16. Reisebericht: Unterwegs im südlichen Thailand von Cha-An bis Ao Nang


von Thomas

Die Zugfahrt von Pak Chang nach Cha-An ist ermüdend und anstrengend. Ja, es gibt schon auch positive Aspekte: Die Landschaft, die langsam an einem vorbei zieht (die Maximalgeschwindigkeit überschreitet ja kaum 50km/h), die freundlichen Mitreisenden, die einen herzlich grüssen und ein freundliches Lächeln schenken (einige Fahrgäste sind allerdings auch am helllichten Tag schon so verladen, dass man sich nie ganz sicher ist, ob die Freude über die Begegnung mit einem „Farang“ nicht auch plötzlich in Aggression überschwappt) oder auch das reichhaltige Angebot an Nahrungsmitteln und Getränken während der Fahrt (in der Tat vergeht kaum eine Minute, ohne dass irgendein Händler einem irgendeine Köstlichkeit andrehen möchte). Grundsätzlich ist die Fahrt wirklich ein schönes Erlebnis, wäre da nicht die Fahrt durch Bangkok. Von Norden kommend müssen wir durch die halbe Stadt (und in der Stadt gibt es schätzungsweise 57 Haltestellen) zum Hauptbahnhof und von dort, nach Süden reisend, durch die andere Hälfte der Stadt. Es ist schier unendlich.

Fröhliche Farangs auf ihrer unvergesslichen Zugfahrt

In Cha-An haben wir im Voraus eine Unterkunft reserviert, das Happy Inn. Der Pick-up-Service vom Bahnhof klappt nicht so ganz, und so setzen wir uns telefonisch mit Miss Aree in Verbindung, der freundlichen Besitzerin des Happy Inn und stellen fest, dass alles doch kein Problem ist. Miss Aree ist ganz in der Nähe, sie musste lediglich noch schnell einen Kühlschrank am Markt besorgen, der mit uns auf das Taxi muss. Miss Aree ist richtig süss und punktet mit ihrer Freundlichkeit, weshalb wir die Qualitätsmankos der Unterkunft grosszügig übersehen. Die Unterkunft ist irgendwie mit Miss Arees Alphabet zu vergleichen – gewisse Teile müssen noch ein- oder ausgebaut werden. Bei ihr fehlen z.B. diverse Konsonanten, weshalb wir uns im Gespräch mit ihr ans Glücksrad erinnert fühlen.

Cha-An ist unserer Ansicht nach nicht unbedingt ein Ort, den man gesehen haben muss. Auch der Strand zählt nicht zu den schönsten der Welt. Dennoch haben sich hier zahlreiche Westler angesiedelt, die in ihre Irish Pubs und Schnitzelhäuser einladen. Selbst das Restaurant „Röstigraben“ fehlt hier nicht. Wir verbringen einen Tag am Meer und erholen uns von der anstrengenden Zugfahrt. Unser Vorabendprogramm findet in einer der zahlreichen Bars statt, in welchen überdurchschnittlich viele junge Damen arbeiten. Trotz personeller Überbelegung fehlt dann aber doch die Hauptperson der Cocktail-Bar, die Cocktail-Mixerin, so dass Anita gezwungen ist, sich ihren so geliebten Bloody Mary selbst zu mixen, denn die anderen Damen haben keinen Schimmer, was das überhaupt ist. Nachdem wir später dann all unsere Restaurant-Optionen durchgehen, verankert sich in meinen Gedanken bei der Nennung des „Schnitzelhauses“ ein saftiges Cordon Bleu, so dass ich alles daran setze, meine Begleiterinnen von diesem interessanten Lokal zu überzeugen, was mir Gott sei Dank dann tatsächlich auch gelingt!

Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Chumphon, das häufig auch Chumporn genannt wird (Ich entscheide mich hier für die zweite Variante, denn mit „Porn“ lässt sich immer etwas die Leserzahl erhöhen). Überhaupt nehmen es die Thais nicht so streng, was die Rechtschreibung anbelangt. Man lebt nach dem Motto, dass alles, was irgendwie ähnlich klingt, korrekt ist und diskussionslos aufgeschrieben werden darf. Es ist ein wenig wie beim Schweizerdeutsch-Schreiben, da ist ja auch alles erlaubt. Übrigens ist man in anderen asiatischen Ländern ebenso kulant wie in Thailand… Egal, die Fahrt nach Chumporn, von wo aus wir weiter nach Koh Tao wollen, gestaltet sich schwieriger als erwartet und wir haben es einmal mehr dem Goldschatz aus dem Happy Inn, Miss Aree, zu verdanken, dass wir den Bus, der leider nur in der nächst grösseren Stadt fährt, doch noch rechtzeitig erwischen. Die Fahrt dauert mehrere Stunden und zu unserem Erstaunen befindet sich der Busbahnhof von Chumporn nicht etwa bei der Fährstation oder der Stadtmitte, sondern etwa 15 km ausserhalb. Hier sieht es ziemlich verlassen, ja leicht unheimlich, aus und so bleibt uns nichts anderes übrig, als auf das Angebot des einzigen „Transportunternehmens“ einzugehen und uns in die Stadt fahren zu lassen. Dort finden wir heraus, dass sämtliche Fähren bereits abgefahren sind, so dass wir gezwungen sind, eine Nacht in Chumporn zu verbringen. Die Freude darüber hält sich in Grenzen, denn zur Stadt Chumporn lässt sich nur sagen, dass sie Gäste nicht nur mit ihrem Erscheinungsbild, sondern auch mit ihren Unterkünften abschreckt.

Wir verlassen Chumporn gerne und nehmen auch in Kauf, dass wir uns bereits um 5 Uhr in unserem Reisebüro einzufinden haben. Von dort bringt uns der Minibus zum grossen Bus, mit welchem es etwa 20 Minuten stadtauswärts geht bis wir endlich auf unsere Fähre nach Koh Tao steigen können. Dort erlebt die arme Renate wohl die schrecklichsten Stunden ihres Thailand-Besuchs, denn die See ist unruhig und die Fahrt dauert über drei Stunden. Sie hält sich aber wacker, denn ausser Humorlosigkeit, wortkargem Verhalten und grünlicher Verfärbung der Gesichtsfarbe geschieht nichts. Trotzdem freuen wir uns aber endlich Koh Tao zu erreichen und unbeschwertes Inselleben geniessen zu können.

Unversehrter Strandabschnitt in Sairee Beach - eine Seltenheit!

Koh Tao, die „Schildkröteninsel“, galt immer als die ruhigste und einsamste Insel des Inseltrios Koh Samui, Koh Phangan und Koh Tao. Ob dies heute noch so ist? Wir wohnen in einer sehr angenehmen Unterkunft im Hauptort Sairee Beach (Nur der permanent vor den Gästeveranden herumhängende Putzmann, der sehr laut und ekelhaft in regelmässigen Abständen den in den hintersten Ritzen sitzenden Schleim und Speichel aus sich heraussaugt, stört etwas.). Sairee Beach hat sich in den letzten Jahren massiv entwickelt und dabei sind leider diverse Bausünden begangen worden. So ist es z.B. nicht mehr möglich, dem Strand entlang zu spazieren, da hier mal jemand die Idee hatte, die Restaurants und Unterkünfte direkt am Meer zu bauen, was fast von allen anderen kopiert wurde. Man findet also wunderbares, türkisfarbenes Meerwasser, doch weite Teile des Strandes sind einfach verschwunden. Unsere Unterkunft baut beim Strand vorne ebenfalls aus, so dass es da nicht richtig gemütlich ist zum Entspannen. Wir spazieren etwas im Ort herum und realisieren, wie vollgepackt es hier ist mit Restaurants, Unterkünften, Tauchschulen und Reisebüros. Die Zeiten ohne Stromversorgung sind definitiv vorbei. Zudem wimmelt es von Rollern. Der Verkehr steht in keiner Relation zur Grösse der Insel, die sechs Kilometer lang und drei Kilometer breit ist. Wir müssen feststellen, dass Koh Tao nicht mehr das Paradies ist, was es wahrscheinlich noch vor wenigen Jahren war. Trotzdem ist es immer noch eine sehr schöne Insel und wir machen uns eine tolle Zeit. Am ersten Abend essen wir in einem der Strandrestaurants lecker Thai und schauen auf Renates Wunsch gleich noch „Twilight“ im Restaurant-Kino. Im Anschluss kosten wir noch unsere Veranda aus und diskutieren bis spät in die Nacht!

Sonnenuntergang auf Koh Tao

Den nächsten Tag gehen wir ruhig an. Wir regeln die Weiterfahrt, entspannen am Meer, essen beim Mexikaner unser Abendessen und verwöhnen uns mit einer Fuss- bzw. Thaimassage. Am dritten Tag ziehen wir die Wanderschuhe an und machen uns auf die Suche nach weniger bevölkerten Stränden auf der Insel. Als wir die viel befahrene Hauptstrasse endlich verlassen und auch das Elektrizitätswerk und die Mülldeponie hinter uns lassen, werden wir langsam zuversichtlich, ein Stück Paradies zu finden. Die Begeisterung für unsere erste Entdeckung, Ao Leuk, hält sich aber in Grenzen, so dass wir unsere Wanderung fortsetzen mit dem Ziel „June Juea Beach“. Als wir unser Ziel nach mehreren Anläufen endlich finden, sind wir begeistert! Hier im Süden der Insel ist es noch richtig gemütlich und die Unterkünfte wunderhübsch! Wir hoffen, dass dies noch ein Weilchen so bleibt!

Auf der Wanderung auf Koh Tao. Werden wir das verlassene Paradies finden?

Am 19. Januar, dem Tag an dem ich praktisch zum Nichtraucher wurde (seltene Ausnahmen sind erlaubt), fahren wir mit dem Turbo-Katamaran zurück aufs Festland. Wellentechnisch ist ganz schön was los, doch mit Reisetabletten und dem starren Blick zum Horizont überleben wir die Überfahrt nach Chumporn unversehrt. Von dort geht es mit dem Bus weiter an die Westküste, genauer gesagt nach Ao Nang bei Krabi. Hier werden wir die nächsten Tage bleiben!

Aussicht aus dem Hotelzimmer in Ao Nang

Bei der Hotelbuchung hiess es, wir seien etwas ausserhalb des Zentrums. Wir haben uns vorgestellt, wir müssten durch den Dschungel wandern bis wir ins Herz des gemütlichen Ferienörtchens vorstossen, doch dem ist nicht ganz so. Unser Hotel liegt an der Hauptstrasse und der Weg zum Meer führt an unzähligen Shops und Restaurants vorbei. Es ist aber trotzdem ganz nett hier und das Hotel bietet angenehmen Komfort und Englisch sprechendes Personal. Ausserdem lassen sich viele Ausflüge von hier aus unternehmen. Dafür ist es am ersten Tag aber zu spät, denn wir kommen erst am Abend an und so reicht es nur für ein ausgezeichnetes thailändisches Abendessen im kleinen Familienbetrieb gleich gegenüber unseres Hotels.

In Ao Nang fehlt selbst Mc Donalds nicht!

Am nächsten Tag verbringen wir erstaunlich viel Zeit mit Shopping und die Zeit vergeht unglaublich schnell, gerade wenn man da ein Käffchen und dort ein Käffchen zu sich nimmt. Erst am späten Nachmittag brechen wir auf Richtung Norden zu einem Strand, der vor allem von Einheimischen aufgesucht wird. Es ist definitiv kein Badestrand, dafür ein toller Ort um stundenlang spazieren zu gehen. Es ist Ebbe und wahrscheinlich könnte man jetzt bis zur nächsten Insel wandern. Wir verzichten aber darauf und waten lediglich ein wenig durchs seichte Wasser, umgeben von unzähligen Muscheln und Krebsen. In einem Strandlokal wollen wir noch den Sonnenuntergang geniessen, doch da das Lokal so schmuddelig und gleichzeitig masslos überteuert ist, ändern wir den Plan und machen uns auf den Nach-Hause-Weg. Zur Abwechslung speisen wir am Abend dann man wieder Indisch!

Am "Thai-Strand" nördlich von Ao Nang lässt es sich stundenlang spazieren - insbesondere bei Ebbe

Hat Rai Leh heisst unser Ziel am nächsten Tag. Es handelt sich um einen märchenhaften Strandabschnitt, der türkisfarbenes Meer, weissen Sand und faszinierende Felsformationen miteinander verbindet. Den Strand erreichen wir mit kleinen, schmalen Boot-Taxis, den sogenannten Longtailboats oder eben Langschwanzbooten. Schon die Fahrt entlang der Küste ist unglaublich reizvoll. Die Sonne brennt und wir benötigen dringend Abkühlung. Das Meer taugt dazu kaum, denn die Wassertemperatur dürfte irgendwo im Bereich von 30 Grad liegen. Wir landen also erst im Strandcafé und schauen uns später noch ein wenig die Gegend an, wobei wir nicht nur weitere Felsen, sondern auch noch Affen und eine Reggae-Bar entdecken! Wir sind sehr glücklich darüber, dass uns die Reggae-Bar einigermassen mit Reggae verschont und so bleiben wir hier, umgeben von Felsen und Wäldern, noch ein wenig liegen bevor wir uns auf den Rückweg machen!

Unterwegs mit dem Longtailboat - Küstenabschnitt zwischen Ao Nang und Hat Rai Leh

Unweit von Krabi gibt es einen Nationalpark, den wir am nächsten Tag besuchen wollen. Dazu mieten wir erst mal zwei Motorräder und dann geht es los! Auf den unbefahrenen Strassenabschnitten macht die Fahrt Spass, auf den stärker befahrenen Strecken ist sie recht unangenehm. Wir haben es aber geschafft und schon beim Eingang empfängt uns zur Belohnung ein stolzer Pfau! Wir machen uns gleich auf die Wanderung und schmunzeln noch ein wenig, als wir erfahren, dass unsere Tour nur wenige Kilometer dauert. Was aber folgt, werden wir so schnell nicht vergessen, denn die Strecke ist unglaublich anstrengend. Irgendjemand hat ein Schild mit der Aufschrift „Trail of Death“ angefertigt und an einen Baum genagelt. Die Person hatte Recht! Obschon wir uns, mitten im Dschungel, meist durch schattiges Gebiet bewegen, sind die Hitze und die Wegsteigung massiv. Wir erreichen stöhnend den Aussichtspunkt, verlieren aber später den Weg, so dass wir umkehren und Richtung Wasserfall marschieren. Ein steiler Weg bergab führt uns leider nur zu einem eher bescheidenen Bächlein, so dass sämtliche Bade- und Abkühlungsträume platzen. Wir schlagen der Rückweg ein und erreichen nach einiger Zeit wieder den Ausgangspunkt, wobei Renate mit ihrem Schlussspurt überrascht, denn noch vor etwa einer halben Stunden gab sie an, am Ende ihrer Kräfte zu sein. Am Ziel sehen wir aus als würden wir gleich an einem Wet-T-Shirt-Contest teilnehmen, allerdings zeigen wir starke Ermüdungserscheinungen, weshalb man uns von der Teilnahme wohl ausschliessen würde. Nachdem wir endlich zusätzliches Wasser kaufen können, entschliessen wir uns, auch noch den zweiten Wasserfall anzuschauen und werden diesmal ganz und gar nicht enttäuscht! Zufrieden, müde und immer noch nass treten wir gegen Abend die Rückfahrt an. Wir verfahren uns zwar leicht, finden aber doch zurück nach Ao Nang, wo wir dann am Abend bei einem reichhaltigen Buffet die verlorenen Kalorien wieder zu uns nehmen!

Hart erkämpfte Aussicht im Khao Phanom Bencha Nationalpark

Und dann folgt Renates letzter Tag in Thailand und wir entscheiden uns einfach gar nichts zu machen! Wir machen uns einen gemütlichen Tag in Ao Nang, geben Renates letztes Geld aus und geniessen Sonne, Meer und das Dolce Far Niente! Am nächsten Tag fliegt Renate via Bangkok nach Zürich und wir setzten unsere Reise fort nach Koh Jum, einer kleinen Insel in der Adamanensee!

Noch einmal alles gegeben - auf finaler Shoppingtour in Ao Nang

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