Archive for the ‘suedliches Afrika’ Category

Fortsetzung …6. Reisebericht

November 15, 2009

Natürlich auch geschrieben von Anita

Unser weiterer Weg führt im Regen nach Umhlanga, einem Küsten-Ort etwas nördlich von Durban (von dieser Stadt wurde uns abgeraten, sie soll ähnlich gefährlich sein wie Jo’burg). Umhlanga oder Umhlanga Rocks ist ein recht beliebter und schicker Touri-Ort am Indischen Ozean. Die Preise für ein Zimmer sind ungewöhnlich hoch, daher sind wir froh, dass wir bei einem älteren Paar aus Simbabwe ein rosarotes Zimmer mit rosarotem Bad und rosarotem Bett kriegen.

Rosa Badezimmer

Passendes rosarotes Badezimmer in Umhlanga - das Schlafzimmer sieht ähnlich aus

Da das Wetter am nächsten Tag nicht besser ist, profitieren wir vom (gemäss den Einheimischen) zweitgrössten Shoppingcenter der Welt in Umhlanga. Es gibt unzählige Shops, eine 4×4-Strecke, 18 Kinos und etliche andere Unterhaltungsmöglichkeiten. Wir waren damals sehr beeindruckt, ich muss heute aber sagen, dass ich die Grössenangabe in Weltrelationen nach unserem Dubai Aufenthalt etwas anzweifle.
Mit unseren Einkäufen gehen wir zur südafrikanischen Post und beschäftigen einen Angestellten für mindestens 1 Stunde. Wir möchten 4 Päckli in die Schweiz schicken. Der zuvorkommende Beamte unterstützt uns beim Zusammenfalten der Kartonboxen, beim Ausfüllen der Formulare, die Beschriftung der Versandart erfolgt ebenfalls von Hand und auch das Aufkleben der unzähligen Briefmarken pro Paket wird uns freundicherweise abgenommen.
In Port Shepstone (weiter im Süden der Ostküste Südafrikas) finden wir ein tolles Guesthouse mit einer leicht nervösen aber sehr freundlichen Hausherrin und einer riesigen Terrasse, die wir aber leider aufgrund des Wetters kaum nutzen können. Im kleinen Dorf gibt nur ein Internetcafé, welches um 17 Uhr schliess und auch sonst schliessen alle Läden ungewöhnlich früh um 6. Da das Wetter nicht besser wird und wir uns im Guesthouse sehr wohl fühlen, verbringen wir 3 Nächte in Port Shepstone. Das Internetcafé, welches nebenbei auch Biltong, eine afrikanische Trockenfleisch-Spezialität, verkauft, besuchen wir oft. Wer jemals Biltong gerochen hat, kann nun verstehen, weshalb Lebenszeichen übers Internet von mir als Vegetarier in dieser Zeit äusserst spärlich waren…
Wir nutzen die regenfreien Stunden mit Ausflügen in die Umgebung, in den Oribi Gorge Nationalpark mit einer grossen Schlucht, Hängebrücken, Wasserfällen und dem bekannten „Overhangig Rock“.

Overhangig Rock

Es relaxed sich gut auf dem Overhanging Rock im Origi Gorge Nature Reserve

Den Aufenthalt in Port Shepstone schliessen wir schliesslich mit den Film ‚This is it‘ (Michael Jackson-Film) für ca. 7 CHF für beide Tickets ab, wofür es sich allemal gelohnt hat!
Am nächsten wettermässig etwas besseren Tag machen wir einen Abstecher zu den 1000 Hills, einer Region mitten im Zulu-Land, wo die Strassen mit deren traditionellen Rondavel-Behausungen gesäumt sind. Die Bezeichnung 1000 Hills trifft absolut zu, wir passieren etliche Hügel und sehr schöne Landschaften. Die einfachen, charakteristischen Zulu-Hütten können wir in einer Cultural Village, wo es auch beeindruckende Tanz- und Gesangsvorstellungen gibt, von innen anschauen. So einfach die Menschen auch heute noch leben, ihre Geschicklichkeit und ihre Widerstandsfähigkeit ist wirklich imposant. Gerne hätten wir den Tanz und Gesang als Film aufgeschaltet, doch das Format passt leider nicht.

Zulu Rondavel

Traditionelle Rondavel-Behausung der Zulus; Cultural Village 1000 Hills

Zulu Tanz

Bewegungsreiche Zulu Tanzvorstellung im Tal der 1000 Hügel

Am gleichen Ort gibt es auch noch einen Reptilien Park, wo wir Krokodile und widerliche Schlangen mit hochgiftigen Seren betrachten können – ein Vorgeschmack auf Asien?
Am Rande einer Schlucht übernachten wir diese Nacht an einem netten Ort in Kloof. Damit wir richtig müde werden, veranstalten Thomas und ich eine gegenseitige Zulu-Tanz-Performance, auch davon fehlt nun leider der Film an dieser Stelle. Am nächsten Tag weckt uns die Sonne und wir können eine wunderschöne Aussicht geniessen.

Kloof

Unser Ausblick von der Terrasse in Kloof: Kranzkloof Nature Reserve

Wir fahren bei schönem Wetter nach Underberg, ein Ausgangsort für Touren in die südlichen Drakensberge. Bei ‚Khotsa Horse Trails‘ quartieren wir uns in ein geräumiges Rondavel (wie die Zulus aber mit Elektrizität) ein und natürlich nutze ich die Gelegenheit und schwinge mich auf den Rücken der Pferde, bzw. der Basotho Ponies, denn wie es der Name schon sagt handelt es sich hier um ein Gestüt mit ca. 200 Pferden. Die Tiere sind in den Hügeln auf riesigen Flächen verteilt, es scheint keine richtigen Zäune zu geben und ich habe keine Ahnung, wie man da noch eine Kontrolle haben kann.. jedenfalls war die Stunde Reiten ein beeindruckendes Erlebnis: Basotho Ponies kommen aus Lesotho, wo es praktisch nur Stein und Felsen gibt. Sie sind zierlich aber extrem robust mit einer ungeheuren Trittsicherheit. Im zügigen Galopp geht’s den Berg hinauf über Steine und Felsen, ohne dass HP, mein Pferdchen, ein einziges mal gestolpert wäre!

HP und Schnips

Besotho Pony HP und ich vor dem rasanten Ausritt in die südlichen Drakensberge

Der Nachteil meines Reit-Erlebnisses sind die Lesotho-Pferdesättel, die nicht vergleichbar sind mit unseren… das war schmerzvoller als zwei Mountain-Bike Tours in Graskop!
Nach meinem Ritt machen wir einen kurzen Abstecher in die Underberg Cheesery, wo es vorzüglichen Käse mit den unterschiedlichsten Zusätzen an Kräutern und Gewürzen, Home-made für weniger Geld als bei uns der Tilsiter in der Migros – Schweizerkäse hin oder her, Underberg kann voll mithalten!
Am nächsten Tag haben wir eine Tour auf den Sani Pass, die einzige Strasse die von dieser Seite der Drakensberge nach Lesotho führt, gebucht. Um 9 h fahren wir zusammen mit Paaren aus UK und Südafrika den fast 3000m hohen Pass hinauf, der nur für robuste 4×4 Autos oder Basotho Ponies geeignet ist. Das Sani-Pass-Tours Gefährt muss uralt sein (6-stelliger km-Zähler zeigt etwa 200‘000km an, davor sollte man sich aber noch eine 1 vorstellen), hievt sich aber erstaunlicherweise über riesige Gesteinsbrocken und um Haarnadelkurven, man kann da wirklich von „klettern“ reden! Die Aussicht ist genial, die Pass-Strasse zieht sich steil hinauf und liefert spektakuläre Fotos, umgeben von Hügellandschaften in verschiedensten Farben. Oben auf der Passhöhe findet der Grenzübergang nach Lesotho statt. Auch wir Schweizer kriegen den Stempel problemlos in unseren Pass und sind stolz auf den eher seltenen Eintrag. Oben dürfen wir in einer typischen Hütte der Lesothos deren Bier (vergleichbar mit dem Bier im Township bei Cape Town) und Brot kosten. Die Hütten sind ebenfalls rund und wie die Zulu-Hütten sind sie mit keinem Schornstein ausgestattet, was einen sehr charakteristischen Geruch an den Kleidern und Haaren haften lässt. Wir verpflegen uns im höchsten Pub Afrikas und nehmen den Abstieg dann in Angriff. Fast noch steiler kommt es einem vor und wir sind dann auch froh, heil unten angekommen zu sein.

Aussicht vom Sanipass

Geniale Aussicht während unserem Aufstieg auf den Sani Pass

Oben angekommen

Oben angekommen ist es Pflicht, dieses Beweisbild zu schiessen

Sani Runter

Atemberaubend schöne Bilder auch beim Abstieg

Unser vorletzte Südafrika Aufenthalt führt uns nach Bergville, ein kleiner Ort in den nördlichen Drakensbergen. Das bekannte „Amphitheater“ sieht man von unserer Unterkunft aus und die Umgebung ist sehr schön, trotz des eher unfreundlichen Wetters. Wir üben uns im Kurzwandern im Royal Natal Nationalpark, da es für richtige längere Ausflüge wettermässig zu unsicher ist. Man wird immer wieder vor dem Wetter in den Drakensbergen gewarnt, deshalb lassen wir uns nicht auf grosse Abenteuer ein. Auch am nächsten Tag versuchen wir ein auf der Karte eingezeichnetes Ziel zu erreichen, merken aber sehr bald, dass man auch ganz schön nass wird, wenn der Regen aufgehört hat… Da der Pfad mitten durch Gräser und Sträucher führt, sind unsere Schuhe und Hosen bald so durchnässt, dass jeder Schritteine kleinen Tsunami im Schuh auslöst. Deshalb entschliessen wir uns für eine Abkürzung und legen den Rest auf Asphaltstrasse zurück.

In den Drakensbergen

In den nördlichen Drakensbergen

Unsere letzte Nacht verbringen wir in Harrismith, genug nahe bei Johannesburg, dass wir am nächsten Morgen losfahren, Auto beim Flughafen abgeben und in den Flieger nach Dubai steigen können.
Mit dieser Reise ist der erste Teil unserer Halbweltreise endgültig abgeschlossen. Es war wunderschön im südlichen Afrika und wir haben sehr viele neue Eindrücke gewinnen können!

zusammen 2

...Bye Bye, bis in Südostasien

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6. Reisebericht: Südafrika vom Krüger NP nach Kwazulu-Natal

November 14, 2009

Geschrieben von Anita

Die Rückreise am Freitag, 16. Oktober von Maputo nach Komatipoort, erste Ortschaft nach der mosambikanischen Grenze in Südafrika, verläuft ohne Zwischenfälle. Die Bushaltestelle ist unkompliziert einfach die Tankstelle im Ort, gut für uns, denn da gibt es endlich wieder unsere Lieblingsgetränke zu kaufen – die haben noch nie so gut geschmeckt wie da! Wir werden pünktlich von Dave, dem Inhaber unserer nächsten Unterkunft, abgeholt. Die Unterkunft liegt direkt am südlichen Ende des Krüger Nationalparks und wir kriegen ein grossräumiges Zimmer. Von der Terrasse des Hauses aus kann man Tiere beobachten, die am nahe gelegenen Crocodile-River ihren Durst stillen.

Aussicht von der Unterkunft Krugerview

Unsere Aussicht von der Terrasse in Komatipoort


Die Temperatur beträgt an diesem Tag ca. 30°C und wir geniessen den eigentlich ganz einfachen aber nach den letzten zwei Wochen sehr vermissten Komfort in der Unterkunft mit Air-Con, Terrasse, kleinem (28°C warmem) Pool, Internet-Zugang und viel Platz. Die Erholung tut gut, auch der Besuch im Superspar, wo Einkaufen soo einfach ist, überwältigt uns fast. Es wird einem bewusst, wie sehr man daran gewöhnt ist, einfach alles verfügbar zu haben und wie abhängig man von gewissen Produkten und Marken ist. Man schätzt die heimischen Annehmlichkeiten wieder sehr viel mehr und erinnert sich an Situationen, wo man sich ärgert und mit Unverständnis reagiert, wenn alle Vollkornbrote mit Sonnenblumenkernen gerade ausgegangen sind und es nur noch Vollkornbrote mit Kürbiskernen im Regal gibt…

Abends lernen wir andere Gäste aus Deutschland, Holland, Slowenien und Südafrika beim gemeinsamen Braai kennen und tauschen interessante Erfahrungen aus. Übrigens gibt es auch Päärlis in unserem Alter, die ein GANZES Jahr in der Welt rumreisen, da hat man in der Tat Grund zum Beneiden 🙂
Am nächsten Tag geht’s früh los, auf dem Programm steht ein Tages-Ausflug in den Krüger Park mit Dave, mit von der Partie sind auch Bianca und Martin aus Deutschland. Um 7.00 Uhr fahren wir die 8 km zur ‚Crocodile Bridge‘, dem südlichsten Eingang zum Krüger Park. Die Temperatur ist sehr viel angenehmer als tags zuvor, es nieselt sogar leicht. Dave ist ein ausgesprochen erfahrener und versierter Tier-Spotter. Er hat zudem ein riesiges Repertoire an Geschichten aus der Welt auf Lager, da er ca. 12 Jahre lang auf Reisen war und dabei so ziemlich jeden Job schon mal ausgeübt hat! Danach war er als Tour-Guide tätig, bis er dann die Unterkunft übernommen hat. Man kann ihm stundenlang zuhören, bei seinen Geschichten und Erlebnissen. Zurück zu unserer Tour: Impalas sind die ersten Tiere, die wir sehen. Sie sind im Krügerpark quasi wie die Springböcke im Etosha Park: man sieht sie überall und immer in grossen Herden unterwegs, am liebsten zusammen mit – wer weiss es noch? – Zebras und Gnus. Impalas sind vor allem an ihrem Hinterteil zu erkennen, wo sich ein schwarzes M wie bei McDonald’s abzeichnet. Für diesen Fast-Food-Riesen werden sie aber wohl zu graziös, zierlich und klein sein, Gottseidank!

Impala M

Ein unverkennbares Impala im Krüger Nationalpark


Impala Kruger

Impala im Krüger Nationalpark, etwas schwieriger zu erkennen


Von Dave lernen wir viele interessante Sachen über die Tiere im Park und er entdeckt sie meist schon aus weiter Ferne. Beispielsweise gibt es im Krüger Park die beide Nashornarten Black Rhino (Spitzmaulnashorn) und White Rhino (Breitmaulnashorn), die wir nun zu unterscheiden wissen (obwohl ich hier sagen muss, dass die deutschen Übersetzer da etwas weiter gedacht haben, denn beide Nashörner sind grau und gross, haben aber unterschiedliche Kopfformen). Zum ersten Mal sehen wir hier denjenigen, der uns zu den Big Five noch fehlt! Wer aufgepasst hat, weiss um wen es sich handelt und für die andern folgendes Foto:
Buffalo Herde

Eine Büffel-Herde im Krüger Nationalpark: unmöglich, die Dimensionen auf ein Foto zu bringen!


Buffalo Kruger

Und so sieht ein Afrikanischer Buffalo aus der Nähe aus


Wir entdecken sogar einen Leoparden, der seine Beute – eine Antilope – auf einen Baum gebracht hat, damit ihm die unten wartenden Hyänen nicht in die Quere kommen. Ein wunderschönes Tier, unbeschreiblich elegant, anmutig und wild!
Leopard Krüger

Leopard beim Verdauungsschlaf - der Rest der Beute befindet sich oben rechts im Baum


Wir haben grosses Glück und sehen wir in der Folge alle Big Five gleich 2x (Elefant, Nashorn, Buffalo, Leopard und Löwe), wenn auch nicht immer aus nächster Nähe. Eine Löwen-Familie mit putzigen „Kätzchen“ zählt neben dem Leoparden im Baum zu den Highlights. Auch die endlosen Herden von Buffalos, die massiven Hippos, welche untätig und träge im Wasser oder auf Sandbanken rumfaulenzen und die Giraffen, die den Autos so nahe kommen, dass man stundenlang in die schönen, von dichten Wimpern umrandeten, schwarzen Augen blicken könnte. Kudus, Krokodilen, Geiern, Pavianen und anderen Affen, Steinböcken, Wasserböcken, Adlern, Perlhühnern, einem Riedbock, Hyänen und einem Eichhorn begegnen wir im Verlauf des Tages mit Daves fachkundiger Unterstützung – es war eine sehr erlebnisreiche Ausfahrt!

Kudu KrugerGiraffe

Elefantr Kruger

Bilder und Eindrücke aus dem Krüger Nationalpark


Der Krüger Nationalpark ist inklusive den herumliegenden nicht-öffentlichen Gebieten ca. 2-mal so gross wie Etosha. Im Vergleich zu Namibia, hat es in Südafrika viel mehr grüne Pflanzen, Bäume, Hügel und Gesteine, so dass es schwieriger ist, die Tiere zu entdecken. Darüber hinaus konnten wir in Namibia immer von Wasserloch zu Wasserloch fahren, während die Tiere im Krüger überall genug Wasser haben und es den Safari-Touristen nicht ganz so einfach machen! Superinteressant sind beide Parks. Wir haben in Namibia mehr Tiere gesehen, die auch näher zu beobachten waren als im Krüger, sehenswert sind zweifellos beide Parks und wir würden sofort wieder hingehen!
Am nächsten Tag versuchen wir uns auch noch im „Nacht-Tier-Spotten“ und nehmen an einer Krüger-Park-Sunset-Tour teil. Wie es nun mal auf diesen Tours ist, hat man keine Garantie, wirklich Tiere zu sehen; wir haben an diesen Abend nicht so viel Glück. Obwohl der sehr erfahrene Guide uns viel über Tiere, deren Exkremente und die darin zu sehenden Unterschiede erzählt, können wir kaum Tiere in Dämmerung und Nacht ausmachen. Dazu muss ich sagen, dass unser „Bakkie“ (oder Pickup) mit ca. 15 Touristen, 2 mobilen Spotlichtern und den Lichtern des Bakkies selber ausgestattet war. Unsere beiden Spotlicht-bediener (ganz normale Tour-Teilnehmer) waren vielleicht zu langsam oder das Auto zu schnell, jedenfalls haben wir nur ein Nashorn, eine Giraffe, Impalas, Hasen und eine Manguste gesehen. Oder sind wir etwa schon zu verwöhnt?

Für unsere weitere Reise bzw. die restlichen 2 Wochen in Südafrika organisieren wir am nächsten Tag einen Mietwagen, den wir mit Dave’s tatkräftiger Unterstützung und über 7 Wege schlussendlich zu einem äusserst vorteilhaften Preis kriegen – wenn das nur gut geht! Vom Unternehmen „Tempest“ hab ich noch nie was gehört und wir verabreden uns mit dem Vermieter frohen Mutes für den nächsten Tag im nahegelegenen Ort Nelspruit, Zentrum der nordöstlichen Provinz Mpumalanga und eines der Austragungsorte der Fussball WM 2010 (damit ich auch mal wieder etwas Schlaues und Wissenswertes geschrieben habe).
Am nächsten Tag werden wir von unseren „Mitbewohnern“ Bianca und Martin freundlicherweise in ihrem Mietauto bis nach Nelspruit mitgenommen – herzlichen DANK! Es ist immer sehr spannend, Leute auf Reisen kennen zu lernen und Erfahrungen auszutauschen. Man hört unzählige interessante Geschichten und Erlebnisse – Reisen ist wie eine Sucht und man erkennt sich gegenseitig meist sofort 🙂 Eine tolle Sache!
Wir nehmen also ein weiteres Auto in Empfang, wobei wir zuerst über ein Upgrade informiert werden (toll!), dann aber ein indigoblaues, recht klobiges Auto mit einem grossen „T“ indischen Ursprungs vorfinden und fragen, ob es denn keinen Golf übrig hätte…
Wir steigen in den grossen TATA ein und fahren nördlich, in ein Gebiet das sich „Klein Drakensberg Escarpment“ nennt. Lonely Planet verspricht tolle Wanderungen, riesige Wasserfälle und angenehmes Klima. Unser Ziel, Graskop, liegt am Fuss einer langen Schlucht, dem Blyde River Canyon, und ist friedlich in der Natur gelegen. Wir fahren noch ein Stück dem Canyon entlang und bestaunen unter anderem die ca. 70 m hohen „Mac-Mac Fälle“.

Mac mac falls

Blyde River Canyon Panorama Route: Mac Mac Falls


Unsere Unterkunft mit super Aussicht aufs Tal ist einfach aber angenehm und vermietet „Mountain-Bikes“, die wir uns für den nächsten Tag reservieren. Wir erhalten eine eher schlecht als recht gezeichnete Karte für die vorgenommene Tour zu Wasserfällen und durch den Wald und brechen am nächsten Morgen um 8 Uhr bei Sonnenschein auf. Bereits bei den ersten Metern vermiss ich Bike + Ausrüstung zu Hause und bereue für einen kurzen Moment lang, es je gekauft zu haben. Denn hätt ich keinen Vergleich gehabt, so wär es auch nicht so schlimm gewesen. Wir fahren so gut es geht den korrekten Weg entlang (die Markierung war diesmal als grüner Pfeil am Boden aufgezeichnet, was auf Naturstrassen nicht immer so gut zu sehen ist) und fahren hoch und runter und hoch und runter. Für die Strapazen und das schmerzende Hinterteil werden wir aber zum Glück belohnt, als wir zu den Forrest Falls kommen: atemberaubend schön idyllisch in der Natur, kristallklares Wasser – wir können uns kaum satt sehen und vergessen Schweiss und Anstrengung sofort.
Forrest Falls

Forrest Falls bei Graskop, Anreise per Velo


Wir erfahren im zweiten Teil der Route, dass fahren über Stock und Stein bei noch so schönen „Singelis“ ohne Federung keinen Spass macht und kehren verschwitzt aber glücklich zurück – Sport tut halt schon gut!
Ursprünglich wollten wir am Nachmittag auf eine kleine Wanderung gehen, die aufkommenden Wolken und Blitze am Himmel machen uns aber einen Strich durch die Rechnung. Wir fahren stattdessen zu ein paar weiteren Sehenswürdigkeiten wie „God’s Window“, einem schönen Aussichtsplatz. Doch vermutlich kann selbst Gott heute aufgrund der dichten Wolkennicht viel sehen – wir haben ihn jedenfalls nicht entdecken können.
Gods Window

God's Window auf der Panorama Route des Blyde River Canyons


Wir verlassen am nächsten Tag die Provinz Mpumalanga und ziehen Richtung östliche Küste, wo sich auch Durban, die drittgrösste Stadt Südafrikas befindet. Diese Provinz nennt sich Kwazulu-Natal und wie es der Name schon irgendwie andeutet, stammen die Zulus aus diesem Gebiet. Diese geschichtsträchtige Provinz bietet dem Reisenden sehr abwechslungsreiche Tätigkeiten, vom Meer über Nationalparks mit Tieren und Gebirgen bis zu den Zulus und deren Kultur, die heute noch immer mehr oder weniger traditionell hier leben.
Wir fahren also die weite Strecke bis an die Küste. Vielleicht hängt es mit der Fussball WM zusammen, vielleicht sind die Leute einfach nur tüchtig und wollen etwas zu tun haben, aber die Strecke war voller Baustellen. Nun ist es in Südafrika in der Regel so, dass eine Baustelle mind. 1 km lang ist und eine der beiden Spuren der zweispurigen Strasse komplett einnimmt. Das bedeutet für den Verkehrsteilnehmer lange Wartezeiten, denn die Lastwagen fahren, sobald es nur annähernd den Berg rauf geht, etwa mit 30 km/h… Hat man also Pech, so wartet man 15 min. vor der von Hand betätigten „Schild-Ampel“. Selbst die Ampelverantwortlichen setzen sich nach getaner Arbeit (= Schild um 180 Grad drehen, von Grün auf Rot) gerne hin und schreiben SMS. Soviel zur Geduldsprobe Graskop – St. Lucia.
Unser Ziel ist St. Lucia, ein Ort an der Elephant Coast, welcher bekannt ist für seine Flusspferde und Krokodile. Es ist uns am Anfang nicht ganz klar, ob der Ort selber sich im Nationalpark befindet oder ob er unmittelbar daneben liegt, dies spielt aber keine Rolle, denn die Tiere lassen sich nicht einfach einquartieren. Insbesondere die riesigen und gefährlichen Flusspferde(Hippos), die durchaus auch in den Gärten der Anwohner (und Unterkünfte…) anzutreffen sind. Dies passiert dazu noch in der Nacht, da sie tagsüber nur faul im Wasser rumliegen und grunzen. Wir entschliessen uns, trotzdem, da zu bleiben und finden einen Platz in einem sehr angenehmen Guesthouse (mit tadellos funktionierender Wireless-Internet- Verbindung!), allerdings liegt es recht nahe beim Meer. Wir gehen in der Dunkelheit grundsätzlich nicht raus, insbesondere als man uns noch vom „Hausleoparden“ erzählt, den man immer mal wieder zwischen den Häusern sieht. In der Nacht hören wir verschiedenste Geräusche, schlafen etwas unruhig und wissen am nächsten Tag nicht, ob wir uns was eingebildet haben oder ob es da tatsächlich gegrunzt hat vor unserem Fenster.
Am nächsten Tag besichtigen wir die Hippos, die sich in erschreckender Nähe befinden: keine 10min. zu Fuss liegen sie einfach da im Wasser, mindestens 7 davon, unweit des Ufers. Wir vertrauen den Broschüren, die die Tageslethargie der Tiere versprechen und nähern uns – wie alle andern Besucher – dem Ufer. Es gibt zahlreiche Schilder, die auch vor den Krokodilen warnen… aber wir werden zum Glück aufgeklärt, dass die gefährlichsten Wildtiere auf der Welt nicht die Krokodile sind (es sind die Hippos).
Oktober 2009 073

Grunzend und träge liegen sie da: Hippopotamus


Wir steigen in den TATA ein und fahren in den iSimangaliso Wetland Park, 1999 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt und tatsächlich unmittelbar bei St. Lucia beginnend. Der Park bietet lt. Prospekt zwar 7 verschiedene Ökosysteme und 526 Vogelarten, doch da wir kein Handbuch zur Vogelbestimmung im Reisegepäck haben und wie gesagt verwöhnt sind, ist es für uns eher ein gemütlicher „Sonntagsausflug“. Auch die Hoffnung aufs Schnorcheln stirbt aufgrund von Wetter und Wind (nicht etwa aus Angst vor Krokodilen, das ist ja klar!).
Schild II

Wer kommt mit uns schwimmen?


Den nächsten Tag beginnen wir mit der Suche nach einer neuen Unterkunft, denn da wir schon dermassen in Reise- oder Ferientrott sind, haben wir glatt vergessen, um eine Nacht zu verlängern. Wir finden einen Platz und kriegen auch diesmal von den Besitzern die Geschichten über Flusspferde und Leoparden im Garten zu hören, sind aber diesmal bereits abgehärtet und nicken nur lächelnd mit dem Kopf.
In der Umgebung von St. Lucia liegt ein weiterer, recht grosser Nationalpark, das Hluhluwe (ausgesprochen schlu-schlu-wee) iMfolozi Game Reserve. Es handelt sich dabei um den ältesten Nationalpark Afrikas und einer der wenigen, die sämtliche Big 5 beheimatet. Dies können wir leider nicht bestätigen, denn uns zeigten sich anfangs kaum Tiere. Am Nachmittag kommen sie dann langsam aus den Büschen, dennoch gab es keine Wildkatzen zu sehen und die Elefanten nur mit viel Fantasie hinter dichtem Buschwerk… Eine besondere Begegnung hat aber Thomas beim Mittag-Rast machen können: Genüsslich bei seinem Salätli mit Brötli, kommt wie aus dem Nichts plötzlich ein Adler im Sturzflug daher und schmeisst geschickt und treffsicher Salz und Pfeffer scheppern vom Tisch – zisch und vorbei wars, ehe man es überhaupt geschnallt hatte! Wir wechseln sofort an einen anderen, im Adlerschatten gelegenen Tisch und Thomas macht sich an den Rest seines Salats. Dabei bemerkt er, dass es dem Riesenvogel gar nicht um Salz und Pfeffer gegangen ist, sonder viel mehr um sein Brötchen, das spurlos von Teller verschwunden ist!
Rhino

Breitmaulnashorn oder White Rhino im Hluhluwe Game Reserve


Bei unserer weiteren Tour im Park entdecken wir doch noch einige Tiere, darunter zahlreiche Nashörner, Buffalos, Zebras und Giraffen. Wohl am meisten beeindruckt hat uns dabei der clevere und sehr geschickte „Dung-rollende-Käfer“:
Kaefer

Kreislauf der Natur: Abtransport und Weiterverwendung von Nashorn-Exkrement


Am Abend zieht ein starker Wind auf und wir hören wieder allerhand Geräusche draussen, vermeinen auch Grunzen darunter ausmachen zu können. Am nächsten Tag erfahren wir von den Besitzern der Lodge, dass die Hippos tasächlich im Dorf Besuche abgestattet hätten!

An dieser Stelle gibt es aus technischen Gründen einen kleinen Unterbruch; wir haben bemerkt, dass es sich einfacher auf unseren Blog laden lässt, wenn die Dokumente etwas kürzer sind… Zeit für ein Käffeli, bis gleich!

5. Reisebericht: Auf nach Mosambik!

Oktober 18, 2009

von Thomas

Am 3. Oktober verlassen wir Kapstadt um ein paar Tage in Mosambik zu verbringen. Wir treten eine knapp zweitägige Busreise an, die uns von Kapstadt via Johannesburg nach Maputo führt. Wir entscheiden uns wieder für den christlich geprägten Intercape-Bus. Das Transportunternehmen möchte all seine Stakeholders zufriedenstellen, wobei dazu auch Gott gehört, wie aus dem Unternehmensleitbild ersichtlich wird. Auf der Fahrt von Kapstadt nach Jo‘burg wurde ich als Kunde jedoch das erste Mal nicht zufrieden gestellt. Mein Sitz liess sich nicht nach hinten klappen und vor mir sass eine schwarze Mitreisende von der sehr würdevollen Sorte (wir haben gelesen, dass bei der schwarzen Bevölkerung gilt: je korpulenter die Frau, umso würdevoller ist sie). Ihre Sitzlehne funktionierte einwandfrei und sie genoss es, sich in den Sitz plumpsen zu lassen und immer wieder ihre Sitzposition zu ändern, wodurch sie dem Sitz eine der härtesten Materialproben lieferte und mich an den Rand einer Klaustrophobie-Attacke trieb. Zu meiner Linken, durch den schmalen Gang getrennt, sass ein etwas heruntergekommener Mann, der leider keinen Platz neben seinem etwas heruntergekommenen Kollegen gefunden hat. Nichts hat die beiden, etwa zwei bis drei Reihen entfernt sitzenden Kumpels daran gehindert, lauthals ihre Konversation weiterzuführen; auch die Nacht nicht wirklich. So schlimm war das aber auch nicht, denn die Nacht war sowieso unruhig. Südafrikaner telefonieren nämlich sehr viel und sehr gerne. Die Dame in der Reihe hinter uns hat sehr viele Anrufe erhalten und alle Anrufe waren extrem lustig – ihr hohes Quietsch-Lachen machte gut 50% der Anrufdauer aus. Irgendwann schlief sie dann aber doch ein, bis sie mitten in der Nacht die halbe Reisegesellschaft mit einem langen und sehr lauten Stöhnen geweckt, aber auch amüsiert hat. Niemand konnte definitiv beurteilen, ob ihr Traum besonders böse oder besonders schön war, doch zumindest hat sie schon am frühen Morgen mit dem ersten Telefonanruf ihr Lachen wieder zurück gefunden!

 
Endlich sind wir in Johannesburg angelangt. Hier müssen wir etwa sechs Stunden auf den Bus nach Maputo warten. Auf der Suche nach einer Gepäckaufbewahrung hetzen wir von einem Ende des Busterminals zum anderen und wollen, da wir erfolglos sind, schon das Gebäude verlassen, bis wir von der Security angehalten werden: „Was macht ihr? Wo wollt ihr hin?“, fragt uns die Dame. Sie macht uns deutlich, ja sie fleht uns an, bloss nicht das Gebäude zu verlassen. Zu gefährlich! Sie bietet uns sogar an, das Gepäck im Büroräumchen der Sicherheitsfirma zu lagern. Wir nehmen das Angebot an und schlagen die Zeit tot in Fastfood-Lokalen. Uns ist es nicht wohl und wir wollen weg. Es ist sehr hektisch und viele „Schleicher“ treiben sich herum. Wir wollen endlich nach Mosambik!

Nach einer ausgesprochen angenehmen Busfahrt und einem etwas ungewöhnlichen, aber unkompliziertem Grenzübergang erreichen wir endlich Maputo! Wir sind viel zu früh angekommen und so klappt es auch mit dem Pick-Up-Service unserer Unterkunft nicht. Gemeinsam mit zwei Amerikanern nehmen wir ein Klapper-Taxi zum „Fatimas Nest“ und legen uns nach einer wohltuenden Dusche nochmals kurz aufs Ohr.

Da sind wir also, in Mosambik! Was wissen wir überhaupt über Mosambik? Nicht viel! 20-mal so gross wie die Schweiz, 20 Millionen Einwohner, Portugiesisch sprechend, unabhängig seit 1975, eine Art Bürgerkrieg bis 1994, Jahreseinkommen pro Kopf bei etwa USD 300! In Kapstadt habe ich mir in einer deutschen Buchhandlung das Buch „Ach, Afrika“ von Bartholomäus Grill gekauft. Ein tolles Buch, das verschiedene Aspekte beleuchtet, die zumindest teilweise eine Erklärung für den Zustand des Kontinents liefern. In diesem Buch erfahre ich, dass es in Mosambik auch heute noch üblich ist, kleinen Kindern ein Auge auszustechen um es an Fischernetzen festzumachen, was positiven Einfluss auf die Fangquote haben soll. Ich staune über diese Erkenntnis und denke über weitere Einsatzmöglichkeiten nach.

Nach unserem zweistündigen Power-Nap machen wir uns auf in die Stadt. Da ist er wieder: Der Kultur-Schock! Es dauert immer ein Weilchen, bis man sich auf ein fremdes Land oder eine fremde Stadt einstellt. Hier finden wir endlich das echte Afrika. Die Leute sind arm, dafür sehr kontaktfreudig und freundlich. Die Gebäude wirken verfallen, doch trotzdem hat die Stadt ihren Charme. Ich stelle mir so die Karibik vor; am ehesten Kuba. Wir finden hier auch etwas, was aus Europas Ost-Städten seit 20 Jahren verschwunden ist: Die Strassenbezeichnungen, die die Namen der grossen kommunistischen Führer, Philosophen und sonstiger Tyrannen tragen: Lenin, Marx, Mao Tse Tung oder gar Kim Il Sung! Mit einer Fähre, die wohl noch nie gewartet worden ist, fahren wir auf die nahegelegene Insel Catembe. Der Strand ist voller Leute und wir sind, die ganze Zeit schon, als Bleichgesichter ziemliche Exoten. Wir sind erstaunt, dass man zwischen all dem Abfall doch noch Strandfussball spielen und in der braunen Brühe, die sich Meer nennt, baden kann. Insgesamt sind wir einerseits sehr schockiert, andererseits aber auch sehr fasziniert, denn die Welt um uns herum ist nochmals ganz anders, als diejenige, die wir in den ersten fünf Wochen erlebt haben.

Maputo von Catembe aus gesehen
Maputo von Catembe aus gesehen

Bevor wir uns am nächsten Tag auf einen weiteren Stadtspaziergang machen, lassen wir uns erst noch eine Passkopie beglaubigen, was uns 40 Rappen kostet und Einblick gewährt in das Funktionieren öffentlicher Ämter. Das Notariat ist eindeutig personell überbelegt, dafür spart man bei der Einrichtung. Auf den Strassen fallen uns dann die zahlreichen Händler auf. Überall kann man Obst, Gemüse, Getränke, Chips, Schuhe, Kunsthandwerk, Gürtel, Telefonkarten oder irgendetwas kaufen. Dem „Picasso“ von Mosambik, wie er sich uns vorstellt, begegnen wir auf unseren Erkundungstouren gleich dreimal. Wie klein doch die Welt ist! Trotzdem kaufen wir kein Bild, obschon er uns jeweils sehr hartnäckig bearbeitet. Auf dem lebhaften Markt (dem Offiziellen) decken wir uns mit einer Grosspackung Piri-Piri-Cashew-Nüssen ein (ein Exportschlager Mosambiks), in einem Restaurant kosten wir das weit verbreitete 2M (sprich: Doschem), ein leckeres, leicht schmeckendes Bier, das meistens in der 550ml-Flasche serviert wird. Es ist herrlich, dem Treiben auf der Strasse zuzusehen. Da schlängeln Frauen mit schwerer Last auf dem Kopf durch die Strassen, Kinder können den Blick nicht von uns wenden und permanent ruft man uns nach: „Hello Mista“, „Sista“, „Boss“ oder einfach nur „hungry“. Littering ist in Maputo kein Problem, denn jeder macht es. Es gibt leider auch kaum Abfallbehälter, weshalb man auch nicht grosse Vorwürfe machen kann. Manchmal wird der Abfall dann dafür direkt auf der Strasse verbrannt. Am Abend gehen wir lecker Essen, müssen aber früh ins Bett denn vor uns steht eine lange Weiterreise nach Tofo (wir stellen uebrigens fest, dass alle O-Endugen als „U“ ausgesprochen werden)!

Gebucht und erwartet haben wir eine einigermassen komfortable Busreise, direkt von der Unterkunft in Maputo nach Tofo. Realität waren etwa 15 Reisende, eine Unmenge von Gepäck und ein Transfer im Minibus zur Busstation am Rande von Maputo. Leider war auch der nächste Bus alles andere als komfortabel (wirklich weit davon entfernt), doch im Vergleich zu dem, was man sonst auf diesem Busbahnhof gesehen hat, waren wir dann doch einigermassen zufrieden. Mosambikaner sind Verpackungskünstler: Jede Nische wird gnadenlos ausgenutzt und die Busdächer werden meterhoch beladen, egal ob mit Koffern, Plastiktaschen, Ziegen oder Hühnern. Der Busbahnhof ist Tummelplatz für Hunderte von Händlern, es ist laut, staubig und für uns erstmal unendlich chaotisch.

Eindruecke vom Busbahnhof in Maputo
Eindruecke vom Busbahnhof in Maputo

Die „Freude“ über unseren „Komfortbus“ ist bald schon verflogen, denn unser Weg ist lange und wir sitzen eng aneinander gepfercht auf höchst unbequemen Sitzen. Die Teerstrasse ist anfänglich ganz gut, doch schon bald entpuppt sie sich als Schlaglochparadies. Die Fahrweise des Chauffeurs muss zudem als verantwortungslos und kriminell bezeichnet werden. Anstatt vom Gaspedal zu gehen wenn es enger wird auf der Strasse oder wenn zusätzlich ein Velo beim Überholmanöver auftaucht, betätigt dieser Idiot (und ich setze diese Bezeichnungen wirklich sparsam ein und nur dann, wenn sie 100% zutreffen) maximal die Hupe. Wir kassieren unzählige Schläge in den Rücken und gehen innerlich nochmals die Gebete aus dem Intercape-Bus durch. Landschaftlich ist die Strecke aber durchaus reizvoll. Wir ziehen vorbei an nicht enden wollenden Kokospalmen-Wäldern und ab und zu erblicken wir türkisfarbenes Meer im Hintergrund. Die Siedlungen bestehen aus einfachen Hütten und das Bild, das sich uns präsentiert, wirkt unglaublich friedlich und malerisch (ehrlich gesagt musste ich immer ein wenig an Schlumpfhausen denken, weil die Pilze, in denen die Schlümpfe wohnen, auch so beschaulich sind).

Transfer im Minibus zum Busbahnhof
Transfer im Minibus zum Busbahnhof

Nach vielen Stunden und etwa 500km erreichen wir dann unser Ziel: Tofo, ein kleines Örtchen an einem Traumstrand am indischen Ozean! Wir verbringen hier drei Nächte in einer gut ausgestatteten, herzigen Hütte, nur wenige Schritte vom Strand entfernt, an welchem wir erneut Wale beobachten und uns erholen können! Leider meldet sich aber schon nach der ersten Nacht mein Rücken um mir mitzuteilen, dass ich mich bitte möglichst nicht mehr bewegen soll. Jede Bewegung versetzt mir einen schmerzhaften Schlag und als dies auch am zweiten Tag nicht besser wird, werde ich langsam unruhig und setze mich mit meiner Unfallversicherung und der telefonischen Ärzteberatung in der Schweiz in Verbindung. Sie raten mir, die Beschwerden mit der vollen Dosis Schmerztabletten zu bekämpfen, was ich eifrig tue und etwas Linderung erfahre. Am dritten Abend geht es mir bereits besser und wir besuchen sogar ein Konzert an einer Strandbar. Es spielt eine Schweizerisch-Mosambikanische-Gruppe, die uns anfänglich langweilt, später aber sehr positiv überrascht! Besonders gut gefällt uns das Lied, das sowohl im Refrain, als auch in den Strophen nur aus dem Wort „Jetetetete“ besteht.

Am endlosen Strand von Tofo
Am endlosen Strand von Tofo

Unsere nächste Destination heisst Inhambane. Hier hätte es medizinische Versorgung und wir erhoffen uns bessere Einkaufmöglichkeiten und Infrastruktur als in Tofo (dort gab es nämlich nur einen Markt mit einem Angebot, das uns nur teilweise zufrieden stellen konnte). Da wir an einem Samstag ankommen, müssen wir zu unserer grossen Enttäuschung aber feststellen, dass unsere Möglichkeiten doch sehr limitiert sind. Wir schaffen es gerade noch in die Apotheke, in welcher ein kleiner, alter, langsamer Schlurfi arbeitet und noch drei, vier weitere Angestellte. Das ausgeklügelte System verlangt, dass man das Medikament erst bei Schlurfi oder der etwas spritzigeren, jedoch absolut nicht hilfsbereiten Kollegin bestellt und einen mühevoll von Hand ausgefüllten Zettel in Empfang nimmt, mit welchem man dann zwei Meter nebenan zur Kasse geht um anschliessend – nach Bezahlung – nochmals zu Schlurfi zurückzukehren und das Medikament zu beziehen. Die Zeit reicht noch für zwei, drei „Super“-Märkte, wobei diese meist aus einem dunklen, schummrig-stickigen Raum bestehen, in welchem eine Theke steht, hinter der sich jede Menge Ramsch befindet. Lustiger weise sind die Besitzer meistens Inder. Mit der Unterkunft sind wir spätestens in der Nacht auch nicht zufrieden. Vor der Pensão, die direkt an der Strandstrasse liegt, versammelt sich am Abend die Dorfjugend. Alle, die ein Auto haben kommen hierher und jeder dreht sein Autoradio voll auf. Einer hatte eine besonders gute Anlage, so dass jedes einzelne Körperhärchen wunderbar im Takt mitschwingen konnte. Mosambikaner lieben Musik! Dass man zehn Beats auf einmal konsumiert, scheint sie nicht im Geringsten zu stören. Hinzu kommen natürlich noch die Tropenhitze und die Tatsache, dass unser Ventilator mit einem südafrikanischen Stecker ausgerüstet ist, der einfach nicht in die mosambikanische Steckdose passt (das Kabel wäre eh zu kurz und der kaum verschiebbare Ventilator wiegt etwa 20 Kilo, da er zur ersten Ventilator-Generation zählt). Wir werden umschwirrt von zahlreichen Moskitos, befinden uns aber in einem gefährlicheren Malariagebiet. Die Matratze ist miserabel und die Bettwäsche stinkt. Ach, heute ist einfach kein guter Tag. Erst dachte ich: „Inhambane, dört muesch ane!“, doch heute wäre ich am liebsten zu Hause oder in einem Wellness-Hotel im Schwarzwald…

Erst am Abend verwandelt sich die Strandstrasse von Imhambane zum Treffpunkt der Dorfjugend
Erst am Abend verwandelt sich die Strandstrasse von Imhambane zum Treffpunkt der Dorfjugend

Der nächste Tag steckt aber wieder voller Erlebnisse! Dazu trägt vor allem unser Gastgeber, Denis, bei, ein Südafrikaner in den 60-ern, der wahnsinnig undeutlich, dafür aber sehr viel spricht (wir kennen seine ganze Lebensgeschichte und er sieht uns eigentlich bereits als Investoren in Mosambik, da es dort einfach haufenweise Geld zu machen gibt). Erst gehen wir auf Dhow-Tour, was nichts anderes ist, als eine kleine Rundfahrt entlang der Küste in einem hölzernen Fischer- oder Segelboot. Schon am Morgen erwartet uns Captain John (João) und er führt uns zu seinem Boot, das doch in einem ziemlich bedenklichen Zustand ist. Es empfängt uns auch der Schiffsjunge, dessen Aufgabe vor allem darin besteht, das einströmende Wasser wieder herauszuschütten. Er war eigentlich ganz nett, doch ich vermutete lange, dass er die Pest aufgeschnappt hatte, was mich etwas beunruhigte. Anita erklärte mir aber beruhigend, dass es sich vermutlich um einen Ganzkörper-Pilz oder eine virale Infektion handle. Mit an Bord waren auch gut 200 Kakerlaken, wobei uns die Grösse einiger Exemplare sehr beeindruckte. Wir konzentrieren uns also vor allem auf die herrliche Aussicht und versuchen alles andere zu ignorieren. Wir ziehen vorbei an unberührten Palmenstränden und sind umgeben von türkisfarbenem Meer.

Unvergesslicher Segelausflug mit Kapitaen John
Unvergesslicher Segelausflug mit Kapitaen John

Kaum zurück vom Trip, empfängt uns auch schon Denis, der uns den Vorschlag unterbreitet, ihn zu seinem zweiten Anwesen, einem Campingplatz in Barra, zu begleiten. Da in Inhambane auch an einem Sonntag nicht mehr los ist als am Samstag, lassen wir uns schnell überreden. Barra ist wohl noch kleiner als Tofo und es handelt sich erneut um ein kleines Paradies. Wir schliessen Bekanntschaft mit ein paar Südafrikanern und geniessen nach einem Strandspaziergang gemeinsam ein Abendessen mit ihnen. Uns werden erneut Prawns aufgetischt, die ja bekanntlich zu den Spezialitäten Mosambiks gehören! Denis bringt uns am Abend wieder zurück und wir verbringen diesmal eine etwas ruhigere Nacht in seiner Pensão!

Traumstrand in Barra
Traumstrand in Barra

Nächte Destination: Vilanculos! Es mag langsam etwas langweilig sein, doch ich muss mich einfach nochmals zur Busreise äussern. Dieser grosse, angeblich komfortable Bus ist einfach die Hölle! Man kann doch diese Transportmittel nicht so vollstopfen! Warum steigen alle Mosambikaner immer gleichzeitig ein und aus? Das Gedränge ist unerträglich! Alle Sitzplätze sind (mehrfach!) belegt und der Gang ist von hinten bis vorne einfach nur vollgestopft. Nach gut einer Stunde Fahrzeit und mehreren Stops bei grösseren Hüttenansammlungen entspannt sich die Lage etwas und wir erkämpfen uns doch noch einen Sitzplatz, den wir bis Vilanculos verteidigen können.

Weiterfahrt nach Vilanculos!
Weiterfahrt nach Vilanculos!

Vilanculos ist der Ausgangspunkt zum Bazaruto Archipel und dorthin machen wir uns am nächsten Tag gleich auf! Eigentlich wollten wir auf einer der Inseln auch übernachten, doch da sich die Übernachtungskosten in den Luxushotels auf USD 500-800 pro Person belaufen, schliessen wir diese Variante wieder aus und begnügen uns mit einem Tagestrip zur Schnorchel-Insel Magaruque. Mit auf der Tour ist auch die italienische katholische Mission, die in Vilanculos stationiert ist, bestehend aus ca. acht Personen im Alter von 30 bis 80, alle italienischen, spanischen oder portugiesischen Ursprungs. Bis auf das Gebet vor dem Mittagessen, der körperlichen Zuneigung des Padres zu seinen jungen Praktikanten und dem Bootspersonal (wobei das wohl eher auf die südländische Lebensart zurückzuführen ist als auf etwas anderes) und vielleicht noch dem gemeinsamen Gesang auf der Rückfahrt nach Vilanculos war aber wenig von einer allenfalls strengen, kirchlichen Stimmung zu spüren. Anita und ich hielten uns was körperliche Nähe anbelangt an die vom Padre gesetzten Grenzen und gaben uns höchstens heimlich einmal ein Schmützli (so viel muss Unverheirateten einfach zustehen!).

Die frischen Meeresmuscheln werden gleich an Bord verarbeitet
Die frischen Meeresmuscheln werden gleich an Bord verarbeitet

Der Ausflug war sehr lohnenswert! Schon auf der Hinfahrt springen die Tourguides ins paradiesisch-wirkende Meer und holen mit wenigen Tauchgängen ganze Kübel voll Muscheln aus dem Meer, die sie uns dann später zum Mittagessen zubereiten. Kaum auf der Insel angekommen, stürzen wir uns auch schon ins Wasser, denn es ist heiss und der Strand ist ein Traum! Leider müssen wir aber ziemlich schnell wieder an Land flüchten, denn ausgerechnet wir beide werden vermutlich von einer kleinen Qualle gestochen, was zu Beginn ziemlich stark brennt. Gott sei Dank helfen uns die Portugiesen mit einer entzündungshemmenden Crème, so dass wir nach einem Inselspaziergang, bei welchem wir unzählige Krebse beobachten, doch noch etwas schnorcheln gehen können. Nach dem Schnorcheln geht’s dann bald schon wieder zurück ans Festland und wir wandern durch Hüttendörfer zu unserer Unterkunft.

Paradiesische Insel im indischen Ozean
Paradiesische Insel im indischen Ozean

Da unser Bus nach Maputo um 4 Uhr in der früh loslegt, müssen wir noch eine Nacht bei unserem sehr stark fremdenfeindlichen Gastgeber verbringen. Ich frage mich schon, was einen dazu bringt, seine geliebte Heimat zu verlassen, wenn man dann im Ausland nur unzufrieden über die Einheimischen flucht. Gewisse Geschichten über die Angestellten wiederholen sich zwar bei sämtlichen Gastgebern und für viele Probleme hat man durchaus Verständnis, doch der Herr hier in Vilanculos überschreitet mit seinen Äusserungen wirklich jegliche Grenzen und wir trauern weder ihm noch der Unterkunft nach, als wir um drei Uhr in der früh zu Fuss zu der Busstation wandern.

In Vilanculos hat Anita endlich Bonbons gefunden und freut sich ueber die erfolgreiche Preisverhandlung (der Verkaeufer aber ebenso!)
In Vilanculos hat Anita endlich Bonbons gefunden und freut sich ueber die erfolgreiche Preisverhandlung (der Verkaeufer aber ebenso!)

Uns fällt auf, dass das Portugiesische abnimmt, je weiter man sich von der Hauptstadt Maputo entfernt. Das Xhosa, das in Südafrika weit verbreitet ist, hat uns vom Klang her sehr gut gefallen. Bei dieser Sprache waren es nicht nur die vielen, lustigen Klack-Laute, an denen wir uns erfreuen konnten, sondern auch an dem in die Wange geblasenen „Sch“. Dieser Laut ist mir wohlbekannt, da ich das „Sch“ als Kind ebenso ausgesprochen und erst nach logopädischer Behandlung aufgegeben habe. Hier in Mosambik gefällt uns die Sprache allerdings etwas weniger gut (der Gerechtigkeit halber müssen wir aber zugeben, dass es etwa 20 Sprachen gibt und wir nicht beurteilen können, welche uns hier etwas negativ aufgefallen ist), da das Ganze etwa so klingt: „Eeh…eehh…eeh…ng…eeh…psss..ng…ng…eeh…eeh…ng“.

Damit wären wir auch schon wieder beim Kommentar zur Busreise, die diesmal etwa zwölf Stunden dauert. Es ist zwar nicht sooo voll, doch es stinkt nach einem Gemisch aus Urin, Schweiss, Nahrungsmitteln und Abfall (obwohl der Abfall immer wieder mal entsorgt wird, d.h. aus dem fahrenden Bus geschmissen). Geruchsadaptation findet leider nicht statt – auch nach zwölf Stunden nicht! In der Dreierreihe neben uns teilen sich etwa drei Erwachsene und drei Kinder die Sitze. Spagetti werden mit der Hand gegessen. Pausen werden kaum eingelegt. Wir halten dreimal, wovon zwei Stops auf Reifenplatzer zurückzuführen sind. Der fahrende Komposthaufen erreicht dann doch noch Maputo und wir können es kaum erwarten, ein einigermassen gutes Hotel aufzusuchen, was uns auch recht schnell gelingt!

Wir sind froh, wieder in Maputo zu sein und fühlen uns hier extrem viel wohler als noch bei unserer Ankunft vor knapp zwei Wochen. Hier können wir unsere Rückreise organisieren und nochmals etwas durch die Stadt schlendern. Unangenehme Gefühle erleben wir eigentlich nur, als wir von der Polizei angehalten werden, die unsere Pässe kontrollieren will, denn es schwingt immer der Gedanke mit, dass man demnächst so lange schikaniert wird, bis man dann endlich Bakschisch hinüberschiebt. Der Polizist salutiert und verlangt den „Passaporto!“. Wir sind sehr glücklich, dass wir unsere notariell beglaubigten Passkopien dabei haben, die gründlich untersucht werden. Uff, der Polizist stellt fest: „Correcto!“ und wir können weiter! Auch bei der zweiten Polizeikontrolle am Abend kommen wir ungeschoren davon, wobei diesmal für die Dokumentprüfung viel weniger Zeit aufgewendet wird.

Nach zwei Übernachtungen in Maputo verlassen wir Mosambik um ein paar Tage im Krüger-Park in Südafrika zu verbringen. Mosambik war eine tolle Erfahrung für uns, denn wir konnten traumhafte Strände, herzliche Menschen und eine charmante Hauptstadt geniessen, mussten auf der anderen Seite aber auch ziemliche Strapazen auf uns nehmen und unsere Bedürfnisse etwas zurückstellen. In Südafrika angekommen, fühlen wir uns gleich wie zu Hause und geniessen erstmal mit Freude die Vorzüge der ersten Welt….

Wir sind erfreut, dass unser Blog so rege besucht wird und sind begeistert, dass wir es sogar zur Klolektüre (so wurde uns zumindest von einem Leser berichtet) geschafft haben. In diesem Sinne wünschen wir euch allen weiterhin eine gute Verdauung, denn unsere zeigt sich zurzeit leider eher etwas von der komplizierteren Seite!

4. Reisebericht: Südafrika – Garden Route und Route 62

Oktober 15, 2009

geschrieben von Anita

Am Sonntag, 20. September machen wir uns auf den Weg zu Hertz, wo wir mit Freuden wieder ein VW Chico Modell erwarten. In der Ausfahrt der Garage steht aber ein winziger, charakterloser hellblauer Chevrolet SPARK, ein Auto welches einem auf der Strasse nicht auffällt und wenn doch, dann weil es besonders hässlich ist. Dafür ist der Wagen praktisch neu und funkelt mit seinen überdimensionalen Lichtern, als ob er sich riesig freuen würde auf uns. Wir überspielen unsere Enttäuschung, steigen ein und fahren los. Mit diesem Auto müssen wir uns zumindest nicht verpflichtet fühlen, allfällige Stöppler mitzunehmen, denn der Kofferraum ist so klein, dass darin nur ein Tramper Platz hat und der zweite jeweils auf dem Hintersitz mitgeführt werden muss.
Es steht zunächst ein wichtiger Ort bei Cape Town auf dem Programm: Cape Point bzw. Cape of Good Hope. Südlich von Cape Town sieht man auf der Karte den kleinen „Zipfel“, Cape Peninsula, der sich bis Cape Point ca. 45 km runter zieht, wo sich der südwestlichste(nicht der südlichste, der kommt später noch…) Punkt des Afrikanischen Kontinentes befindet. Der Portugiese Bartolomeu Diaz, von dem es etliche Statuen und nach ihm benannte Plätze und Strassen gibt, hat das Kap 1488 entdeckt und der Name hat was mit der Hoffnung, endlich den Seeweg nach Indien gefunden zu haben, zu tun (genauere Auskunft gibt Google 😉 ).

Selbstverständlich handelt es sich auch hier um einen National Park mit Entry-fee, die wir natürlich gerne in Kauf nehmen für dieses Foto:

Ein muss für jeden Cape Town Besucher
Cape of Good Hope, ein muss für jeden Cape Town Besucher

 
Wir werden ständig durch Strassenschilder vor „Baboons“ gewarnt und stellen fest, dass es sich dabei nicht etwa um die hier ubiquitären Perlhühner handelt (die rennen einem ständig vors Auto), sondern um Paviane! Wir entdecken sie immer häufiger am Strassenrand sitzend, einen Mülleimer plündernd oder einfach nur dem Weltgeschehen zuschauend. Die Schilder warnen uns beschwichtigend vor der Aggression dieser Tiere und dass man sie unter keinen Umständen füttern darf. Es gibt auch verschiedenste ausgetüftelte Baboon-sichere Abfallsysteme, die den Nachteil haben, dass wir affenähnlichen Menschen den „Trick“ mit dem Abfall auch nicht rausfinden. Paviane können ziemlich gross sein und sehen meist gar nicht so böse aus. Wir lassen es aber nicht darauf ankommen und gehen den Viechern lieber aus dem Weg. Wir bleiben in der Folge auch in himmelblauen Chevrolet versehrt vor Unfällen mit Tieren (gemäss den Dreieck-Schildern kann es hier neben den Pavianen auch Pinguine und Schildkröten auf der Strasse geben) und fahren Richtung Hermanus, unserem nächsten Ziel.
Der eher kleine Ort Hermanus ist insbesondere 1x pro Jahr während des Whale Festivals in allen südafrikanischen Medien und Munden: da kommen zahlreiche Glattwale zum Paaren und zum Kalben in die geschützten Gewässer um Hermanus. Die Menschen beobachten das Spektakel mit Fernglas und Kamera.
Der Zufall will es, dass wir genau eine Woche vor dem Festival in Hermanus sind und die Vorbereitungen in vollem Gange sind. Zu unserem Glück gibt es noch freie Unterkünfte (die Hermanen warnen uns jeweils vor dem Menschenauflauf in einer Woche), auch die Wale sind bereits da. Diese schauen wir uns am nächsten Tag genauer an. Und da braucht es nicht viel Geduld. Am Meer angekommen, genügt ein kurzer Blick übers Wasser und man kann in Küstennähe ein felsähnliches Hindernis im Wellengang sehen. Schaut man etwas genauer hin, gibt’s auch meistens noch die „Wal-Fontäne“ zu sehen. Es gibt zahlreiche Walfischarten, aber die Art die wir in Hermanus sehen, ist einfach gigantisch!! Man sieht eine riesige glatte Fläche, manchmal knapp über dem Wasser, manchmal knapp darunter, aber meist sehr träge und langsam. Immer wieder sieht man eine Seiten- oder Schwanzflosse hochkommen und wieder verschwinden. All das aus sehr kurzer Distanz, die Riesentiere scheinen absolut nichts gegen Beobachter zu haben.

Schwierig zu fotografieren...
Ein Wal in Hermanus; schwierig zu fotografieren…

Leider zieht ein starker Wind mit Wolken und Nass auf und wir ziehen uns zurück zur Unterkunft. Da haben wir zwar unser privates Zimmer und Bad, aber Küche und Wohnzimmer wird geteilt. An diesem Abend können wir uns davon überzeugen, dass es die TV-Sucht durchaus auch in Südafrika gibt, denn unser im Dorf eingekauftes Znacht können wir leider nur zusammengedrückt in der Ecke am kleinen Tischlein einnehmen – immer auf der Hut, ja nicht zu laut zu sprechen, damit die TV-Konsumenten nicht gestört werden…
Am nächsten Tag ist das Wetter immer noch nass und bewölkt. Dabei machen wir einen Abstecher nach Cape Agulhas, wo sich der atlantische und der indische Ozean treffen: der südlichste Punkt Afrikas. Es herrscht ein rauer Wind und wir wissen nicht so genau, ob das die Kraft der beiden Ozeane ist, die wild aufeinander krachen, oder ob es halt einfach ein windiger Tag ist.

Cape Agulhas - Wo sich der Atlantische und der Indische Ozean treffen

Cape Agulhas - Wo sich der Atlantische und der Indische Ozean treffen

Wir fahren weiter nach Mossel Bay, einem unserer Meinung nach in den Reisebüchern etwas überbewertetem Ort, welches als Startpunkt der Garden Route gilt. Es gibt nicht vieles zu sehen und zu tun, da bei diesem Wetter auch jegliche Wassersportarten wegfallen. Wir gehen daher als Zeitvertrieb Billard spielen in dem einzigen Pub im Ort und verbringen den Rest des Abends in unserer Unterkunft in Mossel Bay.
Am nächsten Tag scheint die Sonne und wir fahren nach „Wilderness“. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine Ortschaft und nicht eine Beschreibung – obschon die natürlich auch zutrifft. Wir möchten gerne eine kleine Wanderung unternehmen, finden aber leider den richtigen Start des „Kingfisher Trails“ nicht und laufen im Kreis herum. Naja, wir entscheiden uns dann doch für einen Spaziergang am Meer, zumal der Eintritt für den ‚richtigen‘ Kingfisher Trail so viel kostet wie der Eintritt in den Etosha National Park… Sonderbare Relationen im verlassenen Wilderness. Der Spaziergang am Meer ist sehr schön und wir sehen dabei auch unsere Traumvilla am Meer, hauptsächlich aus Glas bestehend, mit zauberhafter Aussicht aufs Meer…

Traumhaus Wilderness, ein Grund zum bleiben!

Traumhaus Wilderness, ein Grund zum bleiben!

Wilderness, das Paradies in der Wildnis

Wilderness, das Paradies in der Wildnis


Die Garden Route, die wir als nächstes in Angriff nehmen, wird stark als Touristen-Attraktion beworben. Verdient, denn auf der Strasse fahrend, kann man nicht genug betonen, wie schön die Gegend ist. Man muss ständig fotografieren. Dichte Wälder, herrliche Vegetationen, Gebirge und Hügel wechseln sich ab, allen gemeinsam die Beschreibung „endlos“!

Ein Teil der Garden Route, wunderschön!

Ein Teil der Garden Route, wunderschön!

Wir fahren bis nach Knysna, einem schönen Ort, weitherum bekannt für seine vorzüglichen (man sagt’s -wir liessen uns nicht dazu überreden) und preiswerten Austern. Wir haben eine Übernachtung im French Country House gebucht, welches sich etwas zurückgezogen oberhalb der Stadt auf einem Hügel befindet (i.d.R. nenn ich keine Namen – hier muss ich eine Ausnahme machen, denn sollte jemand irgendeinmal nach Knysna gehen, ist dies eine unserer Top-Empfehlungen!). Unser Zimmer ist extrem komfortabel mit grossem Balkon und einem riesigen Bad mit Badewanne und gleich 2 Duschen – so viel Luxus tut nach den letzten eher bescheidenen Unterkünften ganz gut 🙂 Wir versuchen uns nochmals im Wandern und diesmal klappt es auch! Einen 9km Marsch durch schöne Wälder, den „Woodcutter walk“, bringen wir locker hinter uns und geniessen dabei die abwechslungsreiche Vegetation.

Robinson Crusoe der mich vor bösen Wildtieren beschützt

Robinson Crusoe der mich vor bösen Wildtieren beschützt

Im Superspar (nochmals lesen, wer Superstar verstanden hat) gibt es mein Lieblingsessen: Salatbuffet, wovon wir uns bedienen und einen gemütlichen Abend in der herrlichen „Luxus-Suite“ verbringen (keine Frage dass wir unseren Aufenthalt um eine Nacht verlängern).
Auch der nächste Tag bringt Sonne und wir tun vor allem eines: wandern! Zuerst entlang des schönen Strandes in Buffalo Bay, dann fahren wir zum Startpunkt einer Wandertour, die uns als wunderschöner Walk bei klarem Wetter empfohlen wurde. Wir bezahlen im kleinen „Permits-Häuschen“ für die Wanderung und die Dame schaut zuerst etwas skeptisch, meint dann aber, ok., wir hätten ja noch etwas Zeit. Wir nehmen also den auf der Karte als „etwas anstrengend“ bezeichneten, 9km langen ‚Kranshoek Costal‘ Walk in Angriff. Es ist mittlerweile schon ca. 15 Uhr, aber mit den 9km Märschen haben wir ja bereits Erfahrung und in 2-2.5 Stunden sollten wir es schaffen… Der Walk entpuppt sich aber als sehr anstrengend: es gibt 200m Höhendifferenz zu bewältigen und die weisse Fussspur-Markierung des Weges ist meist ziemlich undeutlich und in die Jahre gekommen (wie kann man zum Beispiel den korrekten Weg finden in einer Fläche von Steinen, worin die Farbe weiss äusserst häufig ist..??).Wir marschieren also recht langsam und verschwitzt auf und ab, verlieren dann und wann den Weg aus den Augen und als es 17 Uhr ist und wir noch immer unten am Meer rumkraxeln (Anfangspunkt war ‚empfundene‘ 250m weiter oben) und die Markierung mal wieder verschwunden ist, mischt sich ein etwas mulmiges Gefühl in die Wanderlaune. Was, wenn wir den Rückweg vor Einbruch der Dunkelheit nicht finden? An Spuren und verschiedenen Exkrementen am Boden erkennen wir, dass es hier verschiedene wilde Tiere geben muss… Wir haben noch etwa 1.5 Stunden Zeit und versuchen uns mit künstlichem Optimismus aufzumuntern. Noch nie hab ich mir einen solchen Aufstieg so ersehnt wie da – und endlich geht’s dann auch den Hügel hinauf, wo wir nicht schlecht staunen, als ein Schild uns über die 6km, die wir bisher gemacht haben, informiert (für meine Mittagspausen-Mitjogger: nie hätt ich gedacht dass läppische 6km so anstrengend sein können!). Wir schaffen es gerade noch, den Park in der Dämmerung zu verlassen – uff, das war ein sportlicher Tag

Costal walk zu oberst: da unten waren wir auch schon...

Costal walk zu oberst: da unten waren wir auch schon...

Wer findet den weissen Fussabdruck, unsere Wegmarkierung?

Wer findet den weissen Fussabdruck, unsere Wegmarkierung?

Unsere nächste Destination ist der Tsitsikamma Nationalpark, wo es zahlreiche Abenteuer-Unternehmen gibt und man Adrenalin kiloweise kaufen kann. Der Park besteht aus einem ausgedehnten Wald mit hohen Bäumen, den typischen „Fynbos“ Büschen und aus Küstengebiet. Bei der einzigen Tank-, Informations- und Einkaufsstelle des Parks möchten wir uns über die möglichen Unterkünfte informieren. Als wir aber nicht sofort bei jedem Angebot der zunächst freundlichen Lady positiv reagieren und mit Einwänden wie „gibt es ein Foto davon“ oder „wie teuer ist es denn“ den Arbeitsdrang der sofort zum Telefon greifenden Dame unterbrechen, gibt sie uns ganz klar zu verstehen, dass sie die Übernachtung für uns buchen will, da sie eine Kommission kriegen würde. Noch nie wurden wir dermassen mit Blicken bestraft wie da, als wir sagen, wir möchten uns selber umschauen – welch tiefe Beleidigung wir da verursacht haben!
Wir finden also alleine eine kleine, gemütliche Unterkunft mit eigenem Häuschen und voll ausgestatteter Küche und möchten noch von einem der „Adrenalinstätigkeiten“, wie es im Reiseführer nachzulesen ist, profitieren. Tsitsikamma Falls Adventures nennt sich das Unternehmen, welches „Zip-Line Tours“ anbietet. Man wird in ein „Klettergstältli“ reingepackt, mit Helm, unzähligen Karabinerhaken und Seilen, und schliesslich an ein dickes Drahtseil gebunden, wo man sich dann über Wasserfälle, Bäche und Bäume von Plattform zu Plattform gleiten lässt. Bei Thomas hat es ziemliche Überzeugungskraft gebraucht, den letzten Zweifel haben unsere Nachbarn (im Pensionsalter) geleistet, die es gleichentags erlebt hatten und es super fanden… Die Plattformen befinden sich bis 50m über dem Boden und das längste Drahtseil ist 211m lang. Das hört sich schwindelerregend an, ist man aber da oben, dann ist es halb so wild (das bestätigt heute auch Thomas).

Zip-Line Tour à la Tarzan bzw. Jane: von Baum zu Baum

Zip-Line Tour à la Tarzan bzw. Jane: von Baum zu Baum

Der nächste Tag (mittlerweile wieder Sonntag) ist etwas vom Wetter getrübt. Wir fahren nach Port Elizabeth (P.E.), unterwegs sehen wir schöne Küstenlandschaften und machen einen Abstecher nach St. Francis Bay, wo jedes Haus gleich aussieht und man offenbar nur solche Häuser bauen darf (weisse Mauern, Schilfdächer und 1 Million Einkommen im Jahr). In P.E. stellen wir fest, dass Schulferien und ein verlängertes Wochenende sind, denn die ersten 3 Unterkünfte, die wir anpeilen, sind allesamt ausgebucht (mit Ausnahme von 2 Schlafsaal-Plätzen)! Wir finden schliesslich eine Unterkunft und verbringen einen sehr ruhigen verregneten Abend in P.E.
Unsere Rückreise nach Cape Town erfolgt über die als schöne als Weinroute beworbene Route 62. Wir passieren viele sehr kleine Orte mit viel Landwirtschaft. Da werden Früchte kultiviert wie Äpfel und Birnen, es hat zahlreiche Strausse auf der Weide (ich frage mich, ob man da auch von „Weiden“ redet?) und auch sehr viele Kühe, aber keine Trauben. Es gibt fantastische Ausblicke unterwegs, touristisch liesse sich diese Gegend aber noch deutlich ausbessern, denn leider gibt es kaum Halteplätze geschweige denn Restaurants. Wir fahren bis nach Oudtshoorn, einem etwas grösseren Ort, wo wir eine spezielle Unterkunft mit spezieller Besitzerin finden. Sie erklärt uns, was in der Zeitung steht, ob die Schweiz heute auch drin war und was sonst so abgeht in und um Oudtshoorn. Dies kriegen wir für einen äusserst günstigen Preis zusammen mit der grossräumigen, etwas in die Jahre gekommenen Unterkunft, die aus 3 Räumen mit 4 Betten besteht – Platz zum verschwenden! Wir haben eine tolle Aussicht von der Veranda aus auf die Stadt und die Berge und fahren noch den empfohlenen Pass durch die Swartberge ab, wo wir fantastische Bilder schiessen können.

Wunderschöner Ausblick auf die Swartberge von der Passhöhe aus

Wunderschöner Ausblick auf die Swartberge von der Passhöhe aus

Oudtshoorn ist DIE Straussenstadt. Man verkauft hier so ziemlich alles vom Strauss. Von den Federn, die gerne als farbige Abstaubwedel auf der Strasse verkauft werden, über Eier in allen Formationen bis zu Leder als Damentaschen und Herrengürtel verarbeitet. Es gibt auch „Show-Farmen“, wo man auf Straussen reiten und Wettrennen machen kann. Unsere Zeit ist leider zu knapp für diesen Spass und wir können hier kein Straussenreiter-Foto zeigen. Thomas hat sich aber abends ein Stück hiesiges Straussenfleisch nicht entgehen lassen (sozusagen ein Muss für Fleischesser). Das afrikanische Restaurant trägt den etwas verwirrenden Namen „La dolce vita“ – wir liessen und aufklären, dass halt einfach die Namen für Restaurants ausgegangen wären und man deshalb diesen Namen gewählt habe.
Am nächsten Tag machen wir vor der Weiterfahrt auf der Route 62 noch einen kurzen Abstecher zu den „Cango Caves“ bei Oudtshoorn. Wir werden in den grossen Höhlen rumgeführt und über Entstehung, Alter, Zusammensetzung und Kostbarkeit der Stalagmiten und Stalagtiten informiert. Im Cango Berg gibt es zahlreiche solcher Höhlen, für Besucher zugänglich ist aber nur „Cango 1“. In den anderen Höhlen wird geforscht, manche werden ganz in Ruhe gelassen und manche hat man wohl noch gar nicht entdeckt. Die ganze Tour wird zwar sehr massentouristisch abgehalten, aber wir finden es doch sehr interessant und können uns kaum an den eleganten Strukturen satt sehen.

– Platzhalter –
Sorry, Fotos in Höhlen werden einfach nie so richtig gut

Die Weiterfahrt auf der Route 62, weg von Straussen und endlich hin zu Weinreben, führt uns nach Mogadu, einem netten Ort, das etwa 200 km von Cape Town entfern ist. Da wir etwas spät ankommen, können wir uns leider nicht mehr im Ort selber umsehen und gehen direkt zur sehr hübschen Unterkunft „Anchor Inn“, wo wir einen guten Preis für ein eigenes Rondell-Häuschen aushandeln – das war wirklich wunderschön!

Unser kleines Rondellhäuschen in Mogadu, Route 62

Unser kleines Rondellhäuschen in Mogadu, Route 62

Gerne hätte man da länger geschlafen, wir müssen am nächsten Tag aber den Wagen zurück nach Cape Town bringen und fahren früh los. In Cape Town haben wir uns beim zweiten Aufenthalt nicht mehr für die lärmige chaotische Longstreet entschieden, sondern sind in Meeresnähe, beim „Sea Point“ – ein riesen Unterschied und die Schlafqualität wird garantiert besser sein! Wir nutzen den Tag um unsere weitere Reise zu organisieren und machen erste Erfahrungen mit dem mosambikanischen Konsulat, wo wir eigentlich nur Informationen zum Visum möchten. Stattdessen bemerkt der Mosambikaner mit schelmischem Blick, dass es zu spät sei, heute ein Visum zu erstellen, wir sollen am nächsten Tag wieder kommen. Praktisch im gleichen Atemzug meint er aber, er könne was tun und schiebt uns Formulare zu, die wir möglichst schnell ausfüllen sollen. Ups, da sind wir etwas erstaunt und versuchen unverzüglich die Formulare auszufüllen, was sich als unmöglich erweist, denn wir haben ja noch keine Pläne! Man will wissen wie wir nach Mosambik kommen, welche Grenze wir überqueren wollen, wie lange, wo wir bleiben, wie viel Geld wir beabsichtigen auszugeben etc. Hilflos stehen wir da, dabei sollten wir uns doch beeilen. Der Mosambikaner hilft uns und nennt einen Grenzort. In Mosambik gilt Portugiesisch als offizielle Landessprache, wie bitte soll man da wissen wie man das schreibt?? Naja, mit viel Unterstützung und einem etwas komischen Gefühl füllen wir dann die Dinge aus, die wir noch nicht wissen und hoffen, dass dies gut kommt! Der nächste Schritt ist dann die Bezahlung. Nein, die verläuft nicht ohne Quittung und in Cash an den Herrn, wer das dachte, muss sich ein neues Bild von Mosambik machen: man geht auf die Bank, zahlt die umgerechnet ca. 50 CHF/P ein, kommt mit dem Beleg zurück und krieg dann den Bescheid, am späten Nachmittag wieder zu kommen. Die Pässe bleiben selbstverständlich da. Die Zeit nutzen wir, um die Busfahrt, wieder mit Intercape Mainliner, nach Maputo, Mosambik’s Hauptstadt, zu organisieren. Das wird eine anstrengende Fahrt: Start am Samstag um 17.30 Uhr in Cape Town bis nach Johannesburg, wo wir um ca. 13.30 Uhr ankommen sollen. Weiterfahrt nach Maputo leider erst um 22.00 Uhr. Der Ticketaussteller versichert uns aber, dass der Bahnhof von Johannesburg völlig sicher sei und dass auch abends keine Gefahr herrsche. Als Sonderangebot kaufen wir die günstigen Tickets und bereiten uns mental auf eine andere Welt vor.
Die restlichen 2.5 Tage in Cape Town verbringen wir mit einem Besuch des Tafelberges, von wo aus wir eine geniale Aussicht auf die Stadt haben und auf den wir mit einer Schweizer Gondel hinaufbefördert werden, mit Spaziergängen und Joggen am Meer entlang und mit herrlichen und äusserst preiswerten Sushis im Japanisch-Chinesisch-Thailändischen Restaurant neben unserem Hotel Ritz (leider ohne „-Carlton“).

Aussicht auf Kapstadt vom Tafelberg aus

Aussicht auf Kapstadt vom Tafelberg aus

Bei einem der Spaziergänge entdeckten wir das Sammeltaxifahren. Das spielt sich etwa so ab: der Beifahrer schreit die Zieldestination des Schiebetürkastenwagens sehr laut aber unverständlich den Passanten entgegen. Wem die Destination gefällt, der nimmt Platz und zwar wird konsequent immer aufgeschlossen, jeder Platz wird mindestens einfach benutzt. Leere Sitze gibt es nicht. Ist der Wagen mindestens normal voll, dann fährt man los. Während der Fahrt wird bezahlt, man gibt das Fahrgeld jeweils eine Reihe nach vorne, bis es beim Beifahrer landet. Will jemand aussteigen, dann gibt er ein Zeichen (ich habe nicht rausgefunden, wie das Zeichen geht) und man wird an einer beliebigen Stelle raus gelassen, nimmt dafür auch gerne hupende und wütende Fahrer hinter dem Wagen entgegen. Der frei gewordene Platz wird natürlich – durch erneutes Schreien des Beifahrers aus dem Fenster – so schnell wie möglich wieder besetzt. Bleichgesichter wie wir fahren leider kaum in den Taxis und wir waren sofort umzingelt, als wir nur die Frage stellen wollten, wo er hinfahren würde. Es blieb uns nichts anderes übrig als einzusteigen, Thomas in der hintersten Reihe, eingepfercht zwischen 3 typischen älteren Afrikanischen Frauen (wer mal da war, weiss was ich meine), ich eine Reihe davor, in Sammeltaxirelationen mit sehr viel Platz da wir nur 3 in der Reihe waren… Für praktisch kein Geld wurden wir also ins Zentrum gefahren und haben dabei noch etwas Neues erlebt! Wir empfanden es als unangebracht, die Kamera während der Fahrt auszupacken, somit fehlt auch dieses Foto.

Vielen Dank fürs geduldige Lesen - Kommentare willkommen :-)

Vielen Dank fürs geduldige Lesen - Kommentare willkommen 🙂

3. Reisebericht: Südafrika – Start in Kapstadt

September 24, 2009

Von Thomas

Nach knapp drei Wochen Namibia (und etwa 4’500km Autofahrt) ziehen wir weiter nach Südafrika. Vor uns steht eine 18-stündige Busfahrt von Windhoek nach Kapstadt. Dass das Busunternehmen das Rauchen im Bus verbietet, ist für mich gut nachvollziehbar, dass es allerdings auf Aufklebern auch verlangt, dass im Umkreis von zehn Metern ausserhalb des Busses auf das Rauchen verzichtet wird, halte ich rein umsetzungs- und kontrolltechnisch für schwierig. Egal – wir machen es uns im „Intercape Sleepliner“ gemütlich und lauschen erst einmal den Sicherheitshinweisen, die uns in einem Film präsentiert werden. Die Sicherheitshinweise sind relativ knapp, umso länger dauert das gemeinsame Gebet, das im Anschluss gezeigt wird. Auch das etwas später folgende Entertainmentprogramm besteht lediglich aus einem Summary der zehn Gebote und einer Boygroup, welche ein christliches Lied zum Besten gibt. Bemerkenswert auch der SMS-Priester-Service, der von „Intercape Sleepliner“ angeboten wird. Sende „Prayer“ an die Nummer XXX und schon bist du mit einem Priester in Kontakt! Mit Gottes Hilfe finden wir aber relativ schnell ein paar Stunden Schlaf und treffen bald schon in Kapstadt ein, wo uns „Intercape Sleepliner“ gleich schon mit einem Gebet empfängt! Wir danken dem Herrn, dass er uns heil ans Ziel gebracht hat und so langsam beginne ich daran zu zweifeln, ob die Busse wirklich in solch einem einwandfreien Zustand sind, wie sie nach aussen scheinen.

Wir jauchzen und frohlocken, denn wir freuen uns darauf, ein neues Land und eine neue Stadt zu entdecken, doch spätestens beim dritten Halleluja wird uns bewusst, wie windig und kühl uns Kapstadt empfängt, was unsere anfängliche Euphorie doch etwas dämpft. Wie gut, dass wir unser Gepäck erstmals ein längeres Stück zu Fuss transportieren müssen, denn so geraten wir doch noch etwas ins Schwitzen. Trotzdem sind wir froh, endlich unseren Backpacker zu erreichen, da nicht nur die Last des Gepäcks anstrengt, sondern auch die zahlreich vertretenen Obdachlosen, welche zumindest in Bezug auf Kontaktfreudigkeit in der obersten Liga spielen. Wir freunden uns mit unserer Unterkunft an, verlassen diese dann – ohne erkennbaren Trennungsschmerz zu empfinden – relativ rasch, um uns vor dem Abendessen in einem äthiopischen Restaurant noch ein Willkommensbier in einem irischen Pub zu gönnen. Kapstadt ist voll von sehr netten Restaurants, Bars, Clubs und Cafés und ist uns in dieser Hinsicht sehr sympathisch! Umgeben von Bergen mit einer faszinierenden Pflanzenwelt und traumhaften Stränden ist sie auch optisch wunderschön anzusehen. Wie aber schon erwähnt, hat Kapstadt auch eine etwas düstere Seite, da man permanent mit einer gewaltigen Armut konfrontiert ist, bei der es einem ziemlich unwohl werden kann. Man kann sich selten richtig unbeschwert bewegen und muss immer ein wenig auf der Hut bleiben. Daran muss man sich erst gewöhnen…

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Tafelberg in Kapstadt – es ist kühl und windig

Bevor wir uns am nächsten Tag in den Sightseeing-Bus setzen (Wir gestehen hier öffentlich, dass wir das nicht zum ersten Mal machen, da wir dies für eine ausgezeichnete Möglichkeit halten, einen Überblick über die Stadt zu gewinnen. Gleichzeitig machen wir aber darauf aufmerksam, dass wir Sightseeing-Züglein meiden, da wir diese doof finden.), trinken wir noch einen „organic“ Kaffee in einem gesunden und trendigen Lokal. Da ich ungesunder weise noch meine Zigarette fertigrauchen möchte, lasse ich Anita schon mal vorgehen. Wer in Kapstadt orientierungslos wirkt oder einfach nur stehen bleibt auf der Strasse, wird in der Regel sehr rasch in Kontakt treten mit einem Obdachlosen. Bei mir taucht er auf wie aus dem Nichts. Es handelt sich um einen älteren Herrn mit schwerwiegenden Zahnproblemen und einer Gitarre in der Hand. Und er singt und schrumpelt die Gitarre. Er singt mir irgendwelche Liebeslieder und ich komme mir irgendwie blöd vor als einziger Zuhörer. Da ich der Situation nicht entkommen kann, muss ich sie einfach über mich ergehen lassen und das Beste daraus machen. So summe ich eben ein wenig mit, rauche die Zigarette fertig und bedanke mich mit ein paar Rand, bevor ich, ohne mich zu verlieben, wohl aber die musikalische Leistung anerkennend, in das Café flüchte.

Am Abend besuchen wir das Jazz-Konzert in unserem Backpacker. Wir haben das Glück, dass jeden Tag musikalische Veranstaltungen in unserer Unterkunft aufgeführt werden. Das Fehlen von isolierenden Wänden ermöglicht es uns, dass wir nichts verpassen, selbst wenn wir in unserem spartanischen Zimmer bleiben würden. Lange Zeit war ich der Überzeugung, dass sich die Band erst warm macht und sich etwas einspielt, bis ich am Applaus des spärlich vorhandenen Publikums erkennen konnte, dass das Konzert bereits in vollem Gange war. Dass ich nur mit Mühe zwei Stücke voneinander unterscheiden konnte, liegt lediglich an meinem Unvermögen, nicht an dem der Musiker. Diese haben ihren Auftritt prima hingekriegt und mit der Zeit konnte selbst ich mich ganz gut in die Musik einleben.

Da wir uns in einer der grössten Weinregionen der Welt befinden, haben wir für den nächsten Tag eine Wein-Tour gebucht. Auf dem Programm stehen vier Weingüter mit Besichtigung der Produktionsanlagen und anschliessender Degustation. Die Weinprobe hat es in sich, denn die Weine sind ausgezeichnet und die Weinproduzenten grosszügig. Mit roten „Bäckli“, grosser Zufriedenheit, aber auch einem Mangel an Vitalität kommen wir am Abend zurück nach Kapstadt, wo wir es gerade noch ins Restaurant schaffen, um den erlebnisreichen Tag bei einem saftigen Stück Kudu und etwas Vegetarischem gebührend zu beenden. Der Tag hat sich gelohnt und wir schlafen ausgezeichnet ein, ohne die leiseste Ahnung zu haben, welches Konzert an diesem Abend gespielt wird!

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Unterwegs im Weingebiet zwischen Stellenbosch und Franschhoek

Für den nächsten Tag haben wir eine Township-Tour gebucht. Es geht darum, dass einem das Leben in den zahlreichen Armenvierteln in der Vorstadt näher gebracht wird. Den Tag beginnen wir im District Six-Museum, wo eindrücklich aufgezeigt wird, wie zu Zeiten der Apartheid ein ganzes Viertel mit schwarzer und farbiger Bevölkerung niedergewalzt wurde. Dann bringt uns unser Führer nach Langa, einem der Elendsviertel am Rande der Stadt. Sehr schnell wird unsere Gruppe sprachlos, denn wie drastisch sich die Welt von einer Sekunde auf die nächste wandeln kann, hätten wir wohl kaum für möglich gehalten. Die Unterkünfte bestehen plötzlich nur aus Brettern und es reiht sich eine krumme Brett- und Wellblechhütte an die nächste. Wir sind eingeladen in ein lokales Pub um afrikanisches Bier zu kosten. Einen Moment lang wäre ich am liebsten gar nicht aus dem Bus gestiegen, denn mich überkommt plötzlich ein schreckliches Schamgefühl. Ich schäme mich für die unbeschreiblichen Lebensunterschiede, für unseren unermesslichen und kaum geschätzten Wohlstand und für die Tatsache, dass bei uns jede Hundehütte hundertmal besser aussieht als hier eine Behausung für eine ganze Familie. Das Pub ist einfach eine Hütte, die etwa doppelt so gross ist wie die anderen Hütten; im Lokal wird mit offenem Feuer geheizt. Im Pub hat es bereits Gäste und es wurde auch schon ein Kübel Bier gebraut. Wir trinken alle aus demselben Kübel, wobei es die Tradition verlangt, dass der Gastgeber als erster kostet um den Gästen die Sicherheit zu geben, dass das angebotene Nahrungsmittel in einwandfreiem Zustand ist. Trotzdem braucht es Überwindung auf die Einladung einzugehen, wenn einem plötzlich der Kübel an den Mund gehalten wird. Wir tun es aber dennoch und lassen die prekären hygienischen Verhältnisse und die Schweinegrippe erstmal ausser Acht.

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Beim afrikanischen Bier im Pub

Im Anschluss besichtigen wir unterschiedliche Wohnungen bzw. Behausungen und bleiben nach wie vor in unserem Schockzustand gefangen. Zwischen den Bewohnern gibt es klare soziale Unterschiede, wobei dies vor allem an den unterschiedlichen Unterkünften ersichtlich wird. Die Bewohner von Langa nennen das etwas anschaulichere Gebiet in ihrem Township „Beverly Hills“. Langa ist eine Stadt in der Stadt und es existieren eine gewisse Infrastruktur, eine Verwaltung und kommerzielle Aktivitäten. Es gibt z.B. Sportclubs, Geschäfte und einen Medizinmann. Diesen besuchen wir auf unserer Tour als nächstes. Seine Praxis ist eine ziemlich grosse Hütte, in der es sehr dunkel ist. Er braucht den Platz, denn die Hütte ist vollgestopft mit Tierfellen, -häuten und diversen Innereien, sowie Sträuchern, Pulvern und viel Ramsch. Wir erhalten die Gelegenheit, dem Medizinmann Fragen zu stellen, was wir zwar eifrig tun, doch wir verstehen leider nicht alles, was uns geantwortet wird, was teilweise sicherlich auch auf das Englisch des Medizinmannes zurückzuführen ist. Sein Wissen hat er von seinen Vorfahren erworben, welche ihn auch daran gehindert haben zur Schule zu gehen, damit er sich voll auf die Tätigkeit als Medizinmann konzentrieren kann. Offenbar hat er aber zuvor noch irgendwo gearbeitet. Unser Führer hat mir mitgeteilt, dass der Medizinmann auch hellseherische Fähigkeiten hat. Er konnte beispielsweise voraussehen, dass er am kommenden Tag seinen Job verlieren würde. Und siehe da! So ist es geschehen! Das war, wenn ich es richtig verstanden habe, der Tag, an welchem er dann tatsächlich auch als Medizinmann aktiv wurde. Die Zeit war quasi reif. Da der Mann ja eher in Anitas Metier tätig ist, haben sich die beiden noch über die Behandlung von spezifischen Beschwerden unterhalten, wobei ihn Anita nicht darüber aufgeklärt hat, dass auch sie in ihrer Laufbahn bereits Medikamente verschrieben hat. Das Gespräch war, soviel ich mitgekriegt habe, auch eher etwas oberflächlich, da er ihr höchstens irgendein Pulver gezeigt hat, nicht aber näher auf die Inhalts- und Wirkstoffe eingegangen ist. Offenbar gehen aber in Südafrika – zumindest teilweise – Schulmedizin und alternative Behandlungsmethoden gemeinsame Wege. Da die Medizinmänner bei einem sehr grossen Teil der Bevölkerung sehr geachtete Menschen sind, ist dieser gemeinsame Weg sicherlich nicht falsch, obschon ich mir nicht genau vorstellen kann, wie dieser Weg aussehen soll.

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Zu Besuch beim Medizinmann in Langa

Wir beenden die Tour mit der Besichtigung eines Hilfsprojekts, das Müttern die Gelegenheit gibt, ihr Kind in eine Krippe bzw. einen Kindergarten abzugeben und dabei einer Tätigkeit nachzugehen. Als wir in die Krippe kommen, üben die Kinder gerade eine Weihnachtsaufführung. Afrikanische Kinder schliesst man sofort ins Herz, denn sie sind Weltmeister im Strahlen und das grösste für sie ist es, auf einem Foto posieren zu können. Diese Gelegenheit geben wir ihnen im Anschluss sehr gerne und werden geradezu überrannt!

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Ansturm fürs Fotocasting

Den Nachmittag verbringen wir auf Robben Island, einer Gefängnisinsel vor Kapstadt, auf welcher vor allem politische Gefangene, darunter auch Nelson Mandela (27 Jahre lang), gefangen waren. Die Guides sind ehemalige Gefangene, die von ihrer Erfahrung und den Praktiken zu Zeiten der Apartheid berichten. Aus unserer Sicht ein sehr lohnenswerter Ausflug!

Am Abend sind wir eingeladen zu einem Braai in Stellenbosch bei einem alten Schulkameraden und –schatzi von Anita. Thomas heisst er und da er sechs Jahre in Stellenbosch studiert und doktoriert hat und mit einer Südafrikanerin zusammenlebt, kommt an diesem Abend ein kunterbunter Mix aus ganz schön vielen netten Leuten zusammen und wir geniessen einen unterhaltsamen Abend bei viel Fleisch und Bier! An dieser Stelle danken wir den beiden nochmals für den gelungenen Abend und die Einladung!

Den nächsten Tag verbringen wir mit Waschen und Organisieren der Weiterfahrt, spazieren aber auch noch ein wenig in der Stadt umher. An der Waterfront gehen wir noch etwas shoppen und finden schnell heraus, dass Reiseequipment in Südafrika deutlich günstiger ist als in der Schweiz! Anita kauft sich ein paar Trekkingschuhe, wobei ich nicht begreifen kann, dass der Hersteller das Schuhmodell „Masochist“ getauft hat. Noch weniger begreife ich aber, wie jemand dann ein solches Modell kaufen kann, doch darauf wir Anita sicherlich in einem späteren Bericht noch eingehen!

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Interessante Entdeckung im Supermarkt

Unsere Reise geht weiter entlang der südafrikanischen Küste nach Osten und wir nehmen uns das indische Sprichwort, das uns Renate mit auf den Weg gegeben hat, weiterhin zu Herzen: „Wenn dein Pferd tot ist, steig ab.“

2. Reisebericht Namibia – der Norden

September 24, 2009

Von Anita

Zu Beginn des weiteren Geschehens, ein wichtiger Nachtrag: Golfi ist noch immer mit uns! Wir haben uns so gut miteinander verstanden, dass wir es einfach nicht übers Herz gebracht haben, den  tapferen weissen „Allesbewältiger“ da so stehen zu lassen. Auch das Hauptargument, welches bis anhin für ein grösseres (oder sichereres?) Auto gesprochen hat („Freilaufende  und möglicherweise aggressive Elefanten und Nashörner im Etosha Nationalpark “), haben wir dann mutig und abenteuerlustig verworfen.

Eine weitere Anmerkung bevor es zur eigentlichen Story geht, gilt der zeitlichen Verspätung dieses Berichtes. Wir entschuldigen uns dafür und nehmen uns vor, künftig aktueller zu sein… Zur allgemeinen Klarheit: der folgende Bericht beschreibt unsere Reise vom 8.9. bis zum 14.9.09.

Nach dem sozusagen freien Tag in Windhoek, der mit dem Besuch des weltbekannten und absolut besuchswerten „Joe’s Beerhouse“ (danke für den vielseitig erhaltenen Tip!) abgeschlossen wird, geht’s dann am Mittwochmorgen los in den Norden. Weil es innerhalb des Etosha Nationalparks nur drei Lodges gibt und die freien Zimmer immer knapp sind, müssen wir die Hinreise künstlich etwas in die Länge ziehen, da wie beim bereits erwähnten NWR nur noch für den 11. und 12.9. Zimmer kriegen. So haben wir also auf der Karte die Orte mit den grössten „Kreisen“ angeschaut und zwei ausgesucht, wovon wir insbesondere den ersten Ort Otjiwarongo schon so oft durch den besagten deutschen Radiosender gehört haben, dass wir schon eher von einem grösseren Ort ausgehen. Nun ja, das ist wohl auch hier wieder etwas übertrieben, aber wir finden ein Zimmer im Guesthouse, einen Supermarkt und ein gutes Café mit einem Papagei, der leider aufgrund des permanenten Zeitmangels der da wohnenden oder arbeitenden Leute nie sprechen gelernt hat (wir waren in den ca. 2 Stunden die einzigen Gäste bei 3-4 Angestellten). Aber gut, schliesslich ist unser Restaurant Tierfutterlieferant, Gärtnerei, Coiffeur-, Beauty- und Wellness-Salon und eben Verpflegungsort in einem… ich bin nicht sicher, ob man sogar ein Zimmer gekriegt hätte. Aber wenn nicht, dann hätt man sich sicher was einfallen lassen.

Da wir noch viel Zeit haben, besuchen wir die im Ort gelegene Krokodilfarm bzw. Zucht, wo wir recht ins Staunen kommen, bei Betrachtung der massiven Tiere, die einfach nur da liegen. Total träge und phlegmatisch. Irgendwie können wir es nicht glauben, dass diese schweren Kerle eigentlich sehr schnell und äusserst gefährlich sind. Die Krokodil-Babies können wir auch ansehen, der beissende, sehr strenge Geruch hält uns aber fast davon ab… wie alle Tier-Babies sind auch sie irgendwie „niedlich“ und sie bewegen sich sogar!

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Die Meinungen über „niedlich“ gehen auseinander… ich find den kleinen jedenfalls härzig.Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Tsumeb, der zweite ausgewählte „grosse Ort“ auf dem Weg zum Etosha Nationalpark. Tsumeb ist ca. 80 km von einem der total 3 Eingänge des Parks entfernt und ist deshalb bei Reisenden bekannt als Alternative zu den teuren Lodges im Park selber, wo wir ja dann die nächsten 2 Nächte sein werden. Aber die grosse Saison scheint lange vorbei zu sein oder weit weg zu liegen (obwohl gemäss Reiseführer der gerade beginnende Frühling in Namibia die beste Reisezeit sein soll). Wir finden kaum ein geöffnetes Café, die Strassen sind ausgestorben und das Leben sieht sehr gemächlich und langsam aus in Tsumeb. Trotzdem geben wir nicht auf und versuchen uns kulturell durch einen Besuch im Tsumeb Ballenbergmuseums weiterzubilden. “Tsumeb Cultural Village“, wie es heisst, ist ein Freichlichtmuseum, welches die Wohnbauten der verschiedenen Ethnien des Landes zeigt: Himba, Ovambo, Kavango, San, Herero etc. Die verschiedenen Hütten, Unterschlüpfe oder Häuser (irgendwie trifft jeder Ausdruck zu) zeigen, mit wie wenig diese Leute auskommen. Eine für unsere Verhältnisse als maximal Zweierzelt einzustufende Hausung war als „Family Hut“ ausgeschildert… Krasse Unterschiede und eindrücklich, wie diese Menschen z.T. noch immer zu leben scheinen. Umso erstaunter sind wir dann, als plötzlich 2 kleine Kinder auf uns zu kommen, die ganz offensichtlich in einem dieser Hütten zu wohnen scheinen. Keine Spur von den Eltern… Zweifelsohne ein interessantes Museum.

 

Familien Hütte

Familien Hütte einer Namibischen Ethnie

Ein weiterer Beweis dafür, dass man in Namibia relativ schnell einen Überblick erhält, ist die Ähnlichkeit des Managers unserer Unterkunft mit dem Inhaber des Hotels in Maltahöhe (s. Bericht Thomas). Wir fragen nach, ob er jemanden kennen würde in Maltahöhe. Und – wer hätte es gedacht – es handelt sich hier um Brüder J So klein ist die Welt, respektive Namibia.

Restaurants schliessen denn auch entsprechend früh in Tsumeb. Wir finden glücklicherweise eines der ca. 3 abends geöffneten Restaurants die es gibt und gehen gesättigt und unter einem Moskitonetz (wir befinden uns langsam aber sicher im Norden von Namibia, wo gemäss Internet und Reiseführer die Malariagefahr dann doch steigt aber keiner Prophylaxe macht) zu Bett, voller Vorfreude auf den nächsten grossen Wildlife Tag!

Um 5.15 Uhr reisst uns der erbarmungslose Wecker aus dem unruhigen Schlaf heraus. Aufstehen fällt nicht schwer, da es sich unter Moskitonetzen nicht so gut schläft und weil es heute viel zu sehen gibt! In der Dunkelheit fahrend, wissen wir nicht so genau, welche Tiere uns jeden Augenblick ins Auto rennen werden. Die wenigen geteerten, zweispurigen Strassen, auf denen man in der Regel eine Mindestgeschwindigkeit von 120 km/h hat, sind weder mit Banden noch mit einem Abstand zur „Wildnis“ ausgestattet und tote Tiere am Strassenrand sind leider regelmässig anzutreffen. Golfi scheint die Wildnis aber zu kennen und wir kommen ohne Zwischenfälle beim Tor des Etosha Nationalparks an.

Eingangstor zum Etosha Nationalpark um 7:15 Uhr

Der Weg bis zur ersten der drei Lodges innerhalb des Parks ist weiterhin schön geteert und wir rechnen nicht wirklich bereits hier mit Tieren, als Thomas plötzlich in allerletzter Sekunde eine Giraffe neben uns stehen sieht! Das ist schon ein einmaliges Gefühl! Die steht da, sehr gross und hoch, etwa 5m von uns weg und es scheint sie nicht im Geringsten zu stören! Vielleicht weil gerade die Golfs ihm so klein und harmlos vorkommen?  Hoffentlich denken so alle Tiere im Park, denn wir wissen aus dem Reiseführer, dass der Etosha Nationalpark ausser dem Büffel alle ‚Big Five‘ beheimatet: ca. 1500 Elefanten, 300 Nashörner, 300 Löwen und unbekannt viele Leoparden… Auf eine Konfrontation sind wir daher nicht gerade aus. Wir fahren einige Meter weiter und da kommt auch schon die zweite Attraktion, die unschwer durch einen typischen „Touri-Lastwagen“, der am Strassenrand steht, zu erkennen ist: wir sehen den ersten afrikanischen Etosha Elefanten aus nächster Nähe! Der ist also schon massiv grösser als wir… vor allem Thomas ist vorsichtig und mehr damit beschäftigt, sich korrekt zu verhalten (auch wenn wir eben nicht wissen, wie man sich den Tieren gegenüber „korrekt“  verhält), als dass er richtig gucken kann. Doch der Elefant greift uns zum Glück nicht an und wir fahren weiter. Uff. Als nächstes treffen wir erneut auf eine ziemlich fotogene Giraffe, die wir dann endlich so richtig ablichten können.

Giraffenstolz aus nächster Nähe (ohne Zoom...)

Giraffenstolz aus nächster Nähe (ohne Zoom...)

Giraffen sind echt gross, kommen einem aber irgendwie freundlich und putzig vor… Wie auch immer, was wir vom Etosha gehört haben, trifft offenbar zu: die eigentlich wilden Tiere sind dermassen an die vorbeirollenden Blechkisten gewohnt, dass sie nicht mal den Kopf heben, wenn ein Auto kommt. Wirklich eindrücklich, die Tiere aus dieser Nähe sehen zu können!

Endlich beim ersten Camp angekommen, besorgen wir uns eine Karte des Parks und stellen fest, dass es tatsächlich nur eine Verhaltensregel gibt: Das Auto darf nie verlassen werden ausser in den Lodges (wer hätte das auch getan??). Tja, man verhält sich offenbar einfach ganz normal, gut.

Der Etosha Nationalpark ist insgesamt fast 23‘000 km2 gross und der Name bedeutet „grosser weisser Platz“, was auf die in der Mitte liegende Salzpfanne hinweist, die sich im Norden des Parks befindet und ca. 20% der Gesamtfläche ausmacht. Die Karte zeigt uns, wo es Wasserlöcher gibt und man fährt so den ganzen Tag die mehr oder weniger gut präparierten Kieselstrassen (oder eben die „Gravel-roads“) entlang, zu diesen Trinkplätzen der zahlreichen Tiere. Auch zwischen den einzelnen Wasserstellen gibt es sehr viel zu sehen! Es vergeht kaum eine Minute, ohne dass man irgendwelche Zebras, Springböcke oder Gnus (übrigens das häufigste anzutreffende Trio im ganzen Park) die Strasse passieren lassen muss: im Etosha Park haben Tiere IMMER Vortritt (wovon sie auch schamlos Gebrauch machen). Ich möchte hier nochmals betonen: wir sitzen noch immer im 1.4 VW Chico der äusserst spartanisch ausgestattet ist und von den wilden Tieren trennen uns in der Regel nur einige Meter und ein Glasscheibe (von Hand runter oder bei Gefahr rauf zu kurbeln!).

Zebras, so weit das Auge reicht. Da heisst es schon mal, länger Vortritt zu gewähren.

Zebras, so weit das Auge reicht. Da heisst es schon mal, länger Vortritt zu gewähren.

Am ersten Tag sind wir also bereits sehr erfolgreich bei unserer Wildtierpirsch und entdecken nebst Elefanten, Giraffen, Springböcken, Streifengnus und Zebras auch noch Strausse, Kudus, Schabrackenschakale, Fleckenhyänen (die sind in der Tat so hässlich wie im Film „König der Tiere“), Mangusten, Scharrtiere, Warzenschweine, Impalas, Damara Kirkdikdiks, Kuhantilopen, Elands (Elantilopen) und einen kleinen Dinosaurier. Ok., hier muss ich zugeben, dass der kleine Dinosaurier der einzige war, der eben NICHT in der Broschüre abgebildet war. Ansonsten würde ich wohl auch einige der genannten Tiere nicht so richtig kennen – wie vielleicht der einzelne Leser auch? Kurz gesagt: es ist ein einmaliges Erlebnis und unbedingt zu empfehlen!!

Wasserloch "Nebrowski" im Etosha Nationalpark - bildliche Unterstützung zu den aufgezählten Tierarten.

Wasserloch "Nebrowski" im Etosha Nationalpark - bildliche Unterstützung zu den aufgezählten Tierarten.

Das Camp „Halali“, wo wir voller abenteuerlicher Eindrücke später ankommen, ist äusserst angenehm und wir können nach einem entspannenden Abend bei offenem Fenster den zahlreichen Tierlauten horchen, die uns zu filmreifen Träumen verleiten…

Jedes der drei Camps verfügt über ein  nahe gelegenes Wasserloch. Wir stehen sehr früh auf, um auf mögliche durstige Wildtiere zu stossen. Die scheinen aber leider auch lieber ausschlafen zu wollen, und so treffen wir am Halali Wasserloch lediglich auf ein paar Perlhühner und Vögel. Naja, es gibt ja noch viele Stellen zu besichtigen und angeregt von Tipps der andern Besucher, machen wir uns auf den Weg zu einem Wasserloch, an dem tags zuvor Löwen gesichtet wurden (Anmerkung: es fehlen noch Löwen und Nashörner auf der Liste der gesichteten Tiere..). Angekommen beim Loch, trauen wir  unseren Augen nicht: vor uns (natürlich in Golfis Sicherheit) liegt voller Pracht und sich der ihm allseits gewidmeten Aufmerksamkeit voll bewusst, der König der Tiere!!

Auch hier muss ich sagen, er ist wie im Bilderbuch: majestätisch, schon fast „snobbisch“, gewaltig und äusserst selbstbewusst!! Der liegt in der Mitter der Strasse, umzingelt von mindestens 5 Autos, genüsslich in die Sonne blinzelnd und nicht im Geringsten daran denkend, etwas an seiner Position zu ändern! Sehr eindrücklich und kribbelnd. Man könnte ihn stundenlang beobachten! Dann plötzlich taucht eine Löwin auf. Wir verstehen die hormonellen Massnahmen zu Regulation des Löwenbestandes  im Etosha Park in der Folge sehr gut, denn wir werden Zeugen des „Begrüssungsaktes“ unter Löwen, der sehr direkt, schnell und ganz laut abläuft… die zweite Löwin die irgendwo kurz auch noch zu sehen war, entzieht sich der ganzen Szene rec ht schnell da sie offensichtlich das fünfte Rad am Wagen ist. Wir „vom-Auto-aus-Beobachter“ sind so abgelenkt, dass wir nicht wissen wo sie hin ist und aufmerksam horchen, ob da nicht ein Geräusch vom Dach des Autos zu hören ist…

Ihre Mäjestät höchst persönlich.

Ihre Majestät höchst persönlich.

Zum Glück werden wir auch von keinem Löwen angegriffen und fahren den ausgeschilderten Wegen entlang weiter, wo wir permanent Tiere sehen können.

Das Wasserloch bei der heutigen Lodge (Okaukuejo) besuchen wir erst später bei Dunkelheit, denn die Trinkstellen bei den Lodges sind nachts jeweils beleuchtet, was weitere, eher nachtaktive Tiere zu entdecken verspricht. Wir begegnen denn auch noch dem „letzten“ fehlenden Tier auf der Liste: eine Nashornmutter mit ihrem Kleinen. Ich darf fast nicht sagen, dass wir die beiden zunächst für Warzenschweine gehalten haben… aber zu unserer Verteidigung muss ich hinzufügen, dass da zuerst ein riesiger Elefant daneben stand, dass die Beleuchtung nicht sonderlich stark war und dass die Nashörner echt nicht so gross sind, wie man sich vorstellt (zumindest nicht die Etosha-Spezies)!

Was mir an all diesen Wasserlöchern jeweils sehr gefallen hat, war die absolute Stille, die da normalerweise herrscht! Mensch gibt sich voll der Tierbeobachtung und trotz den manchmal ca. 50 Menschen drum herum – totenstille. Nur die Laute der Tiere, und keine Autobahn in der Ferne, kein Flugzeug, keine Feueralarme und kein Bass-Schlag eines tollen Songs (eine Ausnahme war der mobil-telefonierende Mensch, der das Wetter in Deutschland gleich der ganzen vom Nashorn betörten Menge mitteilte…).

Am nächsten Tag, es ist Sonntag, scheint irgendwie auch im Tierreich die Sonntagsruhe eingekehrt zu sein und wir treffen auf weit weniger Tiere als bisher. Hmm, möglicherweise liegt der Grund auch im Folgenden: Auch der Mensch ist ein Tier, ein „Gewohnheitstier“, und nach dem 30igsten Elefanten und dem 555sten Zebra ist man leider doch auch etwas abgestumpft…  Aber ganz klar und ich möchte hier auch nicht überheblich tönen: Etosha ist und bleibt eines der absoluten Highlights unserer ganzen Namibia-Tour. Die Bilder zeigen einiges, aber leider nicht das Gefühl, einem Löwen gegenüber zu stehen – im Golf!

Impressionen aus Etosha - die grauen Riesen.

Impressionen aus Etosha - die grauen Riesen.

Springböcke, die wohl zahlreichsten und graziösesten Vierbeiner im Etosha Park.

Springböcke, die wohl zahlreichsten und graziösesten Vierbeiner im Etosha Park.

Wir verbringen die letzte Nacht im „Norden“ in einem weiteren kleinen Ort, das den Namen Outjo trägt. Klingt schön, wie auch der Name der Unterkunft schön tönt: Aloe Guesthouse. Leider waren unsere Zimmergenossen statt wohlduftenden, romantischen Aloe-Pflanzen Horden von Moskitos, Käferli und eine riesen Spinne, die zu allem Unglück auch noch uuuunglaublich blitzschnell war. Thomas musste den Kampf ein zweites Mal antreten (ein Unentschieden hätte ich diesmal definitiv nicht akzeptiert, denn der Körperdurchmesser der Spinne war mindestens ein Fünfliber) und nach hartem Kampf reisen wir also heute noch immer zusammen umher J

Am nächsten Tag legen wir also die restlichen ca. 300 km nach Windhoek zurück, etwas wehmütig einerseits, weil unsere erste Etappe, Namibia, heute zu Ende geht, aber vor allem weil der unwiderrufliche Abschied vom ins Herzen geschlossenen Golfi naht. Beim Autoverleih gibt’s noch einige Probleme, welche leider bis zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Textes noch immer nicht gelöst sind, was wir dann halt als letztes Souvenir von Namibia und den da herrschenden Arbeitsgeschwindigkeiten mitnehmen müssen. Tja.

Unser Nachtbus nach Kapstadt fährt pünktlich um halb sieben los und wir nehmen eine weite, lange Reise in Angriff und freuen uns auf unsere zweite Reise-Etappe: SÜDAFRIKA!!

1. Reisebericht: Namibia – der Sueden

September 10, 2009

von Thomas

Namibia, was für ein Land! Nambia ist so, wie Gott die Welt erschaffen hat. Unendlich gross und weit, unberührt, ursprünglich und unglaublich schön. Beim Anflug war es uns allerdings schon etwas mulmig. Da verbringt man so viele Stunden im Flugzeug und freut sich darauf, dass es endlich losgeht, doch beim Blick aus dem Fenster sieht man einfach nur ein unendliches Nichts, eine Steppe und ein paar Berge. Was machen wir hier eigentlich und wie soll man dieses nicht enden wollende Land überhaupt erkunden?

Der Flughafen von Windhoeck, immerhin Landeshauptstadt mit etwa 250‘000 Einwohnern, ist sehr übersichtlich. Unsere B-737 der Air Namibia ist das einzige grössere Flugzeug auf dem Flughafen und man geht bequem zu Fuss in das Flughafenhauptgebäude, wo man von der relativ unkomplizierten Zollbehörde empfangen wird. Wichtig ist, dass man auf alle Fragen auf dem Einreiseformular eine Antwort gibt. Ein holländisches Paar, das vor uns in der Reihe stand, wusste noch nicht, wo es die erste Nacht verbringen wird und hat daher keine Unterkunft im Formular angeben können, was die Dame vom Zoll dazu bewog, einen äusserst scharfen Ton anzusetzen. Die Lage hat sich aber ebenso schnell entspannt, als das Paar irgendeine Unterkunft angegeben hat, das sie aus unserem Reiseführer entnommen hat.

Wir werden von unseren im Voraus gebuchten Taxichauffeuren empfangen und fahren erst mal zu unserer Unterkunft in Windhoeck. Plötzlich ist man mittendrin in einer endlosen Landschaft, umgeben von hohen Bergen – und was vom Flugzeug aus irgendwie öde aussah, wirkt nun unglaublich faszinierend!

Endlich sind wir im B&B Kashima angekommen und werden von den sehr freundlichen Besitzern, Jeanette und Jacques, empfangen. Leider aber auch von einem grossen Rottweiler namens Rübe und einem weiteren Hund, der keiner Rasse eindeutig zuzuordnen ist. Trotz fehlenden Stammbaums erscheint uns der Name Ugly aber etwas unfair, zumal der Hund doch einen sehr hübschen Eindruck hinterlässt. Dass die hunde-scheue Anita Rübes Forderung nach Streicheleinheiten nur wenige Stunden später ohne mit der Wimper zu zucken nachkommen würde, hätte ich bei Ankunft nicht für möglich gehalten. In der Tat sind uns die Hunde aber richtig ans Herz gewachsen. Wir beenden den Abend bei einem Windhoeck- und Tafel-Bier und kommen auch schon zum ersten Mal in den Genuss eines Braais. Braai ist mehr als einfach nur Grillieren. Braai scheint mir ein fester Lebensbestandteil, ein Stück Kultur, eine echte Lebensart der Menschen hier zu sein. Wir werden später überall in unseren Unterkünften Braai-Plätze sehen, was bei der ausgezeichneten Fleischqualität, –vielfalt und –menge auch sehr gut nachzuvollziehen ist!

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Anita hat viel Spass mit Ruebe

Am nächsten Tag schauen wir uns ein wenig in Windhoeck um, erledigen Einkäufe und holen unser Auto ab. Es handelt sich um einen schneeweissen Golf der ersten Generation, der in Südafrika immer noch hergestellt wird. Der Einer nennt sich hier Chico, wir haben offenbar die Version TenaCiti. Wir sind ganz zufrieden und gewöhnen uns auf der Rückfahrt ins Kashima erst mal an den Linksverkehr. Jeanette und Jacques haben uns angeboten, mit uns einen Ausflug in die Berge zu unternehmen, was wir natürlich dankend annehmen. Die Fahrt mit dem 4×4 auf den holprigen Pfaden ist ein echtes Erlebnis! Die Hunde kommen mit, müssen aber die Berge, welche bis zu 2‘500 Meter über Meer liegen, hochrennen. Die Aussicht ist phantastisch und wir sind hellbegeistert! Auf der Rückfahrt dürfen auch wir uns hinter das Steuer setzen, was ein echtes Erlebnis ist. Jacques meinte, es störe ihn nicht, wenn die Büsche das Auto zerkratzen, Ziel sei es aber schon, den Büschen etwas auszuweichen. Ich nehme seinen Rat zur Kenntnis und lasse uns mehr oder weniger gemütlich hinunterrollen!

Mit Jeanette und Jacques hoch ueber Windhoeck

Mit Jeanette und Jacques hoch ueber Windhoeck

Am nächsten Morgen geht es dann auf eigene Faust richtig los – und zwar in Richtung Swakopmund an der Atlantikküste! Schon nach wenigen Kilometern fahren wir an einem dicken Affen vorbei, der völlig unberührt vom Verkehr am Strassenrand sitzt. Wenig später rasen flinkere Artgenossen über die Strasse. Wir fahren etwas vorsichtiger und erreichen nach wenigen Stunden unser Ziel, das B&B Veronica in Swakopmund! Swakopmund wird zwar als Tourismushochburg betitelt, doch was wir antreffen an diesem Wochenende ist in einem absoluten Tiefschlaf versunken. Die Stadt ist sehr sauber und sehr deutsch. Ausserdem ist es etwas neblig und sehr kalt. Da reist man um die halbe Welt um Neues zu entdecken und kehrt nach tausenden von Kilometern im Café Anton im Schweizerhof ein um einen Kaffee zu schlürfen und geht abends ins Brauhaus, wo Weisswurst, Eisbein und Schweinebraten serviert werden… Aber lecker war es ja schon und am nächsten Tag kriegen wir eine Portion Afrika serviert, da wir eine Tour in die Namib Wüste gebucht haben, um die „small five“ zu entdecken. Wir wollen uns mal die kleinen Bewohner der Wüste anschauen…

Unser Tourguide, Thommi, ist ein echter Wüsten-Guru. Bevor es losgeht, fahren wir aber noch in die Waschanlage um das Wüstenmobil zu reinigen. Schätzungsweise zehn Reinigungskräfte rennen mit ihren Putzlappen um das Fahrzeug, um dieses völlig unsystematisch und ineffizient sauber zu bekommen. Ich würde sagen, dass die Aufgabe dann aber doch noch nach ziemlich langem Warten zu gut 70% erfüllt wurde. Der Führer, ca. 50 Jahre alt, anfangs etwas wortkarg, entpuppt sich als sehr lustiger Mensch mit grossem Wissen und Erfahrung. Das Tempo der Wüstenfahrt richtet sich nach seinen Entdeckungen. Plötzlich hält Thommi den Wagen an, steigt aus, rennt wie verrückt im Kreis herum im Wüstensand und keiner weiss, ob Thommi nicht dringend medizinische Hilfe in Anspruch nehmen muss. Schliesslich kehrt er aber mit breitem Grinsen zum Wagen zurück und präsentiert, was er soeben gefangen hat. Wir finden so ziemlich alles, was wir finden wollten: Chamäleons, Geckos, Blindschleichen, Eidechsen, Käfer und auch Schlangen. Vieles darf man auch berühren und wir sind ganz gerührt! Anita lässt sich mindestens drei Würmchen vom Chamäleon auf ihrem Arm wegfressen! Zufrieden kehren wir zurück nach Swakopmund, wo uns der Wind wieder kräftig um die Ohren bläst!

Namibia 068

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Wueste mit Thommi

Der nächste Tag kann als Beginn des echten Abenteuers angesehen werden. Vor uns steht die erste Strecke auf den Strassen der Kategorie „C“. Die Einstufung „C“ deutet darauf hin, dass sich diese Strassen in weniger gutem Zustand befinden. Noch bevor es losgeht, stellen wir fest, dass unser Golf bereits jetzt schon eine Reifenpanne hat – eine lange Schraube hat sich in den hinteren Reifen gebohrt, weshalb sich die Abreise verzögert. Mit dem Golf plötzlich mitten in der Wüste zu stecken, weit und breit nichts, mit nur einem Reserverad im Koffer, ist ein sehr besonderes Gefühl. Gefesselt von der Landschaft und der Einsamkeit kämpfen wir uns Kilometer für Kilometer Richtung Solitaire, wo es angeblich den besten Apfelkuchen in ganz Namibia geben soll. Auf den Strassen Namibias ist es Usanz, sich zu grüssen. Ich entscheide mich für das bei Chauffeuren öffentlicher Verkehrsbetriebe verbreitete „Zeigefinger-Mittelfinger-von-der-Faust-gestreckt“-Zeichen und stelle fest, dass die Grussfreudigkeit der Verkehrsteilnehmer massiv steigt, je verlassener die Gegend und je unwegsamer die Strasse ist. Das gilt insbesondere auch für uns, denn Zwei-Rad-Antrieb-Fahrzeuge sind auf dieser Strecke selten anzutreffen und je weiter man fährt, desto stärker wird einem bewusst, wie abhängig wir von möglichen „Helfern“ und von unserem Wagen, welchen wir später liebevoll “Golfi“ nennen werden, doch sind. Irgendwann erreichen wir Solitaire, einen kleinen Ort mitten im Nichts, bestehend aus einem Camping, einer Tankstelle und einer Bäckerei. Der Bäcker, der seiner Statur nach zu urteilen nach dem Motto „eins für dich und eins für mich“ lebt, leistet ausgezeichnete Arbeit (zumindest was die Apfelkuchen anbelangt) und wir brechen gestärkt auf, um die letzten 60 Kilometer zur Namib Desert Lodge anzugehen. Dort erwartet uns, leider schon etwas spät, ein kleines Paradies in einer ausgesprochen reizvollen Umgebung!

Mit Golfi in der Wueste

 

 

 

 

 

 

Mit Golfi in der Wueste

Schon um 4 Uhr stehen wir am nächsten Tag auf um möglichst früh beim Eingangstor in Sesriem zu sein, von wo aus man nach Sossousvlei weiterfährt um sich die faszinierende Dünenlandschaft anzusehen und Wanderungen zu unternehmen. In der Dunkelheit auf der Schotterstrasse zu fahren ist leicht unheimlich, doch schon bald begrüsst uns ein prächtiger Sonnenaufgang. Wir fahren vorbei an Springböcken, Oryx-Antilopen und Straussenvögel und wissen gar nicht so recht, was wir zuerst anschauen sollen: Die Landschaft, die Tierwelt oder vielleicht doch die Strasse? Mit einem Shuttle für Personen ohne 4×4-Wagen, fahren wir etwa vier Kilometer an den Fuss der Dünen. Wir begeben uns auf eine Wanderung auf den Big Daddy, eine etwa 375 Meter hohe Düne, die zu den höchsten der Welt zählt. Der Aufstieg zerrt an den Kräften, insbesondere ein relativ kleines, sehr steiles Stückchen, welches wir auf der eingeschlagenen „Abkürzung“ zwar im Voraus gesehen und in Kauf genommen, jedoch völlig unterschätzt haben. Verfolgt wurden wir von zwei Japanern, die, clever wie auch wir, ebenfalls die „Abkürzung“ gewählt haben. Dass der ältere des Japaner-Duos den Aufstieg überlebt hat, liess sein Gesichtsausdruck nicht gerade erkennen, wohl aber die Schweissspur, die er in den Dünen hinterlassen hat. Noch nie habe ich einen Japaner gesehen, der so erschöpft war, obschon ich zugeben muss, dass ich wahrscheinlich noch überhaupt nie in meinem Leben einen erschöpften Japaner gesehen habe. Als Belohnung winkte uns (auch den Japanern) der steile Abstieg durch den Wüstensand. Man kommt sich vor, als würde man den Big Daddy in Zeitlupe hinunterrennen, obschon man eigentlich Vollgas gibt. Knietief steckt man barfuss im Sand und kann so ziemlich jeden „Stunt“ hinlegen, den man möchte, denn man fällt auf jeden Fall federleicht! Nach drei, vier Stunden sind wir wieder erschöpft zurück beim Auto und merken uns für das nächste Mal, dass man sich durchaus auch zweimal vergewissern sollte, ob man auf die Wüstenwanderung genug Wasser mitgenommen hat. Ein halber Liter für zwei Personen ist jedenfalls zu knapp! Wir merken uns ebenfalls, dass das Tragen einer Wollmütze in der Wüste zu starken Schweisstreiben führt und daher eher ungeeignet ist. Das haben wir am Beispiel des älteren Japaners gesehen (übrigens der erste Japaner mit Wollmütze in der Wüste in meinem ganzen Leben).

Anita und Thomas auf dem Big Daddy

Anita und Thomas auf dem Big Daddy (fotografiert von einem Japaner)

 Da Namibia unendlich gross ist, können wir nicht direkt nach Aus weiterfahren, sondern müssen einen Zwischenstopp einlegen in Maltahöhe. Dies ist einer der Orte auf dieser Welt, den man nicht unbedingt gesehen haben muss. Überhaupt sind die Städte bzw. Dörfer bzw. Häuseransammlungen mit Menschenleben nicht sehr spektakulär in Namibia. Von Städtereisen würden wir dringend abraten. Wir staunen aber nicht schlecht, als uns der durchaus freundliche, leicht beschwipst wirkende Tankwart seine Sammlung von Unterschriften präsentiert. Er bittet jeweils alle Reisenden, die kurz Halt in Maltahöhe machen, sich auf den Wänden seines Tankshops zu verewigen. Und siehe da: Es scheint, als habe sich hier schon die halbe Welt blicken lassen! In unserer Unterkunft, dem Hotel „Maltahöhe“, werden wir nicht nur vom Wirt, sondern auch von einem Pittbull begrüsst, was bei uns nur begrenzte Begeisterung auslöst. Das Hotel hat Ostblock-Charme und einen netten Biergarten, wo wir uns mit einem älteren belgischen Paar unterhalten, das auch mit einem VW Chico unterwegs ist. Abends speisen wir im hoteleigenen Restaurant und lauschen den Skihütten-Gaudi-Halli-Galli-Klängen, die aus der Bar in den Speisesaal strömen. Anschliessend verabschieden wir uns von den Gästen an der Bar (u.a. der Tankwart und sein Doppelgänger) und dann flieg, flieg, fliegen wir wie ein Vogel ins Bett, denn wir sind nicht mehr so stark, stark, stark wie ein Tiger…

Am nächsten Tag fahren wir über eine gute Schotterstrasse nach Aus. Das „Klein-Aus-Vista“ ist eine tolle Unterkunft! Wir gehen am Nachmittag drei Stunden wandern und geniessen am Abend einen phantastischen „Sundowner“ und spielen noch ein wenig „Shithead“, ein intelligentes Kartenspiel, bei welchem wir uns einen knallharten Kampf liefern. Da Anita etwas im Rückstand ist, spricht sie bereits davon, dass wir wohl eher auf ein Würfelspiel ausweichen sollten. Kommt vorerst nicht in Frage!

Auf Wanderung bei Aus

Auf Wanderung bei Aus

Unsere nächste Destination heisst Ai-Ais, ein Wohlfühlort mit heissen Thermalquellen. Den Namen erhielt der Ort vermutlich von einem in der Schweiz lebenden italienischen Gastarbeiter, der hier vor vielen Jahren seinen Finger in das Thermalwasser gehalten hat und meinte „Ai-Ais“ (ich versuche gerade den Blog so richtig witzig zu gestalten, sorry). Auf dem Weg dorthin wurden wir leicht in die Irre geführt, denn direkt vor einer der wenigen Abzweigungen stand ein riesengrosses Schild mit der Aufschrift „Ai-Ais Lodge, Pfeil nach rechts, 25km“. Obschon das nicht unbedingt dem Weg gemäss Strassenatlas entsprach, wollten wir es doch wagen. Anita wies zudem darauf hin, dass „Ai-Ais“ ja nur „warme Quelle“ bedeutet, und dass es daher wohl verschiedene „Ai-Ais“ gibt. Natürlich führte der Weg nirgendwo hin, so dass wir uns entschlossen, eine Strasse der Kategorie „D“ einzuschlagen, um per Abkürzung wieder auf unsere ursprüngliche Route zurückzukehren. Wir sind dann irgendwo im Sand steckengeblieben und mussten unsere Muskeln und die mit sehr viel Staub in Kontakt getretenen Lungen sehr stark beanspruchen um uns da wieder rauszubringen. An dieser Stelle danke ich Anita nochmals für den tollen Einsatz! Nach über 600km Fahrt haben wir dann unser Ziel doch noch erreicht und konnten uns in den warmen Quellen prima erholen!

Am nächsten Morgen fuhren wir zum Fish River Canyon, dem zweitgrössten Canyon der Welt! Wir haben einen von drei Trampern mitgenommen, die beim Eingangstor auf Mitfahrgelegenheit warteten. Die drei sind per Autostopp in Namibia unterwegs und hatten soeben einen dreitätigen Fussmarsch durch den Canyon hinter sich. Der Geruch im Auto war auszuhalten und die Unterhaltung war ganz nett. Wir waren froh, dass wir nur Tim ins Auto quetschen konnten, denn sein Bruder war offenbar bereits in einem fortgeschrittenen Verwesungsstadium. Der Canyon ist überwältigend und wir können kaum aufhören, Fotos zu machen! Wir bitten euch jetzt schon, für unseren Dia-Abend zwei Übernachtungen zu buchen!

Fish River Canyon

Anita und Thomas auf dem Fish River Canyon

Auf dem Weg nach Keetmannshoop versuchen wir wieder unseren Lieblingssender zu empfangen. Der deutschsprachige Rundfunk „aus Windhoeck für ganz Namibia!“ ist das informative Radio mit der persönlichen Note. „Soeben berichtet uns ein Hörer, dass es etwa 42km nördlich von Otjiwarongo vermutlich zu einem Unfall gekommen ist. Bei der Besichtigung der Unfallstelle sind unserem Hörer zwei Bull Terrier, sogenannte „Schweinehunde“, aufgefallen, die sehr verschüchtert waren. Vielleicht besteht die Möglichkeit, dass sich das lokale Tierheim der Sache annimmt“. Diese Meldung ist mindestens dreimal durchgegeben worden, anschliessend folgte dies: „Soeben haben wir einen Anruf von Frau Niedermeyer erhalten. Sie hat die Frau Bauer vom lokalen Tierheim in Otjiwarongo angerufen und ihr vom Unfall berichtet. Frau Bauer ist so freundlich und wird die Unfallstelle besichtigen, wobei sie noch nach einem geeigneten Fahrzeug sucht, um die Tiere allenfalls abtransportieren zu können. Vermutlich wird sie aber schon in etwa 15-20 Minuten losfahren können.“. Interessant ist auch die Wettermeldung von der Praktikantin bei unserem Lieblingssender: „Ja, und am kommenden Montag erwarten wir eine Wetterverschlechterung, was ich natürlich nicht so toll finde, da ja dann mein Urlaub beginnt…“. Es kommt auch schnell mal vor, dass ein falsches „Knöpfchen“ gedrückt wird, so dass statt Roland Kaiser doch nur italienische Schnulze zu hören ist oder ein Beitrag einfach ein zweites Mal gesendet wird. Leider scheint es heute mit dem Empfang nicht so gut zu klappen…

In der Nähe von Keetmannshoop besichtigen wir eine Geparden-Farm (Geparden gehören übrigens in die Familie der Hunde und nicht etwa der Katzen), was uns ziemlich beeindruckt, denn wir sind mit den Tieren im Gehege und erhalten die Möglichkeit, eines der Tiere anzufassen, ja gar richtig zu streicheln. Dies ist nur möglich, solange die Tiere ihren Kudu verschlingen. Diese Gelegenheit hat Anita nicht ausgelassen, ich hingegen schon, da der Gepard, als ich dann an der Reihe war, plötzlich sein Fleisch nicht mehr gekaut, sondern nur blöd in der Gegend herumgeschaut hat. Später berichtete uns Jeanette, dass es gerade kürzlich zu einem schrecklichen Unfall auf einer dieser Farmen gekommen ist, bei welchem ein Freund eines Bekannten von ihr von solch einem Tier angegriffen worden ist. Ich sage nur: „Sicher isch sicher, he.“.

Anita mit Gepard

Anita mit Gepard

Im Anschluss sehen wir uns noch die „Kookerbooms“ an und verbringen den Abend dann im „Schützenhaus“ bei Wildspiess und einem Salatteller! Auf dem Weg zurück nach Windhoeck übernachten wir in Mariental, einem weiteren Ort, den man nicht gesehen haben muss. Unser Chalet ist zwar gemütlich, doch die Lage an der Strasse der Kategorie „B“ ist nicht gerade verlockend und weit und breit gibt es kaum etwas, was man besichtigen könnte. Wir faulenzen also etwas herum und bereiten uns auf die Nacht vor, da hier verschiedenes – nicht nur der Wächter der Anlage – darauf hinweist, dass es zu (zahlreichen?) Einbrüchen kommt. Bevor wir aber ins Bett gehen kämpfen wir noch mit einer Spinne, wobei der Kampf unentschieden ausfällt, denn beide Parteien leben immer noch! Auch die Nacht haben wir ohne Raubüberfall überlebt, vermutlich vor allem Dank meinem ausgeklügelten Sicherheitssystem, bei welchem sämtliche Möbel vor die Türen und Fenster gestellt wurden!

Tja, und nun sind wir wieder in Windhoeck angelangt, wo wir etwas entspannen, weiter organisieren und waschen werden! Im B&B Kashima angelangt, fühlen wir uns fast schon wie zu Hause! Bald geht es ab in den Norden, wo der Etosha Nationalpark auf uns wartet!