helfen uns die Portugiesen mit einer entzündungshemmenden Crème, so dass wir nach einem Inselspaziergang, bei welchem wir unzählige Krebse beobachten, doch noch etwas schnorcheln gehen können. Nach dem Schnorcheln geht’s dann bald schon wieder zurück ans Festland und wir wandern durch Hüttendörfer zu unserer Unterkunft.

Paradiesische Insel im indischen Ozean
Paradiesische Insel im indischen Ozean

Da unser Bus nach Maputo um 4 Uhr in der früh loslegt, müssen wir noch eine Nacht bei unserem sehr stark fremdenfeindlichen Gastgeber verbringen. Ich frage mich schon, was einen dazu bringt, seine geliebte Heimat zu verlassen, wenn man dann im Ausland nur unzufrieden über die Einheimischen flucht. Gewisse Geschichten über die Angestellten wiederholen sich zwar bei sämtlichen Gastgebern und für viele Probleme hat man durchaus Verständnis, doch der Herr hier in Vilanculos überschreitet mit seinen Äusserungen wirklich jegliche Grenzen und wir trauern weder ihm noch der Unterkunft nach, als wir um drei Uhr in der früh zu Fuss zu der Busstation wandern.

In Vilanculos hat Anita endlich Bonbons gefunden und freut sich ueber die erfolgreiche Preisverhandlung (der Verkaeufer aber ebenso!)
In Vilanculos hat Anita endlich Bonbons gefunden und freut sich ueber die erfolgreiche Preisverhandlung (der Verkaeufer aber ebenso!)

Uns fällt auf, dass das Portugiesische abnimmt, je weiter man sich von der Hauptstadt Maputo entfernt. Das Xhosa, das in Südafrika weit verbreitet ist, hat uns vom Klang her sehr gut gefallen. Bei dieser Sprache waren es nicht nur die vielen, lustigen Klack-Laute, an denen wir uns erfreuen konnten, sondern auch an dem in die Wange geblasenen „Sch“. Dieser Laut ist mir wohlbekannt, da ich das „Sch“ als Kind ebenso ausgesprochen und erst nach logopädischer Behandlung aufgegeben habe. Hier in Mosambik gefällt uns die Sprache allerdings etwas weniger gut (der Gerechtigkeit halber müssen wir aber zugeben, dass es etwa 20 Sprachen gibt und wir nicht beurteilen können, welche uns hier etwas negativ aufgefallen ist), da das Ganze etwa so klingt: „Eeh…eehh…eeh…ng…eeh…psss..ng…ng…eeh…eeh…ng“.

Damit wären wir auch schon wieder beim Kommentar zur Busreise, die diesmal etwa zwölf Stunden dauert. Es ist zwar nicht sooo voll, doch es stinkt nach einem Gemisch aus Urin, Schweiss, Nahrungsmitteln und Abfall (obwohl der Abfall immer wieder mal entsorgt wird, d.h. aus dem fahrenden Bus geschmissen). Geruchsadaptation findet leider nicht statt – auch nach zwölf Stunden nicht! In der Dreierreihe neben uns teilen sich etwa drei Erwachsene und drei Kinder die Sitze. Spagetti werden mit der Hand gegessen. Pausen werden kaum eingelegt. Wir halten dreimal, wovon zwei Stops auf Reifenplatzer zurückzuführen sind. Der fahrende Komposthaufen erreicht dann doch noch Maputo und wir können es kaum erwarten, ein einigermassen gutes Hotel aufzusuchen, was uns auch recht schnell gelingt!

Wir sind froh, wieder in Maputo zu sein und fühlen uns hier extrem viel wohler als noch bei unserer Ankunft vor knapp zwei Wochen. Hier können wir unsere Rückreise organisieren und nochmals etwas durch die Stadt schlendern. Unangenehme Gefühle erleben wir eigentlich nur, als wir von der Polizei angehalten werden, die unsere Pässe kontrollieren will, denn es schwingt immer der Gedanke mit, dass man demnächst so lange schikaniert wird, bis man dann endlich Bakschisch hinüberschiebt. Der Polizist salutiert und verlangt den „Passaporto!“. Wir sind sehr glücklich, dass wir unsere notariell beglaubigten Passkopien dabei haben, die gründlich untersucht werden. Uff, der Polizist stellt fest: „Correcto!“ und wir können weiter! Auch bei der zweiten Polizeikontrolle am Abend kommen wir ungeschoren davon, wobei diesmal für die Dokumentprüfung viel weniger Zeit aufgewendet wird.

Nach zwei Übernachtungen in Maputo verlassen wir Mosambik um ein paar Tage im Krüger-Park in Südafrika zu verbringen. Mosambik war eine tolle Erfahrung für uns, denn wir konnten traumhafte Strände, herzliche Menschen und eine charmante Hauptstadt geniessen, mussten auf der anderen Seite aber auch ziemliche Strapazen auf uns nehmen und unsere Bedürfnisse etwas zurückstellen. In Südafrika angekommen, fühlen wir uns gleich wie zu Hause und geniessen erstmal mit Freude die Vorzüge der ersten Welt….

Wir sind erfreut, dass unser Blog so rege besucht wird und sind begeistert, dass wir es sogar zur Klolektüre (so wurde uns zumindest von einem Leser berichtet) geschafft haben. In diesem Sinne wünschen wir euch allen weiterhin eine gute Verdauung, denn unsere zeigt sich zurzeit leider eher etwas von der komplizierteren Seite!

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4. Reisebericht: Südafrika – Garden Route und Route 62

Oktober 15, 2009

geschrieben von Anita

Am Sonntag, 20. September machen wir uns auf den Weg zu Hertz, wo wir mit Freuden wieder ein VW Chico Modell erwarten. In der Ausfahrt der Garage steht aber ein winziger, charakterloser hellblauer Chevrolet SPARK, ein Auto welches einem auf der Strasse nicht auffällt und wenn doch, dann weil es besonders hässlich ist. Dafür ist der Wagen praktisch neu und funkelt mit seinen überdimensionalen Lichtern, als ob er sich riesig freuen würde auf uns. Wir überspielen unsere Enttäuschung, steigen ein und fahren los. Mit diesem Auto müssen wir uns zumindest nicht verpflichtet fühlen, allfällige Stöppler mitzunehmen, denn der Kofferraum ist so klein, dass darin nur ein Tramper Platz hat und der zweite jeweils auf dem Hintersitz mitgeführt werden muss.
Es steht zunächst ein wichtiger Ort bei Cape Town auf dem Programm: Cape Point bzw. Cape of Good Hope. Südlich von Cape Town sieht man auf der Karte den kleinen „Zipfel“, Cape Peninsula, der sich bis Cape Point ca. 45 km runter zieht, wo sich der südwestlichste(nicht der südlichste, der kommt später noch…) Punkt des Afrikanischen Kontinentes befindet. Der Portugiese Bartolomeu Diaz, von dem es etliche Statuen und nach ihm benannte Plätze und Strassen gibt, hat das Kap 1488 entdeckt und der Name hat was mit der Hoffnung, endlich den Seeweg nach Indien gefunden zu haben, zu tun (genauere Auskunft gibt Google 😉 ).

Selbstverständlich handelt es sich auch hier um einen National Park mit Entry-fee, die wir natürlich gerne in Kauf nehmen für dieses Foto:

Ein muss für jeden Cape Town Besucher
Cape of Good Hope, ein muss für jeden Cape Town Besucher

 
Wir werden ständig durch Strassenschilder vor „Baboons“ gewarnt und stellen fest, dass es sich dabei nicht etwa um die hier ubiquitären Perlhühner handelt (die rennen einem ständig vors Auto), sondern um Paviane! Wir entdecken sie immer häufiger am Strassenrand sitzend, einen Mülleimer plündernd oder einfach nur dem Weltgeschehen zuschauend. Die Schilder warnen uns beschwichtigend vor der Aggression dieser Tiere und dass man sie unter keinen Umständen füttern darf. Es gibt auch verschiedenste ausgetüftelte Baboon-sichere Abfallsysteme, die den Nachteil haben, dass wir affenähnlichen Menschen den „Trick“ mit dem Abfall auch nicht rausfinden. Paviane können ziemlich gross sein und sehen meist gar nicht so böse aus. Wir lassen es aber nicht darauf ankommen und gehen den Viechern lieber aus dem Weg. Wir bleiben in der Folge auch in himmelblauen Chevrolet versehrt vor Unfällen mit Tieren (gemäss den Dreieck-Schildern kann es hier neben den Pavianen auch Pinguine und Schildkröten auf der Strasse geben) und fahren Richtung Hermanus, unserem nächsten Ziel.
Der eher kleine Ort Hermanus ist insbesondere 1x pro Jahr während des Whale Festivals in allen südafrikanischen Medien und Munden: da kommen zahlreiche Glattwale zum Paaren und zum Kalben in die geschützten Gewässer um Hermanus. Die Menschen beobachten das Spektakel mit Fernglas und Kamera.
Der Zufall will es, dass wir genau eine Woche vor dem Festival in Hermanus sind und die Vorbereitungen in vollem Gange sind. Zu unserem Glück gibt es noch freie Unterkünfte (die Hermanen warnen uns jeweils vor dem Menschenauflauf in einer Woche), auch die Wale sind bereits da. Diese schauen wir uns am nächsten Tag genauer an. Und da braucht es nicht viel Geduld. Am Meer angekommen, genügt ein kurzer Blick übers Wasser und man kann in Küstennähe ein felsähnliches Hindernis im Wellengang sehen. Schaut man etwas genauer hin, gibt’s auch meistens noch die „Wal-Fontäne“ zu sehen. Es gibt zahlreiche Walfischarten, aber die Art die wir in Hermanus sehen, ist einfach gigantisch!! Man sieht eine riesige glatte Fläche, manchmal knapp über dem Wasser, manchmal knapp darunter, aber meist sehr träge und langsam. Immer wieder sieht man eine Seiten- oder Schwanzflosse hochkommen und wieder verschwinden. All das aus sehr kurzer Distanz, die Riesentiere scheinen absolut nichts gegen Beobachter zu haben.

Schwierig zu fotografieren...
Ein Wal in Hermanus; schwierig zu fotografieren…

Leider zieht ein starker Wind mit Wolken und Nass auf und wir ziehen uns zurück zur Unterkunft. Da haben wir zwar unser privates Zimmer und Bad, aber Küche und Wohnzimmer wird geteilt. An diesem Abend können wir uns davon überzeugen, dass es die TV-Sucht durchaus auch in Südafrika gibt, denn unser im Dorf eingekauftes Znacht können wir leider nur zusammengedrückt in der Ecke am kleinen Tischlein einnehmen – immer auf der Hut, ja nicht zu laut zu sprechen, damit die TV-Konsumenten nicht gestört werden…
Am nächsten Tag ist das Wetter immer noch nass und bewölkt. Dabei machen wir einen Abstecher nach Cape Agulhas, wo sich der atlantische und der indische Ozean treffen: der südlichste Punkt Afrikas. Es herrscht ein rauer Wind und wir wissen nicht so genau, ob das die Kraft der beiden Ozeane ist, die wild aufeinander krachen, oder ob es halt einfach ein windiger Tag ist.

Cape Agulhas - Wo sich der Atlantische und der Indische Ozean treffen

Cape Agulhas - Wo sich der Atlantische und der Indische Ozean treffen

Wir fahren weiter nach Mossel Bay, einem unserer Meinung nach in den Reisebüchern etwas überbewertetem Ort, welches als Startpunkt der Garden Route gilt. Es gibt nicht vieles zu sehen und zu tun, da bei diesem Wetter auch jegliche Wassersportarten wegfallen. Wir gehen daher als Zeitvertrieb Billard spielen in dem einzigen Pub im Ort und verbringen den Rest des Abends in unserer Unterkunft in Mossel Bay.
Am nächsten Tag scheint die Sonne und wir fahren nach „Wilderness“. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine Ortschaft und nicht eine Beschreibung – obschon die natürlich auch zutrifft. Wir möchten gerne eine kleine Wanderung unternehmen, finden aber leider den richtigen Start des „Kingfisher Trails“ nicht und laufen im Kreis herum. Naja, wir entscheiden uns dann doch für einen Spaziergang am Meer, zumal der Eintritt für den ‚richtigen‘ Kingfisher Trail so viel kostet wie der Eintritt in den Etosha National Park… Sonderbare Relationen im verlassenen Wilderness. Der Spaziergang am Meer ist sehr schön und wir sehen dabei auch unsere Traumvilla am Meer, hauptsächlich aus Glas bestehend, mit zauberhafter Aussicht aufs Meer…

Traumhaus Wilderness, ein Grund zum bleiben!

Traumhaus Wilderness, ein Grund zum bleiben!

Wilderness, das Paradies in der Wildnis

Wilderness, das Paradies in der Wildnis


Die Garden Route, die wir als nächstes in Angriff nehmen, wird stark als Touristen-Attraktion beworben. Verdient, denn auf der Strasse fahrend, kann man nicht genug betonen, wie schön die Gegend ist. Man muss ständig fotografieren. Dichte Wälder, herrliche Vegetationen, Gebirge und Hügel wechseln sich ab, allen gemeinsam die Beschreibung „endlos“!

Ein Teil der Garden Route, wunderschön!

Ein Teil der Garden Route, wunderschön!

Wir fahren bis nach Knysna, einem schönen Ort, weitherum bekannt für seine vorzüglichen (man sagt’s -wir liessen uns nicht dazu überreden) und preiswerten Austern. Wir haben eine Übernachtung im French Country House gebucht, welches sich etwas zurückgezogen oberhalb der Stadt auf einem Hügel befindet (i.d.R. nenn ich keine Namen – hier muss ich eine Ausnahme machen, denn sollte jemand irgendeinmal nach Knysna gehen, ist dies eine unserer Top-Empfehlungen!). Unser Zimmer ist extrem komfortabel mit grossem Balkon und einem riesigen Bad mit Badewanne und gleich 2 Duschen – so viel Luxus tut nach den letzten eher bescheidenen Unterkünften ganz gut 🙂 Wir versuchen uns nochmals im Wandern und diesmal klappt es auch! Einen 9km Marsch durch schöne Wälder, den „Woodcutter walk“, bringen wir locker hinter uns und geniessen dabei die abwechslungsreiche Vegetation.

Robinson Crusoe der mich vor bösen Wildtieren beschützt

Robinson Crusoe der mich vor bösen Wildtieren beschützt

Im Superspar (nochmals lesen, wer Superstar verstanden hat) gibt es mein Lieblingsessen: Salatbuffet, wovon wir uns bedienen und einen gemütlichen Abend in der herrlichen „Luxus-Suite“ verbringen (keine Frage dass wir unseren Aufenthalt um eine Nacht verlängern).
Auch der nächste Tag bringt Sonne und wir tun vor allem eines: wandern! Zuerst entlang des schönen Strandes in Buffalo Bay, dann fahren wir zum Startpunkt einer Wandertour, die uns als wunderschöner Walk bei klarem Wetter empfohlen wurde. Wir bezahlen im kleinen „Permits-Häuschen“ für die Wanderung und die Dame schaut zuerst etwas skeptisch, meint dann aber, ok., wir hätten ja noch etwas Zeit. Wir nehmen also den auf der Karte als „etwas anstrengend“ bezeichneten, 9km langen ‚Kranshoek Costal‘ Walk in Angriff. Es ist mittlerweile schon ca. 15 Uhr, aber mit den 9km Märschen haben wir ja bereits Erfahrung und in 2-2.5 Stunden sollten wir es schaffen… Der Walk entpuppt sich aber als sehr anstrengend: es gibt 200m Höhendifferenz zu bewältigen und die weisse Fussspur-Markierung des Weges ist meist ziemlich undeutlich und in die Jahre gekommen (wie kann man zum Beispiel den korrekten Weg finden in einer Fläche von Steinen, worin die Farbe weiss äusserst häufig ist..??).Wir marschieren also recht langsam und verschwitzt auf und ab, verlieren dann und wann den Weg aus den Augen und als es 17 Uhr ist und wir noch immer unten am Meer rumkraxeln (Anfangspunkt war ‚empfundene‘ 250m weiter oben) und die Markierung mal wieder verschwunden ist, mischt sich ein etwas mulmiges Gefühl in die Wanderlaune. Was, wenn wir den Rückweg vor Einbruch der Dunkelheit nicht finden? An Spuren und verschiedenen Exkrementen am Boden erkennen wir, dass es hier verschiedene wilde Tiere geben muss… Wir haben noch etwa 1.5 Stunden Zeit und versuchen uns mit künstlichem Optimismus aufzumuntern. Noch nie hab ich mir einen solchen Aufstieg so ersehnt wie da – und endlich geht’s dann auch den Hügel hinauf, wo wir nicht schlecht staunen, als ein Schild uns über die 6km, die wir bisher gemacht haben, informiert (für meine Mittagspausen-Mitjogger: nie hätt ich gedacht dass läppische 6km so anstrengend sein können!). Wir schaffen es gerade noch, den Park in der Dämmerung zu verlassen – uff, das war ein sportlicher Tag

Costal walk zu oberst: da unten waren wir auch schon...

Costal walk zu oberst: da unten waren wir auch schon...

Wer findet den weissen Fussabdruck, unsere Wegmarkierung?

Wer findet den weissen Fussabdruck, unsere Wegmarkierung?

Unsere nächste Destination ist der Tsitsikamma Nationalpark, wo es zahlreiche Abenteuer-Unternehmen gibt und man Adrenalin kiloweise kaufen kann. Der Park besteht aus einem ausgedehnten Wald mit hohen Bäumen, den typischen „Fynbos“ Büschen und aus Küstengebiet. Bei der einzigen Tank-, Informations- und Einkaufsstelle des Parks möchten wir uns über die möglichen Unterkünfte informieren. Als wir aber nicht sofort bei jedem Angebot der zunächst freundlichen Lady positiv reagieren und mit Einwänden wie „gibt es ein Foto davon“ oder „wie teuer ist es denn“ den Arbeitsdrang der sofort zum Telefon greifenden Dame unterbrechen, gibt sie uns ganz klar zu verstehen, dass sie die Übernachtung für uns buchen will, da sie eine Kommission kriegen würde. Noch nie wurden wir dermassen mit Blicken bestraft wie da, als wir sagen, wir möchten uns selber umschauen – welch tiefe Beleidigung wir da verursacht haben!
Wir finden also alleine eine kleine, gemütliche Unterkunft mit eigenem Häuschen und voll ausgestatteter Küche und möchten noch von einem der „Adrenalinstätigkeiten“, wie es im Reiseführer nachzulesen ist, profitieren. Tsitsikamma Falls Adventures nennt sich das Unternehmen, welches „Zip-Line Tours“ anbietet. Man wird in ein „Klettergstältli“ reingepackt, mit Helm, unzähligen Karabinerhaken und Seilen, und schliesslich an ein dickes Drahtseil gebunden, wo man sich dann über Wasserfälle, Bäche und Bäume von Plattform zu Plattform gleiten lässt. Bei Thomas hat es ziemliche Überzeugungskraft gebraucht, den letzten Zweifel haben unsere Nachbarn (im Pensionsalter) geleistet, die es gleichentags erlebt hatten und es super fanden… Die Plattformen befinden sich bis 50m über dem Boden und das längste Drahtseil ist 211m lang. Das hört sich schwindelerregend an, ist man aber da oben, dann ist es halb so wild (das bestätigt heute auch Thomas).

Zip-Line Tour à la Tarzan bzw. Jane: von Baum zu Baum

Zip-Line Tour à la Tarzan bzw. Jane: von Baum zu Baum

Der nächste Tag (mittlerweile wieder Sonntag) ist etwas vom Wetter getrübt. Wir fahren nach Port Elizabeth (P.E.), unterwegs sehen wir schöne Küstenlandschaften und machen einen Abstecher nach St. Francis Bay, wo jedes Haus gleich aussieht und man offenbar nur solche Häuser bauen darf (weisse Mauern, Schilfdächer und 1 Million Einkommen im Jahr). In P.E. stellen wir fest, dass Schulferien und ein verlängertes Wochenende sind, denn die ersten 3 Unterkünfte, die wir anpeilen, sind allesamt ausgebucht (mit Ausnahme von 2 Schlafsaal-Plätzen)! Wir finden schliesslich eine Unterkunft und verbringen einen sehr ruhigen verregneten Abend in P.E.
Unsere Rückreise nach Cape Town erfolgt über die als schöne als Weinroute beworbene Route 62. Wir passieren viele sehr kleine Orte mit viel Landwirtschaft. Da werden Früchte kultiviert wie Äpfel und Birnen, es hat zahlreiche Strausse auf der Weide (ich frage mich, ob man da auch von „Weiden“ redet?) und auch sehr viele Kühe, aber keine Trauben. Es gibt fantastische Ausblicke unterwegs, touristisch liesse sich diese Gegend aber noch deutlich ausbessern, denn leider gibt es kaum Halteplätze geschweige denn Restaurants. Wir fahren bis nach Oudtshoorn, einem etwas grösseren Ort, wo wir eine spezielle Unterkunft mit spezieller Besitzerin finden. Sie erklärt uns, was in der Zeitung steht, ob die Schweiz heute auch drin war und was sonst so abgeht in und um Oudtshoorn. Dies kriegen wir für einen äusserst günstigen Preis zusammen mit der grossräumigen, etwas in die Jahre gekommenen Unterkunft, die aus 3 Räumen mit 4 Betten besteht – Platz zum verschwenden! Wir haben eine tolle Aussicht von der Veranda aus auf die Stadt und die Berge und fahren noch den empfohlenen Pass durch die Swartberge ab, wo wir fantastische Bilder schiessen können.

Wunderschöner Ausblick auf die Swartberge von der Passhöhe aus

Wunderschöner Ausblick auf die Swartberge von der Passhöhe aus

Oudtshoorn ist DIE Straussenstadt. Man verkauft hier so ziemlich alles vom Strauss. Von den Federn, die gerne als farbige Abstaubwedel auf der Strasse verkauft werden, über Eier in allen Formationen bis zu Leder als Damentaschen und Herrengürtel verarbeitet. Es gibt auch „Show-Farmen“, wo man auf Straussen reiten und Wettrennen machen kann. Unsere Zeit ist leider zu knapp für diesen Spass und wir können hier kein Straussenreiter-Foto zeigen. Thomas hat sich aber abends ein Stück hiesiges Straussenfleisch nicht entgehen lassen (sozusagen ein Muss für Fleischesser). Das afrikanische Restaurant trägt den etwas verwirrenden Namen „La dolce vita“ – wir liessen und aufklären, dass halt einfach die Namen für Restaurants ausgegangen wären und man deshalb diesen Namen gewählt habe.
Am nächsten Tag machen wir vor der Weiterfahrt auf der Route 62 noch einen kurzen Abstecher zu den „Cango Caves“ bei Oudtshoorn. Wir werden in den grossen Höhlen rumgeführt und über Entstehung, Alter, Zusammensetzung und Kostbarkeit der Stalagmiten und Stalagtiten informiert. Im Cango Berg gibt es zahlreiche solcher Höhlen, für Besucher zugänglich ist aber nur „Cango 1“. In den anderen Höhlen wird geforscht, manche werden ganz in Ruhe gelassen und manche hat man wohl noch gar nicht entdeckt. Die ganze Tour wird zwar sehr massentouristisch abgehalten, aber wir finden es doch sehr interessant und können uns kaum an den eleganten Strukturen satt sehen.

– Platzhalter –
Sorry, Fotos in Höhlen werden einfach nie so richtig gut

Die Weiterfahrt auf der Route 62, weg von Straussen und endlich hin zu Weinreben, führt uns nach Mogadu, einem netten Ort, das etwa 200 km von Cape Town entfern ist. Da wir etwas spät ankommen, können wir uns leider nicht mehr im Ort selber umsehen und gehen direkt zur sehr hübschen Unterkunft „Anchor Inn“, wo wir einen guten Preis für ein eigenes Rondell-Häuschen aushandeln – das war wirklich wunderschön!

Unser kleines Rondellhäuschen in Mogadu, Route 62

Unser kleines Rondellhäuschen in Mogadu, Route 62

Gerne hätte man da länger geschlafen, wir müssen am nächsten Tag aber den Wagen zurück nach Cape Town bringen und fahren früh los. In Cape Town haben wir uns beim zweiten Aufenthalt nicht mehr für die lärmige chaotische Longstreet entschieden, sondern sind in Meeresnähe, beim „Sea Point“ – ein riesen Unterschied und die Schlafqualität wird garantiert besser sein! Wir nutzen den Tag um unsere weitere Reise zu organisieren und machen erste Erfahrungen mit dem mosambikanischen Konsulat, wo wir eigentlich nur Informationen zum Visum möchten. Stattdessen bemerkt der Mosambikaner mit schelmischem Blick, dass es zu spät sei, heute ein Visum zu erstellen, wir sollen am nächsten Tag wieder kommen. Praktisch im gleichen Atemzug meint er aber, er könne was tun und schiebt uns Formulare zu, die wir möglichst schnell ausfüllen sollen. Ups, da sind wir etwas erstaunt und versuchen unverzüglich die Formulare auszufüllen, was sich als unmöglich erweist, denn wir haben ja noch keine Pläne! Man will wissen wie wir nach Mosambik kommen, welche Grenze wir überqueren wollen, wie lange, wo wir bleiben, wie viel Geld wir beabsichtigen auszugeben etc. Hilflos stehen wir da, dabei sollten wir uns doch beeilen. Der Mosambikaner hilft uns und nennt einen Grenzort. In Mosambik gilt Portugiesisch als offizielle Landessprache, wie bitte soll man da wissen wie man das schreibt?? Naja, mit viel Unterstützung und einem etwas komischen Gefühl füllen wir dann die Dinge aus, die wir noch nicht wissen und hoffen, dass dies gut kommt! Der nächste Schritt ist dann die Bezahlung. Nein, die verläuft nicht ohne Quittung und in Cash an den Herrn, wer das dachte, muss sich ein neues Bild von Mosambik machen: man geht auf die Bank, zahlt die umgerechnet ca. 50 CHF/P ein, kommt mit dem Beleg zurück und krieg dann den Bescheid, am späten Nachmittag wieder zu kommen. Die Pässe bleiben selbstverständlich da. Die Zeit nutzen wir, um die Busfahrt, wieder mit Intercape Mainliner, nach Maputo, Mosambik’s Hauptstadt, zu organisieren. Das wird eine anstrengende Fahrt: Start am Samstag um 17.30 Uhr in Cape Town bis nach Johannesburg, wo wir um ca. 13.30 Uhr ankommen sollen. Weiterfahrt nach Maputo leider erst um 22.00 Uhr. Der Ticketaussteller versichert uns aber, dass der Bahnhof von Johannesburg völlig sicher sei und dass auch abends keine Gefahr herrsche. Als Sonderangebot kaufen wir die günstigen Tickets und bereiten uns mental auf eine andere Welt vor.
Die restlichen 2.5 Tage in Cape Town verbringen wir mit einem Besuch des Tafelberges, von wo aus wir eine geniale Aussicht auf die Stadt haben und auf den wir mit einer Schweizer Gondel hinaufbefördert werden, mit Spaziergängen und Joggen am Meer entlang und mit herrlichen und äusserst preiswerten Sushis im Japanisch-Chinesisch-Thailändischen Restaurant neben unserem Hotel Ritz (leider ohne „-Carlton“).

Aussicht auf Kapstadt vom Tafelberg aus

Aussicht auf Kapstadt vom Tafelberg aus

Bei einem der Spaziergänge entdeckten wir das Sammeltaxifahren. Das spielt sich etwa so ab: der Beifahrer schreit die Zieldestination des Schiebetürkastenwagens sehr laut aber unverständlich den Passanten entgegen. Wem die Destination gefällt, der nimmt Platz und zwar wird konsequent immer aufgeschlossen, jeder Platz wird mindestens einfach benutzt. Leere Sitze gibt es nicht. Ist der Wagen mindestens normal voll, dann fährt man los. Während der Fahrt wird bezahlt, man gibt das Fahrgeld jeweils eine Reihe nach vorne, bis es beim Beifahrer landet. Will jemand aussteigen, dann gibt er ein Zeichen (ich habe nicht rausgefunden, wie das Zeichen geht) und man wird an einer beliebigen Stelle raus gelassen, nimmt dafür auch gerne hupende und wütende Fahrer hinter dem Wagen entgegen. Der frei gewordene Platz wird natürlich – durch erneutes Schreien des Beifahrers aus dem Fenster – so schnell wie möglich wieder besetzt. Bleichgesichter wie wir fahren leider kaum in den Taxis und wir waren sofort umzingelt, als wir nur die Frage stellen wollten, wo er hinfahren würde. Es blieb uns nichts anderes übrig als einzusteigen, Thomas in der hintersten Reihe, eingepfercht zwischen 3 typischen älteren Afrikanischen Frauen (wer mal da war, weiss was ich meine), ich eine Reihe davor, in Sammeltaxirelationen mit sehr viel Platz da wir nur 3 in der Reihe waren… Für praktisch kein Geld wurden wir also ins Zentrum gefahren und haben dabei noch etwas Neues erlebt! Wir empfanden es als unangebracht, die Kamera während der Fahrt auszupacken, somit fehlt auch dieses Foto.

Vielen Dank fürs geduldige Lesen - Kommentare willkommen :-)

Vielen Dank fürs geduldige Lesen - Kommentare willkommen 🙂