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7. Reisebericht: Oh! Ah! Wow! Wir sind in Dubai!

November 18, 2009

von Thomas

Kurz nach Mitternacht am 5.10.2009 landen wir in Dubai. Fast schade, dass der achtstündige Flug schon vorbei ist, denn bei den „Emirates“ fühlt man sich wirklich pudelwohl. Das Wohlgefühl dauert aber auch nach der Landung an, denn schon bald sind wir in unserem Hotel, welches so ziemlich alles bietet, was man sich für einen angenehmen Aufenthalt wünscht: grosse, komfortable Betten, eine komplett ausgestattete Küche mit Waschmaschine, ein grosszügiges Bad mit Personenwaage und all die kleinen, unverzichtbaren Details wie Bademäntel, Pantoffeln, Haarkämme und Duschhauben. Nach mehr als zwei Monaten „Sendepause“ können wir hier auch wieder einmal deutsches Fernsehen schauen: RTL2, ZDF und ARD. Da wollen wir uns mal nicht beklagen. Verlässt man das Zimmer, kommt man in den Genuss warmer Panflötenmusik (mir wären zwar Harfenklänge lieber gewesen), die uns in den Zustand völliger Entspannung und Zufriedenheit versetzt. Ich glaube, dass sich selbst ein Kind mit ernsthafter Aufmerksamkeitsstörung bei „I will always love you“ von Whitney Houston auf Panflöte zu einem ruhigen, braven und ausgeglichenen Sonnenschein verwandelt.

Wir wohnen zwar nicht im Burj Al Arab aber fast so schön...

Am nächsten Tag wollen wir die „Dubai City Tour“ buchen. Das hilfsbereite Hotelpersonal, das einem jederzeit ein freundliches Lächeln schenkt und alle Wünsche den Augen ablesen kann, organisiert eine Privattour für uns, da es uns für die „offizielle“ Tour nicht mehr reichen würde. Nur zwei Minuten später steht Rafeek vor uns, unser Privatführer für die nächsten vier Stunden. Rafeek ist gepflegt, hat einen sauberen Scheitel, fährt einen strahlend-weissen Lexus mit Ledersitzen, doch obschon alles so herrlich passen würde, taugt er als Chauffeur nicht wirklich viel. Noch weniger taugt er aber als Fremdenführer. Die einzige von sich aus eingebrachte Information in den ersten 30 Minuten war „This is creek“, beim Überqueren des Flusses. Die meisten unserer Fragen hat er entweder ungenügend oder unglaubwürdig beantwortet, manche schien er gar zu überhören, selbst bei mehrfacher Wiederholung. Wir halten beim Dubai Museum, wo wir Einblick erhalten in die Geschichte Dubais und die Traditionen des Landes. Weiter gehr es zur Dubai Shopping Mall, die grösste Mall der Welt, welche gleich neben dem höchsten Gebäude der Welt steht, dem Burj Dubai. Rafeek begleitet uns durch die Mall und wir ringen nach Atem, denn die Dimensionen und die Ausstattung der Mall sind atemberaubend und das von Rafeek vorgegebene Besichtigungstempo erschlagend. Die Fahrt geht weiter zur künstlichen Insel Palm Jumeirah. Rafeeks Qualität als Fremdenführer hat sich unterdessen etwas gebessert, was wahrscheinlich einerseits darauf zurückzuführen ist, dass wir uns gegenseitig an unserer Akzente in der englischen Sprache gewöhnt haben, andererseits haben wir aber auch unsere Erwartungen in Bezug auf die Tour nach unten korrigiert. Wir besuchen das Megahotel Atlantis in welchem Rafeek seine Beziehungen spielen lässt und uns Zugang gewährt zur Lounge, die sonst nur von Hotelgästen besucht werden darf. Er lässt uns dies mindestens drei Mal wissen und wir sind nicht nur von der Lounge, sondern auch von Rafeeks Beziehungsnetz sehr beeindruckt. Wir verlassen die Palmeninsel und Rafeek stoppt beim Burj Al Arab, dem mächtigen Segelschiffhotel, wo wir kurz ein paar Fotos schiessen können. Dann verlautet er: „Now, back hotel!“. Ich bitte ihn, uns wenigstens noch einen Strand zu zeigen und er zeigt sich von der unkomplizierten Seite und meint: „ Ok, beach, then back hotel!“.

Der Burj Dubai ist das höchste Gebäde der Welt!

Zurück in Deira, unserem Stadtteil, besuchen wir noch das nahegelegene Shoppingzentrum, um uns etwas abzukühlen. Wir lieben es, uns in fremden Ländern die Supermärkte anzuschauen. Im Carrefour kommen wir ins Schwärmen und ich summe leise den Werbeslogen vor mich hin: „Avec Carrefour, je positive!“. Hier finden wir alles, was man von zu Hause kennt, aber eben noch Etliches mehr: duftende Gewürze, frischen, exotischen Fisch, libanesischen Frischkäse, arabisches Brot und alkoholfreies Bier mit Fruchtaromen von der Feldschlösschen-Brauerei in Rheinfelden! In der Bücherabteilung finde ich gar den heiligen Koran, der zu meinem Erstaunen von Nicht-Muslimen gar nicht erst berührt werden darf! Wie soll man denn da neue Leserschaft gewinnen?

Am Abend steigen wir in die vor kurzem eröffnete Metro um einfach irgendwohin zu fahren und ein Restaurant zu finden. Wow, was für ein Fahrgefühl! Alles hochmodern, blitzblank, sicher und erst noch begleitet von angenehmem Hintergrundsound. Wir landen in einem indischen Restaurant, wo wir als einzige Gäste, trotz Rugby-Spiels (Indien gegen Australien), die volle Aufmerksamkeit der zahlreichen Kellner erhalten. Hier können wir (endlich) ein Bier bestellen und auf unsere Ankunft anstossen. Serviert wird es vom zweitfreundlichsten Kellner, den wir in unserem ganzen Leben getroffen haben (an erster Stelle rangiert immer noch der junge, knuddelige Mexikaner, der sich ständig verbeugt und lächelnd alles Aufgetischte mit den Worten „es para servirle“ kommentiert hat.). Das Restaurant heisst Bollywood Café und es dauert nicht lange bis wir in den Genuss einer Fast-Privat-Show kommen mit zwei Sängern und etwa 20 Tänzerinnen. Nicht schlecht für den Anfang!

Da wir gerne zu Fuss unterwegs sind, wagen wir es am nächten Tag einfach mal. Nichts schreckt uns ab: Weder die XXL-Strassen, noch die riesigen Baustellen, selbst die Hitze schafft es nicht! Wir wollen es einfach probieren. Doch wir wandern und wandern und kommen doch kaum voran. Wir schwitzen und stöhnen, gelangen aber irgendwann irgendwie doch an eines der anvisierten Ziele: einen Park am Fluss! Der Park ist zwar sehr gepflegt, doch richtig spassig ist es hier nicht. Wir stellen aber fest: Ob in der Schweiz, in Südafrika oder in Dubai, Grillen ist weltweit ein Hit und scheint wesentlich zur Entspannung der Menschen beizutragen. Wer sich also für den Weltfrieden einsetzen möchte (und das tun in der Regel die Schönsten dieser Welt), sollte am besten einfach eine weltweite Friedensgrillade organisieren. Nach dieser Erkenntnis treten wir den Heimweg an und entspannen uns noch ein wenig am Hotelpool.  Am späteren Abend gibt’s dann noch deutsches Fernsehen: „Wetten dass..?“ bis spät in die Nacht hinein!

Lustiges Bild mit lustigem Baum im Creek Side Park

Insgesamt sind wir etwas zwiegespalten in Bezug auf Dubai. Es ist einerseits wirklich die Stadt der Superlative und beeindruckt sicherlich jeden Besucher. Der Burj Dubai mit seinen 818 Metern kann keinen kalt lassen. Auch beim Anblick der Riesenaquarien, die z.B. im Hotel Atlantis oder in der Dubai Shopping Mall zu finden sind, ist man einfach nur überwältigt. Da gibt es Mantas, Haie, ja selbst kleine Wale zu sehen! Vergessen und verflogen ist der Zauber des Vivariums im Basler Zolli im Vergleich zu dieser Unterwasser-Kulisse, die einem hier geboten wird! Und wohlbemerkt: Das Aquarium hier soll lediglich etwas Entspannung vom anstrengenden Shopping bieten. Natürlich zieht es als Attraktion auch Leute an, die dann auch noch etwas einkaufen, doch egal in welche Richtung der Mechanismus spielt, in Dubai dreht sich alles ums Shopping. In Dubai stehen wohl mehr als 40 Shopping Malls und diese werden uns z.B. von unserem Hotelpersonal gar als „Stadtzentrum“ genannt. Alles in Dubai ist mega, alles ist luxuriös, alles ist sauber, doch alles ist auch künstlich. Dubai ist die Stadt der „Ahhs, Ohhs und Wows“, doch so beeindruckend diese Welt auch ist, man kriegt schnell genug davon, denn der Stadt mangelt es an wahrem Leben, an Geschichte und Charme. Wir empfehlen aber durchaus, sich hier mal eine Woche verwöhnen zu lassen, die Sonnenseiten des Lebens zu geniessen und schön einkaufen zu gehen!

Eine der vielen Skylines in Dubai; ständig entstehen aber neue!

Am nächten Tag will ich raus aus der Stadt! Ich habe eine Tour zu den Hatta Mountains gebucht um etwas von der Umgebung kennen zu lernen. Anita bevorzugt es in Dubai zu bleiben und den Fitness-Raum auszukosten (für mich ein weiterer Grund, Dubai zu verlassen). Ich hielt es für einen Scherz, als uns der Führer nach etwa einer Stunde Fahrt um die Pässe bittet. Ich habe nur meine Identitätskarte und eine vom mosambikanischen Notar beglaubigte Passkopie dabei. Wer hätte gedacht, dass wir das Land verlassen und via den Oman reisen würden? Der Führer will es einfach mal mit meiner ID versuchen. Glück gehabt, man winkt uns einfach mal durch. Nur wenige Minuten später folgt aber schon der nächste Halt! Schon wieder die Militärpolizei und die Soldaten mit ihren Maschinengewehren sehen so aus wie die „Bösen“ in amerikanischen Kriegs-Action-Filmen. Oh, nein, wir haben es mit einem ganz Genauen zu tun. Er blättert die Pässe der anderen Tour-Teilnehmer durch und gelangt schliesslich irgendwann zu meiner ID. Ich sehe es schon vor mir: Man wird mich festhalten, ausquetschen und in den Knast sperren bis sich ein Bundesrat für mein Verhalten entschuldigt! Es kommt aber anders. Der Beamte fragt zu meinem Erstaunen: „Is this bank card?“. Da es sich um die zweitdümmste Frage handelt, die mir jemals im Zusammenhang mit meiner ID gestellt wurde, will ich schon fast loslachen (führend ist übrigens immer noch die Angestellte in einem Hotelcasino in Las Vegas, die beim Durchlesen meiner ID fragte: „Are you Canadian?“), doch ich kann mich noch einen Moment lang beherrschen und erkläre ernst, sachlich und verständnisvoll (als würde man mir jedes Mal diese Frage stellen): “Oh, no, this is an identity card.“ Dem Beamten scheint diese Erklärung absolut zu genügen und er winkt uns durch. Auch an den vier weiteren Kontroll- bzw. Grenzposten, die wir bis zur Rückkehr passieren werden, erlebe ich keine Schwierigkeiten, weshalb ich zum Schluss komme, dass die „Bösen“ gar nicht so bös sind, sondern ganz ok!

Ausflug in die Hatta Mountains

 Die Tour-Gruppe besteht übrigens aus einem Deutschen und einem schwedischen Paar in den 60-ern. Es ist interessant, dass wir alle unterschiedliche Vorstellungen haben in Bezug auf Dauer und Preis der Tour, doch bei der Bewertung des Tour-Guides sind wir uns alle ziemlich einig: ziemlich schwach… Insgesamt hat es sich aber trotzdem gelohnt, denn allein schon das Vorbeifahren an den Dünen und den Kamelen ist ziemlich aussergewöhnlich. Bei den Hatta Mountains handelt es sich um ein karges, formschönes Gebirge, in welchem man auf den ersten Blick keine Bademöglichkeiten erwarten würde. Dies erweist sich aber als falsch, denn die Flüsse haben tiefe Gräben in das Gestein geschnitten, wo sich das Wasser auch bei gewaltiger Hitze noch lange halten kann. Trotz pinkelwarmen Wassers war das Schwimmen in den „Wadis“ wirklich märchenhaft!

Zurück in Dubai mache ich mich mit Anita nochmals auf in die Stadt. Am Creek winken wir ein Holzschiffchen herbei und lassen uns dem Fluss entlang herum chauffieren. Wir fahren vorbei an unzähligen spektakulären Riesenbauten und finden die Fahrt äusserst entspannend. Bei den Soaks, den Märkten, steigen wir aus und entdecken das, was uns in Dubai bisher gefehlt hat: Ein Stück „echtes“ Leben! Hier gibt es so etwas wie eine Altstadt mit kleinen Gassen, unzähligen Marktständen und Menschen auf der Strasse; sogar sehr vielen Menschen! Wir spazieren noch lange dem Fluss entlang und kühlen uns ab und zu in den klimatisierten Bushaltestellen ab; für die letzten paar Kilometer steigen wir aber doch noch in ein Taxi.

Flussfahrt auf dem Dubai Creek

Am nächsten Tag müssen wir bereits schon auschecken, doch unser Flug geht erst um Mitternacht. Wir entscheiden uns den Tag in Shopping Centern zu verbringen, da man hier nicht ins Schwitzen kommt und Anita noch Einiges einkaufen möchte. Es ist verrückt, Skihallen und Kunsteisbahnen in diesem Wüstenland anzutreffen, doch sie gehören genau so zu Dubai, wie die Galeries Lafayette zu Paris, wobei man die Galeries natürlich auch in Dubai findet. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnen schliesslich die Vorführungen der gewaltigen Wasserfontänen bei der Dubai Mall, doch wie in Show Nr. 2 dargeboten, heisst es auch für uns schon langsam „Time to say goodbye!“. Goodbye, Dubai!

Goodbye Dubai!

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