Archive for September 2009

3. Reisebericht: Südafrika – Start in Kapstadt

September 24, 2009

Von Thomas

Nach knapp drei Wochen Namibia (und etwa 4’500km Autofahrt) ziehen wir weiter nach Südafrika. Vor uns steht eine 18-stündige Busfahrt von Windhoek nach Kapstadt. Dass das Busunternehmen das Rauchen im Bus verbietet, ist für mich gut nachvollziehbar, dass es allerdings auf Aufklebern auch verlangt, dass im Umkreis von zehn Metern ausserhalb des Busses auf das Rauchen verzichtet wird, halte ich rein umsetzungs- und kontrolltechnisch für schwierig. Egal – wir machen es uns im „Intercape Sleepliner“ gemütlich und lauschen erst einmal den Sicherheitshinweisen, die uns in einem Film präsentiert werden. Die Sicherheitshinweise sind relativ knapp, umso länger dauert das gemeinsame Gebet, das im Anschluss gezeigt wird. Auch das etwas später folgende Entertainmentprogramm besteht lediglich aus einem Summary der zehn Gebote und einer Boygroup, welche ein christliches Lied zum Besten gibt. Bemerkenswert auch der SMS-Priester-Service, der von „Intercape Sleepliner“ angeboten wird. Sende „Prayer“ an die Nummer XXX und schon bist du mit einem Priester in Kontakt! Mit Gottes Hilfe finden wir aber relativ schnell ein paar Stunden Schlaf und treffen bald schon in Kapstadt ein, wo uns „Intercape Sleepliner“ gleich schon mit einem Gebet empfängt! Wir danken dem Herrn, dass er uns heil ans Ziel gebracht hat und so langsam beginne ich daran zu zweifeln, ob die Busse wirklich in solch einem einwandfreien Zustand sind, wie sie nach aussen scheinen.

Wir jauchzen und frohlocken, denn wir freuen uns darauf, ein neues Land und eine neue Stadt zu entdecken, doch spätestens beim dritten Halleluja wird uns bewusst, wie windig und kühl uns Kapstadt empfängt, was unsere anfängliche Euphorie doch etwas dämpft. Wie gut, dass wir unser Gepäck erstmals ein längeres Stück zu Fuss transportieren müssen, denn so geraten wir doch noch etwas ins Schwitzen. Trotzdem sind wir froh, endlich unseren Backpacker zu erreichen, da nicht nur die Last des Gepäcks anstrengt, sondern auch die zahlreich vertretenen Obdachlosen, welche zumindest in Bezug auf Kontaktfreudigkeit in der obersten Liga spielen. Wir freunden uns mit unserer Unterkunft an, verlassen diese dann – ohne erkennbaren Trennungsschmerz zu empfinden – relativ rasch, um uns vor dem Abendessen in einem äthiopischen Restaurant noch ein Willkommensbier in einem irischen Pub zu gönnen. Kapstadt ist voll von sehr netten Restaurants, Bars, Clubs und Cafés und ist uns in dieser Hinsicht sehr sympathisch! Umgeben von Bergen mit einer faszinierenden Pflanzenwelt und traumhaften Stränden ist sie auch optisch wunderschön anzusehen. Wie aber schon erwähnt, hat Kapstadt auch eine etwas düstere Seite, da man permanent mit einer gewaltigen Armut konfrontiert ist, bei der es einem ziemlich unwohl werden kann. Man kann sich selten richtig unbeschwert bewegen und muss immer ein wenig auf der Hut bleiben. Daran muss man sich erst gewöhnen…

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Tafelberg in Kapstadt – es ist kühl und windig

Bevor wir uns am nächsten Tag in den Sightseeing-Bus setzen (Wir gestehen hier öffentlich, dass wir das nicht zum ersten Mal machen, da wir dies für eine ausgezeichnete Möglichkeit halten, einen Überblick über die Stadt zu gewinnen. Gleichzeitig machen wir aber darauf aufmerksam, dass wir Sightseeing-Züglein meiden, da wir diese doof finden.), trinken wir noch einen „organic“ Kaffee in einem gesunden und trendigen Lokal. Da ich ungesunder weise noch meine Zigarette fertigrauchen möchte, lasse ich Anita schon mal vorgehen. Wer in Kapstadt orientierungslos wirkt oder einfach nur stehen bleibt auf der Strasse, wird in der Regel sehr rasch in Kontakt treten mit einem Obdachlosen. Bei mir taucht er auf wie aus dem Nichts. Es handelt sich um einen älteren Herrn mit schwerwiegenden Zahnproblemen und einer Gitarre in der Hand. Und er singt und schrumpelt die Gitarre. Er singt mir irgendwelche Liebeslieder und ich komme mir irgendwie blöd vor als einziger Zuhörer. Da ich der Situation nicht entkommen kann, muss ich sie einfach über mich ergehen lassen und das Beste daraus machen. So summe ich eben ein wenig mit, rauche die Zigarette fertig und bedanke mich mit ein paar Rand, bevor ich, ohne mich zu verlieben, wohl aber die musikalische Leistung anerkennend, in das Café flüchte.

Am Abend besuchen wir das Jazz-Konzert in unserem Backpacker. Wir haben das Glück, dass jeden Tag musikalische Veranstaltungen in unserer Unterkunft aufgeführt werden. Das Fehlen von isolierenden Wänden ermöglicht es uns, dass wir nichts verpassen, selbst wenn wir in unserem spartanischen Zimmer bleiben würden. Lange Zeit war ich der Überzeugung, dass sich die Band erst warm macht und sich etwas einspielt, bis ich am Applaus des spärlich vorhandenen Publikums erkennen konnte, dass das Konzert bereits in vollem Gange war. Dass ich nur mit Mühe zwei Stücke voneinander unterscheiden konnte, liegt lediglich an meinem Unvermögen, nicht an dem der Musiker. Diese haben ihren Auftritt prima hingekriegt und mit der Zeit konnte selbst ich mich ganz gut in die Musik einleben.

Da wir uns in einer der grössten Weinregionen der Welt befinden, haben wir für den nächsten Tag eine Wein-Tour gebucht. Auf dem Programm stehen vier Weingüter mit Besichtigung der Produktionsanlagen und anschliessender Degustation. Die Weinprobe hat es in sich, denn die Weine sind ausgezeichnet und die Weinproduzenten grosszügig. Mit roten „Bäckli“, grosser Zufriedenheit, aber auch einem Mangel an Vitalität kommen wir am Abend zurück nach Kapstadt, wo wir es gerade noch ins Restaurant schaffen, um den erlebnisreichen Tag bei einem saftigen Stück Kudu und etwas Vegetarischem gebührend zu beenden. Der Tag hat sich gelohnt und wir schlafen ausgezeichnet ein, ohne die leiseste Ahnung zu haben, welches Konzert an diesem Abend gespielt wird!

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Unterwegs im Weingebiet zwischen Stellenbosch und Franschhoek

Für den nächsten Tag haben wir eine Township-Tour gebucht. Es geht darum, dass einem das Leben in den zahlreichen Armenvierteln in der Vorstadt näher gebracht wird. Den Tag beginnen wir im District Six-Museum, wo eindrücklich aufgezeigt wird, wie zu Zeiten der Apartheid ein ganzes Viertel mit schwarzer und farbiger Bevölkerung niedergewalzt wurde. Dann bringt uns unser Führer nach Langa, einem der Elendsviertel am Rande der Stadt. Sehr schnell wird unsere Gruppe sprachlos, denn wie drastisch sich die Welt von einer Sekunde auf die nächste wandeln kann, hätten wir wohl kaum für möglich gehalten. Die Unterkünfte bestehen plötzlich nur aus Brettern und es reiht sich eine krumme Brett- und Wellblechhütte an die nächste. Wir sind eingeladen in ein lokales Pub um afrikanisches Bier zu kosten. Einen Moment lang wäre ich am liebsten gar nicht aus dem Bus gestiegen, denn mich überkommt plötzlich ein schreckliches Schamgefühl. Ich schäme mich für die unbeschreiblichen Lebensunterschiede, für unseren unermesslichen und kaum geschätzten Wohlstand und für die Tatsache, dass bei uns jede Hundehütte hundertmal besser aussieht als hier eine Behausung für eine ganze Familie. Das Pub ist einfach eine Hütte, die etwa doppelt so gross ist wie die anderen Hütten; im Lokal wird mit offenem Feuer geheizt. Im Pub hat es bereits Gäste und es wurde auch schon ein Kübel Bier gebraut. Wir trinken alle aus demselben Kübel, wobei es die Tradition verlangt, dass der Gastgeber als erster kostet um den Gästen die Sicherheit zu geben, dass das angebotene Nahrungsmittel in einwandfreiem Zustand ist. Trotzdem braucht es Überwindung auf die Einladung einzugehen, wenn einem plötzlich der Kübel an den Mund gehalten wird. Wir tun es aber dennoch und lassen die prekären hygienischen Verhältnisse und die Schweinegrippe erstmal ausser Acht.

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Beim afrikanischen Bier im Pub

Im Anschluss besichtigen wir unterschiedliche Wohnungen bzw. Behausungen und bleiben nach wie vor in unserem Schockzustand gefangen. Zwischen den Bewohnern gibt es klare soziale Unterschiede, wobei dies vor allem an den unterschiedlichen Unterkünften ersichtlich wird. Die Bewohner von Langa nennen das etwas anschaulichere Gebiet in ihrem Township „Beverly Hills“. Langa ist eine Stadt in der Stadt und es existieren eine gewisse Infrastruktur, eine Verwaltung und kommerzielle Aktivitäten. Es gibt z.B. Sportclubs, Geschäfte und einen Medizinmann. Diesen besuchen wir auf unserer Tour als nächstes. Seine Praxis ist eine ziemlich grosse Hütte, in der es sehr dunkel ist. Er braucht den Platz, denn die Hütte ist vollgestopft mit Tierfellen, -häuten und diversen Innereien, sowie Sträuchern, Pulvern und viel Ramsch. Wir erhalten die Gelegenheit, dem Medizinmann Fragen zu stellen, was wir zwar eifrig tun, doch wir verstehen leider nicht alles, was uns geantwortet wird, was teilweise sicherlich auch auf das Englisch des Medizinmannes zurückzuführen ist. Sein Wissen hat er von seinen Vorfahren erworben, welche ihn auch daran gehindert haben zur Schule zu gehen, damit er sich voll auf die Tätigkeit als Medizinmann konzentrieren kann. Offenbar hat er aber zuvor noch irgendwo gearbeitet. Unser Führer hat mir mitgeteilt, dass der Medizinmann auch hellseherische Fähigkeiten hat. Er konnte beispielsweise voraussehen, dass er am kommenden Tag seinen Job verlieren würde. Und siehe da! So ist es geschehen! Das war, wenn ich es richtig verstanden habe, der Tag, an welchem er dann tatsächlich auch als Medizinmann aktiv wurde. Die Zeit war quasi reif. Da der Mann ja eher in Anitas Metier tätig ist, haben sich die beiden noch über die Behandlung von spezifischen Beschwerden unterhalten, wobei ihn Anita nicht darüber aufgeklärt hat, dass auch sie in ihrer Laufbahn bereits Medikamente verschrieben hat. Das Gespräch war, soviel ich mitgekriegt habe, auch eher etwas oberflächlich, da er ihr höchstens irgendein Pulver gezeigt hat, nicht aber näher auf die Inhalts- und Wirkstoffe eingegangen ist. Offenbar gehen aber in Südafrika – zumindest teilweise – Schulmedizin und alternative Behandlungsmethoden gemeinsame Wege. Da die Medizinmänner bei einem sehr grossen Teil der Bevölkerung sehr geachtete Menschen sind, ist dieser gemeinsame Weg sicherlich nicht falsch, obschon ich mir nicht genau vorstellen kann, wie dieser Weg aussehen soll.

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Zu Besuch beim Medizinmann in Langa

Wir beenden die Tour mit der Besichtigung eines Hilfsprojekts, das Müttern die Gelegenheit gibt, ihr Kind in eine Krippe bzw. einen Kindergarten abzugeben und dabei einer Tätigkeit nachzugehen. Als wir in die Krippe kommen, üben die Kinder gerade eine Weihnachtsaufführung. Afrikanische Kinder schliesst man sofort ins Herz, denn sie sind Weltmeister im Strahlen und das grösste für sie ist es, auf einem Foto posieren zu können. Diese Gelegenheit geben wir ihnen im Anschluss sehr gerne und werden geradezu überrannt!

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Ansturm fürs Fotocasting

Den Nachmittag verbringen wir auf Robben Island, einer Gefängnisinsel vor Kapstadt, auf welcher vor allem politische Gefangene, darunter auch Nelson Mandela (27 Jahre lang), gefangen waren. Die Guides sind ehemalige Gefangene, die von ihrer Erfahrung und den Praktiken zu Zeiten der Apartheid berichten. Aus unserer Sicht ein sehr lohnenswerter Ausflug!

Am Abend sind wir eingeladen zu einem Braai in Stellenbosch bei einem alten Schulkameraden und –schatzi von Anita. Thomas heisst er und da er sechs Jahre in Stellenbosch studiert und doktoriert hat und mit einer Südafrikanerin zusammenlebt, kommt an diesem Abend ein kunterbunter Mix aus ganz schön vielen netten Leuten zusammen und wir geniessen einen unterhaltsamen Abend bei viel Fleisch und Bier! An dieser Stelle danken wir den beiden nochmals für den gelungenen Abend und die Einladung!

Den nächsten Tag verbringen wir mit Waschen und Organisieren der Weiterfahrt, spazieren aber auch noch ein wenig in der Stadt umher. An der Waterfront gehen wir noch etwas shoppen und finden schnell heraus, dass Reiseequipment in Südafrika deutlich günstiger ist als in der Schweiz! Anita kauft sich ein paar Trekkingschuhe, wobei ich nicht begreifen kann, dass der Hersteller das Schuhmodell „Masochist“ getauft hat. Noch weniger begreife ich aber, wie jemand dann ein solches Modell kaufen kann, doch darauf wir Anita sicherlich in einem späteren Bericht noch eingehen!

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Interessante Entdeckung im Supermarkt

Unsere Reise geht weiter entlang der südafrikanischen Küste nach Osten und wir nehmen uns das indische Sprichwort, das uns Renate mit auf den Weg gegeben hat, weiterhin zu Herzen: „Wenn dein Pferd tot ist, steig ab.“

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2. Reisebericht Namibia – der Norden

September 24, 2009

Von Anita

Zu Beginn des weiteren Geschehens, ein wichtiger Nachtrag: Golfi ist noch immer mit uns! Wir haben uns so gut miteinander verstanden, dass wir es einfach nicht übers Herz gebracht haben, den  tapferen weissen „Allesbewältiger“ da so stehen zu lassen. Auch das Hauptargument, welches bis anhin für ein grösseres (oder sichereres?) Auto gesprochen hat („Freilaufende  und möglicherweise aggressive Elefanten und Nashörner im Etosha Nationalpark “), haben wir dann mutig und abenteuerlustig verworfen.

Eine weitere Anmerkung bevor es zur eigentlichen Story geht, gilt der zeitlichen Verspätung dieses Berichtes. Wir entschuldigen uns dafür und nehmen uns vor, künftig aktueller zu sein… Zur allgemeinen Klarheit: der folgende Bericht beschreibt unsere Reise vom 8.9. bis zum 14.9.09.

Nach dem sozusagen freien Tag in Windhoek, der mit dem Besuch des weltbekannten und absolut besuchswerten „Joe’s Beerhouse“ (danke für den vielseitig erhaltenen Tip!) abgeschlossen wird, geht’s dann am Mittwochmorgen los in den Norden. Weil es innerhalb des Etosha Nationalparks nur drei Lodges gibt und die freien Zimmer immer knapp sind, müssen wir die Hinreise künstlich etwas in die Länge ziehen, da wie beim bereits erwähnten NWR nur noch für den 11. und 12.9. Zimmer kriegen. So haben wir also auf der Karte die Orte mit den grössten „Kreisen“ angeschaut und zwei ausgesucht, wovon wir insbesondere den ersten Ort Otjiwarongo schon so oft durch den besagten deutschen Radiosender gehört haben, dass wir schon eher von einem grösseren Ort ausgehen. Nun ja, das ist wohl auch hier wieder etwas übertrieben, aber wir finden ein Zimmer im Guesthouse, einen Supermarkt und ein gutes Café mit einem Papagei, der leider aufgrund des permanenten Zeitmangels der da wohnenden oder arbeitenden Leute nie sprechen gelernt hat (wir waren in den ca. 2 Stunden die einzigen Gäste bei 3-4 Angestellten). Aber gut, schliesslich ist unser Restaurant Tierfutterlieferant, Gärtnerei, Coiffeur-, Beauty- und Wellness-Salon und eben Verpflegungsort in einem… ich bin nicht sicher, ob man sogar ein Zimmer gekriegt hätte. Aber wenn nicht, dann hätt man sich sicher was einfallen lassen.

Da wir noch viel Zeit haben, besuchen wir die im Ort gelegene Krokodilfarm bzw. Zucht, wo wir recht ins Staunen kommen, bei Betrachtung der massiven Tiere, die einfach nur da liegen. Total träge und phlegmatisch. Irgendwie können wir es nicht glauben, dass diese schweren Kerle eigentlich sehr schnell und äusserst gefährlich sind. Die Krokodil-Babies können wir auch ansehen, der beissende, sehr strenge Geruch hält uns aber fast davon ab… wie alle Tier-Babies sind auch sie irgendwie „niedlich“ und sie bewegen sich sogar!

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Die Meinungen über „niedlich“ gehen auseinander… ich find den kleinen jedenfalls härzig.Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Tsumeb, der zweite ausgewählte „grosse Ort“ auf dem Weg zum Etosha Nationalpark. Tsumeb ist ca. 80 km von einem der total 3 Eingänge des Parks entfernt und ist deshalb bei Reisenden bekannt als Alternative zu den teuren Lodges im Park selber, wo wir ja dann die nächsten 2 Nächte sein werden. Aber die grosse Saison scheint lange vorbei zu sein oder weit weg zu liegen (obwohl gemäss Reiseführer der gerade beginnende Frühling in Namibia die beste Reisezeit sein soll). Wir finden kaum ein geöffnetes Café, die Strassen sind ausgestorben und das Leben sieht sehr gemächlich und langsam aus in Tsumeb. Trotzdem geben wir nicht auf und versuchen uns kulturell durch einen Besuch im Tsumeb Ballenbergmuseums weiterzubilden. “Tsumeb Cultural Village“, wie es heisst, ist ein Freichlichtmuseum, welches die Wohnbauten der verschiedenen Ethnien des Landes zeigt: Himba, Ovambo, Kavango, San, Herero etc. Die verschiedenen Hütten, Unterschlüpfe oder Häuser (irgendwie trifft jeder Ausdruck zu) zeigen, mit wie wenig diese Leute auskommen. Eine für unsere Verhältnisse als maximal Zweierzelt einzustufende Hausung war als „Family Hut“ ausgeschildert… Krasse Unterschiede und eindrücklich, wie diese Menschen z.T. noch immer zu leben scheinen. Umso erstaunter sind wir dann, als plötzlich 2 kleine Kinder auf uns zu kommen, die ganz offensichtlich in einem dieser Hütten zu wohnen scheinen. Keine Spur von den Eltern… Zweifelsohne ein interessantes Museum.

 

Familien Hütte

Familien Hütte einer Namibischen Ethnie

Ein weiterer Beweis dafür, dass man in Namibia relativ schnell einen Überblick erhält, ist die Ähnlichkeit des Managers unserer Unterkunft mit dem Inhaber des Hotels in Maltahöhe (s. Bericht Thomas). Wir fragen nach, ob er jemanden kennen würde in Maltahöhe. Und – wer hätte es gedacht – es handelt sich hier um Brüder J So klein ist die Welt, respektive Namibia.

Restaurants schliessen denn auch entsprechend früh in Tsumeb. Wir finden glücklicherweise eines der ca. 3 abends geöffneten Restaurants die es gibt und gehen gesättigt und unter einem Moskitonetz (wir befinden uns langsam aber sicher im Norden von Namibia, wo gemäss Internet und Reiseführer die Malariagefahr dann doch steigt aber keiner Prophylaxe macht) zu Bett, voller Vorfreude auf den nächsten grossen Wildlife Tag!

Um 5.15 Uhr reisst uns der erbarmungslose Wecker aus dem unruhigen Schlaf heraus. Aufstehen fällt nicht schwer, da es sich unter Moskitonetzen nicht so gut schläft und weil es heute viel zu sehen gibt! In der Dunkelheit fahrend, wissen wir nicht so genau, welche Tiere uns jeden Augenblick ins Auto rennen werden. Die wenigen geteerten, zweispurigen Strassen, auf denen man in der Regel eine Mindestgeschwindigkeit von 120 km/h hat, sind weder mit Banden noch mit einem Abstand zur „Wildnis“ ausgestattet und tote Tiere am Strassenrand sind leider regelmässig anzutreffen. Golfi scheint die Wildnis aber zu kennen und wir kommen ohne Zwischenfälle beim Tor des Etosha Nationalparks an.

Eingangstor zum Etosha Nationalpark um 7:15 Uhr

Der Weg bis zur ersten der drei Lodges innerhalb des Parks ist weiterhin schön geteert und wir rechnen nicht wirklich bereits hier mit Tieren, als Thomas plötzlich in allerletzter Sekunde eine Giraffe neben uns stehen sieht! Das ist schon ein einmaliges Gefühl! Die steht da, sehr gross und hoch, etwa 5m von uns weg und es scheint sie nicht im Geringsten zu stören! Vielleicht weil gerade die Golfs ihm so klein und harmlos vorkommen?  Hoffentlich denken so alle Tiere im Park, denn wir wissen aus dem Reiseführer, dass der Etosha Nationalpark ausser dem Büffel alle ‚Big Five‘ beheimatet: ca. 1500 Elefanten, 300 Nashörner, 300 Löwen und unbekannt viele Leoparden… Auf eine Konfrontation sind wir daher nicht gerade aus. Wir fahren einige Meter weiter und da kommt auch schon die zweite Attraktion, die unschwer durch einen typischen „Touri-Lastwagen“, der am Strassenrand steht, zu erkennen ist: wir sehen den ersten afrikanischen Etosha Elefanten aus nächster Nähe! Der ist also schon massiv grösser als wir… vor allem Thomas ist vorsichtig und mehr damit beschäftigt, sich korrekt zu verhalten (auch wenn wir eben nicht wissen, wie man sich den Tieren gegenüber „korrekt“  verhält), als dass er richtig gucken kann. Doch der Elefant greift uns zum Glück nicht an und wir fahren weiter. Uff. Als nächstes treffen wir erneut auf eine ziemlich fotogene Giraffe, die wir dann endlich so richtig ablichten können.

Giraffenstolz aus nächster Nähe (ohne Zoom...)

Giraffenstolz aus nächster Nähe (ohne Zoom...)

Giraffen sind echt gross, kommen einem aber irgendwie freundlich und putzig vor… Wie auch immer, was wir vom Etosha gehört haben, trifft offenbar zu: die eigentlich wilden Tiere sind dermassen an die vorbeirollenden Blechkisten gewohnt, dass sie nicht mal den Kopf heben, wenn ein Auto kommt. Wirklich eindrücklich, die Tiere aus dieser Nähe sehen zu können!

Endlich beim ersten Camp angekommen, besorgen wir uns eine Karte des Parks und stellen fest, dass es tatsächlich nur eine Verhaltensregel gibt: Das Auto darf nie verlassen werden ausser in den Lodges (wer hätte das auch getan??). Tja, man verhält sich offenbar einfach ganz normal, gut.

Der Etosha Nationalpark ist insgesamt fast 23‘000 km2 gross und der Name bedeutet „grosser weisser Platz“, was auf die in der Mitte liegende Salzpfanne hinweist, die sich im Norden des Parks befindet und ca. 20% der Gesamtfläche ausmacht. Die Karte zeigt uns, wo es Wasserlöcher gibt und man fährt so den ganzen Tag die mehr oder weniger gut präparierten Kieselstrassen (oder eben die „Gravel-roads“) entlang, zu diesen Trinkplätzen der zahlreichen Tiere. Auch zwischen den einzelnen Wasserstellen gibt es sehr viel zu sehen! Es vergeht kaum eine Minute, ohne dass man irgendwelche Zebras, Springböcke oder Gnus (übrigens das häufigste anzutreffende Trio im ganzen Park) die Strasse passieren lassen muss: im Etosha Park haben Tiere IMMER Vortritt (wovon sie auch schamlos Gebrauch machen). Ich möchte hier nochmals betonen: wir sitzen noch immer im 1.4 VW Chico der äusserst spartanisch ausgestattet ist und von den wilden Tieren trennen uns in der Regel nur einige Meter und ein Glasscheibe (von Hand runter oder bei Gefahr rauf zu kurbeln!).

Zebras, so weit das Auge reicht. Da heisst es schon mal, länger Vortritt zu gewähren.

Zebras, so weit das Auge reicht. Da heisst es schon mal, länger Vortritt zu gewähren.

Am ersten Tag sind wir also bereits sehr erfolgreich bei unserer Wildtierpirsch und entdecken nebst Elefanten, Giraffen, Springböcken, Streifengnus und Zebras auch noch Strausse, Kudus, Schabrackenschakale, Fleckenhyänen (die sind in der Tat so hässlich wie im Film „König der Tiere“), Mangusten, Scharrtiere, Warzenschweine, Impalas, Damara Kirkdikdiks, Kuhantilopen, Elands (Elantilopen) und einen kleinen Dinosaurier. Ok., hier muss ich zugeben, dass der kleine Dinosaurier der einzige war, der eben NICHT in der Broschüre abgebildet war. Ansonsten würde ich wohl auch einige der genannten Tiere nicht so richtig kennen – wie vielleicht der einzelne Leser auch? Kurz gesagt: es ist ein einmaliges Erlebnis und unbedingt zu empfehlen!!

Wasserloch "Nebrowski" im Etosha Nationalpark - bildliche Unterstützung zu den aufgezählten Tierarten.

Wasserloch "Nebrowski" im Etosha Nationalpark - bildliche Unterstützung zu den aufgezählten Tierarten.

Das Camp „Halali“, wo wir voller abenteuerlicher Eindrücke später ankommen, ist äusserst angenehm und wir können nach einem entspannenden Abend bei offenem Fenster den zahlreichen Tierlauten horchen, die uns zu filmreifen Träumen verleiten…

Jedes der drei Camps verfügt über ein  nahe gelegenes Wasserloch. Wir stehen sehr früh auf, um auf mögliche durstige Wildtiere zu stossen. Die scheinen aber leider auch lieber ausschlafen zu wollen, und so treffen wir am Halali Wasserloch lediglich auf ein paar Perlhühner und Vögel. Naja, es gibt ja noch viele Stellen zu besichtigen und angeregt von Tipps der andern Besucher, machen wir uns auf den Weg zu einem Wasserloch, an dem tags zuvor Löwen gesichtet wurden (Anmerkung: es fehlen noch Löwen und Nashörner auf der Liste der gesichteten Tiere..). Angekommen beim Loch, trauen wir  unseren Augen nicht: vor uns (natürlich in Golfis Sicherheit) liegt voller Pracht und sich der ihm allseits gewidmeten Aufmerksamkeit voll bewusst, der König der Tiere!!

Auch hier muss ich sagen, er ist wie im Bilderbuch: majestätisch, schon fast „snobbisch“, gewaltig und äusserst selbstbewusst!! Der liegt in der Mitter der Strasse, umzingelt von mindestens 5 Autos, genüsslich in die Sonne blinzelnd und nicht im Geringsten daran denkend, etwas an seiner Position zu ändern! Sehr eindrücklich und kribbelnd. Man könnte ihn stundenlang beobachten! Dann plötzlich taucht eine Löwin auf. Wir verstehen die hormonellen Massnahmen zu Regulation des Löwenbestandes  im Etosha Park in der Folge sehr gut, denn wir werden Zeugen des „Begrüssungsaktes“ unter Löwen, der sehr direkt, schnell und ganz laut abläuft… die zweite Löwin die irgendwo kurz auch noch zu sehen war, entzieht sich der ganzen Szene rec ht schnell da sie offensichtlich das fünfte Rad am Wagen ist. Wir „vom-Auto-aus-Beobachter“ sind so abgelenkt, dass wir nicht wissen wo sie hin ist und aufmerksam horchen, ob da nicht ein Geräusch vom Dach des Autos zu hören ist…

Ihre Mäjestät höchst persönlich.

Ihre Majestät höchst persönlich.

Zum Glück werden wir auch von keinem Löwen angegriffen und fahren den ausgeschilderten Wegen entlang weiter, wo wir permanent Tiere sehen können.

Das Wasserloch bei der heutigen Lodge (Okaukuejo) besuchen wir erst später bei Dunkelheit, denn die Trinkstellen bei den Lodges sind nachts jeweils beleuchtet, was weitere, eher nachtaktive Tiere zu entdecken verspricht. Wir begegnen denn auch noch dem „letzten“ fehlenden Tier auf der Liste: eine Nashornmutter mit ihrem Kleinen. Ich darf fast nicht sagen, dass wir die beiden zunächst für Warzenschweine gehalten haben… aber zu unserer Verteidigung muss ich hinzufügen, dass da zuerst ein riesiger Elefant daneben stand, dass die Beleuchtung nicht sonderlich stark war und dass die Nashörner echt nicht so gross sind, wie man sich vorstellt (zumindest nicht die Etosha-Spezies)!

Was mir an all diesen Wasserlöchern jeweils sehr gefallen hat, war die absolute Stille, die da normalerweise herrscht! Mensch gibt sich voll der Tierbeobachtung und trotz den manchmal ca. 50 Menschen drum herum – totenstille. Nur die Laute der Tiere, und keine Autobahn in der Ferne, kein Flugzeug, keine Feueralarme und kein Bass-Schlag eines tollen Songs (eine Ausnahme war der mobil-telefonierende Mensch, der das Wetter in Deutschland gleich der ganzen vom Nashorn betörten Menge mitteilte…).

Am nächsten Tag, es ist Sonntag, scheint irgendwie auch im Tierreich die Sonntagsruhe eingekehrt zu sein und wir treffen auf weit weniger Tiere als bisher. Hmm, möglicherweise liegt der Grund auch im Folgenden: Auch der Mensch ist ein Tier, ein „Gewohnheitstier“, und nach dem 30igsten Elefanten und dem 555sten Zebra ist man leider doch auch etwas abgestumpft…  Aber ganz klar und ich möchte hier auch nicht überheblich tönen: Etosha ist und bleibt eines der absoluten Highlights unserer ganzen Namibia-Tour. Die Bilder zeigen einiges, aber leider nicht das Gefühl, einem Löwen gegenüber zu stehen – im Golf!

Impressionen aus Etosha - die grauen Riesen.

Impressionen aus Etosha - die grauen Riesen.

Springböcke, die wohl zahlreichsten und graziösesten Vierbeiner im Etosha Park.

Springböcke, die wohl zahlreichsten und graziösesten Vierbeiner im Etosha Park.

Wir verbringen die letzte Nacht im „Norden“ in einem weiteren kleinen Ort, das den Namen Outjo trägt. Klingt schön, wie auch der Name der Unterkunft schön tönt: Aloe Guesthouse. Leider waren unsere Zimmergenossen statt wohlduftenden, romantischen Aloe-Pflanzen Horden von Moskitos, Käferli und eine riesen Spinne, die zu allem Unglück auch noch uuuunglaublich blitzschnell war. Thomas musste den Kampf ein zweites Mal antreten (ein Unentschieden hätte ich diesmal definitiv nicht akzeptiert, denn der Körperdurchmesser der Spinne war mindestens ein Fünfliber) und nach hartem Kampf reisen wir also heute noch immer zusammen umher J

Am nächsten Tag legen wir also die restlichen ca. 300 km nach Windhoek zurück, etwas wehmütig einerseits, weil unsere erste Etappe, Namibia, heute zu Ende geht, aber vor allem weil der unwiderrufliche Abschied vom ins Herzen geschlossenen Golfi naht. Beim Autoverleih gibt’s noch einige Probleme, welche leider bis zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Textes noch immer nicht gelöst sind, was wir dann halt als letztes Souvenir von Namibia und den da herrschenden Arbeitsgeschwindigkeiten mitnehmen müssen. Tja.

Unser Nachtbus nach Kapstadt fährt pünktlich um halb sieben los und wir nehmen eine weite, lange Reise in Angriff und freuen uns auf unsere zweite Reise-Etappe: SÜDAFRIKA!!

1. Reisebericht: Namibia – der Sueden

September 10, 2009

von Thomas

Namibia, was für ein Land! Nambia ist so, wie Gott die Welt erschaffen hat. Unendlich gross und weit, unberührt, ursprünglich und unglaublich schön. Beim Anflug war es uns allerdings schon etwas mulmig. Da verbringt man so viele Stunden im Flugzeug und freut sich darauf, dass es endlich losgeht, doch beim Blick aus dem Fenster sieht man einfach nur ein unendliches Nichts, eine Steppe und ein paar Berge. Was machen wir hier eigentlich und wie soll man dieses nicht enden wollende Land überhaupt erkunden?

Der Flughafen von Windhoeck, immerhin Landeshauptstadt mit etwa 250‘000 Einwohnern, ist sehr übersichtlich. Unsere B-737 der Air Namibia ist das einzige grössere Flugzeug auf dem Flughafen und man geht bequem zu Fuss in das Flughafenhauptgebäude, wo man von der relativ unkomplizierten Zollbehörde empfangen wird. Wichtig ist, dass man auf alle Fragen auf dem Einreiseformular eine Antwort gibt. Ein holländisches Paar, das vor uns in der Reihe stand, wusste noch nicht, wo es die erste Nacht verbringen wird und hat daher keine Unterkunft im Formular angeben können, was die Dame vom Zoll dazu bewog, einen äusserst scharfen Ton anzusetzen. Die Lage hat sich aber ebenso schnell entspannt, als das Paar irgendeine Unterkunft angegeben hat, das sie aus unserem Reiseführer entnommen hat.

Wir werden von unseren im Voraus gebuchten Taxichauffeuren empfangen und fahren erst mal zu unserer Unterkunft in Windhoeck. Plötzlich ist man mittendrin in einer endlosen Landschaft, umgeben von hohen Bergen – und was vom Flugzeug aus irgendwie öde aussah, wirkt nun unglaublich faszinierend!

Endlich sind wir im B&B Kashima angekommen und werden von den sehr freundlichen Besitzern, Jeanette und Jacques, empfangen. Leider aber auch von einem grossen Rottweiler namens Rübe und einem weiteren Hund, der keiner Rasse eindeutig zuzuordnen ist. Trotz fehlenden Stammbaums erscheint uns der Name Ugly aber etwas unfair, zumal der Hund doch einen sehr hübschen Eindruck hinterlässt. Dass die hunde-scheue Anita Rübes Forderung nach Streicheleinheiten nur wenige Stunden später ohne mit der Wimper zu zucken nachkommen würde, hätte ich bei Ankunft nicht für möglich gehalten. In der Tat sind uns die Hunde aber richtig ans Herz gewachsen. Wir beenden den Abend bei einem Windhoeck- und Tafel-Bier und kommen auch schon zum ersten Mal in den Genuss eines Braais. Braai ist mehr als einfach nur Grillieren. Braai scheint mir ein fester Lebensbestandteil, ein Stück Kultur, eine echte Lebensart der Menschen hier zu sein. Wir werden später überall in unseren Unterkünften Braai-Plätze sehen, was bei der ausgezeichneten Fleischqualität, –vielfalt und –menge auch sehr gut nachzuvollziehen ist!

Namibia 031

 

 

 

 

 

 

 

 

Anita hat viel Spass mit Ruebe

Am nächsten Tag schauen wir uns ein wenig in Windhoeck um, erledigen Einkäufe und holen unser Auto ab. Es handelt sich um einen schneeweissen Golf der ersten Generation, der in Südafrika immer noch hergestellt wird. Der Einer nennt sich hier Chico, wir haben offenbar die Version TenaCiti. Wir sind ganz zufrieden und gewöhnen uns auf der Rückfahrt ins Kashima erst mal an den Linksverkehr. Jeanette und Jacques haben uns angeboten, mit uns einen Ausflug in die Berge zu unternehmen, was wir natürlich dankend annehmen. Die Fahrt mit dem 4×4 auf den holprigen Pfaden ist ein echtes Erlebnis! Die Hunde kommen mit, müssen aber die Berge, welche bis zu 2‘500 Meter über Meer liegen, hochrennen. Die Aussicht ist phantastisch und wir sind hellbegeistert! Auf der Rückfahrt dürfen auch wir uns hinter das Steuer setzen, was ein echtes Erlebnis ist. Jacques meinte, es störe ihn nicht, wenn die Büsche das Auto zerkratzen, Ziel sei es aber schon, den Büschen etwas auszuweichen. Ich nehme seinen Rat zur Kenntnis und lasse uns mehr oder weniger gemütlich hinunterrollen!

Mit Jeanette und Jacques hoch ueber Windhoeck

Mit Jeanette und Jacques hoch ueber Windhoeck

Am nächsten Morgen geht es dann auf eigene Faust richtig los – und zwar in Richtung Swakopmund an der Atlantikküste! Schon nach wenigen Kilometern fahren wir an einem dicken Affen vorbei, der völlig unberührt vom Verkehr am Strassenrand sitzt. Wenig später rasen flinkere Artgenossen über die Strasse. Wir fahren etwas vorsichtiger und erreichen nach wenigen Stunden unser Ziel, das B&B Veronica in Swakopmund! Swakopmund wird zwar als Tourismushochburg betitelt, doch was wir antreffen an diesem Wochenende ist in einem absoluten Tiefschlaf versunken. Die Stadt ist sehr sauber und sehr deutsch. Ausserdem ist es etwas neblig und sehr kalt. Da reist man um die halbe Welt um Neues zu entdecken und kehrt nach tausenden von Kilometern im Café Anton im Schweizerhof ein um einen Kaffee zu schlürfen und geht abends ins Brauhaus, wo Weisswurst, Eisbein und Schweinebraten serviert werden… Aber lecker war es ja schon und am nächsten Tag kriegen wir eine Portion Afrika serviert, da wir eine Tour in die Namib Wüste gebucht haben, um die „small five“ zu entdecken. Wir wollen uns mal die kleinen Bewohner der Wüste anschauen…

Unser Tourguide, Thommi, ist ein echter Wüsten-Guru. Bevor es losgeht, fahren wir aber noch in die Waschanlage um das Wüstenmobil zu reinigen. Schätzungsweise zehn Reinigungskräfte rennen mit ihren Putzlappen um das Fahrzeug, um dieses völlig unsystematisch und ineffizient sauber zu bekommen. Ich würde sagen, dass die Aufgabe dann aber doch noch nach ziemlich langem Warten zu gut 70% erfüllt wurde. Der Führer, ca. 50 Jahre alt, anfangs etwas wortkarg, entpuppt sich als sehr lustiger Mensch mit grossem Wissen und Erfahrung. Das Tempo der Wüstenfahrt richtet sich nach seinen Entdeckungen. Plötzlich hält Thommi den Wagen an, steigt aus, rennt wie verrückt im Kreis herum im Wüstensand und keiner weiss, ob Thommi nicht dringend medizinische Hilfe in Anspruch nehmen muss. Schliesslich kehrt er aber mit breitem Grinsen zum Wagen zurück und präsentiert, was er soeben gefangen hat. Wir finden so ziemlich alles, was wir finden wollten: Chamäleons, Geckos, Blindschleichen, Eidechsen, Käfer und auch Schlangen. Vieles darf man auch berühren und wir sind ganz gerührt! Anita lässt sich mindestens drei Würmchen vom Chamäleon auf ihrem Arm wegfressen! Zufrieden kehren wir zurück nach Swakopmund, wo uns der Wind wieder kräftig um die Ohren bläst!

Namibia 068

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Wueste mit Thommi

Der nächste Tag kann als Beginn des echten Abenteuers angesehen werden. Vor uns steht die erste Strecke auf den Strassen der Kategorie „C“. Die Einstufung „C“ deutet darauf hin, dass sich diese Strassen in weniger gutem Zustand befinden. Noch bevor es losgeht, stellen wir fest, dass unser Golf bereits jetzt schon eine Reifenpanne hat – eine lange Schraube hat sich in den hinteren Reifen gebohrt, weshalb sich die Abreise verzögert. Mit dem Golf plötzlich mitten in der Wüste zu stecken, weit und breit nichts, mit nur einem Reserverad im Koffer, ist ein sehr besonderes Gefühl. Gefesselt von der Landschaft und der Einsamkeit kämpfen wir uns Kilometer für Kilometer Richtung Solitaire, wo es angeblich den besten Apfelkuchen in ganz Namibia geben soll. Auf den Strassen Namibias ist es Usanz, sich zu grüssen. Ich entscheide mich für das bei Chauffeuren öffentlicher Verkehrsbetriebe verbreitete „Zeigefinger-Mittelfinger-von-der-Faust-gestreckt“-Zeichen und stelle fest, dass die Grussfreudigkeit der Verkehrsteilnehmer massiv steigt, je verlassener die Gegend und je unwegsamer die Strasse ist. Das gilt insbesondere auch für uns, denn Zwei-Rad-Antrieb-Fahrzeuge sind auf dieser Strecke selten anzutreffen und je weiter man fährt, desto stärker wird einem bewusst, wie abhängig wir von möglichen „Helfern“ und von unserem Wagen, welchen wir später liebevoll “Golfi“ nennen werden, doch sind. Irgendwann erreichen wir Solitaire, einen kleinen Ort mitten im Nichts, bestehend aus einem Camping, einer Tankstelle und einer Bäckerei. Der Bäcker, der seiner Statur nach zu urteilen nach dem Motto „eins für dich und eins für mich“ lebt, leistet ausgezeichnete Arbeit (zumindest was die Apfelkuchen anbelangt) und wir brechen gestärkt auf, um die letzten 60 Kilometer zur Namib Desert Lodge anzugehen. Dort erwartet uns, leider schon etwas spät, ein kleines Paradies in einer ausgesprochen reizvollen Umgebung!

Mit Golfi in der Wueste

 

 

 

 

 

 

Mit Golfi in der Wueste

Schon um 4 Uhr stehen wir am nächsten Tag auf um möglichst früh beim Eingangstor in Sesriem zu sein, von wo aus man nach Sossousvlei weiterfährt um sich die faszinierende Dünenlandschaft anzusehen und Wanderungen zu unternehmen. In der Dunkelheit auf der Schotterstrasse zu fahren ist leicht unheimlich, doch schon bald begrüsst uns ein prächtiger Sonnenaufgang. Wir fahren vorbei an Springböcken, Oryx-Antilopen und Straussenvögel und wissen gar nicht so recht, was wir zuerst anschauen sollen: Die Landschaft, die Tierwelt oder vielleicht doch die Strasse? Mit einem Shuttle für Personen ohne 4×4-Wagen, fahren wir etwa vier Kilometer an den Fuss der Dünen. Wir begeben uns auf eine Wanderung auf den Big Daddy, eine etwa 375 Meter hohe Düne, die zu den höchsten der Welt zählt. Der Aufstieg zerrt an den Kräften, insbesondere ein relativ kleines, sehr steiles Stückchen, welches wir auf der eingeschlagenen „Abkürzung“ zwar im Voraus gesehen und in Kauf genommen, jedoch völlig unterschätzt haben. Verfolgt wurden wir von zwei Japanern, die, clever wie auch wir, ebenfalls die „Abkürzung“ gewählt haben. Dass der ältere des Japaner-Duos den Aufstieg überlebt hat, liess sein Gesichtsausdruck nicht gerade erkennen, wohl aber die Schweissspur, die er in den Dünen hinterlassen hat. Noch nie habe ich einen Japaner gesehen, der so erschöpft war, obschon ich zugeben muss, dass ich wahrscheinlich noch überhaupt nie in meinem Leben einen erschöpften Japaner gesehen habe. Als Belohnung winkte uns (auch den Japanern) der steile Abstieg durch den Wüstensand. Man kommt sich vor, als würde man den Big Daddy in Zeitlupe hinunterrennen, obschon man eigentlich Vollgas gibt. Knietief steckt man barfuss im Sand und kann so ziemlich jeden „Stunt“ hinlegen, den man möchte, denn man fällt auf jeden Fall federleicht! Nach drei, vier Stunden sind wir wieder erschöpft zurück beim Auto und merken uns für das nächste Mal, dass man sich durchaus auch zweimal vergewissern sollte, ob man auf die Wüstenwanderung genug Wasser mitgenommen hat. Ein halber Liter für zwei Personen ist jedenfalls zu knapp! Wir merken uns ebenfalls, dass das Tragen einer Wollmütze in der Wüste zu starken Schweisstreiben führt und daher eher ungeeignet ist. Das haben wir am Beispiel des älteren Japaners gesehen (übrigens der erste Japaner mit Wollmütze in der Wüste in meinem ganzen Leben).

Anita und Thomas auf dem Big Daddy

Anita und Thomas auf dem Big Daddy (fotografiert von einem Japaner)

 Da Namibia unendlich gross ist, können wir nicht direkt nach Aus weiterfahren, sondern müssen einen Zwischenstopp einlegen in Maltahöhe. Dies ist einer der Orte auf dieser Welt, den man nicht unbedingt gesehen haben muss. Überhaupt sind die Städte bzw. Dörfer bzw. Häuseransammlungen mit Menschenleben nicht sehr spektakulär in Namibia. Von Städtereisen würden wir dringend abraten. Wir staunen aber nicht schlecht, als uns der durchaus freundliche, leicht beschwipst wirkende Tankwart seine Sammlung von Unterschriften präsentiert. Er bittet jeweils alle Reisenden, die kurz Halt in Maltahöhe machen, sich auf den Wänden seines Tankshops zu verewigen. Und siehe da: Es scheint, als habe sich hier schon die halbe Welt blicken lassen! In unserer Unterkunft, dem Hotel „Maltahöhe“, werden wir nicht nur vom Wirt, sondern auch von einem Pittbull begrüsst, was bei uns nur begrenzte Begeisterung auslöst. Das Hotel hat Ostblock-Charme und einen netten Biergarten, wo wir uns mit einem älteren belgischen Paar unterhalten, das auch mit einem VW Chico unterwegs ist. Abends speisen wir im hoteleigenen Restaurant und lauschen den Skihütten-Gaudi-Halli-Galli-Klängen, die aus der Bar in den Speisesaal strömen. Anschliessend verabschieden wir uns von den Gästen an der Bar (u.a. der Tankwart und sein Doppelgänger) und dann flieg, flieg, fliegen wir wie ein Vogel ins Bett, denn wir sind nicht mehr so stark, stark, stark wie ein Tiger…

Am nächsten Tag fahren wir über eine gute Schotterstrasse nach Aus. Das „Klein-Aus-Vista“ ist eine tolle Unterkunft! Wir gehen am Nachmittag drei Stunden wandern und geniessen am Abend einen phantastischen „Sundowner“ und spielen noch ein wenig „Shithead“, ein intelligentes Kartenspiel, bei welchem wir uns einen knallharten Kampf liefern. Da Anita etwas im Rückstand ist, spricht sie bereits davon, dass wir wohl eher auf ein Würfelspiel ausweichen sollten. Kommt vorerst nicht in Frage!

Auf Wanderung bei Aus

Auf Wanderung bei Aus

Unsere nächste Destination heisst Ai-Ais, ein Wohlfühlort mit heissen Thermalquellen. Den Namen erhielt der Ort vermutlich von einem in der Schweiz lebenden italienischen Gastarbeiter, der hier vor vielen Jahren seinen Finger in das Thermalwasser gehalten hat und meinte „Ai-Ais“ (ich versuche gerade den Blog so richtig witzig zu gestalten, sorry). Auf dem Weg dorthin wurden wir leicht in die Irre geführt, denn direkt vor einer der wenigen Abzweigungen stand ein riesengrosses Schild mit der Aufschrift „Ai-Ais Lodge, Pfeil nach rechts, 25km“. Obschon das nicht unbedingt dem Weg gemäss Strassenatlas entsprach, wollten wir es doch wagen. Anita wies zudem darauf hin, dass „Ai-Ais“ ja nur „warme Quelle“ bedeutet, und dass es daher wohl verschiedene „Ai-Ais“ gibt. Natürlich führte der Weg nirgendwo hin, so dass wir uns entschlossen, eine Strasse der Kategorie „D“ einzuschlagen, um per Abkürzung wieder auf unsere ursprüngliche Route zurückzukehren. Wir sind dann irgendwo im Sand steckengeblieben und mussten unsere Muskeln und die mit sehr viel Staub in Kontakt getretenen Lungen sehr stark beanspruchen um uns da wieder rauszubringen. An dieser Stelle danke ich Anita nochmals für den tollen Einsatz! Nach über 600km Fahrt haben wir dann unser Ziel doch noch erreicht und konnten uns in den warmen Quellen prima erholen!

Am nächsten Morgen fuhren wir zum Fish River Canyon, dem zweitgrössten Canyon der Welt! Wir haben einen von drei Trampern mitgenommen, die beim Eingangstor auf Mitfahrgelegenheit warteten. Die drei sind per Autostopp in Namibia unterwegs und hatten soeben einen dreitätigen Fussmarsch durch den Canyon hinter sich. Der Geruch im Auto war auszuhalten und die Unterhaltung war ganz nett. Wir waren froh, dass wir nur Tim ins Auto quetschen konnten, denn sein Bruder war offenbar bereits in einem fortgeschrittenen Verwesungsstadium. Der Canyon ist überwältigend und wir können kaum aufhören, Fotos zu machen! Wir bitten euch jetzt schon, für unseren Dia-Abend zwei Übernachtungen zu buchen!

Fish River Canyon

Anita und Thomas auf dem Fish River Canyon

Auf dem Weg nach Keetmannshoop versuchen wir wieder unseren Lieblingssender zu empfangen. Der deutschsprachige Rundfunk „aus Windhoeck für ganz Namibia!“ ist das informative Radio mit der persönlichen Note. „Soeben berichtet uns ein Hörer, dass es etwa 42km nördlich von Otjiwarongo vermutlich zu einem Unfall gekommen ist. Bei der Besichtigung der Unfallstelle sind unserem Hörer zwei Bull Terrier, sogenannte „Schweinehunde“, aufgefallen, die sehr verschüchtert waren. Vielleicht besteht die Möglichkeit, dass sich das lokale Tierheim der Sache annimmt“. Diese Meldung ist mindestens dreimal durchgegeben worden, anschliessend folgte dies: „Soeben haben wir einen Anruf von Frau Niedermeyer erhalten. Sie hat die Frau Bauer vom lokalen Tierheim in Otjiwarongo angerufen und ihr vom Unfall berichtet. Frau Bauer ist so freundlich und wird die Unfallstelle besichtigen, wobei sie noch nach einem geeigneten Fahrzeug sucht, um die Tiere allenfalls abtransportieren zu können. Vermutlich wird sie aber schon in etwa 15-20 Minuten losfahren können.“. Interessant ist auch die Wettermeldung von der Praktikantin bei unserem Lieblingssender: „Ja, und am kommenden Montag erwarten wir eine Wetterverschlechterung, was ich natürlich nicht so toll finde, da ja dann mein Urlaub beginnt…“. Es kommt auch schnell mal vor, dass ein falsches „Knöpfchen“ gedrückt wird, so dass statt Roland Kaiser doch nur italienische Schnulze zu hören ist oder ein Beitrag einfach ein zweites Mal gesendet wird. Leider scheint es heute mit dem Empfang nicht so gut zu klappen…

In der Nähe von Keetmannshoop besichtigen wir eine Geparden-Farm (Geparden gehören übrigens in die Familie der Hunde und nicht etwa der Katzen), was uns ziemlich beeindruckt, denn wir sind mit den Tieren im Gehege und erhalten die Möglichkeit, eines der Tiere anzufassen, ja gar richtig zu streicheln. Dies ist nur möglich, solange die Tiere ihren Kudu verschlingen. Diese Gelegenheit hat Anita nicht ausgelassen, ich hingegen schon, da der Gepard, als ich dann an der Reihe war, plötzlich sein Fleisch nicht mehr gekaut, sondern nur blöd in der Gegend herumgeschaut hat. Später berichtete uns Jeanette, dass es gerade kürzlich zu einem schrecklichen Unfall auf einer dieser Farmen gekommen ist, bei welchem ein Freund eines Bekannten von ihr von solch einem Tier angegriffen worden ist. Ich sage nur: „Sicher isch sicher, he.“.

Anita mit Gepard

Anita mit Gepard

Im Anschluss sehen wir uns noch die „Kookerbooms“ an und verbringen den Abend dann im „Schützenhaus“ bei Wildspiess und einem Salatteller! Auf dem Weg zurück nach Windhoeck übernachten wir in Mariental, einem weiteren Ort, den man nicht gesehen haben muss. Unser Chalet ist zwar gemütlich, doch die Lage an der Strasse der Kategorie „B“ ist nicht gerade verlockend und weit und breit gibt es kaum etwas, was man besichtigen könnte. Wir faulenzen also etwas herum und bereiten uns auf die Nacht vor, da hier verschiedenes – nicht nur der Wächter der Anlage – darauf hinweist, dass es zu (zahlreichen?) Einbrüchen kommt. Bevor wir aber ins Bett gehen kämpfen wir noch mit einer Spinne, wobei der Kampf unentschieden ausfällt, denn beide Parteien leben immer noch! Auch die Nacht haben wir ohne Raubüberfall überlebt, vermutlich vor allem Dank meinem ausgeklügelten Sicherheitssystem, bei welchem sämtliche Möbel vor die Türen und Fenster gestellt wurden!

Tja, und nun sind wir wieder in Windhoeck angelangt, wo wir etwas entspannen, weiter organisieren und waschen werden! Im B&B Kashima angelangt, fühlen wir uns fast schon wie zu Hause! Bald geht es ab in den Norden, wo der Etosha Nationalpark auf uns wartet!