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17. Reisebericht: Fortsetzung der Suche nach dem Paradies in Thailand

März 13, 2010

Nachdem wir uns mit Bedauern von Renate verabschiedet haben, steigen wir ins Taxi und fahren Richtung Krabi Jetty. Wir nehmen diese Reise voller Erwartung in Angriff, denn wir fahren auf eine kleine Insel, die uns in Bangkok von Monika und Kurt aus dem Emmental so herzlich empfohlen wurde. Auf halbem Weg kriegt der Fahrer aber einen Anruf und macht darauf hin eine Kehrtwende zurück nach Ao Nang, wo wir Renate nochmals winken können (leider ohne Reaktion ihrerseits). Ein weiteres Päärli steigt zu uns – na ja, es gibt immer Kurzentschlossene und wir wissen jetzt auch, wozu so viel Zeit eingeplant wird, für den Katzensprung zum Anlegesteg der Fähre. Wir schaffen es schliesslich bis zur Fähre und sind beruhigt, dass es sich hier nicht um eine High-Speed-Ferry handelt, womit wir schlechte (im wahrsten Sinne des Wortes) Erfahrungen gemacht haben, sondern um ein eher langsames, solides Schiff. Mitten in der Andamanensee werden wir von einem kleinen Boot, beschriftet mit dem Namen unserer Unterkunft, abgeholt und müssen unser schweres Gepäck von SCHIFF A auf boot b hieven.

Umsteigen auf dem Wasser: Von der Fähre über zwei Boote bis zum richtigen Taxi

Was wir dann vor uns sehen, ist unbeschreiblich schön! Die malerische Insel Ko Jum ist heute noch so, wie wohl Ko Lanta und Ko Samui vor 20 Jahren waren: wirklich ursprünglich und unberührt, praktisch ohne Asphalt-Strasse und viele der grösstenteils einfachen Resorts und Unterkünfte sind nur per Boot zugänglich – so wie unser Ko Jum Resort.

Idyllisch in der Andamanensee gelegen: die wunderschöne Insel Ko Jum

Wir werden in ein anspruchsloses Bungalow aus Rattan mit „privatem“ Meerblickvorbau geführt, wo wir uns der bezaubernden Aussicht erfreuen. Wir haben es gefunden – unser Paradies in Thailand! Das Meer ist wunderschön und sehr warm, der Strand einsam und malerisch und unser kleines Häuschen passt zu den verlassenen Stränden und dem kaum befahrbaren einzigen Weg hinter dem Resort. Wir fühlen uns wohl uns sind froh, einen wirklich schönen Ort in Thailand beschreiben zu können! Elektrischen Strom gibt es auf Ko Jum erst seit ein paar Monaten, was uns eher bekümmert als erfreut, denn damit steht den Riesenresorts nach dem Vorbild von Ko Samui nichts mehr im Wege…

Unsere Terasse mit Meerblick ist zum Relaxen gemacht!

Diese Stühle haben wir oft besetzt. Schlafzimmer im Hintergrund.

Es zieht uns an den schönen Strand, wo wir feststellen, dass es auch in Österreich Ladyboys gibt die bunte Zehennägel mögen (oder liegt es nur daran, dass Mann in Thailand damit nicht auffällt?). Unsere Nachbarn aus Österreich haben sogar das Zelt dabei, obwohl dies nicht ganz ladyboy-like ist (aber sympathisch, ned?).

Am nächsten frühen Morgen mach ich mich auf eine Jogging-Erkundungstour – es fühlt sich toll an, ohne Motorenlärm und streunende Hunde sondern im angenehmen Schatten der Bäume auf Schotterstrassen zu rennen! Nach der Tour kann ich Thomas berichten, dass sich der erste Minimarkt nur 1.5 km von unserem Resort befindet und dass es ein kleines idyllisches Dorf mit Inselbewohnern gibt. Nach dieser tollen Berichterstattung und dem gesunden Frühstück will Thomas natürlich auch auf Inselerkundungstour. Bei mindestens 35°C marschieren wir in der Folge 3 Stunden dem Weg entlang (ich nenne ihn „der Weg“, weil es keinen anderen gibt), der leider nicht immer von Bäumen gesäumt ist. So komisch und unverständlich es klingen mag, doch wir sehnen uns tatsächlich nach ein paar Wolken.

Das kleine Dörfchen ist entzückend. Kleine, auf Stelzen stehende einfache Häuser aus Rattan oder Bambus reihen sich entlang des einzigen Teersträsschens der Insel und die Einwohner haben aller ihr eigenes kleines Unternehmen, sei es der Verkauf von Benzin in Flaschen oder von gekochtem Reis in Bananenblättern.

Friedliches Inselleben im Dörfchen von Ko Jum

Eigentlich würden wir auf unserer Tour gerne einen etwas weniger kleinen Minimarkt finden, als den zuerst gesichteten. Wir finden aber heraus, dass dies bereits der grösste Minimarkt ist und enden am Schluss doch wieder da, um Wasser und (lange abgelaufenes) Cola Zero zu erstatten.

Ein Taxi der anderen Art vor der Schule Ko Jum

Abends essen wir bei einem französisch-thailändischen Paar im Resort nebenan, das sie vor etwa 5 Jahren eröffnet haben und uns selber auf Ideen bringt J Warum eigentlich nicht? Wir geniessen die Insel Romantik mit Sternenhimmel, Meeresrauschen und Hochsommer-Temperaturen in vollen Zügen und sind froh, ein solch schönes Plätzchen gefunden zu haben.

Auch die nächsten zwei Tage verbringen wir vor allem mit Genuss und Erholung, wandern oder rennen auf der Insel rum und erfreuen uns des Lebens! Es sind diese Momente, wo man sich des Glücks bewusst wird, das wir haben – 6 Monate Reisen ist ein so tolles Erlebnis, dass man es sich immer vor Augen halten sollte!

Abendstimmung und Inselromantik auf Ko Jum

Der Tag der Abreise war gut geplant, denn aller Genüsse der Insel zum Trotz, wir wollen einen Schritt weiter auf unserer Erlebnisreise. Um 9 holt uns die Fähre (natürlich wieder mit Boot-Taxi bis zum „grossen“ Schiff) ab und bringt uns nach Krabi zurück. Da unsere weitere Reise nach Laos führt, haben wir ab Phuket einen Flug in den Nordosten von Thailand an die Grenze zu Laos gebucht. Obwohl wir Phuket meiden wollten, verbringen wir doch zwei Tage auf der renommierten Insel. Damit wir nicht voll im Mekka der Altlüstlinge sind, bleiben wir in der Stadt Phuket, wo es keine Strände gibt. Mit dem Bus gelangen wir rasch dorthin und finden eine tolle moderne Unterkunft, wo wir Platz zum Verschwenden haben – insbesondere, da wir uns in den vergangenen Tagen an 15 m2 gewöhnen mussten. Es gibt sogar einen funktionierenden Fitnessraum, wo ich mich voll austoben kann, während Thomas sich um wichtigeres kümmert (CV, Job-Angebote und Bewerbungsunterlagen…). Wir geniessen die verfügbare Steigerung vom Minimarkt zum Supermarkt und kaufen alles ein, was uns gefehlt hat auf der einsamen Insel. Abends probier ich das typische Gericht „Tom Yum“ und ahne noch nichts von den Folgen, die ich in der kommenden Nacht mehrmals zu spüren bekommen werde…

Am nächsten Tag machen wir per Tuk-Tuk einen Ausflug zum „Phuket-Strand“ Hat Nai Harn, der laut Reiseführer etwas weniger überlaufen sein soll. Am Ziel angekommen, möchten wir nicht wissen, wie die „überlaufenen“ Strände von Phuket aussehen, denn hier reiht sich Sonnenschirm an Sonnenschirm und ausschliesslich schöne Menschen liegen darunter. Es ist zudem zu heiss um sich ausserhalb des Schattens aufzuhalten, weshalb wir auch bald wieder per Abzocker-Tuk-Tuk zurück in unser Städtchen kehren, wo wir ein köstliches abschliessendes indisches Mahl einnehmen.

Hat Nai Harn, einer der Strände auf Phuket - man fühlt sich hier nie alleine

Der nächste Tag bringt uns per Air-Asia-Flug günstig in den Nordwesten von Thailand, nach Udon Thani und von da per Bus nach Nong Khai, einem gemütlichen Grenzstädtchen zu Laos. Wir finden einen Platz im bekanntesten Guesthouse der Region, Mut Mee, deren Besitzer selbst mit Lonely Planet ein Abkommen zu haben scheinen (weshalb praktisch immer jedes Zimmer besetzt ist). Die Backpacker-Anlage ist wirklich behaglich, es gibt hübsche einfache Zimmer und einen riesigen Garten. Jegliche Konsumation beruht auf Vertrauensbasis – verrechnet wird am Ende nur, was im zimmereigenen Gästebüchlein von den Gästen eingetragen wurde und dies scheint einwandfrei zu funktionieren. Wir lernen während der Reise Sandra aus Zürich kennen und verbringen einen heiteren Abend im Mut Mee Garten.

Das kleine Städtchen möchten wir uns am folgenden Tag etwas näher ansehen. So schlendern wir über den grossen Markt wo man wirklich alles findet – irgendwo. Der Tag verläuft sehr gemütlich, wie alles in Nong Khai und wir sitzen anschliessend im erfrischenden Garten und betreiben Reiseplanung bzw. Berichtschreiben.

Big Brother is watching you - über den Dächern von Nong Khai

Nach einer schönen Sunset-Tour auf dem Mekong River, der hier die Grenze zwischen Thailand und Laos bildet, entspannen wir uns bei einer richtigen Thai Massage (autsch!) und essen anschliessend als einzige Gäste in einem am Mekong gelegenen Restaurant thailändische Spezialitäten wie Morning Glory und Fischsauce (für Kommentare diesbezüglich ist Thomas zuständig).

Wir freuen uns auf den nächsten Tag, denn dann beginnt das nächste Abenteuer: LAOS!

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15. Reisebericht: Thailand – Bangkok, Ayutthaya, Khao Yai Nationalpark

Februar 16, 2010

von Anita 

Land des Lächelns, Paradies auf Erden, Asien-Ferienziel Nr. 1 – SAWASDEE. Massagen, Traumstrände, Sonne und Meer, relaxen und das alles zu erschwinglichen Preisen. Man hört – abgesehen vom Sextourismus – nur Gutes von diesem grossen Königreich in Südostasien. Thailand, unsere nächste Destination, die wir voller Spannung und Vorfreude bereisen. 

Bangkok, Suvarnabhumi Airport, 16.00 Uhr. Es ist schwül-heiss, noch schlimmer als in HCMC. Unser Gepäck ist da, jetzt brauchen wir einen Geldautomaten, um die neue Währung BAHT in den Händen halten zu können und um unsere Expedition Thailand starten zu können! Wie üblich erhalten wir vom ATM nur grosse Scheine, welche wir überdies bloss auf einer Seite entziffern können: 1000 Baht, das ist zu viel für den Bus! Damit wir zu kleinem Geld kommen, kauft sich Thomas beim Flughafenkiosk eine ersehnte Coca-Cola Zero. Dass er dafür so viel bezahlt wie noch nie auf unserer Reise (und wie in der Folge auch nicht mehr), finden wir erst beim Einsteigen in den Bus heraus. Tja, neue Währungen und Umrechnungsfaktoren haben so ihre Tücken! 

Wir haben bereits ein Hotel gebucht und sind beim Aussteigen sehr froh darüber. Wie auch schon in Vietnam erlebt, wird man regelrecht bombardiert mit Angeboten – Tuk-Tuk, Motorbike-Taxi und Gästehaus-Angebote zu sagenhaften Preisen werden einem beim Entgegennehmen des Gepäckes zugerufen. Leicht misstrauisch erklären wir immer wieder, dass wir bereits eine Unterkunft gebucht haben und versuchen, diese auf eigene Faust zu finden. Ein besonders hartnäckiger Motorbike-Fahrer will uns unbedingt auf seinem Töff zu unserem Hotel führen (wie er sich das mit 2 Erwachsenen und 2 grossen Rucksäcken à je ca. 17 kg vorgestellt hat, bleibt mir ein Rätsel). Selbstsicher bahnen wir uns einen Weg durch den bietenden Haufen und laufen in eine Richtung, von der wir denken, es sei die richtige. Leider erweist sich die Suche als ziemlich kompliziert, denn alle Strassennamen tönen für uns gleich und jede Seitenstrasse trägt den Namen der grossen Hauptstrasse auch noch mit. Wir laufen also der Ratcha Damnoen Klang und suchen Ratcha Damnoen Klang Soi. Irgendwann kommen wir wieder an den Platz, an dem wir vorhin ausgestiegen sind und stossen zu allem Übel auch noch auf denselben Motorbike-Fahrer. „I told you! I told you to come with me!“ ruft er triumphierend in unsere Richtung, wobei sein Atem unverkennbar verrät, womit er sich die Zeit vertrieben hat und damit seine Chancen, ihn doch als Taxifahrer zu wählen, definitiv verspielt hat (auch in Thailand sollten Taxifahrer jeder Art nicht alkoholisiert arbeiten). Schliesslich finden wir mit Hilfe eines Touristenbüros den richtigen Weg zum Hotel, wo wir ein spartanisch eingerichtetes aber sauberes Zimmer beziehen dürfen. 

Die Khao San Road in Bangkok - 24 h lang Betrieb

Wir stürzen uns gleich mitten ins Backpacker-Zentrum von Bangkok, die Khao San Road! Im Thai-Restaurant kriegen wir gleich mit dem Essen eine Kostprobe des thailändischen Stolzes: nichts ist schlimmer, als das Gesicht zu verlieren bzw. eine Frage nicht beantworten zu können. Bei Fragen, insbesondere bei Unklarheiten zur Menukarte, wird lieber mit breitem Lächeln und überzeugend genug mit No oder Yes geantwortet als zugegeben, es nicht zu wissen. Fazit: nur bestellen, was man zu kennen glaubt oder im Lonely Planet steht – gerade als Vegetarier! Wir lernen unsere Tischnachbarn, Monika und Kurt aus Bern/Emmental kennen und kriegen von ihnen zahlreiche Tipps zu Thailand, wo sie einige Wochen bereits am Reisen sind. Wir verbringen einen tollen ersten Abend in der geschäftigen Khao San Road und freuen uns bei den Erzählungen der beiden schon sehr auf die kommenden Wochen! 

Nach dieser etwas längeren Nacht beginnt der 1. Tag in Bangkok etwas verspätet aber nicht minder erwartungsvoll. Wir spazieren die bereits kennengelernte Khao San Road entlang und staunen erneut  über den herrschenden ungeheuren Betrieb in diesem Teil Bangkoks! Der Hitze zum Trotz werden auch tagsüber zahllose T-Shirts, Studentenkarten, Parfums, Uhren, Ledergurte, DVDs, Handtaschen und Markenklamotten angeboten. Alles echt, versteht sich. Ich kaufe mir ein „Same same – but different“-T-Shirt, denn das kann mir am Zoll keiner wegnehmen. Daneben gibt es natürlich massenweise Verpflegungsmöglichkeiten. Bei 35°C kann man schon mal ein reduziertes Hungergefühl haben, doch diese Gegebenheit scheint man hier geradezu als Herausforderung zu verstehen! Überall wird gegrillt, gebrutzelt, frittiert, gebacken, gedämpft, gepresst und am wichtigsten: stir-fried im Wok. Frische Fruchtsäfte à la Starbucks aber zu tollen Preisen und sogar Glace gibt es hier. Taxis, Tuk-Tuks, Massagen, Maniküren und Facial Treatments werden einem offeriert ohne Ende, darüber hinaus gibt es Restaurants aus aller Welt die sich gegenseitig die Kunden auszuspannen versuchen. Es vergeht keine Sekunde, ohne dass es irgendwo etwas zu beobachten gäbe – bei dieser Reizüberflutung also kein Wunder, dass wir am Vorabend etwas länger bleiben mussten! 

Da ich schon zu lange nicht mehr zum Joggen kam, lässt sich Thomas – wenn auch skeptisch – überreden, mit mir auf „Parksuche in Bangkok“ zu gehen. Nach geraumer Zeit und einigen Kilometern zu Fuss, muss ich enttäuscht und entmutigt resignieren und erkläre Bangkok zur läuferunfreundlichsten Stadt der Welt. Es gibt hier nur Strassen, Verkehrslärm, Staub, Ampeln, viele geschäftige Menschen und schwüle Hitze… Und da die auf der Karte eingezeichneten Grünflächen in der Regel irgendeinem gut besuchten Tempel angehören, kann man auch da selten der Grossstadthektik entfliehen. Als wir selbst den Pier zu einer erfrischenden Bootsfahrt auf dem Chao Phraya Fluss nicht finden, sind wir doch etwas enttäuscht von Bangkok und kehren zurück in unser Zimmer. 

Wir versuchen die Bootsfahrt am nächsten Tag erneut, diesmal erfolgreich! Wir fahren ins Einkaufs- und Vergnügungszentrum Bangkoks, zur Siam Square. Hier erinnert Bangkok eher an eine westliche Grossstadt oder an Singapur, als an das was wir bisher gesehen haben. Die Strassen werden gesäumt von riesigen Einkaufszentren, Fastfood-Restaurants und Designermodegeschäften. Bei den Kühlschranktemperaturen in den Malls können wir uns zwar in Rekordtempo runter kühlen (oder auch  schockgefrieren), doch allzu viel Neues gibt es hier auch nicht. Sind wir etwa schon zu viel gereist?? Wir schauen uns auf dem Rückweg die Sehenswürdigkeit „Sao Ching Cha“, die grosse Schaukel, an und zählen es nicht zu unseren Top-Attraktionen Bangkoks, selbst wenn wir bisher kaum was gesehen haben… Für die nächsten Tage hoffen wir auf eine Steigerung. 

Sao Ching Cha, die grosse Schaukel mit Umgebung - eine Sehenswürdigkeit

Am Donnerstag, 7.1.2010 kriegen wir Besuch aus der Schweiz! Renate begleitet uns für knappe 3 Wochen auf unserer Reise in Südostasien. Wir wechseln in ein grösseres Hotel mitten im Khao San Viertel, so kann Renate auch gleich eine volle Portion Thailand abkriegen, sie hat ja etwas weniger Zeit als wir. Sie kommt am späten Nachmittag aus Zürich an und wirkt nach dem langen Flug sehr erholt und entspannt. Kein Wunder, denn die Swiss-Upgrade-Fee pickte Renates Ticket raus! Von den Annehmlichkeiten eines Swiss-Business-Class Fluges werden wir in den nächsten Tagen aufgrund ihrer Erzählungen klar überzeugt und bedauern es sehr, dass bei Air Asia weder vergleichbare Business Class Plätze, noch Feen fliegen. 

Angekommen in Bangkok, nehmen wir einen ersten Begrüssungsdrink und essen anschliessend typisch Thai mit Spicy Papaya Salad, Red und Green Curry. Thailändisch ist im Restaurant allerdings nicht nur das Essen, sondern auch die Lautstärke der nebenan singenden Live-Band, was selbst der ausgeruhten und auf Neues gespannten Renate etwas zu viel ist… 

Welcome: Renate, Thomas und das typische thailändische Chang

 Am ersten Leider ist es in Bangkok 24 Stunden am Tag lang Reisebegleitungstag von Renate wollen wir uns das kulturelle Highlight von Bangkok anschauen: Ko Ratanakosin, die Vatikanstadt des thailändischen Buddhismus, mit zahlreichen Tempeln und anderen Bauwerken, sowie der ehemaligen königlichen Residenz, Grand Palace. schwül und hitzig, so dass es auch keine Morgenfrische gibt und wir bereits auf der kurzen Strecke zu Fuss zum Gelände ins Schwitzen kommen. Dafür werden wir, nach dem Renate aufgrund ihrer offenen Schuhe einen tadelnden Blick von der scharfen Kontrolle am Eingang kassiert hat, aber belohnt, denn es ist wirklich eine beeindruckende Sehenswürdigkeit. 

The Grand Palace: ehemalige offizielle Residenz der Könige von Siam bis Mitte 20. Jh

Einige der meistverehrtesten Tempel Thailands befinden sich hier (deshalb sollte man sich auch konservativ kleiden, einschließlich Schuhwerk), daneben und darin können wir unzählige Buddhas und andere Figuren, Chedis und goldene Schüsseln bestaunen. In der sehr gepflegten Anlage trifft man überall auf andächtig betende Thai-Buddhisten, die den verschiedenen Buddhas und Tempel ihre Verehrung kundtun. Wir beobachten die Rituale teils etwas erstaunt, z.B. den Verkauf von goldenen Mini-Klebern, die offenbar willkürlich an irgendwelche Buddhas geklebt werden. Auch werden zahlreiche Räucherstäbchen an Kiosken verkauft, die in die goldenen Töpfe gesteckt werden und einige Minuten später von Angestellten wieder entfernt werden, um Platz für neue zu machen. Die Tempel und Figuren haben fast alle ihre eigene Geschichte und man ist sehr schnell überfordert, wenn man im recht detaillierten Prospekt zu jeder Errichtung genaueres nachlesen möchte. Wir sind froh, nicht an einer Tour teilgenommen zu haben, denn die Hitze ist unerträglich und die Geschichten und Sagen äusserst vielfältig. 

Goldene Wächter vor einem Tempel in Ko Ratanakosin, Bangkok

Voller Impressionen kühlen wir uns sodann in einem klimatisierten Café ab und gehen zurück in unser Back-Packer Quartier, wo wir Reiseplanung betreiben und Renate in unsere Leidenschaft der indischen Küche einführen – mit Erfolg! Die Nacht wird heute aufgrund der sehr dünnen Wände im Hotel und der Tatsache, dass es hier wirklich sehr wild zu und her geht, leicht gestört von weiblichen hemmungslosen Leidenschaftsschreien – wahrscheinlich Khao San Alltag bzw. „Allnacht“ (kein Wunder bei den vielen Touristenkontakten mit Alkohol im Spiel).Am nächsten Tag stehen wir trotzallem früh auf, denn auf dem Programm steht ein Ausflug nach Ayutthaya, eine historische Stadt ca. 70 km von Bangkok entfernt, die einst Hauptstadt Thailands war und heute auf der Liste des Unesco-Welterbes steht. Wir fahren mit dem Taxi zum Busbahnhof und stellen fest, dass wie so vieles in Thailand auch die grossen auffälligen Balken auf dem Autodach mit der Aufschrift „Taxometer“ eher eine Fälschung sind. Taxometer werden gewöhnlich nicht eingeschaltet, es sei denn, man besteht insistierend darauf, was jeder Tourist zuerst selber erfahren muss.

Angetroffen unterwegs in Thailand: vielfältig verwendbares Tuk-Tuk

Der Bus bringt uns anschliessend schnell und gut nach Ayutthaya, wo wir von der Weitläufigkeit der architektonischen Sehenswürdigkeiten überrascht sind. Die einzelnen Tempel und was davon nach etlichen Kämpfen, Plünderungen und Verwüstungen vor über 200 Jahren übrig geblieben ist sind in der ganzen Stadt verteilt, weshalb wir uns für eine Tuk-Tuk Tour entscheiden. Der Fahrer fährt uns zu den sechs wichtigsten Sehenswürdigkeiten, darunter nicht nur Ruinen sondern auch neuere Tempel mit Buddhas und Mönchen. 

Beeindruckende Ruinen in Ayutthaya

Auch hier ist es beeindruckend, wie gross die Verehrung dieser heiligen Städte bei den Einheimischen ist. Man kommt sich als Tourist zuweilen deplatziert vor, weil man „ehrfurchtlos“ und nur fürs Fotografieren vorbeikommt -manchmal traut man sich gar nicht mehr, diese Absicht auch auszuführen…

Buddha Statue im Baum, doch der Kopf bleibt frei - Wunder oder Ehrfurcht der Natur?

Zurück in Bangkok wollen wir die Fahrt vom Busbahnhof diesmal mit einem lokalen Bangkok-Bus wagen. Nach langer Suche können wir schliesslich einsteigen und fahren 40 min. lang in der Stadt herum, ehe wir in unserem Quartier sind – wohl die günstigste Variante, die aber auch die meiste Zeit beansprucht… Auch diese Nacht wird gestört, diesmal nicht durch Ausdruck von Leidenschaft, sondern durch eine Meinungsverschiedenheit eines Paares, deren Austragung sowohl von Renate, drei Stockwerke über uns, also auch von Thomas und mir sehr deutlich verfolgt werden kann.

Am nächsten Morgen sind wir froh, Bangkok zu verlassen, denn so interessant die Stadt auch ist, man hat schnell wieder genug von Lärm, Hektik, Hitze und Schmutz. Mit dem Bus fahren wir nach Pakchong, ein Ort in der Nähe des Khao Yai Nationalpark im Nordosten Thailands. Wir versprechen uns gemässigtere Temperaturen, Natur und Trekking-Ausflüge in den Nationalpark. Eine besonders clevere Frau fängt die aus Bangkok Ankommenden direkt bei der Bushaltestelle ab und vermittelt Zimmer mitsamt Zubringerdienst zum Guesthouse. Keiner hat Lust auf eine beschwerliche Hotelsuche und so gehen auch praktisch alle Ankommenden auf das Angebot ein, welches ganz in Ordnung ist. Zwar etwas höher im Preis als die umliegenden Gästehäuser, doch dafür buchen wir die Touren dann beim Nachbarn. Etwas enttäuscht sind wir allerdings von der Tatsache, dass man ohne Tour-Guide kaum im Park herum kommt also auch keine Wanderwege finden kann, falls es die überhaupt geben würde. Doch wir geniessen die Stille und die gute Luft hier total. Es gibt zwar eine grosse Strasse, an der alle Gästehäuser und sogar ein 7-11 liegen, doch sonst hat es nur Natur, Wald, Felder und einige Häuser von einheimischen. Wir verbringen die erste Nacht seit langem mit keinen störenden sondern zahlreichen erholsamen Geräuschen von der Natur, toll!

Wir freuen uns auf Trekking-Touren im Dschungel!

Wir nehmen am nächsten Tag also an einer Tour in den Khao Yai Nationalpark teil. Morgens geht es los und wir freuen uns besonders auf den Teil „Dschungeltrekking“.

Eindrücke aus dem Dschungel

Obwohl wir alle etwas mehr Trekking gemacht hätten, ist die Tour sehr interessant und die Guides erspähen mit ihren Teleskopen zahlreiche Vögel, spüren Insekten auf und informieren über spezielle Pflanzen.

Hornbill oder Nashornvogel erspäht im Khao Yai NP

Fotogener und menschenfreundlicher Skorpion im Khao Yai NP

Lädt zum Verweilen ein - Wasserfall im Khao Yai NP

 Den nächsten Tag nehmen gemütlich in Angriff und machen eigentlich gar nichts. Um 15 Uhr geht es dann auf eine zweite Tour, die eine Höhlenbesichtigung mit allen „Schätzen“ darin, und die spektakuläre Beiwohnung des „Fledermaus-Ausflugs“ beinhaltet.  In der Höhle zeigt uns der Guide allerhand Bewohner, die mir nicht immer sympathisch sind. Es gibt einen riesigen 1000-Füssler, fette Spinnen, eine Baby- Skorpion-Spinne (d.h. noch nicht giftig) und sogar eine Tarantel… brrr! In einer Meditationshalle für Mönche, ebenfalls eine Höhle, gibt es keinen einzigen Lichtstrahl, es ist stockdunkel. Da beim Meditieren die Augen geschlossen werden, ist Licht nicht nötig. Trotzdem wär es mir sehr unwohl, regelmässig nächtelang hier zu sitzen, wie die Mönche es tun.  Schliesslich kommt das eigentliche Highlight: Um 17.20h fliegen die ersten Fledermäuse aus ihrer Höhle heraus. Zuerst erscheint es nicht so eindrucksvoll, doch innerhalb von einer Minute werden es Tausende, Millionen von Fledermäusen, die als mehr oder weniger definierter Schlauch in die gleiche Richtung zur Insektenjagd losfliegen. Es sieht aus, als ob jemand ein Band in den Himmel gelegt hätte oder eine Rauchschwade, die sich im Himmel in die Länge zieht. Wirklich sehr imposant und einmal mehr etwas, was man mit Fotos niemals ähnlich wiedergeben könnte! Auch dieser Ausflug hat sich absolut gelohnt!

Beutezug der Fledermäuse - keine Fotomontage!

Am nächsten Tag heisst es dann leider auch schon wieder, Sachen zusammenpacken und eine Station weitergehen. Wir fahren diesmal mit dem Zug nach Bangkok zurück und dann weiter südlich nach Cha-am, eine kleine Ortschaft in der Nähe von Hua Hin. Die Reise mit dem thailändischen Zug entpuppt sich als unerträglich langwierig – auch wenn sie fast nichts gekostet hat. Der Zug fährt nicht nur äusserst langsam, nein, er hält auch überall an. Insbesondere um Bangkok herum, da gibt es Haltestellen, wo es gar nichts anderes ausser 2 Gleise hat! Darüber hinaus sind die Sitze nicht bequem, es ist laut und sehr stickig. Da wir von Bangkok den gleichen Weg wieder aus der Stadt heraus nehmen müssen, tun wir uns den anstrengendsten Teil also als 2 Mal an und sind schon sehr froh, abends um 22:00 Uhr endlich am Ziel Cha-am anzukommen.

Bahnhof Vor-Bangkok Nr. 47... bis zum nächsten Stopp!

13. Reisebericht: Vietnam – von Hoi An nach Ho-Chi-Minh-City

Januar 20, 2010

In einem „Sleeper“ Reisebus treten wir am Abend des 15. Dezember den Weg nach Nha Trang an, ein Ort an der südlichen Zentralküste Vietnams. Sleeper Busse sind in Vietnam sehr verbreitet, da die Strecke von einem Ziel zum nächsten oft eine gute Nacht in Anspruch nimmt. Zwar haben diese Busse keine Massagesessel, doch lässt es sich darin halbwegs, also mit angewinkelten Beinen, liegen. Die Passagiere sind auf 2 Stöcke verteilt, in 3 Reihen hintereinander liegend, sodass die Beine in einem Schaft unter dem Oberkörper des Vordermanns platziert werden. Irgendwie kann man tatsächlich auch schlafen, doch sind wir froh, als wir um 6.30 Uhr früh bei einem herrlichen Sonnenaufgang in Nha Trang ankommen.

Mobiles Hotel von Hoi An nach Nha Trang - Gemütlichkeit pur!

Die Stadt ist grösser als wir es uns vorgestellt und gewünscht haben. Es gibt reichlich Hotels und Restaurants, viele Strassen, Ampeln, entsprechend Verkehr und natürlich Touristen und „davon Verdienende“. Kaum aus dem Bus raus, werden sämtliche Fahrgenossen Null Komma plötzlich von einem Gewirr von Menschen belagert und bestürmt. Man kriegt unwillentlich Sonderangebote für Hotels, Taxis, Motorbike-Rides (bzw. „Easy-Rider“), Massagen und Tours. Wir schaffen es irgendwie, den aufdringlichen Touristenjägern zu entkommen und finden unser Hotel ohne Fremdhilfe. Die folgenden paar Stunden ruhen wir uns am schönen Strand von Nha Trang aus. Störend ist einzig die viel befahrene Strasse direkt hinter dem Strand (Thomas hat ja bereits beschrieben, wie man sich den Strassenlärm in Vietnam vorstellen sollte… Motorengeräusche sind bei weitem nicht das Lästigste!), die an Cannes oder Nizza erinnert. Natürlich gibt es auch hier zahlreiche Strandverkäufer und Massage-Dienst Anbieter, die man teilweise nur mit Mühe „freundlich“ abwimmeln kann.

Der Strand von Nha Trang lädt zum Ausspannen ein

Am Abend verköstigen wir uns in einem netten kleinen Lokal, wo es exzellente frische Frühlingsrollen und 2 Flaschen San Miguel Bier für weniger als 1 CHF gibt, was doch auch hier ein erstaunliches Angebot ist. In Nha Trang sollten labile Touristen eh aufpassen: in der Bar kriegen wir später gleich die gesamte Bestellung im Doppelpack, da die „Happy Hour“ hier überraschenderweise praktisch bis Ladenschluss dauert… Auch am nächsten Tag wollen wir den Strand geniessen, leider kommt der Wind aber wie nicht selten nachmittags auf, sodass wir ins Zimmer flüchten und Berichte schreiben (lange her..). Abends haben wir Lust auf mexikanisches Essen und suchen ein von Lonely Planet empfohlenes Restaurant auf. Der Inhaber, ein Cheyenne-Indianer mit französischem, vietnamesischem und laotischem Blut, fällt uns sofort auf: er sitzt mit einer johlenden Gruppe von ca. 10 Bleich- oder Rotgesichtern asiatischer Herkunft an einem langen Tisch, worauf sich Speisen, Biere und Teller stapeln. Wir finden es zuerst halbwegs amüsant der – abgesehen vom Inhaber – sehr betrunkenen Meute bei ihrer Orgie zuzuschauen, bis es plötzlich laut wird und ein Mitglied sich massiv ärgert und nicht nur laut schreit, sonder n auch um sich schlägt, Gläser am Boden zerbrechen lässt und Töffhelme an die Wand schmettert (den Grund dafür haben wir nie herausgefunden). Wir bestellen, trotz Entschuldigungen von Indianer, Service-Angestellten und Tätern selber, die Rechnung, schlingen unser Essen so schnell es geht runter und sind doch nicht schnell genug, um der zweiten, ähnlichen Szene zu entgehen. Diesmal spüren wir die Scherben sogar an den Beinen! Wir denken an eine Mafia-Geschichte, die wir in Malaysia von Inhabern eines neu-eröffneten Cafés gehört haben und stellen fest, dass die Beschreibung wahnsinnig gut zu diesen Szenen passt… Es scheint, als ob der Erfolg eines Restaurants mancherorts nicht nur von der Besucherfrequenz und Beliebtheit bei Touristen abhängig ist. Am schlimmsten finde ich das Ganze für die armen Angestellten, die nicht aufhören, aufzuräumen und sich bei uns zu entschuldigen, obwohl sie am wenigsten dafür verantwortlich sind. Und wie das wohl noch weiterging?? Eine solch schreckliche Bande kann ganz schön übel werden.

Am nächsten Tag fahren wir eine Station weiter nach Mui Ne, wo wir ein Zimmer in einem sehr schönen Guesthouse gebucht haben. Mui Ne ist wirklich malerisch schön klein und gemütlich am Meer gelegen, auch das Guesthouse liegt unmittelbar am Strand.

Schnappschuss auf der Fahrt nach Mui Ne: eine Strandkuh sucht vergeblich nach Schatten

Der Strand ist wunderschön und es hat viele Wellen und Wind. Mui Ne gilt deshalb auch als Kite und Surf Mekka und es gibt Kite- und Surfschulen ohne Ende. Kiten sieht echt gefährlich aus. Die Draufgänger stehen auf einem Brett, das einem Snowboard nahe kommt und halten ein recht grosses Segel an Leinen in der Hand. Sie werden extrem schnell damit und machen immer wieder übermütige Luftsprünge, sodass sie bestimmt 3 m über dem Wasser fliegen. Gerade bei den so kleinen und zierlichen Asiaten meint man manchmal, die kommen gar nicht mehr runter und würden gleich davon fliegen.

Strand von Mui Ne bei Abendstimmung - am Horizont keine Vögel sondern Kite-Segel

Der bezaubernde Ort Mui Ne bietet neben dem wunderbaren Strand auch noch zahlreiche günstige Restaurants und einige Bars. Wir verwöhnen uns also am Abend unter einer aufwendigen Weihnachtsdekoration mit Seafood und geniessen den Strand mit dem Rauschen des Meeres in den Ohren.

Weihnachtsdekoration ohne Grenzen! Ob's dem Samichlaus nicht etwas zu warm ist hier?

Da es uns so gefällt in Mui Ne verlängern wir unseren Aufenthalt kurzerhand auf Kosten der nächsten Station Ho-Chi-Minh-City (HCMC). Die grösste Stadt Vietnams soll noch hektischer sein als Hanoi, was auf mich eher eine abschreckende Wirkung hat…

Abends geniesst Thomas in einem Strandrestaurant einen ganzen Hummer, den er sich vorher auslesen kann – 1.1 kg (inkl. allen Schalen, Füssen und Krusten)! Den Preis nenn ich hier nicht, es könnte sonst zu Neid kommen. Er hat es jedenfalls genossen und zu viel war es auch nicht – ein fantastischer Abschluss eines wunderbaren Aufenthaltes!

Es ist angerichtet! Aber, wo fängt man hier denn an?

Nächsten Tags geht’s per Bus weiter nach HCMC oder Saigon, wie es bis 1975 hiess und wie es die Einheimischen eigentlich noch immer liebevoll nennen. Es ist extrem schwül und die frische Meeresbrise fehlt uns sofort. Unser Zimmer liegt im 7ten Stock in einem klitzekleinen aber hohen Hotel, wo es für einen Lift keinen Platz hat. Der Aufstieg erweist sich mit dem 60l Rucksack als besonders schweisstreibend, zumal der oberste Stock – unser Stock – eigentlich ein Estrich ist und nur über eine entsprechende „Leitertreppe“ zugänglich ist. Uff, ich merke, wie schnell Ausdauer schwindet wenn man das Training vernachlässigt… Es ist Nachmittag und es reicht uns gerade noch zu einem Besuch im Kriegsrestemuseum oder War remnants Museum. Früher hiess das Museum noch „Museum der chinesischen und amerikanischen Kriegsverbrechen“, was ein Hinweis auf eine vielleicht etwas einseitige Betrachtung ist… Es handelt sich auch um eines der beliebtesten Museen in HCMC. Im Museum sieht man schreckliche Fotos von Kriegsgräuel an Menschen und Zerstörung von Lebensräumen und Natur, die einen bitteren Eindruck hinterlassen. Fotographien von Kindern und Erwachsenen mit grauenhaften körperlichen Behinderungen, die auf den Einsatz von Chemie-Waffen der Amerikaner zurückzuführen sind, lösen ein Gefühl des Mitleids und der Verabscheuung aus. Es ist schrecklich, welches Leid und welche Schmerzen ein Krieg verursacht und dies allzu oft an Zivilisten und unbeteiligten Personen. Das schlimmste ist, dass all diese Bilder noch gar nicht so alt sind.

Für die letzten zwei Tage in Saigon haben wir uns für eine Tour ins Mekong Delta zu den „schwimmenden Märkten“ entschieden. Das Mekong Delta (der südwestliche Zipfel von Vietnam) wird auch Reiskammer Vietnams genannt und besteht aus Landschaften, die von Wasser geprägt sind und die durchlaufen werden von unzähligen, aus dem Mekong kommenden Flüsschen und Bächen. Überall hat es Reisfelder und verschlafene Dörfer, man sieht die Bauern mit den Wasserbüffel auf den Feldern arbeiten – ein wunderbares Fotosujet! Bei der Reisanpflanzung wird noch immer der grössere Teil der ganzen Arbeit von Hand bzw. mit dem Büffel gemacht. Pünktlich sind wir früh morgens vor dem Reisebüro, wo wir unsere Zweitagestour starten wollen. Es beginnt gleich sehr hektisch und wir werden zu einer Strasse geführt, wo es bereits hunderte von Touristen und nicht viel weniger Busse hat. Wir sind überzeugt, dass wir nicht in den richtigen Bus gewiesen werden und erwarten eine eher dürftige Tour à la My Son Ruinen. Man muss sich die Situation folgendermassen vorstellen: in Saigon gibt es über 100 Reisebüros, jedes hat über 50 tägliche Touren anzubieten. Nun treffen sich wahrscheinlich sämtliche Touristen die irgendwo eine Tour gebucht haben um 8 Uhr in dieser Strasse. Das erhaltene Zetteli kann niemand entziffern und kein Bus trägt ein Schild, jegliche Hinweise fehlen – wie soll da noch einer wissen, welche Tour wohin und mit welchem Bus geht??? Wir werden aber dann positiv überrascht! Unser Tour-Guide Tanh spricht so gut englisch, dass man fast jedes Wort versteht. Er ist zudem ein echter Witzlimacher und Casanova. Jeden Satz beginnt er mit „Yes, … okay, … yes“, weshalb man ihn auch Mr. Yes-okay nennt. So fahren wir also mit Unterhaltung und ca. 20 anderen Reisenden nach Cai Be, wo wir das Fahrzeug wechseln und auf ein Schiff steigen um im Mekong herumzufahren. Der Mekong ist mit seinen 4500 km einer der längsten Ströme der Welt und entspringt in Tibet, fliesst durch China, bildet die Grenze zwischen Myanmar und Laos bzw. zwischen Laos und Thailand, bevor er durch Kambodscha und Vietnam verläuft und im Mekong-Delta hier in Vietnam ins Südchinesische Meer mündet.

Eindrücke von der Bootsfahrt auf dem Mekong

Mit dem Boot werden wir in Cai Be zwischen den typischen Marktbooten hindurch gerudert. Die Marktboote haben alle einen langen Pfahl, an dem sie ein Exempel  der Ware präsentieren, welche sie verkaufen. Da hängen Ananas, Mangos, Bananen, Zwiebeln, Kartoffeln, Kohl und vieles mehr. Wir machen schliesslich einen Zwischenstopp in einer „Kokos-Bonbon-Manufaktur“ wo wir sehen können, wie die zuckersüssen Bonbons aus Kokosmilch herstellt werden. Natürlich gibt es auch eine Degustation und dazu gehörende Verkaufstische, wo wir Touris eigentlich fast alle zuschlagen. Nach einem kurzen Aufenthalt mit Velotour auf einem kleinen Mekong-Inselchen, geht es dann für eine längere Fahrt auf dem Mekong bis nach Can Tho, wo wir erst bei Dunkelheit ankommen.

Zwischenstopp während Mekong-Fahrt: Reisfelder wohin das Auge reicht!

Wir sind erleichtert, als wir im Hotel sind, denn angesichts des sehr niedrigen Preises für die gesamte Tour, rechnen wir mit einer Absteige… Kein Paradies aber durchaus genügend und angenehmer als einige andere Zimmer ist unsere Schlafstätte im Mekong-Delta.

Am nächsten Tag geht es wiederum in frühen Morgenstunden weiter, denn auf dem Programm steht der Besuch des schönsten Floating Markets im Mekong Delta, der Schwimmende Markt Cai Rang. Diese Märkte sind jeweils früh morgens am spannendsten, nachmittags ist es heiss und es herrscht schwüle Flaute. Im kleinen Ruderboot werden wir auch diesmal um die Boote herum gerudert, kommen in den Genuss von frischesten und kunstvoll geschälten essfertigen Ananas, Bananen, Mangos und können sogar Kaffee (den typisch vietnamesischen mit viel Kondensmilch…) von einer „Bootsbar“ kaufen. Wie wir von Tanh unserem Guide erfahren, haben die Bootsbesitzer oft nirgendwo auf dem Festland ein Haus oder eine Bleibe, sondern ihr Marktboot ist auch ihr Haus wo sich ihr Leben hauptsächlich abspielt. Wir können die Menschen beim Kochen, Waschen, Verkaufen, Zuschneiden und Ruhen beobachten, meistens wird die Tätigkeit in einer kauernden Position durchgeführt, in der wir Westler wohl keine 5 Minuten verharren könnten… Natürlich fehlt auch der schwimmende Supermarkt nicht und es wird sogar eine uns Globetrottern bereits bekannte Masche angewendet: Die Supermarkt-Schiffsfrau fragt mit herzzerreissendem Blick „Ein Getränk für die fleissige, ermüdete Rudererin des Touristenbootes??“ – das allfällig geschenkte Getränk für die geleisteten Dienste wird im Normalfall beim nächsten Treffen der beiden umgehend und unangetastet zum halben Preis wieder zurück verkauft.

Der lebendige Schwimmende Markt Cai Rang bei Can Tho

Beim Floating Market haben die Frauen das Ruder in der Hand - hier ein Gemüse-Supermarkt

Als weitere Attraktion können wir einen Rundgang durch den erstaunlichsten (ich versuch hier ganz neutral zu sein) Landmarkt zu machen, den ich je gesehen hab – und wir haben auf dieser Reise schon einiges gesehen!! Wir wurden in diesem Fall angestarrt von zum Verkauf stehenden Rinderaugen und Schweineäugelchen mitsamt Kopfhaut, Zähnen und Ohren. Wir konnten lebende Fische sehen, die gerade gehäutet wurden, Geflügelherzen, Därme, Mägen (oder Kutteln), Beine, Hufe – ekelhaft!! Das Highlight war aber die Ratte, die sich clever zwischen Töpfen von getrockneten Meerestieren  versteckte und immer wieder mal ein paar Crevetteli stibitzte, ohne dass sie vom Standinhaber je gesehen wurde (nur Passanten konnten sie wunderbar beobachten). Ganz schön schlau, diese widerlichen Kerle!

Schau mal wer da guckt! Nur für Hartgesottene, der Markt am Mekong

Gerade für Vegetarier nicht nur ein angenehmer Markt

Experimentierfreudiger Thomas beim Verspeisen einer gebratenen Raupe

Zurück in Saigon machen wir uns bereit für einige Tage Strand und Meer und freuen uns auf die kommenden entspannenden Tage auf der Insel Phu Quoc, wo wir am nächsten Morgen hinfliegen.

…und es ist wirklich ein Traum!!

Ankunft im Paradies bzw. auf Phu Quoc

Das Resort, wo wir ein Zimmer gebucht haben, schlägt zwar etwas stärker zu Buche als üblich, doch wir werden in ein riesiges Traum-Zimmer mit Balkon und Lounge-Area geführt! Wir haben auch einen grossen Flachbild-TV mit DVD (man stellt uns selbstgebrannte DVDs mit Filmen, die soeben im Kino laufen, zur Verfügung), zwei Klimaanlagen und ein riesiges schönes Bad mit Dusche und Jacuzzi-Badewanne. Schliesslich wollen wir Weihnachten mal anders aber nicht weniger schön feiern! Das Resort bietet darüber hinaus einen wunderschönen Sandstrand mit Liegen & Sonnenschirmen für die Gäste und stellt Unterhaltungsobjekte wie einen Wassertraktor, Kanus und rosarote Pedalos zur Verfügung – es soll sich niemand langweilen auf der Insel! Am Strand bestellen wir später beim Bar-Keeper auf den Liegen liegend rechtzeitig zum Sonnenuntergang und während der Happy Hour „Buy 2 get 1“ zwei Getränke und kriegen zum Glück doch drei, und geniessen den bisher schönsten Sonnenuntergang der Reise! Wir befinden uns im Westen der Insel, was dieses romantisch-fantastische Erlebnis erlaubt.

Ohne Kommentar...

Donnerstag, Tag des Heiligen Abend. An diesem Tag denken wir überdurchschnittlich viel an zu Hause, an Familie und Weihnachtsdekorationen, an Brunsli und Zimtsterne und an Geschenke-Stress – und sind mal froh und mal bitzeli wehmütig auf der Insel Phu Quoc bei über 30 Grad, Sonne und Strand. Morgens bin ich glücklich, dass es hier einigermassen läuferfreundliche Wege gibt (natürlich sind Roller auch hier unterwegs) und entdecke neben zahlreichen kleinen Läden direkt neben unserem Resort auch ein indisches Restaurant. Dass wir uns in der Folge keine Gedanken mehr über unser Weihnachtsmenu machen mussten, ist dem regelmässigen Leser klar. Mit den Hotelvelos fahren wir ins ca. 4 km entfernte Fischsaucen-Städtchen Doung Dong. Die Insel Phu Quoc ist landesweit bekannt für seine vorzüglichen Fischsaucen, deren markant-penetranten Geruch man nicht so schnell vergisst… Zum Glück gibt es in der Nähe unseres Resorts keine Fischsaucenfabrik oder vielleicht  versprüht man auch genügend Moskitospray, jedenfalls liegt keine Fischsauce in der Luft, was wir nun zu schätzen wissen J Der Sonnenuntergang, den der Heilige Abend mit sich bringt ist noch schöner und wir können uns kaum satt sehen an der glühend roten Sonne!! Wer Weihnachten schon mal an einem Strandort verbracht hat, der weiss, wie schwer es ist, in richtige Weihnachtstimmung zu kommen… wir skypen, telefonieren mit zu Hause und fühlen uns schon viel mehr in Feststimmung – und das Weihnachtsmenu, welches wir auf unserem Balkon inmitten von Palmen geniessen, mit Naan, Rajta und Palak Paneer passt hervorragend zum gemeinsamen sinnlichen Abend – ich kann es sehr empfehlen!

Auch der Weihnachtstag ist wunderschön. Wir nehmen einmal die Rolle ein von den sonst immer nervigen Töff-Fahrern und mieten uns einen Honda! Thomas, zwar eher ein ungeübter Töff-Fahrer, passt sich blitzschnell an und hupt mal da mal dort den Fussgängern und andern Verkehrsteilnehmern zu, wie es sich hier gehört. Wir fahren zu einem Strand, Sao Bai, der sich im Süden der Insel befindet und sind überwältigt vom Anblick! Weisser Sand, fein wie Mehl und kaum Menschen! In einem hübschen kleinen Strohdach-Strand-Café mit ein paar Sonnenschirm Tischchen geniessen die Idylle – wirklich ein fast perfekter Strand (ein Paar Streuner-Köter hat es leider doch…).

Wunderschöner Relax-Strand an Weihnachten in Sao Bai

Eine kleine Anekdote zum Abendessen bleibt mir noch zu erwähnen, einfach weil es zu Vietnam passt: Oft ist die Karte in noch so kleinen Restaurants riesig und es gibt ca. 50 Seiten voller Gerichte aus aller Welt. Pizza, Spaghetti, Burger, Kürbissuppe, Japanische Sushis, Salate und viel Vegetarisches sind fast üblicher als vietnamesisches Essen. Hat man sich dann endlich für ein Gericht entscheiden können, so muss man  mit einem „oh sorry, this no have“ rechnen. An diesem Abend waren nach dem eigentlichen Wunsch auch die beiden als Alternative in weiser Voraussicht bereits ausgesuchten Gerichte nicht zu haben, sodass wir ein weiteres Mal zum Inder mussten J

Am nächsten Tag heisst es für uns leider schon wieder zurück nach Ho-Chi-Minh-City, wo wir einen letzten kurzen Abend verbringen und uns schweren Herzens von Vietnam verabschieden – der Flieger bringt uns Tags darauf nach Hongkong.

Zu spät für "Happy New Year", obwohl wir uns dies bei der Aufnahme dieses Fotos gedacht hatten. Bis bald!

11. Reisebericht: Malaysia – Westküste und Cameron Highlands

Dezember 17, 2009

geschreiben von Anita

Am Nachmittag des 18. November, ein gewöhnlicher Mittwoch, kommen wir auf äusserst komfortable Art und Weise in Melaka oder Malacca an. Ungerne verlassen wir den angenehmen Massagesessel des Reisebusses, freuen uns aber auf das legale Kaugummikauen, wie andere Mitreisende sich aufs ungeahndete öffentliche Spucken freuen. Unsere per Internet gebuchte Unterkunft überrascht uns positiv und liegt mitten im Zentrum des charmanten kleinen Städtchens. An der Westküste Malaysias liegend, genoss Melaka als Handels- und Hafenstadt besonders in den vergangenen Jahrhunderten hohe Beliebtheit und Bedeutung. Einmal beherrscht von Chinesen, dann von Portugiesen, von Holländern und schliesslich von Briten, haben all diese Völker ihre Spuren hinterlassen, welche man heute bei abwechslungsreichen Spaziergängen durch die Altstadt bewundern kann. Es gibt indische und chinesische Tempel, Moscheen, katholische Kirchen, ein holländisches Stadthuys, ein portugiesisches Fort inklusive Kanonen, jede Menge Museen, Hotels und – quasi ein Muss – Shopping Centers. Chinatown und Little India machen die Liste der Sehenswürdigkeiten in Melaka komplett.

Strassen von Melaka


Am nächsten Tag entdecken wir die verwinkelten Strässchen von Melakas Chinatown, wo es neben den üblichen typischen Chinatown-(Ramsch)Artikeln erstaunlicherweise auch ganz praktische Dinge zu kaufen gibt! T-Shirts, die man sich auch anzuziehen traut und schöner, chinesischer Weihnachtsbaumschmuck (ungeachtet der Tatsache, dass es in China gar kein offizielles Weihnachtsfest gibt) und viele günstige Kimonos. Wir besuchen im Anschluss das Musée de la Beauté éternelle, wo wir vieles über grausame Verschönerungstechniken aus verschiedenen Kulturen und Völkern sehen und lesen können. Das Sprichwort „Schönheit muss leiden“ hat offenbar schon immer und überall gegolten! Am brutalsten empfand ich das Foot-binding oder anders gesagt das Verstümmeln der Füsse, das über Jahrhunderte weit verbreitet in China, aber auch in anderen asiatischen Ländern praktiziert wurde. Das stramme Einbinden der Füsse bei jungen Mädchen führt zu besonders kleinen Füssen bzw. Missbildungen, was als schön galt: je kleiner die Füsse, desto schöner und begehrenswerter die Frau. Schwachsinn hin oder her, mit dem Sprichwort „auf grossem Fuss leben“ scheint diese Schönheitskur jedenfalls nichts zu tun zu haben. Aber auch die zahlreichen höchst kreativen Methoden der dokumentierten „Zahnverschönerungen“ stehen dem Foot-binding in Sache Brutalität in nichts nach… Von Abfeilen, über Herausschlagen bis zum Einfärben – unglaublich, wozu Menschen fähig sind. Dabei hat uns die Erklärung, dass Zähne bei gewissen Stämmen dreieckig abgefeilt wurden, um sich klar von Tieren zu unterscheiden, sehr erstaunt, zumal die Ähnlichkeit mit einem Tier nach der Prozedur viel grösser war. Im Gegensatz dazu wurde den heutigen grenzenlosen chirurgischen Verschönerungseingriffen kein einziges Poster gewidmet, was ich auf die Tatsache zurück führe, dass es gerade in Asien von solchen Schnäppchen-Angeboten wimmelt…
Eine bisher nicht genannte Sensation in Melaka stellt die Baba-Nonya Kultur dar. Diese Kultur ist das Ergebnis aus chinesischen Siedlern, Malaysierinnen und Indern, gewürzt mit etwas Portugiesen und bezieht sich vor allem auf die spezielle Küche. Am Abend versuchen wir diese typische Küche in einem sehr einfachen Beizli. Zwar verstehen wir weder die Namen der Gerichte, noch erkennen wir die Zusammensetzung beim Essen selbst, aber vielleicht ist das gar nicht so schlecht, Hauptsache es hat geschmeckt!

Ein besonders schön geschmücktes typisches Transportmittel in Melaka - schade gibts keinen Ton, Michael Jackson hat uns durch die Stadt begleitet


Den Abend schliessen wir mit einem längeren Besuch in einer Karaoke-Bar ab, wo Thomas und ich als einzige Gäste stundenlang mittels der technisch hervorragenden (lauten) Karaoke-Anlage um die Wette singen. Mit dem letzten, gut gemeinten Applaus der restlichen Angestellten verabschieden wir uns und fallen heiser und ausgesungen ins Bett…

Der nächste, eher ruhigere Tag führt uns nach Port Dickson, wo wir zwei Tage am Strand ausspannen möchten. Leider entpuppt sich der Hotelstrand aber als nicht allzu gepflegt, weshalb wir den Pool bevorzugen. Das Hotel ist schön und bietet alles was man braucht, aber liegt doch klar ausserhalb des Ortes Port Dickson selber. Wir bleiben somit auf dem Hotelareal und profitieren vom guten Dienstleistungsangebot: während Thomas am Ping-Pong Turnier der Hotelmitarbeiter erfolgreich teilnimmt, surf ich im Zimmer per Wireless Internet und verpass den Vize-Meistertitel von Thomas (die Mitstreiter waren allesamt Asiaten, also Pingpong-Experten) – Kompliment!

Pool Landschaft im komfortablen Hotel lädt zum Entspannen ein


Das Hotel bietet ein äusserst reichhaltiges Frühstücksbuffet spezieller bzw. asiatischer Art: In zahllosen „Brotkästen“ aus Metall verstecken sich Nasi Goreng, Bami Goreng, verschiedene Würste, Gemüse Eintopf und gebratene Nudeln mit Fisch und Meeresfrüchten. Daneben ein Salatbuffet, welches selbst für mich frühmorgens etwas zu heftig ist. Das Ganze wird mit Porridge, einer faden Reisgrütze, abgerundet. So abwechslungsreich wie das Frühstück entwickelt sich auch das Wetter und auf anfänglichen Sonnenschein folgt bald ein heftiges Gewitter, welches uns ins Zimmer verbannt.
Unsere weiteren mittelfristigen Reisepläne zwingen uns zu einem Stop-over in Kuala Lumpur (KL für den Kenner), wo wir für ein Visum für Vietnam kandidieren müssen. Wir fahren deshalb am Sonntagnachmittag wieder in die Hauptstadt und bedauern da zum ersten Mal wirklich, die Unterkunft bereits übers Internet gebucht zu haben. Unser Zimmer ist eine wahre Besenkammer ohne Fenster, dazu feucht, muffig, klitzeklein und einfach eklig! Wir merken, wie unentbehrlich ein Seidenschlafsack auf so einer Reise ist und finden später, mit viel Parfum, auch da Schlaf!
Unseren Besuch auf dem vietnamesischen Konsulat nehmen wir früh in Angriff, schliesslich haben wir keine Ahnung, wie lange die Warteschlange sein wird. Am Ziel angekommen, treffen wir einen hektischen Ameisenhaufen von kleinen, dünnen schwarzhaarigen Menschen an, alle in einer sehr speziellen Sprache miteinander diskutierend (Vietnamesisch tönt immer, als ob man schimpfen würde: Satzendungen sind jeweils sehr insistierend wenn nicht schon anschuldigend und in höherer Stimmlage als der Rest). Zuerst sind wir froh, dass es ein Nummernsystem wie bei uns auf der Post gibt, bemerken aber schnell, dass sich keiner dran hält. Wild wird auf die armen zwei Damen hinter dem Schalter eingeredet, Pässe werden hin und hergereicht, Formulare ausgefüllt und gedrängt, was das Zeug hält. Wir tun irgendeinmal dasselbe, kriegen ähnliche Formulare die wir ausfüllen, bei den Damen bezahlen und schliesslich unsere Pässe mit einer Quittung wieder zurück kriegen. Wir sollen in ein paar Tagen wieder kommen. Im Hintergrund des geschäftigen Büros sehen wir tausende von Pässen, aufgetürmt in Kartonschachteln, zusammengehalten mit Gummiband oder einfach nur lose aber auf jeden Fall systemlos, weshalb wir total erleichtert sind, unsere „Identität“ nicht da lassen zu müssen…
Unsere nächste Destination liegt nördlich von KL, Lumut, und ist der Ausgangsort um auf die Insel Pulau Pangkor zu kommen. Im Swiss Garden Hotel (abgesehen vom Namen hat es nichts mit der Schweiz zu tun) werden wir sehr angenehm empfangen. Wir kriegen ein tolles Zimmer mit Balkon und Meerblick, genau das was wir nach einem so hektischen Tag brauchen!

Romantischer Sonnenuntergang im Swiss Garden Hotel - was braucht man mehr?


Nach einem ähnlich vielfältigen Frühstücksangebot machen wir uns gestärkt auf den Weg zur Insel Pangkor, der eigentliche Grund unserer Reise nach Lumut. Mit einer modernen Fähre fahren wir auf die kleine grüne Insel und chartern ein rosarotes Minibustaxi für eine Rundfahrt um die Insel. Der lustige Fahrer führt uns zu den Sehenswürdigkeiten, die auf seiner Liste stehen, kann uns aber nicht allzu viele Infos dazu geben. Erste Haltestelle war „Sacred Rock“, ein riesiger Stein, ohne Beschriftung und Tafel, weshalb wir nachfragen, was denn so heilig daran sei. „Ooh, I don’t know“ meint der Fahrer darauf mit breitem Grinsen und ermahnte uns, ins Büssli zu steigen. Die charmante, ursprüngliche Insel hat uns aber auch ohne viel Hintergrundinformation sehr gut gefallen mit den Tempeln, Stränden und Fischerdörfern und wir bereuen fast, abends wieder zurück zu unserem riesigen Hotelkomplex fahren zu müssen.

Pulau Pangkor - kleines grünes Paradies nahe der Westküste Malaysias


Der Zufall will es, dass meine Kollegin Madlaina mit Ihrem Partner 10 Tage Ferien in Malaysia macht! Mit Freuden haben wir uns in den Cameron Highlands verabredet, wo wir am nächsten Tag hinfahren. Ratternd kommen wir in Tanah Rata, Ausgangsort für Wanderungen in die Cameron Highlands, an und treffen uns am Abend mit Madlaina und Andy zum Essen im deutsch-schweizerischen Schwarbing House Inn („The only german restaurant in Cameron Highlands“). Abgesehen vom Namen erinnert wenig an Deutschland und noch weniger an die Schweiz, aber wir werden herzlich von einem Jungen mit den Worten „Mama! Customers!! Mama, Customers, hurry!!“ begrüsst.

Seltene Gäste im typischen Deutsch-Schweizerstübli Schwarbing House Inn


Wir schliessen den schönen Abend in der einzigen Bar des Ortes ab und sind glücklich über ein so spontanes Treffen – DANKE fürs „Vorbei schauen“ 🙂
Am nächsten Tag treffen wir uns um in den Cameron Highlands zu wandern. Die auf ca. 1500 m gelegenen Berge (für uns eher Hügel…) bieten tolle Dschungelwege bei angenehmen Temperaturen. Es ist zwar auch hier schwül und Transpiration findet durchaus statt, aber immerhin steigt das Thermometer in der Regel nicht über 25 Grad an. Nun buchen die meisten Touristen für ihre Wanderungen einen Führer – tollkühn wollen wir es auf eigene Faust wagen, denn wir haben uns ja im Hotel eine Karte gekauft. Diese enthält zwar mehr Werbung als Wege, doch als vier versierte Wandervögel erreichen wir den Gipfel des Gunung Jasar und des Gunung Perdah, durchwandern anschliessend auch noch ein authentisches Bergdorf, welches auf der Karte als aborigin village angegeben ist – eine herrliche Wanderung!

Gipfelstürmer auf Gunung Perdah - Geschafft!!

Dank Madlaina und Andy bzw. ihrem Mietauto kommen wir in den Genuss der Teeplantagen-Besichtigung des Boh Tea Estates und erkunden den höchsten Berg in der Umgebung (2110 m). Die Aussicht ist absolut genial, wir können Bilderbuchfotos schiessen und uns kaum satt sehen, an den weiten grünen Feldern mit den so malerisch zwischen den Sträuchern verlaufenden Wegen für die Teepflücker. Den „Boa-Tee“, den wir anschliessend im Teerestaurant schlürfen, schmeckt wunderbar!

Postkartensujet: Teeplantagen im Boh Tea Estate


In Tanah Rata gibt es zahlreiche kleine Restaurants, bei denen man quasi auf der Strasse/Trottoir oder im kleinen, meist sehr stickigen und lauten Raum isst, wo auch gekocht wird und zwar so, dass man zu sehen kann. In anderen Worten werden mit sehr einfachen Mitteln leckere Speisen zubereitet (für sehr heikle Westler nicht vorbehaltslos zu empfehlen, da man es mit der Hygiene hier nicht ganz so eng sieht). Wir essen abends „auf der Strasse“ bei einem Inder mit aussergewöhnlich grosser Auswahl. Umso erstaunlicher ist es, dass die Fluktuation an den Tischen höher ist, als bei MacDonalds, denn bei uns nimmt nur schon die Entscheidung, welches Naan man probieren möchte, viel Zeit in Anspruch. Das Essen war hervorragend! Leider müssen wir uns bereits wieder von unseren Freunden Madlaina und Andy verabschieden, denn deren etwas kürzere Reise geht bereits wieder dem Ende zu.
Den nächsten Tag starte ich mit einer ekligen Erfahrung… neugierig probier ich was Neues aus: Porridge mit würzigen Brot-Croutons! Leider entpuppen die sich aber als getrocknete Fischstücke, sodass die stärkende Speise ihren Zweck verfehlt und umgehend im „Restentopf“ landet… Fazit: auch die Fisch-Variante des Biltong hier in Asien ist sehr speziell und definitiv nicht für jeden geeignet.
Die Reise führt uns nächsten Tags weiter auf eine grössere Insel im Norden von Malaysia, Pulau Penang. Mit Bus, Fähre und Taxi fahren wir zum Hotel, die Temperatur ist wieder sehr hoch und düppig. Unterwegs bestellen wir heissen Kaffee, den wir im Plastikbeutel mit Röhrli erhalten – eine Verpackung, der wir zuerst etwas skeptisch gegenüber stehen, die sich aber als äusserst praktisch entpuppt!

Kaffee Pause der anderen Art - durchaus praktisch auf Reisen!


Thomas hat sich eine starke Erkältung zugezogen, weshalb wir am Pool relaxen und abends in einem selbstverständlich indischen, ähnlich hektischen Restaurant essen, wie wir es gewohnt sind. Der dynamische Ober bzw. die dynamischen Ober (man wir immer von einer grösseren Anzahl Menschen bedient) vergessen am Ende die Getränke auf der Rechnung, ungeachtet der Tatsache, dass die leeren Flaschen noch auf dem Tisch stehen (selbstverständlich haben wir ehrlichen Schweizer auf den Irrtum hingewiesen).
Am nächsten Tag erkunden wir die kleine feine Stadt Georgetown, Hauptstadt der Insel Penang. Es gibt einiges zu sehen, neben Tempel, Moscheen und Kirchen gibt es auch hier ein Fort, Little India und Chinatown. So despektierlich es tönt, es überkommt einem schon mal ein Déja-Vu-Gefühl… Vor einem chinesischen Tempel treffen wir einen alten Mann an, der uns ganz genau zeigt, wie wir fürs Foto posieren müssen und welche Statuen wir wie anfassen müssen – grandios, mit so einem Kenner kann es nur Meisterfotos geben!

Ein fotographisches Meisterwerk - kein Wunder unter dieser fachkundigen Regie


Im und vor dem Tempel werden tausende von duftenden Räucherstäbchen in die dafür vorgesehenen Töpfe und Schalen gesteckt, was den ganzen Tempel in eine eigenartige Duftwolke hüllt. Genug vom betörenden Rauch und der brennend heissen Sonne abgekriegt, kehren wir bald zurück zum kühlenden Hotelpool und geniessen den Rest des Tages ohne grossen indochinesischmalaiischen Trubel.

Chinesischer Tempel in Georgetown


Auch Buddha lacht mit!


Der nächste Tag ist weder Freitag, noch der 13., aber irgendwie hat uns das Glück an diesem Montag verlassen. Am Busbahnhof sind die Busse nach KL bereits voll und wir müssen >1h in der brütenden Hitze, mit 2 riesigen Backpacker und Plastiksäcken warten. Es geht hektisch zu und her und wir sind froh, als es endlich heisst „This one, come on please!“ – der erste Bus wo es offenbar noch 2 freie Plätze gibt. Eigentlich ganz bequem, aber von einem aufdringlich frechen und sehr überholungswilligen Chauffeur gefahren, merken wir bald, dass er es ausserordentlich pressant hat. Auf den vordersten zwei Plätzen sitzend, werden wir dann auch Zeugen von einem Auffahrunfall. Unglücklicherweise handelt es sich beim Opfer um einen Rollerfahrer, der beim Crash so schnell weggespickt wird, dass wir erst gar nicht wahrnehmen, was passiert ist. Es war einfach nur schrecklich! Ein dumpfes Geräusch beim Aufprall, dann ein massives rechts – links – rechts schwenken des Busses, wobei wir jeden Moment damit rechneten, umzukippen. Schreckenssekunden, die einem wie Stunden vorkommen, ohne dass man fähig ist, etwas zu machen! Der Töfffahrer ist zum Glück bei Bewusstsein und kann einigermassen auf eigenen Beinen gehen, obwohl ich diese Fähigkeit einzig und alleine seinem Schock-Zustand zurechne. Zu unserem grossen Erstaunen wird aber zunächst weder Polizei noch Ambulanz alarmiert, sondern „ein Freund“ des Fahrers. Einem genug insistierenden mitreisenden Einheimischen ist es zu verdanken, dass schlussendlich doch beide hier sind, und der arme Typ, noch immer unter Tiefschock, im Blaulichtwagen abtransportiert wird. Die Weiterreise nach KL findet mit dem gleichen Busfahrer statt aber zum Glück unfallfrei. Wir kommen zum Hotel, wo wir diesmal positiv überrascht werden und gehen bald zu Bett um am nächsten Tag unsere Visa für die Vietnam Reise abzuholen. Diese kriegen wir diesmal sehr viel schneller und ohne Umstände ausgehändigt, auch die gezogene Nummer wurde diesmal respektiert! Wir geniessen den vorerst letzten KL-Tag und bereiten uns voller Vorfreude auf das nächste Abenteuer vor!

Auf geht's zum nächsten Abenteuer, bis bald!

Fortsetzung …6. Reisebericht

November 15, 2009

Natürlich auch geschrieben von Anita

Unser weiterer Weg führt im Regen nach Umhlanga, einem Küsten-Ort etwas nördlich von Durban (von dieser Stadt wurde uns abgeraten, sie soll ähnlich gefährlich sein wie Jo’burg). Umhlanga oder Umhlanga Rocks ist ein recht beliebter und schicker Touri-Ort am Indischen Ozean. Die Preise für ein Zimmer sind ungewöhnlich hoch, daher sind wir froh, dass wir bei einem älteren Paar aus Simbabwe ein rosarotes Zimmer mit rosarotem Bad und rosarotem Bett kriegen.

Rosa Badezimmer

Passendes rosarotes Badezimmer in Umhlanga - das Schlafzimmer sieht ähnlich aus

Da das Wetter am nächsten Tag nicht besser ist, profitieren wir vom (gemäss den Einheimischen) zweitgrössten Shoppingcenter der Welt in Umhlanga. Es gibt unzählige Shops, eine 4×4-Strecke, 18 Kinos und etliche andere Unterhaltungsmöglichkeiten. Wir waren damals sehr beeindruckt, ich muss heute aber sagen, dass ich die Grössenangabe in Weltrelationen nach unserem Dubai Aufenthalt etwas anzweifle.
Mit unseren Einkäufen gehen wir zur südafrikanischen Post und beschäftigen einen Angestellten für mindestens 1 Stunde. Wir möchten 4 Päckli in die Schweiz schicken. Der zuvorkommende Beamte unterstützt uns beim Zusammenfalten der Kartonboxen, beim Ausfüllen der Formulare, die Beschriftung der Versandart erfolgt ebenfalls von Hand und auch das Aufkleben der unzähligen Briefmarken pro Paket wird uns freundicherweise abgenommen.
In Port Shepstone (weiter im Süden der Ostküste Südafrikas) finden wir ein tolles Guesthouse mit einer leicht nervösen aber sehr freundlichen Hausherrin und einer riesigen Terrasse, die wir aber leider aufgrund des Wetters kaum nutzen können. Im kleinen Dorf gibt nur ein Internetcafé, welches um 17 Uhr schliess und auch sonst schliessen alle Läden ungewöhnlich früh um 6. Da das Wetter nicht besser wird und wir uns im Guesthouse sehr wohl fühlen, verbringen wir 3 Nächte in Port Shepstone. Das Internetcafé, welches nebenbei auch Biltong, eine afrikanische Trockenfleisch-Spezialität, verkauft, besuchen wir oft. Wer jemals Biltong gerochen hat, kann nun verstehen, weshalb Lebenszeichen übers Internet von mir als Vegetarier in dieser Zeit äusserst spärlich waren…
Wir nutzen die regenfreien Stunden mit Ausflügen in die Umgebung, in den Oribi Gorge Nationalpark mit einer grossen Schlucht, Hängebrücken, Wasserfällen und dem bekannten „Overhangig Rock“.

Overhangig Rock

Es relaxed sich gut auf dem Overhanging Rock im Origi Gorge Nature Reserve

Den Aufenthalt in Port Shepstone schliessen wir schliesslich mit den Film ‚This is it‘ (Michael Jackson-Film) für ca. 7 CHF für beide Tickets ab, wofür es sich allemal gelohnt hat!
Am nächsten wettermässig etwas besseren Tag machen wir einen Abstecher zu den 1000 Hills, einer Region mitten im Zulu-Land, wo die Strassen mit deren traditionellen Rondavel-Behausungen gesäumt sind. Die Bezeichnung 1000 Hills trifft absolut zu, wir passieren etliche Hügel und sehr schöne Landschaften. Die einfachen, charakteristischen Zulu-Hütten können wir in einer Cultural Village, wo es auch beeindruckende Tanz- und Gesangsvorstellungen gibt, von innen anschauen. So einfach die Menschen auch heute noch leben, ihre Geschicklichkeit und ihre Widerstandsfähigkeit ist wirklich imposant. Gerne hätten wir den Tanz und Gesang als Film aufgeschaltet, doch das Format passt leider nicht.

Zulu Rondavel

Traditionelle Rondavel-Behausung der Zulus; Cultural Village 1000 Hills

Zulu Tanz

Bewegungsreiche Zulu Tanzvorstellung im Tal der 1000 Hügel

Am gleichen Ort gibt es auch noch einen Reptilien Park, wo wir Krokodile und widerliche Schlangen mit hochgiftigen Seren betrachten können – ein Vorgeschmack auf Asien?
Am Rande einer Schlucht übernachten wir diese Nacht an einem netten Ort in Kloof. Damit wir richtig müde werden, veranstalten Thomas und ich eine gegenseitige Zulu-Tanz-Performance, auch davon fehlt nun leider der Film an dieser Stelle. Am nächsten Tag weckt uns die Sonne und wir können eine wunderschöne Aussicht geniessen.

Kloof

Unser Ausblick von der Terrasse in Kloof: Kranzkloof Nature Reserve

Wir fahren bei schönem Wetter nach Underberg, ein Ausgangsort für Touren in die südlichen Drakensberge. Bei ‚Khotsa Horse Trails‘ quartieren wir uns in ein geräumiges Rondavel (wie die Zulus aber mit Elektrizität) ein und natürlich nutze ich die Gelegenheit und schwinge mich auf den Rücken der Pferde, bzw. der Basotho Ponies, denn wie es der Name schon sagt handelt es sich hier um ein Gestüt mit ca. 200 Pferden. Die Tiere sind in den Hügeln auf riesigen Flächen verteilt, es scheint keine richtigen Zäune zu geben und ich habe keine Ahnung, wie man da noch eine Kontrolle haben kann.. jedenfalls war die Stunde Reiten ein beeindruckendes Erlebnis: Basotho Ponies kommen aus Lesotho, wo es praktisch nur Stein und Felsen gibt. Sie sind zierlich aber extrem robust mit einer ungeheuren Trittsicherheit. Im zügigen Galopp geht’s den Berg hinauf über Steine und Felsen, ohne dass HP, mein Pferdchen, ein einziges mal gestolpert wäre!

HP und Schnips

Besotho Pony HP und ich vor dem rasanten Ausritt in die südlichen Drakensberge

Der Nachteil meines Reit-Erlebnisses sind die Lesotho-Pferdesättel, die nicht vergleichbar sind mit unseren… das war schmerzvoller als zwei Mountain-Bike Tours in Graskop!
Nach meinem Ritt machen wir einen kurzen Abstecher in die Underberg Cheesery, wo es vorzüglichen Käse mit den unterschiedlichsten Zusätzen an Kräutern und Gewürzen, Home-made für weniger Geld als bei uns der Tilsiter in der Migros – Schweizerkäse hin oder her, Underberg kann voll mithalten!
Am nächsten Tag haben wir eine Tour auf den Sani Pass, die einzige Strasse die von dieser Seite der Drakensberge nach Lesotho führt, gebucht. Um 9 h fahren wir zusammen mit Paaren aus UK und Südafrika den fast 3000m hohen Pass hinauf, der nur für robuste 4×4 Autos oder Basotho Ponies geeignet ist. Das Sani-Pass-Tours Gefährt muss uralt sein (6-stelliger km-Zähler zeigt etwa 200‘000km an, davor sollte man sich aber noch eine 1 vorstellen), hievt sich aber erstaunlicherweise über riesige Gesteinsbrocken und um Haarnadelkurven, man kann da wirklich von „klettern“ reden! Die Aussicht ist genial, die Pass-Strasse zieht sich steil hinauf und liefert spektakuläre Fotos, umgeben von Hügellandschaften in verschiedensten Farben. Oben auf der Passhöhe findet der Grenzübergang nach Lesotho statt. Auch wir Schweizer kriegen den Stempel problemlos in unseren Pass und sind stolz auf den eher seltenen Eintrag. Oben dürfen wir in einer typischen Hütte der Lesothos deren Bier (vergleichbar mit dem Bier im Township bei Cape Town) und Brot kosten. Die Hütten sind ebenfalls rund und wie die Zulu-Hütten sind sie mit keinem Schornstein ausgestattet, was einen sehr charakteristischen Geruch an den Kleidern und Haaren haften lässt. Wir verpflegen uns im höchsten Pub Afrikas und nehmen den Abstieg dann in Angriff. Fast noch steiler kommt es einem vor und wir sind dann auch froh, heil unten angekommen zu sein.

Aussicht vom Sanipass

Geniale Aussicht während unserem Aufstieg auf den Sani Pass

Oben angekommen

Oben angekommen ist es Pflicht, dieses Beweisbild zu schiessen

Sani Runter

Atemberaubend schöne Bilder auch beim Abstieg

Unser vorletzte Südafrika Aufenthalt führt uns nach Bergville, ein kleiner Ort in den nördlichen Drakensbergen. Das bekannte „Amphitheater“ sieht man von unserer Unterkunft aus und die Umgebung ist sehr schön, trotz des eher unfreundlichen Wetters. Wir üben uns im Kurzwandern im Royal Natal Nationalpark, da es für richtige längere Ausflüge wettermässig zu unsicher ist. Man wird immer wieder vor dem Wetter in den Drakensbergen gewarnt, deshalb lassen wir uns nicht auf grosse Abenteuer ein. Auch am nächsten Tag versuchen wir ein auf der Karte eingezeichnetes Ziel zu erreichen, merken aber sehr bald, dass man auch ganz schön nass wird, wenn der Regen aufgehört hat… Da der Pfad mitten durch Gräser und Sträucher führt, sind unsere Schuhe und Hosen bald so durchnässt, dass jeder Schritteine kleinen Tsunami im Schuh auslöst. Deshalb entschliessen wir uns für eine Abkürzung und legen den Rest auf Asphaltstrasse zurück.

In den Drakensbergen

In den nördlichen Drakensbergen

Unsere letzte Nacht verbringen wir in Harrismith, genug nahe bei Johannesburg, dass wir am nächsten Morgen losfahren, Auto beim Flughafen abgeben und in den Flieger nach Dubai steigen können.
Mit dieser Reise ist der erste Teil unserer Halbweltreise endgültig abgeschlossen. Es war wunderschön im südlichen Afrika und wir haben sehr viele neue Eindrücke gewinnen können!

zusammen 2

...Bye Bye, bis in Südostasien

6. Reisebericht: Südafrika vom Krüger NP nach Kwazulu-Natal

November 14, 2009

Geschrieben von Anita

Die Rückreise am Freitag, 16. Oktober von Maputo nach Komatipoort, erste Ortschaft nach der mosambikanischen Grenze in Südafrika, verläuft ohne Zwischenfälle. Die Bushaltestelle ist unkompliziert einfach die Tankstelle im Ort, gut für uns, denn da gibt es endlich wieder unsere Lieblingsgetränke zu kaufen – die haben noch nie so gut geschmeckt wie da! Wir werden pünktlich von Dave, dem Inhaber unserer nächsten Unterkunft, abgeholt. Die Unterkunft liegt direkt am südlichen Ende des Krüger Nationalparks und wir kriegen ein grossräumiges Zimmer. Von der Terrasse des Hauses aus kann man Tiere beobachten, die am nahe gelegenen Crocodile-River ihren Durst stillen.

Aussicht von der Unterkunft Krugerview

Unsere Aussicht von der Terrasse in Komatipoort


Die Temperatur beträgt an diesem Tag ca. 30°C und wir geniessen den eigentlich ganz einfachen aber nach den letzten zwei Wochen sehr vermissten Komfort in der Unterkunft mit Air-Con, Terrasse, kleinem (28°C warmem) Pool, Internet-Zugang und viel Platz. Die Erholung tut gut, auch der Besuch im Superspar, wo Einkaufen soo einfach ist, überwältigt uns fast. Es wird einem bewusst, wie sehr man daran gewöhnt ist, einfach alles verfügbar zu haben und wie abhängig man von gewissen Produkten und Marken ist. Man schätzt die heimischen Annehmlichkeiten wieder sehr viel mehr und erinnert sich an Situationen, wo man sich ärgert und mit Unverständnis reagiert, wenn alle Vollkornbrote mit Sonnenblumenkernen gerade ausgegangen sind und es nur noch Vollkornbrote mit Kürbiskernen im Regal gibt…

Abends lernen wir andere Gäste aus Deutschland, Holland, Slowenien und Südafrika beim gemeinsamen Braai kennen und tauschen interessante Erfahrungen aus. Übrigens gibt es auch Päärlis in unserem Alter, die ein GANZES Jahr in der Welt rumreisen, da hat man in der Tat Grund zum Beneiden 🙂
Am nächsten Tag geht’s früh los, auf dem Programm steht ein Tages-Ausflug in den Krüger Park mit Dave, mit von der Partie sind auch Bianca und Martin aus Deutschland. Um 7.00 Uhr fahren wir die 8 km zur ‚Crocodile Bridge‘, dem südlichsten Eingang zum Krüger Park. Die Temperatur ist sehr viel angenehmer als tags zuvor, es nieselt sogar leicht. Dave ist ein ausgesprochen erfahrener und versierter Tier-Spotter. Er hat zudem ein riesiges Repertoire an Geschichten aus der Welt auf Lager, da er ca. 12 Jahre lang auf Reisen war und dabei so ziemlich jeden Job schon mal ausgeübt hat! Danach war er als Tour-Guide tätig, bis er dann die Unterkunft übernommen hat. Man kann ihm stundenlang zuhören, bei seinen Geschichten und Erlebnissen. Zurück zu unserer Tour: Impalas sind die ersten Tiere, die wir sehen. Sie sind im Krügerpark quasi wie die Springböcke im Etosha Park: man sieht sie überall und immer in grossen Herden unterwegs, am liebsten zusammen mit – wer weiss es noch? – Zebras und Gnus. Impalas sind vor allem an ihrem Hinterteil zu erkennen, wo sich ein schwarzes M wie bei McDonald’s abzeichnet. Für diesen Fast-Food-Riesen werden sie aber wohl zu graziös, zierlich und klein sein, Gottseidank!

Impala M

Ein unverkennbares Impala im Krüger Nationalpark


Impala Kruger

Impala im Krüger Nationalpark, etwas schwieriger zu erkennen


Von Dave lernen wir viele interessante Sachen über die Tiere im Park und er entdeckt sie meist schon aus weiter Ferne. Beispielsweise gibt es im Krüger Park die beide Nashornarten Black Rhino (Spitzmaulnashorn) und White Rhino (Breitmaulnashorn), die wir nun zu unterscheiden wissen (obwohl ich hier sagen muss, dass die deutschen Übersetzer da etwas weiter gedacht haben, denn beide Nashörner sind grau und gross, haben aber unterschiedliche Kopfformen). Zum ersten Mal sehen wir hier denjenigen, der uns zu den Big Five noch fehlt! Wer aufgepasst hat, weiss um wen es sich handelt und für die andern folgendes Foto:
Buffalo Herde

Eine Büffel-Herde im Krüger Nationalpark: unmöglich, die Dimensionen auf ein Foto zu bringen!


Buffalo Kruger

Und so sieht ein Afrikanischer Buffalo aus der Nähe aus


Wir entdecken sogar einen Leoparden, der seine Beute – eine Antilope – auf einen Baum gebracht hat, damit ihm die unten wartenden Hyänen nicht in die Quere kommen. Ein wunderschönes Tier, unbeschreiblich elegant, anmutig und wild!
Leopard Krüger

Leopard beim Verdauungsschlaf - der Rest der Beute befindet sich oben rechts im Baum


Wir haben grosses Glück und sehen wir in der Folge alle Big Five gleich 2x (Elefant, Nashorn, Buffalo, Leopard und Löwe), wenn auch nicht immer aus nächster Nähe. Eine Löwen-Familie mit putzigen „Kätzchen“ zählt neben dem Leoparden im Baum zu den Highlights. Auch die endlosen Herden von Buffalos, die massiven Hippos, welche untätig und träge im Wasser oder auf Sandbanken rumfaulenzen und die Giraffen, die den Autos so nahe kommen, dass man stundenlang in die schönen, von dichten Wimpern umrandeten, schwarzen Augen blicken könnte. Kudus, Krokodilen, Geiern, Pavianen und anderen Affen, Steinböcken, Wasserböcken, Adlern, Perlhühnern, einem Riedbock, Hyänen und einem Eichhorn begegnen wir im Verlauf des Tages mit Daves fachkundiger Unterstützung – es war eine sehr erlebnisreiche Ausfahrt!

Kudu KrugerGiraffe

Elefantr Kruger

Bilder und Eindrücke aus dem Krüger Nationalpark


Der Krüger Nationalpark ist inklusive den herumliegenden nicht-öffentlichen Gebieten ca. 2-mal so gross wie Etosha. Im Vergleich zu Namibia, hat es in Südafrika viel mehr grüne Pflanzen, Bäume, Hügel und Gesteine, so dass es schwieriger ist, die Tiere zu entdecken. Darüber hinaus konnten wir in Namibia immer von Wasserloch zu Wasserloch fahren, während die Tiere im Krüger überall genug Wasser haben und es den Safari-Touristen nicht ganz so einfach machen! Superinteressant sind beide Parks. Wir haben in Namibia mehr Tiere gesehen, die auch näher zu beobachten waren als im Krüger, sehenswert sind zweifellos beide Parks und wir würden sofort wieder hingehen!
Am nächsten Tag versuchen wir uns auch noch im „Nacht-Tier-Spotten“ und nehmen an einer Krüger-Park-Sunset-Tour teil. Wie es nun mal auf diesen Tours ist, hat man keine Garantie, wirklich Tiere zu sehen; wir haben an diesen Abend nicht so viel Glück. Obwohl der sehr erfahrene Guide uns viel über Tiere, deren Exkremente und die darin zu sehenden Unterschiede erzählt, können wir kaum Tiere in Dämmerung und Nacht ausmachen. Dazu muss ich sagen, dass unser „Bakkie“ (oder Pickup) mit ca. 15 Touristen, 2 mobilen Spotlichtern und den Lichtern des Bakkies selber ausgestattet war. Unsere beiden Spotlicht-bediener (ganz normale Tour-Teilnehmer) waren vielleicht zu langsam oder das Auto zu schnell, jedenfalls haben wir nur ein Nashorn, eine Giraffe, Impalas, Hasen und eine Manguste gesehen. Oder sind wir etwa schon zu verwöhnt?

Für unsere weitere Reise bzw. die restlichen 2 Wochen in Südafrika organisieren wir am nächsten Tag einen Mietwagen, den wir mit Dave’s tatkräftiger Unterstützung und über 7 Wege schlussendlich zu einem äusserst vorteilhaften Preis kriegen – wenn das nur gut geht! Vom Unternehmen „Tempest“ hab ich noch nie was gehört und wir verabreden uns mit dem Vermieter frohen Mutes für den nächsten Tag im nahegelegenen Ort Nelspruit, Zentrum der nordöstlichen Provinz Mpumalanga und eines der Austragungsorte der Fussball WM 2010 (damit ich auch mal wieder etwas Schlaues und Wissenswertes geschrieben habe).
Am nächsten Tag werden wir von unseren „Mitbewohnern“ Bianca und Martin freundlicherweise in ihrem Mietauto bis nach Nelspruit mitgenommen – herzlichen DANK! Es ist immer sehr spannend, Leute auf Reisen kennen zu lernen und Erfahrungen auszutauschen. Man hört unzählige interessante Geschichten und Erlebnisse – Reisen ist wie eine Sucht und man erkennt sich gegenseitig meist sofort 🙂 Eine tolle Sache!
Wir nehmen also ein weiteres Auto in Empfang, wobei wir zuerst über ein Upgrade informiert werden (toll!), dann aber ein indigoblaues, recht klobiges Auto mit einem grossen „T“ indischen Ursprungs vorfinden und fragen, ob es denn keinen Golf übrig hätte…
Wir steigen in den grossen TATA ein und fahren nördlich, in ein Gebiet das sich „Klein Drakensberg Escarpment“ nennt. Lonely Planet verspricht tolle Wanderungen, riesige Wasserfälle und angenehmes Klima. Unser Ziel, Graskop, liegt am Fuss einer langen Schlucht, dem Blyde River Canyon, und ist friedlich in der Natur gelegen. Wir fahren noch ein Stück dem Canyon entlang und bestaunen unter anderem die ca. 70 m hohen „Mac-Mac Fälle“.

Mac mac falls

Blyde River Canyon Panorama Route: Mac Mac Falls


Unsere Unterkunft mit super Aussicht aufs Tal ist einfach aber angenehm und vermietet „Mountain-Bikes“, die wir uns für den nächsten Tag reservieren. Wir erhalten eine eher schlecht als recht gezeichnete Karte für die vorgenommene Tour zu Wasserfällen und durch den Wald und brechen am nächsten Morgen um 8 Uhr bei Sonnenschein auf. Bereits bei den ersten Metern vermiss ich Bike + Ausrüstung zu Hause und bereue für einen kurzen Moment lang, es je gekauft zu haben. Denn hätt ich keinen Vergleich gehabt, so wär es auch nicht so schlimm gewesen. Wir fahren so gut es geht den korrekten Weg entlang (die Markierung war diesmal als grüner Pfeil am Boden aufgezeichnet, was auf Naturstrassen nicht immer so gut zu sehen ist) und fahren hoch und runter und hoch und runter. Für die Strapazen und das schmerzende Hinterteil werden wir aber zum Glück belohnt, als wir zu den Forrest Falls kommen: atemberaubend schön idyllisch in der Natur, kristallklares Wasser – wir können uns kaum satt sehen und vergessen Schweiss und Anstrengung sofort.
Forrest Falls

Forrest Falls bei Graskop, Anreise per Velo


Wir erfahren im zweiten Teil der Route, dass fahren über Stock und Stein bei noch so schönen „Singelis“ ohne Federung keinen Spass macht und kehren verschwitzt aber glücklich zurück – Sport tut halt schon gut!
Ursprünglich wollten wir am Nachmittag auf eine kleine Wanderung gehen, die aufkommenden Wolken und Blitze am Himmel machen uns aber einen Strich durch die Rechnung. Wir fahren stattdessen zu ein paar weiteren Sehenswürdigkeiten wie „God’s Window“, einem schönen Aussichtsplatz. Doch vermutlich kann selbst Gott heute aufgrund der dichten Wolkennicht viel sehen – wir haben ihn jedenfalls nicht entdecken können.
Gods Window

God's Window auf der Panorama Route des Blyde River Canyons


Wir verlassen am nächsten Tag die Provinz Mpumalanga und ziehen Richtung östliche Küste, wo sich auch Durban, die drittgrösste Stadt Südafrikas befindet. Diese Provinz nennt sich Kwazulu-Natal und wie es der Name schon irgendwie andeutet, stammen die Zulus aus diesem Gebiet. Diese geschichtsträchtige Provinz bietet dem Reisenden sehr abwechslungsreiche Tätigkeiten, vom Meer über Nationalparks mit Tieren und Gebirgen bis zu den Zulus und deren Kultur, die heute noch immer mehr oder weniger traditionell hier leben.
Wir fahren also die weite Strecke bis an die Küste. Vielleicht hängt es mit der Fussball WM zusammen, vielleicht sind die Leute einfach nur tüchtig und wollen etwas zu tun haben, aber die Strecke war voller Baustellen. Nun ist es in Südafrika in der Regel so, dass eine Baustelle mind. 1 km lang ist und eine der beiden Spuren der zweispurigen Strasse komplett einnimmt. Das bedeutet für den Verkehrsteilnehmer lange Wartezeiten, denn die Lastwagen fahren, sobald es nur annähernd den Berg rauf geht, etwa mit 30 km/h… Hat man also Pech, so wartet man 15 min. vor der von Hand betätigten „Schild-Ampel“. Selbst die Ampelverantwortlichen setzen sich nach getaner Arbeit (= Schild um 180 Grad drehen, von Grün auf Rot) gerne hin und schreiben SMS. Soviel zur Geduldsprobe Graskop – St. Lucia.
Unser Ziel ist St. Lucia, ein Ort an der Elephant Coast, welcher bekannt ist für seine Flusspferde und Krokodile. Es ist uns am Anfang nicht ganz klar, ob der Ort selber sich im Nationalpark befindet oder ob er unmittelbar daneben liegt, dies spielt aber keine Rolle, denn die Tiere lassen sich nicht einfach einquartieren. Insbesondere die riesigen und gefährlichen Flusspferde(Hippos), die durchaus auch in den Gärten der Anwohner (und Unterkünfte…) anzutreffen sind. Dies passiert dazu noch in der Nacht, da sie tagsüber nur faul im Wasser rumliegen und grunzen. Wir entschliessen uns, trotzdem, da zu bleiben und finden einen Platz in einem sehr angenehmen Guesthouse (mit tadellos funktionierender Wireless-Internet- Verbindung!), allerdings liegt es recht nahe beim Meer. Wir gehen in der Dunkelheit grundsätzlich nicht raus, insbesondere als man uns noch vom „Hausleoparden“ erzählt, den man immer mal wieder zwischen den Häusern sieht. In der Nacht hören wir verschiedenste Geräusche, schlafen etwas unruhig und wissen am nächsten Tag nicht, ob wir uns was eingebildet haben oder ob es da tatsächlich gegrunzt hat vor unserem Fenster.
Am nächsten Tag besichtigen wir die Hippos, die sich in erschreckender Nähe befinden: keine 10min. zu Fuss liegen sie einfach da im Wasser, mindestens 7 davon, unweit des Ufers. Wir vertrauen den Broschüren, die die Tageslethargie der Tiere versprechen und nähern uns – wie alle andern Besucher – dem Ufer. Es gibt zahlreiche Schilder, die auch vor den Krokodilen warnen… aber wir werden zum Glück aufgeklärt, dass die gefährlichsten Wildtiere auf der Welt nicht die Krokodile sind (es sind die Hippos).
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Grunzend und träge liegen sie da: Hippopotamus


Wir steigen in den TATA ein und fahren in den iSimangaliso Wetland Park, 1999 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt und tatsächlich unmittelbar bei St. Lucia beginnend. Der Park bietet lt. Prospekt zwar 7 verschiedene Ökosysteme und 526 Vogelarten, doch da wir kein Handbuch zur Vogelbestimmung im Reisegepäck haben und wie gesagt verwöhnt sind, ist es für uns eher ein gemütlicher „Sonntagsausflug“. Auch die Hoffnung aufs Schnorcheln stirbt aufgrund von Wetter und Wind (nicht etwa aus Angst vor Krokodilen, das ist ja klar!).
Schild II

Wer kommt mit uns schwimmen?


Den nächsten Tag beginnen wir mit der Suche nach einer neuen Unterkunft, denn da wir schon dermassen in Reise- oder Ferientrott sind, haben wir glatt vergessen, um eine Nacht zu verlängern. Wir finden einen Platz und kriegen auch diesmal von den Besitzern die Geschichten über Flusspferde und Leoparden im Garten zu hören, sind aber diesmal bereits abgehärtet und nicken nur lächelnd mit dem Kopf.
In der Umgebung von St. Lucia liegt ein weiterer, recht grosser Nationalpark, das Hluhluwe (ausgesprochen schlu-schlu-wee) iMfolozi Game Reserve. Es handelt sich dabei um den ältesten Nationalpark Afrikas und einer der wenigen, die sämtliche Big 5 beheimatet. Dies können wir leider nicht bestätigen, denn uns zeigten sich anfangs kaum Tiere. Am Nachmittag kommen sie dann langsam aus den Büschen, dennoch gab es keine Wildkatzen zu sehen und die Elefanten nur mit viel Fantasie hinter dichtem Buschwerk… Eine besondere Begegnung hat aber Thomas beim Mittag-Rast machen können: Genüsslich bei seinem Salätli mit Brötli, kommt wie aus dem Nichts plötzlich ein Adler im Sturzflug daher und schmeisst geschickt und treffsicher Salz und Pfeffer scheppern vom Tisch – zisch und vorbei wars, ehe man es überhaupt geschnallt hatte! Wir wechseln sofort an einen anderen, im Adlerschatten gelegenen Tisch und Thomas macht sich an den Rest seines Salats. Dabei bemerkt er, dass es dem Riesenvogel gar nicht um Salz und Pfeffer gegangen ist, sonder viel mehr um sein Brötchen, das spurlos von Teller verschwunden ist!
Rhino

Breitmaulnashorn oder White Rhino im Hluhluwe Game Reserve


Bei unserer weiteren Tour im Park entdecken wir doch noch einige Tiere, darunter zahlreiche Nashörner, Buffalos, Zebras und Giraffen. Wohl am meisten beeindruckt hat uns dabei der clevere und sehr geschickte „Dung-rollende-Käfer“:
Kaefer

Kreislauf der Natur: Abtransport und Weiterverwendung von Nashorn-Exkrement


Am Abend zieht ein starker Wind auf und wir hören wieder allerhand Geräusche draussen, vermeinen auch Grunzen darunter ausmachen zu können. Am nächsten Tag erfahren wir von den Besitzern der Lodge, dass die Hippos tasächlich im Dorf Besuche abgestattet hätten!

An dieser Stelle gibt es aus technischen Gründen einen kleinen Unterbruch; wir haben bemerkt, dass es sich einfacher auf unseren Blog laden lässt, wenn die Dokumente etwas kürzer sind… Zeit für ein Käffeli, bis gleich!

4. Reisebericht: Südafrika – Garden Route und Route 62

Oktober 15, 2009

geschrieben von Anita

Am Sonntag, 20. September machen wir uns auf den Weg zu Hertz, wo wir mit Freuden wieder ein VW Chico Modell erwarten. In der Ausfahrt der Garage steht aber ein winziger, charakterloser hellblauer Chevrolet SPARK, ein Auto welches einem auf der Strasse nicht auffällt und wenn doch, dann weil es besonders hässlich ist. Dafür ist der Wagen praktisch neu und funkelt mit seinen überdimensionalen Lichtern, als ob er sich riesig freuen würde auf uns. Wir überspielen unsere Enttäuschung, steigen ein und fahren los. Mit diesem Auto müssen wir uns zumindest nicht verpflichtet fühlen, allfällige Stöppler mitzunehmen, denn der Kofferraum ist so klein, dass darin nur ein Tramper Platz hat und der zweite jeweils auf dem Hintersitz mitgeführt werden muss.
Es steht zunächst ein wichtiger Ort bei Cape Town auf dem Programm: Cape Point bzw. Cape of Good Hope. Südlich von Cape Town sieht man auf der Karte den kleinen „Zipfel“, Cape Peninsula, der sich bis Cape Point ca. 45 km runter zieht, wo sich der südwestlichste(nicht der südlichste, der kommt später noch…) Punkt des Afrikanischen Kontinentes befindet. Der Portugiese Bartolomeu Diaz, von dem es etliche Statuen und nach ihm benannte Plätze und Strassen gibt, hat das Kap 1488 entdeckt und der Name hat was mit der Hoffnung, endlich den Seeweg nach Indien gefunden zu haben, zu tun (genauere Auskunft gibt Google 😉 ).

Selbstverständlich handelt es sich auch hier um einen National Park mit Entry-fee, die wir natürlich gerne in Kauf nehmen für dieses Foto:

Ein muss für jeden Cape Town Besucher
Cape of Good Hope, ein muss für jeden Cape Town Besucher

 
Wir werden ständig durch Strassenschilder vor „Baboons“ gewarnt und stellen fest, dass es sich dabei nicht etwa um die hier ubiquitären Perlhühner handelt (die rennen einem ständig vors Auto), sondern um Paviane! Wir entdecken sie immer häufiger am Strassenrand sitzend, einen Mülleimer plündernd oder einfach nur dem Weltgeschehen zuschauend. Die Schilder warnen uns beschwichtigend vor der Aggression dieser Tiere und dass man sie unter keinen Umständen füttern darf. Es gibt auch verschiedenste ausgetüftelte Baboon-sichere Abfallsysteme, die den Nachteil haben, dass wir affenähnlichen Menschen den „Trick“ mit dem Abfall auch nicht rausfinden. Paviane können ziemlich gross sein und sehen meist gar nicht so böse aus. Wir lassen es aber nicht darauf ankommen und gehen den Viechern lieber aus dem Weg. Wir bleiben in der Folge auch in himmelblauen Chevrolet versehrt vor Unfällen mit Tieren (gemäss den Dreieck-Schildern kann es hier neben den Pavianen auch Pinguine und Schildkröten auf der Strasse geben) und fahren Richtung Hermanus, unserem nächsten Ziel.
Der eher kleine Ort Hermanus ist insbesondere 1x pro Jahr während des Whale Festivals in allen südafrikanischen Medien und Munden: da kommen zahlreiche Glattwale zum Paaren und zum Kalben in die geschützten Gewässer um Hermanus. Die Menschen beobachten das Spektakel mit Fernglas und Kamera.
Der Zufall will es, dass wir genau eine Woche vor dem Festival in Hermanus sind und die Vorbereitungen in vollem Gange sind. Zu unserem Glück gibt es noch freie Unterkünfte (die Hermanen warnen uns jeweils vor dem Menschenauflauf in einer Woche), auch die Wale sind bereits da. Diese schauen wir uns am nächsten Tag genauer an. Und da braucht es nicht viel Geduld. Am Meer angekommen, genügt ein kurzer Blick übers Wasser und man kann in Küstennähe ein felsähnliches Hindernis im Wellengang sehen. Schaut man etwas genauer hin, gibt’s auch meistens noch die „Wal-Fontäne“ zu sehen. Es gibt zahlreiche Walfischarten, aber die Art die wir in Hermanus sehen, ist einfach gigantisch!! Man sieht eine riesige glatte Fläche, manchmal knapp über dem Wasser, manchmal knapp darunter, aber meist sehr träge und langsam. Immer wieder sieht man eine Seiten- oder Schwanzflosse hochkommen und wieder verschwinden. All das aus sehr kurzer Distanz, die Riesentiere scheinen absolut nichts gegen Beobachter zu haben.

Schwierig zu fotografieren...
Ein Wal in Hermanus; schwierig zu fotografieren…

Leider zieht ein starker Wind mit Wolken und Nass auf und wir ziehen uns zurück zur Unterkunft. Da haben wir zwar unser privates Zimmer und Bad, aber Küche und Wohnzimmer wird geteilt. An diesem Abend können wir uns davon überzeugen, dass es die TV-Sucht durchaus auch in Südafrika gibt, denn unser im Dorf eingekauftes Znacht können wir leider nur zusammengedrückt in der Ecke am kleinen Tischlein einnehmen – immer auf der Hut, ja nicht zu laut zu sprechen, damit die TV-Konsumenten nicht gestört werden…
Am nächsten Tag ist das Wetter immer noch nass und bewölkt. Dabei machen wir einen Abstecher nach Cape Agulhas, wo sich der atlantische und der indische Ozean treffen: der südlichste Punkt Afrikas. Es herrscht ein rauer Wind und wir wissen nicht so genau, ob das die Kraft der beiden Ozeane ist, die wild aufeinander krachen, oder ob es halt einfach ein windiger Tag ist.

Cape Agulhas - Wo sich der Atlantische und der Indische Ozean treffen

Cape Agulhas - Wo sich der Atlantische und der Indische Ozean treffen

Wir fahren weiter nach Mossel Bay, einem unserer Meinung nach in den Reisebüchern etwas überbewertetem Ort, welches als Startpunkt der Garden Route gilt. Es gibt nicht vieles zu sehen und zu tun, da bei diesem Wetter auch jegliche Wassersportarten wegfallen. Wir gehen daher als Zeitvertrieb Billard spielen in dem einzigen Pub im Ort und verbringen den Rest des Abends in unserer Unterkunft in Mossel Bay.
Am nächsten Tag scheint die Sonne und wir fahren nach „Wilderness“. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine Ortschaft und nicht eine Beschreibung – obschon die natürlich auch zutrifft. Wir möchten gerne eine kleine Wanderung unternehmen, finden aber leider den richtigen Start des „Kingfisher Trails“ nicht und laufen im Kreis herum. Naja, wir entscheiden uns dann doch für einen Spaziergang am Meer, zumal der Eintritt für den ‚richtigen‘ Kingfisher Trail so viel kostet wie der Eintritt in den Etosha National Park… Sonderbare Relationen im verlassenen Wilderness. Der Spaziergang am Meer ist sehr schön und wir sehen dabei auch unsere Traumvilla am Meer, hauptsächlich aus Glas bestehend, mit zauberhafter Aussicht aufs Meer…

Traumhaus Wilderness, ein Grund zum bleiben!

Traumhaus Wilderness, ein Grund zum bleiben!

Wilderness, das Paradies in der Wildnis

Wilderness, das Paradies in der Wildnis


Die Garden Route, die wir als nächstes in Angriff nehmen, wird stark als Touristen-Attraktion beworben. Verdient, denn auf der Strasse fahrend, kann man nicht genug betonen, wie schön die Gegend ist. Man muss ständig fotografieren. Dichte Wälder, herrliche Vegetationen, Gebirge und Hügel wechseln sich ab, allen gemeinsam die Beschreibung „endlos“!

Ein Teil der Garden Route, wunderschön!

Ein Teil der Garden Route, wunderschön!

Wir fahren bis nach Knysna, einem schönen Ort, weitherum bekannt für seine vorzüglichen (man sagt’s -wir liessen uns nicht dazu überreden) und preiswerten Austern. Wir haben eine Übernachtung im French Country House gebucht, welches sich etwas zurückgezogen oberhalb der Stadt auf einem Hügel befindet (i.d.R. nenn ich keine Namen – hier muss ich eine Ausnahme machen, denn sollte jemand irgendeinmal nach Knysna gehen, ist dies eine unserer Top-Empfehlungen!). Unser Zimmer ist extrem komfortabel mit grossem Balkon und einem riesigen Bad mit Badewanne und gleich 2 Duschen – so viel Luxus tut nach den letzten eher bescheidenen Unterkünften ganz gut 🙂 Wir versuchen uns nochmals im Wandern und diesmal klappt es auch! Einen 9km Marsch durch schöne Wälder, den „Woodcutter walk“, bringen wir locker hinter uns und geniessen dabei die abwechslungsreiche Vegetation.

Robinson Crusoe der mich vor bösen Wildtieren beschützt

Robinson Crusoe der mich vor bösen Wildtieren beschützt

Im Superspar (nochmals lesen, wer Superstar verstanden hat) gibt es mein Lieblingsessen: Salatbuffet, wovon wir uns bedienen und einen gemütlichen Abend in der herrlichen „Luxus-Suite“ verbringen (keine Frage dass wir unseren Aufenthalt um eine Nacht verlängern).
Auch der nächste Tag bringt Sonne und wir tun vor allem eines: wandern! Zuerst entlang des schönen Strandes in Buffalo Bay, dann fahren wir zum Startpunkt einer Wandertour, die uns als wunderschöner Walk bei klarem Wetter empfohlen wurde. Wir bezahlen im kleinen „Permits-Häuschen“ für die Wanderung und die Dame schaut zuerst etwas skeptisch, meint dann aber, ok., wir hätten ja noch etwas Zeit. Wir nehmen also den auf der Karte als „etwas anstrengend“ bezeichneten, 9km langen ‚Kranshoek Costal‘ Walk in Angriff. Es ist mittlerweile schon ca. 15 Uhr, aber mit den 9km Märschen haben wir ja bereits Erfahrung und in 2-2.5 Stunden sollten wir es schaffen… Der Walk entpuppt sich aber als sehr anstrengend: es gibt 200m Höhendifferenz zu bewältigen und die weisse Fussspur-Markierung des Weges ist meist ziemlich undeutlich und in die Jahre gekommen (wie kann man zum Beispiel den korrekten Weg finden in einer Fläche von Steinen, worin die Farbe weiss äusserst häufig ist..??).Wir marschieren also recht langsam und verschwitzt auf und ab, verlieren dann und wann den Weg aus den Augen und als es 17 Uhr ist und wir noch immer unten am Meer rumkraxeln (Anfangspunkt war ‚empfundene‘ 250m weiter oben) und die Markierung mal wieder verschwunden ist, mischt sich ein etwas mulmiges Gefühl in die Wanderlaune. Was, wenn wir den Rückweg vor Einbruch der Dunkelheit nicht finden? An Spuren und verschiedenen Exkrementen am Boden erkennen wir, dass es hier verschiedene wilde Tiere geben muss… Wir haben noch etwa 1.5 Stunden Zeit und versuchen uns mit künstlichem Optimismus aufzumuntern. Noch nie hab ich mir einen solchen Aufstieg so ersehnt wie da – und endlich geht’s dann auch den Hügel hinauf, wo wir nicht schlecht staunen, als ein Schild uns über die 6km, die wir bisher gemacht haben, informiert (für meine Mittagspausen-Mitjogger: nie hätt ich gedacht dass läppische 6km so anstrengend sein können!). Wir schaffen es gerade noch, den Park in der Dämmerung zu verlassen – uff, das war ein sportlicher Tag

Costal walk zu oberst: da unten waren wir auch schon...

Costal walk zu oberst: da unten waren wir auch schon...

Wer findet den weissen Fussabdruck, unsere Wegmarkierung?

Wer findet den weissen Fussabdruck, unsere Wegmarkierung?

Unsere nächste Destination ist der Tsitsikamma Nationalpark, wo es zahlreiche Abenteuer-Unternehmen gibt und man Adrenalin kiloweise kaufen kann. Der Park besteht aus einem ausgedehnten Wald mit hohen Bäumen, den typischen „Fynbos“ Büschen und aus Küstengebiet. Bei der einzigen Tank-, Informations- und Einkaufsstelle des Parks möchten wir uns über die möglichen Unterkünfte informieren. Als wir aber nicht sofort bei jedem Angebot der zunächst freundlichen Lady positiv reagieren und mit Einwänden wie „gibt es ein Foto davon“ oder „wie teuer ist es denn“ den Arbeitsdrang der sofort zum Telefon greifenden Dame unterbrechen, gibt sie uns ganz klar zu verstehen, dass sie die Übernachtung für uns buchen will, da sie eine Kommission kriegen würde. Noch nie wurden wir dermassen mit Blicken bestraft wie da, als wir sagen, wir möchten uns selber umschauen – welch tiefe Beleidigung wir da verursacht haben!
Wir finden also alleine eine kleine, gemütliche Unterkunft mit eigenem Häuschen und voll ausgestatteter Küche und möchten noch von einem der „Adrenalinstätigkeiten“, wie es im Reiseführer nachzulesen ist, profitieren. Tsitsikamma Falls Adventures nennt sich das Unternehmen, welches „Zip-Line Tours“ anbietet. Man wird in ein „Klettergstältli“ reingepackt, mit Helm, unzähligen Karabinerhaken und Seilen, und schliesslich an ein dickes Drahtseil gebunden, wo man sich dann über Wasserfälle, Bäche und Bäume von Plattform zu Plattform gleiten lässt. Bei Thomas hat es ziemliche Überzeugungskraft gebraucht, den letzten Zweifel haben unsere Nachbarn (im Pensionsalter) geleistet, die es gleichentags erlebt hatten und es super fanden… Die Plattformen befinden sich bis 50m über dem Boden und das längste Drahtseil ist 211m lang. Das hört sich schwindelerregend an, ist man aber da oben, dann ist es halb so wild (das bestätigt heute auch Thomas).

Zip-Line Tour à la Tarzan bzw. Jane: von Baum zu Baum

Zip-Line Tour à la Tarzan bzw. Jane: von Baum zu Baum

Der nächste Tag (mittlerweile wieder Sonntag) ist etwas vom Wetter getrübt. Wir fahren nach Port Elizabeth (P.E.), unterwegs sehen wir schöne Küstenlandschaften und machen einen Abstecher nach St. Francis Bay, wo jedes Haus gleich aussieht und man offenbar nur solche Häuser bauen darf (weisse Mauern, Schilfdächer und 1 Million Einkommen im Jahr). In P.E. stellen wir fest, dass Schulferien und ein verlängertes Wochenende sind, denn die ersten 3 Unterkünfte, die wir anpeilen, sind allesamt ausgebucht (mit Ausnahme von 2 Schlafsaal-Plätzen)! Wir finden schliesslich eine Unterkunft und verbringen einen sehr ruhigen verregneten Abend in P.E.
Unsere Rückreise nach Cape Town erfolgt über die als schöne als Weinroute beworbene Route 62. Wir passieren viele sehr kleine Orte mit viel Landwirtschaft. Da werden Früchte kultiviert wie Äpfel und Birnen, es hat zahlreiche Strausse auf der Weide (ich frage mich, ob man da auch von „Weiden“ redet?) und auch sehr viele Kühe, aber keine Trauben. Es gibt fantastische Ausblicke unterwegs, touristisch liesse sich diese Gegend aber noch deutlich ausbessern, denn leider gibt es kaum Halteplätze geschweige denn Restaurants. Wir fahren bis nach Oudtshoorn, einem etwas grösseren Ort, wo wir eine spezielle Unterkunft mit spezieller Besitzerin finden. Sie erklärt uns, was in der Zeitung steht, ob die Schweiz heute auch drin war und was sonst so abgeht in und um Oudtshoorn. Dies kriegen wir für einen äusserst günstigen Preis zusammen mit der grossräumigen, etwas in die Jahre gekommenen Unterkunft, die aus 3 Räumen mit 4 Betten besteht – Platz zum verschwenden! Wir haben eine tolle Aussicht von der Veranda aus auf die Stadt und die Berge und fahren noch den empfohlenen Pass durch die Swartberge ab, wo wir fantastische Bilder schiessen können.

Wunderschöner Ausblick auf die Swartberge von der Passhöhe aus

Wunderschöner Ausblick auf die Swartberge von der Passhöhe aus

Oudtshoorn ist DIE Straussenstadt. Man verkauft hier so ziemlich alles vom Strauss. Von den Federn, die gerne als farbige Abstaubwedel auf der Strasse verkauft werden, über Eier in allen Formationen bis zu Leder als Damentaschen und Herrengürtel verarbeitet. Es gibt auch „Show-Farmen“, wo man auf Straussen reiten und Wettrennen machen kann. Unsere Zeit ist leider zu knapp für diesen Spass und wir können hier kein Straussenreiter-Foto zeigen. Thomas hat sich aber abends ein Stück hiesiges Straussenfleisch nicht entgehen lassen (sozusagen ein Muss für Fleischesser). Das afrikanische Restaurant trägt den etwas verwirrenden Namen „La dolce vita“ – wir liessen und aufklären, dass halt einfach die Namen für Restaurants ausgegangen wären und man deshalb diesen Namen gewählt habe.
Am nächsten Tag machen wir vor der Weiterfahrt auf der Route 62 noch einen kurzen Abstecher zu den „Cango Caves“ bei Oudtshoorn. Wir werden in den grossen Höhlen rumgeführt und über Entstehung, Alter, Zusammensetzung und Kostbarkeit der Stalagmiten und Stalagtiten informiert. Im Cango Berg gibt es zahlreiche solcher Höhlen, für Besucher zugänglich ist aber nur „Cango 1“. In den anderen Höhlen wird geforscht, manche werden ganz in Ruhe gelassen und manche hat man wohl noch gar nicht entdeckt. Die ganze Tour wird zwar sehr massentouristisch abgehalten, aber wir finden es doch sehr interessant und können uns kaum an den eleganten Strukturen satt sehen.

– Platzhalter –
Sorry, Fotos in Höhlen werden einfach nie so richtig gut

Die Weiterfahrt auf der Route 62, weg von Straussen und endlich hin zu Weinreben, führt uns nach Mogadu, einem netten Ort, das etwa 200 km von Cape Town entfern ist. Da wir etwas spät ankommen, können wir uns leider nicht mehr im Ort selber umsehen und gehen direkt zur sehr hübschen Unterkunft „Anchor Inn“, wo wir einen guten Preis für ein eigenes Rondell-Häuschen aushandeln – das war wirklich wunderschön!

Unser kleines Rondellhäuschen in Mogadu, Route 62

Unser kleines Rondellhäuschen in Mogadu, Route 62

Gerne hätte man da länger geschlafen, wir müssen am nächsten Tag aber den Wagen zurück nach Cape Town bringen und fahren früh los. In Cape Town haben wir uns beim zweiten Aufenthalt nicht mehr für die lärmige chaotische Longstreet entschieden, sondern sind in Meeresnähe, beim „Sea Point“ – ein riesen Unterschied und die Schlafqualität wird garantiert besser sein! Wir nutzen den Tag um unsere weitere Reise zu organisieren und machen erste Erfahrungen mit dem mosambikanischen Konsulat, wo wir eigentlich nur Informationen zum Visum möchten. Stattdessen bemerkt der Mosambikaner mit schelmischem Blick, dass es zu spät sei, heute ein Visum zu erstellen, wir sollen am nächsten Tag wieder kommen. Praktisch im gleichen Atemzug meint er aber, er könne was tun und schiebt uns Formulare zu, die wir möglichst schnell ausfüllen sollen. Ups, da sind wir etwas erstaunt und versuchen unverzüglich die Formulare auszufüllen, was sich als unmöglich erweist, denn wir haben ja noch keine Pläne! Man will wissen wie wir nach Mosambik kommen, welche Grenze wir überqueren wollen, wie lange, wo wir bleiben, wie viel Geld wir beabsichtigen auszugeben etc. Hilflos stehen wir da, dabei sollten wir uns doch beeilen. Der Mosambikaner hilft uns und nennt einen Grenzort. In Mosambik gilt Portugiesisch als offizielle Landessprache, wie bitte soll man da wissen wie man das schreibt?? Naja, mit viel Unterstützung und einem etwas komischen Gefühl füllen wir dann die Dinge aus, die wir noch nicht wissen und hoffen, dass dies gut kommt! Der nächste Schritt ist dann die Bezahlung. Nein, die verläuft nicht ohne Quittung und in Cash an den Herrn, wer das dachte, muss sich ein neues Bild von Mosambik machen: man geht auf die Bank, zahlt die umgerechnet ca. 50 CHF/P ein, kommt mit dem Beleg zurück und krieg dann den Bescheid, am späten Nachmittag wieder zu kommen. Die Pässe bleiben selbstverständlich da. Die Zeit nutzen wir, um die Busfahrt, wieder mit Intercape Mainliner, nach Maputo, Mosambik’s Hauptstadt, zu organisieren. Das wird eine anstrengende Fahrt: Start am Samstag um 17.30 Uhr in Cape Town bis nach Johannesburg, wo wir um ca. 13.30 Uhr ankommen sollen. Weiterfahrt nach Maputo leider erst um 22.00 Uhr. Der Ticketaussteller versichert uns aber, dass der Bahnhof von Johannesburg völlig sicher sei und dass auch abends keine Gefahr herrsche. Als Sonderangebot kaufen wir die günstigen Tickets und bereiten uns mental auf eine andere Welt vor.
Die restlichen 2.5 Tage in Cape Town verbringen wir mit einem Besuch des Tafelberges, von wo aus wir eine geniale Aussicht auf die Stadt haben und auf den wir mit einer Schweizer Gondel hinaufbefördert werden, mit Spaziergängen und Joggen am Meer entlang und mit herrlichen und äusserst preiswerten Sushis im Japanisch-Chinesisch-Thailändischen Restaurant neben unserem Hotel Ritz (leider ohne „-Carlton“).

Aussicht auf Kapstadt vom Tafelberg aus

Aussicht auf Kapstadt vom Tafelberg aus

Bei einem der Spaziergänge entdeckten wir das Sammeltaxifahren. Das spielt sich etwa so ab: der Beifahrer schreit die Zieldestination des Schiebetürkastenwagens sehr laut aber unverständlich den Passanten entgegen. Wem die Destination gefällt, der nimmt Platz und zwar wird konsequent immer aufgeschlossen, jeder Platz wird mindestens einfach benutzt. Leere Sitze gibt es nicht. Ist der Wagen mindestens normal voll, dann fährt man los. Während der Fahrt wird bezahlt, man gibt das Fahrgeld jeweils eine Reihe nach vorne, bis es beim Beifahrer landet. Will jemand aussteigen, dann gibt er ein Zeichen (ich habe nicht rausgefunden, wie das Zeichen geht) und man wird an einer beliebigen Stelle raus gelassen, nimmt dafür auch gerne hupende und wütende Fahrer hinter dem Wagen entgegen. Der frei gewordene Platz wird natürlich – durch erneutes Schreien des Beifahrers aus dem Fenster – so schnell wie möglich wieder besetzt. Bleichgesichter wie wir fahren leider kaum in den Taxis und wir waren sofort umzingelt, als wir nur die Frage stellen wollten, wo er hinfahren würde. Es blieb uns nichts anderes übrig als einzusteigen, Thomas in der hintersten Reihe, eingepfercht zwischen 3 typischen älteren Afrikanischen Frauen (wer mal da war, weiss was ich meine), ich eine Reihe davor, in Sammeltaxirelationen mit sehr viel Platz da wir nur 3 in der Reihe waren… Für praktisch kein Geld wurden wir also ins Zentrum gefahren und haben dabei noch etwas Neues erlebt! Wir empfanden es als unangebracht, die Kamera während der Fahrt auszupacken, somit fehlt auch dieses Foto.

Vielen Dank fürs geduldige Lesen - Kommentare willkommen :-)

Vielen Dank fürs geduldige Lesen - Kommentare willkommen 🙂

2. Reisebericht Namibia – der Norden

September 24, 2009

Von Anita

Zu Beginn des weiteren Geschehens, ein wichtiger Nachtrag: Golfi ist noch immer mit uns! Wir haben uns so gut miteinander verstanden, dass wir es einfach nicht übers Herz gebracht haben, den  tapferen weissen „Allesbewältiger“ da so stehen zu lassen. Auch das Hauptargument, welches bis anhin für ein grösseres (oder sichereres?) Auto gesprochen hat („Freilaufende  und möglicherweise aggressive Elefanten und Nashörner im Etosha Nationalpark “), haben wir dann mutig und abenteuerlustig verworfen.

Eine weitere Anmerkung bevor es zur eigentlichen Story geht, gilt der zeitlichen Verspätung dieses Berichtes. Wir entschuldigen uns dafür und nehmen uns vor, künftig aktueller zu sein… Zur allgemeinen Klarheit: der folgende Bericht beschreibt unsere Reise vom 8.9. bis zum 14.9.09.

Nach dem sozusagen freien Tag in Windhoek, der mit dem Besuch des weltbekannten und absolut besuchswerten „Joe’s Beerhouse“ (danke für den vielseitig erhaltenen Tip!) abgeschlossen wird, geht’s dann am Mittwochmorgen los in den Norden. Weil es innerhalb des Etosha Nationalparks nur drei Lodges gibt und die freien Zimmer immer knapp sind, müssen wir die Hinreise künstlich etwas in die Länge ziehen, da wie beim bereits erwähnten NWR nur noch für den 11. und 12.9. Zimmer kriegen. So haben wir also auf der Karte die Orte mit den grössten „Kreisen“ angeschaut und zwei ausgesucht, wovon wir insbesondere den ersten Ort Otjiwarongo schon so oft durch den besagten deutschen Radiosender gehört haben, dass wir schon eher von einem grösseren Ort ausgehen. Nun ja, das ist wohl auch hier wieder etwas übertrieben, aber wir finden ein Zimmer im Guesthouse, einen Supermarkt und ein gutes Café mit einem Papagei, der leider aufgrund des permanenten Zeitmangels der da wohnenden oder arbeitenden Leute nie sprechen gelernt hat (wir waren in den ca. 2 Stunden die einzigen Gäste bei 3-4 Angestellten). Aber gut, schliesslich ist unser Restaurant Tierfutterlieferant, Gärtnerei, Coiffeur-, Beauty- und Wellness-Salon und eben Verpflegungsort in einem… ich bin nicht sicher, ob man sogar ein Zimmer gekriegt hätte. Aber wenn nicht, dann hätt man sich sicher was einfallen lassen.

Da wir noch viel Zeit haben, besuchen wir die im Ort gelegene Krokodilfarm bzw. Zucht, wo wir recht ins Staunen kommen, bei Betrachtung der massiven Tiere, die einfach nur da liegen. Total träge und phlegmatisch. Irgendwie können wir es nicht glauben, dass diese schweren Kerle eigentlich sehr schnell und äusserst gefährlich sind. Die Krokodil-Babies können wir auch ansehen, der beissende, sehr strenge Geruch hält uns aber fast davon ab… wie alle Tier-Babies sind auch sie irgendwie „niedlich“ und sie bewegen sich sogar!

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Die Meinungen über „niedlich“ gehen auseinander… ich find den kleinen jedenfalls härzig.Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Tsumeb, der zweite ausgewählte „grosse Ort“ auf dem Weg zum Etosha Nationalpark. Tsumeb ist ca. 80 km von einem der total 3 Eingänge des Parks entfernt und ist deshalb bei Reisenden bekannt als Alternative zu den teuren Lodges im Park selber, wo wir ja dann die nächsten 2 Nächte sein werden. Aber die grosse Saison scheint lange vorbei zu sein oder weit weg zu liegen (obwohl gemäss Reiseführer der gerade beginnende Frühling in Namibia die beste Reisezeit sein soll). Wir finden kaum ein geöffnetes Café, die Strassen sind ausgestorben und das Leben sieht sehr gemächlich und langsam aus in Tsumeb. Trotzdem geben wir nicht auf und versuchen uns kulturell durch einen Besuch im Tsumeb Ballenbergmuseums weiterzubilden. “Tsumeb Cultural Village“, wie es heisst, ist ein Freichlichtmuseum, welches die Wohnbauten der verschiedenen Ethnien des Landes zeigt: Himba, Ovambo, Kavango, San, Herero etc. Die verschiedenen Hütten, Unterschlüpfe oder Häuser (irgendwie trifft jeder Ausdruck zu) zeigen, mit wie wenig diese Leute auskommen. Eine für unsere Verhältnisse als maximal Zweierzelt einzustufende Hausung war als „Family Hut“ ausgeschildert… Krasse Unterschiede und eindrücklich, wie diese Menschen z.T. noch immer zu leben scheinen. Umso erstaunter sind wir dann, als plötzlich 2 kleine Kinder auf uns zu kommen, die ganz offensichtlich in einem dieser Hütten zu wohnen scheinen. Keine Spur von den Eltern… Zweifelsohne ein interessantes Museum.

 

Familien Hütte

Familien Hütte einer Namibischen Ethnie

Ein weiterer Beweis dafür, dass man in Namibia relativ schnell einen Überblick erhält, ist die Ähnlichkeit des Managers unserer Unterkunft mit dem Inhaber des Hotels in Maltahöhe (s. Bericht Thomas). Wir fragen nach, ob er jemanden kennen würde in Maltahöhe. Und – wer hätte es gedacht – es handelt sich hier um Brüder J So klein ist die Welt, respektive Namibia.

Restaurants schliessen denn auch entsprechend früh in Tsumeb. Wir finden glücklicherweise eines der ca. 3 abends geöffneten Restaurants die es gibt und gehen gesättigt und unter einem Moskitonetz (wir befinden uns langsam aber sicher im Norden von Namibia, wo gemäss Internet und Reiseführer die Malariagefahr dann doch steigt aber keiner Prophylaxe macht) zu Bett, voller Vorfreude auf den nächsten grossen Wildlife Tag!

Um 5.15 Uhr reisst uns der erbarmungslose Wecker aus dem unruhigen Schlaf heraus. Aufstehen fällt nicht schwer, da es sich unter Moskitonetzen nicht so gut schläft und weil es heute viel zu sehen gibt! In der Dunkelheit fahrend, wissen wir nicht so genau, welche Tiere uns jeden Augenblick ins Auto rennen werden. Die wenigen geteerten, zweispurigen Strassen, auf denen man in der Regel eine Mindestgeschwindigkeit von 120 km/h hat, sind weder mit Banden noch mit einem Abstand zur „Wildnis“ ausgestattet und tote Tiere am Strassenrand sind leider regelmässig anzutreffen. Golfi scheint die Wildnis aber zu kennen und wir kommen ohne Zwischenfälle beim Tor des Etosha Nationalparks an.

Eingangstor zum Etosha Nationalpark um 7:15 Uhr

Der Weg bis zur ersten der drei Lodges innerhalb des Parks ist weiterhin schön geteert und wir rechnen nicht wirklich bereits hier mit Tieren, als Thomas plötzlich in allerletzter Sekunde eine Giraffe neben uns stehen sieht! Das ist schon ein einmaliges Gefühl! Die steht da, sehr gross und hoch, etwa 5m von uns weg und es scheint sie nicht im Geringsten zu stören! Vielleicht weil gerade die Golfs ihm so klein und harmlos vorkommen?  Hoffentlich denken so alle Tiere im Park, denn wir wissen aus dem Reiseführer, dass der Etosha Nationalpark ausser dem Büffel alle ‚Big Five‘ beheimatet: ca. 1500 Elefanten, 300 Nashörner, 300 Löwen und unbekannt viele Leoparden… Auf eine Konfrontation sind wir daher nicht gerade aus. Wir fahren einige Meter weiter und da kommt auch schon die zweite Attraktion, die unschwer durch einen typischen „Touri-Lastwagen“, der am Strassenrand steht, zu erkennen ist: wir sehen den ersten afrikanischen Etosha Elefanten aus nächster Nähe! Der ist also schon massiv grösser als wir… vor allem Thomas ist vorsichtig und mehr damit beschäftigt, sich korrekt zu verhalten (auch wenn wir eben nicht wissen, wie man sich den Tieren gegenüber „korrekt“  verhält), als dass er richtig gucken kann. Doch der Elefant greift uns zum Glück nicht an und wir fahren weiter. Uff. Als nächstes treffen wir erneut auf eine ziemlich fotogene Giraffe, die wir dann endlich so richtig ablichten können.

Giraffenstolz aus nächster Nähe (ohne Zoom...)

Giraffenstolz aus nächster Nähe (ohne Zoom...)

Giraffen sind echt gross, kommen einem aber irgendwie freundlich und putzig vor… Wie auch immer, was wir vom Etosha gehört haben, trifft offenbar zu: die eigentlich wilden Tiere sind dermassen an die vorbeirollenden Blechkisten gewohnt, dass sie nicht mal den Kopf heben, wenn ein Auto kommt. Wirklich eindrücklich, die Tiere aus dieser Nähe sehen zu können!

Endlich beim ersten Camp angekommen, besorgen wir uns eine Karte des Parks und stellen fest, dass es tatsächlich nur eine Verhaltensregel gibt: Das Auto darf nie verlassen werden ausser in den Lodges (wer hätte das auch getan??). Tja, man verhält sich offenbar einfach ganz normal, gut.

Der Etosha Nationalpark ist insgesamt fast 23‘000 km2 gross und der Name bedeutet „grosser weisser Platz“, was auf die in der Mitte liegende Salzpfanne hinweist, die sich im Norden des Parks befindet und ca. 20% der Gesamtfläche ausmacht. Die Karte zeigt uns, wo es Wasserlöcher gibt und man fährt so den ganzen Tag die mehr oder weniger gut präparierten Kieselstrassen (oder eben die „Gravel-roads“) entlang, zu diesen Trinkplätzen der zahlreichen Tiere. Auch zwischen den einzelnen Wasserstellen gibt es sehr viel zu sehen! Es vergeht kaum eine Minute, ohne dass man irgendwelche Zebras, Springböcke oder Gnus (übrigens das häufigste anzutreffende Trio im ganzen Park) die Strasse passieren lassen muss: im Etosha Park haben Tiere IMMER Vortritt (wovon sie auch schamlos Gebrauch machen). Ich möchte hier nochmals betonen: wir sitzen noch immer im 1.4 VW Chico der äusserst spartanisch ausgestattet ist und von den wilden Tieren trennen uns in der Regel nur einige Meter und ein Glasscheibe (von Hand runter oder bei Gefahr rauf zu kurbeln!).

Zebras, so weit das Auge reicht. Da heisst es schon mal, länger Vortritt zu gewähren.

Zebras, so weit das Auge reicht. Da heisst es schon mal, länger Vortritt zu gewähren.

Am ersten Tag sind wir also bereits sehr erfolgreich bei unserer Wildtierpirsch und entdecken nebst Elefanten, Giraffen, Springböcken, Streifengnus und Zebras auch noch Strausse, Kudus, Schabrackenschakale, Fleckenhyänen (die sind in der Tat so hässlich wie im Film „König der Tiere“), Mangusten, Scharrtiere, Warzenschweine, Impalas, Damara Kirkdikdiks, Kuhantilopen, Elands (Elantilopen) und einen kleinen Dinosaurier. Ok., hier muss ich zugeben, dass der kleine Dinosaurier der einzige war, der eben NICHT in der Broschüre abgebildet war. Ansonsten würde ich wohl auch einige der genannten Tiere nicht so richtig kennen – wie vielleicht der einzelne Leser auch? Kurz gesagt: es ist ein einmaliges Erlebnis und unbedingt zu empfehlen!!

Wasserloch "Nebrowski" im Etosha Nationalpark - bildliche Unterstützung zu den aufgezählten Tierarten.

Wasserloch "Nebrowski" im Etosha Nationalpark - bildliche Unterstützung zu den aufgezählten Tierarten.

Das Camp „Halali“, wo wir voller abenteuerlicher Eindrücke später ankommen, ist äusserst angenehm und wir können nach einem entspannenden Abend bei offenem Fenster den zahlreichen Tierlauten horchen, die uns zu filmreifen Träumen verleiten…

Jedes der drei Camps verfügt über ein  nahe gelegenes Wasserloch. Wir stehen sehr früh auf, um auf mögliche durstige Wildtiere zu stossen. Die scheinen aber leider auch lieber ausschlafen zu wollen, und so treffen wir am Halali Wasserloch lediglich auf ein paar Perlhühner und Vögel. Naja, es gibt ja noch viele Stellen zu besichtigen und angeregt von Tipps der andern Besucher, machen wir uns auf den Weg zu einem Wasserloch, an dem tags zuvor Löwen gesichtet wurden (Anmerkung: es fehlen noch Löwen und Nashörner auf der Liste der gesichteten Tiere..). Angekommen beim Loch, trauen wir  unseren Augen nicht: vor uns (natürlich in Golfis Sicherheit) liegt voller Pracht und sich der ihm allseits gewidmeten Aufmerksamkeit voll bewusst, der König der Tiere!!

Auch hier muss ich sagen, er ist wie im Bilderbuch: majestätisch, schon fast „snobbisch“, gewaltig und äusserst selbstbewusst!! Der liegt in der Mitter der Strasse, umzingelt von mindestens 5 Autos, genüsslich in die Sonne blinzelnd und nicht im Geringsten daran denkend, etwas an seiner Position zu ändern! Sehr eindrücklich und kribbelnd. Man könnte ihn stundenlang beobachten! Dann plötzlich taucht eine Löwin auf. Wir verstehen die hormonellen Massnahmen zu Regulation des Löwenbestandes  im Etosha Park in der Folge sehr gut, denn wir werden Zeugen des „Begrüssungsaktes“ unter Löwen, der sehr direkt, schnell und ganz laut abläuft… die zweite Löwin die irgendwo kurz auch noch zu sehen war, entzieht sich der ganzen Szene rec ht schnell da sie offensichtlich das fünfte Rad am Wagen ist. Wir „vom-Auto-aus-Beobachter“ sind so abgelenkt, dass wir nicht wissen wo sie hin ist und aufmerksam horchen, ob da nicht ein Geräusch vom Dach des Autos zu hören ist…

Ihre Mäjestät höchst persönlich.

Ihre Majestät höchst persönlich.

Zum Glück werden wir auch von keinem Löwen angegriffen und fahren den ausgeschilderten Wegen entlang weiter, wo wir permanent Tiere sehen können.

Das Wasserloch bei der heutigen Lodge (Okaukuejo) besuchen wir erst später bei Dunkelheit, denn die Trinkstellen bei den Lodges sind nachts jeweils beleuchtet, was weitere, eher nachtaktive Tiere zu entdecken verspricht. Wir begegnen denn auch noch dem „letzten“ fehlenden Tier auf der Liste: eine Nashornmutter mit ihrem Kleinen. Ich darf fast nicht sagen, dass wir die beiden zunächst für Warzenschweine gehalten haben… aber zu unserer Verteidigung muss ich hinzufügen, dass da zuerst ein riesiger Elefant daneben stand, dass die Beleuchtung nicht sonderlich stark war und dass die Nashörner echt nicht so gross sind, wie man sich vorstellt (zumindest nicht die Etosha-Spezies)!

Was mir an all diesen Wasserlöchern jeweils sehr gefallen hat, war die absolute Stille, die da normalerweise herrscht! Mensch gibt sich voll der Tierbeobachtung und trotz den manchmal ca. 50 Menschen drum herum – totenstille. Nur die Laute der Tiere, und keine Autobahn in der Ferne, kein Flugzeug, keine Feueralarme und kein Bass-Schlag eines tollen Songs (eine Ausnahme war der mobil-telefonierende Mensch, der das Wetter in Deutschland gleich der ganzen vom Nashorn betörten Menge mitteilte…).

Am nächsten Tag, es ist Sonntag, scheint irgendwie auch im Tierreich die Sonntagsruhe eingekehrt zu sein und wir treffen auf weit weniger Tiere als bisher. Hmm, möglicherweise liegt der Grund auch im Folgenden: Auch der Mensch ist ein Tier, ein „Gewohnheitstier“, und nach dem 30igsten Elefanten und dem 555sten Zebra ist man leider doch auch etwas abgestumpft…  Aber ganz klar und ich möchte hier auch nicht überheblich tönen: Etosha ist und bleibt eines der absoluten Highlights unserer ganzen Namibia-Tour. Die Bilder zeigen einiges, aber leider nicht das Gefühl, einem Löwen gegenüber zu stehen – im Golf!

Impressionen aus Etosha - die grauen Riesen.

Impressionen aus Etosha - die grauen Riesen.

Springböcke, die wohl zahlreichsten und graziösesten Vierbeiner im Etosha Park.

Springböcke, die wohl zahlreichsten und graziösesten Vierbeiner im Etosha Park.

Wir verbringen die letzte Nacht im „Norden“ in einem weiteren kleinen Ort, das den Namen Outjo trägt. Klingt schön, wie auch der Name der Unterkunft schön tönt: Aloe Guesthouse. Leider waren unsere Zimmergenossen statt wohlduftenden, romantischen Aloe-Pflanzen Horden von Moskitos, Käferli und eine riesen Spinne, die zu allem Unglück auch noch uuuunglaublich blitzschnell war. Thomas musste den Kampf ein zweites Mal antreten (ein Unentschieden hätte ich diesmal definitiv nicht akzeptiert, denn der Körperdurchmesser der Spinne war mindestens ein Fünfliber) und nach hartem Kampf reisen wir also heute noch immer zusammen umher J

Am nächsten Tag legen wir also die restlichen ca. 300 km nach Windhoek zurück, etwas wehmütig einerseits, weil unsere erste Etappe, Namibia, heute zu Ende geht, aber vor allem weil der unwiderrufliche Abschied vom ins Herzen geschlossenen Golfi naht. Beim Autoverleih gibt’s noch einige Probleme, welche leider bis zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Textes noch immer nicht gelöst sind, was wir dann halt als letztes Souvenir von Namibia und den da herrschenden Arbeitsgeschwindigkeiten mitnehmen müssen. Tja.

Unser Nachtbus nach Kapstadt fährt pünktlich um halb sieben los und wir nehmen eine weite, lange Reise in Angriff und freuen uns auf unsere zweite Reise-Etappe: SÜDAFRIKA!!