Archive for Januar 2010

13. Reisebericht: Vietnam – von Hoi An nach Ho-Chi-Minh-City

Januar 20, 2010

In einem „Sleeper“ Reisebus treten wir am Abend des 15. Dezember den Weg nach Nha Trang an, ein Ort an der südlichen Zentralküste Vietnams. Sleeper Busse sind in Vietnam sehr verbreitet, da die Strecke von einem Ziel zum nächsten oft eine gute Nacht in Anspruch nimmt. Zwar haben diese Busse keine Massagesessel, doch lässt es sich darin halbwegs, also mit angewinkelten Beinen, liegen. Die Passagiere sind auf 2 Stöcke verteilt, in 3 Reihen hintereinander liegend, sodass die Beine in einem Schaft unter dem Oberkörper des Vordermanns platziert werden. Irgendwie kann man tatsächlich auch schlafen, doch sind wir froh, als wir um 6.30 Uhr früh bei einem herrlichen Sonnenaufgang in Nha Trang ankommen.

Mobiles Hotel von Hoi An nach Nha Trang - Gemütlichkeit pur!

Die Stadt ist grösser als wir es uns vorgestellt und gewünscht haben. Es gibt reichlich Hotels und Restaurants, viele Strassen, Ampeln, entsprechend Verkehr und natürlich Touristen und „davon Verdienende“. Kaum aus dem Bus raus, werden sämtliche Fahrgenossen Null Komma plötzlich von einem Gewirr von Menschen belagert und bestürmt. Man kriegt unwillentlich Sonderangebote für Hotels, Taxis, Motorbike-Rides (bzw. „Easy-Rider“), Massagen und Tours. Wir schaffen es irgendwie, den aufdringlichen Touristenjägern zu entkommen und finden unser Hotel ohne Fremdhilfe. Die folgenden paar Stunden ruhen wir uns am schönen Strand von Nha Trang aus. Störend ist einzig die viel befahrene Strasse direkt hinter dem Strand (Thomas hat ja bereits beschrieben, wie man sich den Strassenlärm in Vietnam vorstellen sollte… Motorengeräusche sind bei weitem nicht das Lästigste!), die an Cannes oder Nizza erinnert. Natürlich gibt es auch hier zahlreiche Strandverkäufer und Massage-Dienst Anbieter, die man teilweise nur mit Mühe „freundlich“ abwimmeln kann.

Der Strand von Nha Trang lädt zum Ausspannen ein

Am Abend verköstigen wir uns in einem netten kleinen Lokal, wo es exzellente frische Frühlingsrollen und 2 Flaschen San Miguel Bier für weniger als 1 CHF gibt, was doch auch hier ein erstaunliches Angebot ist. In Nha Trang sollten labile Touristen eh aufpassen: in der Bar kriegen wir später gleich die gesamte Bestellung im Doppelpack, da die „Happy Hour“ hier überraschenderweise praktisch bis Ladenschluss dauert… Auch am nächsten Tag wollen wir den Strand geniessen, leider kommt der Wind aber wie nicht selten nachmittags auf, sodass wir ins Zimmer flüchten und Berichte schreiben (lange her..). Abends haben wir Lust auf mexikanisches Essen und suchen ein von Lonely Planet empfohlenes Restaurant auf. Der Inhaber, ein Cheyenne-Indianer mit französischem, vietnamesischem und laotischem Blut, fällt uns sofort auf: er sitzt mit einer johlenden Gruppe von ca. 10 Bleich- oder Rotgesichtern asiatischer Herkunft an einem langen Tisch, worauf sich Speisen, Biere und Teller stapeln. Wir finden es zuerst halbwegs amüsant der – abgesehen vom Inhaber – sehr betrunkenen Meute bei ihrer Orgie zuzuschauen, bis es plötzlich laut wird und ein Mitglied sich massiv ärgert und nicht nur laut schreit, sonder n auch um sich schlägt, Gläser am Boden zerbrechen lässt und Töffhelme an die Wand schmettert (den Grund dafür haben wir nie herausgefunden). Wir bestellen, trotz Entschuldigungen von Indianer, Service-Angestellten und Tätern selber, die Rechnung, schlingen unser Essen so schnell es geht runter und sind doch nicht schnell genug, um der zweiten, ähnlichen Szene zu entgehen. Diesmal spüren wir die Scherben sogar an den Beinen! Wir denken an eine Mafia-Geschichte, die wir in Malaysia von Inhabern eines neu-eröffneten Cafés gehört haben und stellen fest, dass die Beschreibung wahnsinnig gut zu diesen Szenen passt… Es scheint, als ob der Erfolg eines Restaurants mancherorts nicht nur von der Besucherfrequenz und Beliebtheit bei Touristen abhängig ist. Am schlimmsten finde ich das Ganze für die armen Angestellten, die nicht aufhören, aufzuräumen und sich bei uns zu entschuldigen, obwohl sie am wenigsten dafür verantwortlich sind. Und wie das wohl noch weiterging?? Eine solch schreckliche Bande kann ganz schön übel werden.

Am nächsten Tag fahren wir eine Station weiter nach Mui Ne, wo wir ein Zimmer in einem sehr schönen Guesthouse gebucht haben. Mui Ne ist wirklich malerisch schön klein und gemütlich am Meer gelegen, auch das Guesthouse liegt unmittelbar am Strand.

Schnappschuss auf der Fahrt nach Mui Ne: eine Strandkuh sucht vergeblich nach Schatten

Der Strand ist wunderschön und es hat viele Wellen und Wind. Mui Ne gilt deshalb auch als Kite und Surf Mekka und es gibt Kite- und Surfschulen ohne Ende. Kiten sieht echt gefährlich aus. Die Draufgänger stehen auf einem Brett, das einem Snowboard nahe kommt und halten ein recht grosses Segel an Leinen in der Hand. Sie werden extrem schnell damit und machen immer wieder übermütige Luftsprünge, sodass sie bestimmt 3 m über dem Wasser fliegen. Gerade bei den so kleinen und zierlichen Asiaten meint man manchmal, die kommen gar nicht mehr runter und würden gleich davon fliegen.

Strand von Mui Ne bei Abendstimmung - am Horizont keine Vögel sondern Kite-Segel

Der bezaubernde Ort Mui Ne bietet neben dem wunderbaren Strand auch noch zahlreiche günstige Restaurants und einige Bars. Wir verwöhnen uns also am Abend unter einer aufwendigen Weihnachtsdekoration mit Seafood und geniessen den Strand mit dem Rauschen des Meeres in den Ohren.

Weihnachtsdekoration ohne Grenzen! Ob's dem Samichlaus nicht etwas zu warm ist hier?

Da es uns so gefällt in Mui Ne verlängern wir unseren Aufenthalt kurzerhand auf Kosten der nächsten Station Ho-Chi-Minh-City (HCMC). Die grösste Stadt Vietnams soll noch hektischer sein als Hanoi, was auf mich eher eine abschreckende Wirkung hat…

Abends geniesst Thomas in einem Strandrestaurant einen ganzen Hummer, den er sich vorher auslesen kann – 1.1 kg (inkl. allen Schalen, Füssen und Krusten)! Den Preis nenn ich hier nicht, es könnte sonst zu Neid kommen. Er hat es jedenfalls genossen und zu viel war es auch nicht – ein fantastischer Abschluss eines wunderbaren Aufenthaltes!

Es ist angerichtet! Aber, wo fängt man hier denn an?

Nächsten Tags geht’s per Bus weiter nach HCMC oder Saigon, wie es bis 1975 hiess und wie es die Einheimischen eigentlich noch immer liebevoll nennen. Es ist extrem schwül und die frische Meeresbrise fehlt uns sofort. Unser Zimmer liegt im 7ten Stock in einem klitzekleinen aber hohen Hotel, wo es für einen Lift keinen Platz hat. Der Aufstieg erweist sich mit dem 60l Rucksack als besonders schweisstreibend, zumal der oberste Stock – unser Stock – eigentlich ein Estrich ist und nur über eine entsprechende „Leitertreppe“ zugänglich ist. Uff, ich merke, wie schnell Ausdauer schwindet wenn man das Training vernachlässigt… Es ist Nachmittag und es reicht uns gerade noch zu einem Besuch im Kriegsrestemuseum oder War remnants Museum. Früher hiess das Museum noch „Museum der chinesischen und amerikanischen Kriegsverbrechen“, was ein Hinweis auf eine vielleicht etwas einseitige Betrachtung ist… Es handelt sich auch um eines der beliebtesten Museen in HCMC. Im Museum sieht man schreckliche Fotos von Kriegsgräuel an Menschen und Zerstörung von Lebensräumen und Natur, die einen bitteren Eindruck hinterlassen. Fotographien von Kindern und Erwachsenen mit grauenhaften körperlichen Behinderungen, die auf den Einsatz von Chemie-Waffen der Amerikaner zurückzuführen sind, lösen ein Gefühl des Mitleids und der Verabscheuung aus. Es ist schrecklich, welches Leid und welche Schmerzen ein Krieg verursacht und dies allzu oft an Zivilisten und unbeteiligten Personen. Das schlimmste ist, dass all diese Bilder noch gar nicht so alt sind.

Für die letzten zwei Tage in Saigon haben wir uns für eine Tour ins Mekong Delta zu den „schwimmenden Märkten“ entschieden. Das Mekong Delta (der südwestliche Zipfel von Vietnam) wird auch Reiskammer Vietnams genannt und besteht aus Landschaften, die von Wasser geprägt sind und die durchlaufen werden von unzähligen, aus dem Mekong kommenden Flüsschen und Bächen. Überall hat es Reisfelder und verschlafene Dörfer, man sieht die Bauern mit den Wasserbüffel auf den Feldern arbeiten – ein wunderbares Fotosujet! Bei der Reisanpflanzung wird noch immer der grössere Teil der ganzen Arbeit von Hand bzw. mit dem Büffel gemacht. Pünktlich sind wir früh morgens vor dem Reisebüro, wo wir unsere Zweitagestour starten wollen. Es beginnt gleich sehr hektisch und wir werden zu einer Strasse geführt, wo es bereits hunderte von Touristen und nicht viel weniger Busse hat. Wir sind überzeugt, dass wir nicht in den richtigen Bus gewiesen werden und erwarten eine eher dürftige Tour à la My Son Ruinen. Man muss sich die Situation folgendermassen vorstellen: in Saigon gibt es über 100 Reisebüros, jedes hat über 50 tägliche Touren anzubieten. Nun treffen sich wahrscheinlich sämtliche Touristen die irgendwo eine Tour gebucht haben um 8 Uhr in dieser Strasse. Das erhaltene Zetteli kann niemand entziffern und kein Bus trägt ein Schild, jegliche Hinweise fehlen – wie soll da noch einer wissen, welche Tour wohin und mit welchem Bus geht??? Wir werden aber dann positiv überrascht! Unser Tour-Guide Tanh spricht so gut englisch, dass man fast jedes Wort versteht. Er ist zudem ein echter Witzlimacher und Casanova. Jeden Satz beginnt er mit „Yes, … okay, … yes“, weshalb man ihn auch Mr. Yes-okay nennt. So fahren wir also mit Unterhaltung und ca. 20 anderen Reisenden nach Cai Be, wo wir das Fahrzeug wechseln und auf ein Schiff steigen um im Mekong herumzufahren. Der Mekong ist mit seinen 4500 km einer der längsten Ströme der Welt und entspringt in Tibet, fliesst durch China, bildet die Grenze zwischen Myanmar und Laos bzw. zwischen Laos und Thailand, bevor er durch Kambodscha und Vietnam verläuft und im Mekong-Delta hier in Vietnam ins Südchinesische Meer mündet.

Eindrücke von der Bootsfahrt auf dem Mekong

Mit dem Boot werden wir in Cai Be zwischen den typischen Marktbooten hindurch gerudert. Die Marktboote haben alle einen langen Pfahl, an dem sie ein Exempel  der Ware präsentieren, welche sie verkaufen. Da hängen Ananas, Mangos, Bananen, Zwiebeln, Kartoffeln, Kohl und vieles mehr. Wir machen schliesslich einen Zwischenstopp in einer „Kokos-Bonbon-Manufaktur“ wo wir sehen können, wie die zuckersüssen Bonbons aus Kokosmilch herstellt werden. Natürlich gibt es auch eine Degustation und dazu gehörende Verkaufstische, wo wir Touris eigentlich fast alle zuschlagen. Nach einem kurzen Aufenthalt mit Velotour auf einem kleinen Mekong-Inselchen, geht es dann für eine längere Fahrt auf dem Mekong bis nach Can Tho, wo wir erst bei Dunkelheit ankommen.

Zwischenstopp während Mekong-Fahrt: Reisfelder wohin das Auge reicht!

Wir sind erleichtert, als wir im Hotel sind, denn angesichts des sehr niedrigen Preises für die gesamte Tour, rechnen wir mit einer Absteige… Kein Paradies aber durchaus genügend und angenehmer als einige andere Zimmer ist unsere Schlafstätte im Mekong-Delta.

Am nächsten Tag geht es wiederum in frühen Morgenstunden weiter, denn auf dem Programm steht der Besuch des schönsten Floating Markets im Mekong Delta, der Schwimmende Markt Cai Rang. Diese Märkte sind jeweils früh morgens am spannendsten, nachmittags ist es heiss und es herrscht schwüle Flaute. Im kleinen Ruderboot werden wir auch diesmal um die Boote herum gerudert, kommen in den Genuss von frischesten und kunstvoll geschälten essfertigen Ananas, Bananen, Mangos und können sogar Kaffee (den typisch vietnamesischen mit viel Kondensmilch…) von einer „Bootsbar“ kaufen. Wie wir von Tanh unserem Guide erfahren, haben die Bootsbesitzer oft nirgendwo auf dem Festland ein Haus oder eine Bleibe, sondern ihr Marktboot ist auch ihr Haus wo sich ihr Leben hauptsächlich abspielt. Wir können die Menschen beim Kochen, Waschen, Verkaufen, Zuschneiden und Ruhen beobachten, meistens wird die Tätigkeit in einer kauernden Position durchgeführt, in der wir Westler wohl keine 5 Minuten verharren könnten… Natürlich fehlt auch der schwimmende Supermarkt nicht und es wird sogar eine uns Globetrottern bereits bekannte Masche angewendet: Die Supermarkt-Schiffsfrau fragt mit herzzerreissendem Blick „Ein Getränk für die fleissige, ermüdete Rudererin des Touristenbootes??“ – das allfällig geschenkte Getränk für die geleisteten Dienste wird im Normalfall beim nächsten Treffen der beiden umgehend und unangetastet zum halben Preis wieder zurück verkauft.

Der lebendige Schwimmende Markt Cai Rang bei Can Tho

Beim Floating Market haben die Frauen das Ruder in der Hand - hier ein Gemüse-Supermarkt

Als weitere Attraktion können wir einen Rundgang durch den erstaunlichsten (ich versuch hier ganz neutral zu sein) Landmarkt zu machen, den ich je gesehen hab – und wir haben auf dieser Reise schon einiges gesehen!! Wir wurden in diesem Fall angestarrt von zum Verkauf stehenden Rinderaugen und Schweineäugelchen mitsamt Kopfhaut, Zähnen und Ohren. Wir konnten lebende Fische sehen, die gerade gehäutet wurden, Geflügelherzen, Därme, Mägen (oder Kutteln), Beine, Hufe – ekelhaft!! Das Highlight war aber die Ratte, die sich clever zwischen Töpfen von getrockneten Meerestieren  versteckte und immer wieder mal ein paar Crevetteli stibitzte, ohne dass sie vom Standinhaber je gesehen wurde (nur Passanten konnten sie wunderbar beobachten). Ganz schön schlau, diese widerlichen Kerle!

Schau mal wer da guckt! Nur für Hartgesottene, der Markt am Mekong

Gerade für Vegetarier nicht nur ein angenehmer Markt

Experimentierfreudiger Thomas beim Verspeisen einer gebratenen Raupe

Zurück in Saigon machen wir uns bereit für einige Tage Strand und Meer und freuen uns auf die kommenden entspannenden Tage auf der Insel Phu Quoc, wo wir am nächsten Morgen hinfliegen.

…und es ist wirklich ein Traum!!

Ankunft im Paradies bzw. auf Phu Quoc

Das Resort, wo wir ein Zimmer gebucht haben, schlägt zwar etwas stärker zu Buche als üblich, doch wir werden in ein riesiges Traum-Zimmer mit Balkon und Lounge-Area geführt! Wir haben auch einen grossen Flachbild-TV mit DVD (man stellt uns selbstgebrannte DVDs mit Filmen, die soeben im Kino laufen, zur Verfügung), zwei Klimaanlagen und ein riesiges schönes Bad mit Dusche und Jacuzzi-Badewanne. Schliesslich wollen wir Weihnachten mal anders aber nicht weniger schön feiern! Das Resort bietet darüber hinaus einen wunderschönen Sandstrand mit Liegen & Sonnenschirmen für die Gäste und stellt Unterhaltungsobjekte wie einen Wassertraktor, Kanus und rosarote Pedalos zur Verfügung – es soll sich niemand langweilen auf der Insel! Am Strand bestellen wir später beim Bar-Keeper auf den Liegen liegend rechtzeitig zum Sonnenuntergang und während der Happy Hour „Buy 2 get 1“ zwei Getränke und kriegen zum Glück doch drei, und geniessen den bisher schönsten Sonnenuntergang der Reise! Wir befinden uns im Westen der Insel, was dieses romantisch-fantastische Erlebnis erlaubt.

Ohne Kommentar...

Donnerstag, Tag des Heiligen Abend. An diesem Tag denken wir überdurchschnittlich viel an zu Hause, an Familie und Weihnachtsdekorationen, an Brunsli und Zimtsterne und an Geschenke-Stress – und sind mal froh und mal bitzeli wehmütig auf der Insel Phu Quoc bei über 30 Grad, Sonne und Strand. Morgens bin ich glücklich, dass es hier einigermassen läuferfreundliche Wege gibt (natürlich sind Roller auch hier unterwegs) und entdecke neben zahlreichen kleinen Läden direkt neben unserem Resort auch ein indisches Restaurant. Dass wir uns in der Folge keine Gedanken mehr über unser Weihnachtsmenu machen mussten, ist dem regelmässigen Leser klar. Mit den Hotelvelos fahren wir ins ca. 4 km entfernte Fischsaucen-Städtchen Doung Dong. Die Insel Phu Quoc ist landesweit bekannt für seine vorzüglichen Fischsaucen, deren markant-penetranten Geruch man nicht so schnell vergisst… Zum Glück gibt es in der Nähe unseres Resorts keine Fischsaucenfabrik oder vielleicht  versprüht man auch genügend Moskitospray, jedenfalls liegt keine Fischsauce in der Luft, was wir nun zu schätzen wissen J Der Sonnenuntergang, den der Heilige Abend mit sich bringt ist noch schöner und wir können uns kaum satt sehen an der glühend roten Sonne!! Wer Weihnachten schon mal an einem Strandort verbracht hat, der weiss, wie schwer es ist, in richtige Weihnachtstimmung zu kommen… wir skypen, telefonieren mit zu Hause und fühlen uns schon viel mehr in Feststimmung – und das Weihnachtsmenu, welches wir auf unserem Balkon inmitten von Palmen geniessen, mit Naan, Rajta und Palak Paneer passt hervorragend zum gemeinsamen sinnlichen Abend – ich kann es sehr empfehlen!

Auch der Weihnachtstag ist wunderschön. Wir nehmen einmal die Rolle ein von den sonst immer nervigen Töff-Fahrern und mieten uns einen Honda! Thomas, zwar eher ein ungeübter Töff-Fahrer, passt sich blitzschnell an und hupt mal da mal dort den Fussgängern und andern Verkehrsteilnehmern zu, wie es sich hier gehört. Wir fahren zu einem Strand, Sao Bai, der sich im Süden der Insel befindet und sind überwältigt vom Anblick! Weisser Sand, fein wie Mehl und kaum Menschen! In einem hübschen kleinen Strohdach-Strand-Café mit ein paar Sonnenschirm Tischchen geniessen die Idylle – wirklich ein fast perfekter Strand (ein Paar Streuner-Köter hat es leider doch…).

Wunderschöner Relax-Strand an Weihnachten in Sao Bai

Eine kleine Anekdote zum Abendessen bleibt mir noch zu erwähnen, einfach weil es zu Vietnam passt: Oft ist die Karte in noch so kleinen Restaurants riesig und es gibt ca. 50 Seiten voller Gerichte aus aller Welt. Pizza, Spaghetti, Burger, Kürbissuppe, Japanische Sushis, Salate und viel Vegetarisches sind fast üblicher als vietnamesisches Essen. Hat man sich dann endlich für ein Gericht entscheiden können, so muss man  mit einem „oh sorry, this no have“ rechnen. An diesem Abend waren nach dem eigentlichen Wunsch auch die beiden als Alternative in weiser Voraussicht bereits ausgesuchten Gerichte nicht zu haben, sodass wir ein weiteres Mal zum Inder mussten J

Am nächsten Tag heisst es für uns leider schon wieder zurück nach Ho-Chi-Minh-City, wo wir einen letzten kurzen Abend verbringen und uns schweren Herzens von Vietnam verabschieden – der Flieger bringt uns Tags darauf nach Hongkong.

Zu spät für "Happy New Year", obwohl wir uns dies bei der Aufnahme dieses Fotos gedacht hatten. Bis bald!

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12. Reisebericht: Vietnam – von Hanoi nach Hoi An

Januar 7, 2010
 von Thomas
Unser Flug nach Vietnam führt von Kuala Lumpur über Ho Chi Minh City nach Hanoi. Schon im Vorfeld unserer Reise hörten wir immer wieder, Vietnam solle „anders“ sein. Auch die Geschichten in unseren Reiseführern über „Gefahren und Ärgernisse“ klingen teilweise etwas beängstigend. Wir sitzen aber bereits schon im Airbus der Vietnam Airlines und so gibt es eh kein Entkommen. Wir hoffen mal, dass alles gut kommt!

Bei Ankunft in Ho Chi Minh City erschlägt uns zwar die Hitze, doch ansonsten sind wir sehr überrascht, wie modern sich der internationale Flughafen präsentiert. Die Zollbeamten in ihren militärgrün-roten sozialistischen Uniformen sind zwar nicht sehr freundlich, doch zumindest können wir problemlos einreisen. Der Transfer zum Inlandsflughafen klappt tadellos und wir können es kaum erwarten, weiter zu fliegen und dieses Land zu entdecken, zumal der Inlandsflughafen nur wenig zu bieten hat.

Im Sturzflug steuern wir Hanoi an (vermutlich sitzt ein ehemaliger Militärpilot am Steuer), doch wir landen sicher und abgesehen vom enormen Druck in den Ohren geht es uns ganz gut. Am Bankomat heben wir schnell zwei Millionen Dong ab, denn schliesslich wollen wir es uns gut gehen lassen in Vietnam! Ziemlich schnell finden wir ein Sammeltaxi, das uns ins Zentrum fährt. Im Minibus treffen wir einen Vietnamesen, der perfekt Deutsch spricht und uns mit einem freundlichen „Chuchichästli“ begrüsst. Es handelt sich um einen Reiseleiter, der zwischendurch auch für Imholz oder Kuoni unterwegs ist und sich sehr freundlich um uns sorgt und kümmert. Er weist den Fahrer zudem an, uns direkt im Hotel abzusetzen, was wir sehr schätzen, denn draussen ist es schon dunkel und wir haben keine Ahnung wo wir uns befinden. Unser „Reiseleiter“ und auch alle anderen Fahrgäste stiegen auf dem Weg ins Zentrum aus, so dass wir zum Schluss nur noch mit dem Fahrer und einer weiteren Person im Büschen sitzen. Man ist sich nie hundert Prozent sicher, ob man am Schluss doch noch irgendwie übers Ohr gehauen wird, doch wir scheinen heute Glück zu haben, denn auch der verbleibende vietnamesische Mitreisende spricht uns freundlich auf Deutsch an. Anita hält es zwar für Englisch und auch ich errate nur etwa die Hälfte der gesprochenen Worte, doch der Herr gibt an, Deutscher zu sein! Der Herr fragt nach unserer Herkunft und wir antworten: „Aus der Schweiz“, worauf dieser nickt und meint: „Ah, Braunschweig“. Wir wenden korrigierend ein: „Nein, aus der Schweiz“, doch der Herr bestätigt uns: „Ja, ja, Braunschweig“. Wir lassen es dabei bleiben und setzen ein freundliches Lächeln auf. Die weitere Konversation verläuft in ähnlichem Stil, doch wir erreichen bald unser Hotel und müssen leider schon Abschied nehmen.

Erste Eindrücke von Hanoi bei Tageslicht

Was für ein Zimmer! Wir sind hellbegeistert, denn obschon die Einrichtung nicht unserem Geschmack entspricht, ist es hier richtig gemütlich. Wir haben auch einen Balkon und wenn man da draussen steht und sich umsieht, fühlt man sich irgendwie an ein hübsches Quartier in Paris erinnert mit den engen, lebhaften Gassen und den alten, etwas heruntergekommenen Häusern, die aber durchaus reizvoll sind. Natürlich ziehen wir noch kurz durch unser Quartier und finden zahlreiche Cafés und Restaurants, die alle sehr einladend aussehen. Vietnamesen legen grossen Wert auf Feng Shui und wählen häufig eine ansprechende Beleuchtung – in der Regel reicht das, um beim Publikum gut anzukommen! Wir landen bei Spaghetti und Drinks im „Golden Drum“ und wären gerne länger geblieben, doch in Hanoi schliessen viele Lokale früh, weshalb wir uns Richtung Bett aufmachen.

So reizend und charmant Hanoi auch ist, so schrecklich kann es auch sein! Dies erfahren wir am nächsten Morgen, als wir uns auf unsere Stadttour begeben. Nirgendwo auf der Welt haben wir bisher mehr Roller gesehen als hier in Hanoi! Sie sind überall und kommen aus allen Richtungen. Sie sind beladen mit ganzen Familien, mit Anhängern, mit Tieren, Bambusstangen, Bierkisten, Koffern, Gemüse und Touristen. Alles, was man für unmöglich gehalten hat, ist hier möglich! Alles, was gemäss unserer Strassenverkehrsordnung verboten, ja kriminell ist, ist hier kein Problem. Nur die 2007 eingeführte Helmpflicht erzürnt viele Vietnamesen. Wie gut, dass die Chinesen Helme für 50 Cents liefern! Es wird gehupt bis zum Geht-nicht-mehr –tagsüber wird man es selbst in einer kleinen Gasse nicht schaffen, fünf hup-freie Sekunden zu erleben. Es ist auch kaum möglich, ein Foto zu schiessen ohne einen Moto-Fahrer auf dem Bild zu haben! Sie sind wie eine Plage, sie sind überall. Die Abgase sind massiv und es ist richtig anstrengend und ermüdend, sich in der Stadt zu bewegen, da man ständig auf der Hut sein muss. Die grösste Herausforderung ist das Überqueren der Strasse. Dieses erste Mal, dem sich jeder Tourist stellen muss. Es ist fürchterlich, doch man fühlt sich wie ein Held, wenn man es geschafft hat. Und es funktioniert! Die Regel: Einfach gehen! Langsam, aber bestimmt! Der Motorrad-Ameisenhaufen scheint nämlich trotzdem irgendwelchen (ungeschriebenen) Regeln zu folgen und man weicht sich irgendwie aus und versucht, sich gegenseitig nicht zu überfahren! Und das funktioniert in der Regel.

Roller ohne Ende!

Hanoi bietet nebst der charmanten Altstadt und den vielen Rollern aber noch mehr. Hanoi ist für mich sogar definitiv die Stadt der Reizüberflutung! Es wimmelt von Händlern und solchen, die es gerne mal werden möchten. An jeder Ecke wird einem etwas angeboten und im Zentrum reiht sich ein Geschäft ans andere. Daneben gibt es Märkte, Markthallen, fliegende Händler und Gauner. Gehandelt wird grundsätzlich überall und mit allem, doch es gibt Gassen, die praktisch nur für eine Handelsware reserviert sind, was auch am Strassennamen zu erkennen ist, sofern man Vietnamesisch spricht. Man findet z.B. eine Gasse mit Körben, eine Gasse mit Schmieden, eine Gasse mit Werkstätten für Motobikes, eine Gasse mit Lederwaren oder etwa die „Gasse der Fälschungen“, die aber bei unserem Besuch voll auf Weihnachtsartikel spezialisiert war. Was hier alles gefälscht wird, ist schon beeindruckend. Klar, es gibt Rucksäcke, Koffer, T-Shirts, Uhren, Brillen, Parfums; doch es gibt auch DVD’s mit Filmen, die noch gar nicht im Kino gezeigt worden sind, es gibt sogar kopierte Lonely Planets und sonstige Bücher oder gefälschte Geldscheine, wobei letztere i.d.R. für die Ahnen verbrannt werden. Interessant ist auch, dass es selbst Fälschungen von Restaurants oder Reisebüros gibt. Wird in einem Reiseführer beispielsweise ein Reisebüro positiv erwähnt, so wird der Name des Reisebüros einfach von einem Dritten übernommen. Das kann für Touristen wahnsinnig verwirrend sein.

Altstadtgasse mit Gemüseverkäuferinnen

Hinzu kommt, dass man permanent von Taxi- und Cyclofahrern (Cyclofahrer bieten Transporte auf Velos mit einem oder zwei Gästesitzplätzen an) umringt wird. Es gibt sie zu Tausenden und keiner wird jemals die Gelegenheit auslassen, einen vorbeigehenden Touristen zu fragen: „Cyclo? Where are you going?“. Auf ein „No, thank you!“ folgt in der Regel der Gegenvorschlag „One hour!“, was wohl als besonderes Lokangebot zu verstehen ist!? Jeder Taxifahrer hupt einem nach oder fährt schleichend an einem vorbei und vergisst dabei nicht, einen hoffnungsvoll anzublicken. Die fröhlichen Obstverkäuferinnen mit ihren traditionellen Kegelhütchen und den frischen Früchten auf ihren Tragvorrichtungen sind eine weitere Plage. Hier in Hanoi sind sie leider sehr aufdringlich und setzen einem spätestens dann, wann man mitgeteilt hat, dass man nichts kaufen möchte, unaufgefordert ihr Hütchen auf, gefolgt von der Tragvorrichtung, die einem auf die Schulter gehängt wird. Bis zu diesem Zeitpunkt sind sie extrem freundlich, doch sobald man mitteilt, dass man immer noch nichts will, wandeln sich das zuckersüsse Lächeln und die funkelnden Augen schlagartig in einen Ausdruck massiver Verachtung und des Hasses. Solche Verwandlungen kennt man sonst nur aus Horrorfilmen!

Ungewollte Begegnungen in Hanoi

Wir schlagen uns durch in Hanoi. Wir besuchen den „ruhigen“ Hoam Kiem See mit dem Ngoc-Son-Tempel und die Altstadt mit all den kleinen Gassen und den lebhaften Märkten und legen immer wieder eine kleine Kaffeepause ein. Vietnamesischer Kaffe kann übrigens hervorragend oder ganz übel schmecken, je nachdem, ob man es schafft, der Bedienung mitzuteilen, dass man bitte keinen Zucker und normale Milch möchte. Verpasst man diese Meldung, wird der Löffel fast schon im Kaffee stecken bleiben, denn in der dunklen, dickflüssigen Flüssigkeit steckt nebst einer gewaltigen Zuckerladung auch noch ein guter Schluck zuckersüsser Kondensmilch.

Am Hoam Kiem See

Gegen Abend steht ein weiteres Geschmackserlebnis auf dem Programm! Es ist Zeit für Bia-Hoi! Bia-Hoi bezeichnet selbstgebrautes Bier, das in Hanoi äusserst populär ist und in unzähligen Bia-Hoi-Lokalen angeboten wird. Das Bier ist sehr günstig und schmeckt gar nicht so übel, manche finden es gar ausgezeichnet. Die Gäste sitzen dicht gedrängt auf kleinen Plastikstühlen und trinken fröhlich ein Bier nach dem anderen. Wir gesellen uns hinzu und Anita fällt nicht nur als Westlerin, sondern auch noch als einzige Frau auf! Nach dieser herrlich-erfrischenden Erfahrung im Vorabendprogramm erleben wir eine ziemliche Enttäuschung beim Abendessen, denn statt im echten, empfohlenen „Little Hanoi“ landen wir in einer Kopie davon, die nebst völlig überteuerten Preisen nur eine absolute Fehlbesetzung beim Personal zu bieten hat. Kein Wunder, dass wir uns im Anschluss doch wieder im „Golden Drum“ satt essen.

Am nächsten Tag gehen wir es ruhiger an, denn Anita ist stark erkältet und fühlt sich gar nicht wohl. Wir verbringen viel Zeit mit der weiteren Reiseplanung und suchen uns ein Reisebüro aus um eine Tour in die Halong-Bucht zu buchen. Im Anschluss schwitzen wir uns in der Hotel-Sauna gesund und besuchen am Abend das Wasserpuppentheater von Hanoi. Ich muss schon sagen, dass es sich um das beste Wasserpuppentheater handelt, das ich je in meinem Leben gesehen habe. Zu Beginn gibt es erst eine Kostprobe traditioneller Musik, dann geht die Show los! Gezeigt werden meist einfache Szenen aus dem Alltag auf dem Lande, die bei der Touristin hinter uns jeweils starke Lachanfälle auslösen, insbesondere wenn z.B. der Fisch den Fischer schnappt statt umgekehrt! Zwei Sängerinnen singen und kommentieren die Szenen mit lustigen Quietsch-Stimmen, die Kapelle sorgt für musikalische Begleitung. Wasserpuppenspieler absolvieren eine dreijährige Ausbildung, bevor sie auftreten dürfen, was sich unmittelbar in der Qualität der Darbietung niederschlägt. Tatsächlich verläuft die Vorführung pannenfrei und erfolgreich und wir hoffen, dass alle Wasserpuppenspieler ihre Gummistiefel an hatten, denn sonst könnte es durchs Wasser zur Übertragung von gefährlichen Krankheiten kommen.

Der grosse Ho Chi Minh steht am nächsten Tag auf dem Programm und wir marschieren nach einem ausgezeichneten Frühstück im Hotel, vorbei an der Lenin-Statue, direkt zum Mausoleum. Grundsätzlich sollte „Onkel Ho“, wie er liebevoll von der vietnamesischen Bevölkerung genannt wird, ja da sein (einmal jährlich wird er nach Moskau verfrachtet, wo er etwas aufgefrischt wird), doch da wir uns kaum vom Frühstücksbuffet trennen konnten, verpassen wir nun den letzten Einlass um 10.15 Uhr. Nicht mal mehr fürs Ho Chi Minh Museum reicht es uns, doch wer hätte schon mit solchen Öffnungszeiten gerechnet? Und wer möchte sich um 8 Uhr früh eine Leiche anschauen?

Das einladende Ho Chi Minh Mausoleum

Immerhin reicht es uns an diesem Tag noch für den friedlichen Literaturtempel und, es könnte gegensätzlicher sein, das Hoa-Lo-Gefängnis. Die französischen Kolonialherren haben in diesem Gefängnis über Jahrzehnte schrecklich gefoltert und gemordet und die Gefangenen schlimmer als Tiere gehalten. Die Ausstellung ist sehr eindrücklich und vermag durchaus etwas von der Stimmung zu vermitteln, die hier geherrscht haben musste. Natürlich wird auch gezeigt, dass das Gefängnis während des Vietnam-Krieges auch von den Vietnamesen genutzt wurde, wobei die Vietnamesen hier offenbar für ausgezeichnete Haftbedingungen gesorgt haben. Auch Senator McCain war hier in Gefangenschaft und hat sich zwei Mal versucht das Leben zu nehmen. Darauf wird allerdings nicht eingegangen.

Es ist Zeit für ein wenig Abwechslung und für etwas mehr Ruhe und wir sind nicht unglücklich, dass wir uns am nächsten Tag auf unsere Zwei-Tages-Tour in die Halong-Bucht machen. Unser Führer heisst Duc, ist sehr aufgestellt, spricht verständliches Englisch und weiss erst noch, wann der FCB gegen wen gespielt hat und wie das Ergebnis ausgefallen ist. Damit weiss er schon mal deutlich mehr als ich. Wir fahren durch kleine Städte und Dörfer und bemerken, dass bei sehr vielen Restaurants ein Schild mit der Aufschrift „Thit cho“ steht. Hier gibt es also endlich Hund! Aus den touristischen Restaurants in Hanoi ist er nämlich längst verschwunden!

Unterwegs in der Halong-Bucht

Die Fahrt mit dem Bus zieht sich etwas in die Länge und wir merken spätestens auf dem Rastplatz, dass sehr viele Menschen in die Halong-Bucht unterwegs sind, denn es hält ein Touristenbus nach dem anderen. Das Reisebüro hält aber was es uns versprochen hat und wir kommen doch noch zu einer einigermassen individuellen Halong-Bucht-Erfahrung.
Gegen Mittag besteigen wir eine chinesische Dschunke und tuckern gemütlich an Hunderten von Inseln vorbei und geniessen dabei einen „Fünfgänger“, der zwar vorzüglich schmeckt, doch leider auch etwas zu stark sättigt. Wohlgenährt besteigen wir im Anschluss einen Zweier-Kajak um die Inseln und Höhlen aus nächster Nähe zu betrachten. Erst graut mir davor, denn mein letztes Zweier-Kajak-Erlebnis vor zehn Jahren endete mit ziemlich muffer Stimmung, doch mit Anita klappt es ausgezeichnet (Moni, falls du diese Zeilen liest, vielleicht müssen wir es einfach wieder mal probieren…). Im Anschluss teilt sich die Gruppe, wobei ein Teil auf dem Schiff bleibt um dort zu übernachten, und der andere zu einer einsamen Insel weiterfährt. Wir haben die einsame Insel gebucht und was wir antreffen, ist wieder einmal umwerfend schön. Zwar ist es schon dunkel als wir ankommen, doch die kleine Bungalow-Anlage direkt am Meer ist bezaubernd. Einzig die Privatsphäre muss etwas leiden, denn die drei Zimmer pro Bungalow sind nur durch eine dünne Wand aus Palmenblättern getrennt.

Die Bungalow-Anlange auf unserer einsamen Insel vor Cat Ba

Ich zwinge mich am nächsten Morgen um 5.30 Uhr aus dem Bett um noch ein wenig diese einzigartige Stimmung auf der Veranda zu geniessen. Um 8 Uhr fährt leider schon unser Boot und wir müssen bei ziemlich kühlen Temperaturen und recht hohem Wellengang die Rückreise antreten. Bei Ankunft organisiert uns Duc ein Taxi zum Busbahnhof und wir schaffen es gerade noch auf unseren Bus nach Ninh Binh, unserer nächsten Destination.

Ninh Binh wird in Reiseführern durchaus positiv erwähnt, was in unseren Augen aber völlig zu Unrecht geschieht. Der Ort ist maximal ein guter Ausgangpunkt für Ausflüge, denn er bietet weder besonders gute Restaurants, noch irgendwelche Spezialitäten oder bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten. Wir organisieren unsere Weiterreise am Bahnhof und sehen uns enttäuscht etwas um, dann mieten wir Velos um nach Tam Coc, der „Halong-Bucht in den Reisfeldern“, zu radeln. Auf Fahrrädern von sehr schlechter Qualität im dichten vietnamesischen Verkehr unterwegs zu sein, ist schon sehr speziell und kann durchaus als Abenteuer bezeichnet werden. Die vom Hotel zur Verfügung gestellte Velokarte entpuppt sich als völlig unbrauchbar, doch auch hier gelingt es uns auf unerklärliche Weise wieder an unser Ziel zu gelangen.

Auf Velotour irgendwo zwischen Ninh Binh und Tam Coc

In Tam Coc ist touristisch alles durchorganisiert und wir ahnen schon was auf uns zukommt, als wir eines der Ruderboote, die hier fast im Sekundentakt loslegen, besteigen, denn wir haben im Reiseführer darüber gelesen. Im schmalen Ruderbötchen sitzen ein Ruderer und ein Führer, die einem auf der Flussfahrt durch die Höhlen und entlang der Reisfelder und Felsen begleiten. Unser Führer spricht Französisch, doch es ist äusserst mühsam ihm zuzuhören, denn man versteht nur sehr wenig. Landschaftlich ist Tam Coc zwar eine Augenweide, doch man kann es kaum geniessen, da der ganze Bootsausflug einer bezahlten Kaffeefahrt gleichkommt, der man nicht entkommen kann. Erst wird man von fahrenden Getränkehändlern umzingelt, die darum bitten, dass man doch mindestens dem armen Ruderer und dem Führer ein Getränk kauft, wenig später packt der Führer seine Tischtücher aus und startet seine Verkaufsshow und am Schluss streckt er auch noch die Hand aus und verlangt Trinkgeld!

In der "Halong-Bucht in den Reisfeldern"

Am nächsten Abend nehmen wir Abschied von Ninh Binh und steigen in den Nachtzug, der uns nach Hue bringt. Wir reisen in einem Vierer-Abteil und müssen leider feststellen, dass die beiden anderen Liegeplätze bereits von einem älteren vietnamesischen Paar besetzt sind, das bereits am Schlafen ist. Es bleibt uns nicht viel anderes übrig, als uns ebenfalls hinzulegen. Da die Dame jedes Mal aufschreit wenn wir die Türe zuschieben wollen, sehen wir uns gezwungen, die Nacht mit halb-offener Tür verbringen zu müssen. Nachdem wir einiges über Diebstähle in Nachtzügen gelesen haben, vermute ich natürlich sofort, dass das alte Paar mit Dieben unter einer Decke steckt, die uns in der Nacht ausrauben kommen. Dem ist natürlich nicht so. Friedlich und leise steigt das Paar mitten in der Nacht im Nirgendwo aus und wir kommen einige Stunden später einigermassen ausgeruht und unversehrt in Hue an.

Bahnhof in Ninh Binh

Hue gilt als eine der schönsten Städte Vietnams und auch uns gefällt es hier wieder deutlich besser. Die Kaiserstadt mit all ihren Tempeln und Palästen der Nguyen-Kaiser gehört sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist dementsprechend wieder ziemlich touristisch, was viele aufdringliche Cyclo-Fahrer hervorbringt. Kurz nach Zimmerbezug und einer kleinen Brunch-Pause machen wir uns auf, um das touristische Pflichtprogramm zu absolvieren, wobei wir uns grösste Mühe geben, die „freundlichen“ Droschkenfahrer einfach zu ignorieren. Wir stellen fest, dass wir eine gewisse Arroganz entwickelt haben, die wir zwar nicht mögen, die uns aber das Leben etwas erleichtert.

Eindrücke aus Hue

Da wir zwei Nächte in Hue gebucht haben und die Stadt relativ schnell besichtigt ist, entscheiden wir uns am nächsten Tag für einen Ausflug in die entmilitarisierte Zone. Die entmilitarisierte Zone bezeichnet den zehn Kilometer breiten Grenzstreifen, der, durchquert vom Ben-Hai-Fluss, Nord- und Südvietnam über 21 Jahren getrennt hat. Heute stehen hier zahlreiche kommunistische Denkmäler, ansonsten scheint, abgesehen von den unzähligen Granaten und Minen, die hier, aber auch im restlichen Land immer noch herumliegen, einigermassen Normalität eingekehrt zu sein. Der Höhepunkt des Ausflugs ist aber der Besuch des Vinh-Moc-Tunnels, etwas nördlich der entmilitarisierten Zone. Während des Krieges hielten sich die Vietnamesen über Jahre in Tunnels versteckt, die sie eigenhändig gebaut haben. Es handelt sich um ein gewaltiges Tunnelsystem, das auf mehreren Etagen über 30 Meter in die Tiefe reicht. Wenn man sich geduckt durch die engen Gänge bewegt, die Hitze grösser wird und die Luft kaum mehr zu atmen ist, ist es kaum vorstellbar, dass viele Menschen, insbesondere Alte, Kranke und Schwangere diese Tunnels über Jahre nicht verlassen konnten! Es ist ein schreckliches Stück Geschichte, das man hier hautnah zu sehen und spüren bekommt und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Denkmal in der entmilitarisierten Zone

Da wir nur eine Halbtagestour gebucht haben und der Rest der Gruppe weitere militärische Schauplätze besichtigt, organisiert uns die miserabel Englisch sprechende Führerin einen lokalen Minibus, der uns zurück nach Hue bringt. Was wir hier erleben, erinnert uns sehr stark an Mosambik, denn der Minibus für zehn Personen wird mit viel Gepäck und bis zu 17 Personen vollgestopft. Selbst dem Vögelchen, das im Kofferraum mit uns reist, vergeht das fröhliche Piepsen sehr bald, wobei dieses froh sein kann, das es nicht mitbekommt, zu welchen Überholmanövern der Fahrer fähig ist!

Es ist verständlich, dass wir uns im Anschluss in Hue etwas gönnen müssen! Anita entscheidet sich für Mani- und Pediküre, ich lasse mich zu einer Gesicht-, Kopf- und Schultermassage überreden, wobei ich mehrfach darum bitte, dass bitte der Gesichtsteil ausgelassen wird, was aber mehrfach ignoriert wird. Schlimmer ist dann unter dem Strich aber doch der Schulterteil, da mir hierbei die Masseuse, die wohl reichlich Fischsosse und Knoblauch verzehrt hatte, sehr nahe kommt mir dabei vor all der Anstrengung heftig und gezielt ins Gesicht pustet. Immerhin ist das anschliessende Abendessen ein Erfolg für mich, denn ich kann endlich mal wieder Pizza bestellen – Diavola mit reichlich Aglio!

Kurzer Halt zwischen Hue und Hoi an

Per Bus geht unsere Reise am nächsten Tag weiter nach Hoi An. Für geschätzte 200km benötigen wir über vier Stunden, was in Vietnam nicht unüblich ist. Bei strahlendem Sonnenschein ziehen wir aber vorbei an wunderschönen Landschaften, so dass einem die Fahrt gar nicht so lange vorkommt. Es scheint einfach ein Glückstag zu sein! Oder etwa nicht? Wie aus heiterem Himmel bremst unser Bus abrupt ab unser bleibt auf der Fahrbahn stehen. Wir sind überzeugt, dass wir mal wieder einen Rollerfahrer gerammt haben, denn der Chauffeur eilt heraus und taucht einige Zeit nicht auf! Plötzlich kommt er aber wieder herein und hält seine Beute in der Hand: eine Schlange! Wir haben tatsächlich eine Schlange überfahren und das bedeutet für den Chauffeur nichts anderes als ein leckeres Abendessen! Das Beste daran ist, dass die Schlange erst noch am Leben ist, und dass sich ein asiatischer Mitreisender bereit erklärt, die Schlange bis Hoi An zu halten. Wie gut, dass es sich doch um einen Glückstag handelt!

Leckeres Abendessen, das wir auf der Strasse gefunden haben!

Und dann sind wir in Hoi An und sind uns sehr schnell einig, dass es sich um ein absolutes Muss auf jeder Vietnam-Reise handelt! Auch diese Stadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und zwar verdientermassen! Die Altstadt ist, da sie in Kriegszeiten einigermassen verschont worden ist, gut erhalten und es ist ein richtiger Genuss durch die Gassen zu spazieren. Zudem gibt es hier Zonen, die Auto- und vor allem Motorradfrei sind, was in Vietnam wohl einzigartig ist und wir sehr zu schätzen wissen. Daneben ist Hoi An aber auch das Zentrum für Schneidereien und es gibt wohl Hunderte von Anbietern. Es wäre definitiv ein Fehler, hier zu widerstehen, denn die Angebote sind phänomenal. Schon am ersten Tag lassen wir uns in einem renommierten Geschäft jeweils ein Probehemd schneidern um die Qualität zu prüfen. Da wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden sind, platzieren wir gleich am nächsten Tag einen Grossauftrag. Anita kann dann auch beim Schuhmacher nicht widerstehen und bestellt gleich noch zwei Paar Massschuhe. Schliesslich finden wir noch einen weiteren Schneider, der uns überzeugt, so dass wir auch hier nochmals eine grössere Bestellung aufgeben. Was Shopping anbelangt, haben wir uns bisher ja einigermassen zurück gehalten, doch diese Investitionen mussten einfach sein!

Altstadt von Hoi An

Laden in Hoi An

Am dritten Tag leihen wir uns im Hotel klapprige Fahrräder und fahren an den Strand, der wenige Kilometer vom Ortszentrum entfernt ist. Auch vom Strand sind wir beeindruckt und Hoi An klettert in unserer Beliebtheitsskala höher und höher! Es gibt zwar mühsame Strandverkäufer, doch dafür kaum Hunde und so ist es durchaus auszuhalten. Allzu lange können wir aber leider nicht bleiben, denn am Nachmittag und Abend müssen wir erneut zur Kleiderprobe! Das Meiste passt, ab und zu mal eine kleine Korrektur, doch insgesamt sind wir sehr zufrieden und schicken unsere Kleider und Schuhe gleich mal Richtung Heimat!

Vorsicht Kinder in Hoi An

Nebst einer wunderschönen Altstadt, ausgezeichneten Shopping-Bedingungen und einem herrlichen Strand hat Hoi An aber auch eine grosse Auswahl an verlockenden Restaurants, Bars und Cafés. Wir probieren einfach alles, egal ob lokale Spezialitäten, Indisch oder Western Kitchen! Eine typische Szene erleben wir auch in einem kleinen, familiären Restaurant, das eine Karte mit Riesenauswahl bietet. Erst bestelle ich Gericht A, nach 5 Minuten erfahre ich, dass es Gericht A nicht mehr gibt, worauf ich Gericht B bestelle. Plötzlich entschuldigt sich der Kellner kurz und verschwindet mit seinem Roller. Er kommt zurück und teilt mir mit, dass auch Gericht B nicht serviert werden kann (da er auf dem Markt mein Fleisch nicht gefunden hat), worauf ich mich für Gericht C entscheide. Dieser Ablauf ist zwar nicht die Regel, doch erlebt haben wir es mehr als einmal. In Ninh Binh hat Anita z.B. erst nachdem ich schon fertig gegessen habe erfahren, dass ihr Gericht gar nicht zubereitet werden kann!

Strand in Hoi An

Wir beenden unseren Aufenthalt in Hoi An mit einem Ausflug zu den My Son Ruinen, die von den Cham-Königen teilweise bereits schon im 4. Jahrhundert errichtet worden sind. Der Ausflug ist lohnenswert, da insbesondere auch die Lage – mitten im Urwald – sehr ansprechend ist. Wieder einmal müssen wir aber Kritik am Tourguide üben, denn dieser ist in der ersten halben Stunde nur damit beschäftigt, den Leuten eine Rückreise auf dem Schiff anzudrehen, damit er eine Kommission einstecken kann. Uns frägt er sage und schreibe vier Mal! Als er dann mit seinen Erklärungen beginnt, erhält er nur wenig Aufmerksamkeit, was allerdings einzig auf sein sehr schwer verständliches Englisch zurückzuführen ist. Daraufhin wird er so sauer und wütend, dass er die ganze Reisegruppe anbrüllt, man solle ihm gefälligst zuhören, denn sonst könne er die Verantwortung nicht übernehmen und uns einfach in My Son lassen! Mäuschenstill wird es im Bus, doch das Trinkgeld und den Titel „Tourguide der Herzen“ hat der Herr nun definitiv verspielt!

Die Wächter in My Son waren tausend Mal freundlicher als unser Guide!

Ja, Vietnam ist voller Abenteuer und Erlebnisse und gehört sicher zu unseren Lieblingsdestinationen auf unserer Reise! Wer es geschafft hat bis hierher zu lesen, dem sei gratuliert! Wer noch mehr über Vietnam erfahren möchte, der muss sich noch ein paar Tage gedulden, denn dann folgt schon der zweite Teil!

Die Reise geht weiter! Auf Wiedersehen und bis bald!